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Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.08.2002. Die Zeit ist trotz inzestuösen Grundgefühls so fasziniert von Lucrezia Martels Film "La cienaga", dass sie dekretiert: "Moral ist für den Fernseher." Außerdem sprach sie mit Rattle über Thielemann (und einiges andere). In der FAZ empfiehlt Georg Klein eine Therapie für schreibmüde Autoren, übernimmt aber keine Garantie. In der SZ schimpft Sonja Margolina auf Wladimir Kaminer. Die NZZ empfiehlt einen entspannten Umgang mit Leni Riefenstahl - aber dabei wollen nicht alle mitmachen!

Zeit, 22.08.2002

Eine vergammelnde Familie sitzt an einem vergammelnden Pool in einem vergammelnden Argentinien, scheint dabei aber ein gewisses Charisma auszustrahlen, wie gestern schon die FAZ bemerkte. Katja Nicodemus ist jedenfalls von Lucrezia Martels Film "La Cienaga" begeistert: "'La cienaga' ist ein sehr physischer Film, ohne dass es explizite Berührungen gäbe. Die Körperlichkeit hat mehr damit zu tun, wie die Menschen in der unerträglichen Hitze beieinanderliegen, wie sie sich aus dem Augenwinkel betrachten, Hunde streicheln, Fische erschlagen oder auf einen Kuhkadaver schießen. Dabei liegt ein inzestuöses Grundgefühl in der Luft, das keine besondere Bedeutung hat und schon gar keinen unmoralischen Beigeschmack. Moral ist etwas für den Fernseher."

Ein sehr schönes Gespräch hat Claus Spahn mit Simon Rattle geführt, der ja demnächst bei den Berliner Philharmonikern anfängt. Sie reden über Karajan, über Berlin, und viel über Neue Musik. Ein Adornit ist Rattle jedenfalls nicht. Und er liebt Schönheit: "Es gab eine Generation, die fand das störend. Aber Kunst kann nie nur ein intellektuelles Konstrukt sein. Ich habe eine große Vorliebe für Schönheit. Und die entdecke ich in ganz unterschiedlichen Ausprägungen." Ach, und dann fällt noch ein Satz über Christian Thielemann. Eine große Begabung sei er, "und ich finde es spannend, wie ernst er es meint mit dem deutschen Repertoire des 19. Jahrhunderts. Auch wenn ich mir immer sein Gesicht angucken muss, ob er nicht einen Schmiss an der Wange hat."

Weitere Artikel: Pop verträgt sich nicht mit Politik, meint Thomas Groß und hört sich noch mal einen Wahlkampf-Rap aus dem Jahr 1998 mit folgendem sehr schönen Reim an. "Arschlöcher haben's schwer! Denn unser Kanzler wird Gerhard Schröder." Thomas E. Schmidt stellt die These auf, dass sich Kanzler Schröder und die Intellektuellen vor allem deshalb so gut verstehen, weil sie "gar nichts Ernsthaftes mehr voneinander" wollen. Peter Kümmel mäkelt zwar über Andrea Breths Salzburger Inszenierung von Schnitzlers "Das weite Land", aber er liebt den Schauspieler Sven-Eric Bechtolf: "Bechtolf gibt dem Hofreiter eine Zunge, die so edelschwer ist, als habe er sie über Nacht in Cognac gelagert". Christof Siemes zieht eine Dresdner Schadensbilanz. Amber Sayah bewundert das Ostfilderner Stadthaus des Berliner Architekten Jürgen Mayer Hermann ("Der Kasten kippt nach hinten.") Hanno Rauterberg schreibt zum Tod von Eduardo Chillida. Und Jens Jessen ist enttäuscht von Moritz Rinkes Wormser "Nibelungen"-Spektakel.

Besprochen werden ferner der Hugh-Grant-Film "About a Boy" und Hans Werner Henzes Zehnte Sinfonie.

Aufmacher des Literaturteils ist Iris Radischs Besprechung von Antonio Tabucchis "Es wird immer später". Im Politikteil finden wir einen Essay des Geselschaftsforschers Fritz W. Scharpf, der dringend zu einer Reform der föderalen Institutionen in Deutschland aufruft.

