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281 Presseschau-Absätze - Seite 24 von 29

Die Buchmacher vom 31.03.2003 - buchreport.express

Auf den ersten Blick falle die Bilanz des Rankings der 100 größten Verlage positiver aus als im vergangenen Jahr: Das durchschnittliche Umsatzplus lag 2002 bei 0,3 Prozent; 2001 war es ein Minus von 0,6 Prozent. "Doch die 100 größten Buchverlage sind im Krisenjahr 2002 nur scheinbar mit einem blauen Auge davongekommen. Für das knappe positive Gesamtergebnis ist nur eine kleine Zahl von Ausreißern verantwortlich." Denn: 2001 erreichten 55 ein Umsatzplus, im aktuellen Ranking sind es nur 44. Ein Umsatzminus verbuchten im Ranking des vergangenen Jahres 29 Verlage. Diesmal sind es 37. "Zwischen den Sparten des Buchverlagswesens haben sich die Unterschiede abgeschliffen. Einerseits haben sich die Publikumsverlage vom Vorjahrestief erholt: Während sie 2001 noch ein fettes Minus von 7,3 Prozent verkraften mussten, verbuchten sie für 2002 nur noch vergleichsweise erträgliche -1,7 Prozent. Andererseits haben die Fachverlage ihren Glanz eingebüßt. Im Vorjahr fuhren sie in der Gruppe der 100 Größten ein Plus von 4,5 Prozent ein, doch 2002 ist ihr durchschnittlicher Zuwachs auf 1,1 Prozent zusammengeschmolzen."

Die FAZ hat die DVA-Zeitschriftensparte verkauft. "Bild der Wissenschaft, Natur & Kosmos, Damals sowie sieben Fachzeitschriften aus den Bereichen Architektur, Bauhandwerk, Design und Büro wechseln zum Konradin-Verlag in Leinfelden-Echterdingen (620 Mitarbeiter, 93 Mio Euro Umsatz)." Zuvor hatte sich die FAZ von dem Plan verabschiedet, die Deutsche Verlags-Anstalt nur in einem Stück zu verkaufen. Jetzt dürfte das Interesse an den FAZ-Verlagen DVA und Kösel wachsen, mutmaßt der buchreport. Nicht zuletzt wegen ihrer Beteiligung am Deutschen Taschenbuch Verlag: Sie halten knapp 23 Prozent. Mit ihnen könne ein Käufer, "der - wie z.B. Hoffmann und Campe - selbst einen Anteil hält", zum "Majordomus" werden.

Econ stellt seine Taschenbuchreihe ein. Die Sachbücher des Verlags hätten unter dem Rückgang der Nachfrage nach Wirtschafts- und Computer-Themen gelitten, sagte Ullstein-Vertriebsleiterin Sabine Kahl. Nun soll das Sachbuch im Ullstein-Taschenbuch ausgebaut werden.

Gunter Thielen habe sein Debüt als Bertelsmann-Vorstandschef auf einer "glänzend organisierten Bilanzpressekonferenz" erfolgreich hinter sich gebracht, schreibt der buchreport. Nun habe er aber eine schwere Daueraufgabe vor sich: "Obwohl Umsatz und Erträge zurückgegangen sind und die einst verwöhnte Medienbranche stagniert, will er trotzdem bis zum Börsengang im Jahr 2005 an der Umsatzrendite von 10 Prozent festhalten." Im vergangenen Jahr seien es nur 5,1 Prozent gewesen - "und dies, obwohl aus dem Verkauf der Anteile an AOL Europe nochmals 2,9 Mrd. Euro als warmer Regen in die Konzernkasse geflossen sind". Die Buchverlage des Konzerns verloren 44 Millionen Euro an Umsatz und lagen 2002 bei 1,995 Milliarden, konnten ihren Gewinn vor Steuern jedoch von 33 auf 168 Millionen Euro steigern. Sorgenkind bleibt der Bertelsmann Club. Der Chef der DirectGroup, Ewald Walgenbach, will den Club bis spätestens 2004 aus der Verlustzone herausführen. "Was passieren könnte, wenn er sein Ziel verfehlt, lässt sich zumindest vermuten: Es könnte das Ende des Buchclubs in Deutschland, einstmals das erste Kapitel der Bertelsmann-Erfolgsstory, sein."

Die Leipziger Buchmesse endete erneut mit einem Besucherrekord: 88.000 Besucher kamen, 14,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. "Kosten hin oder her - die meisten Verlage sehen Leipzig weiterhin als Chance. Einhellige Meinung der befragten Aussteller: 'Wo sonst kommt man mit seinen Lesern so intensiv ins Gespräch?' Das bekam auch die Messeleitung bestätigt: 90 Prozent der Aussteller haben bereits für 2004 zugesagt. Außerdem konnte Leipzig den Bibliothekskongress 'Information - Macht - Bildung' für die Leipziger Buchmesse 2004, 2007 und 2010 an sich binden."

Auch das Kölner Literaturfestival lit.Cologne war wieder sehr erfolgreich: "40.000 Menschen kamen, 70 der 85 Veranstaltungen waren ausverkauft". Dennoch verkündeten die Veranstalter nach einem Kassensturz: "Wenn im nächsten Jahr nicht ein weiterer Sponsor die noch ungedeckten 50.000 Euro aus dem 600.000-Euro-Etat übernimmt, findet 2004 keine Lese-Party am Rhein statt." Werner Köhler, einer der drei Veranstalter, sagt: "Wir haben jetzt drei Jahre lang eigenes Geld zugeschossen, ein viertes Jahr machen wir das nicht".

Die Leipziger Verlage E.A. Seemann und Edition Leipzig sowie der Berliner Henschel Verlag bleiben an ihren jeweiligen Standorten erhalten. Die Verlagsgruppe Dornier hatte im November angekündigt, die drei Verlage zu schließen. Später wurden Verkaufsverhandlungen in Aussicht gestellt. Nun hat der ehemalige Dornier-Programmleiter Bernd Kolf die Verlage übernommen.

Der ehemalige Holtzbrinck-Verlag Paetec ist nicht - wie die anderen Teile der Schulbuch-Holding Das Bildungshaus - an Westermann verkauft worden. Paetec-Gründer Gerd-Dietrich Schmidt nahm sein Vorkaufsrecht in Anspruch "und suchte Anschluss an die BI/Brockhaus AG." Die hat nun die Mehrheit an dem Bildungsverlag erworben. Schmidt bleibt Geschäftsführer.

Der 14-seitige Fragebogen, den das Bundeskartellamt im Verfahren über die Fusion von Random House und Ullstein Heyne List verschickt hat, macht den Verlagen zwar Arbeit. Doch die Erläuterung zu dem Fragebogen enthalte eine Information, die vielen Konkurrenten ihre Mühe versüßen dürfte, schreibt der buchreport: "Demnach neigen die Wettbewerbshüter dazu, bei ihrer Beurteilung von einem eigenen Markt für Taschenbücher auszugehen. Wenn die Marktwächter aus Bonn bei dieser Einschätzung bleiben, sinken die Chancen der heiratswilligen Elefanten, im laufenden Kartellverfahren ohne Auflagen davonzukommen." Random House geht zwar von einem Taschenbuch-Marktanteil von unter 30 Prozent aus, doch der buchreport hat nach eigenen Angaben einen Anteil von rund 38 Prozent unter den 44 regelmäßig Taschenbücher produzierenden Publikumsverlagen errechnet.

Weitere Meldungen: Die Frankfurter Buchmesse will die Standgebühren für kleine Verlage nun doch nicht so drastisch erhöhen, wie zunächst angekündigt. Die Mayersche Buchhandlung hat in der vergangenen Woche in Essen eine Großbuchhandlung auf 5.000 Quadratmeter eröffnet - nur wenige Häuser entfernt von der Buch & Kunst-Filiale Baedeker (2.500 Quadratmeter). Und der Verlag Langen Müller hofft nach dem Oscar für Caroline Link, die Lizenz für "Nirgendwo in Afrika" von Stephanie Zweig auf dem englischsprachigen Markt verkaufen zu können.

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Die Buchmacher vom 24.03.2003 - buchreport.express

Ein Resümee der Leipziger Buchmesse und der lit.Cologne gibt es erst im nächsten buchreport. In dieser Ausgabe bangt das Kölner Literaturfestival noch um die Besucherzahlen. Die Buchmesse ist optimistischer. Ihr Chef Oliver Zille erinnert an den Kosovo-Krieg: "Damals fielen Krieg und Buchmesse mit ihrem Lesemarathon 'Leipzig liest' zeitlich ebenfalls zusammen, wir haben jedoch keine Auswirkungen gespürt. Im Gegenteil: Die Messe ist 1999 zu einem Forum geworden, bei dem Aussteller, Autoren und Besucher über die Ereignisse auf dem Balkan diskutiert haben." Sorgen macht sich allerdings der Einzelhandel: Die Verbände rechnen damit, dass der Krieg im Irak zu einer noch verstärkten Kaufzurückhaltung führen wird, schreibt der buchreport. "Das müsste zwangsläufig auch den Buchhandel treffen, obwohl in den letzten Wochen das Titelangebot zu den Themen Naher Osten und USA katapultuarisch gestiegen ist." Mehr zur Kaufzurückhaltung hier und hier.

lit.Cologne und Leipziger Buchmesse fanden in diesem Jahr erstmals zeitgleich statt. "lit.Cologne-Geschäftsführer Werner Köhler kann sich durchaus vorstellen, sein Festival von einer regionalen Veranstaltung zu einem überregionalen Ereignis auszuweiten und damit der Leipziger Messe [und vor allem der Veranstaltungsreihe 'Leipzig liest'] auf die Pelle zu rücken. Es wird also nicht einfacher für die Leipziger Messe, ein klares Profil zu entwickeln und ihre Existenzberechtigung zu sichern."

