Wer könnte besser über die Bush-Regierung schreiben als ein ehemaliger Theaterkritiker? Ian Buruma
ist begeistert von
Frank Richs "The Greatest Story Ever Sold", das den
Irak-Krieg als den kolossalen Schwindel beschreibt, der er war. Wie lässt sich der Ausfall einer kritischen Berichterstattung in den USA erklären? Buruma findet die Antworten im Buch: "Die neue Informationsgesellschaft hat Journalisten ungewöhnlich defensiv werden lassen. Dass jeder überall seine Meinung kundtut, hat die
Autorität der Presse untergraben ... Angst, gute Verbindungen zu verlieren oder seiner liberalen Gesinnung wegen geächtet zu werden, sowie die Überbewertung von Zitaten einflussreicher Leute haben die Presse verkümmern lassen, als sie nötiger war denn je. Frank Rich ist ein exzellenter Vertreter seiner Zunft, und wird sie je ihren guten Ruf wieder erlangen, wird er dafür mit verantwortlich sein."
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hält Haruki Murakamis neue Short-Story-Sammlung "Blind Willow, Sleeping Woman" für einen tollen Gemischtwarenladen. Lawrence Levi
findet David Thomsons Biografie über
Nicole Kidman (
Leseprobe) zu spekulativ. Neil Gordon
kann an
John Le Carres neuem Roman "The Mission Song" (
Leseprobe) keinen Realitätsmangel feststellen. Und Marilyn Stasio
fällt auf, dass sich
Kleinstadtschnüffler neuerdings mit globalen Waffenschiebereien und Terroristen herumschlagen müssen - in neuen Krimis von Steve Hamilton, Reggie Nadelson u.a.

Im
Magazin der
New York Times ruft Wyatt Mason das Zeitalter der
Satire aus. Wenn Spott, das hehre "Verlangen nach dem Besseren" in unzulänglichen Zeiten, inflationär wird,
meint Mason, wird's glitschig. Beispiel
Bush: "Auf die Reporter-Frage nach der Gewalt im Nahen Osten antwortete Bush sarkastisch ... Nicht mit dem eleganten, treffsicheren, artistischen Sarkasmus eines Twain oder Colbert, sondern völlig unpassend und zugleich doch ganz entsprechend seines normalen rhetorischen Modus'. Denn Bush ist nicht unartikuliert, er ist gewissermaßen
zu artikuliert: sein konsequent herablassender Ton verrät sein Überlegenheitsgefühl, wie bei einem Satiriker. Diesen unbekümmert sarkastischen, gedankenlos ironischen, willkürlich sardonischen Ton hören wir allerorten.
Bush,
das sind wir."
Außerdem: In einem
irre langen Text dokumentiert Tim Golden die (vergeblichen) Bemühungen, aus
Guantanamo einen menschlichen Ort zu machen. Lynn Hirschberg
stellt den französischen Regisseur
Michel Gondry vor. Michael Berube
beschreibt den Zwist zwischen Konservativen und Liberalen an amerikanischen Universitäten und meint: Kein
konservativer Student muss sich diskriminiert fühlen. Und im
Gespräch mit Deborah Solomon erklärt der Kulturkritiker
Lee Siegel, wie es kam, dass er sich im Blog des
New Republic unter Pseudonym selbst beweihräuchern musste: Die Blogosphäre sei nämlich nichts für den Intellekt.