9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

August 2015

Durch den Willen des Schicksals

31.08.2015. Politico.eu legt der gerade aus dem Urlaubsschlummer erwachenden EU die aktuelle To-Do-Liste vor. Armin Nassehi analysiert in der FAZ die Mentalität des Hasses auf Flüchtlinge. Die NZZ schildert die unmöglichen Arbeitsbedingungen palästinensischer Journalisten. Gabriele Goettle zweifelt in der taz an den Lehren der Veganerin Friedericke Schmitz. Die IS-Milizen sprengen Tempel um Tempel. Alle Zeitungen trauern um Oliver Sacks.

Ein Fußgänger mit Rollkoffer sowieso

29.08.2015. Ungarn öffnete den Eisernen Vorhang. Nun zieht es eine Natodrahtgrenze - und die ist auch ein Symbol, schreibt der Tagesspiegel. Nun stellt sich heraus: Die anderthalb Millarden Euro, die angeblich aus Versehen zu viel in die Haushaltsgebühr geflossen waren, sind in Wirklichkeit der "Finanzbedarf" der öffentlich-rechtlichen Sender - alle anderen Medien sind verblüfft. Die Berliner Zeitung bringt eine neue Episode aus der Entrauchungshauptstadt Berlin.

Aufgepeppte Untergangs-Kulisse

28.08.2015. In der Welt erinnert Carl Bildt daran, dass das Netz neben all seinen schlechten Eigenschaften auch ein paar gute hat. Die Jungle World verteidigt den Standpunkt von Amnesty international in der Debatte über "Sexarbeit". Die NZZ fragt;: Was bringt die Ruhrtriennale den Arbeitslosen? Die taz erklärt, warum das "helle" Deutschland bei Dresden nicht Gesicht zeigt.

Das Modell des Auswegs

27.08.2015. Sascha Lobo fürchtet in Spiegel online: Durch das Netz entsteht Terrorismus. Georg Seeßlen prangert in der taz mit Blick auf die Flüchtlinge und die Ausländerfeinde das Wuchern der Dispositive an. Der Schriftsteller Dietmar Krug spricht sich im Standard entschieden gegen den Begriff der "Sexarbeit" aus. Die Zeit bringt neue Erkenntnisse über das "coole System" von NSA und Verfassungsschutz.

In voller Konsequenz

26.08.2015. Das französische Blog Wheelcome hat die Tierschutzorganisation PETA attackiert, weil sie Tiere mit geistig behinderten Menschen gleichsetzt. PETA hat sich entschuldigt - und bleibt bei dem Zitat, auch in Deutschland, wie wir durch einen Link zeigen. Die Archäologin  Friederike Fless attackiert in der FAZ die Kunsthändler, die gegen das Kulturgutschutzgesetz  wettern. Der Musikologe Sven Fritz weist in der SZ nach, wie unterwandert von Nazis die Bayreuther Festspiele auch nach 1945 waren. Vice zeigt in einem Interview: Es gibt auch Dschihadisten der Revolution im Irak.

Begehung der Stätten des Jenseits

25.08.2015. Die taz staunt, wie schlampig Behörden Anfragen stellen, um an gespeicherte Daten von Mailanbeitern zu kommen. Ebenfalls in der taz erklärt die Anwältin Miriam Saage-Maaß, warum sie mit der Kairoer Menschenrechtserklärung nichts anfangen kann. Libération berichtet über die Verfolgung Homosexueller durch den Islamischen Staat. Auch die Zerstörung von Tempeln in Palmyra sorgt weiter für Empörung.

Mehr Wunden versorgen

24.08.2015. Die IS-Milizen haben mit der Zerstörung Palmyras begonnen, der Baalschamin-Tempel ist gesprengt worden, berichten die Medien. Der Economist thematisiert die andauernde Sklaverei in muslimischen Ländern. Die SZ erzählt, was die DDR mit der Pille bezweckte. Die Flüchtlingskatastrophe sorgt nach wie vor für viele Debatten. Die NZZ fragt sich, warum wir mit beiden Gehirnhälften schlafen.