FAZ, 22.08.2002

In der Reihe der Schriftsteller-Antworten auf Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief empfiehlt Georg Klein (mehr hier und hier) einen Akt des Kannibalismus für Schriftsteller in Schreibkrisen. Man solle sich einschließen, auf alle Drogen verzichten, den Chandos-Brief aus dem Internet ausdrucken, und dann: "Verschling den Chandos-Brief! Dein gereizter Gaumen, Dein sensibilisiertes Rachenzäpfchen, Dein trockener Schlund mögen Einspruch erheben. Das verfluchte Ding - längst hasst Du Hofmannsthal und alle seine Werke! - muss hinunter! Ist auch dies vollbracht, begibst Du Dich unverzüglich an Dein Schreibgerät." Eine hundertprozentige Garantie mag Klein allerdings nicht übernehmen: "In seltenen Fällen kann die Lord-Chandos-Kur versagen. Wenn dies nachweisbar der Fall war, übernimmt der Verfasser der vorliegenden Zeilen die entstandenen Kurkosten, allerdings nur bis zur Höhe des Kaufpreises dieser Tageszeitung."

Heinrich Wefing hat das neue Charles M. Schulz-Museum im kalifornischen Santa Rosa besucht, wo die originalen Peanuts an der Wand hängen: "Wer sie in Ruhe anschaut, entdeckt keinen neuen Charles Schulz. Aber dem Betrachter erschließt sich, welch ein souveräner Handwerker er war: wie er seine purifizierten Linien zog, welche Sorgfalt er auf winzige Details verwendete, wie er die Effektivität seines sparsamen Strichs mit einem Reichtum an Schwarztönen zu vereinen wusste, der im verkleinerten Zeitungsdruck notwendig verlorengehen musste."

Weitere Artikel: Hannes Hintermeier schildert den Ärger, den Gore Vidal mit seinem Essay "Ewiger Krieg für ewigen Frieden" ausgelöst hat (den die FAZ auf ihren fast ausschließlich der Nazizeit gewidmeten Polbuchseiten noch nicht besprechen konnte). Siegfried Stadler befasst sich mit dem weiteren Schicksal der Dresdner Kunstsammlungen. In der Wahlkampfserie "Im Milieu" widmet sich Andreas Rosenfelder der Kölner FDP. Gina Thomas schreibt zum Tod des Historikers Nicolai Rubinstein. In der Rubrik Natur und Wissenschaft fragt Joachim Müller-Jung: "Was lief schief in der Hochwasser-Vorhersage?"

Für die Medienseite hat Andreas Platthaus einige amerikanische Comics zum 11. September gelesen. Außerdem erfahren wir, dass die CNN angeblich 30.000 Dollar für die El-Kaida-Videos bezahlt hat.

Die Filmseite ist allein Leni Riefenstahl gewidmet. Andreas Platthaus versucht, der Regisseurin eine "Verhaltenslehre der Kälte" nachzuweisen. In dem Artikel lesen wir den Satz: "So ist auch der Schock, der ihr als Kriegsberichterstatterin in Polen auf einigen Fotos ins Gesicht geschrieben steht, womöglich gar nicht dem Entsetzen anzulasten, das sie über ein von ihr beobachtetes Massaker an jüdischen Zivilisten empfand (das sie nach eigenen Angaben gar nicht gesehen haben will), sondern der Desillusionierung über die mangelnde Kälte, die sich im planlosen Schießen auf Menschen zeigte." Auch Andreas Kilb, der Riefenstahls "kinematographische Sendung" beschreibt, findet zu einer kategorischen Aussage: "Ihr großer Irrtum: Das war, dass sie sich für groß hielt. Unser größter Irrtum: dass wir ihn teilten." Bei Ernst Jünger herrschte seinerzeit mehr Respekt!