Die Frankfurter Buchmesse bleibt in Frankfurt. Darauf hätten sich die Kontrahenten geeinigt, meldet der buchreport. "Wenn nichts mehr dazwischen kommt, wird also die Buchmesse auch über das Jahr 2003 hinweg bleiben, wo sie seit 1948 angesiedelt ist und zu einem Stück deutscher Nachkriegsgeschichte geworden ist. München, Köln, Berlin, Hannover und Sonstnochwer haben sich zu früh gefreut." Der neue Vertrag zwischen Messegesellschaft und der Ausstellungs- und Messegesellschaft (AuM) des Börsenvereins sei fertig, wenn auch noch nicht unterschrieben. Er soll statt bis 2007 bis 2010 laufen. Die Vermarktung soll künftig von der Messegesellschaft statt von der AuM durchgeführt werden.

Die Debatte um Frankfurt hatte Buchmesse-Direktor Volker Neumann begonnen, um gegen die hohen Preise der Frankfurter Hotels zu kämpfen. Nur steht er selbst als Preistreiber am Pranger, schreibt der buchreport: Im Vergleich zum Vorjahr seien die Standmieten für die kommende Messe um mindestens 16 Prozent, im Extremfall sogar um 270 Prozent gestiegen. "Den meisten Verlagen haben die neuen Preise zunächst die Sprache verschlagen." Das Blatt zitiert aus einem Brief von Karl-Klaus Raabe, Geschäftsführer des Lamuv Verlags und der GVA Gemeinsame Verlagsauslieferung Göttingen, an Börsenverein und AuM: "Wir werden breit mobilisieren. Wir werden nicht nur die Aussteller der Vorjahre ansprechen, sondern auch Autoren, die Presse, Politiker und natürlich die Buchhandlungen. Wir werden uns zu wehren wissen und sich uns schon jetzt sehr großer Unterstützung gewiss. (...) Die Messe will sich nun, offensichtlich ganz bewusst, ein anderes Gesicht geben, ohne die vielen kleinen, die bisher das Salz in der Suppe waren. (...) Wir können verstehen, dass Preiserhöhungen notwendig sind, wir akzeptieren aber nicht, dass gerade die Schwächsten sie tragen sollen". Kulturpolitisch sei dies ein Skandal.

Mit einem 16-seitigen Fragebogen an die Mitbewerber will das Kartellamt herausfinden, ob die Übernahme von Ullstein Heyne List durch Random House wettbewerbsrechtlich problematisch ist. "Insbesondere die Stellung der heiratswilligen Riesen auf dem Taschenbuchmarkt dürfte den Wettbewerbshütern Kopfzerbrechen bereiten. Nach Berechnung von buchreport haben sie zusammen einen Anteil von rund 38 Prozent der 44 regelmäßig Taschenbücher produzierenden Publikumsverlage".

Bei den Kinderbuchverlagen Egmont Franz Schneider und Egmont Pestalozzi werden insgesamt 50 Mitarbeiter entlassen. Der Umsatz der Egmont Holding war im vergangenen Jahr um 5,3 Prozent zurückgegangen. "In Folge der Einbrüche kamen auch die defizitären Münchener Jugendbuchverlage auf den Prüfstand. Mit dem Ergebnis: Der verlagseigene Außendienst wird zum 31. Dezember 2003 eingestellt und der Vertrieb ab 1. Januar 2004 von der zur Holding zählenden vgs verlagsgesellschaft (Köln) miterledigt."

Schneller als erwartet trennt sich die FAZ-Gruppe von Buch Habel. Nämlich rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres. Anfang Februar hatte der buchreport gemeldet, dass die FAZ sich erst zum Ende 2004 von ihrer Habel-Beteiligung trennen könne, da sie die Frist habe verstreichen lassen, die einen Ausstieg bis Ende 2003 ermöglicht hätte. Der 50-prozentige Anteil der FAZ geht an den Besitzer der anderen 50 Prozent, Ernst Leonhard. "Inwieweit sich das Entgegenkommen von Leonhard (...) auf den Rückkaufpreis ausgewirkt hat, will keiner der Beteiligten kommentieren. (...) Den Ausschlag für den Trennungswunsch der FAZ hatten Verluste im Kerngeschäft der überregionalen Zeitung gegeben."

Ähnlich wie etwa Weltbild bietet Amazon.de Sonderausgaben an, die entweder "exklusiv" oder billiger angeboten werden. Über den Erfolg der Aktion will Amazon nichts verraten. So hat der buchreport selbst verglichen: Das Buch "Die Glasbläserin" stand in der vergangenen Woche auf Rang 4.807 der Amazon-Verkaufsliste, die Sonderausgabe dagegen auf Rang sechs. Amazon will das Angebot "in Zukunft weiter ausbauen".

Weitere Meldungen: Die Holtzbrinck-Verlage S. Fischer und Rowohlt starten ein gemeinsames Vertriebsbüro in Hamburg. Über dieses Büro sollen Bestellannahme, Reklamationen und Fragen der Debitorenbuchhaltung laufen. Die Vertriebsabteilungen der beiden Verlage sollen aber nicht zusammengelegt werden. Die niederländische Übersetzung von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" soll im November erscheinen. Warum der Verlag De Harmonie das Manuskript allerdings erst am 21. Juni (dem Erstverkaufstag der englischen Originalausgabe) bekommt, erklärt der buchreport leider nicht. Der erste "Astrid-Lindgren-Preis" geht an die Wiener Schriftstellerin Christine Nöstlinger und den amerikanischen Autor und Illustrator Maurice Sendak. Der mit insgesamt 540.000 Euro dotierte Preis war im vergangenen Jahr von der schwedischen Regierung gestiftet worden. eBay will verstärkt mit Buchhändlern zusammenarbeiten. Dann fast der buchreport zusammen, was für Buchhändler interessant an der jüngsten Regierungserklärung des Kanzlers sein könnte: Die Mini-Jobs werden attraktiver, der Kündigungsschutz soll reformiert werden und der Ladenschluss wird verlängert. Der amerikanische Buchhandel fühlt sich vom Handel mit dem neuen "Harry Potter" ausgesperrt, weil der Verlag Scholastic in Schulen Vorbestellungen sammelt. Und schließlich berichtet der buchreport, dass die London Book Fair eine positive Bilanz zieht.

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Die Buchmacher vom 17.03.2003 - buchreport.express

Auflagen und Umsätze im Schulbuchgeschäft sind für Verlage und Buchhändler kaum noch planbar, schreibt der buchreport. Und nennt drei Gründe: "Fast alle Bundesländer haben aufgrund ihrer Finanzlage die Lernmittelfreiheit eingeschränkt und beteiligen nun die Eltern an den Kosten." - "Die Regeln sind höchst unterschiedlich und reichen von der kostenlosen Ausleihe bis zur Anschaffung aller Bücher durch die Eltern." - "Das neue Preisbindungsgesetz schreibt rigoros vor, dass Nachlässe nur an Schulbuchaufträge der öffentlichen Hand gewährt werden dürfen - also nicht an Elternvereine." Das die Länder den klaren Schritt scheuen und sich mit "zurechtgeflickten Lösungen" behelfen, fordern die Schulbuchverlage, die Lernmittelfreiheit ganz aufzuheben. "Damit könnte auch der Löwenanteil des Schulbuchgeschäfts in den Sortimentsbuchhandel zurückkehren." Auf anderthalb Seiten stellt der buchreport die in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlichen Regelungen der Lernmittelfreiheit dar. Mehr dazu hier.

Das Buch des Möchtegern-Volkstribuns Jürgen W. Möllemann geht mit einer Auflage von 80.000 Exemplaren an den Start. "Klartext. Für Deutschland" (C. Bertelsmann) heißt das Machwerk, über das die FAZ "bereits in der vergangenen Woche lang und breit" berichtet hatte. "Klaus Eck, Geschäftsführer von Random House, rätselte in der Berliner Zeitung darüber, wie das passieren konnte - hatte doch der Verlag die Druckfahnen sorgfältig gehütet." Der arme Herr Eck; wie konnte so etwas nur passieren?

Joanne K. Rowling und Warner Bros. klagen gegen den niederländischen Verlag Byblos; sie werfen ihm vor, ein Plagiat von "Harry Potter" zu verbreiten. Byblos hatte die niederländischen Rechte des russischen Romans "Tanya Grotter und der magische Kontrabass" gekauft. Am 8. April sollte das Buch erscheinen. Den russischen Verlag Eksmo hatten Rowling und Warner bereits im November aufgefordert, Produktion und Vertrieb des Buches einzustellen. Das Buch von Dimitri Jemetz sei in Russland ein großer Erfolg, schreibt der buchreport. "100.000 Mal ging das erste Buch über den Ladentisch, Band zwei 'Tanya Grotter und der schwindende Fußboden' ist kürzlich erschienen." Mehr hier (aber nur gegen Geld).

Auch der deutsche Potter-Verlag Carlsen klagt. Und zwar gegen Amazon.de, weil dort die englische Ausgabe des fünften Potter-Bandes für 16,80 Euro zu haben ist. Carlsen sehe in dem Angebot eine "Irreführung der Verbraucher, durch die sich der Online-Händler Wettbewerbsvorteile verschaffen wolle". Die Leistungsgemeinschaft Buch bietet ihren Buchhändlern das Buch zum Einkaufspreis von 14,45 Euro. "Würden die Sortimenter mit 16,75 Euro den Amazon-Preis unterbieten, hätten sie nur noch eine Marge von 13,7 Prozent." Der buchreport merkt an: "Die Buchhändler begeben sich mit ihrer Teilnahme an der Preisschlacht der Großen auf gefährliches Terrain: Ihre Kunden könnten Mühe haben, die freie Gestaltung der Preise mit den strengen Regeln der deutschen Buchpreisbindung in Übereinstimmung zu bringen."

