Aufmacherthema dieses Heftes ist
die Diskussion um einen
Umzug der Frankfurter Buchmesse nach München.
Volker Neumann, der Direktor der Buchmesse, hatte diese Debatte mit einer entsprechenden Bemerkung im US-Branchenmagazin
Publishers Weekly angestoßen. Zwar wird die Buchmesse nun wohl am Main bleiben. Doch der
buchreport hält nicht viel von Neumanns "Spiel mit dem Feuer": Das Image der Buchmesse habe ebenso
Kratzer abbekommen wie die Stadt Frankfurt, "in der nicht nur der
Börsenverein residiert, sondern auch die
Deutsche Bibliothek zu Hause ist und in der seit 53 Jahren der
Friedenspreis verliehen wird." Seinen Kommentar hat
Bodo Harenberg mit dem Titel versehen:
"Erst denken, dann handeln". Harenberg kritisiert er nicht nur Neumanns Umzugsvorschlag: "Wenn er die Tore der Messe am Freitag für eine Büchernacht öffnen und das Publikum - zusätzlich zum Samstag und Sonntag - auch noch am Montag in die Hallen einladen will, könnte er die Rechnung ohne die Masse der Aussteller machen: Sie brauchen Zeit für Gespräche untereinander, mit Agenten und Autoren, und sie wollen wegen der damit verbundenen Kosten eher eine kürzere als eine längere Messe." Die Buchmesse brauche schnellstens ein
klares Konzept: "internationale Fachmesse oder Publikumsevent. Ein starker Kompromiss könnte sein, viel mehr für die Aussteller zu tun, sie in ein internationales Veranstaltungsprogramm einzubinden und nicht massenweise Events, sondern hochkarätige Treffen zu schaffen, die auch nach der Abrechnung aller Spesen als wichtige Erinnerung in den Köpfen der Verleger verbleiben."
Die
Verlagsgruppe Dornier schließt nach Leipzig auch den
Standort Berlin. Dornier werde künftig in Stuttgart residieren, dem Stammsitz des
Kreuz Verlags, der 55 Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe beisteuere, schreibt der
buchreport. Bereits im Dezember hatte Dornier mitgeteilt, dass der (Ost-) Berliner
Henschel Verlag sowie die Leipziger Verlage
Edition Leipzig und
E. A. Seemann dicht gemacht werden. Später erklärte Dornier allerdings, einen Käufer für diese Verlage suchen zu wollen.
Zwar ist der Erscheinungstermin der deutschen Übersetzung von
"Harry Potter and the Order of the Phoenix" noch offen. Aber
bestellt werden kann das Buch schon. Bei Amazon.de seien
rund 70.000 Vorbestellungen eingegangen; das seien 75 Prozent mehr als für Band vier ("Harry Potter und der Feuerkelch"). Bei Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.fr und Amazon.de steht das Buch bereits auf
Verkaufsrang eins. Auf dem deutschen Potter-Verlag
Carlsen laste ein starker Druck: Jeder Tag Verzug mit der Übersetzung sei auch ein Umsatzverlust. Denn wer Englisch lesen kann, wird nicht auf die Übersetzung warten wollen. Ein weiteres Problem sei der Umfang des Buches. Das englische Original wird 768 Seiten, die deutsche Übersetzung
wahrscheinlich 1.000 Seiten stark sein. "Bereits vor dem vierten Band (765 Seiten) sollen junge Leser kapituliert haben. Hannelore Daubert, pädagogische Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt: 'Nach meinen Erfahrungen würde ich die Möglichkeit, dass Kinder ein solch umfangreiches Buch schaffen, verneinen. Aber "Harry Potter" ist ein spezifisches Phänomen.'"
Die Übernahme des
Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) durch
Klett schlage in der österreichischen Presse derzeit hohe Wellen, berichtet der
buchreport. Der Vorwurf: "Klett habe eigentlich nur Interesse am
Einstieg ins profitable Schulbuchgeschäft (die österreichische Gratisschulbuchregelung bringt per annum rund 92 Millionen Euro Schulbuchumsatz), während die zum ÖBV zählenden Publikumsverlage
Deuticke,
Residenz und
Brandstätter befürchten, sie könnten in Stuttgart als reine Verkaufskandidaten mit an Bord genommen werden." Klett dementiert: Das sei "absoluter Quatsch", zitiert das Blatt Geschäftsführer Tilmann Michaletz. "Sobald die Verkaufsverträge unterschrieben sind, müssen wir mit den Unternehmen allerdings Gespräche führen, wie
mehr Wirtschaftlichkeit hergestellt werden kann".
