
In seinem Buch zum Mord an dem niederländischen Filmregisseur
Theo van Gogh ("Murder in Amsterdam") erkundet
Ian Buruma die Grenzen der Toleranz. Christopher Caldwell hat es
gelesen: "Buruma interviewt darin die beiden charismatischen Islam-Reformer
Ayaan Hirsi Ali und
Afshin Ellian. Beide glauben, dass der Islam den gleichen
Skeptizismus und Spott erfahren muss, mit dem Voltaire und andere Aufklärer den Katholizismus überschüttet haben. Buruma bezweifelt dies. Er fürchtet, dass viele von denen, die die Aufklärung beschwören, nur eine
konservative Ordnung verteidigen wollen. 'Voltaire hat seine Beschimpfungen gegen die Katholische Kirche gerichtet, während Ayaan nur riskierte, eine Minderheit zu beleidigen.' Das ist unfair. Voltaire riskierte mit seinen Äußerungen nicht, sich
eine Milliarde Feinde zu machen, die sein Gesicht kennen und sich übers Internet mit Leuten austauschen können, die ihn ermorden wollen. Buruma hat aber Recht, wenn er nahe legt, dass Hirsi Alis Lob der Aufklärung als eine Bewegung, 'die jede Kultur abstreift und nur das menschliche Individuum übrig lässt', einiges mit den Versprechen des Islamismus gemein hat, der auch die Kultur abstreifen möchte, um nur das
Individuum und Gott übrig zu lassen."
Die Uni ist links. Gut so, findet der Politikwissenschaftler Alan Wolfe in seiner
Besprechung von
Michael Berubes "What's Liberal About the Liberal Arts?", das den Zorn der Konservativen über diesen Fakt erklärt: "Die politischen Siege des Konservatismus, so Berube, können so schwer nicht wiegen, solang sich schwule Paare küssen und junge Menschen nur selten die Werte ihrer Eltern teilen. Ohne den Einfluss der Universitäten ist der Erfolg der Konservativen ein flüchtiger und das wissen sie."
Ferner:
Will Self zeichnet Celines Lebensweg nach und liest die "Reise ans Ende der Nacht" wieder - als misanthrope Antithese zu Joyces "Ulysses" und La Rochefoucauld auf LSD. Marilyn Stasio
bespricht neue Krimis von Philip Kerr ("The One From the Other"), Ellen Crosby ("The Merlot Murders") und anderen. Amy Krouse Rosenthal
freut sich über ein zeit- und kindgemäßes "Cinderella"-Remake von Barbara Ensor.
Das
Magazin der Times ist
New York gewidmet. Einer Stadt, die so eng ist, dass selbst die Avantgarde kein Sache von
Finesse, sondern von Immobilienpreisen ist. Und wenn auch der
letzte Winkel von Brooklyn gentrifiziert ist, was dann? James Traub
beobachtet, dass die kulturellen und ökonomischen Kräfte die gute alte Boheme und ihre Orte zu "
Enklaven urbaner Eliten" und ganz
schön beliebig gemacht haben: "Jeder Unangepasste ist heute hip. Hipness dgagen zieht Sneaker-Stores, Bistros und sogar Paare mit Kindern an. Die Derriere-garde holt auf; die Avantgarde fällt ihren eigenen Lockungen zum Opfer. Wenn Rodolfos Galeriefreund Marcello aus Puccinis La Boheme heute Vernissage hätte, würde Absolut das Catering besorgen."
Weitere Artikel: Jonathan Mahler
stellt New Yorks Bürgermeister
Michael Bloomberg und dessen Visionen für Lower Manhattan vor, das künftig wieder mehr von Menschen als vom Geld regiert werden soll. Im
Interview mit Deborah Solomon erklärt der Star-Gastronom Danny Meyer den Big Apple zur Restaurant-Hauptstadt der USA. Und wir lesen
Auszüge aus
Susan Sontags Tagebüchern: "
NYC ist wie der Vatikan - ein Staat im Staat, mit enormer Macht und Reichtum, aber für sich."