In Yascha Mounks Magazin
Persuasion kommt John McWhorter auf die Fälle
Rachel Dolezal und
Jessica Krug zurück, zwei weiße Intellektuelle, die sich über Jahre
als Schwarze ausgaben und ihre Karrieren darauf aufbauten, bevor ihre angebliche Identität wie ein Kartenhaus zusammenfiel. McWhorter fragt, welches die
Beweggründe für diese identitätspolitische Selbstdefinition waren: "Der Versuchung, dies als Zeichen einer Störung zu interpretieren, sollte man widerstehen. Wer
das Opferspiel spielt, tut das für einen Vorteil: Sie finden eine Bedeutsamkeit in der Rolle. Das edle Opfer erntet schon Glückwünsche, wenn es nur den Tag übersteht. Jede Leistung wird zu einem Triumph vor dem
Abgrund der Niederlage. Die Idee ist, dass der Opferstatus ein
definierender Zug des Schwarzseins ist, und die Behauptung des Leids gibt auch ein Gefühl von Community und Dazugehören. Es ist kein Zufall, dass sowohl Dolezal, als auch Krug mit ihren Familien gebrochen hatten."
Statt eine Studie über
Rechtsextremismus in der Polizei anzustoßen, gibt Innenminister Horst Seehofer eine Studie über Rassismus in der
Gesamtgesellschaft in Auftrag. Für Tobias Schulze in der
taz ist das ein Ausweichmanöver: "Da es solche Studien bereits gibt, könnte man darauf eigentlich verzichten - es sei denn, man möchte mit dem Verweis auf Rassist*innen in anderen Berufen das Polizeiproblem relativieren." Auch die Kolumnistin Jagoda Marinic
findet Seehofers initiative halbherzig. Ebenfalls in der
taz unterhält sich Sarah Ulrich mit
Grit Hanneforth vom Kulturbüro Sachsen über Demokratiearbeit (das heißt Arbeit
gegen Rechtsextremismus) im ländlichen Raum, und das auch noch bei Görlitz.
Das Problem ist allerdings nicht einfach Rechtsextremismus in der Polizei, die Dinge sind komplizierter,
schreibt Caro Keller von "NSU-Watch" bei
Netzpolitik. Oft arbeiten die
Behörden gegeneinander, und es ist gerade der
Verfassungsschutz, der die Rechtsextremisten schützt - das hat sich in der Untersuchung zum NSU-Desater gezeigt: "Während die thüringische Polizei hin und wieder strafverfolgend eingreifen wollte, wurde die Szene von Seiten des Verfassungsschutzes
genau davor bewahrt. Die Untersuchungsausschüsse arbeiteten heraus, dass den Behörden
der Schutz ihrer Quellen über allem steht. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass Neonazi-Fanzines, die von V-Leuten herausgebracht wurden, vor dem Erscheinen von Verfassungsschutzmitarbeitern auf strafrechtlich relevante Inhalte geprüft wurden, damit die Quelle nicht gefährdet wird."
In der
FR plädiert Ahmad Mansour für einen
nationalen Gedenktag, der sämtliche Terroropfer - rechts wie links wie islamistisch - in der Geschichte der Bundesrepublik würdigt. Denn: "Nicht das Motiv des Attentäters verbindet die Opfer miteinander, sondern
der Schmerz, den sie durchlitten, und das Trauma, das sie erfahren haben. Und
der Tod, den sie zu betrauern haben: Ob es rechter oder islamistischer Hass ist, es bleibt der Tod. Ein zentraler Gedenktag bündelt diese Solidarität. Ich will, dass wir - nicht nur an diesem einen Gedenktag - gemeinsam überlegen, wie eine Zukunft aussehen kann, in der wir friedlich und solidarisch miteinander leben. Und ich will, dass sich die Menschen
mehr mit den Opfern als mit den Tätern beschäftigen."