Hochwertiges Buddelzeug

22.08.2015. In der FR verteidigt Navid Kermani den ästhetizistischen Zugang zu Religion. Laut Zeit online hatten die Ermittlungen gegen Netzpolitik eventuell doch ein Gutes für die blamierten Behörden. Die Flüchtlinge sind Flüchtlinge, und keine Migranten, macht Barry Malone in einem Blog von Aljazeera.com klar. Und sie sind keine Refugees und auch kein Strom, ergänzt die Welt. Dort geht auch Güner Balci von Mitte nach Wedding.

Dass es im eigenen Haus brennt

21.08.2015. Die Welt erklärt, warum der Mord an dem  Archäologen Khaled Asaad eine programmatische Tat ist. Stephan Russ-Mohl sticht in seinem Blog in die Filterblasen des Journalismus. Die Kritik an den Symbolen der Konföderierten darf nicht zum Bilderstrum werden, warnt die NZZ. Die SZ beleuchtet die Lage der Blogger in Bangladesch. Und Navid Kermani macht in der FAZ den Bischof Huber traurig: Denn Protestantismus findet Kermani fad.

Ein guter halber Liter Champagner

20.08.2015. In der Zeit bewundert Boris Johnson die übernatürlichen Kräfte Winston Churchills. In der NZZ sieht Sonja Margolina das Gespenst Felix Dserschinskis auf Moskau zu marschieren. Gene Demby beschreibt in NPR.org, wie es ist, schwarz zu sein und in Mainstream-Medien über Rassismus zu berichten. In der Zeit sehnt sich Navid Kermani nach einer intakten Volksfrömmigkeit. Patente bringen keine Innovation, fürchtet der Economist.

Eine Maxi-Packung Hartkekse

19.08.2015. Die IS-Milizen haben den Chefarchäologen von Palmyra, Khaled Asaad, enthauptet, meldet Spiegel Online. Slate.fr zieht aus einem neuen Buch über den Völkermord an den  Armeniern paradoxe Lehren. Fünfzig Jahre nach dem großen Frankfurter Auschwitz-Prozess zieht Werner Renz vom Fritz-Bauer-Institut in der taz Bilanz. Journalismus im Netz ist eine Riesenenttäuschung mit vielen Möglichkeiten, meint die Medienwoche. Naturapostel brauchen S-Bahnanschluss, lernt die Welt in einer Ausstellung.

Während des Sonnenaufgangs

18.08.2015. Rüdiger Suchsland wendet sich in seinem Blog gegen einen Israel-Boykottaufruf von Filmemachern. Huffpo.fr fragt sich, warum sich europäische Politikerinnen im Iran so gern mit Kopftuch zeigen. In der FAZ erinnert Claus Leggewie an die langen Nachwirkungen des Hitler-Stalin-Pakts. Großes Thema in den amerikanischen Medien: Herrscht bei Amazon wirklich Terror?

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17.08.2015. In Le Monde sucht Alain Badiou das Glück jenseits von Horaz und Pascal Bruckner. Politico.eu graust's vor dem in Großbritannien drohenden und von Jeremy Corbyn herbeigeführten Triumph des Neoliberalismus. Die FAZ setzt ihre Kampagne gegen die "selbsternannte" Öffentlichkeit fort. Die Welt schildert den "Krieg" David Camerons gegen die BBC. Die NZZ sucht Alternativen zu London.

Hinter einem Sagen das Tun verbergen

15.08.2015. In seinem Pandaemonium-Blog verteidigt Kenan Malik die Meinungsfreiheit in Zeiten der Identitätspolitik. Die FAZ beobachtet die Eskalation im ukrainisch-russischen Kulturkampf. In der taz warnt Georg Seeßlen vor dem Realismus in der Politik. Die NZZ fürchtet Medien, die unbefugt Öffentlichkeit herstellen und Institutionen schaden. Die NYRB besucht Kuba. Slate freut sich, dass David Simon in seiner neuen HBO-Serie sozialen Wohnungsbau zu einem sexy Thema macht.

