
Teenager und junge Erwachsene haben
immer weniger Sex, jedenfalls in den USA und in Europa, lernt Kate Julian, die sich für die
Titelgeschichte mit dem Thema beschäftigt hat. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber besonders schwerwiegend dürfte die Tatsache sein, dass immer mehr Menschen unfähig sind zu
sozialer Interaktion mit Unbekannten. "Ich erwähnte gegenüber mehreren Personen, die ich für dieses Stück interviewte, dass ich meinen Mann 2001
in einem Aufzug getroffen hatte. (Wir arbeiteten auf verschiedenen Stockwerken derselben Institution, und in den folgenden Monaten kamen viele weitere Gespräche zustande - im Aufzug, im Pausenraum, auf dem Weg zur U-Bahn.) Ich war fasziniert, wieviele Frauen daraufhin seufzten und sagten, dass sie gerne jemanden auf diese Weise treffen würden. Und dennoch dachten etliche von ihnen, dass sie es
sehr seltsam fänden, würde ein Unbekannter im Aufzug mit ihnen ein Gespräch anfangen. '
Hau ab,
du Widerling!', stellte sich eine Frau ihre Reaktion vor. 'Immer wenn wir schweigen, schauen wir auf unsere Handys', erklärte ihre Freundin nickend. Eine andere Frau fantasierte mir vor, wie es wäre, wenn ein Mann sie
in einer Buchhandlung anmachen würde. (Sie würde ihr Lieblingsbuch in der Hand halten. 'Was ist das für ein Buch?', würde er sagen.) Aber dann schien sie aus ihrer Träumerei auszubrechen und wechselte das Thema zu 'Sex and the City' und wie hoffnungslos veraltet die Serie heute erscheine. 'Miranda trifft Steve in einer Bar', sagte sie in einem Ton, der darauf hindeutet, dass das Szenario genauso gut aus einem
Roman von Jane Austen stammen könnte."
Ausgerechnet der renommierteste Bürgerrechtsverein der USA, die
ACLU, hat sich kürzlich öffentlich dagegen ausgesprochen, die Rechte eines Angeklagten auf ein
faires Gerichtsverfahren zu stärken. Zumindest auf dem
Universitätscampus,
schreibt ein entsetzter Conor Friedersdorf. Eine neue Richtlinie von Erziehungsministerin
Betsy DeVos soll sicherstellen, dass künftig nach Title IX Angeklagte Zugang zu allen Unterlagen und Beweismitteln bekommen und Ankläger wie Kläger sich gegenseitig oder von ihren Anwälten ins Kreuzverhör nehmen dürfen. Bisher konnte die Universität eine Klage von einem einzelnen Ermittler untersuchen lassen und dem Angeklagten, dem die Ergebnisse nicht mitgeteilt werden, dann nur noch ihren Beschluss überreichen. Die ACLU protestierte gegen die neue Richtlinie auf ihrer
Webseite und auf
Twitter: Sie schwäche den Schutz vor sexuellen Übergriffen und "'fördert einen ungerechten Prozess,
begünstigt unangemessen die Angeklagten und entlässt die Schulen aus ihrer Pflicht nach Titel IX, unverzüglich und fair auf Beschwerden über sexuelle Gewalt zu reagieren. Wir werden weiterhin Überlebende unterstützen.' Vor allem ein Satz war für die Bürgerrechtler schockierend: Die Richtlinie fördere 'einen ungerechten Prozess, der die Angeklagten unangemessen begünstigt'. Seit wann hält die ACLU ein Verfahren, das den Angeklagten begünstigt, für unangemessen oder ungerecht?" Die Rechten jedenfalls freuen sich bereits über diese Argumentationslinie, seufzt Friedersdorf.
Außerdem: Peter Beinart
denkt über Chancen und Risiken einer
neuen linken Welle (der dritten seit den dreißigern und den sechzigern) bei den Demokraten nach. Mike Mariani
wundert sich, dass die
Nachfrage nach Exorzisten in Amerika steigt.