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281 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 29

Die Buchmacher vom 10.06.2003 - buchreport.express

Der verlängerte Samstags-Ladenschluss "hilft nur den Großen", titelt der buchreport. Das ist im Buchhandel nicht anders als im gesamten Einzelhandel. "In Klein- und Mittelstädten, aber auch in vielen Großstädten" gebe es nach Ansicht der ansässigen Buchhändler keine ausreichende Nachfrage fürs samstägliche Einkaufen bis 20 Uhr. Durch Zuschläge und Freizeitausgleich würden die neuen Öffnungszeiten zum Kostenfaktor. "In vielen deutschen Städten haben Einzelhändler branchenübergreifend versucht, per Absprache einheitliche Lösungen zu finden. (...) Allerdings: Wer auch in Zukunft schon vor 20 Uhr die Lichter ausgehen lässt, ist nicht sicher, ob er nicht mit Nachteilen rechnen muss".

Der Branche geht es offenbar noch nicht schlecht genug, schreibt der buchreport. "Die jährliche Logistikumfrage des Börsenvereins für 2002 macht deutlich, dass auf den Bestellwegen, der Auslieferung und den Remissionen immer noch viel zu viel Geld verschwendet und Möglichkeiten zur Rationalisierung im Sortiment zu wenig wahrgenommen werden". Die sei ein "ökonomischer und ökologischer Irrsinn", erklärt Andrea Czepek in einem Kommentar. "Sinnvoller wäre eine deutlichere Aufteilung, nach der bei den Verlagen nur große Bestellungen, bei den Barsortimenten hingegen alle kleineren Mengen zu bestellen wären."

Buchhändler ärgern sich, weil der Potter-Verlag Carlsen ihnen für "Harry Potter und der Orden des Phönix" kein Rückgaberecht einräumen will. Der Verlag argumentiert, dies sei doch schon bei Band vier so gewesen. Außerdem werde sich Band fünf sicherlich ebenso gut verkaufen wie sein Vorgänger. "Doch es sprechen einige Gründe für ein erhöhtes Risiko", hält der buchreport dagegen. "Der Band könnte nicht so gut gelungen sein wie die bisherigen vier. 1.000 Seiten könnten für viele Fans ein zu großes Hindernis darstellen. Das Interesse der Kinder, die noch bei Band 4 gefiebert haben, kann inzwischen abgekühlt sein, immerhin sind sie inzwischen drei Jahre älter." Und: "Das Buch ist mit 28,50 Euro das bislang teuerste Kinderbuch."

Random House hat dem Bundeskartellamt ein Gutachten geschickt, um doch noch die Zustimmung der Behörde zur Übernahme der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List zu erreichen. Verfasser des Gutachtens ist Wernhard Möschel, Wirtschaftsjurist an der Uni Tübingen und "eine der Koryphäen seines Faches". "Möschel lässt kein gutes Haar an dem Text, mit dem das Kartellamt auf 62 Seiten begründet hat, warum es die Übernahme von Ullstein Heyne List durch Random House vorläufig nicht genehmigen werde. Zu den barschen Formulierungen seines Schriftsatzes gehören Wendungen wie "Evident rechtswidrig", "Falsche Tatsachenbasis", "Verstoß gegen die Denkgesetze", "Keine konkreten Ermittlungen, sondern in hohem Maße Spekulationen" oder "Gravierende Rechtsfehler". Fazit seines Gutachtens, für das ihm Auftraggeber Random House nach Zustellung der Abmahnung durch das Kartellamt am 22. Mai gerade 14 Tage Zeit lassen konnte: Das Kartellamt darf den Buchmarkt nicht so unterteilen, wie in der Begründung geschehen, sondern kann nur von einem Hochpreis- und einem Niedrigpreissegment ausgehen." In einem Kommentar schreibt "HH", Möschel werde das Kartellamt mit seinem Gutachten kaum umstimmen. Die Auseinandersetzung werde voraussichtlich vor den Gerichten fortgesetzt. Darauf habe Random House sich mit dem Gutachten "offensichtlich bereits eingerichtet, denn vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf dürfte die harsche Abrechnung des Renommier-Juristen Möschel anders bewertet werden als jetzt vermutlich durch das Kartellamt. Ein Sieg in Düsseldorf wäre freilich noch immer nicht das Finale in diesem Streit, denn der beigeladene Deutsche Taschenbuch Verlag hat sich durch seine Gesellschafter per einstimmigen Beschluss die Zusage geben lassen, dann vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe in die Revision zu gehen." Mehr hier.

Der bayerische Buchpreis "Corine" - der sich im Untertitel freilich Internationaler Buchpreis nennt - schmückt sich "mit bekannten Autoren (...), um selbst bekannter zu werden", heißt es im buchreport. Das Kuratorium habe sich "für bewährte Autoren entschieden, die den Preis kaum noch nötig haben dürften". Die Preisverleihung findet am 5. November in München statt, wird am 8. November im Bayerischen Fernsehen gezeigt, am 9. November auf 3sat wiederholt und von Desiree Nosbusch moderiert. Hier die Liste der Preisträger.

Weitere Meldungen: Weltbildplus will über die bestehenden 30 Franchise-Filialen hinaus keine weiteren Läden nach diesem Modell eröffnen. Der Nachfolger der langjährigen Karstadt-Buchchefin, Carola Markwa, heißt Andreas Kühn. Markwa beginnt am 1. Juli bei Weiland in Hannover. Die Schweizer Thalia-Tochter Jäggi öffnet im Spätherbst eine Filiale in Thun - die zweite Jäggi-Neueröffnung innerhalb eines Jahres. Die Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG hat 2002 etwas weniger Umsatz und Gewinn gemacht als 2001. Der Verlag für Recht und Wirtschaft ist neuer Gesellschafter beim Uni-Taschenbuchverlag UTB. Die Börsenvereins-Tochter MVB hält die Höhe ihres Gewinns geheim. "Die alte Tante Buchhändlervereinigung heißt zwar jetzt leicht modernisiert MVB, aber mit Auskünften über ihre wirtschaftliche Entwicklung geizt sie noch mehr als bisher schon. Da hilft es auch nichts, dass die Mitglieder über den Börsenverein gleichsam Gesellschafter der Wirtschaftstöchter-Holding sind: Über deren Finanzlage und -gebaren können sie nur spekulieren", kommentiert David Wengenroth. Der amerikanische Potter-Verlag Scholastic entlässt 400 Mitarbeiter. Und schließlich gibt es noch einen Bericht von der BookExpo America.

Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 02.06.2003 - buchreport.express

Der Börsenverein brauche eine neue Zielsetzung, meint der buchreport. Anlass für ausführliche Berichte über die Situation des Verbands sind die Buchhändlertage, die in der vergangenen Woche in Karlsruhe stattfanden. Am deutlichsten habe Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff seine Kritik auf den Punkt gebracht: "Wir stehlen uns bei Verbandstreffen gegenseitig die Zeit, wenn wir diesen Harmoniekonsens fortsetzen, aber tatsächlichen Problemen ausweichen und kleine, interne Probleme auf die Tagesordnung setzen." Als "konfliktscheuer Gesprächskreis über buchhändlerische Befindlichkeiten" werde der Börsenverein nicht überleben, meint auch der buchreport. Früher habe der Verband als Garant der privatrechtlich organisierten Preisbindung gegolten; dieses Argument für die Mitgliedschaft sei mit der gesetzlichen Verankerung der Preisbindung weggefallen. "Gleichzeitig sitzt infolge der Branchenkrise das Geld bei vielen Mitgliedern nicht mehr so locker wie bisher. Zu allem Überfluss musste der Börsenverein aus wirtschaftlichen Gründen seine Dienstleistungen einschränken und die Kontrolle über seine Wirtschaftstöchter aus der Hand geben."

Der buchreport rechnet nicht damit, dass Random House das Bundeskartellamt wird umstimmen können. "Das Kartellamt wird am 27. Juni die Übernahme der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List durch die Verlagsgruppe Random House untersagen. Da die Bertelsmänner das Kartellrisiko beim Deal mit der Axel Springer AG übernommen haben, fällt dann zunächst ein eiserner Vorhang." Da Random House nicht auf Heyne verzichten will, bleibt nur der Gang vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht. Ein Urteil werde es kaum vor Ende 2004 geben. Und selbst nach einem für Random House günstigen Richterspruch wäre die Auseinandersetzung um Ullstein Heyne List noch nicht zu Ende. "Wie aus München verlautet, sollen die Gesellschafter des Deutschen Taschenbuch Verlages (dtv) einstimmig beschlossen haben, dass sie im Falle einer Pro-Random-House-Aussage in Düsseldorf auf jeden Fall in die Revision vor den Bundesgerichtshof ziehen wollen. Denn für den dtv wie für alle anderen Konkurrenten geht es in diesem Streit um viel: Ob nämlich der rückläufige Markt in einer kleinteiligen Struktur erhalten bleibt oder ob die großen Konzerne an Marktmacht gewinnen."

