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Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.07.2003. In der einem gemeinsamen SZ-Artikel sprechen sich Timothy Garton Ash und Ralf Dahrendorf vehement gegen Habermas' "Kerneuropa" aus, das sie als "Anti-Amerika" begreifen. Die NZZ spricht mit Arthur Miller, und er sagt: "Ja - o ja." Die FR erzählt eine Chronik der amerikanischen Comicrächer. Die taz hält ein ergreifendes Plädoyer für Maxim Biller.

NZZ, 05.07.2003

Ach, Literatur und Kunst: Wir lieben diese Beilage!

Jörn Jacob Rohwer unterhält sich in 18.792 Zeichen (wie das Word-Programm meldet) mit Arthur Miller. Wir suchen natürlich gleich nach der Passage über Marilyn Monroe:

Frage: "Über Marilyn Monroe haben Sie geschrieben, dass alles, was es über sie zu sagen gab, in ihrem Blick, in ihren Augen lag."

Antwort: "Ja - o ja."

Und ein bisschen später: " Wissen Sie, wenn ich auch nur ein Wort über Marilyn sage, wird es zum Zentrum dieses Interviews. Alles andere wirkt dann wie eine Fußnote." Zum Interview gehört auch eine Besprechung von Arthur Millers Essays aus über fünfzig Jahren.

Ziemlich faszinierend liest sich auch, was Peter Niklas Wilson über die Musik der "New Complexity" schreibt, zu der etwa neue Komponisten wie die Briten Michael Finnissy, James Dillon, Chris Dench und Richard Barrett zählen. Es handelt sich um eine neue Ars subtilior, schreibt Wilson, der gleich die Frage anschließt: "'New Complexity' - manieristischer Sonderpfad einiger Besessener?" Denn weder Hörende noch Musizierende können diese Musik wirklich nachvollziehen. Niklas beschreibt es so: "Wo selbst Solostücke für Blas- oder Streichinstrumente auf mehreren Notensystemen notiert sind, deren jedes autonome, mit den anderen Dimensionen des Spiels völlig asynchrone Vorschriften für Fingerbewegungen beider Hände, für Dynamik, Artikulation, Klangfarbe enthält, wo allein die verschachtelten rhythmischen Ebenen so kompliziert sind, dass der Griff zum Taschenrechner unerlässlich wird, da ist das traditionelle Band zwischen lesendem Begreifen der Notenschrift und motorischem Nachvollzug der mental erfassten Strukturen endgültig durchschnitten."

Und weiter in Literatur und Kunst: Peter Hagmann unterhält sich mit dem Komponisten Beat Furrer über seine Oper "Invocation" nach Marguerite Duras, die morgen in Zürich uraufgeführt wird. Elisabeth Schwind schreibt über die Aufführungspraxis von Luigi Nonos "Prometeo". Und es werden einige Bücher besprochen, darunter Erzählungen von Dorothy Parker und A. L. Kennedy.

Im Feuilleton unternimmt Martin Meyer Stadtgänge in Istanbul. Besprochen werden eine Ausstellung mit Meisterwerken der Ferrareser Malerei in Dresden und wiederum einiger Bücher, darunter Machado de Assis' Roman "Die nachträglichen Erinnerungen des Bras Cubas", der mit einem Vorwort von Susan Sontag bei Manesse erschienen ist.

SZ, 05.07.2003

"Wir sind Kantianer", erklären stolz Ralf Dahrendorf (mehr) und Timothy Garton Ash (mehr) in ihrer Antwort auf Jürgen Habermas und Jacques Derrida. "Wie Kant wollen wir eine allgemein das Recht verwaltende bürgerliche - und am Ende weltbürgerliche - Gesellschaft, die für immer unvollkommen und konfliktreich, aber vor allem offen ist." Habermas und Derrida dagegen verwechseln "Kant mit Rousseau", behaupten die beiden. Als Kantianer sind Dahrendorf und Ash zwar auch der Auffassung, Europa müsse erneuert werden, aber nicht als ein "Anti-Amerika"! "Nein, die Triebkraft europäischer Erneuerung muss jene angewandte Aufklärung sein, die Europa und Amerika verbindet - und immer mehr Menschen und Staaten in der Welt für sich durch Erfolg und Überzeugungskraft gewinnt. Die kantische Hoffnung auf eine Weltinnenpolitik ist die Lichtseite der Globalisierung. Dabei sind spezifisch europäische Ansätze und Errungenschaften sehr wohl zu bedenken. Sie können auch vorbildlich sein. Wir nennen nur einige ..."

