"Eine Art Buch" des französischen Vorzeigeintellektuellen
Bernard-Henri Levy annonciert uns Garrison Keillor (
Leseprobe "American Vertigo"). Wutschäumend, muss man sagen. Denn was Levy, ursprünglich im Auftrag von
Atlantic Monthly, da auf gut 300 Seiten "zusammengestoppelt" hat, untertitelt als "
Unterwegs in Amerika auf den Spuren Tocquevilles", bietet für den Rezensenten gerade genug Originalität, um noch die allerdümmsten unter Europäern kursierenden
Klischees über die Staaten zu bestätigen. Für einen Amerikaner aber scheint der Wiederkennungswert der journalistischen Miniaturen derart gering, dass Keillor vermutet, es handelt sich hier gar nicht um die USA und seine Menschen: "Kann sein, dies ist ein
Buch über Franzosen."
Außerdem in der Review: Zwei neu erschienene
Aufsatzsammlungen zur
Folter, die Lance Morrow ein bisschen zu tendenziös findet: "Die Position der Rechten hat nur Schein-Befürworter. Insgesamt tendieren die Beiträge beider Bücher zur Frömmelei: Folter = böse, ich = gut." Das uns wärmstens empfohlene
Romandebüt der gebürtigen Moskowiterin
Olga Grushin, in dem ein russischer Künstler seine Ideale an das System verrät und damit im Tauwetter von
Glasnost baden geht. Und Biografien:
Über Ronald
Reagan (
Leseprobe "Triumph der Vorstellungskraft"),
über den elisabethanischen Dichter und Dramatiker
Christopher Marlowe sowie
über den 1989 verstorbenen Independent-Regisseur
John Cassavetes (
Filmografie lesen).

Das
Magazin hat die
Grippe im Gepäck. Furchterregend, was Jamie Shreeve da untersucht.
Sein Artikel führt uns in die
Hochsicherheitslabore der Epidemiologen und lässt uns zweierlei hoffen: Erstens, dass Wissenschaftler bald in der Lage sein werden, die Zusammenhänge von
Pandemien besser zu verstehen, um Seuchen wie die Vogelgrippe im Zaum zu halten. Und zweitens, dass diese Leute auf der guten Seite sind, ein ruhiges Händchen haben und sich, wie der Autor das tut, immer wieder fragen, "ob, was wir lernen können, auch das Risiko rechtfertigt, das diese Experimente bergen", wenn sie mit Killern wie dem Grippevirus von 1918 hantieren. Sicher nämlich ist nur soviel: "Die nächste Pandemie kommt bestimmt - wenn nicht durch den
H5N1-Virus, dann womöglich von einem anderen, noch nicht bekannten."
Daniel Bergner
fragt, ob es amerikanische Christen, die in
Kenia versuchen, Angehörige vom Stamm der
Samburu zu missionieren, nicht vielleicht zu gut meinen. "Vorgesehen sind
Gottesdienste unter Akazien ... und Bibelkurse als eine Form des Geschichtenerzählens, das der mündlichen Tradition der Samburu entspricht." Einen
Begriff von Sünde und von der Abgetrenntheit von Gott wollen die Missionare
den Samburu vermitteln. Die aber haben ihren eigenen Gott, Ngai, dem sie der Überlieferung nach einst durch eine
lederne Leiter verbunden waren. "Ein zorniger Samburu zerschnitt diese Leiter, und seitdem ist der Stamm getrennt von seinem Gott."
Weitere Artikel: Alex Witchel
besucht den Broadway-Kostümdesigner und vierfachen Tony Awards Gewinner
William Ivey Long, der selbst seit dreißig Jahren immer das gleiche anhat: "Marineblauen Blazer, weißes Hemd, gestreifte Krawatte, Khakis, schwarze Schnürschuh." Eine
Uniform. Aus gutem Gund: "Wenn ich etwas trüge, worüber die Leuten reden könnten, das würde bloß ablenken. Mein Blick gilt den Leuten." In einem
Interview schließlich gibt der Schwarm aller Schwiegermütter,
James Blunt, wertvolle Tipps für Musikmuffel: "Wenn dich mein Album langweilt, kannst du prima Frisbee damit spielen."