Weltbild ist weiter erfolgreich. 948,4 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2002, mehr als 12 Millionen Kunden, 70 Prozent der Deutschen kennen die Marke. "Weltbild richtet sich beim Pricing nach den Wünschen der Kunden. GfK-Zahlen zeigen, dass die Nachfrage nach Büchern bis 7,50 Euro gestiegen ist, die nach Büchern über 15 Euro aber sinkt. Das schlägt sich bei Weltbild nieder." Nach Einschätzung von Weltbild-Chef Carel Halff sind Warenhäuser oder Großflächen weniger klar ausgerichtet als sein Unternehmen. "Noch in diesem Jahr, schätzt Halff, könne es erste Schließungen auch großer Filialen geben. Für Versandhandel und Buchclub sieht er den Kulminationspunkt erreicht, hier werde es in Zukunft nur noch zu Marktverschiebungen kommen."

Weitere Meldungen: Die ersten sechs Titel von Bloomsbury Kinderbuch & Jugendbuch erscheinen im Herbst beim Berlin Verlag. Der E-Book-Lesegerätehersteller Gemstar zieht sich aus Deutschland zurück. Der Bundesrat hat die Urheberrechtsreform an den Vermittlungsausschuss von Länderkammer und Bundestag überwiesen. Die drei führenden US-Buchketten haben miserable Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Die London Book Fair wächst weiter.

Schließlich: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 26.05.2003 - buchreport.express

Mit dem "Käuferstreik" sei auch die "Kundenfrequenz in den Keller gerutscht", schreibt der buchreport. Bei der letzten Umfrage des Blattes zur Umsatzentwicklung habe "die überwiegende Mehrheit der Sortimenter in der Spalte 'Kundenfrequenz' einen Minuswert notiert"; nicht nur die Zahl der Käufer sei in den ersten vier Monaten dieses Jahres zurückgegangen, sondern auch die Zahl der Besucher, die sich nur umsehen, aber nichts kaufen. Je weniger Kunden aber in die Buchhandlungen kommen, "desto geringer wird die Chance von Impulskäufen". Viele Geschäfte seien außerhalb der Haupteinkaufszeiten oft leer. "'Was den Buchhandel anbetrifft', so der Hannoveraner Betriebsberater Johannes Immken, 'so ist er aus eigener Kraft nicht in der Lage, diese Entwicklung aufzufangen.'" Erst wenn sich die "Gesamtstimmung" bessere, werde auch der Buchhandel davon profitieren.

Von der Kaufzurückhaltung sei auch Thalia, die Buchsparte der Douglas Holding, betroffen. In den ersten vier Monaten des Jahres habe sie ihren Umsatz zwar um 22 Prozent auf 99 Millionen Euro steigern können, "aber nur durch den Ausbau ihres Filialnetzes". Flächenbereinigt sei der Umsatz auch bei Thalia um 4,3 Prozent zurückgegangen.

Josef Taus, Ex-ÖVP-Chef und 25-prozentiger Gesellschafter des "Gemischtwarenhändlers Libro" will den Büchern wieder eine wichtigere Rolle im Unternehmen geben. Im "Strudel der Insolvenz und des anschließenden Konkurses" seien Bücher auf einen Umsatzanteil von unter 20 Prozent zurückgefallen. Von den beiden Geschäftsführern verlange Taus für das laufende Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Die Versandbuchhändler haben sich gegen den "allgemeinen Minus-Trend" behaupten können: "Auch 2002 konnten die Mitglieder des Bundesverbandes der Deutschen Versandbuchhändler e.V. wieder ein Plus bilanzieren. Sie haben 840 Millionen Euro Umsatz gemacht (+5%)", schreibt der buchreport. Allerdings ist das Umsatzplus ungleich verteilt: Der Online-Buchhandel legte 2002 um 50 Prozent zu (auf 340 Millionen Euro). Der Bertelsmann Club setzte acht Prozent weniger um. Die übrigen klassischen Versandhändler bilanzierten "stagnierende oder sinkende Umsätze" - mit einer Ausnahme: Weltbild.

Der buchreport meldet Zahlen vom amerikanischen Harry-Potter-Verlag Scholastic: Die Startauflage von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" liegt bei 8,5 Millionen Exemplaren - das ist "die höchste Auflage für ein Hardcover in der Geschichte des US-Buchmarktes". Der "ebenfalls rekordverdächtige" Preis liegt bei 29,99 Dollar. Passend zur Rekordauflage habe Scholastic "einen Werbeetat in Rekordhöhe eingeräumt; laut Wall Street Journal dürften es drei bis vier Millionen Dollar sein.

Die Buchkampagne der BBC, "The Big Read" ist in Großbritannien mittlerweile "allgegenwärtig". Schaufenster und Eingangsbereiche von Buchhandlungen seien voll mit "Big Read"-Promotions. "Auf Büchertischen stapeln sich die Lieblingsbücher der Nation, aus denen bis zum Spätherbst schließlich 'das' Buch aller Zeiten gewählt werden soll". An der ersten Telefon- und Online-Abstimmung hätten sich 140.000 Briten beteiligt.

Weitere Meldungen: In Berlin eröffnen Ursula und Regine Kiepert unweit des alten Kiepert-Hauses am 14. Juni eine neue Buchhandlung. Der DuMont Reiseverlag sieht sich gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen: "Unsere Lage spiegelt exakt die Gesamtsituation in der Touristikbranche", sagt Geschäftsführer Andreas von Stedman. Der Wirtschaftsfachverlag Gabler und die Financial Times Deutschland starten ein gemeinsames Buchprogramm. Der Schweizer Nord-Süd-Verlag hat Liquiditätsprobleme und hat bei Gericht eine so genannte Nachlassstundung beantragt; laut buchreport entspricht dies in etwa dem deutschen Antrag auf Insolvenz. Weiter meldet der buchreport, dass einige Verlage dazu übergegangen seien, Druckfahnen für Journalisten und Buchhändler im PoD-Verfahren zu produzieren; der Berlin Verlag lässt gar seine Leseexemplare als PoDs herstellen. Und das Lesefestival "Criminale 2003" meldet einen Besucherrekord.

Schließlich: die Bestsellerlisten. Die Spätfolgen von Elke Heidenreichs neuer Büchersendung sind noch immer sichtbar: "Ein alter Traum von Liebe" von Nuala O'Faolain steht auf Platz eins. Sichtbar sind übrigens auch die Folgen der Ankündigung einer höheren Tabaksteuer: Auf der Taschenbuch-Bestsellerliste steht "Endlich Nichtraucher!" auf Platz vier.

Die Buchmacher vom 19.05.2003 - buchreport.express

Der größte deutsche Verlag hat den Besitzer gewechselt: Bertelsmann hat seinen Fachinformationsverlag BertelsmannSpringer für 1,05 Milliarden Euro an die britischen Investmentunternehmen Cinven und Candover verkauft. "Der Abschluss stand unübersehbar unter höchstem Zeitdruck", schreibt der buchreport, "weil Bertelsmann seine Finanzschulden von mehr als 2,7 Milliarden Euro abbauen muss und darüber hinaus den Erlös bitternötig braucht, um - nach roten Zahlen in der Konzernbilanz für das erste Quartal 2003 - nicht auch im Bericht für die Monate April bis Juni 2003 nochmals Verluste ausweisen zu müssen." Cinven und Candover haben bereits den Verlag Kluwer Academic Publishers gekauft; dieser Verlag soll demnächst mit BertelsmannSpringer fusionieren; der entstehende Großverlag soll dann nur noch Springer heißen. Dennoch dürften Cinven und Candover BertelsmannSpringer "schnell filetieren", meint der buchreport. "Weil Private-Equity-Unternehmen ihre Firmenkäufe fremd finanzieren, könnten Cinven und Candover bei einem Kaufpreis von 1,05 Milliarden Euro sonst schnell in die Bredouille kommen." Auch die Kartellwächter könnten die Investoren zwingen, Teile des Verlags zu verkaufen, da es zwischen Kluwer Academic Publisher und BertelsmannSpringer erhebliche Überschneidungen gebe. "Unabhängig von den Entscheidungen der Kartell-Behörden sowie möglichen Finanzierungsproblemen bei Cinven und Candover stellt der Verkauf von BertelsmannSpringer ein historisches Ereignis in der deutschen Verlagsgeschichte dar. Noch niemals ist ein Geschäft in dieser Größenordnung abgewickelt worden und noch niemals ist ein deutscher Verlag dieser Dimension in den Besitz ausländischer Eigentümer gekommen."