Die Unternehmensberatung
Roland Berger hat beim
Süddeutschen Verlag für das vergangene Jahr einen Verlust in Höhe von 73 Millionen Euro errechnet - eine
"desaströse Diagnose", meint der
buchreport. "Tonnenschwer auf den Schultern liegen dabei nicht nur die eklatant weggebrochenen Anzeigenannahmen. Als größter Verlustbringer zieht die Tochter
Süddeutscher Verlag Hüthig Fachinformationen (SVHFI) die Mutter mit einem Minus in Höhe von 42,6 Millionen Euro in den Keller. (...) Medienweit planen die Süddeutschen bis zum Jahresende die
Reduktion um 650 Stellen. In 2004 sollen weitere 300 wegfallen, im Bereich der Fachinformationen stehen 139 Arbeitsplätze auf der roten Liste."
Im Februar soll "die erwartete
Ramsch-Welle der Könemann-Bücher" anrollen. Einer der Hauptabnehmer der Könemann-Bestände, der Kölner Großantiquar
Zanolli, will am 10. Februar die erste Charge von Büchern des in Konkurs gegangenen Verlags anbieten. "Rund 300 Könemann-Titel mit einer Gesamtauflage von 'einigen Millionen' Exemplaren will Bruno Zanolli in der Zentrale des MA-Spezialisten in Köln-Bocklemünd unter die Sortimenter bringen. (...) Obwohl der Abverkaufsdruck wegen der hohen Lagerkosten immens ist, glaubt Bruno Zanolli, 'eine Blase im Markt' verhindern zu können: 'Wir wollen den Namen Könemann nicht kaputtmachen.' Dafür soll eine
vorsichtige Preisgestaltung sorgen."
Die Fernsehgala für den
Deutschen Bücherpreis, die im vergangenen Jahr
überaus peinlich geriet, wäre in diesem Jahr fast ausgefallen: Der
MDR hatte sein Konzept für die Sendung zum vereinbarten Termin nicht präsentieren können. Dies hat der Sender nun nachgeholt.
Dieter Schormann sagt, das Konzept habe den Börsenverein überzeugt. "Die Gala findet also statt, jetzt müssen wir in den verbleibenden zwei Monaten alles dransetzen, die Sendung auf die Beine zu stellen", zitiert der
buchreport den Börsenvereins-Vorsteher.
Der
buchreport zieht eine
Zwischenbilanz des Preisbindungsgesetzes. Die ersten Erfahrungen von Börsenverein und Preisbindungstreuhänder seien "positiv" oder sogar "uneingeschränkt positiv". Allerdings zeige der Fall der
Bohlen-Sonderausgabe: "Das Preisbindungsgesetz ist
nicht die eierlegende Wollmilchsau, für die viele Buchhändler es gehalten haben. Das große Konfliktpotenzial, das in Sachfragen wie den Voraussetzungen für Sonderausgaben steckt, ist
allenfalls vorübergehend entschärft." (Mit einer Taschenbuchausgabe des Bohlen-Buchs für 12,90 Euro, die zunächst nur von
Weltbild angeboten wurde, hatte
Ullstein Heyne List die Sortimenter verärgert.)
Peter Olson, Chef der Bertelsmann-Verlagsgruppe
Random House, hat die Verlagsleiterin der amerikanischen Random House Trade Group,
Ann Godoff, entlassen. Zudem soll der "eher literarisch geprägte Verlag" mit dem Mass-Market-Taschenbuchverlag Ballantine verschmolzen werden. Verlagsleiterin der neuen
Random House Ballantine Trade Group wird die bisherige Ballantine-Chefin
Gina Centrello. "In einem Memo an die Mitarbeiter hat Olson indirekt bestätigt, dass
kommerzielle Gründe ausschlaggebend für die umstrittene Entscheidung waren. Trotz ihrer vielen 'unbestrittenen Stärken' war die Random House Trade Group 'der einzige Verlagsbereich von Random House, Inc., der seine jährlichen Gewinnvorgaben regelmäßig verfehlt hat', schreibt er als Begründung für den überraschenden Rauswurf." (Mehr
hier.)
In den USA haben die
fünf größten Verlagsgruppen im vergangenen Jahr
77,4 Prozent "aller verfügbaren Hardcoverplätze auf den Jahresbestsellerlisten belegt", meldet der
buchreport unter Berufung auf die Kollegen von
Publishers Weekly. Beim Taschenbuch sind es sogar
79,5 Prozent. Rechnet man die Nummern sechs und sieben dazu, ist das Ergebnis noch krasser: Die sieben größten Verlagsgruppen kontrollieren im Hardcover 91 und im Taschenbuch 85,8 Prozent des Bestsellergeschäfts.
Schließlich meldet der
buchreport, dass
Buch Habel künftig nur noch Filialen mit einer Fläche von
mindestens 600 Quadratmetern betreiben will. Die Kette schließt daher zwei Buchhandlungen in Berlin und Gotha.
Hier der Link auf die Bestsellerlisten des
buchreport.