Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 13.08.2019 - New York Times

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins erzählt Sarah A. Topol die ergreifende Geschichte des jungen Lehrers Futhu, der als Angehöriger der Minderheit der Rohingya aus seiner Heimat Myanmar, wo er schwer misshandelt wurde, nach Bangladesch flüchten musste: "Ich verbrachte insgesamt einen Monat in den Camps in Bangladesch und hörte mir Geschichten über Vergewaltigung und Zerstörung an, doch auf eines war ich nicht vorbereitet: den Genozid des Verstandes. Ein Volk kann Massenmord überleben, die Überlebenden können neu anfangen. Aber was geschieht, wenn einem Volk seine Identität genommen wird und es immer wieder ausgelöscht wird, wenn ihm über Generationen immer wieder eingebläut wird, dass es nicht existiert, und sogar die Schlausten aufgeben zu denken, zu schreiben und zu lehren? Genau darauf zielte die burmesische Regierung ab … Als ich das Camp verließ, gab ich Futhu ein Notizbuch als Geschenk, für den Fall, dass er seine Inspiration zurück gewänne. Er sagte mir, dass ihn in Myanmar der Tod erwarte. Später schrieb er über Whatsapp, dass er wieder Tagebuch schreibe und davon träume, für einen Computer zu sparen. Einige Wochen später erzählte er von seinem Engagement in einem Projekt gegen Erdrutsche und einem für eine neue Schule, wo er Burmesisch, Englisch und Mathe lehren würde  … Dezember war die Schule fertig, aber es fehlte an Geld für die Instandhaltung und die Lehrer, weil die Flüchtlinge keine Arbeit haben. Das Projekt gegen Erdrutsche ging voran, Futhu schickte Bilder von Bäumen und Pflanzen. Er schrieb über einen Traum mit seinem Vater, wie sie vor dem burmesischen Militär davonrannten  oder über das Leben sprachen, und wie sehr ihn der Verlust seiner gesammelten Geschichten schmerze. Er fragte stets nach diesem Artikel, er wollte wissen, was die Amerikaner über die Rohingya dachten."

Außerdem: Matt Flegenheimer beschreibt die gegenseitige Abneigung zwischen den New Yorkern und ihrem Bürgermeister Bill di Blasio. Und im Interview entlockt David Marchese Nicolas Cages philosophische Gedanken zur Aura des Schauspielers. Auf der Meinungsseite kommentiert ein hoffnungsloser Mohammed Hanif den Kaschmir-Konflikt.

Magazinrundschau vom 06.08.2019 - New York Times

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins befasst sich Giles Harvey mit Javier Marias' lebenslanger Beschäftigung mit Spaniens faschistischer Vergangenheit und dem Handel, bei dem die Faschisten 1976 ihre Macht unter der Bedingung abgaben, für keins ihrer Verbrechen haftbar gemacht zu werden: "Dieser moralische Kompromiss und die Kultur des Schweigens, die ihm folgte, hat Marias' Fantasie angeregt. Seine Romane drehen sich oft um Menschen, denen das Vergessen und die Ignoranz zur Lebensform geworden sind. Auch wenn diese Bücher nicht explizit vom Faschismus handeln, untersuchen sie Gefühlsstrukturen, die die Diktatur und ihre Folgen heraufbeschwören … Für den älteren Marias läuft es auf die Frage nach dem Bösen heraus, das in der modernen Welt zum Fetisch geworden ist, wie er glaubt. 'Es gibt eine Tendenz, sich dem Widerlichen, Anomalen, Monströsen auszusetzen und sich daran zu reiben, als besäße es einen Zauber', erklärt er. Das erscheint ihm rückwärtsgewandt: 'Es gibt derart abscheuliche Taten, dass ihre bloße Durchführung uns jegliche Neugier auf die Täter austreiben sollte, anstatt sie erst hervorzurufen.' Nicht wissen zu wollen, dem Bösen seine Macht abzusprechen, die Fantasie zu korrumpieren, ist heute und vor allem in Europa mit seiner schauerlichen Geschichte eine höchst radikale Idee. Wie Tony Judt in seinem Buch 'Postwar' schreibt, ist das historische Erinnern zu einer Art Religion geworden, 'der Grundlage kollektiver Identität'. Natürlich propagiert Marias nicht Ignoranz. Er lädt uns ein die Spannung zu ermessen zwischen einer Erinnerung als andauernder Trauer, die erstickend wirken kann, und dem Vergessen als einer Form der Befreiung."