Der buchreport-Umsatztrend für Februar liegt bei einem Minus von 4,12 Prozent. "Der Rückschlag wiegt besonders schwer, denn im Vergleichsmonat des Vorjahres liefen die Geschäfte schon ausgesprochen mau". Unter den Warengruppen blieben einzig Sachbuch und Hobby im Plus. Alle anderen Warengruppen weisen ein Minus auf. "Will man der traurigen Minus-Parade mit Gewalt einen positiven Aspekt abgewinnen, muss man auf die große Gruppe Belletristik schauen: Die Romane bleiben zwar mit -5,24 Prozent auch im dritten Monat in Folge im Tal der Tränen, aber sie haben ihre Abwärtsbewegung verlangsamt." Trotz und alledem zeigen alle Index-Werte des buchreport-Geschäftsklimatrends nach oben.

Nach München, Köln und Hannover hat sich auch Berlin als möglicher Standort für die Frankfurter Buchmesse angeboten. Dem buchreport missfällt die Strategie von Buchmesse-Direktor Volker Neumann, den Standort Frankfurt für bessere Konditionen aufs Spiel zu setzen. Nicht ohne Häme druckt das Blatt eine Glosse aus der Frankfurter Rundschau: "Deutschland sucht den Messestar".

Während sich die Veranstalter in Frankfurt über Hotelpreise ins Gespräch bringen", so der buchreport, machen ihre Kollegen in Leipzig Programm: "700 Autoren kommen zum Lesemarathon 'Leipzig liest'." Mehr hier und hier.

Schließlich berichtet der buchreport über den von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries geplanten "Goethe-Groschen", eine Abgabe auf gemeinfreie Klassiker, die öffentlichen Kultur-Etats oder einer Stiftung zur Förderung junger Künstler zugute kommen soll. In einem Kommentar schreibt David Wengenroth: "Das ist schon paradox: Da steckt die Buchbranche in ihrer schwersten Krise seit Kriegsende und ausgerechnet in dieser Situation glaubt die Bundesregierung, die Verlage zu Melkkühen des Kulturbetriebes machen zu können. Dabei ist die Buchbranche die einzige Sparte des Kulturbetriebes, in dem die Pflege der Klassiker überhaupt noch ohne staatliche Förderung funktioniert. Das Beste an der 'Goethe-Groschen'-Idee ist ihre geringe Chance auf Verwirklichung."

Weitere Meldungen: Das Wachstum der großen Buchhandelsfilialisten habe zwar Grenzen, schreibt der buchreport. Aber nach aktuellem Stand eröffnen in diesem Jahr noch elf neue Häuser mit einer Gesamtfläche von 24.850 Quadratmetern. Allein Buch & Kunst plant sechs neue Buchhandlungen. In Österreich eröffnet Marktführer Morawa & Styria die 21. Filiale. Der US-Buchmarkt hat 2002 besser abgeschnitten als erwartet. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani hat mit seinem Buch "Leadership" eine Gesamtauflage von über einer Million erreicht. John Grisham ist mit seinem letzten Roman mal wieder sehr erfolgreich ("The King of Torts" heißt das Buch; es erscheint dieser Tage als "Die Schuld" bei Heyne und wird von einer "Megaseller-Kampagne" begleitet). Außerdem gibt es Artikel über die Billigangebote im jüngsten Weltbild-Katalog und über die ersten Verhandlungen zwischen Verlegern und Autorenvertretern über die Vergütung auf der Basis des neuen Urhebervertragsrechts.

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Die Buchmacher vom 03.03.2003 - buchreport.express

Die 100 größten Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 2002 ein Umsatzplus von 3,8 Prozent erreicht; für den traditionellen Buchhandel insgesamt kam im vergangenen Jahr nur ein Umsatzminus heraus: ebenfalls 3,8 Prozent. Das ergab das jährliche buchreport-Ranking "Die 100 größten Buchhandlungen". Von diesen 100 Buchhandlungen haben wiederum nur 44 ein Umsatzplus verbucht (2001 waren es noch 56). 31 bilanzierten ein Minuswachstum (im Vorjahr 15).

Der Umsatz auf alternativen Vertriebswegen (Internet, Billiganbieter) sei dagegen geradezu explodiert. So bringe Weltbild es stationär und online auf 440 Millionen Euro Umsatz und rangiere damit "vor allen anderen". Amazon sei um 70 Prozent gewachsen; Umsatz: 350 Millionen Euro. Selbst Thalia, mit Abstand die Nummer eins unter den Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, bleibt dahinter zurück: "Würde man die Umsätze des stationären Buchhandels mit den Jahresdaten der Sondervertriebswege mischen, so würde die Thalia Holding ihren mit großem Vorsprung erarbeiteten Platz 1 verlieren und nur noch auf Platz 4 rangieren." Die Reihenfolge "in diesem alles entscheidenden Ranking" laute: 1. Weltbild mit 440 Millionen Euro Umsatz, 2. Der Club mit 380 Millionen Euro Umsatz, 3. Amazon mit 350 Millionen Euro Umsatz, 4. Thalia mit 324,6 Millionen Euro Umsatz, 5. Hugendubel mit 209,4 Millionen Euro Umsatz. Würde man die Erlöse aus Sonderverkäufen bei Kaffeeröstern oder Supermarktketten noch hinzurechnen, nähme die Bedeutung des Billigbuchhandels noch zu, so der buchreport weiter. Für das laufende Jahr geht der buchreport davon aus, dass Amazon den Club und Weltbild überholt und sich auf Platz 1 des Rankings setzt.

Noch ein Ergebnis des Rankings: Der Konzentrationsprozess unter den 100 größten Buchhandlungen hat sich verlangsamt. Sieben der 100 Plätze seien frei geworden (im Vorjahr zehn); nur vier davon durch Übernahmen (2001 waren es sieben). So wurde Palm & Enke an Thalia verkauft, Baedeker an Buch & Kunst, Stocker an Lüthy und Freihofer an Huber & Lang. Die übrigen Abgänge beruhen auf Konkurs und Insolvenz: Libro AG, Kiepert, Köndgen. Der buchreport betont: "In 2002 haben viele Buchhandlungen, die mit ihren Umsätzen nicht im Ranking platziert sind, aufgegeben. Über ihre Zahl liegen keine zuverlässigen Angaben vor, der Börsenverein hat jedoch 109 Abgänge unter seinen Mitgliedern aus dem Sortiment gemeldet." Im buchreport.magazin erläutert Peggy Voigt das Ranking ausführlich - das Ranking selbst finden Sie hier.

Das Preisbindungsgesetz schreibt gebundene Preise auch für Schulbücher vor. Für Schulbuchversender bestehe daher kaum noch eine Möglichkeit, ortsansässige Buchhändler bei Schulbuchaufträgen zu unterbieten, meldet der buchreport. Dennoch gebe es keinen Grund zur Entwarnung. "Die Ausschreibungspflicht für öffentliche Aufträge bleibt, auch wenn kein preislicher Wettbewerb möglich ist. Und die Kommunen dürfen laut Vergaberecht ortsansässige Bieter nicht per se gegenüber auswärtigen bevorzugen."

Die Kaffee-Kette Starbucks eröffnet in der Mayerschen Buchhandlung in Essen ihre erste Filiale in einer Buchhandlung. Eröffnet wird die 5.000-Quadratmeter-Fläche am 27. März. "Sollte das Konzept tatsächlich aufgehen, möchte die Kaffeebar-Kette, die in Deutschland in diesem Jahr die 37. Filiale aufschließen will, den engeren Schulterschluss mit der Buchbranche üben."

Wer stinkreich werden will, sollte nicht mit Büchern handeln. Auf der Liste der 100 reichsten Deutschen hat der buchreport keinen "wirklichen Verleger" entdeckt. Der reichste Medienmann bleibt Reinhard Mohn, mit 4,3 Milliarden Euro auf Platz 11. Die Familie von Holtzbrinck kommt mit 2,85 Milliarden Euro auf Platz 24.

Trotz Gipfeltreffen und großem Aufeinanderzugehen: Der Streit um den Standort der "Frankfurter" Buchmesse ist noch nicht vom Tisch. "Beide Seiten beharren auf ihren Maximalforderungen: Die Hotelbranche will ihre Preise während der Messezeit nicht senken, die Buchmesse will sich damit aber nicht zufrieden geben. Bliebe das so, könnte es ab dem 1. März wieder Verhandlungen mit München geben, schließlich habe man der Stadt Frankfurt nur bis zu diesem Datum zugesichert, keine Gespräche mit der Konkurrenz zu führen, so Buchmesse-Sprecher Holger Ehling." Der buchreport weist darauf hin, dass es nicht nur die Kosten der Hotels gebe; "es gibt auch Geld, das die Buchmesse möglichst wenig öffentlich diskutieren möchte: Standmieten und Eintrittspreise". Das Börsenblatt meldet derweil, dass Buchmesse-Direktor Volker Neumann "noch einmal über die Eintrittspreise nachdenken" werde.

Der schottische Verlag Canongate von Jamie Byng wurde bei den 14th British Book Awards zum Verlag des Jahres 2002 gewählt. Bei Canongate erschien "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martel; das Buch hat bereits den Booker-Prize bekommen. Auch für den Book Award galt Martel als Favorit; dieser Preis ging jedoch an "Stupid White Men" von Michael Moore.

