"Falls es einen Geist gibt, der die Kunst der letzten Jahrzehnte bestimmte, dann ist es nicht der
Jackson Pollocks und nicht der
Andy Warhols, sondern offensichtlich der Cole Porters und seines '
Anything Goes'",
stellt Barry Gewen in einem Essay zur Lage von Kunst und Kritik fest, den der
Merkur aus der
New York Times übernimmt. Aber was kann ein Kritiker in einer Welt vollkommener Freiheit noch kritisieren? "Wir leben in einer Zeit, in der
Künstler Kinderfragen stellen -
Was ist Kunst? Wozu ist sie gut? -, und die Kritiker haben meistens darauf so geantwortet, dass nicht einmal ein Erwachsener sie versteht. 'Mutti, sind wir den ganzen Weg hierhergefahren, bloß um uns Bilder von Suppendosen anzugucken?' 'Das sind Andy Warhols, Herzchen, und er bedient sich eines geschliffenen
heuristischen Instrumentariums, um die Bruchlinien signifikanter Verschiebungen und die
sedimentierten Facetten seines kairos zu erkunden und offenzulegen." Vor allem aber haben die Kritiker aufgegeben, Kritiker zu sein: so der Kunstkritiker
James Elkins in seinem schmalen, aber aus vollem Herzen polemischen Buch
'What Happened to Art Criticism?'." (hier das
Original des Artikels).
Wolfgang Fuhrmann widmet sich der "verfahrenen und aussichtslos" erscheinenden Lage der
Neuen Musik: "Der Widerspruch zwischen dem geistigen, musikalischen und nicht zuletzt auch finanziellen Aufwand, mit dem eine Uraufführung bestritten wird, und der Resonanz, die sie beim Publikum findet, ist grotesk und
wäre unerträglich, hätten wir uns nicht seit Jahrzehnten daran gewöhnt." Fuhrmann glaubt, dass sich die Neue Musik zu sehr vom Hörer entfernt - ausdifferenziert - hat, von seiner Möglichkeit, sich ein Stück überhaupt noch anzueignen. "Will die Neue Musik überhaupt ein Publikum erreichen, so muss sie damit beginnen, die Erfahrungs- und Empfindungsräume anzusprechen, die sich eröffnen in der Welt, in der wir leben.
Stoff gibt es genug."
Weiteres: Stephan Wackwitz meditiert über das kulturelle Erbe der
Ruthenen im Allgemeinen und der Künstlermutter
Julia Warhola im Besonderen. Jan Philipp Reemtsma schreibt über den nicht mehr gelesenen Wieland. Und Karl Heinz Bohrer beklagt, dass die Kulturwissenschaft die Differenz zwischen
Literatur und Realität kassiert habe. Und schließlich
schwärmt Birgit Recki von
Peter Jacksons "King Kong" und der ungeahnten Körperlichkeit seiner computeranimierten Wesen wie "bezahnten Mollusken, Rieseninsekten und Dinosauriern und - dem mythischen Gorillagott": "
Es ist toll."