Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 02.05.2006 - New York Times

Walter Kirn haut er um, Gary Shteyngarts Roman "Absurdistan" über einen jungen Exil-Oligarchen, den eine renitente St. Petersburger Behörde an der Ausreise in sein lieb gewonnenes Amerika hindert: "Shteyngart und sein Held Misha, übersprudelnd depressiv alle beide, sind nicht sparsam mit Worten, wenn Überdimensionales ihren Weg kreuzt. Der überladene Stil eines sozialistischen Realismus der zur schwarzen Komödie verkommt. Die Prosa einer heroischen Enttäuschung, schwach gearbeitet mitunter, aber fähig Berge kultureller Trümmer aufzutürmen. Hemingways klare Sätze würden hier nichts ausrichten. Ein Mann braucht Kommas, Semikolons, Adjektive - schweres sprachliches Gerät." Hier ein Interview und eine Lesung.

Ferner: Greg Sandow lobt eine "präzise und sensible" Strawinski-Biografie von Stephen Walsh (Leseprobe "Stravinsky"). Jacob Heilbrunn findet Michael R. Gordons und Bernard E. Trainors kritische Bilanz der Irak-Invasion (Leseprobe "Cobra II") "hieb- und stichfest". Und Cathleen Schine freut ein Band mit neuen und ausgewählten Geschichten von Joyce Carol Oates (Leseprobe "High Lonesome").

Im Magazin der New York Times stellt Mark Edmundson die gesellschaftliche Aktualität von Freuds späten politischen Texten heraus, die das Bedürfnis des zerrütteten Subjekts nach innerem Frieden untersuchen: "In der Verschiedenheit, so aufreibend und schwierig sie auch sei, liegt das Glück der Gemeinschaft. Wird eine freie Gesellschaft von Terrorismus bedroht, gibt es das Verlangen zusammenzurücken und gemeinsam zurückzuschlagen. Die Gefahr besteht, dass wir dabei ebenso wild, monolithisch und geeint werden wie der Feind. Wir verlangen einen Führer, hören auf zu fragen und zu streiten. Wenn das geschieht, beginnt ein Krieg der Fundamentalismen, der keinen Sieger kennt."

Weitere Artikel: Herbert Muschamp kommentiert die Abwanderung der Sammlung Pinault von Paris nach Venedig. Und im Interview mit Deborah Solomon erklärt der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes, warum Condi Rice Präsident wird: "She has better legs than Bush".

Magazinrundschau vom 25.04.2006 - New York Times

David Kamp verschlingt in der Book Review Michael Pollans "The Omnivore's Dilemma" (Das Dilemma des Allesfressers), ein Buch, für das der Autor sich viermal todesmutig den Bauch vollschlägt: "Ein McDonald's-Takeaway, eine organische Mahlzeit mit Zutaten der Luxus-Kette Whole Foods, ein mehr als organisches Hühner-Schlachtfest von einer Farm in Virginia, wo man keine Pestizide, Antibiotika usw. verwendet, und ein Mahl aus selbst Erlegtem." Wird gegessen, verdaut und nach Maßgabe einer "nationalen Essstörung" analysiert.

Apropos: In einem Essay trauert Rachel Donadio den Zeiten nach, als Verleger noch Geld für Lachsschnitten ausgaben. Dekodiert läsen sich Einladungen zu Buch-Partys heute so: "4 Freunde des Autors laden ein, dieses tolle neue Buch zu feiern. Ort: Bei demjenigen mit dem geräumigsten Wohnzimmer."

Ferner: Jonathan Alter sieht in Anthony DePalmas Buch über den Times-Reporter Herbert L. Matthews und dessen "Engagement" für Fidel Castro ein Lehrstück für angehende Journalisten. Und Regisseur Peter Bogdanovich ist einverstanden mit dem hagiografischen Ansatz von Lee Servers Lebensgeschichte der Ava Gardner ("Love is Nothing"). (Wir auch, darum)

Wer auf google.cn "Falun Gong" eingibt, guckt dank eines fragwürdigen Arrangements, das Google mit der chinesischen Regierung hat, in die Röhre. In einem langen Artikel für das Magazin der Times erörtert Clive Thompson die Lauterkeit der Mittel, um in einen gigantischen Markt einzusteigen, und erklärt, wie die "Great Firewall of China" funktioniert: "Chinas Regierung zwingt private Telekommunikationsfirmen, dort im Netzwerk, wo Signale ins Ausland abgehen, Router-Schalter einzubauen. Diese Router - einige stammen von der US-Firma Cisco Systems - dienen als Chinas neue Zensoren ... Wählst du eine Website, die auf der Schwarzen Liste steht, kommst du nicht durch."

