Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 24

Magazinrundschau vom 27.08.2019 - The Atlantic

In der neuen Ausgabe des Magazins befasst sich Obamas früherer Redenschreiber und Berater Ben Rhodes mit dem Schicksal der birmanischen Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die seit 2016 Regierungschefin von Myanmar ist und wegen ihrer indifferenten Haltung zum Völkermord an den Rohingya in der Kritik steht: "Sieben Jahre nach unserer ersten Begegnung frage ich mich, was Aung San Suu Kyi anstrebt. Zweifellos will sie Präsidentin werden, aber warum? Eine Antwort lautet: Als Aung Sans Tochter will sie die Macht über ein buddhistisches Myanmar, um ihr persönliches Schicksal zu vollenden. Die Demokratie wäre in diesem Fall für sie nur Mittel zum Zweck, und sich für die Rohingya einzusetzen, hieße dieses Ziel gefährden. Eine andere Antwort wäre: Sie möchte das Land wirklich in eine Demokratie verwandeln, Kontrolle über das Militär gewinnen, Frieden unter den ethnischen Gruppierungen stiften und ein Land schaffen, in dem es für die Menschen bergauf geht und wo ethnische Säuberungen der Vergangenheit angehören. Das aber bräuchte Geduld und unangenehme Kompromisse. Beide Antworten scheinen mir zutreffend. Über die Jahre habe ich Suu Kyi als Idealistin und Machtperson gleichermaßen kennengelernt, eine Frau, die von nationaler Versöhnung sprach, von Gewaltlosigleit und Dialog, die darauf bestand, keine Ikone zu sein, sondern eine Politikerin, die eine Partei führt, und zwar in einer erwachenden Demokratie, die mich um eine DVD des Films 'Glory' bat, eine Geschichte tragischen Heroismus' beim Kampf um Freiheit und Gleichheit. Ich erinnere mich ebenso an eine Frau, die dazu neigt, jede Konversation auf ihre eigenen Anliegen zu bringen, die alte Weggefährten aus der Zeit ihrer Inhaftierung fallen ließ, deren Rhetorik über Menschenrechte und Gesetze oft fadenscheinig war, die Frau, die sich so sehr interessierte für das Drama 'The Crown" über das britische Königshaus. David Mathieson von Human Rights Watch, der sie jahrelang unterstützte, sagte mir, dass Suu Kyis Fall eine Lektion enthalte: Unsere Hoffnung, das Gewicht eines ganzen Landes auf ein einzelnes Individuum zu setzen, ist zu viel, gleich wie faszinierend seine Geschichte auch sein mag."

In der Titelstory erzählt Vann R. Newkirk die Geschichte der schwarzen Farmer in Mississippi, die in den letzten Jahrzehnten durch legale und manchmal nicht so legale Tricks ihr Land verloren haben: "Die Besitzer kleinerer Bauernhöfe, schwarze wie weiße, werden überall von größeren Wirtschaftskräften bedoht. Aber was mit den schwarzen Grundbesitzern im Süden und insbesondere im Delta geschah, ist anders und wurde nicht nur durch den wirtschaftlichen Wandel, sondern auch durch weißen Rassismus und lokale weiße Machtinhaber angetrieben. Ein Krieg, der mittels Besitzurkunden geführt wird, hat 98 Prozent der schwarzen Bauern in Amerika enteignet. Sie haben im letzten Jahrhundert 12 Millionen Hektar verloren. Aber selbst diese Aussage verfälscht die Geschichte. Tatsächlich fielen die meisten Verluste in die Zeit ab den 1950er Jahren. Mit Ausnahme einer Handvoll Farmern gehört die Schwarzen in dieser ertragreichsten Ecke des tiefen Südens fast nichts von der Erde unter ihren Füßen."

