Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

851 Presseschau-Absätze - Seite 24 von 86

Magazinrundschau vom 23.07.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker überlegt Nathan Heller, ob das Automobilzeitalter nur ein einziger schrecklicher Fehler war: "Jede Technologie hat ihre Kosten, aber es gibt Gründe, sogar die vermeintlichen Vorteile des Autos anzuzweifeln. Freie Männer und Frauen haben sich als so katastrophale Fahrer erwiesen, dass Autohersteller sie durch Computer zu ersetzen trachten. Wenn der Mensch der Zukunft auf unser Leben mit dem Auto zurückblicken wird, wird er es als Schritt in die richtige Richtung betrachten oder als Fehlschritt? … Dan Alberts Buch 'Are We There Yet?: The American Automobile Past, Present, and Driverless' stellt fest, dass elektrisch und benzinbetriebene Autos im späten 19. Jahrhundert gleichauf waren. Benzin war sogar lange Zeit zweite Wahl. Und Samuel I. Schwartz schlägt in seinem Buch 'No One at the Wheel: Driverless Cars on the Road of the Future' vor, dass wir uns von der Idee, Autos zu besitzen, zugunsten der Vorstellung von einer geteilten Ressource verabschieden. Er favorisiert 'eine Preisgestaltung, die den privaten PKW im städtischen Raum unattraktiv macht', ohne dass Menschen in ländlichen Gebieten davon betroffen wären. Städte könnten dazu beitragen, indem sie Parkraum rar und teuer machen. Schwartz ist Fan autonom fahrender Busse und setzt sich dafür ein, dass Autofahrer für Staus, die sie verursachen, zahlen müssen. Dabei bekommt er Unterstützung von Uber. Doch mit vorschnellen Schulterschlüssen mit dem privaten Sektor ist er seit einem Treffen mit Verkehrsinnovatoren vorsichtig: 'Es war erschreckend, wie wenig die Leute über den öffentlichen Verkehr wussten und wie verliebt sie in gadgets waren. Als ich dran war, Lösungen anzubieten, schlug ich vor, für Wege von weniger als einer Meile, und die meisten Wege in der Stadt sind nicht länger, Schuhe zu benutzen, die gibt es schon seit 1600 vor Christus.'"

Außerdem: Héctor Tobar erzählt, wie er einmal Nachbar des King-Attentäters Earl Ray war. Jill Lepore widmet Herman Melville zum 200. Geburtstag ein bewunderndes Porträt. Joan Acocella erinnert an Natalia Ginzburg, einen weiblichen Literatur-Star unter Männern. Carrie Battan hört Musik von Ed Sheeran und friends. Anthony Lane sah im Kino Jon Favreaus  "König der Löwen".

Magazinrundschau vom 02.07.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erinnert Casey Cep an den Kampf der Suffragetten vor hundert Jahren und an ihre vergessenen Vorkämpferinnen: "In gewisser Hinsicht haben Frauen in Amerika gewählt, lange bevor es die Vereinigten Staaten gab. In einer faszinierenden neuen Anthologie, 'The Women's Suffrage Movement' verlängert die Wissenschaftlerin Sally Roesch Wagner die Zeitspanne des Wahlrechts in diesem Teil der Welt um knapp tausend Jahre. Sie beginnt mit der Gründung der Konföderation der Haudenosaunee (der Irokesen), als sich die Nationen Onondaga, Mohawk, Seneca, Oneida und Cayuga, später zusammen mit den Tuscarora, im Land um die Großen Seen versammelten, um eine egalitäre Gesellschaft zu gründen, die Frauen politische Macht gewährte. Haudenosaunee-Frauen halfen bei der Wahl der Chefs, die gemeinsam vom Rat regiert wurden, und sie hatten ein Mitspracherecht in Fragen von Krieg und Frieden. Politikhistoriker haben die Konföderation der Haudenosaunee schon lange als die älteste ununterbrochen funktionierende Demokratie der Welt erkannt. Wagner erinnert daran, dass diese demokratischen Grundsätze auch für Frauen galten. Leider enthält das Buch weder historische noch zeitgenössische Stimmen der Haudenosaunee, aber Wagner zeigt, wie diese Nachbargesellschaften die erste Generation moderner Suffragetten beeinflussten. Lucretia Mott lebte in einer Seneca-Gemeinde, während sie mit Quäkern Hilfsarbeit leistete, Elizabeth Cady Stanton beobachtete die Oneida-Nation um die Seneca-Fälle, und Matilda Joslyn Gage traf nicht nur auf Mitglieder der Mohawk-Nation, sondern war Ehrenmitglied des Wolf-Clans. Diese frühen Aktivisten sahen aus erster Hand, dass Haudenosaunee-Frauen Eigentum besitzen, Scheidungen einleiten und, am schockierendsten, sogar wählen konnten."