Weitere Meldungen: Die Petersen Logistik GmbH hat die Insolvenz angemeldet. Nicht betroffen ist die wirtschaftlich eigenständige Firma Petersen Buchimport. Nach KNO/KV erhöht auch Libri die Gebühren. Nach dem Börsenblatt berichtet auch der buchreport über den Preiskampf bei den englischen Originalausgaben von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" (das Buch erscheint am 21. Juni; wann die deutsche Übersetzung erscheint, ist nach wie vor unklar). Der Fourir Verlag übernimmt die Bestände der insolventen Edition Stemmle. Und die Umsätze der Reiseführer-Verlage sind im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent zurückgegangen.

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Die Buchmacher vom 24.02.2003 - buchreport.express

Beim Bertelsmann-Konzern sei "Feuer unterm Dach", heißt es auf der Titelseite des buchreport. Reinhard Mohns "vermächtnishafte Ankündigung" habe "Irritationen und Machtkämpfe an der Spitze ausgelöst". Mohn hatte das Machtzentrum des Konzerns kürzlich voll auf seine Frau Liz und seine Kinder Christoph und Brigitte ausgerichtet. "Insbesondere das Misstrauensvotum gegen das Bertelsmann-Management - seit vergangener Woche nachzulesen in dem Mohn-Buch 'Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers' - hat viele der Führungskräfte gegen den Patriarchen und seine Familie aufgebracht" (und ist damit nebenbei ein Hinweis darauf, dass auch Familienunternehmer Unfug anrichten können). Jetzt brauche der Konzern einen "Troubleshooter", so der buchreport weiter.

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck hat kartellrechtliche Bedenken gegen die Übernahme von Heyne Ullstein List durch Bertelsmann angemeldet. Der Konzern will eine Beiladung zum Kartellverfahren beantragen. "Als Beigeladene könnten die Stuttgarter dem Kartellamt vortragen, warum das fusionierte Unternehmen ihrer Ansicht nach eine marktbeherrschende Stellung einnehmen wird". Die Holtzbrinck'schen Bedenken richten sich gegen die Position von Random House bei den Paperbacks. Holtzbrinck geht davon aus, dass die neue Verlagsgruppe einen 40-prozentigen Anteil am Taschenbuchmarkt hätte.

Bei der Zentrale des Bertelsmann-Clubs in Rheda-Wiedenbrück sollen 57 Arbeitsplätze abgebaut werden, betriebsbedingte Kündigungen soll es dem Unternehmen zufolge nicht geben. "Die Maßnahme ist Teil einer Standortvereinbarung, die soeben erneuert worden ist. Zu ihr gehört auch die Vereinbarung mit den Angestellten über eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 39 Stunden."

Zu dem Spiel "Die Siedler von Catan" wird es im kommenden Sommer ein Buch geben. Der Titel von Rebecca Gable erscheint in dem Lübbe-Imprint Ehrenwirth, also nicht im Kosmos Verlag, der das Spiel auf den Markt gebracht hat. "Die Kontakte zu Rebecca Gable knüpfte Spieledesigner Klaus Teubner schon 2001 auf der Frankfurter Buchmesse. Gable, im Krimi und vor allem im Genre des historischen Romans zu Hause, fand offenbar sofort Gefallen an der Idee. 'Die Siedler von Catan wird ein historischer Roman der etwas anderen Sorte. Er wird nur an fiktiven Orten spielen, ausschließlich von erfundenen Personen handeln, aber trotzdem ein Stück faszinierendes Mittelalter erzählen', wirbt sie auf ihrer Homepage."

Der Axel Springer Verlag hat seine gesamte Buchsparte verkauft. Seine gesamte Buchsparte? Nicht ganz: Der Cora Verlag "mit dem Schwerpunkt 'Liebe und Romantik' für die weibliche Zielgruppe" hält wacker das Fähnchen der Springer-Buchkultur hoch. Das Programm soll sogar noch ausgebaut werden, kündigt Cora-Geschäftsführer Thomas Beckmann an. "Mit dem Imprint Mira-Taschenbuch will Beckmann in Zukunft verstärkt auch in den großen Buchhandelsketten auftrumpfen. 'In den internen Verkaufscharts der Karstadt-Buchabteilungen liegen wir schließlich regelmäßig an der Spitze, dieses Argument sollte auch im klassischen Buchhandel Interesse wecken', meint Beckmann."

Der Preiskampf um die englische Ausgabe des neuen "Harry Potter" habe nun auch die "Bindungsrepublik Deutschland" erreicht: "Während buchkatalog.de und BOL mit einem Preis von 24,90 Euro der Bloomsbury-Empfehlung (16,99 Pfund) noch recht nahe kommen, bleiben Libri.de mit 19,99 Euro und Booxtra mit 19,95 Euro schon deutlich darunter. Noch weiter runter gehen Amazon.de und Weltbild.de, die jeweils 16,80 Euro verlangen." Zumindest Amazon ist mittlerweile jedoch umgeschwenkt.

Penguin will in den USA ausgewählte Taschenbücher in Supermärkten verkaufen. "Das Kind muss einen Namen haben, und weil Buchclubs jenseits des Atlantiks bei Tageszeitungen, Fernsehsendern und auch in Buchhandlungen wie Pilze aus dem Boden schießen - Oprah Winfrey lässt grüßen - hat Penguin das neue Vertriebsprojekt 'Readers Club of America' getauft." Damit Käufer und Leser sich nicht allzu veralbert vorkommen, soll es eine Website geben, auf der man über die Bücher diskutieren kann. Zunächst will Penguin vier Taschenbuch-Titel neben die Kühlregale stellen.

Weitere Meldungen: Die erste Runde im angestrebten Verkauf des Fachverlags BertelsmannSpringer hat begonnen; acht Interessenten wurden von Bertelsmann eingeladen. Das "größte Buchkonglomerat in den deutschsprachigen Ländern" soll möglichst komplett und möglichst schnell verkauft werden. Der Verlag Delius Klasing kauft die maritime Buch-Sparte des Busse Seewald Verlags; Busse Seewald will sich künftig auf das Kerngeschäft im Segment Lifestyle, Wohnen und Ambiente konzentrieren. Noch in diesem Jahr will der Ratgeberverlag Humboldt in Baden-Baden mit rund 20 Novitäten neu starten. Und schließlich weist der buchreport darauf hin, dass in diesem Jahr ungewöhnlich viele Filme nach Literaturvorlagen für einen Oscar nominiert wurden.

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Die Buchmacher vom 17.02.2003 - buchreport.express

"Bertelsmann will die Alleinherrschaft", titelt der buchreport auf Seite eins. Aus Bertelsmann-Perspektive sieht das Blatt vier Gründe für den Kauf der Springer-Buchverlage: "Nach dem Internet-Desaster kehrt Bertelsmann zurück zu seinen angestammten Geschäften und stärkt mit der Buchsparte die Keimzelle des Medienkonzerns." - "Im Gegensatz zu den verschiedenen Teilverkäufen (z.B. BertelsmannSpringer) ist der Zukauf von Ullstein Heyne List auch eine positive Botschaft mit Blick auf den für 2005 geplanten Börsengang." - "Mit den Titeln der Verlage Ullstein Heyne List kehrt Bertelsmann in die Spiegel-Bestsellerliste zurück." - "Die Buchsparte des Springer-Konzerns ist mit einem kolportierten Kaufpreis von weit unter 100 Millionen Euro ein Schnäppchen gewesen."

Künftig werde im Bereich der Publikumsverlage nahezu jedes sechste Hardcover und fast jedes zweite Taschenbuch aus einem Verlag kommen, der von Bertelsmann kontrolliert wird. Der deutsche Buchmarkt verändere sich durch den Zukauf von Grund auf. "Selbst wenn Rowohlt, S. Fischer, Hanser, Suhrkamp, Piper, Hoffmann und Campe, Eichborn, Aufbau, Kiepenheuer & Witsch und noch ein halbes Dutzend anderer Publikumsverlage sich morgen zusammenschmeißen würden, kämen sie noch immer nicht an die mindestens 410 Millionen Euro Jahresumsatz heran, die zukünftig unter der Führung der Bertelsmann-Buchtochter Random House vereint sein werden. Das wird Folgen haben." Der geringe Preis für Ullstein Heyne List werde Bertelsmann "über Dubletten in den Verlagsprogrammen" hinwegtrösten. "Bedenkt man, dass der Springer-Konzern für die Übernahme des Heyne Verlags im Dezember 2001 knapp 140 Millionen DM (umgerechnet 71,6 Millionen Euro) gezahlt hat, dass Springer allein in 2001 rund 46 Millionen Euro an Verlusten und Sonderabschreibungen in die Bilanzen einstellen musste und dass auch im Geschäftsjahr 2002 voraussichtlich zwischen 10 und 20 Millionen Euro Verluste aufgelaufen sind, dann ist die Übernahme der Verlagsgruppe aus der Paul-Heyse-Straße in München für den Konzern aus Gütersloh ein gutes Geschäft." Probleme sieht der buchreport allerdings bei den Springer-Ratgeberverlagen (Random House hat seine Ratgeberverlage Falken und Mosaik "gerade mit großen Abschreibungen stillgelegt"). Außerdem werde die Zukunft "des neuen Goliaths unter den deutschen Publikumsverlagen" angesichts der Überschneidungen nicht ohne Programmbereinigungen und Entlassungen funktionieren. Einige Dubletten würden sich von selbst auflösen, wenn ein von Arnulf Conradi "neu gewonnener Partner" die Bertelsmann-Anteile des Berlin Verlags kaufte - bislang nur ein Gerücht.

