Titelthema ist die Frage, ob das
Kartellamt die Übernahme von
Ullstein Heyne List durch
Random House ohne Auflagen genehmigen wird. In jedem Fall, so meint der
buchreport, werde der deutsche Taschenbuchmarkt neu geordnet: Sollte das Kartellamt zustimmen, "entsteht unter dem Bertelsmann-Dach ein neues Taschenbuch-Konglomerat von bisher nicht gekannter Größe (die Random-House-TB-Verlage machen dann allein so viel Umsatz wie
dtv, Rowohlt, Bastei-Lübbe, Fischer und Knaur zusammen)". Sollte das Kartellamt zur Auflage machen, dass Random House sich von einigen "Taschenbuchaktivitäten" trennt, müsste Bertelsmann einen Käufer suchen. Lehnt das Kartellamt den Deal komplett ab, muss Random House einen Käufer für die gesamte Verlagsgruppe Ullstein Heyne List finden. Diese Möglichkeit ist allerdings nicht wahrscheinlich. "Wahrscheinlich ist", schreibt der
buchreport, "dass die Hardcoververlage vom Kartellamt abgenickt werden, dass die Taschenbuchaktivitäten nicht durchgehen".
Die Verlagsgruppen
Holtzbrinck,
Ganske und
Lübbe sowie der
Deutsche Taschenbuch Verlag haben eine Beiladung zu dem Kartellverfahren beantragt. Bei
Suhrkamp werde ein solcher Antrag erwogen. Vor allem dtv fürchte die entstehende Großmacht: "dtv-Verleger
Wolfgang Balk nimmt denn auch
kein Blatt vor den Mund. 'Bertelsmann ist ein
aggressiv-imperialistisches Unternehmen. Random House strebt eine marktbeherrschende Stellung an'". - Knackpunkt ist die Frage, auf welchen Anteil Random House und Ullstein Heyne List auf dem Taschenbuchmarkt kommen. "Denn alles deutet darauf hin, dass die Wettbewerbswächter bei ihren Überlegungen von einem
eigenen Markt für Taschenbücher ausgehen werden." Random House spricht dagegen von einem "integrierten Markt für deutsche Buchrechte"; auf diesem habe man nach der Übernahme von Ullstein Heyne List einen Anteil von 11 Prozent. Ihren
TB-Marktanteil veranschlagt die Verlagsgruppe auf
30 Prozent. Die Konkurrenz, aber auch der
buchreport, halten diese Schätzung für viel zu bescheiden. Bei
33 Prozent Marktanteil liegt die Schwelle, "ab der nach der bisherigen Praxis des Kartellamtes die Vermutung für eine marktbeherrschende Stellung vorläge".
Von einer Taschenbuchaktivität hat
Random House sich bereits getrennt: vom
Berliner Taschenbuch Verlag. Verleger
Arnulf Conradi hat seinen
Berlin Verlag von Random House zurückgekauft; zum Berlin Verlag gehört seit 2001 der Taschenbuchverlag - er soll den Ausschlag für den Verkauf gegeben haben: "Seit jedoch Conradi mit dem Aufbau eines eigenen Taschenbuchverlags begonnen hat, hat die Geduld der Bertelsmänner in demselben Verhältnis abgenommen, in dem die Verluste gewachsen sind." Das
"Loch in Berlin" sei so lästig geworden, "dass schließlich das Wort der Controller mehr wog als die angestrebte Reputation, die von der
Berlin-Perle auf den ganzen Konzern ausstrahlen sollte". Die Verhandlungen mit einem
neuen Investor seien bereits unter Dach und Fach, sagt Conradi. Den Namen und die Höhe der Beteiligung will Conradi allerdings noch nicht verraten.
Bis Ostern soll unterzeichnet werden.
Der
Bertelsmann Club hat im vergangenen Jahr mehr als
50 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Umsatz lag bei
400 Millionen Euro. "Ein Blick in den aktuellen Frühjahrskatalog macht deutlich, welche Strategie künftig zählt:
Preise, Preise und nochmals Preise. Eine Umfrage hatte ergeben, dass die Mehrzahl der Mitglieder überzeugt ist, Bücher seien beim Club teurer als bei
Weltbild oder
Amazon. Die Antwort auf die Mitglieder-Meinung: Auffällig
rote Buttons, die den Clubkäufern die konkrete Ersparnis in Euro-Beträgen vorrechnen, prangen auf allen Seiten -
Weltbild lässt grüßen. (...) Die übrigen, stets gelobten Vorteile, die eine Club-Mitgliedschaft bringen soll - davon ist kaum noch die Rede." Einen neuen Weltbild-Prospekt hat der
buchreport auch unter die Lupe genommen: Nonbook-Produkte seien "optisch stark in den Vordergrund gerückt". Wie in früheren Prospekten liege der Buchanteil bei rund 50 Prozent.