Außerdem: Daniel Alarcon untersucht den Selbstmord des früheren peruanischen Präsidenten Alan Garcia. Charles McGrath folgt Rudyard Kipling in die USA. Margaret Talbot porträtiert die Musikerin Mitski. Dan Chiasson liest Gedichte von James Tate. Hua Hsu erzählt, wie aus Postern Kunst wurde. Peter Schjeldahl erzählt, was für ein Schlag der Tod des Graffitikünstlers Michael Stewart durch einen Polizisten für Michel Basquiat war. Und Anthony Lane sah im Kino Danny Boyles Film "Yesterday".

Magazinrundschau vom 24.06.2019 - New Yorker

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In der aktuellen Ausgabe des Magazins erklärt Lauren Collins die Politik Emmanuel Macrons: "Makronismus ist keine Gleichschritt-Vision vom Fortschritt. Macron glaubt, Ungleichheit sei ungerecht, wenn sie durch Umstände verursacht, aber akzeptabel, wenn sie durch bewusste Entscheidungen verursacht wird. Sein vielleicht grundlegendster Glaube ist der des Vorrangs der individuellen Rechte. 'Heute ist es sehr schwierig, all die unterschiedlichen Schicksale, Perspektiven oder Situationen aller Menschen in Einklang zu bringen oder auszugleichen', erklärt er. 'Aber damit Gesellschaften nachhaltig sind, muss man zumindest die Chancengleichheit wiederherstellen.' Diese Ansicht ist realistisch, kann aber auch wie eine Einschränkung des sozialen Teils von Macrons sozialdemokratischen Überzeugungen wirken. Er verbrachte einen Großteil seiner ersten zwei Jahre an der Macht damit, Wirtschaftsreformen umzusetzen. Diesen Monat kündigte er an, dass seine Präsidentschaft in Phase II eintritt, in der es um ökologische und soziale Gerechtigkeit geht. Ein opportunistischer Schachzug, aber nicht unbedingt ein leerer. Macron ist weniger daran interessiert, eine großartige Vision der Gesellschaft zu entwickeln, als Teile existenter Ideologien neu zu kombinieren, sodass das traditionelle politische Grenzlinien ihre Gültigkeit verlieren. 'Macron ist im Herzen liberal', sagte mir Aurélien Taché, ein Abgeordneter des linken Flügels von L.R.E.M. 'Aber als Präsident muss er sich mit einem Teil der öffentlichen Meinung auseinandersetzen, der diesen Fragen feindlich gegenübersteht, und deshalb versucht er, beides zu erreichen.'"

In einem anderen Text erläutert Joan Acocella das Dilemma moderner Tanzkompanien zwischen der Tradition großer Direktoren wie Cunningham oder Bausch und der Notwendigkeit, sich fortzuentwickeln: "Viele solcher Kompanien sprechen von einem 'Erbe', das es fortzuführen gilt, Warum? Moderner Tanz als Kunstform ist mehr als ein Jahrhundert alt. Viele der Kompanien sind inzwischen Institutionen, Teil unserer kulturellen Landschaft. Lösen sie sich auf, verlieren viele Leute ihre Jobs. Wichtiger: Es wird dann niemanden mehr geben, der die Tänze korrekt aufführen kann, in einem Stil, den Generationen von Tänzern weitergereicht haben. Das Kunstwerk wird verschwinden. Als hätte nach Rembrandts Tod jemand all seine Leinwände genommen und verbrannt."