Der buchreport hält es für wahrscheinlich, dass das Kartellamt dem Deal seine Zustimmung nicht verweigern wird. Eine Voranfrage von Bertelsmann sei mit einem positiven Zeichen beantwortet worden. "Eine solche Haltung könnte Bertelsmann auch dazu bewogen haben, einer einschränkenden Klausel im Vertrag zuzustimmen": Im Vertrag sei festgelegt worden, dass Bertelsmann sich bei einem Nein des Kartellamts selbst um neue Käufer kümmern muss. Theoretisch könnte Bertelsmann dann Ullstein verkaufen: Die Übernahme der übrigen Springer-Buchverlage würde für Bertelsmann "noch immer Sinn machen, aber die Spitze wäre aus allen Diskussionen herausgenommen". Ein möglicher Interessent wäre etwa der schwedische Bonnier-Konzern, zu dem unter anderem Piper gehört. "Das populäre Ullstein-Programm würde die Taschenbuch-Reihe Serie Piper ergänzen und im Hardcover würden Geschichte und Biografien (aus dem Programm der Propyläen-Tochter) ebenfalls gut ins Konzept passen."

Christian Strasser muss nun seinen Traum aufgeben, "dass auch in großen Umsatzkategorien die individuelle Führung von Verlagen unter dem Dach eines Konzerns möglich ist", schreibt der buchreport weiter. "Dass nun ausgerechnet einer der beiden Konkurrenten, gegen die sich sein Modell gerichtet hat, Käufer der Verlagsgruppe Ullstein Heyne List geworden ist, muss ihn ganz besonders treffen. (...) Falls er unter der Führung von (Random-House-Deutschland-Chef) Joerg Pfuhl in der neuen Verlagsgruppe weiter mitarbeiten sollte, könnte er sich zumindest nicht mehr als die charismatische Person gerieren, die ihm Kritik, aber auch Ansehen in der Branche eingebracht hat."

Die "Sonntagsbotschaft" von Reinhard Mohn, den Einfluss seiner Frau und seiner Kinder im Bertelsmann-Konzern zu verankern, wird für Albert Frere "wenig erbauend gewesen sein", schreibt der buchreport. Der Belgier hält über die Groupe Bruxelles Lambert 25,1 Prozent an der Bertelsmann AG und hat das Recht, mit diesen Anteilen 2005 an die Börse zu gehen. "Dieser Börsengang ist zwar vertraglich zugesagt, angesichts der neuen Strategie dürfte die Bertelsmann-Aktie aber nicht mehr viel Interesse finden und deshalb nur einen niedrigen Kurs erreichen." Hinzu kommen die bekannten Konjunktur- und Finanzprobleme.

Die deutsche Übersetzung von "Harry Potter" Nummer fünf könnte erst im nächsten Jahr kommen. In einer "Eulenpost" an das Sortiment schreibt der Carlsen-Verlag, es sei noch nicht klar, wann der komplette Text zur Übersetzung freigegeben werden könne. "Somit müssen wir Sie vertrösten, bis die Botschaft kommt, wann dieser Termin im Herbst / Winter / Frühjahr 2003 / 2004 sein wird", heißt es weiter. Der Wochentag steht allerdings schon fest: Ein Samstag soll es sein. Wie beim englischen Original. Das erscheint am 21. Juni.

Der Schulbuchverlag Klett gibt das Bezahlmodell für sein Portal klett-training.de auf. "Die Nutzer sind nicht bereit, für Inhalte im Internet zu zahlen oder sich über ein Abonnement zu binden - noch nicht", resümiert Projektleiter Günter Meier.

"Nicht schlecht für den Anfang", bescheinigt der buchreport gönnerhaft der neuen Literatursendung "Druckfrisch" mit Denis Scheck. Mehr als eine halbe Million Zuschauer hätten die Sendung gesehen. Das seien zwar nur halb so viele gewesen wie "Das literarische Quartett" zu seinen schwächsten Zeiten hatte, "aber immerhin zehnmal mehr, als die Bertelsmann Club-Show 'Willkommen im Club' im Durchschnitt vor den Bildschirm bringt. Erster Eindruck: ein löblicher Versuch, das Buch mit den Mitteln des Mediums Fernsehen zu paaren."

Dass die Buchkette Barnes & Noble über den Ratgeberverlag Sterling nun auch verlegerisch tätig ist, wird von der Konkurrenz nicht goutiert. "Sowohl der zweitgrößte US-Buchhändler Borders, Inc. als auch der Price Club Costco. Wholesale werden von Sterling keine Bücher mehr beziehen."

Weitere Meldungen: Der neue Eichborn-Programmchef Peter Wilfert übernimmt auch die Geschäftsleitung von Pendo. Die Eichborn AG hält 51 Prozent an dem Züricher Verlag. Der Kinderbuchverlag Nord-Süd ist "als mittelständisches Unternehmen an seine Grenze gestoßen" und sucht daher einen finanzstarken Partner. Mairs Geographischer Verlag schließt seinen Standort in Halle; 38 Mitarbeitern wurde zu Ende August gekündigt. Carola Markwa, bisher Karstadt-Chefeinkäuferin im Bereich Buch, übernimmt die Leitung des neuen Buchhauses Weiland in Hannover. Der Börsenverein denkt angeblich über einen Auszug aus dem "Buchhändlerhaus" am Großen Hirschgraben nach. Die saisonale buchreport-Umfrage unter den Vertriebsleitern der Verlage bringt vorsichtigen Optimismus zutage: 70 Prozent beurteilen die Ergebnisse als gut, 15 Prozent sagen "Geht so", 15 Prozent beurteilen die Frühjahrsreise ihrer Vertreter "eher als schwierig". Damit beurteilt ein Viertel die Frühjahrsreise besser als die Herbstreise des vergangenen Jahres, 55 Prozent meinen, das Frühjahr sei bisher vergleichbar mit dem Herbst, und 20 Prozent beurteilen die laufende schlechter als die vergangene Saison. Ein ähnliches Bild ergibt der Umsatztrend des buchreport. Der US-Kinderbuchverlag Scholastic hat mit einem empfohlenen Ladenpreis von 29,99 Dollar für den neuen "Harry Potter" eine "nicht für möglich gehaltene Preismarke für das Kinderbuch gesetzt"; der Buchhandel in den USA ist sauer. Der britische Verlag Hodder Headline gründet in Kooperation mit Simon & Schuster eine US-Tochter. Und der Lexikonverlag Grove ist von Macmillan an Oxford University Press verkauft worden.

Hier der Link auf die vom buchreport ermittelten Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 10.02.2003 - buchreport.express

Um Erstverkaufstage geht es auch im buchreport. Auf den aktuellen Spiegel-Bestsellerlisten stehen zwei Titel, "die dort eigentlich noch gar nicht aufkreuzen dürften". Das Buch "Nichts als Gespenster" von Judith Hermann hätte eigentlich erst ab 29. Januar verkauft werden dürfen, steht aber trotzdem bereits auf Rang zwei, und die Ottmar-Hitzfeld-Biografie von Josef Hochstrasser sollte erst am 3. Februar in den Handel kommen, steht aber schon auf Platz 21 der Sachbuchliste. "Einfache Erklärung: Wenn Bücher im Gespräch sind, warten Buchhändler nicht mehr bis zum vorgegebenen Erstverkaufstag, sondern verkaufen, was ihnen Bücherwagendienste und Speditionen ins Haus gebracht haben. Dafür gibt es viele Gründe." Zwei nennt der buchreport: "Nur ein verkauftes Buch ist ein gutes Buch", und "Wenn der Buchhändler ein Buch nicht verkauft, kauft es sein Kunde vielleicht bei der Konkurrenz nebenan". Nur in Ausnahmefällen, zuletzt etwa bei "Harry Potter und der Feuerkelch", gelinge es, unter Androhung von Vertragsstrafen einen Erstverkaufstag flächendeckend durchzusetzen. Es gibt aber Gründe für den Erstverkaufstag: "Die öffentliche Aufmerksamkeit für ein Buch ist am größten, wenn es zeitgleich ins Schaufenster der Buchhandlungen kommt, Anzeigen in Zeitungen und Magazinen erscheinen und Besprechungen im redaktionellen Teil zu lesen sind." Und: "Verlage hoffen darauf, dass sich Spitzentitel nicht langsam in der Spiegel-Bestsellerliste an die Spitze vorkämpfen, sondern möglichst aus dem Stand auf Platz 1 vorschießen - alles andere könnte Zweifel an der Verkäuflichkeit des jeweiligen Titels auslösen. Ein Blitzstart gelingt jedoch nur, wenn in den Warenwirtschaftssystemen, aus denen heraus buchreport die Absatzzahlen pro Titel ermittelt, schlagartige Abverkäufe registriert werden."

Ein Pilotprojekt von Bertelsmann Club und der Buchhandlung Grüttefien ist beendet. Buch & Kunst hat die Bielefelder Buchhandlung "Boulevard" übernommen. "Der Dresdner Filialist hat sich damit nach der Übernahme von Baedeker in Essen einen zweiten großen Fisch an die Angel geholt - allerdings wartet an beiden Standorten harter Wettbewerb auf die sächsische Kette." Der Traum, den Bertelsmann Club "im stationären Buchhandel als ernst zu nehmenden Mitbewerber zu etablieren", sei wieder einmal geplatzt. "Grüttefien, so wurde nun bekannt, ist schon Ende 2002 aus dem Joint Venture ausgestiegen." In der Bielefelder Buch & Kunst-Filiale wird der Club sich auf "einen abgetrennten Bereich" zurückziehen. Buch & Kunst erklärt, "gemeinsam mit dem Club" seien weitere Standorte denkbar. Ziel sei Platz drei im buchreport-Ranking "Die 100 größten Buchhandlungen" - hinter Thalia und Hugendubel.