Weitere Artikel: Jaime Wolf schreibt über Dov Charney und sein 100-Millionen-Dollar-Fashion-Label "American Apparel". Und im Interview sagt Madeleine Albright, was sie vom Irak-Krieg hält: "'Demokratie erzwingen' ist ein Oxymoron."

Magazinrundschau vom 18.04.2006 - New York Times

Faszinierend und beunruhigend zugleich findet John Horgan Ann Finkbeiners Buch "The Jasons". Es beleuchtet die Geschichte des gleichnamigen geheimen Verbands von Wissenschaftlern, die sich die amerikanische Regierung seit den späten fünfziger Jahren als sogenannte unabhängige Berater hielt. Was, so formuliert Horgan die den Band durchziehende Frage, bewegte Nobelpreisträger wie Steven Weinberg, sich mit dem Teufel einzulassen? "1966 kam ein Jason-Team zu dem Schluss, dass der Einsatz von Nuklearwaffen in Vietnam keinen miltitärischen Nutzen brächte ... Der beunruhigende Subtext dazu lautet: Unter anderen Umständen allerdings schon."

Außerdem: William Logan hält das von David Lehman herausgegebene "Oxford Book of American Poetry" für eine vertane Chance. James Wood sieht in "Flaubert" von Frederick Brown die Flaubert-Biografie "dieser Generation" (Leseprobe). Und James Wolcott erinnert an den Journalisten Dwight Macdonald, der dieses Jahr 100 geworden wäre.

Im Magazin der New York Times untersucht Rebecca Skloot das obskure "Nachleben" menschlicher Blut- und Gewebeproben: "Wissenschaftler und Chirurgen nutzen sie zur Herstellung von Impfstoffen oder zur Penisverlängerung". Skloot erzählt die Geschichte des krebskranken John Moore, der eines Tages herausfand, dass sein Arzt sich die herauspräparierten Zellen seines Patienten patentieren lassen hatte und damit legalerweise viel Geld verdiente: "Was dieser Fall nicht berührt, ist die Eigentumsfrage betreffend das Gewebe, das sich noch an seinem Platz in deinem Körper befindet ... Falls es wissenschaftlich wertvoll ist, kannst du dein eigenes Biotech-Unternehmen aufziehen."

Ferner porträtiert Fernanda Eberstadt den in Marrakesch lebenden spanischen Schriftsteller Juan Goytisolo. Und im Interview erzählt Cyndi Lauper aus dem Leben einer suicide blonde.

Magazinrundschau vom 11.04.2006 - New York Times

In einem Essay fragt sich Joseph Finder, warum es in der gehobenen Literatur keine Geschichten von ehrgeizigen Aufsteigern mehr gibt, wie etwa Balzacs Eugene de Rastignac oder Stendhal's Julien Sorel. Er vermutet dahinter den Versuch, sich gegenüber populären Genres abzugrenzen: "Literatur, so die stillschweigende Vereinbarung, wird nicht um des persönlichen Erfolgs willen geschrieben. Um ihren eigenen Status zu bewahren muss sie das Thema Status aussparen. Ein nicht-ironisches Interesse an Macht, Geld oder Ruhm würde ihren Platz in der Kultur kompromittieren."

Paul Gray nennt es "die wohl erste literarische Verarbeitung des Zweiten Weltkriegs": Irene Nemirovskys "Suite Francaise", die jetzt auch auf Englisch erschienen ist. Zwei Novellen und ein Faktenbericht einer Jüdin über die deutsche Okkupation Frankreichs. Und die große Frage, wie so etwas möglich ist: "Es bedeutet, dass die 1942 in Auschwitz ermordete Autorin diese so exquisit geformte wie austarierte Prosa nahezu zeitgleich verfasst hat mit den Ereignissen, auf denen sie basiert" (Hier eine Leseprobe).