Auf der Literaturseite lesen wir die gekürzte Fassung eines Vortrags, den Martin Walser (mehr) zur Eröffnung des Richard Strauss-Symposions in Garmisch-Patenkirchen hielt. "Vorher mußten die Frauen sich unseren Don Juan-Mythos gefallen lassen. Jetzt sind wir dran, uns die Mythen Zerbinetta und Helena gefallen zu lassen. Und zuzugeben ist: Singend bringt einen Helena fast herum. Sie findet Töne von glorioser Innigkeit, um Menelaos erlebbar zu machen, daß sie jetzt, was auch immer mit wem auch immer war, daß sie jetzt ist, was sie jetzt ist: die Seine."

Weitere Artikel: Andrian Kreye informiert uns über humane Taubenabschreckungsmethoden in New York: Wüstenbussarde. Martin Kohl blickt besorgt nach Frankreich, wo ein Arbeitskampf der intermittents die Kulturfestivals bedroht. Alexander Kissler preist die schneeweiße Versuchung des österreichischen Stift Admont, wo neben der der größten Klosterbibliothek der Welt Museen aus dem Boden sprießen. "jby" meldet, dass der Berliner Kultursenator Thomas Flierl seinen Staatssekretär für Wissenschaft verliert - keine Lust mehr. Thomas Steinfeld gratuliert der regenbogenfarbigen edition suhrkamp zum Vierzigsten und wünscht sich deren Rückkehr zum Zeitschriftencharakter. Petra Steinberger geht der Frage nach, ob die Amerikaner im Irak ein neuer Sumpf a la Vietnam erwartet. Jochen Jung kommentiert in der Reihe Briefe aus dem 20. Jahrhundert ein Schreiben von Peter Handke an Wolfgang Schaffler aus dem Jahr 1978. "augf" plädiert für das Schweigen als legitime Therapie bei Traumata.

Das Münchner Filmfest: Fritz Göttler zieht ein durchwachsenes Resümee. Hans Schifferle stellt die Filme aus der Reihe American Indies vor. Kurzkritiken gibt es zu Life and Art of Charles Chaplin und Comandante. Auf der Medienseite spricht Bayern-Manager Uli Hoeneß über die neue Sportschau und den Streit mit RTL. Christiane Kohl berichtet, wie die Berlusconi-Sender den Patzer ihres Chefs totschweigen.

Besprochen werden Steven Soderberghs Experiment "Voll Frontal", eine Ausstellung zu Rilke und Worpswede in der Kunsthalle Bremen und Bücher, nämlich Bill Brysons begeisternde, bisher allerdings nur auf Englisch erschienene Wissenschaftserkundung "A Short History Of Nearly Everything" und Erich Kästners "Lyrische Hausapotheke", gelesen von Gert Fröbe, (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende fragt die Schriftstellerin Zsuzsa Bank (mehr) zunächst: "Was kümmern mich deutsche Landschaften?", findet aber dann doch ein wenig Sympathie für ihren Landstrich. "Fehmarn liegt im Dazwischen. Vielleicht scheint es mir deshalb fern und entrückt, wie eine Welt hinter Glas, in einem großen Bilderrahmen, sanft umzüngelt von einem Meer, das kein offenes, kein wildes Meer ist, eingekreist von all den anderen Inseln und vom Festland, ohne eingenommen, ohne berührt zu werden."

Fotograf und Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans (mehr) spricht im Interview über das, was er sehr gut kann. "Eigentlich verwandele ich Dinge in etwas anderes, wenn ich fotografiere. Im besten Fall ist ein Bild von einer Knoblauchzehe in einer Tupperware-Schachtel hinterher nicht mehr ein Bild von der Knoblauchzehe in einer Tupperware-Schachtel. Das ganze Leben, die ganze Welt ist ja in so einem Bild enthalten."