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe untersucht Sam Knight, wie Boris Johnson den Blick auf das Karnevaleske in der Politik und eine ordentliche Portion Machtbewusstsein in einer Person vereint: "Vergangenen Monat war Johnson der erste Kandidat, der in das Rennen um Theresa Mays Nachfolge eintrat. Wer sie als konservative Parteiführerin ersetzt, wird automatisch Premierminister. Derzeit sind zehn Tory MPs im Wettbewerb. Ihre Kollegen werden die letzten beiden wählen, die dann um die Stimmen der hundertsechzigtausend hauptsächlich weißen, hauptsächlich älteren, inbrünstigen pro-Brexit-Konservativen im ganzen Land werben werden. Johnson, der versprochen hat, Großbritannien am 31. Oktober aus der EU zu nehmen, mit oder ohne Deal, ist der absolute Favorit. Er hat sich die Haare schneiden lassen und befindet sich im bescheidenen Wahlkampfmodus. Er kann immer noch scheitern. Sein Selbstvertrauen wird nur von seiner Fähigkeit zur Selbstsabotage übertroffen. Bis jetzt sind Johnsons Leben und Karriere eine Art Denkmal für das Wunschdenken - für lächerliche Erwartungen, die schockierenderweise erfüllt wurden. Brexit ist so ähnlich. 'Ich habe nichts', sagt Johnson. Großbritannien ist im Begriff herauszufinden, was dieses nichts bedeutet."

Außerdem: Jiayang Fan stellt den in Peking geborenen Sci-Fi-Autor Liu Cixin vor, der sich mit der veränderten Rolle Chinas im Weltgeschehen befasst. Und Nick Paumgarten besucht das exklusive Golf Masters Turnier in Augusta, Georgia.
Stichwörter: Johnson, Boris, Brexit

Magazinrundschau vom 04.06.2019 - New Yorker

Die mexikanische Schriftstellerin Valeria Luiselli hat mit ihrer Familie die Grenze zwischen den USA und Mexiko besucht. Weil sich die Kinder bei den Recherchen langweilten, besuchten sie zwei Grenzstädtchen, die vom Reenactment historischer Ereignisse leben (die Schießerei am OK Corral etc.). Und hier lernt Luiselli langsam mehr über die Mentalität der Grenzbewohner, die zum Teil freiwillig auf Patrouille gehen, um illegale Flüchtlinge aufzuspüren. Einen Zusammenhang mit der in den Reenactments gefeierten schießwütigen Selbstjustiz des 19. Jahrhunderts, oder mit der Tatsache, dass Mexikaner, Schwarze und Indianer nur als feindselige Angreifer vorkommen, will man dort nicht sehen. "Die Geschichte von Grenzstädten wie Shakespeare und Tombstone ist eine, in der vor allem weiße Bevölkerungsgruppen nach Westen zogen, Territorium beanspruchten und diejenigen, die bereits dort waren, gewaltsam vertrieben oder getötet wurden, dann dieses Territorium gegen 'Eindringlinge' verteidigten, die oft die früheren Bewohner waren - also Indianer und später Mexikaner - und schließlich Gesetze aufstellten. Diese letzte Phase der Grenzgeschichte ist das, was am häufigsten für Reënactments ausgegraben wird: eine manichäische Darstellung von guten (weißen) Gesetzeshütern gegenüber schlechten (weißen) Cowboys, die letztlich eine Feier zur Gründung des weißen Amerikas ist. Der Rest - der Teil, in dem es darum geht, nicht-weiße andere zu töten oder zu verbannen, um beanspruchtes Land zu verteidigen - wird bequemerweise weggelassen. Aber die Praxis lebt weiter, in einer Art Reënactment mit sehr realen Folgen, bei dem die Protagonisten zivile Grenzpolizisten sind - Menschen, die überzeugt sind, dass sie das Recht haben, alles tun zu dürfen, um andere, insbesondere nicht-weiße andere, von diesem Land fernzuhalten."