Weitere Artikel: Terrence Rafferty findet, dass der gute alte linke politische Humor in Jose Saramagos neuem Roman "Seeing" ein ganz bisschen selbstgefällig wirkt. Greil Marcus bespricht einen Essayband zu Allen Ginsbergs Gedicht "Howl".
Stichwörter: Geld, Saramago, Jose, Aufsteiger

Magazinrundschau vom 04.04.2006 - New York Times

Die Welt ist ein Quanten-Computer, einer, der nicht bloß "ja" und "nein" sagen kann, sondern auch "vielleicht". Corey S. Powell stellt uns in der Book Review ein Buch vor (Leseprobe "Programming The World"), das uns die Komplexität des Universums mit diesem Theorem erklären möchte. "Das Quanten-Computer-Universum gebiert unaufhörlich neue Informationen ... Gib Big Bang ein und heraus kommt schließlich DNA, Sex und Bewusstsein." Eine dermaßen irre Idee von Entropie, meint Powell, fordere sehr viel Illustrationsgeschick. Der Autor Seth Lloyd sei zwar mit Witz bei der Sache, "aber nicht immer überzeugend".

David Orr ist beglückt angesichts eines Bandes mit unveröffentlichten Gedichten, Entwürfen und Fragmenten von Elizabeth Bishop (Autorenfeature). Außerdem bespricht Darrin M. McMahon "Rousseau's Dog" von David Edmonds und John Eidinow - über die turbulente Bekanntschaft von Jean-Jacques Rousseau und David Hume. Und Mark Lilla findet, dass aus einem Buch wie Michael Burleighs "Earthly Powers" (Leseprobe), das den europäischen Säkularisierungsprozess seit der Französischen Revolution nachzeichnet, auch fürs Heute was zu lernen ist.

Fürs Magazin der New York Times berichtet Elizabeth Rubin, wie das Internationale Kriegsverbrechergericht in Den Haag versucht, den Genozid im sudanesischen Darfur strafrechtlich zu verfolgen und wie es dabei von den USA sabotiert wird: "Die Bush-Regierung nennt die Verbrechen in Darfur nicht mehr Genozid. Man will den ausgehandelten Frieden zwischen Nord- und Südsudan nicht gefährden. Und einige von Den Haag verdächtigte sudanesische Anführer dürften für die USA eine wichtige Rolle spielen bei der Jagd nach islamistischen Terroristen."

Paul Scott trifft die Wiggles, eine australische Multi-Million-Dollar-Combo aus ehemaligen Musiklehrern, die Heerscharen von Kleinkindern begeistert. Aber sind die auch echt? Schon, aber ... "Inzwischen gibt es ein weltweites Wiggles-Franchising mit Mandarin- und Spanischsprechenden Wiggles-Klonen. Die Klone werden ausgewählt nach ihrer Vorschul-Qualifikation und ihrer Fähigkeit, die Musik zu verkörpern, nicht nach dem Aussehen der original Wiggles."

Magazinrundschau vom 28.03.2006 - New York Times

Da ist es: Francis Fukuyamas neues Buch "America at the Crossroads" (Leseprobe). Fukuyama zu lesen, lohne sich immer, besonders für amerikanische Neokonservative, erklärt Paul Berman. Er ist jedoch zugleich enttäuscht, weil der neue Fukuyama keine Antworten gibt "zum drängenden Problem mörderischer Ideologien und wie man sie bekämpft". Wenn auch kein Neokonservativer mehr, sei Fukuyama noch immer zu sehr Hegelianer, als dass es ihm gelänge, "das freie Spiel unvorhersehbarer Ideen und Ideologien" als Ursprung ideologisch motivierten Blutvergießens zu erkennen anstelle einer stetig fortschreitenden, durch Soziologie, Psychologie und die Wirtschaftswissenschaften bestimmten Geschichte.

Anlässlich des am 1. April weltweit zelebrierten "Festivals essbarer Bücher" untersucht Blake Eskin Fälle von Bibliophagie in den verschiedenen Kulturkreisen: "Als Mittel gegen Epilepsie verspeist man in Tibet gedruckte Mantras. Ein Ritual unter ultra-orthodoxen Juden beinhaltet das Ablecken des mit Honig beträufelten hebräischen Alphabets und den Genuss eines hart gekochten Eis, auf dem Verse aus dem Buch 'Ezekiel' stehen."

