
Die "Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde" (DGO), die unter anderem die renommierte Zeitschrit
Osteuropa herausbringt, ist von Russland als "extremistisch" eingestuft worden (
unser Resümee). Nun stellt sich heraus, dass
die E-Mails der vom Auswärtigen Amt finanzierten DGO gehackt worden sind - höchstwahrscheinlich von Russland. So zeigt sich, dass die russische
Einstufung als "
extremistisch" reale Folgen für Organisationen auch im Westen hat, meint Niklas Zimmermann in der
FAZ: "Die Folgen der Einstufungen gehen weit über Cyberangriffe hinaus. Forscher nähmen
nicht mehr an Kongressen teil, weil sie Familie in Russland hätten und diese nicht in Gefahr bringen wollten, sagt DGO-Sprecher Sebastian Lambertz der
FAZ. Manche hegten auch Befürchtungen, dass mit Russland befreundete Staaten, etwa in Zentralasien, russischen
Auslieferungsgesuchen nachkommen könnten. Die DGO rät - im Einklang mit Reisewarnungen des Auswärtigen Amts - grundsätzlich von Reisen nach Russland ab." In der Zeitschrift Osteuropa findet sich
ein Gespäch mit dem Osteuropahistoriker
Johannes Rohr zum Thema. Für großen Ärger bei den Russen sorgte offenbar eine
Nummer der Zeitschrift über "Die
Völker Russlands".
Der
Krieg gegen die Ukraine kostet viele Opfer, auch auf russischer Seite. Fehlenden Nachschub an Freiwilligen muss die russische Armee jedoch nicht fürchten,
schreibt Sonja Margolina in der
NZZ. Der für russische Verhältnisse üppige Sold und die hohe Verschuldung vieler Menschen sorgen dafür. "Das Töten von Menschen und die Möglichkeit des eigenen Tods hält die 1983 in Leningrad geborene Journalistin und Dichterin Xenia Bukscha in ihrem Aufsatz 'Ökonomie der Verzweiflung' in der
Nowaja Gaseta für eine durchaus
rationale ökonomische Wahl. ... Vor diesem Hintergrund ist auch die selbst im Vergleich mit armen Entwicklungsländern ungewöhnlich niedrige Lebenserwartung der russischen Männer zu erklären. Im Jahre 2022 verloren 70 000 ihr Leben an Wodka, Drogen und Selbstmord. Glaubt man den offiziellen Zahlen der russischen Opferzahlen in der Ukraine, dann scheint der Krieg weniger verlustreich zu sein als der Frieden, in dem die in die sozialökonomische Sackgasse geratenen Männer mittleren Alters
an Verzweiflung sterben."
Drei ostdeutsche Ministerpräsdenten, die sich bei BSW-Führerin
Sahra Wagenknecht einschmeicheln wollen, haben neulich in der
FAZ gefordert, dass Deutschland diplomatische Friedensinitiativen gegenüber Russland ergreift (unser
Resümee). Solche Initiativen stehen aus der Sicht des Kremls für
Schwäche, meint der Russland-Korrespondent der
FAZ Friedrich Schmidt: "Moskau wertet sie als Indiz dafür, dass die Unterstützung für Kiew schwindet. Aus politischen Entwicklungen wie den jüngsten Wahlerfolgen von
AfD und BSW und dem Sieg der
FPÖ in Österreich leitet man ab, dass 'die
ukrainische Lobby in Europa schwächer wird', so die Staatsnachrichtenagentur
Ria. 'Die herrschenden Eliten müssen auf die Stimmungen der Wählerschaft Rücksicht nehmen und ihre Außenpolitik korrigieren. Sonst erhält die Opposition die Macht.'" Dass Putin sich auf irgendwelche Gespräche enlässt hält Schmidt für äußerst unwahrscheinlich: "Putin wirkte selbst zu Zeiten, in denen es schlechter für seine Invasoren lief, nicht, als ob er einen Ausweg suche."
Als Sensation wurde ein TV-Duell der beiden populistischen Politikerinnen
Sahra Wagenknecht und
Alice Weidel gehandelt, das vom Fernsehsender der
Welt organisiert wurde. Paul Ingendaay hat es sich für die
FAZ angesehen: "Die Positionen beider sind ja sattsam bekannt,
ein Papagei hätte die Aufgabe übernehmen können. ... Wenig überraschend, fabelten beide Politikerinnen wieder von einem '
Verhandlungsfrieden' im Ukrainekonflikt, als müsse man nur 'miteinander reden', und übertrugen das Modell auf die 'Zweistaatenlösung' in Nahost. Reden ist immer gut. Die
Empathie mit Israel hielt sich in engen Grenzen." Ein unheimlichen Aspekt spricht Ingendaay nur ein passant an: "Dieses Duell, es war auch
ein Werben der einen populistischen Partei um die andere." In der
SZ bewundert Susan Vahabzadeh die Souveränität Wagenknechts verglichen mit Weidel.
Der Wiener
Falter schaltet
einen Artikel frei, in dem Nina Horaczek die kommenden
Abgeordneten der FPÖ im Wiener Parlament vorstellt - ein Gruselkabinett aus Burschenschaftlern, Querdenkerinnen und fundamentalistischen Hayek-Fans, an dem Karl Kraus seine grimmige Freude hätte. Ein Beispiel: "Früher sah man sie in 'Bingo' und 'Millionenrad' im
ORF. Seit 2021 tritt
Marie Christine Giuliani-Sterrer, 59, für die FPÖ auf Youtube auf. Zu den Freiheitlichen habe sie die
Corona-Pandemie gebracht, verriet die Moderatorin und Psychotherapeutin vor einigen Jahren dem Kurier. Die FPÖ-Sendungen, die sie auf Youtube stellt, tragen Titel wie 'Fit und agil - bis zur Coronaimpfung', 'Impfopfer werden ausgelacht' oder 'Gewalt durch Migration'. In ihrer FPÖ-Serie 'Freisprech TV' wird behauptet, die Covid-Schutzimpfung würde einen
schnell wachsenden Gehirntumor auslösen."