Außerdem meldet der buchreport, dass BertelsmannSpringer den sozialwissenschaftlichen Verlag Leske + Budrich gekauft hat. Der Kauf gilt rückwirkend zum 1. Januar 2003; bis 2004 soll Leske + Budrich "schrittweise" mit dem Westdeutschen Verlag zusammengeführt werden. Verleger Edmund Budrich habe sich zum Verkauf entschlossen, "um die 'publizistische Zukunft aller Programme zu sichern'."

Die Cornelsen Verlagsgruppe hat die Studienkreis Unternehmensgruppe gekauft. "Das 1974 von Jürgen Hüholdt gegründete Unternehmen betreut derzeit an rund 1.000 Nachhilfeschulen mehr als 700.000 Schüler." Cornelsen wolle mit der Investition in den Nachmittagsmarkt verlorenen Boden im Stammgeschäft ausgleichen. Denn: "Die Luft ist für die Schulbuchverlage in ihrem angestammten Bereich zunehmend dünner geworden." Dazu hätten Etatkürzungen und Lehrplanveränderungen beigetragen. Sinkende Schülerzahlen wohl auch.

Die deutsche Übersetzung von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" erscheint am 8. November. Wie bereits beim "Feuerkelch" will der Verlag Carlsen den Erstverkaufstag strikt durchsetzen. "Logistische Probleme befürchtet Carlsen nicht. Mehrere Drucker werden sich erneut an der Buchwerdung beteiligen, die Engpässe in 2000 waren vor allem durch Nachdrucke der Bände 1 bis 3 entstanden. 'Davon ist in diesem Jahr nicht auszugehen', heißt es aus Hamburg. Für die Auslieferung wird KNO verantwortlich zeichnen. 2000 hat das Stuttgarter Unternehmen einen reibungslosen Ablauf organisiert: Mit Ausnahme von 30 Sortimentern, die als Versandweg die Deutsche Post gewählt hatten, waren alle Besteller rechtzeitig mit dem vierten Band beliefert worden."

Weitere Meldungen: Vorstandsmitglied Andre Sonst verlässt den verlag moderne industrie "mit sofortiger Wirkung und auf eigenen Wunsch". Max Droschl, Chef des Grazer Literaturverlags Droschl, übergibt die Verlagsleitung an seine Tochter Annette Knoch. Die Bremer Buchhandlung Storm hat Insolvenz angemeldet; "Storm ist ein weiteres Opfer im Verdrängungswettbewerb der großen Buchhandelsketten", schreibt der buchreport. In Bremen gibt es vier Grüttefien- und drei Thalia-Filialen (2004 soll die vierte Thalia-Filiale eröffnen). Alexander Kluge erhält den Büchner-Preis. Die drittgrößte US-Buchkette Books-A-Million geht (wie bereits Barnes & Noble) unter die Verleger. Und auf Seite 5 wendet sich Random-House-Geschäftsführer Joerg Pfuhl in einem offenen Brief an die lieben Kolleginnen und Kollegen, um seine Position zum laufenden Kartellverfahren zu erklären. Mehr dazu liefert die Online-Ausgabe des Börsenblatts.

Schließlich: die Bestsellerlisten von Spiegel (Hardcover) und Gong (Taschenbuch).

Die Buchmacher vom 12.05.2003 - buchreport.express

Der Streit zwischen Verlagen und Buchhandel über die Konditionen hält an. Jetzt richtet sich der Zorn des Handels auf den Schulbuchverlag Cornelsen, "der mehreren hundert Sortimentern in einem Brief eine Kürzung ihrer Rabatte für Schulbücher mitgeteilt hat. Statt der bisher üblichen 25 Prozent werden über den Grundrabatt von 20 Prozent hinaus nur noch dann zusätzlich 2 bis 5 Prozent gewährt, wenn die Buchhändler dafür eine Palette zusätzlicher Leistungen erbringen. Dazu gehört vor allem, dass sie die Titel des so genannten Nachmittagsmarktes, mit dem die Schulbuchverlage versuchen, auf rückläufige Umsätze in ihrem Stammgeschäft zu reagieren, stärker promoten sollen."

Auch auf der Tagung des Arbeitskreises Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhändler im Börsenverein (AWS) ging es um den Konditionenstreit, meldet der buchreport. Die Sortimenter sehen das Preisbindungsgesetz auf ihrer Seite. Darin heißt es: "Verlage müssen bei der Festsetzung ihrer Verkaufspreise und sonstigen Verkaufskonditionen gegenüber den Händlern den von den kleineren Buchhändlern erbrachten Beitrag zur flächendeckenden Versorgung mit Büchern sowie ihren buchhändlerischen Service angemessen berücksichtigen." Nach Auffassung des buchreport erfüllt ein 20-Prozent-Rabatt diese Anforderungen nicht: "Da der Buchhändler bei öffentlichen Aufträgen seinerseits bis zu 15 Prozent Rabatt gewähren muss, bleibt ihm bei 20 Prozent Rabatt gerade einmal eine Marge von 5 Prozent. Nach Abzug der Betriebskosten für den 'buchhändlerischen Service' dürfte unter dem Strich bestenfalls eine Null stehen."

Die kleineren Sortimenter sehen sich im Börsenverein nicht mehr gut genug vertreten. "Nach einer lebhaften Diskussion auf der Jahrestagung des Arbeitskreises kleinerer Sortimenter (AKS) haben sie am Sonntag mehrheitlich beschlossen, einen eigenen Verein außerhalb des Börsenvereins zu gründen. Schon bis zur nächsten Jahrestagung soll der Sprecherkreis ein Konzept für die neue Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Sortimenter (Argus) vorlegen." Als Beispiel für dafür, dass der Börsenverein sich zu wenig um die Kleinen kümmere, sehen die AKS-Mitglieder den jüngsten Welttag des Buches, "bei dem der Börsenverein mit seinen 'Leseköpfen' nur Aktivitäten in fünf Metropolen gefördert habe, anstatt die Gelder zum Nutzen aller Mitglieder einzusetzen". (Mehr hier.)

Die Abstände zwischen den Verwertungsstufen weichen weiter auf, meldet der buchreport. Anlass: Sechs Monate nach Erscheinen der 24 Euro teuren Hardcover-Ausgabe von Michael Crichtons "Beute" erscheint bei Weltbild eine "Sonderausgabe" für 14,90 Euro - noch vor dem Taschenbuch. Mit "Wer weint schon um Abdul und Tanaya" von Jürgen Todenhöfer geht Herder einen anderen Weg: Das Taschenbuch zu dem Bestseller erscheint bereits Mitte Mai; das Hardcover war erst im Januar auf den Markt gekommen.

Elke Heidenreichs neue Literatursendung "Lesen!" ist nicht nur quotenmäßig gut angekommen. Bereits wenige Tage nach Ausstrahlung der Sendung waren die empfohlenen Titel in allen Buchhandlungen ausverkauft, bei denen der buchreport probehalber nachgefragt hat. "Zwar erinnern sich Sortimenter, dass es 'immer wieder unmittelbare Reaktionen auf Sendungen gegeben hat', doch so etwas wie nach der ersten 'Lesen!'-Sendung ist im Buchhandel bisher noch nicht vorgekommen." Das Buch "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" von Eric-Emmanuel Schmitt (Ammann) stieg auf Platz eins (die höchste Platzierung des Titels war zuvor am 27. März der 25. Platz gewesen). Das Buch verkaufte sich in den Tagen nach "Lesen!" 25.000 Mal. Der Roman "Zwölf" von Nick McDonell (KiWi), der vor allem Harald Schmidt so gut gefiel, ging 40.000 Mal über die Ladentheke und stieg in der Taschenbuch-Liste auf Platz eins. "Ein alter Traum von Liebe" von Nuala O'Faolain (Claassen) und "Doppelleben" von Tim Parks (Kunstmann) hüpften auf die Plätze drei und neun. Elke Heidenreichs eigenes Buch "Der Welt den Rücken" (Rowohlt) stieg auf der TB-Liste ebenfalls, von 13 auf drei. Bodo Harenberg schreibt in einem Kommentar, Elke Heidenreich behandele "ihr Publikum, wie sie vermutlich auch ihre Freundinnen und Freunde behandelt. Sie möchte, dass die Zuschauer 'die Bücher, die ich heute Abend vorstelle, lesen'. Und sie duldet nicht, dass sich die Fernseher damit herausreden, 'Ich komme nicht zum Lesen'."

