Amerika steht vor "den folgenreichsten Wahlen im Leben aller heutigen Bürgerinnen und Bürger", und doch liegt eine
seltsame Stille über der Gesellschaft, schreibt der
Schriftsteller Richard Ford in der
FAZ, durch die der jüngste Tumult nur wattig hervordringt. Sie sei "wie die Stille
vor einer Schlacht", und es sei, "als säßen wir Amerikaner
alle in Wartestellung da. Wir warten ab, wer gewinnt - das auf jeden Fall. Aber wir warten auch, voller Sorge, was als Nächstes mit uns passiert. Als läge im Stillen
eine Schicht Eis unter der hektischen amerikanischen Flickendecke und hätte uns alle fest im Griff. Die meisten Wähler haben sowieso schon entschieden, wie sie abstimmen wollen, und achten kaum noch auf die Presse oder folgen dem Tagesgeschehen im Fernsehen. Corona hat, unvermeidlich, unser Zeitgefühl verändert und uns in eine lange, gespenstische Gegenwart versetzt."
Die bekannte saudische Regimekritikerin
Madawi al-Rasheed hat im Londoner Exil eine Partei gegründet und
fordert im Gespräch mit
taz-Redakteur Jannis Hagmann eine Demokratisierung Saudi-Arabiens. An einen allmählichen Wandel glaubt sie nicht. Den Modernisierungsmaßnahmen des Prinzen
Mohammed bin Salman (MBS) traut sie nicht über den Weg: Frauen dürfen inzwischen zwar Auto fahren, aber die Aktivistin, die das forderte, ist im Gefängnis. Wenn der Wandel kommt, so al-Rasheed, dann von den Frauen: "Die feministische Bewegung hat eine
zentrale Kluft in der saudischen Gesellschaft überwunden. Sie ist weder eine
regional oder tribal geprägte noch eine konfessionelle oder islamistische Opposition. Diese Aktivist*innen haben nationale Politik gemacht und Menschen aus unterschiedlichen Milieus mobilisiert, um politische und bürgerliche Rechte sowie Geschlechtergerechtigkeit einzufordern." Im Gespräch äußert sie sich übrigens auch kritisch über den ermordeten
Jamal Khashoggi, der ein Mann des Systems gewesen sei, wenn auch abrünnig.
Am
18.
Oktober endet das UN-Waffenembargo gegen den
Iran. Was hat es gebracht? Nichts,
meint der Remko Leemhuis, Direktor des American Jewish Committee (AJC) Berlin, der darin auch ein Scheitern der
europäischen Nahostpolitik sieht. Denn das Auslaufen war Teil des Atomdeals, der auf die
Reformer im Iran setzte. Doch Reformer im eigentlichen Sinne gebe es im Iran nicht: "Teheran verfolgt unter dem Schutz des Wiener Abkommens seine
hegemonialen Ambitionen aggressiver und brutaler denn je und agiert auch innenpolitisch
extrem gewaltsam gegen jegliche Form von Opposition. ... Das Letzte, woran die Mullahs Interesse haben, sind stabile, womöglich noch sich demokratisierende Staaten in der direkten Nachbarschaft. Mit dem Auslaufen des Waffenembargos ist davon auszugehen, dass Iran seine Milizen in der Region
mit hochentwickelten Waffen ausrüsten und seine regionale Aggression weiter vorantreiben wird. Das sind schlechte Nachrichten für den Nahen Osten und die Voraussetzungen für noch mehr Blutvergießen."