Außerdem: Jon Mooallem berichtet aus Paradise, Kalifornien, einer Stadt, die bei den horrenden Waldbränden von 2018 fast vollständig zerstört wurde (sehr lesenswert auch Mark Arax' Reportage im California Sunday Magazine zu den menschengemachten Gründen für das Ausmaß des Feuers). Und Carina Chocano erklärt, was an Gender Reveal Partys, bei denen das Geschlecht des Ungeborenen offenbart und gefeiert wird, so fragwürdig ist.

Magazinrundschau vom 30.07.2019 - New York Times

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins berichtet Suzy Hansen über die Zerstörung der Fakultät für Politikwissenschaft an der Ankara University durch das Erdogan-Regime: "Als Ilhan Uzgel in seine Wohnung in Ankara zurückkehrte, schlief sein 4-jähriger Sohn bereits, doch seine Frau Elcin Aktoprak wartete auf ihn. Sie hatte ihn nicht unterwegs anrufen und ihm sagen wollen, dass er gefeuert worden war. Jetzt beruhigte sie ihren Mann, und der beruhigte sie, denn Aktoprak, wie ihr Mann Professor an der politikwissenschaftlichen Fakultät 'Mülkiye', war ebenfalls gefeuert worden … Uzgel erklärt: 'Das oberste Ziel von Erdogans ideologischer Bewegung sind Menschen und Institutionen, die Wissen produzieren. Er muss sie auslöschen, um die eigene Macht durchzusetzen, weil es sich um die einzigen abweichenden Kräfte der Gesellschaft handelt. Die türkische Zivilgesellschaft ist schwach. Universitäten mit starken Traditionen sind problematisch, da sie die jüngeren Generationen beeinflussen. Autoritäre Regime stecken nicht unbedingt gleich alle in den Knast, sie zerschlagen die Institutionen.' Doch sind autoritäre Regime lang genug an der Macht, können sie sogar relativ unkritische Stimmen zum Schweigen bringen. Die meisten der Mülkiye-Professoren glaubten nicht, dass Erdogan einen islamischen oder faschistischen Staat wollte. Was die AKP aus der Türkei machen will, ist eine Nation ohne Charakter, ein Land, das sich in Freiheit wiegen kann, solange es keine Identität annimmt, die die AKP bedroht. Institutionen wie Mülkiye waren stets vor allem eines: unabhängig im Geist und bei ihren Prinzipien. Solche Institutionen können in Erdogans Türkei aus vielen Gründen nicht existieren, einer davon lautet: Sie sind einfach zu selbständig."

Weitere Artikel: Alec Macgillis kennt Baltimores unangenehmsten Hauseigentümer: Jared Kushner. Und David Marchese trifft die Nationalfußballerin Megan Rapinoe, die Fußball als politische Angelegenheit betrachtet.