Die Bremer Bahnhofsbuchhandlung Reinhardt macht dicht. Das Familienunternehmen sei in die Insolvenz geraten, weil "die Umbauten am Hauptbahnhof in Bremen doppelt so lange gedauert haben wie geplant und sich die Bahn nicht auf eine Anpassung der Mieten eingelassen hat". An die Stelle der Buchhandlung Reinhardt zieht das Schweizer Unternehmen Valora nach Bremen; Valora betreibt über seine Tochter K-Group bereits 124 Bahnhofsbuchhandlungen in Deutschland. "Das Schicksal der Bremer Bahnhofsbuchhandlung ist symptomatisch für die Entwicklung im Bahnhofsbuchhandel (...). Mieterhöhungen in den frisch renovierten Bahnhöfen und der Zwang zur Investition in neue Einrichtungen graben kleineren Bahnhofsbuchhändlern das Wasser ab. Die Folge ist eine beschleunigte Konzentration im Bahnhofsbuchhandel, der inzwischen von wenigen Ketten beherrscht wird."

Die FAZ-Gruppe kann ihre Beteiligung an Buch Habel vorerst nicht verkaufen. "Wie jetzt bekannt wurde, hat die FAZ-Gruppe die Möglichkeit nicht genutzt, ihren Ausstieg bei Habel zum Ende dieses Jahres zu erklären. Das hat nach Auskunft von Habel-Geschäftsführer Johannes Schmidt zur Folge, dass die Frankfurter erst wieder Ende 2004 aus dem Vertrag herauskommen." Es sei denn, man einigt sich.

Der britische Verlag Bloomsbury, "durch Harry Potter reich und berühmt geworden", gründet eine deutsche Niederlassung. Verlagsleiterin wird die frühere Droemer-Weltbild-Cheflektorin Dorothee Grisebach. Derzeit bereite Grisebach ein Belletristik- und Sachbuch-Programm vor, das bereits im Herbst erscheinen soll. Über Autoren und Bücher ist bislang nichts bekannt. Grund ist die Börsennotierung des Verlags: "Zwei Monate vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts am 20. März darf der Vorstand nach britischem Recht nichts zur Unternehmenspolitik verlauten lassen. Fest steht allerdings, dass Harry Potter im deutschen Bloomsbury-Programm fehlen wird, denn die deutschen Rechte für Band 1 bis 7 hat sich Carlsen gesichert."

Der Kölner Großantiquar Zanolli will sein Engagement im Geschäft mit Originalausgaben verstärken. Der frühere Gondrom-Verlagsleiter Gerd Stedtfeld soll für den Karl Müller Verlag "zügig 'mehrere Imprintverlage für den Mass-Market aufbauen'", zitiert der buchreport. "Der Karl Müller Verlag zählt seit Mai 2000 zum Portfolio von Zanolli, der als einer der Hauptabnehmer der Könemann-Bestände derzeit wie ein Hecht im Karpfenteich der MA-Großhändler agiert."

Wie das Börsenblatt macht auch der buchreport auf Titel zum Thema Irak aufmerksam, darunter "Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne" von Franz Alt (Riemann), der Bestseller "Stupid White Men" von Michael Moore (Piper), "Irak. Chronik eines gewollten Krieges" (KiWi) von Hans von Sponeck (ehemaliger Koordinator des UN-Hilfsprogramms für den Irak) und Andreas Zumach (taz) sowie "Die Kriege der Familie Bush. Die wahren Hintergründe des Irak-Konflikts" von Eric Laurent (Fischer).

Theo Schäfer, Ex-Unternehmenssprecher der Bertelsmann-Verlage und Gründer von "Leipzig liest", ist nicht mehr Koordinator für den Deutschen Bücherpreis. "Der Börsenverein war nicht mehr glücklich mit mir und ich war nicht mehr glücklich mit dem Börsenverein", zitiert der buchreport Schäfer. Die Verleihung des Bücherpreises am 20. März wird von Axel Bulthaupt moderiert.

Weitere Meldungen: Die Hugendubel-Filiale in den Berliner Potsdamer-Platz-Arkaden zieht innerhalb des Einkaufszentrums in ein größeres Ladenlokal (2.000 Quadratmeter, bisher 764). Vertreterbörsen leiden unter einem drastischen Teilnehmerrückgang. Beim Verzeichnis lieferbarer Bücher gab es einen Datenbankabsturz, keine Sicherungskopien und daher Ärger. Das Buchprogramm des deutschen Blackwell Verlags wird zum Jahresende eingestellt. Weltweit hat Blackwell "2002 ein Traumjahr hingelegt": mit 165 Millionen Pfund wurde ein Rekordumsatz erzielt, der zwölf Prozent über dem Vorjahr lag.

Und hier der Link auf die Bestsellerlisten des buchreport.

Die Buchmacher vom 02.02.2003 - buchreport.express

Aufmacher ist die Frage, ob und wann die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List an Bertelsmann verkauft wird. "Jetzt könnte schon bald Vollzug zu melden sein." (Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen hatte dem Spiegel kürzlich gesagt, man habe durchaus Interesse.) Springer brauche dringend Geld und wolle sich auf das Zeitungsgeschäft konzentrieren; die Springer-Buchsparte habe außerdem in den letzten Jahren hohe Verluste eingefahren. Bertelsmann seinerseits "könnte mit der Übernahme von Ullstein Heyne List seine Marktführerschaft unter den deutschen Publikumsverlagen für immer zementieren". Springer spreche allerdings auch mit der schwedischen Bonnier-Gruppe (zu der auch Piper und Carlsen gehören) und mit der französischen Hachette-Gruppe. Schöner wäre es natürlich, wenn Bertelsmann die Springer-Buchverlage den Random.House-Verlagen einverleiben könnte. Denn für diesen "Buchelefanten" haben Mitarbeiter sich dem buchreport zufolge schon einen Namen ausgedacht: "Ruhli" (Random House Ullstein Heyne List).

In der Buchbranche werde "hinter vorgehaltener Hand die Nachricht kolportiert", das Bielefelder Joint Venture zwischen der Buchhandlung Grüttefien und dem Bertelsmann Club stehe vor dem Aus, schreibt der buchreport. "Wieder einmal wäre der Versuch, das Image des Club aufzubessern, gescheitert." Das Bielefelder Pilotprojekt war eine Filiale mit dem Namen Boulevard. Ursprünglich sollte das Konzept zur Kette werden: "Angepeilt waren - je nach Größe der Stadt - Flächen zwischen 600 und 1.200 qm."

Nun hat sogar der buchreport seine Skepsis abgelegt: Für Amazon komme "Land in Sicht". Der Online-Buchhändler habe im vergangenen Jahr einen Umsatz-Zuwachs im Gesamtgeschäft von 26 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar erzielt. In Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Japan sei der Umsatz um 76 Prozent gestiegen.

Die Züricher Buchhandlung Dr. Oprecht schließt. "In Zürich bedeutet das nicht nur das Ende einer kleinen, mit Hingabe geführten Buchhandlung, sondern auch das Ende einer Ära." Die Eigentümerin Barbara Sidler habe sich aus Altersgründen entschlossen, das Geschäft aufzugeben. Noch im vergangenen Jahr habe sie sich vergeblich um eine Finanzierung der auf Belletristik, Judaica, Lyrik und Theater spezialisierten Buchhandlung bemüht. "Die Buchhandlung war 1925 von dem Züricher Verleger Emil Oprecht (1895 bis 1952) gegründet worden. Oprecht war der Schweizer Verleger von Thomas Mann, mit dem er befreundet war, außerdem gehörten Ernst Bloch, Max Horkheimer und Else Lasker-Schüler zu seinen Autoren. Seine Wohnung am Hirschgraben war von 1933 bis 1945 eine Anlaufstelle für Emigranten."

Die Neugestaltung des Urheberrechts, mit der die Bundesregierung eine EU-Richtlinie umsetzt, könnte nach "Berechnungen einzelner Fachverlage" deren Geschäfte um 40 Prozent schmälern. Die Gefahr gehe von den Paragrafen 52a und 53 aus; darin wird Schulen, Hochschulen und anderen nichtkommerziellen Bildungseinrichtungen gestattet, Fachartikel ohne Genehmigung zu scannen, in eigene Intranets zu stellen und auszudrucken. Außerdem sollen "die Aktivitäten nichtkommerzieller Versanddienste wie Subito" legalisiert werden, so der buchreport. Die Rechteinhaber - also die Verlage - sollen nur geringe Pauschaltarife erhalten. "In der Praxis könnten diese Regelungen dazu führen, dass Bibliotheken massenhaft ihre Zeitschriftenabonnements kündigen."

Die Einladung an die Arabische Liga, Gastland der Buchmesse 2004 zu werden, könnte Buchmessedirektor Volker Neumann in Schwierigkeiten bringen, meint der buchreport. Denn zur Arabischen Liga gehört auch der Irak. "Vor allem englische und amerikanische Verlage, um deren Gunst Neumann zunehmend mit der London Book Fair konkurriert, könnten diese Einladung als Affront empfinden." Andere arabische Länder "wie Ägypten und Pakistan" (das nun allerdings weder arabisch ist noch Mitglied der Arabischen Liga) stünden wegen der Verfolgung von Schriftstellern und Intellektuellen in der Kritik; in anderen herrschten diktatorische Regime, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen würden. Durch die Mitgliedschaft der palästinensischen Autonomiebehörde in der Liga könne die Buchmesse zudem "in den Strudel" des Nahost-Konflikts gezogen werden. Überhaupt könne die Politisierung der Frankfurter Buchmesse nicht im Interesse der Fachbesucher sein. "Aber auch ausländische Verleger könnten sich bald fragen, warum sie für viel Geld an einer politisch aufgeheizten Veranstaltung teilnehmen sollen, die gleichzeitig für Geschäftsabschlüsse immer ungeeigneter wird."

Der Welttag des Buches soll eine neue Strategie erhalten. "Bisher lag der Schwerpunkt der Welttags-Aktivitäten auf der Verkaufsförderung. In diesem Jahr sind stattdessen Imagewerbung für Buch- und Leseförderung angesagt. So sollen Prominente als so genannte 'Lesebotschafter' Reklame für das Lesen machen." Bei seinem Strategiewechsel orientiert sich der Börsenverein an der Kampagne "Get caught reading", die bereits seit einigen Jahren in den USA und Großbritannien läuft.

