
Über die
verspätete Blüte der deutschen Literatur in Russland
berichtet Irina Prochorowa im Magazin. In der Tat seien bis vor kurzem nichts als Grimms Märchen, Thomas und Heinrich Mann sowie DDR-Autoren verlegt worden. Dass dies eher an der
zaghaften deutschen Kulturpolitik liegt als an einem historischen Nachtragen der Russen, zeigte sich anlässlich des Moskauer Kinofestivals, das dem bis dato in Russland völlig
unbekannten Alexander Kluge gewidmet war. Die deutsche Botschaft in Moskau hatte im Rahmen des Festivals zu einem
Dinner geladen, erzählt Prochorowa, "Gesprächsthema war ein Aufsehen erregender
Zwischenfall vom Vorabend. Am 22. Juni hatte eine kleine, aber lautstarke Gruppe junger Leute neben dem Botschaftsgebäude eine Protestdemonstration veranstaltet, zum Gedenken an den
Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion vor 63 Jahren. Bei dem Essen nahmen die deutschen Gäste diese Nachricht mit der
traditionellen Demut und Verständnisbereitschaft auf; die russischen Gäste aber äußerten Unbehagen und Überraschung - einhellig hielten sie die Demo für unangebracht, für
ideologische Eiferei."
Der
Schwerpunkt (leider nicht online) ist
Umberto Eco und seinem
fünften Roman "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" gewidmet: Henning Klüver und Sigrid Löffler haben sich gar zu zweit an die
Exegese des neuen Romans gemacht, Manfred Schneider porträtiert den
"Bibliotheksphantasten" und Semiologen Eco, und Claudia Schmölders verweist auf die
Schattenseiten von Ecos "Geschichte der Schönheit".
Weitere Artikel: Im
Editorial mokiert sich die
Literaturen-Redaktion über das für den 1.Oktober geplante
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Leseprobe) hat Frauke Meyer-Gosau
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zu strafen - und es dann auch tut. Franz Schuhs
Hartgesottenheit ist von
Konops Krimi "Kein Kaddisch für Sylberstein"
auf die Probe gestellt worden. Manuela Reichart
schwärmt von
Luchino Viscontis legendärer Mann-Verfilmung
"Tod in Venedig", der es gelingt treu und eigen zugleich zu sein: "Man kann das Zeile für Zeile nachlesen. Trotzdem sieht alles ganz anders aus." Ironie ist auch nicht mehr das, was sie einmal war - Aram Lintzel
vermisst die
wahre Subversion auf der Webseite
www.hausfrauenseite.de. Und
was liest Werner Herzog?