Magazinrundschau vom 23.07.2019 - New York Times

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins zeigt Jason Zengerle die Veränderungen bei der inneren Sicherheit und im Department of Homeland Security auf, die Trumps Einwanderungspolitik soweit bewirkt hat: "Dieser Artikel basiert auf Interviews mit mehr als 20 aktuellen oder früheren Regierungsoffiziellen. Die meisten von ihnen bestanden auf Anonymität, um offen sprechen zu können, aus Angst vor Vergeltung. Das Heimatschutzministerium beantwortete eine Liste mit detaillierten Fragen nicht. Hogan Gidley, Pressesekretär im Weißen Haus antwortete auf Anfrage betreffend die Spaltung des Ministeriums: 'Das sind nur weitere falsche Vorstellungen wütender Bürokraten, die sich gegen das entschiedene Handeln des Präsidenten für ein vernünftiges Einwanderungskonzept stellen, das dem amerikanischen Volk dient.' Die Geschichte der Offiziellen ist die eines Ministeriums, das mit irrationalen Forderungen und hanebüchenen Ideen konfrontiert wird, indem sie als Speerspitze der präsidialen Politik mit der höchsten Priorität fungiert. Während der letzten zweieinhalb Jahre, ob es sich um das Einreiseverbot handelt, Familientrennung oder neuerdings die humanitäre Krise an der Grenze - befindet sich das Ministerium für Heimatschutz im Zentrum der größten politischen Kontroversen und moralischen Dilemmata der Trump-Regierung … Die personelle Fluktuation im D.H.S. hat Trumps engstem Berater Stephen Miller zu einem Ministerium mit lauter Millers verholfen. Ungeachtet der Kompromisse, die John F. Kelly und die ehemalige Ministerin für Innere Sicherheit, Kirstjen Nielsen, mit Millers Extrempolitik eingingen, bot das D.H.S. unter ihnen doch immerhin eine Art Gegengewicht oder Bremse auf dem Weg zur härtesten Einwanderungspolitik in der jüngeren Geschichte der USA. Dieses Hindernis fehlt jetzt."


Außerdem: David Marchese erkundigt sich bei Graydon Carter, Ex-Chefredakteur der Vanity Fair, über die Macht der Blattmacher. Und Claudia Rankine berichtet, wie schwer es ist, als Schwarze weiße Privilegien zu hinterfragen.

Magazinrundschau vom 16.07.2019 - New York Times

Im Magazin der New York Times überlegt Fernanda Eberstadt, ob die Kunst von Pjotr Pawlenski noch Kunst ist oder schon Verbrechen oder ganz etwas anderes. Anlass ist ein Feuer, das Pawlenski in einer Filiale der Banque de France in Paris gelegt hat und die folgende Untersuchungshaft: "Für Pawlenski ist die Aktion nur der Anfang eines längeren Prozesses. Auch wenn jeder Aspekt genau geplant ist - 'Ich übe jede Geste, jede Hand- und Fußstellung genau ein, denn wenn es losgeht, geht alles sehr schnell, und vieles ist unvorhersehbar', erklärt er - ist für ihn das eigentlich Spannende die unabsichtliche Mitarbeit des Staates. Eine Ausstellung in Galerie Pack in Mailand zeigte Fotos von Pawlenskis russischer Polizeiakte: unscharfe Nahaufnahmen von Benzinkanistern und Aufnahmen von Überwachungskameras, die ihn mit Kapuze an einer Straßenecke zeigen - Aufnahmen, die anonyme Mitarbeiter des Innenministeriums absichtslos kunstvoll geschnitten haben. 'Ich lasse die Regierung am künstlerischen Arbeitsprozess teilnehmen. Die Machtverhältnisse verschieben sich, der Staat wird zum Akteur', so Pawlenski. 2014 war die Konfrontation direkter. Putin führte damals Krieg gegen die Ukraine, ließ ukrainische Aktivisten als Terroristen verhaften … Pawlenski unterstützte die Proteste auf dem Maidan aktiv. In einer mit Paris vergleichbaren Aktion zündete er die Türen der Lubjanka an, wo der russische Geheimdienst residiert. Mit dem Benzinkanister in der Hand, wartete er auf die Polizei … Er wurde festgenommen, in eine psychiatrische Klinik verbracht und kam dann sieben Monate in U-Haft. Aus Solidarität mit den ukrainischen Aktivisten wollte er als Terrorist angeklagt werden, aber man verurteilte ihn wegen Vandalismus zu einer Geldstrafe, die Pawlenski nie bezahlte."

Außerdem: Jonah Weiner verfolgt die harte Konkurrenz im Streaming-TV und überlegt, was sie für die Qualität des Angebots bedeutet. Und anlässlich ikonografischer Fotos von Grausamkeiten an Trumps Grenze und anderswo denkt Teju Cole darüber nach, wie Bilder unser Gewissen auf wirkungsvollere Art erschüttern könnten.