In unserer zerrütteten und gefährlichen Welt

14.08.2015. Im Freitag sprechen Holm Friebe und Annika von Taube über die irrationalen Ängste unserer angeblich aufgeklärten Mittelschicht. Die Soziologin Cornelia Koppesch beklagt im SZ-Magazin, dass der Kapitalismus nun auch noch die Idee der individuellen Autonomie vereinnahmt hat. Die Berliner Zeitung bringt eine satirische Vision von Boualem Sansal über die Zukunft der Stadt. Die SZ porträtiert den Dokumentarfilmer Thomas Frickel, den Schrecken der öffentlich-rechtlichen Anstalten.

Im grünen Tarnhemd

13.08.2015. Hat die Regierung geflunkert?, fragt Zeit online, nachdem sich herausstellte, dass die Amerikaner nicht auf einer Geheimhaltung der "Selektorenliste" beharrten. Marica Filipovic vom Nationalmuseum in Sarajewo erklärt in der taz, warum das Land nicht vorankommt. An die Adresse Anja Reschkes sagt Mikolaj Ciechanowicz in der Welt, dass der Aufstand der Anständigen schon Tag für Tag stattfindet. Jeff Jarvis verlangt im Observer einen Journalismus, der nicht permanent wiederholt, was nur einen Klick entfernt ist.

Man bringt das immer mit Athen in Verbindung

12.08.2015. Yannis Palaiologos, Redakteur bei Kathimerini, attackiert in politico.eu scharf die amerikanischen Ökonomieprofessoren Krugman, Stiglitz und Sachs, die sich als Varoufakis-Berater in Szene setzten. Ebenfalls in Politico.eu ein Bericht über die Übernahme des Economist durch die Agnellis und die Rothschilds. Nicht Google sollte der Welt das Internet bringen, findet die FAZ. In der FR sucht Jan Assmann den Ursprung der Demokratie in der Bibel. Die SZ erinnert daran, dass die Nazis nicht gegen die Russen, sondern die Sowjetunion Krieg führten.

Immer noch manche Perle

11.08.2015. Google lernt das Alphabet, unter anderem mit Sundar Pichai. Mashable stellt ihn vor. Die NZZ beschreibt, wie syrische Flüchtlinge die Kulturszene von Istanbul bereichern. Die taz besucht die jüdische Gemeinde in Dnipropetrowsk, die ukrainisch bleiben will. In der FAZ macht Thomas Frickel von der AG Dok einen Vorschlag für ein öffentlich-rechtliches Modell jenseits der Anstalten. Der Streit um das Kulturgutschutzgesetz zeigt vor allem eines, meint die taz: In Deutschland gibt es keine Mäzene, die diesen Namen verdienen.

Außenwahrnehmung

10.08.2015. In der Jungle World beschreibt der irakisch-britische Autor Kanan Makiya die entfesselte Wut der Bevölkerungsgruppen im Irak. In The Daily Beast kritisiert der britsche Autor Maajid Nawaz den Guardian, der ausgerechnet einen Islamisten auf David Camerons Rede über die Radikalisierung hat antworten lassen. Global Voices schildert nach dem Mord am Blogger Niloy Neel die extrem gefährdete Lage säkularer Blogger in Bangladesch. In der FAZ thematisiert Constanze Kurz die Wut der Geheimdienste auf ihre Bürger.

Wer in zweiter Reihe parkt

08.08.2015. In der NZZ benennt der polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej , was der Süden und der Osten in der EU fatalerweise gemeinsam haben. Die FAZ zeigt, wie "Sicherheitstechnik" ganz schnell zu Überwachungstechnik mutiert. Die FAZ beklagt auch die Macht der Blogger. Politico.eu erinnert daran, dass der Ukraine-Krieg in Georgien anfing. Die taz begibt sich mit dem Sozialpädogen Christian Spoden in ein Paradies für Pädophile - nämlich ins Kreuzberg der Achtziger.