Random House hat dem Kartellamt Gründe nachgereicht, die der Behörde die Zustimmung zum Kauf der Springer-Buchverlage durch die Bertelsmann-Verlagsgruppe erleichtern sollen. Darunter ist auch das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung über den Unterschied von Hardcover und Taschenbuch aus Sicht der Kunden. (Im Taschenbuchsegment allein liegt der Umsatz von Random House und Ullstein Heyne List deutlich über der kartellrechtlich relevanten Schwelle von einem Drittel Marktanteil.) Die Marktforscher hätten festgestellt, "dass die Segmentierung des Marktes, von der bisher die Branche ebenso wie das Kartellamt ausgegangen sind, in Wirklichkeit gar nicht mehr besteht. Tatsächlich, so das Fazit der (...) Studie, bestimmen Thema und Inhalt des Buches in erster Linie die Entscheidung, danach folgt der Titel auf Platz 2 und mit weitem Abstand schließlich der Preis. Ob der Einband fest oder flexibel ist, ist nur für 1,3 Prozent der Befragten von Bedeutung." Befragt worden seien 1.959 Personen, "darunter 955 ausgewiesene Buchkäufer". Das Kartellamt will seine Entscheidung zur Fusion erst Mitte Juni bekannt geben, also zwei Wochen später als geplant.

Nach den Kriegs-Büchern erscheinen ab August die Nachkriegs-Bücher. Der buchreport listet ein paar Titel auf: "Who are We. Die Krise der amerikanischen Identität", "Imperium der Angst", "Nach dem Krieg. Vor dem Frieden", "Power and Mission - Was Amerika antreibt", "Die ohnmächtige Supermacht" und "Krieg der Werte".

Weitere Meldungen: Der buchreport-Umsatztrend verzeichnet nach dem März-Rekordtief von minus 19,37 Prozent für den April ein Zwischenhoch von plus 5,1 Prozent; das liegt dem Blatt zufolge vor allem am Osterfest, das in diesem Jahr im April, im Vorjahr im März lag (der Welttag des Buches habe dagegen in Deutschland keine positiven Auswirkungen gehabt). Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert bei den anstehenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel 3,5 Prozent mehr Lohn sowie einen Zeitzuschlag für die Samstagsarbeit ab 14 Uhr und die Befreiung von der Arbeit an jedem zweiten Wochenende. Vielleicht sollte ver.di sich lieber ein Beispiel an der IG BCE nehmen und Ausbildungsplätze fordern; der buchreport meldet nämlich auch, dass Buchhandlungen und Verlage immer weniger Ausbildungsplätze anbieten. In das ehemalige Kiepert-Haus in Berlin soll eine neue Buchhandlung einziehen; welche, behält der Besitzer des Hauses vorerst für sich. Die Klett-Gruppe bilanziert das Jahr 2002 mit einem Plus von 3,8 Prozent und blickt dennoch "nur mit 'verhaltener Freude' in die Zukunft: 'Das allgemeine wirtschaftliche Umfeld gibt eher Anlass zur Skepsis', erläutert der Vorstandsvorsitzende Dr. h.c. Michael Klett" (mehr hier). Die erste Buchmesse in Basel ("BuchBasel") war ein Achtungserfolg. Und schließlich feiert der buchreport zum wiederholten Male die Kassenerfolge der christlich-fundamentalistischen "Left Behind"-Serie von Tim LaHaye und Jerry B. Jenkins (mehr zu dieser Billig-Apokalypse hier).

Und nachdem so viel von den Bestsellerlisten die Rede war: hier ist der Link.

Die Buchmacher vom 05.05.2003 - buchreport.express

Das hat es noch nicht gegeben: Mit einem "Leseverbot" degradiere Bloomsbury "den Buchhandel zu bloßen Verkaufsstellen", schreibt der buchreport (die FAZ hat bereits darüber berichtet). Der britische Verlag will den fünften Harry-Potter-Band nur an Buchhändler ausliefern, "die sich vertraglich verpflichten, das Buch nicht vor dem Verkaufsbeginn 'am 21. Juni 00:01 Uhr britischer Sommerzeit zu lesen'." Der Verlag verlange, kommentiert der buchreport, "dass sich Buchhändler von ihrer ureigensten berufsständischen Aufgabe verabschieden, nämlich nach der Lektüre selbst darüber zu entscheiden, wie sie sich für den Verkauf des Buches in ihren Buchhandlungen einsetzen wollen". Auch die Details der Bloomsbury-Forderungen sind absurd: "Bis zum Verkaufsbeginn müssen die gelieferten Exemplare in einem 'gesonderten Raum' aufbewahrt werden, aus dem kein Exemplar, egal aus welchem Grunde, entnommen werden darf. Über jedes einzelne Exemplar, verlangt Bloomsbury in dem Vertragspapier außerdem, muss der Buchhändler Rechenschaft ablegen können - anderenfalls wird er nicht weiter beliefert." Der buchreport zitiert einen Rechtsanwalt mit der Auffassung, der Vertrag sei sittenwidrig. "Die deutschen Zwischenbuchhändler und großen Filialisten, auf passgenaue Logistik spezialisiert, wollen die 800 Wörter des Bloomsburyvertrages nicht ganz so ernst nehmen. 'Man darf ihnen keine zu große Bedeutung einräumen', meint Rudolf Sommer, Einkaufsleiter beim Barsortiment KNO. Gereon Janßen, Marketingleiter beim Darmstädter Filialisten Habel, kommentiert: 'Solche Forderungen sind überflüssig, denn wer will in der Praxis kontrollieren, ob sich jeder Sortimenter tatsächlich daran hält?'"

Wie bei Bohlen: Die "Bild"-Zeitung macht schon seit Tagen fleißig Werbung für eine Promi-Biografie. "Ich hab's allen gezeigt" von Steffan Effenberg erscheint am 8. Mai bei Rütten & Loening. "Effenbergs Co-Autor, der Journalist Jan Mendelin, war im November 2002 bei diversen deutschen Verlagen vorstellig geworden. 'Einige Verlage haben Interesse gezeigt, doch wir haben schnell reagiert und den Vertrag schon im Dezember unter Dach und Fach gebracht'", berichtet der Programmleiter von Rütten & Loening, Reinhard Rohn. "Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses konnte Mendelin lediglich ein Konzept und erste Tonbänder mit Aussagen von Effenberg vorweisen, doch für beide stand fest, dass die Autobiografie unbedingt in der 'heißen Endphase' der Fußballbundesliga erscheinen sollte. (...) Nach dem spektakulären Fortgang Effenbergs vom VfL Wolfsburg seien Anfragen und Vorbestellungen nochmals sprunghaft angestiegen. Die Startauflage wurde deshalb von 100.000 auf 150.000 Exemplare erhöht." Zum Vergleich: Heyne hat von Dieter Bohlens "Nichts als die Wahrheit" laut buchreport mehr als 500.000 Hardcover-Exemplare verkauft.

Albrecht Knaus wird am 5. Mai 90 Jahre alt. "In fast fünf Jahrzehnten hat er Branchengeschichte geschrieben. Er hat schon Bücher gemacht, als Auflagen (3.000) und Preise (1,50 DM für Taschenbücher) noch klein waren und er war immer noch dabei, als Vorschüsse und Auflagen sechsstellige Kategorien erreicht hatten." Erst mit 65 Jahren habe er unter dem Bertelsmann-Dach den Imprintverlag seines Namens gegründet.