Magazinrundschau vom 09.07.2019 - New York Times

Immunofluorescent stains for neurons (green), astrocytes (red), and cell nuclei (blue) in a region of the hippocampus of a pig's brain left untreated 10 hours after death (left) or subjected to perfusion with the BrainEx technology. Ten hours postmortem, neurons and astrocytes undergo cellular disintegration unless salvaged by the BrainEx system. (Image credit: Stefano G. Daniele & Zvonimir Vrselja; Sestan Laboratory; Yale School of Medicine)


Im aktuellen Heft überlegt Matthew Shaer, was die Experimente mit toten Schweinegehirnen an der Yale-Universität für unser Verständnis vom Tod bedeuten könnten: "So lange Wissenschaftler sich mit dem Gehirn von Säugern befassen, gibt es Versuche, es zu reanimieren. 'Dem Sitz all unserer Eindrücke neues Leben einzuhauchen, die vitalen Kräfte wiederzubeleben und zu dirigieren, ist mein wissenschaftliches Ziel', schrieb der italienische Physiker Giovanni Aldini zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In seinem Werk von 1803 beschreibt er, wie er einen Ochsen enthauptet und den Kopf mit einer rudimentären Batterie verbindet: Der Kopf begann zu zittern. Später ging Aldini zu menschlichen Körpern über. 'Das linke Auge öffnete sich', schrieb er über den Mörder George Forster, dessen Leiche ihm von der britischen Regierung überlassen worden war. (Als Aldini Forsters Rektum und Ohr unter Strom setzte, ließen ihn die starken Muskelkontraktionen von 'Wiederbelebung' prahlen.) Was er aber nicht erkannte war, dass Leben nicht nur mit Elektrizität zu tun hat, sondern auch mit Blut und Sauerstoff, Gasen, Säuren und einer ganzen Symphonie absterbender und sich regenerierender, wachsender Zellen. Erst 150 Jahre später war die Technologie so weit, die einfachsten dieser Funktionen zu beobachten und nachzuahmen … 1991 entdeckten Wissenschaftler, dass die Neuronen in den Gehirnen von Laborratten noch drei Stunden nach dem Todeseintritt elektrische Aktivität zeigten. Der Hirntod war kein punktuelles Ereignis mehr, sondern geschah in Schritten, die man hinauszögern oder sogar umkehren konnte, nicht, wie Aldini es sich vorstellte, aber nicht weniger überzeugend."
 
Außerdem: Michael Sokolove untersucht die Rolle, die saudisches Geld in amerikanischen Universitäten spielt. Und David Marchese spricht mit Whoopi Goldberg über den Verfall der gepflegten Konversation.

Magazinrundschau vom 02.07.2019 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins fragt Sarah A. Topol, was Putin eigentlich will, wie Russland funktioniert und warum alles ganz anders ist, als wir im Westen so denken: "Ich treffe Ruslan Pukhov im eleganten Café Puschkin, er ist Direktor am Zentrum für Strategieanalysen und Technologien, ein militärischer Thinktank, und er redet nicht lang um den heißen Brei: 'Immer wenn ein Beobachter aus dem Westen sagt, Russen tun dies oder jenes, sage ich: Ihr beschreibt Russen, als wären sie Deutsche oder Amerikaner, aber das sind sie nicht. Ich frage: Kennst du den Begriff 'bardag'? Wenn nicht, kannst du Russland nicht analysieren, denn 'bardag' bedeutet Unordnung, Fiasko.' Pukhov meint damit, dass Russlands politisches System nicht stromlinienförmig ist, keine vertikale Diktatur. Nur Naivität, Paranoia oder beides kann jemanden glauben machen, dass dieses System effizient genug ist, irgend etwas von großer globaler Bedeutung anzuzetteln. Russland war lange eine Projektionsfläche für amerikanische Ängste vor der roten Bedrohung und Putins Jagd nach der Weltherrschaft. Diese Tradition bekam Schub durch die Wahl 2016, als jeder auf einmal Fachmann für Putins Agenda war. Keine Wahl, die Putin nicht hacken, keine Grenze, die er nicht überschreiten, kein Verbündeter, den er nicht manipulieren würde. Das schiere Wort Putin steht für die systematische Zerstörung der Post-Kalter-Krieg-Ordnung in der Welt. Aber keiner, mit dem ich sprach und der Einblick hatte in die russischen Verhältnisse, hielt das für etwas anderes als Fiktion. Stattdessen bezeichneten sie Russlands Rückkehr auf die internationale Bühne als Improvisation, Taktik, Glücksspiel, allesamt eher bedenklich als meisterlich."