Auf der letzten Seite resümiert Gerhard R. Koch einen Werkstattbesuch bei Robert Wilson in Watermill. Susanne Mühleisen berichtet, dass man auf Trinidad den 70. Geburtstag dfes berühmtesten Sohns, V.S. Naipaul, schlicht vergaß. Und Dietmar Dath begibt sich auf die Spuren des Dionysos-Mythos in der neueren amerikanischen Literatur.

Besprochen werden ein Auftritt der Compagnie von Merce Cunningham in Berlin und Silvio Soldinis Literaturverfilmung "Brennen im Wind".

NZZ, 22.08.2002

Es ist Zeit für einen entspannteren Umgang mit Leni Riefenstahl, empfiehlt Joachim Güntner in seiner Geburtstagsadresse, ihr Werk ist ohnehin schon längst in die Popkultur eingegangen. "Ihre Zeit als Verfemte ist vorüber. Nicht zuletzt - und verständlicherweise - dank dem Feminismus, denn sie hat sich als erste Filmregisseurin durchgesetzt, und dies in einer männerbündischen Gesellschaft. Dass sie dabei den Männlichkeitswahn bediente, tat der Glorifizierung keinen Abbruch. Hilflose Gegner nehmen übel, dass sie sich 'geschminkt und blondgefärbt' ('FAZ') präsentiert - als wäre das ein Einwand."

Olaf Karnik berichtet hocherfreut, dass Teile des Katalogs des legendären New Yorker Reggae-Labels "Wackie" von Berliner Produzenten nun wieder veröffentlicht worden sind (mehr hier). Seltsamerweise sei das "Wackie-House of Music" nach wie vor nur Insidern bekannt. "Dabei hat Lloyd 'Bullwackie' Barnes mit seinen Produktionen für Horace Andy (hier ein Interview), Sugar Minott (mehr hier), Wayne Jarrett Reggae-Geschichte geschrieben."

Eine einsame Ausstellung wird von Samuel Herzog vorgestellt, der sich in der Pariser Fondation Cartier die Bilder eines Stars der japanischen Neopop-Szene, Takashi Murakami (mehr hier), angesehen hat. In goldenen Erinnerungen schwelgt Frank Schäfer angesichts der Doppel CD "Time", auf der der musikalische Werdegang des Punk-Vorläufers Richard Hell (mehr hier) zu hören ist.

Sonst gibt es donnerstagsüblich nur Bücher, besprochen werden unter anderem Adolf Muschgs Erzählung "Das gefangene Lächeln", Alvin Rakoffs Roman "Baldwin Street", oder Peter O.Chotjewitzs Genremix "Fall Hypatia". Außerdem beantwortet Tahar Ben Jelloun die Frage "Papa, was ist der Islam?" (bedeutend mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
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FR, 22.08.2002

Das Comeback der Leni Riefenstahl (homepage) ist ein sich zyklisch wiederholendes Ereignis, schreibt Daniel Kothenschulte zum hundertsten Geburtstag der umstrittenen Filmregisseurin. "Retrospektiven gab es bereits 1964 und zur Olympiade 1972. Im Jahre 1977 hatte sie einen ähnlichen Medienhype wie 1987, als ihre Memoiren erschienen. Dies allein deshalb, weil sich niemand dabei ihren Werken näherte und sie unabhängig von überkommenen Kunst- und Modernismusbegriffen erschloss. Eine differenzierte Analyse ihres Werks innerhalb der nunmehr alles andere als geradlinig gelesenen Geschichte der Moderne des 20. Jahrhunderts aber könnte vielleicht endlich ihren Anfang nehmen." Na dann mal los!

Peter Michalzik berichtet von Joschka Fischers Wahlkampf-Heimspiel in Frankfurt: "Er zerpflückt mit angekratzter, schreigeschädigter Stimme, trotzdem genüßlich Stoibers Kompetenzteam und empfiehlt zur allgemeinen Aufheiterung die Aufnahme von Manfred Kanther und Helmut Kohl. Einmal gebraucht er sogar das Wort 'Bündnis 90/Die Grünen' wo er sonst immer 'ich' sagt - eine echte Überraschung."