Außerdem in der Review: Brad Leithauser stellt die gesammelten Gedichte des griechischen Lyrikers C. P. Cavafy in neuer Übersetzung vor. Nellie McKay bespricht ein Buch, das sich der amerikanischen Popmusik der 50er und ihrer Protagonisten wie Pat Boone und Connie Francis annimmt (Leseprobe "Great Pretenders", Audiofile "Songs of Innocence"). Und Anthony Tommasini freut sich über einen "erfrischenden" Band über "Mozarts Frauen".

Im Magazin der New York Times prüft David Rieff, was übrig bleibt von der großen Vision der Globalisierung: Globalisierung light. In Zeiten des Friedens und wirtschaftlicher Expansion wie den 90ern sei Globalisierung ein schlüssiges Konzept, schreibt Rieff, "in konfliktreicher, angstvoller Zeit ist es dagegen weniger überzeugend." Das Engagement für offene Märkte und freien Kapitalfluss habe heute einen ganz anderen Klang: "Addiere Terrorismus und das Schreckgespenst Massenvernichtungswaffen hinzu und was eine blühende wirtschaftliche Zukunft versprach, wird zur Bedrohung."

Mit der Erfindung von "Steakhouse" hat sich das Jagen erübrigt? Von wegen. Was den Jäger fasziniert, beschreibt Michael Pollen im Stil Hemingways - als Jäger Porno: "Das hier ist keine ästhetische, das ist eine hungrige Aufmerksamkeit, die sich wie Finger in die Umgebung vortastet. Wohin mein Auge nicht sieht, schwärmen meine Ohren aus, berichten von knackenden Ästen oder dem Schnüffeln eines - halt, was war das? Bloß ein Vogel."

Weiteres: Alex Witchel porträtiert den Broadway-Dramatiker Richard Greenberg. Und im Interview erklärt die Königin der Boulevardpresse, Bonnie Fuller (Cosmopolitan, Glamour), warum es okay ist, nicht perfekt zu sein.

Magazinrundschau vom 21.03.2006 - New York Times

Treffer - versenkt. Wem gerade nach einem gut geschriebenen Verriss ist, der lese Walter Kirns Abrechnung mit dem Harvard-Professor Harvey C. Mansfield und dessen Studie über "Männlichkeit". Unter den Talaren, der Muff von... Oder, wie Kirn es formuliert: "In welcher fernen Galaxie hat Mansfield sein Teleskop aufgestellt, um das Verhalten von uns Erdlingen zu untersuchen?" Mansfield bemühe Wissenschaft, Literatur und 40 Jahre alte Erfahrungswerte zum Thema 'weibliche Schlagfertigkeit', um zu beweisen, dass es nichts zu beweisen gebe, "dass Mann und Frau sich im Innersten unterscheiden und zwar genauso, wie wir es immer vermutet haben".

Wie sagt man hier: Miezen-Literatur? Rachel Donadio verschafft uns einen internationalen Überblick über die "chick-lit"-Romane für und über "berufstätige Frauen bis 40 mit Drang nach Unabhängigkeit und Glamour" - und was sie so populär macht: "Als Marketing-Trick verschrien, als Ausgeburt westlichen Kulturimperialismus oder Rückschritt in vor-feministische Zeiten, erweist sich dies Genre als extrem anpassungsfähig, etwa an veränderte gesellschaftliche Verhältnisse in Osteuropa und Indien, wo traditionelle Werte mit einer neuen Wirtschaftsordnung kollidieren." Und wo im Fernsehen todsicher "Sex and the City" läuft.

Ferner werden besprochen: Ein Buch, das den Aufstieg der Republikaner in der US-Politik kritisch beleuchtet (Autorenfeature: Kevin Phillips). Eine "journalistisch einwandfreie" Doppelbiografie des Boxers Muhammad Ali und des Sportreporters Howard Cosell (Leseprobe "Sound And Fury"). Sowie eine Biografie der russischen Dichterin Anna Achmatowa.