Magazinrundschau vom 17.09.2019 - The Atlantic

Während kontinentaleuropäische Museen beginnen, sich mit ihrer kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen und über Rückgaben und Kooperationen nachdenken, bewegt sich im Mutterland des Kolonialismus in dieser Hinsicht gar nichts, berichtet Daniel Trilling. Die Briten geben nichts zurück, höchstens mal eine Haarlocke. So sitzt das British Museum auf einer Kollektion von elf Tabletts aus Holz und Stein, die nie jemand zu sehen bekommt, erzählt Trilling. "Es sind christliche Tafeln oder Tabots, die die Bundeslade darstellen, und sie gehören - obwohl das in diesem Fall ein umstrittener Begriff ist - der äthiopisch-orthodoxen Kirche, die glaubt, dass nur ihre Priester sie sehen sollten. Die Tabots wurden zusammen mit Hunderten anderer kostbarer Gegenstände - Prozessionskreuze, Gold- und Silberschmuck, illustrierte Manuskripte - von der britischen Armee 1868 beschlagnahmt, nachdem sie den äthiopischen Kaiser Tewodros II. in der Schlacht von Maqdala besiegt hatte. Es gibt kaum einen klareren Fall von offiziell genehmigter Plünderung: Als Tewodros Selbstmord beging, plünderten Soldaten seine Schatzkammer und versteigerten dann ihre Funde in ihrem Umfeld, um die Expedition zu bezahlen. Sie hatten sogar einen Experten des British Museum mitgebracht, um für einige der ausgesuchtesten Gegenstände zu bieten." Trotz mehrfacher Anfragen will das British Museum die Artefakte nicht zurückgeben, das beste Angebot bisher war, "dass es die Möglichkeit einer langfristigen Leihgabe in Betracht ziehen würde". Begründet wird dies unter anderem mit dem Hinweis, dass Britannien heute eine multikulturelle Gesellschaft sei und darum eine kulturelle Ressource für alle sein müsse. Für den äthiopisch-amerikanischen Autor Maaza Mengiste klingt das ziemlich lahm. Die Briten brauchen eine ehrliche Konversation über ihre Geschichte, meint er: "Wenn Britannien diese geraubten Gegenstände zurückgibt, dann muss es sich selbst neu erfinden. Ist es dafür stark genug?"

Magazinrundschau vom 23.07.2019 - The Atlantic

China nimmt Einfluss, und das ganz besonders in Deutschland und hier besonders in Universitäten. Wie rhizomatische Netzwerke unter dem Waldboden nutzt China allein in Deutschland Hunderte Studenvereinigungen und andere Organisationen, um einerseits Wissen nach China zu transferieren und andererseits die Studenten bei der Stange zu halten. Denn "Assimilation" ist verpönt, schreibt Didi Kirsten Tatlow. Über allem steht die "Abteilung für die Einheitsfrontarbeit des ZK der KPCh ", die für die Partei die Beziehungen zu den nicht parteigebundenen Eliten überwacht - eine äußerst undurchsichtige Organisation. "Eine grobe Zählung ergibt 230 Studentengruppen, die mit der Einheitsfront verbunden sind. Die reale Zahl dürfte um einiges höher sein. Dazu gehören deutsch-chinesische Freundschaftsgruppen, Kultur- und Wirtschaftsvereine, chinesische Handelskammern und ein Verein für 'öffentliche Diplomatie', der offen seinen Einfluss auf deutsche und europäische Politiker preist. Hinzu kommen dann noch Studentenverbände und zwanzig Konfuziusinstitute, die beide mit den Zielen der Einheitsfront übereinstimmen."