Krystian Woznicki erklärt uns, was ein Möbelgeschäft in Berlin-Mitte mit Antiglobalisierungskampagnen zu tun hat. "Es genügt nicht mehr, sich über die entfesselte Weltwirtschaft aufzuregen oder lustig zu machen. Es genügt auch nicht, sie zu kritisieren oder ihre blinden Flecken aufzudecken. Man muss einen Platz in ihr einnehmen und von dort aus aktiv werden." Und das eben tut Woznicki zufolge der Berliner Geschäftsmann Rafael Horzon mit seinem Möbelgeschäft, das auf den ersten Blick wie eine Atrappe, auf den zweiten wie eine Marken-Satire und auf den dritten dann wie eine ganz normale Geschäftsidee aussieht: Der Mann verkauft Regale.

Weitere Artikel: Hans-Klaus Jungheinrich zieht die Bilanz der Salzburger Festspiele unter ihrem neuen Leiter Peter Ruzicka. Stephan Hilpold stellt neue Publikationen über Literatur im Internet vor. Und der heutige Kolumnist von Times Mager zeigt sich verstört über das seltsame Einvernehmen, mit dem die Hochwasserkatstrophe dauernd mit Krieg gleichgesetzt wird.

Besprochen werden ein Film der argentinischen Regisseurin Lucrecia Martel"La Cienaga" und Bücher, darunter Peter Hacks "Zur Romantik" und zwei Bände zur Lage des Städtebaus (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

TAZ, 22.08.2002

Susanne Altmann berichtet von sinkenden Pegelständen, Schadenssichtung und der Gefahr, die sächsischen Kulturschätzen jetzt von übereifigen Aufräumern droht: "Die überschwemmte sächsische Kulturlandschaft freilich heißt nicht nur Dresden und ist in Gefahr, ein zweites Mal beschädigt zu werden. Hier kämpfen nun zahllose kleine Museen, Kirchenschätze und Baudenkmäler ums nackte Überleben. In Grimma brachte Museumsleiterin Marita Pesenecker Sammlung und Archiv im Alleingang in Sicherheit. Die schwer getroffene Stadt an der Mulde muss jetzt auch um historische Gebäude bangen, die im Eifer des Wiederaufbaus abgerissen zu werden drohen. Dort geht der Baudezernent durch die Straßen und erteilt Abrissgenehmigungen."

Auf der Medienseite informiert Markus Münch über Hintergründe zur noch fehlenden Zustimmung des Kartellamts zum Kauf des Berliner Verlags durch die Holtzbrinck-Gruppe.

Ansonsten ist Kinotag in der taz: Claudia Lenssen schreibt zum 100. Geburtstag von Leni Riefenstahl: "Sie fasziniert auch heute, weil sie eine Emanzipationsgeschichte repräsentiert - eine unangenehme, extravagante, rücksichtslose. Keine Selbstdarstellerin des Medienzeitalters hat derart perfekt die schizophrene Doppelrolle des Models vor der Linse und des kontrollierenden Artdirectors dahinter in sich vereinigt. Die Riefenstahl verkörpert ... den Paradigmenwechsel vom klassischen weiblichen Schauobjekt für den voyeuristischen Blick hin zur technisch versierten Kamerafrau."
Auf der Meinungsseite dagegen ärgert sich Georg Seeßlen schwarz über die "kulturelle Eingemeindung" der Riefenstahl. Ihre Kunst, schreibt er, sind "im Wesen antihuman, gefühllos (was nicht etwa heißen soll: unsentimental), todesgeil, mitleidlos, antiaufklärerisch und faschistisch".

Gerrit Bartels beschreibt die Tücken der Zweitverwertung von Nick-Hornby-Romanen im Kino anhand von Paul und Chris Weitz' Verfilmung von "About A Boy". Und Susanne Burg porträtiert den italienischen Filmregisseur Silvio Soldini.

Schließlich Tom.