Zev Chafets besuchte für das Magazin die christliche Liberty Universität in Lynchburg, wo Studenten einem regelrechten Debattendrill unterzogen werden, bei dem es vor allem um eins geht - Tempo: "Ein Topdebattierer schafft 400 Worte pro Minute, so wie ein schneller Auktionator ... Argumente, auch irrelevante müssen widerlegt werden. Die unbeantworteten zählen gegen dich. Je schneller du redest, desto mehr Argumente kannst du vorbringen." Im Training hört sich das dann so an: "Er zieht die Genozid-Karte - wir kontern mit Heidegger, dann, peng, Erich Fromm."

Außerdem porträtiert Pat Jordan den britisch-pakistanischen Boxer Amir Khan, der mit 17 Jahren bereits als neuer Muhammad Ali gehandelt wird. Und im Interview erklärt der Gründer des linksliberalen Politik-Blogs "Daily Kos", Kos Celebre, warum Blogger selten große Buchautoren sind: "Der Blogger kann sein Argument mit einem Link untermauern. Das geht in keinem Buch."

Magazinrundschau vom 14.03.2006 - New York Times

In seinem neuen Essay-Band (Leseprobe "Consider The Lobster") entpuppt sich David Foster Wallace (Autorenfeature) eher als Nostalgiker denn als Moralist, findet Pankaj Mishra: "Nur wenige seiner Zeitgenossen haben sich derart eloquent und feinfühlig zu den gesteigerten Anforderungen moralischer Vorstellungskraft geäußert, die die amerikanische Gegenwart ihnen auferlegt. Dennoch scheint er oft zu sehr seiner Zeit - dieser endlosen postmodernen Gegenwart - anzugehören, um uns seine Schwierigkeiten mit ihr überzeugend auseinanderzusetzen."

Zwei "leidenschaftliche, gut recherchierte" Bücher zum hoch wichtigen Thema Klimawandel stellt Carl Zimmer vor: "The Weather Makers" (Leseprobe), das die historische Perspektive wählt, und das phänomenologisch vorgehende "Field Notes From a Catastrophe" (Leseprobe). Obwohl beide Bücher Schwächen haben - ersteres, schießt übers Ziel hinaus, wenn es die Ausbreitung der Malaria mit dem Klimawandel erklärt, letzteres ermangelt der wissenschaftlichen Durchdringung der Materie -, wünscht Zimmer ihnen einen Haufen gewissenhafter Leser und "dass sie uns darin bestärken, mehr Verantwortung zu übernehmen für unser kollektives Handeln."

Weiteres: T Coopers Diaspora-Roman "Lipshitz Six, or Two Angry Blondes" über einen jungen Mann namens T Cooper erinnert Lucinda Rosenfeld angenehm an einen jungen Mann namens Safran Foer. Naomi Wolf stellt fest: In Teenager-Romanen dreht sich alles um Sex und Shoppen. Und Lee Siegel imaginiert, was wäre, wenn Fakten-Fetischisten der Literatur wie Oprah Winfrey recht bekämen: Jahve und Marx müßten nachsitzen.

Im Magazin der New York Times erklärt Patrick Radden Keefe, was die Geheimdienste von der Netzwerktheorie lernen können (Muster und Links in riesigen Datenmengen zu erkennen und zu analysieren) und welche Fährnisse diese birgt: "Das Problem ist, dass ein Mensch über drei Ecken mit Hunderttausenden anderen Menschen verbunden ist. So kommt es zu einer großen Menge von 'falschen Treffern' - lauter unschuldige Zivilisten in einem sich unendlich ausbreitenden Netz von Verbindungen ... Besorgniserregend in puncto Grundrechte und ein praktisches Problem bei der Suche nach Terrornetzwerken: Informationsüberfluss."

Weitere Beiträge: Im Aufmacher porträtiert Matt Bai den Demokraten Mark Warner - möglicher Ersatzkandidat für die Präsidentschaftskandidatur, falls Hillary Clinton doch noch bei ihrer Partei durchfallen sollte. James Traub beschreibt die Hoffnungen, die die Demokraten in die Wahlen 2006 setzen. Im Interview erklärt der Harvard-Professor und Buchautor Harvey C. Mansfield ("Manliness") Männlichkeit zu einer seelischen Qualität. Und Jeff Koons fotografiert die Schauspielerin Gretchen Mol als B-Movie-Star Bettie Page (Slideshow).