Magazinrundschau vom 24.06.2019 - The Atlantic

Im aktuellen Heft macht sich William Langewiesche daran, den Fall der vor fünf Jahren auf mysteriöse Weise zwischen Kuala Lumpur und Peking über dem Indischen Ozean verschwundenen malaysischen Boeing 777 aufzuklären: "Soviel lässt sich mit Sicherheit über das Schicksal von MH370 sagen: Erstens war das Verschwinden eine vorsätzliche Handlung. Es ist unvorstellbar, dass die uns bekannte Flugroute durch eine Kombination aus Systemausfall und menschlichem Versagen verursacht wurde. Feuer, Rauch, Explosion, Zusammenbruch des Kontrollsystems, Sturm, Eis, Blitz, Vogelschlag, Meteorit, Vulkanasche, mechanisches Versagen, Sensoren-, Instrumenten-, Funkversagen, medizinischer Notfall, Bombe - nichts davon erklärt die Flugroute. Zweitens fand die Steuerung des Flugzeugs trotz gegenteiliger Theorien nicht aus der Ferne statt, sondern aus dem Cockpit … Die MH370 flog höchstwahrscheinlich mit Autopilot Richtung Süden in die Nacht. Wer auch immer im Cockpit war, war aktiv und lebendig. War es eine Entführung? Das ist die im offiziellen Bericht bevorzugte Lösung. Es ist die schmerzloseste Erklärung für jeden, der in dieser Nacht Autorität besaß, wirft jedoch immense Probleme auf. Das wichtigste ist, dass die Cockpittür massiv, elektrisch verriegelt und videoüberwacht war. Außerdem vergingen weniger als zwei Minuten zwischen Zaharies (der Pilot, d. Red.) Gutenachtgruß an den Tower in Kuala Lumpur und dem Abgehen von der regulären Route. Wie sollte es den Entführern möglich gewesen sein, den Zeitpunkt der Übergabe an die vietnamesische Flugsicherung abzupassen, um Zugang zum Cockpit zu erhalten, und das, ohne dass die Piloten einen Notruf übermitteln konnten?"
Stichwörter: Mh370, Meteoriten, Ozeane, Rouen, Ozean

Magazinrundschau vom 28.05.2019 - The Atlantic

Elizabeth Winkler hat sensationelle Nachrichten - Shakespeare war eine Frau! In der neuen Ausgabe des Magazins sammelt Winkler Indizien und nennt einen Namen: Emilia Bassano. "Ist je jemand auf die Idee gekommen, dass der Schöpfer all der außergewöhnlichen Frauenfiguren selbst eine Frau war? … Die vorherrschende Ansicht war, dass in der Renaissance in England keine Frau für das Theater schrieb, weil das gegen die Regeln verstieß. Religiöse Verse und Übersetzungen wurden als geeignete literarische Aktivitäten für Frauen angesehen, 'closet dramas', die nur für die private Lektüre gedacht waren, waren akzeptabel. Die Bühne war tabu. Wissenschaftler haben allerdings herausgefunden, dass Frauen als Gönner, Anteilseigner, Kostümbildnerinnen und Kassiererinnen in das Bühnen-Geschäft involviert waren. Darüber hinaus wurden 80 Prozent der in den 1580er Jahren gedruckten Stücke anonym geschrieben, und diese Zahl fiel erst in den frühen 1600er Jahren unter 50 Prozent … Bassano wurde 1569 in London als Tochter einer venezianischen Einwandererfamilie - wahrscheinlich jüdische Musiker und Instrumentenbauer - geboren und war eine der ersten Frauen in England, die einen Gedichtband veröffentlichte (angemessen religiös und doch verblüffend feministisch gegen männliche Unterdrückung und für die Befreiung der Frau streitend). Ihre Existenz wurde 1973 vom Oxford-Historiker A. L. Rowse aufgedeckt, der spekulierte, sie sei Shakespeares Geliebte gewesen, die in den Sonetten beschriebene 'Dark Lady'. In dem Stück 'Emilia' geht die Dramatikerin Morgan Lloyd Malcolm noch einen Schritt weiter: Ihr Shakespeare ist ein Plagiator, der Bassanos Worte für Emilias berühmte Verteidigung der Frauen im Othello verwendet. Könnte Bassanos Beitrag noch größer und direkter sein? Die Idee fühlte sich wie eine feministische Fantasie über die Vergangenheit an. Doch Geschichten über verlorene und verdeckte Errungenschaften von Frauen haben oft etwas Traumhaftes, da sie eine andere Geschichte als die enthüllen, die wir kennen. Hatte ich mich hinreißen lassen, Shakespeare nach dem Bild unserer Zeit neu zu erfinden? Oder blickte ich hinter die geschlechtsspezifischen Annahmen, auf eine Frau, die wie Shakespeares Heldinnen eine raffinierte Verkleidung trug? Vielleicht war die Zeit endlich gekommen, sie zu erkennen."