Jon Lee Anderson untersucht die Spaltung der venezolanischen Gesellschaft zwischen Juan Guaidó (Voluntad Popular) und Nicolás Maduro (Vereinigte Sozialistische Partei), die mit harten Bandagen kämpfen und drohen, eine internationale Krise heraufzubeschwören. Inzwischen hat man sich aber, unter dem Druck der Verhältnisse auf Verhandlungen geeinigt. "'Die große Unsicherheit ist, was das Militär tun wird'", sagt Luis Vicente León, Venezuelas prominentester politischer Meinungsforscher, zu Anderson. "Es sei ein Fehler gewesen, die Armee zu zwingen, sich von Maduro zu trennen, sagt er. 'Die Militärs sind die Regierung und sie wollen wissen, wo sie nach Maduro stehen.' Er weist außerdem darauf hin, dass ein erfolgreicher Coup nicht notwendigerweise zu einer weniger brutalen Regierung führen muss. 'Was passiert, wenn das Militär gegen Maduro vorgeht, aber sich auch nicht mit der Opposition verträgt? Es kann mächtiger und repressiver werden. Dann haben wir eine echte Diktatur.' Die einzige realistische Lösung, so León, besteht darin, irgendwie einen Konsens zu finden. 'Wir sind dazu verdammt, mit den Bösewichten zu verhandeln', sagte er. 'Sonst wird dieses Land bald unregierbar.'"

Außerdem in dieser Ausgabe, die fast ganz der Literatur gewidmet ist: Orhan Pamuk erzählt von seiner Schulzeit in einer Schweizer Grundschule. Und auch Ta-Nehisi Coates (hier), Han Ong (hier), Jennifer Egan (hier), Dinaw Mengestu (hier) und andere erzählen von ihren Erfahrungen in einem "fremden Land".

Magazinrundschau vom 21.05.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker berichtet Peter Schjeldahl von den Trends auf der Whitney Biennial: "'Technologie wird uns ertränken. Das Individuum verschwindet, bis wir nur noch nummerierte Ameisen sind.' So zitiert Adam Weinberg im Katalog der Whitney Biennial 2019 Marcel Duchamp. Weinberg hat die schädlichen Auswirkungen sozialer Medien im Auge, aber Duchamps Prophezeiung könnte als Rückblick auf diese Biennale funktionieren. Mit wenigen Ausnahmen behandeln die meist jungen Künstler das Thema Identität oder kommunitäre Politik. Auffallenderweise sind sie meist nicht radikal, als hätten sie sich mit ihrer relativen Unwirksamkeit abgefunden; sie scheinen festgefahren. Die unverantwortliche Freude am ästhetischen Erleben ist nur ein Thema unter vielen. Fast alle Künstler sind technisch versiert in Medien wie Fotografie, Video, Performance, Malerei und Skulptur, aber die meisten Arbeiten, auch wenn sie mitunter charmant sind, sind traditionell und recyceln Formen, die keinen Kunststudenten vom Hocker hauen … Betreffend das kunstgeschichtliche Gedächtnis wirkt die Show größtenteils amnesisch. Sie vergisst sogar die Gegenwart, wenn es um von Händlern und Sammlern favorisierte Stile und Ideen geht … Vielleicht ist es bezeichnend, dass in dem Moment, da das Whitney wegen eines Vorstandsmitglied in der Kritik steht, das die Herstellung von Tränengas gegen mexikanische Migranten mit zu verantworten hat, mit Michael Rakowitz nur ein einziger eingeladener Künstler aus Protest die Show verlässt."

Amanda Petrusich findet deutsche Geschichte zur Horrorschau verarbeitet - im neuen Rammstein-Album: "Rammsteins Sound ist weiterhin schwer … Obwohl sich Lindemanns Texte immer noch vor allem um Sex drehen, wird ein Großteil des neuen Albums für Hörer, die Heavy Metal eigentlich für grotesken Lärm halten, klanglich schmackhaft sein. Die Songs sind energetisch und prickelnd."

