
In der aktuellen
Ausgabe des Magazins
verfolgt die
Schriftstellerin Rachel Cusk zwei Künstlerinnenbiografien, von
Celia Paul, die von Lucian Freud protegiert (und benutzt) wurde und
Cecily Brown, deren Vater, der Kunstkritiker David Sylvester war, und mit ihnen zwei unterschiedliche und nicht unbedingt repräsentative Erfolgsgeschichten in der von Männern dominierten Kunstwelt: "Der männliche Künstler, in dem Bild, das wir von ihm haben, macht alles, was wir nicht tun dürfen: Er ist gewalttätig und egoistisch. Er missbraucht oder betrügt seine Freunde und Familie. Er raucht, trinkt, schockiert, frönt seinen Gelüsten und beißt die Hand, die ihn füttert, und alles, um am Ende als
einzigartiges Genie gefeiert zu werden. Außerdem tut er die Dinge, die wir nicht tun möchten: arbeiten ohne Anerkennung, auf Komfort verzichten und darauf pfeifen, was andere von ihm denken. Denn er ist der Vertraute der Schönheit und der Wahrheit, Spender dieser raren Substanz der Kunst, die uns erhebt. Gibt es ein
weibliches Äquivalent zu diesem Bild? Lässt sich eine Gestalt wie Giacometti mit ihren Gelüsten, ihrem Genie und ihrer Wut mit der Künstlerin vertauschen? Mir scheint die uralte Frage, wie es ist, eine Frau zu sein, angebracht. Es könnte immerhin sein, dass jedesmal, wenn die Verbindung von Kunst und maskulinem Verhalten wieder einmal behauptet wird, wir nur noch weniger über
die Frau als Künstler wissen als zuvor. Ihre Existenz hat eine viel gründlichere Rechtfertigung nötig. In der Kunstgeschichte ist ihre Erscheinung die absolute Ausnahme. Aber für jede von ihnen braucht es eine Erklärung darüber, ob und wie sie auf ihre Weiblichkeit und ihre Limitierungen verzichtet hat, auf ihr weibliches biologisches Schicksal - wo sie ihren Körper sozusagen vergraben hat. Dieser Körper ist in der westlichen Kunst umkämpft: Er wurde zum künstlerischen Impuls eingedampft, befeuerte die Suche nach der Schönheit und ihrer künstlerischen Bezwingung. Im Narrativ der Kunst hat die Frau den Status des reinen Objekts. Wie sieht
ihre Subjektivität überhaupt aus? Haben die Künstlerinnen der Moderne wie Joan Mitchell, Paula Rego, Louise Bourgeois, Agnes Martin die Kennzeichen männlicher kultureller Macht imitiert oder haben sie an ihren Rändern existiert? Wenn eine Frau heute künstlerisch arbeitet, wer ist sie?"
Außerdem: In der
Book Review denkt die
Autorin Leslie Jamison über den Kult der
traurigen,
selbstzerstörerischen Frau in der Literatur nach. Sie selbst war in ihren Zwanzigern auf diesem Trip, ihre Lieblingsheldin war
Jean Rhys' Sasha in "Good Morning, Midnight". Sasha Sasha versucht sich in einem billigen Pariser Hotel zu Tode zu trinken, getrieben von ihrer verlorenen Jugend, fehlgeschlagenen Affären und dem Geist ihres Babys, das mit fünf Wochen starb, so Jamison. Heute erträgt sie die "
weinerliche Passivität" und das Selbstmitleid dieser Heldin kaum noch und stellt lieber eine Reihe von Autorinnen vor, die über das Glück schreiben:
Chris Kraus,
Kathleen Stewart und vor allem
Maggie Nelson.