In der Titelstory sieht James Carroll für die Katholische Kirche nur eine Möglichkeit, sich nach den Missbrauchsskandalen zu erneuern: Sie muss ihre Hierarchie und den Klerikalismus abschaffen. "Die Kirche, die ich voraussehne, wird von Laien regiert werden, wobei das Verb dienen angemessener wäre als regieren. Es wird Führer geben, die Gemeinschaften in der Anbetung versammeln, und weil die Tradition reich ist und tief in der Menschheitsgeschichte Akkorde anschlägt, können solche sakramentalen Befähiger durchaus als Priester bekannt sein. Dazu werden auch Frauen und verheiratete Menschen gehören. Sie werden ontologisch allen anderen gleich sein. Sie werden keinem feudalen Übergeordneten Lehnstreue schulden."

Weitere Artikel: Franklin Foer beschreibt Victor Orbans Krieg gegen George Soros' Central European University. Darcy Coutreau erzählt die Geschichte einer Mexikanerin, die es nach Jahrzehnten geschafft hat, legal in Amerika zu leben.

Magazinrundschau vom 04.06.2019 - The Atlantic

Emma Green erkundet die düsteren Perspektiven für Christen in Nahost, eine Gefahr für den Pluralismus in der Region, warnt sie, aber auch eine politische Gelegenheit: "Der prekäre Zustand des Christentums im Irak ist tragisch. Die Welt könnte bald Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes werden. Die Bewohner dieser Gegend teilen mehr als den Glauben: Sie nennen sich Suraye und fühlen sich alten Völkern verbunden, die dieses Land lange vor Christi Geburt bewohnt haben. Das Schicksal des Christentums in der Ninive-Ebene ist von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test für den Pluralismus eines Landes; eine gesunde liberale Demokratie schützt gefährdete Gruppen und ermöglicht ihnen gesellschaftliche Teilhabe. Ob Christen in Ländern mit muslimischer Mehrheit überleben können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob die Demokratie an diesen Orten lebensfähig ist. Im Irak sind die Aussichten düster, wie auch in anderen Ländern der Region, in denen alte christliche Bevölkerungsgruppen leben, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen an diesen Orten sind Diskriminierung, staatlich gestützter Einschüchterung und dauernder Gewalt ausgesetzt. Sie haben allerdings einen mächtigen Verbündeten: die USA, die unter Trump der Unterstützung des Christentums im Nahen Osten noch höhere Priorität einräumen als unter Bush oder Obama. Unter Trump flossen hohe Investitionen in die Region. Diese außenpolitische Position ist zum Teil innenpolitisch begründet. Den konservativen Trump-Wählern liegen unterdrückte Christen am Herzen, und sie unterstreichen das durch effektives Lobbying. Aber die Notlage der Christen in der Region spielt auch einer Regierung in die Karten, die ihre Außenpolitik als Kampf um die den globalen Einfluss des Westens betrachtet. Für Trump ist das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller Feinde."

Magazinrundschau vom 26.03.2019 - The Atlantic

Douglas Quenqua berichtet über Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas und wie die Organisation damit umging, bis ein ehemaliges Mitglied die entsprechenden Dokumente leakte: "März 1997 sandte die Watchtower Bible and Tract Society, die gemeinnützige Organisation, die die Zeugen Jehovas beaufsichtigt, einen Brief an jede ihrer 10.883 US-Gemeinden und an weitere Gemeinden weltweit. Man war besorgt über das rechtliche Risiko durch mögliche Kinderschänder in seinen Reihen. Der Brief enthielt Anweisungen, wie mit einem bekannten Täter umzugehen sei: Schreiben Sie einen detaillierten Bericht, der 12 Fragen beantwortet - War dies ein einmaliges Ereignis, oder hatten die Angeklagten eine Vorgeschichte von Kindesmissbrauch? Wie wird der Angeklagte in der Community wahrgenommen? Weiß noch jemand anderes von dem Missbrauch? - und schickt ihn in einem speziellen blauen Umschlag an das Hauptquartier von Watchtower. Bewahren Sie eine Kopie des Berichts vertraulich in Ihrer Gemeinde auf, so die Anweisungen weiter, und geben Sie sie nicht an Dritte. So bauten die Zeugen Jehovas die vielleicht größte Datenbank der Welt mit undokumentierten Fällen von Kindesmissbrauch auf: Zehntausende Namen und Adressen aus einem Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten, in einer durchsuchbaren Microsoft-Datei zusammengefasste, detailliert aufgezeichnete Akte möglichen Missbrauchs, von denen die meisten nie an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Großteil der Aufmerksamkeit für Missbrauchsvorwürfe auf die katholische Kirche und andere religiöse Gruppen konzentriert. Weniger beachtet wurde der Missbrauch unter den Zeugen Jehovas, einer christlichen Sekte mit mehr als 8,5 Millionen Mitgliedern. Trotz mehrerer Gerichtsbeschlüsse zur Freigabe der in der Datenbank enthaltenen Informationen hat Watchtower in dieser Zeit Millionen Dollar investiert, um sie geheim zu halten, sogar vor den Überlebenden der betreffenden Geschichten. Diese Bemühungen waren bemerkenswert erfolgreich, bis vor kurzem."