Außerdem: Ed Caesar erzählt, wie ein britisches Mitglied der rechtsterroristischen Gruppierung National Action zum V-Mann wurde. Jerome Groopman liest Anne Harringtons Geschichte der Psychiatrie, "Mind Fixers". Und Anthony Lane sah im Kino Olivia Wildes "Booksmart".und Joanna Hoggs "The Souvenir".

Magazinrundschau vom 07.05.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker geht Ariel Levy der Frage nach, wem Südafrika gehört. Landreformen und Restitution sind immer schon ein heißes politisches Thema: "Für den A.N.C. war die Landfrage entscheidend, die Partei wurde als Reaktion auf den Glen Grey Act und die folgenden Gesetze gegründet. Als der A.N.C. 1994 die Macht übernahm, sah er die Landreform als 'treibende Kraft eines Programms zur ländlichen Entwicklung', das Jahrhunderte der Ungerechtigkeit wettmachen sollte. Es sollte ein Landbesitzgericht geben, das über Entschädigungen entscheidet sollte für alle, die enteignet worden waren. Um Konflikte zu vermeiden, wurden Grundbesitzer aufgefordert, ihr Land freiwillig an die Regierung zu verkaufen, damit es an diejenigen mit legitimen Ansprüchen zurückgegeben werden konnte. Eine Besitzreform sollte Menschen, die jahrzehntelang an Orten gelebt haben, die sie rechtlich nicht besaßen, formelle Eigentumsrechte zusichern. Und schließlich verpflichtete sich der A.N.C., innerhalb von fünf Jahren dreißig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes neu zu verteilen. Fünfundzwanzig Jahre später sind gerade mal acht Prozent verteilt. Weiße Südafrikaner besitzen 72 Prozent des Landes … Das Scheitern der Landreform ist einer der Gründe dafür, dass Südafrika zu den ungleichsten Gesellschaften der Welt gehört. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 37 Prozent. Nur dreizehn Prozent der Südafrikaner verdienen mehr als sechstausend Dollar im Jahr. Das Bildungssystem ist in Trümmern: Fast achtzig Prozent der Neun- und Zehnjährigen fehlt es an grundlegendem Leseverständnis. Um das Leid der Südafrikaner noch zu vergrößern, verschwanden unter Jacob Zuma rund siebzehn Milliarden Dollar aus der Staatskasse … Die aktuell geplante Landreform durch die Regierung beschränkt sich nicht nur auf die Frage der Enteignung, sondern versucht auch, Klimawandel, Dürre und Urbanisierung mit einzukalkulieren. 'Es geht nicht nur um Farmen', erklärt Vuyo Mahlati, Präsidentin der African Farmers Association of South Africa. 'Es geht um Städte, in denen 83 Prozent der städtischen Bevölkerung - hauptsächlich Schwarze - auf zwei Prozent des Landes leben.' Für sie ist die entschädigungslose Enteignung nicht nur eine moralische Frage dar, sondern auch eine finanzielle Notwendigkeit."

Außerdem: Joshua Yaffa porträtiert den russischen Arzt und Schriftsteller Maxim Osipov, der gern mit Tschechow verglichen wird. David Owen schreibt über Lärmbelästigung als ernst zu nehmendes Umwelt- und Gesundheitsproblem. Und Peter Schjeldahl besucht Fotoausstellungen von Garry Winogrand und Jeff Wall im Brooklyn Museum und bei Gagosian. Joyce Carol Oates liest den neuen Erzählband von Ted Chiang. Und Anthony Lane sah im Kino Jonathan Levines "The Long Shot" mit Charlize Theron und Seth Rogen.