Der buchreport berichtet außerdem über die 3,5-Milliarden-Dollar-Klage gegen Bertelsmann vor einem Gericht in Kalifornien. Kläger sind die beiden AOL-Deutschland-Gründer und Ex-Bertelsmänner Jan Henric Buettner und Andreas von Blottnitz. Sie fordern das Geld als Anteil an dem Erlös, den Bertelsmann für den Verkauf seiner Anteile an AOL Europe von dem US-Medienkonzern AOL Time Warner bekommen hat. Buettner und Blottnitz behaupten, sie hätten den Deal eingefädelt. Warum der buchreport jetzt über das Verfahren berichtet, geht aus dem Artikel nicht hervor. Bislang haben 14 Anhörungen stattgefunden, vernommen wurde auch der "inzwischen geschasste" Thomas Middelhoff, der sich "bis zum Aufmucken von Buettner und Blottnitz in dem Ruhm gesonnt" habe, "er selbst sei es gewesen, der das Geschäft mit AOL-Erfinder Steve Case eingefädelt" habe. Dafür soll er damals 50 Millionen DM bekommen haben. Zahlungen an die Kläger lehnt Bertelsmann ab. Der Prozess beginnt am 15. September. "Bertelsmann ist überzeugt, den Prozess zu seinen Gunsten zu entscheiden. Jedes andere Ergebnis würde den Konzern allerdings auch in Probleme stürzen, denn seine derzeitige Finanzlage würde ihm eine solche Cash-Zahlung unmöglich machen".

Dann gibt es noch einen Artikel über geplante Filmprojekte zur NS-Zeit. Bernd Eichinger produziert einen Film über die letzten Tage von Adolf Hitler; der Film basiert auf den Büchern "Der Untergang" von Joachim Fest und "Bis zur letzten Stunde" von Traudl Junge. Heinrich Breloer plant einen Film über Albert Speer. "Dessen Autobiografien 'Erinnerungen' und 'Spandauer Tagebücher' (beide Propyläen) machten auf den Bestsellerlisten ebenso Furore wie die kritischen Biografien von Joachim Fest (Alexander Fest Verlag) und Gitta Sereny (Droemer Knaur)." Schließlich planen auch Dieter Wedel und Guido Knopp ein Doku-Drama über Hitlers letzte Tage.

Weitere Meldungen: Die Buchmesse in Peking wurde wegen der Lungenkrankheit SARS von Mai auf September verschoben. Der Bücherdienst Köln übernimmt die Auslieferung für den Düsseldorfer Sybex Verlag und den Frankfurter Bund-Verlag; der Bücherdienst wolle künftig "vor allem Verlage bedienen, die neben Büchern auch Zeitschriften vertreiben". Amazon boomt ein bisschen, eBay stärker. Für die Vertreterbörsen im Sommer rechnen die Organisatoren nicht mit Rekordbesuchen. "Abgesagt werden musste allerdings - so viel Positives gibt es immerhin zu vermelden - keiner der anberaumten Termine." Der area verlag hat die Rechte an den Liebesromanen des gescheiterten Bertelsmann-Spezialclubs "Moments" gekauft. Die vorliegenden zwölf Titel sollen bis Januar 2004 in den Buchhandel gebracht werden, dann sind sechs bis acht Novitäten pro Halbjahr geplant. Und der Börsenverein will der Bundesregierung einige Nachbesserungen am Preisbindungsgesetz vorschlagen.

Schließlich die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 29.04.2003 - buchreport.express

Die verlängerten Ladenschlusszeiten an Samstagen werden im Buchhandel unterschiedlich bewertet. Das hat ergab eine Umfrage des buchreport. "Während die Großen wie Thalia und Hugendubel (...) in den Innenstädten die Öffnungszeiten bis 20 Uhr wahrscheinlich ausschöpfen wollen, wird sich das Samstag-Finale bei kleineren Buchhändlern vermutlich bei 18 Uhr einpendeln, auch wenn viele von ihnen selbst bei dieser Verlängerung skeptisch sind." Höhere Umsätze erwarten die kleinen Buchhändler zumeist nicht, statt dessen Mehrkosten an Personal und Strom.

Der britische Harry-Potter-Verlag Bloomsbury hat den Berlin Verlag gekauft. Die Absicht, eine deutsche Dependance zu gründen, hat Bloomsbury zugleich aufgegeben. Das erste Belletristik- und Sachbuch-Programm der deutschen Bloomsbury-Tochter hätte bereits im Herbst erscheinen sollen. Für seinen Verlag erhält Berlin-Verleger Arnulf Conradi Bloomsbury-Aktien im Wert von 106.000 Euro. Er bleibt alleinverantwortlicher Verleger. "Die Entscheidung war ein Deal unter Freunden", so der buchreport. Conradi und Bloomsbury-Chef Nigel Newton seien seit langem befreundet; auch in ihren Verlagen gebe es "eine ungewöhnlich starke Übereinstimmung": Beide verlegen Nadine Gordimer und Margaret Atwood sowie einige gemeinsame Sachbuchautoren. Dorothee Grisebach, die bereits das deutsche Bloomsbury-Programm vorbereitet hatte, wird künftig "von München aus, jedoch in engem Kontakt mit Berlin, Bücher selbstständig einkaufen und bearbeiten". Die "Harry Potter" Bücher erscheinen allerdings weiter bei Carlsen.

Der diesjährige Friedrich-Glauser-Preis des Syndikats geht an den Schriftsteller Bernhard Jaumann. Er wird für seinen Roman "Saltimbocca" ausgezeichnet. Der Glauser gilt laut buchreport in der Krimi-Szene als "Gütesiegel mit Garantie".

Die Österreichische Post verkauft nicht nur Briefmarken, sondern seit neuestem auch Bücher, CDs und DVDs. Zumindest in St. Pölten. "Grund für die Entscheidung, in den Handel zu expandieren, ist der rückläufige Markt, verursacht durch neue Kommunikationsformen wie E-Mails. Weil die Österreichische Post das Potenzial ihres Filialnetzes (derzeit rund 1.670 Shops) mit z.T. hervorragenden Standorten nicht ungenutzt lassen will, soll nun ein Teil davon umgestaltet werden." Noch in diesem Jahr sind weitere 30 Standorte geplant. Insgesamt wäre das Konzept für rund 200 Filialen denkbar.

Die Crown Publishing Group, eine Tochter von Random House, "trägt den aktuellen politischen Strömungen in den USA Rechnung und baut ein Imprint auf, das ganz gezielt die politische Rechte im Land bedienen soll". Jährlich soll es etwa 15 Neuerscheinungen geben. "Crown-Verleger Steve Ross vergleicht den neuen Verlag vollmundig mit der Veröffentlichung von Terry McMillans "Waiting to Exhale", der afroamerikanische Literatur in den USA salonfähig gemacht hat."

Weitere Meldungen: Brockhaus plant für 2005 eine 30-bändige Enzyklopädie. Der Taschenbuchmarkt "stagniert und ist in Teilen sogar rückläufig", hat der buchreport ermittelt. Die Bayerische Beteiligungsgesellschaft ist mit einer Million Euro als stiller Teilhaber beim Verlag Zabert Sandmann eingestiegen; die BayBG ist ein Zusammenschluss von 40 bayerischen Banken und des Freistaates Bayern. Die Klett-Gruppe darf den Österreichischen Bundesverlag kaufen. Die Verleger fordern die Erhöhung der Kopier-Abgabe. Buch Habel hat seine Krefelder Filiale eröffnet; damit ist der Startschuss für einen voraussichtlich harten Verdrängungswettbewerb gefallen. Das Softwareunternehmen Binfos hat Insolvenz angemeldet, Produkte und Kundenservice sollen jedoch weitergeführt werden. Die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG sagt voraus, dass bis 2005 fast jede dritte Insolvenz auf den Einzelhandel entfallen werde. JPC verstärkt sein Buch-Engagement. Libri.de und buchhandel.de haben ihre Auftritte gerelauncht (oder muss es regelauncht heißen?). Beim Börsenverein wird über einen Umzug innerhalb Frankfurts nachgedacht. Und die Aktionen zum "Welttag des Buches" haben sich nach Einschätzung des buchreport "im Kleinen" verloren (ein Hinweis nebenbei: Der Nachrichtensender n-tv hat zum Welttag einen Schreibwettbewerb für Schülerinnen und Schüler gestartet; mehr hier).

Schließlich die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 22.04.2003 - buchreport.express

Auch der buchreport hat das Thema Ausbildungskrise entdeckt: Die Zahl der Ausbildungsplätze sei rückläufig und Fortbildungsseminare in der Buchhändlerschule in Seckbach seien schlecht besucht. "Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Buchhändler scheuen sich in der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation, in die Ausbildung zu investieren und / oder sind nicht bereit, Mitarbeiter für Fortbildungsmaßnahmen freizustellen." Das gelte auch für die Verlage. Erstmals seien Lektorenseminare in Seckbach ausgefallen. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden in Seckbach 20 Prozent weniger Seminare durchgeführt als im Vorjahr.