SZ, 22.08.2002

Ein Beitrag des Berliner Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlers Eberhard Moth setzt die SZ-Serie zur Zukunft der Altengesellschaft fort. "Werden extreme Kinderarmut und ihr Spiegelbild, historisch einmalige Massen nur mühsam versorgbarer alter Menschen, zu Formen von Unmenschlichkeit führen, die selbst in schwersten Zeiten von Kommunismus und Kapitalismus vermieden wurden?" fragt er und wundert sich, wie wenig die hochkomplexen Probleme der Altengesellschaft bisher wahrgenommen werden. "Die demographischen Fußangeln, in denen die auf stetiges Wachstum programmierte Gesellschaft sich jetzt verfängt, liegen seit langem aus. Kein noch so schlauer deutscher Wirtschaftsprofessor weiß bisher eine brauchbare Antwort darauf, wie Gesellschaft und Wirtschaft friedfertig ohne weiteres Wachstum gesteuert werden können."

Fritz Göttler schreibt zum hundertsten Geburtstag von Leni Riefenstahl: "Der Skandal Riefenstahl strapaziert alle, die Filmemacherin, die sich in Litaneien und Verwünschungen verkriecht, aber auch jene, die ihren 'Fall' kritisch aufarbeiten wollen. Dies ist faschistische Kunst, heißt es, als wäre faschistisch eine Eigenschaft, die man Objekten zusprechen könnte, nicht eher ein politischer Funktionszusammenhang."

Sonja Margolina hat sich mit dem Erfolg von Wladimir Kaminer (mehr hier) in Deutschland befasst: "Im letzten Jahrzehnt wurden Deutsche mit grausamen Geschichten von der russischen Mafia, von Kriminalität und Gefahren aus dem Osten regelrecht traktiert. Der Schatten von heranrückenden Barbaren lag auf den blühenden Landschaften und trübte die auf seelischen Ausgleich erpichten deutschen Herzen. Irgendwie möchten sie sich doch mit den Russen vertragen... Kaminer befriedigt dieses Bedürfnis auf perfekte Weise... Das Publikum kann erleichtert aufatmen. Das Klischee vom Barbaren wird durch das Klischee vom netten, harmlosen, anpassungsbereiten Russen ersetzt.."

Weitere Artikel: Sonja Zekri versucht sich an einer Typologie des Nicht-Wählers. Volker Breidecker regt sich über Berlusconi und den Ausverkauf der Kultur in Italien auf. Stefan Koldenhoff erzählt die lange Geschichte der zerbrochenen Männerfreundschaft zwischen Kunstfahnder Clemens Toussaint und Künstlersohn Jen Lissitzky. Lothar Müller erklärt, warum der berühmte Wörlitzer Park durch das Hochwasser, das Schäden in Höhe von zehn Millionen Euro anrichtete, ein Fall für den Krisenstab ist, auch wenn das Hauptschloss trocken blieb. Außerdem hat sich Helmut Schödel Gedanken über den den Katastrophen-Touristen gemacht, der sich durch das Gaffen eine neue Vorstellung vom Glück verschafft: "Es ist die Abwesenheit von Unglück. Das Pech der anderen. Er erfindet gerade die neue Erbärmlichkeit." 

Isabell Allende erzählt im Interview, worum es in ihrem neuen Roman "Die Stadt der wilden Götter" geht. Rainer Gansera hat mit Winfried Bonengel gesprochen, der vor zehn Jahren mit der Dokumentation "Beruf: Neonazi" für Aufsehen sorgte und dessen erster Spielfilm "Führer Ex" jetzt auf dem Fimfest Venedig läuft. Stefan Dornuf erzählt, warum es in Hollywood sobald keinen Film über Howard Hughes mit Leonardo DiCaprio geben wird. Doris Kuhn schreibt zum Tod der Sexploitation-Regisseurin Doris Wishman (mehr hier), und auf der Medienseite schildert Hans Hoff einen Besuch beim Magazin für Popkultur - der Spex.

Besprochen werden Chris und Paul Weitz' Film "About a Boy" (ein ideales Hugh-Grant-Vehikel) und ein Hörbuch: Matthias Fuchs liest "Unschuld" von Harold Brodkey (mehr in der Bücherschau ab 14.00 Uhr)