
Mit einigem hermeneutischem Rüstzeug ausgestattet,
untersucht Walter Delabar, wie sich Gesellschaftsbilder durch die
Geschichte des Thrillers ziehen. Am Beispiel der Serie "24" beschreibt er, wie die Frage der Handlungsmöglichkeit in einer überkomplexen Welt ihren Niederschlag findet: "Keine Gesellschaft hatte je solche Macht wie die des 20. Jahrhunderts, keine hatte zudem
so wenig Skrupel, sie einzusetzen, keiner standen so viele Informationsquellen und damit Entscheidungshilfen zur Verfügung wie ihr, und keine stand je unter einem solchen
Entscheidungsdruck... Das Tatdilemma der Moderne wird hier konsequent zu Ende inszeniert, allerdings nicht ohne dass für das Grundproblem eine Lösung gefunden wird. Denn am Ende sind die Kompetenzen der Akteure doch bestätigt, letztlich durch den Erfolg ihrer immerhin vierundzwanzigstündigen Daueraktivitäten. Den erzielen sie aber nicht, weil sie
kompetent agierten, sondern weil sie trotz der dauerhaften Bestätigung ihrer Fehlentscheidungen an ihrer Entscheidungs- und damit Handlungskompetenz festhalten."
"Das Scheitern der Neokons ist
kein Anlass zur Häme", konstatiert Mariam Lau, die über Lehren aus dem fehlgeschlagenen
Irakkrieg nachdenkt: "Es wäre eine gute Gelegenheit, aus der ewigen
Vergleichsfalle mit Osteuropa auszusteigen, mit dem Kalten Krieg, dem Zweiten Weltkrieg, den Nazis, München 1938, und sich einmal folgendes vor Augen zu halten: Ungefähr 8,5 Millionen Muslime sind von muslimischen Regierungen, in innerarabischen Konflikten, Bürgerkriegen und ethnischen Säuberungen umgebracht worden. Zum Vergleich: Siebzigtausend tote Muslime gehen auf das Konto der USA, eine halbe Million allein in den fünfziger Jahren auf das Konto Frankreichs, eine Million auf das Konto Russlands - sechzigtausend auf das Israels. Es ist irgendwie gelungen, die Aufmerksamkeit von den zehn Millionen wegzulenken und völlig auf die Sechzigtausend zu konzentrieren. Das liegt nicht nur am arabischen Antisemitismus, sondern auch an den
kruden geschichtspolitischen Fixierungen des Westens. Wenn der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nicht gelöst, also eine Art Westfälischer Friede geschlossen wird, ist an Stabilität im Nahen Osten - ob Stabilität a la Kissinger oder a la Podhoeretz - nicht zu denken."
Weiteres: Hermann Rudolph
beklagt das Verschwinden der deutschen Teilung aus dem nationalen Gedächtnis. Tony Corn möchte angesichts des Kriegs gegen den Terror der "
Clausewitzologie" ein Ende bereiten. Wolfgang Kemp widmet sich den Radioansprachen, die
P.G. Wodehouse 1941 im deutschen Rundfunk hielt.