Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank
fürchtet in seiner
taz-Kolumne, dass die AfD in ihrer kommenden
Desiderius-Erasmus-Stiftung, die dank des gloriosen Status von Parteistiftungen mit Abermillionen Euro gefördert werden wird, Begriffe "reclaimen" und eine weiche, aber darum um so effizientere Einflusspolitik führen wird: "So wird unter Demokratie etwa die Herrschaft des Volks als einer
einzelnen ethnischen Gruppe verstanden oder wie von Gauland neulich als Widerstand gegen die vermeintliche 'Corona-Diktatur' stilisiert; unter 'Pluralismus' ein
Ethnopluralismus, in welchem die Menschheit wieder nach Herkünften verteilt werden soll. Wenn Konservative einen '
Rassismus gegen Weiße', 'Sexismus gegen Männer' oder gar 'Rassismus gegen Polizisten' feststellen, ein Bundesinnenminister gar 'deutschenfeindliche Straftaten' zählen will, sind sie stets schon dieser Strategie auf dem Leim gegangen."
Die Regeln für den aktuellen
kleinen Lockdown sind ein bisschen willkürlich, scheint es. Das
Kulturleben und die
Gastronomie fallen weithin aus. Aber
Gottesdienste dürfen stattfinden, obwohl gerade Gottesdienste oft zu
Superspreader-Events wurden,
wundert sich Daniela Wakonigg bei
hpd.de: "Im Frühjahrs-Lockdown, als noch ein Verbot für Präsenz-Gottesdienste bestand, hatten die Religionsgemeinschaften mit Verweis auf
die Religionsfreiheit ihren Einfluss auf die Politik geltend gemacht und so schließlich doch noch ihre Erlaubnis für die Durchführung von Gottesdiensten mit leibhaftig anwesendem Publikum erhalten. Diesmal reagierte die Politik bereits in vorauseilendem Gehorsam."
"Der Eindruck, dass dem Staat die
Religion wichtiger sei als Kultur, ist verheerend",
findet auch Hamburgs Kultursenator
Carsten Brosda bei
Zeit online. "Und dass ich mir auch in den kommenden Wochen weiter Socken in einem
vollen Kaufhaus kaufen darf, mich aber nicht mit der
Weltdeutung der Kunst in einem Museum auseinandersetzen kann, ist mindestens erklärungsbedürftig."
Ebenfalls auf
Zeit online verteidigt der Theologe
Johann Hinrich Claussen die Ausnahme für Kirchen. Und die Schriftstellerin
Nora Bossong findet Kritik daran sogar intolerant: "Diese steht einer Gesellschaftsgruppe wie den
Kulturschaffenden, die sich im gleichen Atemzug gern mit ihrer besonderen moralischen Verantwortung brüstet, ausgesprochen schlecht. Gerade von einem Bereich wie dem steuerlich hochsubventionierten Theater, der unabhängig von jeder Pandemie
unentwegt Verständnis für seine Notwendigkeit auch von Menschen fordert, die rein gar nichts mit dieser Kunst anfangen können, ist es ein Zeichen peinlicher Kurzsichtigkeit und
narzisstischer Arroganz, dieses Verständnis nicht für andere Bereiche des menschlichen Lebens aufzubringen."