Magazinrundschau vom 07.03.2006 - New York Times

Einen mutigen Mann nennt Jim Windolf den Musikkritiker Simon Reynolds, der sich mit "Rip It Up and Start Again" an eine Geschichte des Postpunk wagt (Devo u. a. als Audiofile). Mitunter ein bisschen zu geschwätzig, wie Windolf findet: "Das passiert vielen, die über Popmusik schreiben: Weil ihr Thema nicht den Status der Hochkultur genießt, geraten sie in Panik und schwadronieren drauf los. Bei Reynolds stehen zwischen den obligatorischen Barthes- und Derrida-Referenzen immerhin ein paar Kraftausdrücke."

Dave Itzkoff eröffnet die neue Science-Fiction-Kolumne der Book Review mit einer Besprechung von David Maruseks neologismenfreudigen Roman "Counting Heads" - "einem mitunter brillianten Porträt unserer Gesellschaft im 22. Jahrhundert ... das uns in seinen besten Momenten nostalgisch stimmt und dankbar, eine Zukunft nicht erleben zu müssen, in der unsere Körper zu schnöden Datenträgern reduziert werden."

Weiteres: Elisabeth Royte hält Mark Kurlanskys kleine Kulturgeschichte der Auster (Leseprobe "The Big Oyster") für ein wunderbares Buch über die Stadt New York, die Austern werden dafür nicht so recht greifbar. In einem Essay erinnert Mike Meyer an die Schriftstellerin, Nobelpreisträgerin und unermüdliche Vermittlerin zwischen Orient und Okzident Pearl S. Buck.

Das New York Times Magazine widmet sich ganz der Immobilie.

Magazinrundschau vom 28.02.2006 - New York Times

Der Rezensent als Bestatter, das passt! "Death's Door" von Sandra M. Gilbert hält der Dichter und Bestattungsunternehmer Thomas Lynch für "die wohl umfassendste multidisziplinäre Betrachtung der Sterblichkeit, die unsere Generation zu lesen bekommt". Das Buch, das Wege der Trauer ebenso behandelt wie die Sterblichkeit in der Literatur, so Lynch, profitiere vor allem von der Belesenheit seiner Autorin: "Der Leser erhält nicht nur eine Einführung in die Poesie von Emily Dickinson, sondern auch einen Platz in der kleinen Trauergesellschaft, die den weißen Sarg mit dem Körper der Dichterin durch Felder voller Blumen zum Grab in Amherst begleitete. Whitmans 'Song of Myself' wird in Beziehung gesetzt zu des Autors spektakulärer Beisetzung 1892." Für Lynch ist es "ein Buch, das inspiriert, instruiert, erhebt und ermutigt, den Trauernden wie den Bestatter."

Weiteres: In einem Essay huldigt Rachel Donadio noch einmal der unlängst verstorbenen Publizistin und Frauenrechtlerin Betty Friedan ("Der Weiblichkeitswahn"). Terence Rafferty schwärmt vom neuen Mantel-und-Degen-Roman "Purity of Blood" des Spaniers Arturo Perez-Reverte. Und Dwight Garner teilt mit, dass sich Bernard-Henri Levys "American Vertigo" in den USA zum Bestseller entwickelt - sei's trotz oder dank der bösen Besprechung in der New York Times.

Im New York Times Magazine erzählt Chip Brown die unglaubliche Geschichte von Rahmatullah Hashemi, der in Afghanistan als Sprecher für die Taliban dolmetschte und dann als freshman nach Yale ging: "Er war im Glauben erzogen worden, in der Gewissheit einer höheren Ordnung, eines sinnvollen Universums, und jetzt, in diesem Schrein des kritischen Denkens, lernte er zu zweifeln, nicht zu glauben."

Weitere Artikel: Steven Lee Myers besucht Weißrussland vor den Wahlen im kommenden Monat und porträtiert Aleksandr Lukaschenko, "Europas letzten Diktator aus Sowjetzeiten": "Natürlich wird Lukaschenko mit 75 Prozent der Stimmen die Wahl gewinnen. Wie seine demokratischen Widersacher schon sagen: 'Er mag keine Zahlen unter 75 Prozent'." Alissa Quart porträtiert die kanadische Indie-Band "Broken Social Scene", deren kollektivistischen Ideale gerade vom kommerziellen Erfolg angekratzt werden.