Die
Gruppe Wagner unter Putins Terror-Warlord Jewgeni Prigoschin hat offenbar die Kleinstadt
Soledar eingenommen und droht nun mit der Umzingelung der strategisch wichtigen Stadt Bachmut,
berichtet unter anderem Andreas Rüesch in der
NZZ. Für Putins Truppen handelt es sich um einen unter ungeheuren Opfern errungenen
symbolischen Sieg, so scheint es: "Tatsächlich gibt es zahlreiche Hinweise auf
unverhältnismäßige Verluste auf russischer Seite. Im Internet kursieren grausige Bilder von winterlichen Feldern bei Bachmut, die mit Leichen russischer Soldaten übersät sind. Westliche Beobachter erkennen eine deutliche Abnahme der Intensität von Russlands Artillerieangriffen; offenkundig
harzt der Nachschub, so dass die Angreifer die Munition sparsamer einsetzen."
Die Stadt Bachmut zeigt jetzt schon ein Bild
totaler Zerstörung:
Karl Schlögel antwortet im Gespräch mit Claudia von Salzen vom
Tagesspiegel (hinter Paywall) unter anderem auf den Rechtsprofessor
Reinhard Merkel, der in einem sehr umstrittenen
FAZ-Text behauptete, die Ukraine habe eine moralische Pflicht, dem Angreifer Konzessionen zu machen (unsere
Resümees): "Merkel weiß offensichtlich nichts über die Ukraine. Er behauptet, die Lage auf der Krim sei befriedet. Dieser Mann hat
keine Ahnung davon, was auf der Krim passiert ist - es hat einen
Bevölkerungsaustausch gegeben, die dort noch lebenden Ukrainer werden unterdrückt. Wer behauptet, dass die Krim jetzt russisches Territorium sei, legitimiert noch einmal den Völkerrechtsbruch. Reinhard Merkel landet bei der
ungeheuerlichen These, dass die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine einem Angriff auf Russland gleichkomme. Das ist eine Umkehr der Opfer-Täter-Beziehung."
Mit Hilfe des PEN-Berlin, mit vielen Spendenaufrufen,
auch im
Perlentaucher, und mit viel Arbeit und Mobilisierung hat
Ralf Bönt auf eine Anregung von
Serhij Zhadan geantwortet und einen
Feuerwehrwagen mit Generator und vielen anderen wichtigen Gerätschaften mobilisiert, um ihn in die Ukraine zu bringen. Heute erzählt er in der
SZ davon: "Bald beschäftigten mich Zugmäuler von Anhängern, Normen von Zurrösen für Spanngurte,
Abdeckplanen in seltenen Maßen, Sonderfahrerlaubnisse für Sonderfahrzeuge mit Signalanlage. Alle paar Tage bestellten wir einige der reservierten Generatoren, der Anhänger war vorsorglich groß genug. Dann Ausfuhrzollerklärungen, Einfuhrzollerklärungen, Versicherungen der Empfänger für rein zivile Nutzung, Anerkenntnis der ukrainischen Botschaft einer humanitären Hilfe, damit die Wartezeit an der Grenze keine zwei Tage beträgt."
Annalena Baerbock will das
Bismarck-Zimmer in dem an fatalen Traditionen reichen Auswärtigen Amt umbenennen? Recht so, findet
SZ-Redakteur Joachim Käppner: "Gerade
Bismarcks Erfolge zeigen den historischen Mann als jenen, der er wirklich war: einen der klügsten, machiavellistischsten Köpfe unter den Reaktionären und Feinden der Demokratie, der Sozialisten und Katholiken brutal verfolgen ließ; den
Schöpfer eines Obrigkeitsstaates, der sich von den Demokratien des Westens immer rascher entfernen sollte; als den Außenpolitiker, der - wenn auch etwas widerwillig ('Ich will auch gar keine Kolonien') - das Reich auf der Berliner Konferenz von 1884 mit in das Verbrechen des europäischen Kolonialismus stieß."
Der ist zwar schon vier Tage alt aber immer noch interessante Lektüre: Emine Sinmaz
porträtiert im
Guardian in einem
longread mehrere
schwarze Tory-
Abgeordnete: Wilfred Emmanuel-Jones, Samuel Kasumu und Festus Akinbusoye, Gründer der
2022 Group, die sicherstellen will, dass
Kwasi Kwarteng nicht der letzte schwarze Schatzkanzler in Britannien gewesen sein wird. Auch wenn er nur kurz im Amt war: "Die Symbolkraft des kurzen Moments im letzten Herbst, in dem keines der vier großen Staatsämter mit einem Weißen besetzt war, ist unbestreitbar. Kwarteng, der als Sohn ghanaischer Eltern im Osten Londons geboren wurde, war der vierte Farbige in Folge, der das Amt des Schatzkanzlers bekleidete.
James Cleverly, dessen Mutter aus Sierra Leone stammt, wurde der erste schwarze Außenminister des Landes.
Suella Braverman, die Tochter eines Kenianers mit christlicher Goan-Herkunft und einer Mauritierin indischer Herkunft, war die dritte farbige Innenministerin in Folge, während
Kemi Badenoch, die als Tochter nigerianischer Eltern im Südwesten Londons geboren wurde, Handelsministerin wurde. Am bemerkenswertesten ist vielleicht, dass diese neue Ära der Vielfalt an der Spitze der Regierung
nicht von Labour, der Partei, die traditionell als natürliche Heimat für Minderheitenwähler gilt, sondern von den Konservativen eingeleitet wurde. Nach dem Eklat um sein Mini-Budget spottete Kwarteng über die Leistungen der Opposition in Sachen Vielfalt. "Wenn man sich die letzten zehn Jahre ansieht, ist die konservative Partei
ethnisch viel vielfältiger als die Labour-Partei, und sie halten uns Vorträge über Vielfalt. Sie belehren uns über die Geschlechtervielfalt, obwohl sie
noch nie eine Frau an der Spitze hatten; wir hatten drei weibliche Premierminister", sagte er der
Mail on Sunday. "In Bezug auf Geschlecht, Rasse und all diese Dinge, von denen sie glauben, dass sie ihnen gehören, versagen sie und sind rückständig, und die Konservative Partei ist viel fortschrittlicher." Was die Mitgliederzahlen der Parteien insgesamt angeht, ist es allerdings umgekehrt.