Die modifizierten Preiserhöhungen der Frankfurter Buchmesse treffen noch immer die Kleinen überdurchschnittlich stark, hat der buchreport errechnet. "Die Standmieten für die Mini-Stände auf der nächsten Frankfurter Buchmesse würden wieder kräftig subventioniert, behauptet Buchmesse-Chef Volker Neumann. Und, so rechnete er vor, die Standmieten werden nach der nun angepassten Preisliste linear 'nur' um 7,5 Prozent erhöht. Nachdem zunächst Erhöhungen je Standgröße von bis zu 40 Prozent und mehr geplant waren, hört sich diese Ankündigung moderat an. Doch sie stimmt nicht mit der neuen Preisliste überein, die die Buchmesse am letzten Freitag veröffentlicht hat." Der Preis für einen zwei mal zwei Meter großen Stand steige um 20,3 Prozent, der Preis für einen zwei mal zehn Meter großen Eckstand nur um 2,5 Prozent. Zahlreiche kleine Verlage hatten gedroht, der Messe fernzubleiben. Einige große Verlage wollen ihre Standfläche verkleinern, um die gestiegenen Kosten auszugleichen.

Nach der Eröffnung ihrer 5.000-Quadratmeter-Filiale in Essen will die Mayersche Buchhandlung ihren Standort in Bochum wechseln. Die bisherige Buchhandlung im Kortum-Haus hat 2.500 Quadratmeter. Ab Frühjahr 2004 will die Mayersche schräg gegenüber einziehen. Die 3.000-Quadratmeter-Fläche wird derzeit von Modehaus Oviesse genutzt.

In Bremen will Thalia sich vergrößern: Zusätzlich zu der 1.400-Quadratmeter-Fläche in der Sögestraße plant der Filialist ein Buchkaufhaus auf 2.300 Quadratmetern in der Obernstraße. "Thalia erfülle sich damit den 'langgehegten Wunsch', in beiden Fußgängerzonen der City präsent zu sein, lässt die Unternehmensspitze verlauten."

Der österreichische Filialist Libro will im ersten Geschäftsjahr nach dem Neustart (das am 1. März begonnen hat) knapp 40 Millionen Euro investieren und einen Umsatz von 200 Millionen Euro erreichen. Die erste eigene Filiale hat Libro Nuevo ("so die interne Bezeichnung nach der Übernahme der alten Libro AG aus der Konkursmasse") nun auf 440 Quadratmetern im niederösterreichischen Amstetten eröffnet.

Anders als der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ist der Buchhandel von der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten nicht begeistert. "Die Vermutung der Sortimenter: Mehr Arbeit und Kosten, aber kaum mehr Umsatz. 'Ich bin ein Verfechter der geregelten Öffnungszeiten', sagt Rudolph Braun-Elwert, Vorsitzender des Sortimenterausschusses. Die Kunden seien völlig verunsichert; der größte Teil der am Samstag eingehenden Anrufe seien Nachfragen nach den Öffnungszeiten des Geschäfts." (Die armen Kunden!) Ab 1. Juni dürfen die Läden an Samstagen bis 20 Uhr geöffnet bleiben.

Die Egmont-Gruppe beschneidet den Verlag Franz Schneider stärker als erwartet, meldet der buchreport: "Von den 60 Mitarbeitern sollen gerade mal 6 bleiben. Betroffen sind alle Abteilungen und natürlich das Programm. Von den rund 700 Titeln einer Produktpalette (u.a. 'Hanni und Nanni' und seit 1991 die Disney-Hardcover), die den legendären 'Onkel Franz' zum Liebling ganzer Kindergenerationen werden ließen, sollen nur die allererfolgreichsten - neben der längst verstorbenen Enid Blyton (1897-1968) u.a. der unermüdliche Serienautor Thomas Brezina (40) - fortgeführt werden." Für den "dramatischen Niedergang des Verlags" gebe es innere und äußere Gründe. Die äußeren sind demographischer Natur: Die Zielgruppe schrumpft. "Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 138.000 (15 Prozent) weniger Kinder geboren als 1990. Im Schuljahr 2001/02 wurden 1,9 Prozent weniger Kinder eingeschult als im Vorjahr, was einem Verlust von ca. 15.000 potenziellen Lesern in einem Jahrgang entspricht." Dies habe gravierende Auswirkungen auf die Kinderbuchproduktion: "2001 wurden laut Börsenverein 18 Prozent weniger Kinderbücher produziert als im Jahr zuvor. Dass die Zahl der Kinderbuchnovitäten im selben Zeitraum um 30 Prozent auf 4.800 Titel gestiegen ist, zeigt, wie sehr sich die Renditen der Verlage verschlechtert haben müssen."

Zahlen zum neuen, fünften "Harry Potter": Die ISBN der deutschen Übersetzung lautet 3-551-55555-9. Das Buch wird 28,50 Euro kosten und mehr als 1.000 Seiten stark sein. Nur eine Zahl steht noch immer nicht fest: Der Erscheinungstermin. Das englische Original kommt am 21. Juni.

Springers "letzte Buch-Bastion" geht in die Offensive. Dies sind der Cora Verlag und der Taschenbuchverlag Mira. In der "Bild"-Zeitung wirbt Mira mit dem Slogan "Hochspannung im Buchhandel". Noch werden die meisten Mira-Bücher allerdings auf den Nebenmärkten verkauft. "In den Top 30 der Verkaufsbestenliste von Karstadt waren in der vergangenen Woche bereits vier Mira-Titel vertreten." Dagegen habe es kein einziger Mira-Schmöker in die Gong-Taschenbuch-Bestsellerliste geschafft. "Doch die Abverkäufe bei Amazon und Karstadt haben offenbar auch skeptische Sortimenter hellhörig gemacht: Seit kurzem sind Mira-Titel auch bei Thalia und Gondrom gelistet."

Die wissenschaftlichen Verleger müssen sich darauf einstellen, dass der umstrittene Paragraph 52a des reformierten Urheberrechts Ende Mai in Kraft tritt: Das entsprechende Gesetz wurde im Bundestag mit breiter Mehrheit verabschiedet. "Trotz der Niederlage: Die Auseinandersetzung über das digitale Kopierprivileg für Hochschulen und Bildungseinrichtungen wird weitergehen. So hat der Börsenverein schon angekündigt, gegen die neue Vorschrift vor Gericht zu ziehen."

Buchmenschen, zückt den Kalender: Am 29. April um 22.15 Uhr läuft im ZDF die erste Folge von "Lesen!", der neuen Literatursendung mit Elke Heidenreich. Eine Probesendung mit Harald Schmidt wurde bereits gedreht. Ausgestrahlt wird jedoch nicht diese Probesendung, sondern eine Neuauflage derselben, die am 28. April in der Kölner Kinderoper aufgezeichnet wird.

Schließlich die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 14.04.2003 - buchreport.express

"Die Lage war ohnehin ernst, aber jetzt könnte sie dramatisch werden - wenn nicht ein Wunder geschieht", schreibt der buchreport auf seiner Titelseite (die übrigens die einzige ist, die im Netz gelesen werden kann). Grund für das neuerliche Lamento: Der Umsatz des Buchhandels ist im März um 19,37 Prozent abgesackt. Dies sei ein historisches Tief. "Noch nie zuvor in der 22-jährigen Geschichte des buchreport-Umsatztrends ist der Umsatz der Sortimenter derart eingebrochen wie zum Frühlingsanfang dieses Jahres." Erstmals liege der Wert im zweistelligen Bereich. Der bisherige Minusrekord: -8,4 Prozent im Juli 1994. Vom aktuellen Einbruch seien alle Warengruppen betroffen, am stärksten das Kinder- und Jugendbuch mit einem Minus von 39,61 Prozent. Der Umsatzrückgang treffe nicht nur den Handel, sondern auch die Verlage; die Vertriebsleiter fast aller Verlage berichteten von "teilweise entmutigenden Bestellungen" während der laufenden Frühjahresreise ihrer Vertreter. "Die Buchhändler würden nur noch auf Bestseller setzen, ansonsten jedoch lediglich Präsenzexemplare bestellen bzw. auf viele Titel ganz verzichten." (Im April-Heft des BuchMarkt schreibt Gerhard Beckmann derweil, dass "Mitarbeiter im Vertrieb nur die vom Management vorgegebenen Spitzentitel kennen".) Die Buchhändler, so der buchreport, führen den Umsatzrückgang "in erster Linie auf die allgemeine wirtschaftliche Lage in Deutschland, auf die daraus resultierende Kaufzurückhaltung und zusätzlich auf die Auswirkungen des Irak-Kriegs zurück".

