Was - außer dem "heimeligen Gefühl, im warmen Mief der Gruppe auf der moralisch vermeintlich richtigen Seite zu stehen", veranlasst 278 überwiegend nicht-jüdische, aber "woke" Linke mit einem offenen Brief in eine
innerjüdische Debatte "
einzumarschieren" (
unsere Resümees),
fragt entgeistert Deniz Yücel auf zwei Feuilleton-Seiten der
Welt: "Merken die nicht, wie
anmaßend das ist? Vermutlich nicht. Souffliert von Frantz Fanon und Judith Butler, Achille Mbembe und Kimberlé Crenshaw hat die 'intersektionale' Linke eine Welt erschaffen, in der die
Zentralkategorie Diskriminierung lautet und das Ziel 'Diversität'. Objekt der Begierde ist, wer als Opfer einer ethnischen, kulturellen, geschlechtlichen, sexuellen, 'klassistischen' Diskriminierung ausgemacht werden kann. Dazu gehören die Muslime als Leidtragende von Islamophobie. Und auch die Juden kann man in diese
Täter-
Opfer-
Welt einfügen, zumal sie nicht nur den Antisemitismus mitbringen, sondern auch Auschwitz, wobei diese diskursive Eingemeindung nur funktioniert, solange man
Israel außen vor lässt ."
Deutschland ist ein "Musterbeispiel für die Welt", eine "
Säule für die Zivilisation", sagt der Politikwissenschaftler
Parag Khanna im
SZ-Gespräch mit Moritz Baumstieger. Und damit das so bleibt, fordert er Digitalisierung an Schulen und ein "
Einwanderungsprogramm, eine Mischung der Systeme von Singapur und Kanada, mit einer Art Punkteskala": "Eine niedrige Punktzahl müsste ja nicht bedeuten, dass man gar keine Chance hat. Ich halte eine Art
Leitersystem für ideal. Für weniger Qualifizierte müsste es heißen: Lerne Deutsch, such dir einen Job und mach keinen Ärger - wenn du diese Bedingungen erfüllst, kommst du auf die nächste Stufe. Wer die innehat, weil er aufgestiegen ist oder wegen seiner Qualifikation so eingestuft wurde, kann in ein paar Jahren permanenten Aufenthalt beantragen. In der nächsten Stufe dann die Staatsbürgerschaft. Diese
Transparenz wäre für Immigranten gut, aber auch für die deutsche Gesellschaft. Sie müsste nicht bei jedem Ausländer fragen: Wer ist das,
ein Sozialfall,
ein Terrorist?"