9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Mai 2021

Jemand, der ein Krokodil füttert

08.05.2021. Der deutsche Antisemitismus ist nicht ein Problem mit den Juden, sondern ein Problem mit uns selbst, schreibt Peter Longerich in der FAZ. In Zeit online warnt Josef Joffe: "Mikroaggression bedeutet universelle Sprachkontrolle." In der taz ist Andreas Fanizadeh Jürgen Habermas dankbar, dass er einen Preis eines Scheichs letztlich ausschlug. Rico Grimm erinnert bei den Krautreportern daran, was ein Patent eigentlich ist. Die Katastrophe am Berg Meron war eine Katastrophe mit Ansage, stellt hpd.de fest. Und Richard Herzinger will die Welt nach Herfried Münkler lieber nicht betreten.

Eine gewisse akademische Arroganz

07.05.2021. Amerika spricht sich für eine Freigabe der Patente auf Impfstoffe aus - und löst damit die größte Debatte des Tages aus. Bei CNN begründet Özlem Türeci, Miterfinderin des Biontech-Impfstoffs, warum sie dagegen ist. Netzpolitik plädiert für eine Open-Source-Politik. Bei emma.de erzählt die ehemalige Prostituierte Huschke Mau, warum sie von Antirassisten als Rassistin beschimpft wurde, obwohl sie Rassismus in der Prostitution anprangerte. Für die SZ schickt Serhij Zhadan einen Lagebericht aus der Ukraine. Der Guardian fragt, warum sich ausgerechnet Jacinda Ardern, die neuseeländische Ministerpräsidentin, nicht stärker für die Uiguren einsetzt.

Widersprüche und Ambivalenzen

06.05.2021. Der Perlentaucher druckt ein Kapitel aus Götz Alys neuem Buch "Das Prachtboot". Er kritisiert das Humboldt-Forum, das immer noch nicht deutlich über den gewaltsamen Erwerb einiger seiner Glanzstücke aufkläre. Die Zeit setzt sich in einem epischen Artikel mit  der Nazigeschichte einiger ihrer prominenten frühen Redakteure auseinander. Das Bundesverfassungsgericht setzt die moralische Lebensführung über die Freiheit, schreibt Jan Grossarth in der Welt zum Klimaurteil. Die taz porträtiert die niederländische Autorin Lale Gül, die im Versteck leben muss.

Das Beste des Kaisers

05.05.2021. Die SZ befasst sich mit der Künstlergruppe "Peng", die Biontech-Mitarbeiter auffordert, Impfstoffpatente zu leaken - leider lässt sich der Stoff aber nicht nachbacken wie ein Rezept von chefkoch.de, erläutert die Zeitung zugleich. Die taz ist erleichtert, dass "NSU 2.0" gefasst ist und froh, dass er nur ein arbeitsloser Berliner und nicht ein ganzes Netzwerk in der Polizei ist. Aus Anlass des 200. Todestages von Napoleon beleuchten die Medien das schillernde Verhältnis Emmanuel Macrons zur Geschichte.

Die Unterschiede auflösen und überwinden

04.05.2021. Nordirland wird hundert. Kevin Rooney, Betreiber eines neuen Referendums für Nordirland, erzählt in Spiked online, warum er eine Vereinigung zwischen Nordirland und der Republik näherrücken sieht. Neben dem Staat trägt vor allem eine Bevölkerungsgruppe die Kosten der Corona-Pandemie, die Sebständigen - der Regisseur Achim Michael Hasenberg schlägt darum in der taz einen Solibeitrag vor. In der SZ erklärt der afroamerikanische Publizist Thomas Chatterton Williams, warum er anders als die Antirassisten an der Idee der Farbenblindheit festhält. Die Welt repliziert auf Tagesspiegel-Artikel über die Aktion #allesdichtmachen.

Immer nach Feierabend

03.05.2021. hpd.de berichtet über den Aufruf des pakistanischen Premierministers Imre Khan zu einem Handelsboykott gegen alle westlichen Staaten, die Blasphemie nicht unter Strafe stellen. Die Beleidigung des Propheten Mohammed setzt Khan mit einer Leugnung des Holocausts gleich. In den armen Ländern beginnt die Coronakrise erst, fürchtet die taz. In den reichen endet sie auch nicht, fürchtet die FAZ. Auf Zeit online erzählt Fabian Wolff, wie er als linker Jude in Deutschland leidet. In der SZ lässt Gerhard Matzig hemmungslos seinem Abscheu vor dem deutschen Eigenheim und seinen Besitzern freien Lauf. Ist das "Klassismus", würde die taz vielleicht fragen.