In Jogginghose am Kacheltisch

07.08.2015. In der NZZ meditiert Hans Christoph Buch über das Dilemma Europas, das die Flüchtlinge "gleichzeitig aufnehmen und abschieben will". Im Tagesspiegel erklärt James Bridle, wie man Überwachung sichtbar macht. Welt und FAZ fragen, ob Blogger die Privilegien von Journalisten genießen dürfen. In der SZ verteidigt Hermann Parzinger den Begriff des "shared heritage".

Aber die großen Diskurse

06.08.2015. Die Piratenpartei erklärt sich mit der Funke-Mediengruppe solidarisch und veröffentlicht Dokumente, die das Haus sperrte, nachdem die Regierung Urheberrechte geltend machte. In der Zeit erklärt Derek Scally, Berlin-Korrespondent der Irish Times, wie es die deutsche Regierung mit quengelnden Ökonomen aus USA und UK aufnehmen könnte. Die FAZ erklärt, wie man mit dem Begriff des Shared Heritage Eigentumsansprüche begründet. Die New York Times vermisst Jon Stewart schon jetzt.

Innerhalb der knappen Bandbreite

05.08.2015. Die New York Times würdigt Robert Conquest, den Historiker des stalinistischen Hungermords in der Ukraine, der im Alter von 98 Jahren gestorben ist. Die taz fragt, ob Googles Algorithmen sexistisch sind. Politico.eu porträtiert die Geldaristokratin Lynn Forester de Rothschild, die Springer das Fürchten lehrt. Die FAZ porträtiert die Sankt-Petersburger Journalistin Ljudmila Sawtschuk, die undercover in einer putinistischen "Fabrik der Trolle" arbeitete.

Die Balzstimme des Hahnes

04.08.2015. Im Tagesspiegel erklärt die Autorin Amanda Michalopoulou, warum es auf Naxos gerade so gut läuft. Die israelisch-jüdische Debatte über Berlin geht weiter: In der Welt findet der Philosoph Omri Boehm gute Gründe dafür, in Berlin für ein besseres Israel einzutreten. Die Schweiz am Sonntag erzählt, wie honorige Schweizer Bürger einst der fast bankrotten DDR halfen. Und die FAZ fragt mit Blick auf Netzpolitik: soll nun auch noch jeder "selbsternannte Blogwart" Pressefreiheit genießen?

Das ganze Asyl-Theater ist absurd

03.08.2015. Europa diskutiert über die Flüchtlinge: Sehr kritisch reflektiert der Guardian britische Positionen. Zeit online wendet sich gegen Schönrednerei. Ebendort erklärt James Bridle, wie man Kunst macht, die Flüchtlingen nützen kann. Netzpolitiker Andre Meister betont die essenzielle Funktion von Whistleblowern für die überwachte Demokratie. Politico.eu analysiert die europäischen Kämpfe ums Urheberrecht. Der Tagesspiegel erinnert an Wut und Abscheu über den "kleinen Unterschied".

Hier wird die Verfassung geschützt

01.08.2015. Nach dem Grimme Online Award und "Journalist des Jahres 2014" ist der Vorwurf des Landesverrats bereits die dritte hohe Auszeichnung, freut sich Netzpolitik.org. In der taz erklärt Serhij Zhadan, warum er sich nicht mehr zur Unterhaltung westlicher Intellektueller mit russischen Okkupanten auf ein Podium setzen will. Ebenfalls in der taz ruft der Kulturwissenschaftler Anselm Lenz die seriös formulierte Revolution aus. Der Philosoph Markus Gabriel ist mit dem Fortschritt der Menschheit hingegen ganz zufrieden.