Außerdem: Birk Meinhardt beglückt uns mit einer wunderschönen Hymne auf den Schuhmacherberuf und die große Kultur des Handwerks. Dirk Peitz polemisiert gegen das Mitmachenlassen in der Kultur. "Anschließend wird es wieder weniger Popstars geben und mehr Kindererzieher oder Pornodarsteller oder Medizinstudentinnen." Holger Gertz weiß, dass Doping und Tour de France zusammengehören. Und Birgit Weidinger examiniert den von Karl Lagerfeld entworfenen Steinway-Flügel.

FR, 05.07.2003

Superman, Spiderman und Captain America. Helden, die jedes Land braucht, und die USA während des Zweiten Weltkrieges offensichtlich ganz besonders, wie Andreas Essl in seiner kurzweiligen Chronik der Comicrächer in Zeit und Bild erklärt. "Galt es bis vor kurzem noch, die Ordnung auf nationaler Ebene zu wahren, so richten sich nun die ersten Superhelden darauf ein, die Welt zu retten; zuweilen etwas voreilig. Der Sub-Mariner präpariert die Schifffahrtslinien im Atlantik, schon bevor die ersten Soldaten das Festland verlassen, und Uncle Sam führt seine Jungs rhetorisch zum Sieg gegen die Japanazis. Superhelden rücken in die Armee ein und kämpfen an doppelter Front, in Uniform und im Kostüm. Einzig Superman muss zu Hause bleiben. Sein Eingreifen würde ein sofortiges Kriegsende bedeuten. Zwar drängen Leserbriefe den Vater aller Superhelden an die Front, doch würde seine Unbesiegbarkeit die Moral der Truppe untergraben, fürchtet man bei DC, seinem Produzenten."

Der Chefdramaturg der Volksbühne, Carl Hegemann, unterhält sich mit dem Philosophen Boris Groys (mehr) über Theater im allgemeinen und die Bühnenbilder von Bert Neumann im Besonderen. "Schon wenn man sich die CD-Rom der Volksbühne mit den Clips aus Castorfs Inszenierungen ansieht, bekommt man den Eindruck, dass alle, die hier gezeigt werden, längst tot sind. Man sieht nur die undeutlichen Schatten, die unklare Spiele miteinander treiben, und sieht (natürlich auch weil auf diesem PC der falsche Treiber installiert ist), dass diese Verbindung mit dem Jenseits immer gestört ist. Man hat also das Gefühl, mit einem Gespensterreich in Kontakt zu treten."

Weiteres: Navid Kermani verwirrt uns im dreißigsten seiner Vierzig Leben mit dem Beziehungsgeflecht zwischen Peter, Matti und Sabine. Martin R. Dean (mehr) versucht die deutschen Rezensenten von ihrem Vorurteil über Schweizer Literatur abzubringen, das da lautet: "langweilig, bodenständig brav gedrechselt, tempolos und wenig welthaltig". Thomas Meyer schwärmt davon, wie klar und unerbittlich der Philosoph Ernst Tugendhat in München über den Tod sprach. Rene Aguigah hat in den neuen Heften der Berliner Republik, Kursbuch, testcard und anderen geblättert und einiges über die laufende Reformdebatte gefunden. Renee Zucker philosophiert in Zimt, wie ein beleidigter Buchhändler und eine schusselige Bürokraft die große Politik beherrschen können. Meldungen beschäftigen sich mit dem neuen Lettre Ulysses Award für die beste Reportage, mit den 100 Millionen für Sachsen und Sachsen-Anhalts flutgeschädigte Kultur, mit den 24 neuen Stääten des Weltkulturerbes sowie mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis für Elfriede Jelinek.

Auf der Medienseite provoziert Thomas Leif mit der (von Jürgen Dollase geliehenen) These, dass deutsche Spitzenköche bei der Vergabe der Michelin-Sterne benachteiligt werden. Besprochen werden Roberto Ciullis Theaterprojekt "Wie hast du geschlafen" mit Forensik-Patienten aus Düsseldorf, eine Ausstellung mit empfehlenswerten Aufnahmen der Brecht-Muse Ruth Berlau, Robert Polidoris vorzüglicher Bildband "Havana", Gregor Hens' intelligent-souveräne deutsch-amerikanische Geschichten unter dem Titel "Transfer Lounge" sowie Marion Kaplans Studie zur "Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im Magazin berichtet Rolf Paasch von einem Polo-Turnier auf 4000 Meter Höhe, in den Bergen Pakistans. Wo die Luft dünn ist, die Armee das Sagen hat und auch den Sport bestimmt. "Dort reiten ultramarinblaue Trikots aus Gilgit gegen burgunderrote aus Chitral an, jagen die kleinen, kräftigen Polopferde in Zweiergruppen über das Feld. Gestreckter Galopp, das abrupte Herumreißen der Zügel. Aufbäumen, Aufnehmen und wieder aufeinander zu reiten bis kurz vor der Karambolage. Rasch abgedreht und einen neuen Anlauf genommen. Manchmal treiben die zwölf Pferdeleiber wie ein wirres Knäuel über das Feld. Dann wieder fließen ihre Bewegungen ineinander. Es ist eine wilde, in den Staub gerittene Choreografie."