Weitere Beiträge: Der buchreport berichtet über den Hype um Judith Hermanns "Nichts als Gespenster". Im Februar erscheinen 517 Taschenbücher (im vergangenen Februar waren es 514), und sie kosten durchschnittlich 9,15 Euro (im vergangenen Februar 8,93 Euro). Der esoterische Hermann Bauer Verlag steht vor dem "endgültigen Ende". Die frische gekündigte Chefin der Random House Trade Group, Ann Godoff, hat einen neuen Job: Für die Penguin Group soll sie ein neues Imprint "aus dem Boden (...) stampfen". Random House geht nach Japan: Mit dem japanischen Verlag Kodansha bildet Random House "die erste Allianz zwischen einem japanischen Verlagshaus und einem Verlag der westlichen Hemisphäre". Und Claire Tomalin hat für ihre Samuel-Pepys-Biographie den Whitbread-Preis erhalten.

Hier der Link auf die Bestsellerlisten des buchreport.

Die Buchmacher vom 28.01.2003 - buchreport.express

Aufmacherthema dieses Heftes ist die Diskussion um einen Umzug der Frankfurter Buchmesse nach München. Volker Neumann, der Direktor der Buchmesse, hatte diese Debatte mit einer entsprechenden Bemerkung im US-Branchenmagazin Publishers Weekly angestoßen. Zwar wird die Buchmesse nun wohl am Main bleiben. Doch der buchreport hält nicht viel von Neumanns "Spiel mit dem Feuer": Das Image der Buchmesse habe ebenso Kratzer abbekommen wie die Stadt Frankfurt, "in der nicht nur der Börsenverein residiert, sondern auch die Deutsche Bibliothek zu Hause ist und in der seit 53 Jahren der Friedenspreis verliehen wird." Seinen Kommentar hat Bodo Harenberg mit dem Titel versehen: "Erst denken, dann handeln". Harenberg kritisiert er nicht nur Neumanns Umzugsvorschlag: "Wenn er die Tore der Messe am Freitag für eine Büchernacht öffnen und das Publikum - zusätzlich zum Samstag und Sonntag - auch noch am Montag in die Hallen einladen will, könnte er die Rechnung ohne die Masse der Aussteller machen: Sie brauchen Zeit für Gespräche untereinander, mit Agenten und Autoren, und sie wollen wegen der damit verbundenen Kosten eher eine kürzere als eine längere Messe." Die Buchmesse brauche schnellstens ein klares Konzept: "internationale Fachmesse oder Publikumsevent. Ein starker Kompromiss könnte sein, viel mehr für die Aussteller zu tun, sie in ein internationales Veranstaltungsprogramm einzubinden und nicht massenweise Events, sondern hochkarätige Treffen zu schaffen, die auch nach der Abrechnung aller Spesen als wichtige Erinnerung in den Köpfen der Verleger verbleiben."

Die Verlagsgruppe Dornier schließt nach Leipzig auch den Standort Berlin. Dornier werde künftig in Stuttgart residieren, dem Stammsitz des Kreuz Verlags, der 55 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe beisteuere, schreibt der buchreport. Bereits im Dezember hatte Dornier mitgeteilt, dass der (Ost-) Berliner Henschel Verlag sowie die Leipziger Verlage Edition Leipzig und E. A. Seemann dicht gemacht werden. Später erklärte Dornier allerdings, einen Käufer für diese Verlage suchen zu wollen.

Zwar ist der Erscheinungstermin der deutschen Übersetzung von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" noch offen. Aber bestellt werden kann das Buch schon. Bei Amazon.de seien rund 70.000 Vorbestellungen eingegangen; das seien 75 Prozent mehr als für Band vier ("Harry Potter und der Feuerkelch"). Bei Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.fr und Amazon.de steht das Buch bereits auf Verkaufsrang eins. Auf dem deutschen Potter-Verlag Carlsen laste ein starker Druck: Jeder Tag Verzug mit der Übersetzung sei auch ein Umsatzverlust. Denn wer Englisch lesen kann, wird nicht auf die Übersetzung warten wollen. Ein weiteres Problem sei der Umfang des Buches. Das englische Original wird 768 Seiten, die deutsche Übersetzung wahrscheinlich 1.000 Seiten stark sein. "Bereits vor dem vierten Band (765 Seiten) sollen junge Leser kapituliert haben. Hannelore Daubert, pädagogische Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt: 'Nach meinen Erfahrungen würde ich die Möglichkeit, dass Kinder ein solch umfangreiches Buch schaffen, verneinen. Aber "Harry Potter" ist ein spezifisches Phänomen.'"

Die Übernahme des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) durch Klett schlage in der österreichischen Presse derzeit hohe Wellen, berichtet der buchreport. Der Vorwurf: "Klett habe eigentlich nur Interesse am Einstieg ins profitable Schulbuchgeschäft (die österreichische Gratisschulbuchregelung bringt per annum rund 92 Millionen Euro Schulbuchumsatz), während die zum ÖBV zählenden Publikumsverlage Deuticke, Residenz und Brandstätter befürchten, sie könnten in Stuttgart als reine Verkaufskandidaten mit an Bord genommen werden." Klett dementiert: Das sei "absoluter Quatsch", zitiert das Blatt Geschäftsführer Tilmann Michaletz. "Sobald die Verkaufsverträge unterschrieben sind, müssen wir mit den Unternehmen allerdings Gespräche führen, wie mehr Wirtschaftlichkeit hergestellt werden kann".

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat beim Süddeutschen Verlag für das vergangene Jahr einen Verlust in Höhe von 73 Millionen Euro errechnet - eine "desaströse Diagnose", meint der buchreport. "Tonnenschwer auf den Schultern liegen dabei nicht nur die eklatant weggebrochenen Anzeigenannahmen. Als größter Verlustbringer zieht die Tochter Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen (SVHFI) die Mutter mit einem Minus in Höhe von 42,6 Millionen Euro in den Keller. (...) Medienweit planen die Süddeutschen bis zum Jahresende die Reduktion um 650 Stellen. In 2004 sollen weitere 300 wegfallen, im Bereich der Fachinformationen stehen 139 Arbeitsplätze auf der roten Liste."

Im Februar soll "die erwartete Ramsch-Welle der Könemann-Bücher" anrollen. Einer der Hauptabnehmer der Könemann-Bestände, der Kölner Großantiquar Zanolli, will am 10. Februar die erste Charge von Büchern des in Konkurs gegangenen Verlags anbieten. "Rund 300 Könemann-Titel mit einer Gesamtauflage von 'einigen Millionen' Exemplaren will Bruno Zanolli in der Zentrale des MA-Spezialisten in Köln-Bocklemünd unter die Sortimenter bringen. (...) Obwohl der Abverkaufsdruck wegen der hohen Lagerkosten immens ist, glaubt Bruno Zanolli, 'eine Blase im Markt' verhindern zu können: 'Wir wollen den Namen Könemann nicht kaputtmachen.' Dafür soll eine vorsichtige Preisgestaltung sorgen."

Die Fernsehgala für den Deutschen Bücherpreis, die im vergangenen Jahr überaus peinlich geriet, wäre in diesem Jahr fast ausgefallen: Der MDR hatte sein Konzept für die Sendung zum vereinbarten Termin nicht präsentieren können. Dies hat der Sender nun nachgeholt. Dieter Schormann sagt, das Konzept habe den Börsenverein überzeugt. "Die Gala findet also statt, jetzt müssen wir in den verbleibenden zwei Monaten alles dransetzen, die Sendung auf die Beine zu stellen", zitiert der buchreport den Börsenvereins-Vorsteher.

Der buchreport zieht eine Zwischenbilanz des Preisbindungsgesetzes. Die ersten Erfahrungen von Börsenverein und Preisbindungstreuhänder seien "positiv" oder sogar "uneingeschränkt positiv". Allerdings zeige der Fall der Bohlen-Sonderausgabe: "Das Preisbindungsgesetz ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, für die viele Buchhändler es gehalten haben. Das große Konfliktpotenzial, das in Sachfragen wie den Voraussetzungen für Sonderausgaben steckt, ist allenfalls vorübergehend entschärft." (Mit einer Taschenbuchausgabe des Bohlen-Buchs für 12,90 Euro, die zunächst nur von Weltbild angeboten wurde, hatte Ullstein Heyne List die Sortimenter verärgert.)

Peter Olson, Chef der Bertelsmann-Verlagsgruppe Random House, hat die Verlagsleiterin der amerikanischen Random House Trade Group, Ann Godoff, entlassen. Zudem soll der "eher literarisch geprägte Verlag" mit dem Mass-Market-Taschenbuchverlag Ballantine verschmolzen werden. Verlagsleiterin der neuen Random House Ballantine Trade Group wird die bisherige Ballantine-Chefin Gina Centrello. "In einem Memo an die Mitarbeiter hat Olson indirekt bestätigt, dass kommerzielle Gründe ausschlaggebend für die umstrittene Entscheidung waren. Trotz ihrer vielen 'unbestrittenen Stärken' war die Random House Trade Group 'der einzige Verlagsbereich von Random House, Inc., der seine jährlichen Gewinnvorgaben regelmäßig verfehlt hat', schreibt er als Begründung für den überraschenden Rauswurf." (Mehr hier.)

