In der
New York Times erklärt Natan Sharansky, ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Menschenrechtlers
Andrej Sacharow, warum Sacharows vor 50 Jahren erschienener Essay "Wie ich mir die Zukunft vorstelle : Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit" heute immer noch von großer Bedeutung ist: Sacharow hatte aufgerufen, die
Menschenrechte nicht nur im eigenen Land für unverzichtbar zu erachten, sondern auch
überall sonst auf der Welt: "Trotz der dramatischen Unterschiede zwischen Donald Trump und Barack Obama folgt Präsident Trump bei der Trennung der Menschenrechte von der Außenpolitik dem Beispiel von Präsident Obama.
Obama hat immer wieder mit diktatorischen Regimen zusammengearbeitet, statt ihre Menschenrechtsbilanz in Frage zu stellen. Sein Eifer, einen
Atomvertrag mit dem Iran abzuschließen, schwächte seine moralische Stimme während der Grünen Revolution 2009. Und er weigerte sich, den diplomatischen Fortschritt von der Forderung abhängig zu machen, dass der Iran den
Terror weltweit nicht mehr unterstützt oder sein eigenes Volk zu Hause hinrichtet.
Trump hat Amerikas menschenrechtsfreie Außenpolitik in absurde Höhen getrieben. Seine Behauptung, die
Nordkoreaner unterstützten Kim Jong-un mit 'großer Leidenschaft', untergrub Amerikas moralisches Ansehen, sabotierte nordkoreanische Dissidenten und legitimierte einen bösen Diktator. ... Die Weisheit von Sacharows Aufsatz mag heutzutage nicht in Mode sein, aber
die Wahrheit, die er enthält, ist ewig."
Der
Kern von 68, erklärt der Soziologe
Heinz Bude im
Interview mit der
taz, war, "dass sich die Dinge nicht von selbst verstehen. Man kann anders sein, sein Leben experimentieren, man kann sogar, wenn man will, konservativ sein. Man muss sich
dafür aber entscheiden. 68 war ein Happening, das vieles denkbar und lebbar machte. Die einen hatten auf der Suche nach dem richtigen Leben immer den Adorno dabei, die 'Minima Moralia', die anderen hörten auf Jefferson Airplane, die Doors oder Velvet Underground. Was sie einte, war eine ungeheure
Sehnsucht nach Welt." Und das fehlt ihm heute. "Eine Idee für das Andere, auch wenn sie wirr und unausgegoren ist, muss man schon haben. Insofern ist das Erbe von 68 nicht weg. Befreiung muss
immer wieder neu durchdekliniert werden."