Magazinrundschau vom 24.04.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker berichtet Mike Spies von den Problemen der National Rifle Association N.R.A. mit sich selbst: "Die N.R.A. ist in Schwierigkeiten; in den letzten Jahren verzeichnete sie jährliche Defizite von bis zu vierzig Millionen Dollar. Es ist nicht ungewöhnlich, dass gemeinnützige Organisationen zum Spenden aufrufen. Ungewöhnlich ist, dass solche Warnungen zur zentralen Tätigkeit der N.R.A. geworden sind. Auch wenn der Verband die Ausgaben für seine erklärte Kernaufgabe - Ausbildung und Sicherheit an der Waffe - auf weniger als zehn Prozent seines Gesamtbudgets reduziert hat, hat er seine Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit deutlich erhöht. Die N.R.A. ist heute vor allem ein Medienunternehmen, das einen Lebensstil fördert, bei dem es um die Liebe zur Waffe geht und darum, jeden zu verachten, der sie infrage stellt … Über ein Jahrhundert waren das Hauptanliegen der N.R.A. die Jagd, die Ausbildung an der Schusswaffe und die Sicherheit. 1977, ein Jahrzehnt nachdem das Schusswaffenkontrollgesetz den Verkauf von Schusswaffen eingeschränkt hatte, rissen aktivistische Vorstandsmitglieder die Kontrolle an sich und verwandelten den Verband in eine Interessenvertretung für die Rechte von Waffenbesitzern. Sie wussten, dass die neue Mission eine andere Art von Öffentlichkeitsarbeit erfordern würde. Zu diesem Zweck beauftragte man die PR-Agentur Ackerman McQueen; sie übernahm Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Branding, Unternehmenskommunikation, Veranstaltungsplanung, Webdesign, Social-Media und Digital Content Produktion und hat großen Einfluss auf die Initiativen der N.R.A. … Als ein bewaffneter Mann 2012 zwanzig Kinder und sechs Mitarbeiter der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut, ermordete, sagte N.R.A.-Chef Wayne LaPierre, der beste Weg, solche Gräueltaten zu verhindern, sei, bewaffnete Polizei vor den Schulen zu postieren. Obamas Kritik konterte Ackerman mit einer Anzeige, in der er festhielt, dass Obamas Kinder ja den Schutz des Geheimdienstes genießen würden."

Außerdem geht's ums Reisen: James Lasdun macht sich auf in den Norden Finnlands, nur um festzustellen, dass das Polarlicht gar nicht soo spektakulär ist wie auf all den Fotos. Lauren Collins geht auf kulinarische Entdeckungsreise durch Georgien. Nick Paumgarten fährt Ski in den Alpen. Rebecca Mead berichtet, wie Airbnb Barcelonas Einwohner plagt. Dan Chiasson huldigt Walter Gropius. Und Hua Hsu hört Weltmusik des Labels Sublime Frequencies.

Magazinrundschau vom 16.04.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erzählt Ben Taub die berührende Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Ex-al-Kaida-Terroristen Mohamedou Salahi und seinem ehemaligen Wärter in Guantánamo, Steve Wood, der schließlich zum Islam konvertierte und Pate von Salahis Sohn wurde: "Manchmal öffnete Wood Salahis Koran auf gut Glück und nannte ihm die Verszahl, und Salahi rezitierte laut aus dem Gedächtnis, zuerst auf Arabisch, dann auf Englisch. Es war das erste Mal, dass Wood mit dem Koran in Berührung kam. Er wollte Salahi mehr über den Inhalt fragen, aber er vermutete, dass es Mikrofone und Kameras in der Zelle gab. Außerhalb von Echo Special (Salahis Zellentrakt, d. Red.) begann Wood, auf aktivistischen Websites über Guantánamo zu lesen, aber ein Kollege warnte ihn, dass das Internet auf der Basis überwacht würde. Er fürchtete, seine Kollegen könnten seine immer komplexeren Gefühle für Salahi entdecken und ihn für unpatriotisch halten und verraten. 'Ich habe versucht, meine Zeit in Guantánamo moralisch neutral zu gestalten, ohne als Verräter zu gelten', so Wood. 'Ich hatte Angst, zu viele Fragen zu stellen, ich hatte Angst, ein Buch über den Islam zu lesen, während ich da drin war, oder zu viel Interesse zu zeigen.' Woods Bedenken waren nicht ungerechtfertigt. Während Salahi gefoltert wurde, entdeckte James Yee, der muslimische Militärkaplan, dass er und die Dolmetscher in Guantánamo - viele von ihnen waren muslimische Amerikaner aus Nahost - von Geheimdienstbeamten ausspioniert wurden … Im Oktober 2004 brachte Woods Freundin ihre gemeinsame Tochter Summer zur Welt. Sieben Monate später endete sein Einsatz. Bevor er Guantánamo verließ, gab er Salahi Steve Martins Roman 'The Pleasure of My Company'. Als Widmung schrieb er: 'Viel Glück für dich. Denk daran, dass Allah immer einen Plan hat. Ich hoffe, du siehst uns nicht nur als Wärter. Ich glaube, wir sind alle Freunde.' Aber er war sich nicht sicher, ob Salahi ihm glaubte."

