
Im Debattenteil wird eine Studie des
Islamwissenschaftlers Gilles Kepel vorgestellt, die sich mit der
"Fitna", dem
"Krieg im Herzen des Islam" beschäftigt (Gallimard).
Djihad und Fitna, erfahren wir, bilden ein Paar. Während der Djihad eine "positive Bewegung" mit dem Zweck der
Verbreitung des Islam sei, stelle die Fitna "das
Chaos im Kern der gläubigen Gemeinde" dar, das die "Gewalt ins Innere der islamischen Welt" projiziere und zu ihrem "Ende" zu führen drohe. Für Kepel begannen seine Auseinandersetzungen mit diesem Thema vor zwanzig Jahren nach einem Gespräch mit einem
weiblichen Mitglied der
Gruppe Freres musulmans in Ägypten. "Sie erklärte, dass die
Rückeroberung von Andalusien ein vorrangiges Ziel der Muslime sei. Dieser Anspruch erschien mir vollkommen
grotesk. Später, während des Kriegs in Afghanistan, erklärte dann ein Vertreter des Dschihad, dass nun die Stunde gekommen sei, die derzeit
von Gottlosen besetzten islamischen Länder zurückzuerobern: das von den Russen besetzte Afghanistan, das von den Juden besetzte Palästina und, unter anderem, das von den Christen besetzte Andalusien."
In einem weiteren Debattenbeitrag
erläutert der in Kenia geborene Mitgründer der israelischen Organisation
Gush Shalom (Friedensblock),
Oren Medicks, seine Forderung, wonach die "Diaspora den
Kampf gegen den Antisemitismus nicht mit der blinden Verteidigungshaltung des israelischen Staates Israel verwechseln" dürften. Die
Juden in der Diaspora sollten sich vielmehr "ohne Scheu und Komplexe, ohne in die Falle des Gedankens zu geraten, ihre
Solidarität mit Israel stünde auf dem Spiel" für Friedensverhandlungen einsetzen. Das wäre "ein Beweis wahrer und vernünftiger Solidarität" - im Gegensatz zu dem "Glauben, Konzessionen gegenüber der israelischen Politik stellten die einzig wirksame Strategie gegen den Antisemitismus dar".
In der
Abteilung Livres geht es in dieser Woche sehr privat und (auto)biografisch zu. Mit einem Porträt und Interview wird der katalalanische
Schriftsteller Enrique Vila-Matas vorgestellt, der jetzt seine Erinnerungen an zwei Jahre in Paris vorlegt, in denen er in
Marguerite Duras? Dienstmädchenkammer wohnte (
"Paris ne finit jamais", Christian Bourgois). Besprochen werden ein
Band über die
"Indiskretion der Brüder Goncourt" von Roger Kempf (Grasset), eine
Biografie der
Ehefrau von de Sade (
"Renee-Pelagie, Marquise de Sade" von Gerard Badou, Payot) und eine
Biografie der
Mutter von Marcel Proust (
"Madame Proust" von Evelyne Bloch-Dano, Grasset), ein
Pro und Contra verhandelt den Roman
"La Rebelle" von Benoit Duteurtre (Gallimard).