Nach Recherchen von
SZ, WDR und
NDR zirkuliert zurzeit in Berliner Sicherheitskreisen eine neue
Lagebewertung des Bundesnachrichtendienstes (BND) und der Bundeswehr, die zu der Einschätzung kommt, dass
Russland für eine
Auseinandersetzung mit dem Westen rüste, berichten Manuel Bewarder, Florian Flade und Jörg Schmitt in der
SZ: "In ihrem jüngsten Bericht ... malen die Analysten mit Blick auf
Moskaus Machtgelüste ein düsteres Bild. Russland sehe sich in einem Systemkonflikt mit dem Westen und sei bereit, seine imperialistischen Ziele mit militärischer Gewalt umzusetzen - und zwar über die Ukraine hinaus. Auch wenn derzeit keine Hinweise auf eine 'unmittelbar bevorstehende russische Konfrontation mit der Nato' vorlägen, heißt es in dem Papier, schaffe Russland bis Ende der Dekade wohl alle Voraussetzungen, um einen '
großmaßstäblichen konventionellen Krieg' führen zu können. Der mehr als drei Jahre währende Krieg in der Ukraine schwäche die russischen Kräfte dabei nicht. Moskau, das in der Ukraine schon seit einiger Zeit aus einer Position der Stärke heraus agiere, zeige keine ernst gemeinten Anzeichen für eine Kompromissbereitschaft in Bezug auf den Konflikt. Es könne den Krieg auch in diesem Jahr fortsetzen, so die Prognose der Geheimdienst- und Militäranalysten. Trotz der Sanktionen sei Russland in der Lage, sich militärisch so aufzustellen, dass es bald schon
einen Nato-
Staat angreifen könne."
Komisch, aber ein sehr modernes Denken in
Rüstungsfragen scheint aus Frankreich zu kommen. Neulich haben wir einen unter Pseudonym schreibenden Offizier in der Magazinrundschau
zitiert, der darüber nachdachte, wie Europa zu mobilisieren wäre. Heute interviewen Michaela Wiegel und Niklas Záboji in der
FAZ den Nato-Admiral
Pierre Vandier, der sagt: Drohnen sind wichtiger als Panzer. Und Europa muss an "Dual Use" denken: "Wie in der klassischen Kriegswirtschaft
Granaten oder Panzer herzustellen, das kann jeder auf der Welt. Die kommerzielle Raumfahrt zu erobern, über sichere IT-Anwendungen, KI und eine
Roboterindustrie zu verfügen, das ist die Schlacht von morgen. Und vor dreißig Jahren hatte Europa noch einen Dual-Use-Bereich. Ein Unternehmen wie Thomson stellte Waschmaschinen und Radargeräte her. Ein wichtiger Teil der Militärtechnik ist im
zivilen Sektor entwickelt worden. Unsere Aufgabe besteht darin, dies an den militärischen Bedarf anzupassen, man nennt das
Weaponization of Technology."
Im Alter von sechs Jahren musste die in Sarajevo geborene Autorin
Melina Borcak mit Ende des Kriegs in Bosnien Deutschland verlassen, sie kam von einem Extrem ins andere, wie sie in der
SZ schreibt.
Syrischen Kindern, die hier aufgewachsen sind, dürfte es gehen wie ihr damals, befürchtet sie: "Nach einem Krieg ist alles grau. Die Asche zerbombter Häuser, Schulen und Kindergärten legt sich auf alles. Durch die Straßen gehen
gebrochene Menschen. Manche verstecken es, andere schreien unkontrolliert, ziehen sich die Haare raus oder reißen Teile ihrer Haut ab.
Leichen der Nachbarn verwesen langsam in den Ruinen: Überreste von Menschen in den Überresten ihrer Leben. Das denke ich mir nicht aus, sondern beschreibe meine eigene Nachbarschaft in Bosnien, deren Namen ich damals nicht mal aussprechen konnte. … Wenn Deutschland in Zukunft nur die Menschen bleiben lässt, die es wirtschaftlich 'gebrauchen' kann, wie es Wirtschaftsminister Robert Habeck im Wahlkampf ausdrückte, dann muss man ehrlich sein und aufhören, über Integration zu reden."
