
Aus dem
Schwerpunkt, der sich mit dem Begriff des Fremden befasst, ist das Literaturen-Gespräch zu lesen, in dem
"vier nicht ganz deutsche Autoren" - Terezia Mora, Imran Ayata, Wladimir Kaminer und Navid Kermani - über den
Fremden-Hype in der zeitgenössischen Literaturszene und das Fremde in der Literatur diskutieren. Gleichzeitig sehen sie nicht ein, warum gerade sie als
Spezialisten für das Fremde herangezogen werden sollten, schließlich fange das Fremde, wie Navid Kermani bemerkt, schon beim weiblichen Körper an (was Terezia Mora übrigens auch findet). Es sei geradezu ärgerlich, dass bisweilen noch immer eine Art von Norm hochgehalten werde, die zwangsläufig alles abweichende als fremd bezeichne, und das in einem Land, das
Kafka als nationales Literaturgut für sich beansprucht. Mora erzählt dazu eine Anekdote: "Wir alle sind um 1970 herum geboren. Für uns war der Mauerfall tatsächlich auch biografisch die historische Zäsur. Seither leben wir alle in einer anderen Welt. Als ich diese These neulich an einem Tisch mit einem West-Autor von mir gab, da schnippte der die Asche von seiner Zigarette und sagte:
Ich nicht. Demzufolge wäre westdeutsch der Normalzustand: Nur der
Kern-Wessi muss sich nicht rechtfertigen. Was der Kern-Wessi schreibt, ist demnach die Norm, alles andere kommt halt so dazu. Das regt mich auf."
Sichtlich irritiert vom bombastischen Erfolg der Verschwörungs-Bestseller
eines
Dan Brown versucht Ulrich Baron zu verstehen, wie das besondere
Erfolgsrezept der Trivialität aussieht: "Die Welt des Dan Brown ist voller Geheimnisse, Codes, Symbole, Mysterien, Verschwörungen, und das ist auch fast schon alles, denn wenn man diese Zutaten abzieht, dann bleibt
kaum noch Welt übrig. Diese Bücher sind spielerische Appelle an einige der niedrigsten Instinkte, denen Homo sapiens sein Überleben und seinen evolutionären Erfolg verdankt:
Neugier und Misstrauen."
Weitere Artikel: Im Kriminal
verlangt Franz Schuh die gerade mal 120 Seiten lange Kriminalnovelle "Die entartete Seezunge" von
Janwillem van de Weterings gehörigen Respekt ab. Zwar wird in Italien nicht so viel gelesen,
stellt Henning Klüver fest, doch die Italiener haben die weitaus schöneren Buchmessen (zum Beispiel das Festival "Ad alta voce" in Venedig und Bologna) und können, wie Klüver findet, auf eine
hochkarätige Buchsaison zurückblicken. Und schließlich:
Was liest Peter Stamm? Er liest immer gezielter, und eigentlich nur noch im Hinblick auf seine eigene Schreibarbeit.