Außerdem: Susan Dominus erklärt, was es bedeutet, dass Samenspender (und ihre Kinder) heute über DNA-Analyse ausfindig zu machen sind. Und Eli Baden-Lasar, Kind eines Samenspenders, erzählt, was es heißt, 32 Halbgeschwister zu haben und sich auf die Suche nach ihnen zu machen.

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - New York Times

Im New York Times Magazine erinnert Jody Rosen an den Tag vor elf Jahren, als ein Feuer bei Universal in Hollywood ausbrach und nicht nur ein Filmlager zerstörte, sondern auch ein einzigartiges Archiv mit rund 500.000 Musikmasteraufnahmen: "Das Archiv in Gebäude 6197 war UMGs wichtigstes Lager für Masters an der Westküste, die Originalaufnahmen, von denen alle nachfolgenden Kopien stammen. Es handelt sich um einzigartige Artefakte, die unersetzlichen Hauptquellen eines jeden Musikstücks. Laut UMG-Dokumenten befanden sich im Archiv analoge Bandmaster aus den späten 1940er Jahren sowie digitale Master neueren Datums. Es enthielt das aufgenommene isolierte Rohmaterial von Mehrspuraufnahmen, Drums, Keyboards, Saiteninstrumente auf getrennten Bandbereichen, aus dem analoge Masters zusammengesetzt werden. Und es enthielt Session Masters, Aufnahmen, die nie kommerziell veröffentlicht wurden … Nahezu sämtliche Masters von Buddy Holly gingen in den Flammen verloren, der Großteil von John Coltranes Masters für das Jazzlabel Impulse sowie Impulse Masters von Duke Ellington, Count Basie, Coleman Hawkins, Dizzy Gillespie, Max Roach, Art Blakey, Sonny Rollins, Charles Mingus, Ornette Coleman, Alice Coltrane, Sun Ra, Albert Ayler, Pharoah Sanders und anderen Jazzgrößen, ferner Masters von Bill Haleys 'Rock Around the Clock' oder Bo Diddleys 'Bo Diddley/I'm A Man' … Anders als UMG es damals zugeben wollte, handelte es sich um die größte Katastrophe in der Geschichte der Musikindustrie."

In einem anderen Artikel macht sich Nicholas Kristof Gedanken über die Todesstrafe: "Präsident Trump fordert eine Ausweitung der Todesstrafe auf Drogendealer und Polizistenmörder, mit einem beschleunigten Prozess und schneller Hinrichtung. Eine Mehrheit der Amerikaner (56 Prozent laut Gallup) befürwortet die Todesstrafe, weil sie glaubt, dass sie Straftäter abschreckt oder Geld spart, und vermutet, dass sie nur für die schändlichsten Kriminellen gilt und Fehler kein ernstes Risiko darstellen. All diese Annahmen sind falsch … Die Arbeit von Statistikern und Kriminologen hat ergeben, dass Hinrichtungen keine stärkere abschreckende Wirkung haben als lange Haftstrafen. Tatsächlich sind die Mordraten in Staaten ohne Todesstrafe niedriger als in Staaten mit Todesstrafe."

