"Wir sind in einer Welt angekommen, die im
Klammern an die deutsche Geschichte nicht mehr zu begreifen ist",
sagt Per Leo im Gespräch mit der Zeitschrift
Philomag. Leo, Autor des
Buchs "Tränen ohne Trauer - Nach der Erinnerungskultur", stimmt in dem Gespräch den Thesen
A. Dirk Moses' weitgehend zu, will religiöse Vokabeln wie "Katechismus" allerdings meiden. Die
Singularität des Holocaust gegen Rechts zu verteidigen, war richtig, findet Leo, aber gegen Links sieht er nicht so ein Problem: "1986 mag es nötig gewesen sein, durch die mahnende Erinnerung an den Holocaust dem
konservativen Revisionismus einen Riegel vorzuschieben. Aber gerade weil das nachhaltig geglückt ist, sollten wir mittlerweile
reif genug sein, uns vor allem an den universalistischen Postulaten des Grundgesetzes zu orientieren. Die
identitäre Fixierung auf Hitler und den Holocaust löst längst keine Probleme mehr, im Gegenteil, sie schafft neue." Es ist übrigens interessant, in Leos Buch die Passagen zu
Max Czollek nochmal zu lesen, der ihm in seinem Buch neben Fabian Wolff ein jüdischer Gewährsmann für legitime Israelkritik ist: "Jüdische Pluralität ist für ihn, dass es Juden gibt, die Israel hassen."
Was treibt Nichtjuden oder "Großvaterjuden" wie
Max Czollek immer wieder dazu, sich eine
jüdische Identität anzudichten,
fragt Jacques Schuster in der
Welt: "Das Judentum ist Czollek und vielen anderen nicht ein Wert als solcher. Weil sie der Durchschlagskraft ihrer eigenen Argumente misstrauen, nutzen sie den Bezug auf die jüdische Identität gleichsam als Energiezufuhr ihrer oft inhaltlich fragwürdigen Auslassungen und als
Schutzschild für ihre Thesen - gern gegen Israel und für die Palästinenser. Der Wunsch, jüdisch zu sein, der Holocaust als schaurig-schönes Begehr - es ist nicht totzukriegen."
Bildung für alle, dann klappt es auch mit der Gleichheit im Berufsleben. Sollte man meinen, ist aber nicht so,
erklärt Christine Brinck in der
NZZ, im Gegenteil. Bildung, das zeigten die letzten vierzig Jahre, in der die Hochschulen in Deutschland immer weiter ausgebaut wurden, ist der "
große Trenner". Nur gute Abschlüsse an guten Universitäten sichern später gute Einkommmen. "Da die Klassenschere sich nicht erst an der Universität öffnet, was auch für Europa gilt, folgt für die Ökonomen zwingend die
hochqualitative Frühkindbildung. Interventionen für Kinder aus sozioökonomisch schwachen Verhältnissen sind der Ausgleich für die elterliche Investition bei den Bessergestellten in der Mittel- und Oberschicht. Der
jährlich mit 13 500 Dollar bezifferte Einsatz pro sozial benachteiligtem Kind wirft einen beeindruckenden Ertrag ab. ... Beim Projekt 'Moving to Opportunity' der Harvard-Ökonomen Chetty, Hendren und Katz konnten Familien mit kleinen Kindern
dank Gutscheinen aus Armenvierteln in Mittelklasse-Gegenden ziehen, was sowohl die Studienquote als auch später die Einkommen erhöhte."
Weitere Artikeln: Das
Gendern schafft ein falsches Bild von der Realität,
meint Daniele Dell'Agli in einem Essay für
Telepolis. Unter den "
Soldatinnen und Soldaten", die in Afghanistan gefallen sind, dürften sich nur wenige Frauen befinden, denn ihre Quote beim Einsatz betrug nur fünf Prozent, sagt Dell'Agli. Das ist oft so in gefährlichen Jobs: "Dazu
schweigen die Gleichstellungsbeauftragten. Und dazu, dass
97 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen - ein Umstand, über den sich bezeichnenderweise noch nie jemand öffentlich empört hat." In der SZ fragt der Soziologe
Helmut Anheier: "Die meisten von uns wünschen sich gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine breite Beteiligung am politischen Prozess; außerdem möchten wir von einer florierenden, vernetzten Wirtschaft profitieren. Doch sind diese drei Wünsche miteinander vereinbar?" Seine Antwort: Ja, es muss nur alles moderat langsam gehen.