Außerdem: D. T. Max stellt den Dramatiker Lucas Hnath und sein neues Broadway-Stück "Hillary and Clinton" vor. Elizabeth Kolbert konstatiert, dass die größten Verschwörungstheoretiker heute keine Outsider mehr sind, sondern unsere politischen Führer. Jennifer Homans porträtiert den Choreografen Akram Khanl, der gerade "Giselle" neu choreografiert hat. Julian Lucas liest Ian McEwans neuen retrofuturistischen Roman "Machines like me". Alex Ross stellt den Komponisten Tyshawn Sorey vor. Und Anthony Lane sah im Kino Robert Budreaus Film "Stockholm".

Magazinrundschau vom 02.04.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker schreibt Adam Gopnik über den amerikanischen Bürgerkrieg und seine Folgen für die Schwarzen. Während der Wiedereingliederungsphase der Südstaaten in die USA zwischen 1861 und 1877 gab es die trügende Hoffnung auf ein Ende der Rassentrennung: "Bis vor kurzem wurde der Bürgerkrieg als das zentrale moralische Drama dieses Landes angesehen. Jetzt denken wir, dass seine Folgen - die Konfrontation nicht von Blau und Grau, sondern von Weiß und Schwarz, und die Wiedereinführung der Apartheid durch Terror - die tiefste Spur in der amerikanischen Geschichte hinterlassen haben. Anstatt darüber zu streiten, ob der Krieg anders hätte verlaufen können, streiten wir darüber, ob die Nachkriegszeit anders hätte verlaufen können. Gab es jemals eine echte Chance für eine volle schwarze Staatsbürgerschaft, für Gleichheit vor dem Gesetz, für eine Agrarreform? Oder hat die Kombination aus Feindseligkeit und Gleichgültigkeit unter den weißen Amerikanern die Katastrophe unvermeidlich gemacht? Henry Louis Gates Jr. nimmt in seinem neuen Buch 'Stony the Road: Rekonstruktion, weiße Vorherrschaft und der Aufstieg von Jim Crow' zu Recht an, dass diese Frage in der Post-Obama- oder Mid-Trump-Ära besonderes Gewicht hat. Er vergleicht die rosige Zuversicht 2008, dass der Schandfleck des amerikanischen Rassismus mit der Wahl eines schwarzen Präsidenten verblassen würde, mit kurzlebigen Hoffnung von 1865, dass all das Leiden des Krieges zwangsläufig zu bürgerlicher Gleichheit führen würde. Stattdessen schien das Auftreten afroamerikanischer Ermächtigung jedoch die Wut einer weißen Mehrheit nur zu vertiefen. Es folgte der Klan-Terror und Jim Crow im Süden und mit Trump der zweifellos rassistischste Präsident seit Woodrow Wilson, der sich offen an eine weiße revanchistische Basis wendet. Es ist eine deprimierende Aussicht, und Gates lässt seiner Depression freien Lauf."

Weitere Artikel: Louis Menand stellt ein Buch vor, das sich mit der Messbarkeit von Talent befasst. Douglas Preston besucht einen Paläontologen, der Spuren des Asteroiden entdeckt hat, der die Dinosaurier ausrottete. Und Anthony Lane sah im Kino Harmony Korines "The Beach Bum".