In den USA haben die fünf größten Verlagsgruppen im vergangenen Jahr 77,4 Prozent "aller verfügbaren Hardcoverplätze auf den Jahresbestsellerlisten belegt", meldet der buchreport unter Berufung auf die Kollegen von Publishers Weekly. Beim Taschenbuch sind es sogar 79,5 Prozent. Rechnet man die Nummern sechs und sieben dazu, ist das Ergebnis noch krasser: Die sieben größten Verlagsgruppen kontrollieren im Hardcover 91 und im Taschenbuch 85,8 Prozent des Bestsellergeschäfts.

Schließlich meldet der buchreport, dass Buch Habel künftig nur noch Filialen mit einer Fläche von mindestens 600 Quadratmetern betreiben will. Die Kette schließt daher zwei Buchhandlungen in Berlin und Gotha.

Hier der Link auf die Bestsellerlisten des buchreport.

Die Buchmacher vom 20.01.2003 - buchreport.express

Aufmacherthema dieses Heftes ist die Diskussion um einen Umzug der Frankfurter Buchmesse nach München. Volker Neumann, der Direktor der Buchmesse, hatte diese Debatte mit einer entsprechenden Bemerkung im US-Branchenmagazin Publishers Weekly angestoßen. Zwar wird die Buchmesse nun wohl am Main bleiben. Doch der buchreport hält nicht viel von Neumanns "Spiel mit dem Feuer": Das Image der Buchmesse habe ebenso Kratzer abbekommen wie die Stadt Frankfurt, "in der nicht nur der Börsenverein residiert, sondern auch die Deutsche Bibliothek zu Hause ist und in der seit 53 Jahren der Friedenspreis verliehen wird." Seinen Kommentar hat Bodo Harenberg mit dem Titel versehen: "Erst denken, dann handeln". Harenberg kritisiert er nicht nur Neumanns Umzugsvorschlag: "Wenn er die Tore der Messe am Freitag für eine Büchernacht öffnen und das Publikum - zusätzlich zum Samstag und Sonntag - auch noch am Montag in die Hallen einladen will, könnte er die Rechnung ohne die Masse der Aussteller machen: Sie brauchen Zeit für Gespräche untereinander, mit Agenten und Autoren, und sie wollen wegen der damit verbundenen Kosten eher eine kürzere als eine längere Messe." Die Buchmesse brauche schnellstens ein klares Konzept: "internationale Fachmesse oder Publikumsevent. Ein starker Kompromiss könnte sein, viel mehr für die Aussteller zu tun, sie in ein internationales Veranstaltungsprogramm einzubinden und nicht massenweise Events, sondern hochkarätige Treffen zu schaffen, die auch nach der Abrechnung aller Spesen als wichtige Erinnerung in den Köpfen der Verleger verbleiben."

Die Verlagsgruppe Dornier schließt nach Leipzig auch den Standort Berlin. Dornier werde künftig in Stuttgart residieren, dem Stammsitz des Kreuz Verlags, der 55 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe beisteuere, schreibt der buchreport. Bereits im Dezember hatte Dornier mitgeteilt, dass der (Ost-) Berliner Henschel Verlag sowie die Leipziger Verlage Edition Leipzig und E. A. Seemann dicht gemacht werden. Später erklärte Dornier allerdings, einen Käufer für diese Verlage suchen zu wollen.

Zwar ist der Erscheinungstermin der deutschen Übersetzung von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" noch offen. Aber bestellt werden kann das Buch schon. Bei Amazon.de seien rund 70.000 Vorbestellungen eingegangen; das seien 75 Prozent mehr als für Band vier ("Harry Potter und der Feuerkelch"). Bei Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.fr und Amazon.de steht das Buch bereits auf Verkaufsrang eins. Auf dem deutschen Potter-Verlag Carlsen laste ein starker Druck: Jeder Tag Verzug mit der Übersetzung sei auch ein Umsatzverlust. Denn wer Englisch lesen kann, wird nicht auf die Übersetzung warten wollen. Ein weiteres Problem sei der Umfang des Buches. Das englische Original wird 768 Seiten, die deutsche Übersetzung wahrscheinlich 1.000 Seiten stark sein. "Bereits vor dem vierten Band (765 Seiten) sollen junge Leser kapituliert haben. Hannelore Daubert, pädagogische Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt: 'Nach meinen Erfahrungen würde ich die Möglichkeit, dass Kinder ein solch umfangreiches Buch schaffen, verneinen. Aber "Harry Potter" ist ein spezifisches Phänomen.'"

Die Übernahme des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) durch Klett schlage in der österreichischen Presse derzeit hohe Wellen, berichtet der buchreport. Der Vorwurf: "Klett habe eigentlich nur Interesse am Einstieg ins profitable Schulbuchgeschäft (die österreichische Gratisschulbuchregelung bringt per annum rund 92 Millionen Euro Schulbuchumsatz), während die zum ÖBV zählenden Publikumsverlage Deuticke, Residenz und Brandstätter befürchten, sie könnten in Stuttgart als reine Verkaufskandidaten mit an Bord genommen werden." Klett dementiert: Das sei "absoluter Quatsch", zitiert das Blatt Geschäftsführer Tilmann Michaletz. "Sobald die Verkaufsverträge unterschrieben sind, müssen wir mit den Unternehmen allerdings Gespräche führen, wie mehr Wirtschaftlichkeit hergestellt werden kann".

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat beim Süddeutschen Verlag für das vergangene Jahr einen Verlust in Höhe von 73 Millionen Euro errechnet - eine "desaströse Diagnose", meint der buchreport. "Tonnenschwer auf den Schultern liegen dabei nicht nur die eklatant weggebrochenen Anzeigenannahmen. Als größter Verlustbringer zieht die Tochter Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen (SVHFI) die Mutter mit einem Minus in Höhe von 42,6 Millionen Euro in den Keller. (...) Medienweit planen die Süddeutschen bis zum Jahresende die Reduktion um 650 Stellen. In 2004 sollen weitere 300 wegfallen, im Bereich der Fachinformationen stehen 139 Arbeitsplätze auf der roten Liste."

Im Februar soll "die erwartete Ramsch-Welle der Könemann-Bücher" anrollen. Einer der Hauptabnehmer der Könemann-Bestände, der Kölner Großantiquar Zanolli, will am 10. Februar die erste Charge von Büchern des in Konkurs gegangenen Verlags anbieten. "Rund 300 Könemann-Titel mit einer Gesamtauflage von 'einigen Millionen' Exemplaren will Bruno Zanolli in der Zentrale des MA-Spezialisten in Köln-Bocklemünd unter die Sortimenter bringen. (...) Obwohl der Abverkaufsdruck wegen der hohen Lagerkosten immens ist, glaubt Bruno Zanolli, 'eine Blase im Markt' verhindern zu können: 'Wir wollen den Namen Könemann nicht kaputtmachen.' Dafür soll eine vorsichtige Preisgestaltung sorgen."

Die Fernsehgala für den Deutschen Bücherpreis, die im vergangenen Jahr überaus peinlich geriet, wäre in diesem Jahr fast ausgefallen: Der MDR hatte sein Konzept für die Sendung zum vereinbarten Termin nicht präsentieren können. Dies hat der Sender nun nachgeholt. Dieter Schormann sagt, das Konzept habe den Börsenverein überzeugt. "Die Gala findet also statt, jetzt müssen wir in den verbleibenden zwei Monaten alles dransetzen, die Sendung auf die Beine zu stellen", zitiert der buchreport den Börsenvereins-Vorsteher.

Der buchreport zieht eine Zwischenbilanz des Preisbindungsgesetzes. Die ersten Erfahrungen von Börsenverein und Preisbindungstreuhänder seien "positiv" oder sogar "uneingeschränkt positiv". Allerdings zeige der Fall der Bohlen-Sonderausgabe: "Das Preisbindungsgesetz ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, für die viele Buchhändler es gehalten haben. Das große Konfliktpotenzial, das in Sachfragen wie den Voraussetzungen für Sonderausgaben steckt, ist allenfalls vorübergehend entschärft." (Mit einer Taschenbuchausgabe des Bohlen-Buchs für 12,90 Euro, die zunächst nur von Weltbild angeboten wurde, hatte Ullstein Heyne List die Sortimenter verärgert.)

Peter Olson, Chef der Bertelsmann-Verlagsgruppe Random House, hat die Verlagsleiterin der amerikanischen Random House Trade Group, Ann Godoff, entlassen. Zudem soll der "eher literarisch geprägte Verlag" mit dem Mass-Market-Taschenbuchverlag Ballantine verschmolzen werden. Verlagsleiterin der neuen Random House Ballantine Trade Group wird die bisherige Ballantine-Chefin Gina Centrello. "In einem Memo an die Mitarbeiter hat Olson indirekt bestätigt, dass kommerzielle Gründe ausschlaggebend für die umstrittene Entscheidung waren. Trotz ihrer vielen 'unbestrittenen Stärken' war die Random House Trade Group 'der einzige Verlagsbereich von Random House, Inc., der seine jährlichen Gewinnvorgaben regelmäßig verfehlt hat', schreibt er als Begründung für den überraschenden Rauswurf." (Mehr hier.)

In den USA haben die fünf größten Verlagsgruppen im vergangenen Jahr 77,4 Prozent "aller verfügbaren Hardcoverplätze auf den Jahresbestsellerlisten belegt", meldet der buchreport unter Berufung auf die Kollegen von Publishers Weekly. Beim Taschenbuch sind es sogar 79,5 Prozent. Rechnet man die Nummern sechs und sieben dazu, ist das Ergebnis noch krasser: Die sieben größten Verlagsgruppen kontrollieren im Hardcover 91 und im Taschenbuch 85,8 Prozent des Bestsellergeschäfts.

Schließlich meldet der buchreport, dass Buch Habel künftig nur noch Filialen mit einer Fläche von mindestens 600 Quadratmetern betreiben will. Die Kette schließt daher zwei Buchhandlungen in Berlin und Gotha.

Hier der Link auf die Bestsellerlisten des buchreport.