Außerdem lesen wir eine wirklich knappe Kurzgeschichte von Sibylle Berg (mehr), über die Partnersuche. "Um Fleisch geht es, und möglichst bizarr ist ein prima Kick am Anfang." Treue-Forscherin Gisela Runte gibt im Interview einen Einblick in die unermesslichen Wünsche des Menschen und erklärt, wie die Begierde kommt und geht. Beate Köhne bestaunt das Lebenswerk des Schweizer Agronoms Rene Haller: Bäume in der Ödnis nördlich von Mombasa.
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TAZ, 05.07.2003

Joachim Lottmann hält ein ergreifendes Plädoyer für seinen Lieblingsautor Maxim Biller und dessen einstweilen verbotenes, aber wahrhaftiges Buch "Esra". "Der Roman muss erscheinen, so viel Rache muss sein. Nun sagt zwar Nicola Reidenbach, Rache könne niemals Kunst sein. Doch ich sage: Die besten Texte wurden immer mit Wut im Bauch geschrieben. Wie Billers "Esra". Nein, man sollte das edle, archaische Motiv der Rache nicht aus der Literatur verbannen. Sonst lesen beim nächsten Klagenfurter Wettbewerb nur noch die Gregor-Hens-Typen, bei denen es buchstäblich um nichts geht."

Der unerschrockene Michael Streck ist für die Tagesthemenseite mit dem Dragon Express gefahren. Chinatown Washington - Chinatown New York für 30 Dollar. Und zurück. "Die Leute frieren. Sie verkriechen sich unter ihren Jacken. Bitten, die Temperatur zu erhöhen, werden vom Fahrer stoisch ignoriert. 'Der weiß, bei dem Preis kann sich niemand über den Service beklagen', sagt der wahrscheinlich einzige Chinese außer dem Fahrer an Bord. Ein Amerikaner chinesischer Herkunft, um korrekt zu sein. In weißem Hemd und Bundfaltenhose ist er direkt aus dem Büro gehastet, um noch abends mit Freunden in New York zu feiern. Nur sein Mobiltelefon hat er dabei."

Gerrit Bartels berichtet im Feuilleton, dass Random House jetzt von Ullstein-Heyne-List nur noch den mittleren Verlag kaufen will.

Auf der Medienseite enthüllt Arno Frank, warum Berlusconi beim Namen Schulz an einen KZ-Aufseher denken musste - es gibt da wirklich eine TV-Serie.

Eine Besprechung widmet sich zwei Büchern über den Guerillataktiker im Mainstream von Hollywood, Steven Soderbergh.

Im tazmag beharrt Gregor Gysi (Vater & Sohn) im Gespräch darauf, immer seine Pflicht erfüllt zu haben - bis auf das eine Mal. "Hören Sie, in der Politik bin ich von einem fast schon preußischen Pflichtgefühl geleitet worden. Ich bin nur einmal von einem Amt zurückgetreten, und das ungeplant - als Wirtschaftssenator von Berlin. Als Parteivorsitzender und als Fraktionschef bin ich nicht wieder angetreten. Auf diesen Unterschied lege ich großen Wert. Ich mag Rücktritte eigentlich nicht. Warum lächeln Sie?"

Außerdem: Viola Keeve weiß von Richard Conniff, dass sich Unternehmensführer wie Schimpansen verhalten. Frank Schäfer meldet sich mitten aus der Kinderintensivstation. Silvana Richter überlegt sich, ob sie mit den Leuten von WIR (mehr) zusammenziehen soll, die sich ihre Nachbarn schon vor Baubeginn aussuchen. Hans-Ullrich Dillmann erinnert an die die Internationale Flüchtlingskonferenz vor 65 Jahren in Evian-les-Bains (mehr), wo über die jüdischen Vertriebenen diskutiert wurde. Heike Haarhoff porträtiert einen finnischen Opernsänger, der finnischen Tango exerziert.