Magazinrundschau vom 02.01.2019 - The Atlantic

Was eint die Rechtspopulisten auf der ganzen Welt? Ihr Rassismus? Kann man zum Beispiel von Rodrigo Duterte nicht sagen. Der Kampf gegen Ungleichheit und Globalisierung? Dann hätten die Polen nie rechts gewählt. Nein, die Rechtspopulisten - von Bolsonaro, über Trump, Duterte bis Victor Orban und Matteo Salvini - haben nur eins gemeinsam, meint Peter Beinart: den Kampf gegen Frauen. Dazu gehört ganz wesentlich die Verschärfung oder Abschaffung des Rechts auf Abtreibung und die öffentliche Verächtlichmachung - bis hin zu offenen Vergewaltigungsdrohungen - von Konkurrentinnen (Duterte forderte seine Soldaten gar auf, weibliche Rebellen "in die Vagina" zu schießen, das würde sie "nutzlos" machen.) "Langfristig erfordert ein Sieg über die neuen Autoritäten mehr als nur die politische Stärkung von Frauen. Er erfordert eine Normalisierung ihrer Ermächtigung, damit Autokraten weibliche Führer und Demonstranten nicht zu Symbolen politischer Perversität machen können. Und er erfordert die Auseinandersetzung mit dem tiefer liegenden Grund, warum viele Männer - und einige Frauen - die politische Macht von Frauen als unnatürlich ansehen: weil sie die Hierarchie, die sie zu Hause sehen, untergräbt. "'Der erste [Geschlechts-]Unterschied, den Individuen bemerken', sagte die Politologin Valerie Hudson mir, 'ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern im eigenen Haus. Das schafft die erste politische Ordnung, wie die Dinge natürlicherweise geregelt sein sollten.' Es ist daher nicht verwunderlich, dass Autoritäten oft erfolgreich sind, wenn Frauen - insbesondere feministische Frauen - die männliche Dominanz des öffentlichen Lebens in Ländern bedrohen, in denen Männer noch immer im privaten Bereich das Sagen haben."

Außerdem: Dahlia Lithwick liest Jane Sherrons Biografie der amerikanischen Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg, die zeige, dass man kein Gangster sein muss, um Dinge zu ändern. Und Stephen Metcalf fragt: Warum ist Andy Warhol immer noch so berühmt?