Was wird in der neuen Regierung aus der "
Demokratieförderung"? Diese Subvention von Organisationen der sogenannten Zivilgesellschaft war stets an das
Familienministerium angegliedert, das fast immer sozialdemokratisch oder grün geleitet wurde, erzählt Paul Gross in der
FAZ. Bei Evaluierungen stellt sich heraus, dass die meisten dieser Organisationen vor allem "
gegen rechts" sind, während Islamismus und Linksextremismus kaum kümmern - und dieser Gegensatz hat sich im Lauf der Jahre verschärft, so Gross: Während jüngst "noch neun Prozent angaben, Islamismus spiele eine wichtige Rolle, war es im Fall der 'linken Militanz' ein Prozent. Die Dimension des Programms hat sich unterdessen
vervielfacht: Aus 40,5 Millionen Euro im Jahr 2015 sind
182 Millionen Euro im laufenden Jahr geworden, die an Vereine, Stiftungen und staatliche Stellen ausgeschüttet werden." Die Sozialdemokraten scheinen bei den Koalitionsverhandlungen aber die Kröte geschluckt zu haben, dass die "Demokratieförderung" nicht mehr ans Familien-, sondern ans
Innenministerium angegliedert wird.
Deniz Yücel sorgt sich derweil in der
Welt darum, dass die kommende Koalition des
Volksverhetzungsparagrafen ausweiten könnte: "Derzeit verliert jeder Deutsche, der zu einer Haftstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt wurde, für fünf Jahre das
passive Wahlrecht. Unterhalb dieses Automatismus sieht das Grundgesetz nur in Artikel 18 die Möglichkeit einer 'Grundrechtsverwirkung' vor. Doch schon diese Bestimmung ist umstritten, weil sie eine Möglichkeit bietet, den legalen Gebrauch der Meinungsfreiheit als 'Missbrauch' umzudeuten und nachträglich zu sanktionieren. (…) Wird die Volksverhetzung wirklich zu einer Art
Volkssport? Oder neigen Ermittlungsbehörden und Gerichte dazu, die Grenzen zur strafbaren Volksverhetzung immer weiter zu fassen - und Meinungsäußerungen zu verfolgen, die ahnungslos, bescheuert, scheußlich, provozierend, geschmacklos oder spinnert sind? Die Antwort lautet: beides. Darum gäbe es in diesem Zusammenhang tatsächlich Handlungsbedarf: Es gilt, der stillschweigenden Ausweitung des Volksverhetzungsparagrafen gesetzlich entgegenzuwirken, anstatt dieser
Übergriffigkeit auch noch Vorschub zu leisten. Man verteidigt die Freiheit nicht, indem man sie abschafft."
Ulrich M. Schmid
macht sich in der
NZZ noch einmal die Mühe, Trumps "Spezialbeauftragtem"
Steve Witkoff zu erklären, weshalb sich die
Ukraine keineswegs einfach in einen proeuropäischen ukrainischsprachigen Westen und einen prorussischen russischsprachigen Osten aufteilen lässt: Es gibt "keine
sprachliche Zweiteilung der Ukraine. Dies hat auch damit zu tun, dass ein Sprachkontinuum zwischen dem Russischen und dem Ukrainischen besteht. Es gibt sogar eine Mischsprache, die als Surschik bezeichnet wird. Die Situation ist asymmetrisch: Die Verwendung des Russischen in der Ostukraine ist nicht so ausgeprägt wie die Präsenz des Ukrainischen im Westen und in Kiew. Seit 2014 und besonders seit 2022 verstärkt sich die bestehende Tendenz zur breiteren Verwendung des Ukrainischen in der Zentral- und der Ostukraine. Spätestens nach dem russischen Überfall ist deutlich geworden, dass die Zugehörigkeit der Menschen zum ukrainischen Nationalprojekt nicht von der Sprache abhängt. Mittlerweile gibt es sogar einen ausgeprägten
russischsprachigen ukrainischen Patriotismus."
Der in Wien lehrende
Psychologe Hüseyin Cicek hält in der
NZZ die
Auflösung der PKK zwar für "alternativlos", ändern wird ihr Verschwinden indes nichts, meint er: Das Ende der PKK werde "nicht zwangsläufig bedeuten, dass die kurdischen Organisationen außerhalb der Türkei, die mit der Arbeiterpartei Kurdistans assoziiert sind, ebenso bereit sein werden, sich zu entwaffnen und sich aufzulösen. Eine kohärente,
geschlossene kurdische '
Front' hat es bislang nicht gegeben. Die entscheidende Frage, die sich im Zuge dieser Entwicklung stellt, betrifft nicht allein die Zukunft der PKK oder das Schicksal von deren Gründer Abdullah Öcalan. Vielmehr ist von Belang, ob die seit Jahrzehnten in Ankara regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) - sollte Präsident Erdogan seine Amtszeit um weitere vier Jahre verlängern und durch weitere Verfassungsänderungen seine Machtposition zusätzlich festigen - gewillt sein wird, sich an die politischen Zusagen zu halten, die sie im Zuge einer möglichen Auflösung der PKK gemacht hat."