Und noch eine Bertelsmann-Meldung: Die 25,1 Prozent am Konzern, die seit 2001 der
Groupe Bruxelles Lambert gehören, will
Reinhard Mohn nicht zurückkaufen. "Um aber trotzdem mit seiner Familie uneingeschränkt über die Zukunft des Konzerns bestimmen zu können, hat Mohn eine
neue Satzung für die Verwaltungsgesellschaft BVG, die 25 Prozent der Stimmrechte an der Bertelsmann AG hält, durchgedrückt. (...) Nicht verhindern kann Mohn jedoch, dass die GBL in 2005 ihren Anteil an die Börse bringt".
Der
Salon du Livre hatte rund
15 Prozent weniger Besucher als 2002; schon damals waren es 7,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der
buchreport nennt ein paar mögliche Gründe für die diesjährige Flaute:
Le Monde habe geschrieben, der
Irak-Krieg sei Schuld gewesen (die Angriffe begannen am ersten Messetag). Die
Neue Zürcher Zeitung habe darauf hingewiesen, dass der Salon
wenig an Attraktionen zu bieten gehabt habe: "Nichts Neues aus dem Bereich der Spitzentechnologie und mit den kleinen Niederlanden [und Flandern] einen
wenig aufregenden Ehrengast." Umgekehrt muss der Salon in den Niederlanden als Begründung für das schwächere Abschneiden der
Boekenweek herhalten: Fünf Prozent weniger Bücher als im Vorjahr wurden verkauft. Die "Collectieve Propaganda van hat Nederlands Boek" meint, viele niederländische Autoren seien in Paris gewesen und hätten daher während der Boekenweek
keine Lesungen geben können.
Ein Journalist hat sich kürzlich mit einem Auszug aus dem
"Radetzkymarsch" von
Joseph Roth an mehrere Verlage gewandt - von allen erhielt er eine Absage, berichtet Peggy Voigt. Und kommentiert: "Der Fall legt die Vermutung nahe, dass es um
die Qualität der Lektorate nicht zum Besten steht. Viele Gründe können dafür ausschlaggebend sein: Einsendungen unbekannter Autoren werden nur unzureichend geprüft,
Lektoren verfügen nicht über Bildung oder Fähigkeiten, Qualität zu erkennen, oder aber der Weg, auf Altbewährtes zu bauen, Bestseller zu übersetzen und Lizenzen aus dem Ausland einzukaufen, ist - trotz der daraus resultierenden Mehrkosten - noch immer bequemer." Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Buchverlage wäre es fahrlässig, die Quelle der unverlangt eingesandten Manuskripte und Exposes ungenutzt zu lassen, so Voigt.
Weitere Meldungen:
Margit Schönberger, seit 1991 Chefin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von
Random House, hat ihren Job gekündigt. "Zu den Gründen und ihren Plänen für die Zeit danach macht Schönberger derzeit noch keine Angaben."
Matthias Bremer, seit 1999 Geschäftsführer der Essener Buchhandlung
Baedeker, hat das Unternehmen verlassen. Im Januar hatte die Buchkette
Buch & Kunst Baedeker übernommen. "Ob unterschiedliche Auffassungen über die weitere Entwicklung von Baedeker zur Trennung (...) geführt haben, darüber kann nur spekuliert werden." Die italienische Verlagsgruppe
Panini muss für die
Dino Entertainment AG 13,4 Millionen Euro zahlen. Die Führungsmannschaft bei
Eichborn ist mittlerweile komplett. Der
Landesverband Saar hat darauf hingewiesen, dass die
Rabattstaffeln der Taschenbuchverlage möglicherweise nicht mit dem Preisbindungsgesetz vereinbar sind, weil sie sich ausschließlich an der Abnahmemenge orientieren. Jetzt steht die Rabattstaffelung auf dem Prüfstand. Die Stadt
Frankfurt am Main hat dem
Börsenverein eine
neue Bleibe angeboten. "Bei der Stadtspitze scheinen Spekulationen über einen angeblich drohenden Wegzug des Branchenverbandes in eine andere Stadt Eindruck gemacht zu haben."
Schließlich die
Bestsellerlisten.