Magazinrundschau vom 19.02.2019 - The Atlantic

Anstatt aus dem Westen Liberalismus und Demokratie zu importieren, infiltriert Russlands Kleptokratie die USA, klagt Franklin Foer. 52 Prozent des russischen Vermögens haben die Oligarchen außer Landes geschafft, sie stecken ihre Milliarden vor allem in Immobilien, denn für diese gelten in den USA - seltsamerweise - nicht die strengen Gesetze gegen die Geldwäsche. Die vornehmen Herren großer Anwaltskanzleien und die Vorsteher von Großstädten, Geschäftsimperien oder Steueroasen können von dem Geld gar nicht genug bekommen: "2013 fragt New Yorks damaliger Bürgermeister Michael Bloomberg: 'Wäre es nicht großartig, wenn all die russischen Milliardäre hierherkämen?' Solch ein Willkommensbekunden hat zu seltsamen Dissonanzen in der amerikanischen Politik geführt. Nehmen wir den Aluminiummagnaten Oleg Deripaska, der immer wieder in der Untersuchungen zu den russischen Einmischung im Präsidentschaftswahlkampf von 2016 auftaucht. Das Außenministerium verweigerte ihm, mit Blick auf die - von ihm bestrittenen - Verbindungen zum Organisierten Verbrechen in Russland, jahrelang die Einreise in die USA. Solche Befürchtungen standen ihm nicht im Weg beim Kauf eines herrschaftlichen Hauses auf Manhattans Upper East Side für 42 Millionen Dollar und eines weiteren Anwesens in der Nähe von Washingtons Botschaftsviertel. Mit der Zeit wurde die Kluft zwischen den noblen Intentionen des Patriot Act und der schmutzigen Realität des Wohungsmarktes so groß, dass sie nicht mehr ignoriert werden konnte. 2016 testete die Regierung Obama ein Programm, um die Immobilienbranche mit dem Bankensektor in Einklang zu bringen und Makler zu zwingen, ebenfalls ausländische Käufer zu melden - das Pilotprojekt in Miami und Manhattan hätte zum Gerüst für eine tragfähige Reglementierung werden können. Aber dann kam ein Präsidentenwechsel und ein Hausbesitzer kam an die Macht. Obamas Nachfolger verkaufte gern Wohnungen an anonyme Käufer aus dem Ausland - und ist vielleicht von ihrem Geld abhängig geworden."

Weiteres: Ross Andersen besucht eine von Jain betriebene Vogelklinik in Delhi, die schon immer ahnten, dass nicht nur die großen Säuger, sondern alle Tiere Bewusstsein haben. In der nicht online stehenden Titelgeschichte pocht Yoni Appelbaum auf ein Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump.

Magazinrundschau vom 11.12.2018 - The Atlantic

Rachel Donadio ahnt zwar den Sturm, den sie in den literarisch-feministischen Twitter-Sektionen auslösen wird, trotzdem möchte sie noch einmal die Frage nach der Identität von Elena Ferrante aufwerfen, deren Neapel-Saga gerade im amerikanischen und italienischen Fernsehen läuft. Der italienische Journalist Claudio Gatti hat zwar herausgefunden, dass die Honorare an die langjährige Christa-Wolf-Übersetzerin Anita Raja gehen, doch Donadio glaubt, dass Raja die Bücher zusammen mit ihrem Mann schreibt, dem in Neapel aufgewachsenen Schriftsteller Domenico Starnone. In einem Offenen Brief an die italienische Autorin trägt sie zahlreiche Indizien zusammen, E-Mails, Interview-Äußerungen, die Bücher von Starnone, aber auch weitere Texte von Raja: "Von George Eliot bis Colette, die ihre Beststeller unter dem Namen ihres Mannes schrieb, gaben sich Frauen zu allen Zeiten männliche Pseudonyme, um veröffentlicht zu werden. Raja erkundet dieses Phänomen in ihrer Einleitung zu einer italienischen Übersetzung von Christa Wolfs Roman 'Kein Ort. Nirgends' von 1979 über zwei Dichter, die gemeinsam Selbstmord begingen: Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode, eine Frau, die im frühen 19. Jahrhundert in der Gestalt eines Mannes schrieb. 'Um dem Schmerz der Existenz etwas entgegenzusetzen', schreibt Raja über Günderrodes Leiden als Frau in einer männlichen Gesellschaft, 'sieht Karoline keine andere Möglichkeit, als sich selbst in einen Mann zu verwandeln ... ihre eigene Identität zu verleugnen'. Wenn 'es in den Augen der Welt erfordert, als Frau zu sterben, um eine Stimme zu haben', dann ist sie bereit, diesen Preis zu zahlen, 'denn sie spürt die Dringlichkeit, sich selbst auszudrücken, so stark, dass es für sie sogar hinnehmbar wird, sich selbst auszulöschen'. Du bist das gegenteilige Phänomen. Du nimmt einen Frauennamen an und bist doch fest entschlossen, jede verifizierbare weibliche Identität zu verwischen. Wenn ein männlicher Autor in Dein Schaffen involviert ist, wie ich nunmehr glaube, hast Du jedoch auch die einfache Vermutung unmöglich gemacht, dass er der Beeinflussende und nicht der Beeinflusste ist."