Doch die Buchbranche hat auch zugelegt. Bei den Preisen. "Der durchschnittliche Verkaufspreis für Bücher hat nach Berechnung von buchreport gegenüber dem Vorjahr um satte 8,06 Prozent zugelegt, in der größten Warengruppe Sachbuch sogar um 8,88 Prozent." Dieser Trend werde sich vermutlich fortsetzen: "Die Taschenbuch-Novitäten jedenfalls, die im Mai auf den Markt kommen, werden um 7,18 Prozent teurer sein als im Vorjahr". Vielleicht würde ein Vergleich mit den Bierpreisen lohnen. Von den Wirten lernen heißt verlieren lernen.

Die "wesentlichen Ursachen für einen Umsatzeinbruch dieses Ausmaßes" könne man "vernünftigerweise nicht mehr beim Buchhandel selbst suchen", kommentiert David Wengenroth. Und zählt ein paar Schwächen der Branche auf: "Weder Buchpreissteigerung noch Programmschwäche, noch fehlende Kundenorientierung bieten eine hinreichende Erklärung für das, was den Sortimentern derzeit widerfährt." Wirtschaftsverbände und -experten seien sich einig: "Die Hauptverantwortlichen für die aktuelle Malaise sitzen in Berlin."

Auch der US-Buchhandel lahmt - "weil die Amerikaner lieber vor dem Fernseher das Kriegsgeschehen verfolgen, als Geld für Bücher auszugeben". Avin Mark Domnitz, Chef des US-Buchhändlerverbandes, sorge sich um den "rapiden Verfall" der Buchhandelsumsätze. "Lange Gesichter gibt es auch bei der Association of American Publishers (AAP): Für die März-Zahlen ist es noch zu früh, doch nach dem schwachen Februar rechnet der US-Verlegerverband ebenfalls mit dem Schlimmsten. Kräftige Einbußen gab es vor allem bei der gebundenen Erwachsenliteratur (minus 23,4 Prozent), beim Mass-Market-Taschenbuch (minus 28,8 Prozent), Kinderbuch-Hardcover (minus 35,3 Prozent) und bei den bislang als krisenresistent geltenden Hörbüchern (minus 7,2 Prozent)."

Die Frankfurter Buchmesse bleibt in Frankfurt. Zumindest bis 2010. Das hat der Vorstand des Börsenvereins einstimmig entschieden. Das "Verwirrspiel", das Messedirektor Volker Neumann angezettelt habe, sei damit allerdings nicht zu Ende. Sechs Monate vor Buchmesse sei noch immer offen, welche Standmieten Aussteller bezahlen müssen (das ist mittlerweile klar). Neumann jedenfalls brauche viel Kitt, um zerschlagenes Porzellan wieder zusammenzusetzen: Nach der Standortdiskussion dächten viele Verlagen darüber nach, wie wichtig für sie die Teilnahme an der Buchmesse ist. Kleinverlage, denen zunächst eine Preissteigerung von bis zu 270 Prozent angekündigt worden war, sowie die Organisatoren von Gemeinschaftsständen drohen mit Absagen. Die Münchener Verlage, die für einen Umzug in ihre Stadt plädiert hatten, dürften "verschnupft bzw. mit der Verkleinerung ihrer Stände reagieren".

Der Douglas Konzern hat seine vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2002 bestätigt: 2,23 Milliarden Euro Umsatz, das ist ein Plus von zwei Prozent, flächenbereinigt ein Minus von 1,8 Prozent. Die Tochter Thalia hat 303 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Plus von 11,2 Prozent, wegen zahlreicher Zukäufe bleibt unterm Strich allerdings auch nur ein Minus von 0,2 Prozent. In Deutschland schnitt Thalia flächenbereinigt mit plus 0,4 Prozent ab.

Der Umsatz der Bahnhofsbuchhandlungen in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent zurückgegangen. Von den 345 Millionen Euro Gesamtumsatz entfallen dem Verband deutschen Bahnhofsbuchhändler zufolge etwa 70 bis 75 Prozent auf die vier großen Filialisten Valora, HDS Retail, Dr. Eckert und Schmitt & Co. "Den Rest teilen sich die anderen 66 Mitgliedsfirmen des VdBB, darunter etwa 50 Firmen mit Umsätzen unter 1 Mio Euro."

Eine ganze Seite widmet der buchreport der Insolvenz der Leipziger Buchhandlung Franz-Mehring-Haus. "Sie war die größte Buchhandlung der DDR, präsentierte das vielfältigste Angebot der Republik und konnte auch Titel 'aus dem Westen' - so genannte Bückware - offerieren". Der Insolvenzverwalter sehe gute Chancen für einen Fortbestand der Buchhandlung. "Hoffnung macht bereits jetzt eine Solidaritätswelle von Kunden und Schriftstellern, die Lesungen und Signierstunden angekündigt haben." Der Insolvenzantrag sei jedoch "symptomatisch für die kaum chancenreiche Entwicklung des DDR-Buchhandels nach der Wende". Neben dem Franz-Mehring-Haus seien nur wenige große Namen übrig geblieben: die Universitätsbuchhandlung Leipzig (heute Schweitzer), die Ulrich von Hutten Buchhandlung Frankfurt (Oder) (später Kiepert), die Erich Weinert Buchhandlung Magdeburg (Ernst Angerer) oder das Haus des Buches Erfurt (Habel). Unterdessen meldet das Börsenblatt in seiner Online-Ausgabe: das "Franz-Mehring-Haus macht weiter".

Hillary Rodham Clinton lässt sich mit ihren Memoiren länger Zeit als geplant. Das Manuskript, für das sie bereits 2,85 Millionen Dollar kassierte, ist noch immer nicht vollständig bei ihrem Verlag Simon & Schuster eingetroffen (die Garantiesumme beläuft sich insgesamt auf acht Millionen Dollar). In 14 Ländern soll das Buch zeitgleich am 9. Juni erscheinen. Das Econ-Lektorat komme "ganz schön ins Schwitzen", sagt Econ-Pressechef Claus-Martin Carlsberg.

Weitere Meldungen: Der zweite Harry-Potter-Film "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" ist auf Video und DVD erschienen. Mit einer TV-Zeitschrift ("Leben & Genießen") will der Bertelsmann Club die Kundenfrequenz in seinen Filialen erhöhen und natürlich seine Produkte bewerben; für Mitglieder gibt es das Heft alle 14 Tage kostenlos in den Club-Centern. Die Programmzeitschrift "TV Karstadt" (50 Cent) hat dem buchreport allerdings sehr viel besser gefallen. Bei Schroedel haben sich Geschäftsführung und Betriebsrat auf einen Sozialplan geeinigt. Eigentümer Westermann streicht 100 Stellen und verlegt den Verlag von Hannover nach Braunschweig. Statt der angepeilten 70.000 kamen nur 50.000 Besucher zur Bildungsmesse nach Nürnberg. Die Kinderbuchmesse in Bologna verlief "ruhig"; die deutschen Verlage brachten weniger Lizenzen mit als früher. Zugleich sei das Interesse an deutschen Büchern gestiegen. Der zurzeit in Berlin lebende Amerikaner Jeffrey Eugenides hat für seinen Roman "Middlesex" den Pulitzer-Preis erhalten (am 17. Mai - früher als geplant - erscheint die deutsche Übersetzung bei Rowohlt). Und nach den "Greatest Britons" sucht die BBC nun den beliebtesten Roman Großbritanniens. In einer 75-minütigen Fernsehshow zur besten Sendezeit (Samstagabend, 21 Uhr) fiel der Startschuss für "The Big Read".