Und schließlich Tom.

FAZ, 05.07.2003

Dieter Bartetzko stellt Neuzugänge auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes vor. Unter anderem hatte sich Bremen beworben und wurde abschlägig beschieden. Bartetzko wirft der Liste inzwischen Unverbindlichkeit vor: "Die Liste der Unesco ist für viele von der Arche Noah zum Traumschiff für Pauschalreisende geworden. Deshalb erklärte Bremens Oberbürgermeister Henning Scherf mit den Worten: 'Das Glas ist halb voll', man werde es im nächsten Jahr wieder versuchen. Doch dieses Traumschiff ist - mit nunmehr 582 Kultur-, dreiundzwanzig 'gemischten' und 149 Naturstätten von 'außergewöhnlichem universellen Wert' - nicht nur bereits viel mehr als halb voll, es ist auch kurz davor, auf Grund zu laufen."

Weitere Artikel: Der bekannte Literaturhistoriker (die FAZ ist natürlich zu vornehm, das ignorante Publikum über diesen Umstand zu informieren) Peter Demetz schildert im Aufmacher ohne näheren Anlass Stalins Vorliebe für Musicals. Joseph Hanimann stellt in der Metropolenserie "Geld oder Leben" Paris als "Hauptstadt stilvollen Quergängertums" dar. Regina Mönch resümiert die jüngste Bundestagdebatte über das Berliner Stadtschloss - außer der PDS sind alle für den Wiederaufbau, aber sonst geschieht nichts. Brita Sachs besucht die sanierte Münchner Antikensammlung. "baz" berichtet über ein Pressegespräch mit Claus Peymann, dessen Berliner Ensemble, nach Peymanns Worten, wieder mal vorbildlich gewirtschaftet hat. Jürg Altwegg blickt in französische Zeitschriften, die sich unter anderem mit der Fusion der Verlagsgruppen Havas und Hachette befassen - dagegen liest sich das deutsche Kartelldrama um Random House und Ullstein Heyne List wie ein Ammenmärchen. Kerstin Holm besucht das Museum von Tomsk, der Kulturhauptstadt Sibiriens. Timo John erzählt die Geschichte der in Wimbledon überreichten Siegestrophäe - einer Schale mit Temperentia-Allegorie, deren Vorbild im 16. Jahrhundert in Württemberg gefertigt wurde. Claus Peter Müller meldet, dass Thüringens Landtag die Einigung mit dem Haus Weimar bezüglich der Übernahme von Kunstschätzen billigt.

In den Ruinen von Bilder und Zeiten finden wir jenes Kapitel aus einem noch namenlosen Roman Inka Pareis abgedruckt, mit dem die Autorin den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann (den Text können Sie als pdf auch hier herunterladen). Ferner informiert uns Hubert Wolf, dass die Katholische Kirche der Stadt Rom die jüdischen Kinder im 19. Jahrhundert in der Regel nicht zwangstaufen ließ.

Auf der Medienseite feiert Michael Jeismann den morgigen "Tatort" mit Aglaia Szyszkowitz - es geht dort um Stasi-Akten von West-IMs, und Marianne Birthler spielt sich selbst. Robert von Lucius befasst sich in der Reihe über die öffentlich-rechtlichen Sender der Welt mit Schweden.

Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite geht's um eine neue CD der Band Grandaddy, um eine Einspielung von Werken György Kurtags, um Konzert-Mitschnitte von Led Zeppelin, um eine CD-Edition, welche Silbermannorgeln vorstellt, und um Bachbearbeitungen.

Besprochen wird - außer Kinder- und literarischen Büchern (darunter Sandor Marais Roman "Wandlungen einer Ehe") - weiter nichts.

In der Frankfurter Anthologie stellt Rüdiger Görner ein Gedicht Frank Wedekinds vor - "Der Reim":

"Der Reim ist heilig. Denn durch ihn erfahren
Wir tiefe Zwieheit, die sich will entsprechen.
Sind wir nicht selbst mit Aug'-, Ohr-, Lippenpaaren
Gepaarte Reime ohne Klang-Gebrechen?

(...)"