Im
Interview mit dem
Freitag macht der norwegische Wirtschaftswissenschaftler
Karl Ove Moene einen Vorschlag, wie man der wachsenden
Ungleichheit zwischen Arm und Reich begegnen könnte: Alle Länder müssten
zehn Prozent ihres Nationaleinkommens als Grundeinkommen an ihre Bevölkerung verteilen, die UN soll es überwachen. Das können sich nur reiche Länder leisten? Stimmt nicht, meint Moene: "Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war Norwegen das
ärmste Land in Europa, ein Außenseiter mit niedrigen Lebensstandards, irgendwo hoch oben am Nordpol. Jetzt ist es das reichste Land in Europa. Es hat mehr Wirtschaftswachstum als andere europäische Länder - auch wenn man das viele Öl außer Acht lässt. Norwegen fing nicht an umzuverteilen, als es reich wurde, es wurde
reich,
weil es umverteilte."
Alex Rühle
besucht für die
SZ Théophile de Giraud, den Vordenker der
Antinatalisten, die ein Ende der menschlichen Fortpflanzung wollen, um die Erde vor der Überbevölkerung zu retten. Schon jetzt verbrauchen wir zu viele Ressourcen: De Giraud hat in diesem Zusammenhang den zwar nicht wirklich schönen, aber doch treffenden Neologismus 'Surpollupopulation' (aus Pollution für Verschmutzung und surpopulation für Überbevölkerung) geprägt. Außerdem, so de Giraud, sei der Mensch ja augenscheinlich nicht dazu in der Lage, sein Verhalten zu ändern. Im Gegenteil. Obwohl wir wissen,
wie schädlich unser konsumptives Verhalten ist, verbrauchen wir immer noch mehr."
Der australische Philosoph
Peter Singer hält im
Interview mit der
FR an einer weitestmöglichen Auslegung der
Meinungsfreiheit fest, denn: wie soll man ohne Gegenrede seine eigenen Argumente überprüfen? Einzige Einschränkung: "Ich unterstütze Gesetze
gegen rassistische Verunglimpfung, da die Verunglimpfung ein Versuch ist, Hass zu schüren, indem man sich an unsere Emotionen wendet. Sorgfältige wissenschaftliche Diskussionen darüber, ob es Unterschiede zwischen Rassen gibt, sollten jedoch nicht mit Versuchen, Rassenhass zu schüren, gleichgesetzt werden."
Was
darf Karikatur? Darüber streiten im
Freitag Jürgen Roth und Sophie Passmann. Anlass ist die Entlassung des Chef-Karikaturisten der
Süddeutschen Zeitung,
Dieter Hanitzsch, dem wegen einer Netanjahu-Karikatur
Antisemitismus vorgeworfen wurde. "Der
SZ-Feuilletonchef Andrian Kreye soll gefordert haben, bei 'Karikaturen künftig ganz auf das Stilmittel der
Überzeichnung zu verzichten, um solche rassistischen Stereotype zu vermeiden', liest man nach den Hanitzsch-Turbulenzen. Nähme man Kreye beim Wort, wäre die komische Kunst in jeglicher Spielart aus der Welt, für immer",
meint Jürgen Roth, der solche Absichten dem "
Diversity"-
Mantra einer "verrückt gewordenen, ungebildeten, moralpolitisch verhärteten, feindfixierten postmodernen Linken" anlastet.
Ach ja, der
Altherrenstammtisch der weißen Männer hat Angst vor "Denkverboten",
höhnt Sophie Passmann zurück. Die kapieren einfach nicht, dass sich die Welt geändert hat und man heute auf Anstand hält: "Die meinungs- und diskursbildende Öffentlichkeit besteht nicht mehr nur aus
feixenden Herren, die recht unbeschadet durch die Welt schreiten und deswegen Zeit für etwas Ulk haben. Es gehört sich,
Rücksicht auf Minderheiten zu nehmen und auf Gruppen, die in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten durch Sprechverbote, Unterdrückung, Marginalisierung oder sogar Vernichtung stumm gemacht wurden. Es ist das
einzig Zeitgemäße."
Außerdem: In der
NZZ macht der Literaturwissenschaftler Adrian Daub das Internet fürs
Trolling verantwortlich. Und Andrian Lobe
gruselt sich bei einem Vortrag des Starphysikers
Michio Kaku in Boston über den "menschlichen Körper als nächster digitalisierter 'Industrie'".