Die
Präsidentschaftswahlen in den USA in der nächsten Woche sind keine normalen Wahlen, versichert der Historiker
Timothy Snyder im Interview mit der
SZ: "Es geht um
einen Regimewechsel und nicht nur um einen normalen Wahlkampf zwischen zwei Kandidaten", sagt er und ist sich ganz sicher, dass Trump
nicht kampflos abtreten wird. "Trump wird die Wahl verlieren, und es wird nichts klar sein am 3. November. Er hat für viel Chaos gesorgt, auch bei der Post, und das Wahlsystem gilt als diskreditiert. Er wird vorgeben, dass es
eine Notsituation ist - auch wenn es das nicht ist. In seiner aggressiven Art wird er dann seine Anhänger zu gewalttätigen Aktionen anstacheln. Dann wird er den Obersten Gerichtshof aufrufen, den Auszählungsprozess zu stoppen. Basierend auf der Logik, dass es diese gewalttätigen Ausschreitungen gibt."
Überall in
Westafrika protestiert die Jugend gegen ihre greisen Herrscher, ob in Nigeria, Mali oder der Elfenbeinküste. Dominic Johnson
vergleicht die Proteste in der
taz mit dem
arabischen Frühling - und sie haben ebenfalls mit Demografie zu tun: "Die Unruhe auf den Straßen von Lagos und Bamako, von Abidjan und Conakry ist ein Wetterleuchten vor einer strukturell unruhigen Zeit, die sehr gefährlich werden könnte. Westafrika ist die jüngste Region der Welt, das
Durchschnittsalter seiner 400 Millionen Einwohner liegt bei
18 Jahren. Jedes Jahr kommen zehn Millionen dazu - zehnmal mehr als in der EU, das jetzt nur noch wenig Jahre vorne liegen wird, mit 440 Millionen. Das Bruttoinlandsprodukt aller Länder Westafrikas zusammengenommen ist allerdings kleiner als das
der Schweiz."
Auch in
Thailand gehen seit Wochen vor allem junge Menschen auf die Straße, ebenso nach wie vor in
Hongkong und in
Taiwan. Inzwischen bilden sie sogar
Allianzen,
berichten Rebecca Ratcliffe, Emma Graham-Harrison und James Chater im
Guardian: "Hongkong hat nicht nur in Bangkok für Inspiration gesorgt. In den letzten Monaten hat sich eine
unerwartete Solidarität zwischen jungen Demonstranten und Aktivisten in ganz Thailand, Taiwan und Hongkong entwickelt, zunächst online, aber nun zunehmend auch in Protesten auf den Straßen, in Gerichtshöfen und auf den Korridoren der Macht. Ihre Kämpfe sind ernst zu nehmen, gegen Regierungen mit einer rücksichtslosen Erfolgsbilanz bei der
Niederschlagung von Dissens. Aber das Symbol der informellen Koalition Ostasiens ist spielerisch, ein einfaches Getränk, das an allen drei Orten genossen wird und die Protestierenden dazu veranlasst, ihre unwahrscheinliche grenzüberschreitende Unterstützung als 'Milk Tea Alliance' zu bezeichnen."
Die
Ultraorthodoxen konnten einen partiellen Lockdown in
Israel verhindern,
berichtet Richard C. Schneider bei
libmod.de. Netanjahu hängt von den Ultraothoxen politisch ab und lässt ihnen alles durchgehen. "Diejenigen Israelis, die aber brav zuhause ausharrten, fühlten sich
verraten und verkauft. Denn die Ultraorthodoxen, die gerade mal 11 Prozent der Bevölkerung stellen, machen
40 Prozent der Corona-Kranken aus. Und auch während des generellen Lockdowns waren ihnen die Anordnungen ziemlich egal. Der große Bibi, wie Israelis ihren Premier nennen, war machtlos, drückte alle Augen zu. Und bekam nun noch die Ohrfeige mit der Wiederöffnung der Cheders und Jeshivot, der Religionsschulen. Was sich hier endgültig herauskristallisiert: Israel ist nicht nur ein gespaltenes Land, es besteht eigentlich
aus zwei Staaten."
Kirchengemeinden waren in den USA mal recht demokratisch verfasst, heute ähneln sie eher
großen Unternehmen (die überdies steuerbefreit sind) und neigen zu
Autoritarismus, also auch zu Trump,
sagt der amerikanische Soziologe
Philip Gorski im Gespräch mit Kristian Teetz bei
rnd.de: "Heutzutage sind die Kirchengemeinden wesentlich größer geworden. Manche stehen unabhängig von irgendwelchen Strukturen, das sind die sogenannten Freikirchen. Die drehen sich jeweils um
einen wahren Starpastor, der gleichzeitig auch Großunternehmer ist. Ein Pastor, der nicht nur seine Schafe pflegt, sondern auch im Fernsehen auftritt oder Immobilien verwaltet. Diese Pastoren gleichen mehr einem CEO als einem Seelsorger."