Und hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 07.04.2003 - buchreport.express

Titelthema ist die Frage, ob das Kartellamt die Übernahme von Ullstein Heyne List durch Random House ohne Auflagen genehmigen wird. In jedem Fall, so meint der buchreport, werde der deutsche Taschenbuchmarkt neu geordnet: Sollte das Kartellamt zustimmen, "entsteht unter dem Bertelsmann-Dach ein neues Taschenbuch-Konglomerat von bisher nicht gekannter Größe (die Random-House-TB-Verlage machen dann allein so viel Umsatz wie dtv, Rowohlt, Bastei-Lübbe, Fischer und Knaur zusammen)". Sollte das Kartellamt zur Auflage machen, dass Random House sich von einigen "Taschenbuchaktivitäten" trennt, müsste Bertelsmann einen Käufer suchen. Lehnt das Kartellamt den Deal komplett ab, muss Random House einen Käufer für die gesamte Verlagsgruppe Ullstein Heyne List finden. Diese Möglichkeit ist allerdings nicht wahrscheinlich. "Wahrscheinlich ist", schreibt der buchreport, "dass die Hardcoververlage vom Kartellamt abgenickt werden, dass die Taschenbuchaktivitäten nicht durchgehen".

Die Verlagsgruppen Holtzbrinck, Ganske und Lübbe sowie der Deutsche Taschenbuch Verlag haben eine Beiladung zu dem Kartellverfahren beantragt. Bei Suhrkamp werde ein solcher Antrag erwogen. Vor allem dtv fürchte die entstehende Großmacht: "dtv-Verleger Wolfgang Balk nimmt denn auch kein Blatt vor den Mund. 'Bertelsmann ist ein aggressiv-imperialistisches Unternehmen. Random House strebt eine marktbeherrschende Stellung an'". - Knackpunkt ist die Frage, auf welchen Anteil Random House und Ullstein Heyne List auf dem Taschenbuchmarkt kommen. "Denn alles deutet darauf hin, dass die Wettbewerbswächter bei ihren Überlegungen von einem eigenen Markt für Taschenbücher ausgehen werden." Random House spricht dagegen von einem "integrierten Markt für deutsche Buchrechte"; auf diesem habe man nach der Übernahme von Ullstein Heyne List einen Anteil von 11 Prozent. Ihren TB-Marktanteil veranschlagt die Verlagsgruppe auf 30 Prozent. Die Konkurrenz, aber auch der buchreport, halten diese Schätzung für viel zu bescheiden. Bei 33 Prozent Marktanteil liegt die Schwelle, "ab der nach der bisherigen Praxis des Kartellamtes die Vermutung für eine marktbeherrschende Stellung vorläge".

Von einer Taschenbuchaktivität hat Random House sich bereits getrennt: vom Berliner Taschenbuch Verlag. Verleger Arnulf Conradi hat seinen Berlin Verlag von Random House zurückgekauft; zum Berlin Verlag gehört seit 2001 der Taschenbuchverlag - er soll den Ausschlag für den Verkauf gegeben haben: "Seit jedoch Conradi mit dem Aufbau eines eigenen Taschenbuchverlags begonnen hat, hat die Geduld der Bertelsmänner in demselben Verhältnis abgenommen, in dem die Verluste gewachsen sind." Das "Loch in Berlin" sei so lästig geworden, "dass schließlich das Wort der Controller mehr wog als die angestrebte Reputation, die von der Berlin-Perle auf den ganzen Konzern ausstrahlen sollte". Die Verhandlungen mit einem neuen Investor seien bereits unter Dach und Fach, sagt Conradi. Den Namen und die Höhe der Beteiligung will Conradi allerdings noch nicht verraten. Bis Ostern soll unterzeichnet werden.

Der Bertelsmann Club hat im vergangenen Jahr mehr als 50 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Umsatz lag bei 400 Millionen Euro. "Ein Blick in den aktuellen Frühjahrskatalog macht deutlich, welche Strategie künftig zählt: Preise, Preise und nochmals Preise. Eine Umfrage hatte ergeben, dass die Mehrzahl der Mitglieder überzeugt ist, Bücher seien beim Club teurer als bei Weltbild oder Amazon. Die Antwort auf die Mitglieder-Meinung: Auffällig rote Buttons, die den Clubkäufern die konkrete Ersparnis in Euro-Beträgen vorrechnen, prangen auf allen Seiten - Weltbild lässt grüßen. (...) Die übrigen, stets gelobten Vorteile, die eine Club-Mitgliedschaft bringen soll - davon ist kaum noch die Rede." Einen neuen Weltbild-Prospekt hat der buchreport auch unter die Lupe genommen: Nonbook-Produkte seien "optisch stark in den Vordergrund gerückt". Wie in früheren Prospekten liege der Buchanteil bei rund 50 Prozent.

Und noch eine Bertelsmann-Meldung: Die 25,1 Prozent am Konzern, die seit 2001 der Groupe Bruxelles Lambert gehören, will Reinhard Mohn nicht zurückkaufen. "Um aber trotzdem mit seiner Familie uneingeschränkt über die Zukunft des Konzerns bestimmen zu können, hat Mohn eine neue Satzung für die Verwaltungsgesellschaft BVG, die 25 Prozent der Stimmrechte an der Bertelsmann AG hält, durchgedrückt. (...) Nicht verhindern kann Mohn jedoch, dass die GBL in 2005 ihren Anteil an die Börse bringt".

Der Salon du Livre hatte rund 15 Prozent weniger Besucher als 2002; schon damals waren es 7,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der buchreport nennt ein paar mögliche Gründe für die diesjährige Flaute: Le Monde habe geschrieben, der Irak-Krieg sei Schuld gewesen (die Angriffe begannen am ersten Messetag). Die Neue Zürcher Zeitung habe darauf hingewiesen, dass der Salon wenig an Attraktionen zu bieten gehabt habe: "Nichts Neues aus dem Bereich der Spitzentechnologie und mit den kleinen Niederlanden [und Flandern] einen wenig aufregenden Ehrengast." Umgekehrt muss der Salon in den Niederlanden als Begründung für das schwächere Abschneiden der Boekenweek herhalten: Fünf Prozent weniger Bücher als im Vorjahr wurden verkauft. Die "Collectieve Propaganda van hat Nederlands Boek" meint, viele niederländische Autoren seien in Paris gewesen und hätten daher während der Boekenweek keine Lesungen geben können.

Ein Journalist hat sich kürzlich mit einem Auszug aus dem "Radetzkymarsch" von Joseph Roth an mehrere Verlage gewandt - von allen erhielt er eine Absage, berichtet Peggy Voigt. Und kommentiert: "Der Fall legt die Vermutung nahe, dass es um die Qualität der Lektorate nicht zum Besten steht. Viele Gründe können dafür ausschlaggebend sein: Einsendungen unbekannter Autoren werden nur unzureichend geprüft, Lektoren verfügen nicht über Bildung oder Fähigkeiten, Qualität zu erkennen, oder aber der Weg, auf Altbewährtes zu bauen, Bestseller zu übersetzen und Lizenzen aus dem Ausland einzukaufen, ist - trotz der daraus resultierenden Mehrkosten - noch immer bequemer." Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Buchverlage wäre es fahrlässig, die Quelle der unverlangt eingesandten Manuskripte und Exposes ungenutzt zu lassen, so Voigt.

Weitere Meldungen: Margit Schönberger, seit 1991 Chefin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Random House, hat ihren Job gekündigt. "Zu den Gründen und ihren Plänen für die Zeit danach macht Schönberger derzeit noch keine Angaben." Matthias Bremer, seit 1999 Geschäftsführer der Essener Buchhandlung Baedeker, hat das Unternehmen verlassen. Im Januar hatte die Buchkette Buch & Kunst Baedeker übernommen. "Ob unterschiedliche Auffassungen über die weitere Entwicklung von Baedeker zur Trennung (...) geführt haben, darüber kann nur spekuliert werden." Die italienische Verlagsgruppe Panini muss für die Dino Entertainment AG 13,4 Millionen Euro zahlen. Die Führungsmannschaft bei Eichborn ist mittlerweile komplett. Der Landesverband Saar hat darauf hingewiesen, dass die Rabattstaffeln der Taschenbuchverlage möglicherweise nicht mit dem Preisbindungsgesetz vereinbar sind, weil sie sich ausschließlich an der Abnahmemenge orientieren. Jetzt steht die Rabattstaffelung auf dem Prüfstand. Die Stadt Frankfurt am Main hat dem Börsenverein eine neue Bleibe angeboten. "Bei der Stadtspitze scheinen Spekulationen über einen angeblich drohenden Wegzug des Branchenverbandes in eine andere Stadt Eindruck gemacht zu haben."

Schließlich die Bestsellerlisten.