Magazinrundschau vom 21.05.2019 - New York Times

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins untersucht Moises Velasquez-Manoff die heilenden Eigenschaften des Cannabis, das seit Tausenden Jahren überall auf der Welt medizinisch verwendet werde: "Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Cannabis auch ein wichtiger Bestandteil des Arzneibuchs britischer und amerikanischer Ärzte. Wissenschaftler vermuten, dass diese älteren Cannabis-Sorten und die daraus hergestellten Tinkturen viel weniger THC und viel mehr CBD (Cannabidiol, d. Red.) enthielten als moderne Sorten. Natürlich war der für die Herstellung von Seilen und Segel verwendete Hanf seit Jahrhunderten in Europa und Amerika bekannt. George Washington baute es an. Das englische Wort 'canvas' leitet sich vom griechischen Kannabis ab. Im späten 19. Jahrhundert begann sich die  Beziehung zu der Pflanze zu verändern. 1930 übernahm Harry Anslinger, ein ehemaliger Beamter der Prohibitionsbehörde, den Posten als Direktor der Betäubungsmittelbehörde. Die mexikanische Revolution von 1910 hatte zu einer Einwanderungswelle in die USA geführt. Während viele Amerikaner Cannabis als Tinktur zu sich nahmen, rauchten die Mexikaner es, ein Brauch, der sich von New Orleans und anderen Hafenstädten gen Norden verbreitete. Anslinger verachtete Mexikaner und Afroamerikaner und hasste Jazz. Indem er Cannabis dämonisierte, konnte er seine Position rechtfertigen und Einfluss auf die von ihm verachteten Völker nehmen. Anslingers 'war on drugs' auf Kosten der Farbigen war ein kalkuliertes Vorgehen, das sich bis heute auswirkt. Cannabis mache die Menschen verrückt, gewalttätig und anfällig für kriminelles Verhalten gemacht, meinte Anslinger."

Außerdem: Dan Hurley berichtet von neuen Erkenntnissen betreffend die rätselhaften Mikrowellen-Attacken auf amerikanische Diplomaten auf Kuba. Und Helen Ouyang besucht Hospize für unheilbar kranke Kinder in den USA - Einrichtungen, die vom amerikanischen Gesundheitssystem nicht unterstützt werden.

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - New York Times

In der Experience Tube


In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Magazins besucht Rachel Monroe das Disneyland von heute bzw. der Zukunft, das aus einem Künstlerkollektiv in Santa Fe entstandene Multimillion-Dollar-Projekt Meow Wolf: "Meow Wolf hat sich als die große Hoffnung der Erlebniswirtschaft herausgestellt; es spiegelt das klassische Start-up-Narrativ wider, in der brillante Außenseiter groß rauskommen. Vor sechs Jahren war die Gruppe ein anarchisches Künstler-Kollektiv, das außerhalb von Santa Fe keiner kannte und das ulkige Installationen und Partys veranstaltete. In den folgenden Jahren, in denen sich die spielerische Ästhetik der Gruppe dem Appetit des Marktes anpasste, hat sie eine schwindelerregende Transformation durchlaufen. Meow Wolf hat den Grundstein für ein 60 Millionen Dollar teures Flaggschiffprojekt in Denver gelegt, das mehr Kunstausstellungsfläche bietet als das Guggenheim, und plant den Bau einer dreistöckigen, 75.000 Quadratmeter großen Dauerinstallation in Washington. Besucher des Vergnügungsparks Elitch Gardens in Denver können sich mit Meow Wolf auf einen Trip mit Laserpistolen und animierten Kreaturen einlassen. Und bald wird man im 400 Zimmer zählenden Meow Wolf Hotel in Phoenix übernachten können. Das Unternehmen produziert Musikvideos, veranstaltet ein jährliches Festival und eröffnete gerade ein Produktionsstudio, das TV-Sendungen und Podcasts herstellt. Es produziert und verkauft den 'Experience Tube', einen fünf Fuß langen, dehnbaren Stoff, der das menschliche Miteinander fördern soll: Steckt man den Kopf in den Schlauch, ist man gezwungen, in das Gesicht der Person am anderen Ende zu schauen anstatt auf sein Smartphone. Tausende der Schläuche wurden inzwischen verkauft - für je 29,95 Dollar, was vielleicht die eigentliche Pointe des gesamten Meow-Wolf-Mikrokosmos ist: Bastle etwas für deine Freunde, entdecke, dass es den Zeitgeist antizipiert, werde sehr, sehr erfolgreich. Nach dem letzten Crowdfunding Anfang des Jahres ist aus dem losen Verband rauflustiger Punks ein Konzern mit neunstelliger Bewertung geworden."

Außerdem: Latoya Ruby Frazier und Dan Kaufman berichten, was die Schließung von G.M. in einer Stadt in Ohio anrichtet. Jesse Barron erzählt, wie Remington, älteste Waffenschmiede der USA, bankrott gehen konnte.