Caravaggios "Taking of Christ" wurde 1603 in Rom für stolze 125 Scudi verkauft. der Maler war auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Als das bis dahin vergessenen Bild 1921 in Edinburgh für lausige
acht Guineas unter den Hammer geriet, wurde es für das Werk eines unbekannten Holländers gehalten.
Jonathan Harrs Bericht "
The Lost Painting" (
erstes Kapitel), wie eine italienische Kunststudentin es 1990 wieder aufspürte, liest sich besser als ein Thriller,
versichert Bruce Handy. "Wir bekommen hier
C.S.I. für Historiker serviert."
A. O. Scott
verfasst eine leidenschaftliche Suada nicht nur gegen den
National Book Award, der am Mittwoch verliehen wird (
hier die Finalisten), sondern gegen das grassierende Auszeichnungswesen überhaupt. "Es wird niemandem entgehen - nicht einmal den 'Gewinnern' - dass die bloße Idee der Vergabe von Medaillen und Preisgeldern für eine ästhetische und intellektuelle Leistung
absurd ist, wenn nicht gar obszön. Desweiteren wird die Auswahl unweigerlich die
Fäulnis des literarischen Status Quo anzeigen, der entweder hoffnungslos schwerfällig und abgekapselt ist oder von modischen außerliterarischen Überlegungen bestimmt wird, gefesselt also entweder von
konservativer Selbstgefälligkeit oder politischer Korrektheit."
Weitere Artikel: David Orr
diskutiert salomonisch elitäre und populäre Reaktionen auf Garrison Keillors erfolgreiche
Lyrikanthologie "Good Poems". Am Nachfolgeband stört ihn nun aber Keillors Behauptung, der Sinn von Gedichten liege darin, uns Mut zu machen. "Das ist nicht Zweck der Poesie, dafür gibt es
Scotch. Zweck der Poesie ist die Poesie." Ansonsten schneiden zwei historische Bände recht gut ab: Gordon S. Wood
lobt Sean Wilentz' "monumentale" Studie
"The Rise of American Democracy" und Max Boot
verneigt sich vor
David Reynolds, der in
"In Command of History" schildert, wie
Winston Churchill den Zweiten Weltkrieg und vor allem seine Rolle darin in seiner historischen Aufarbeitung
beschönigte (
erstes Kapitel).
Das Kino bestimmt diese Ausgabe des
New York Times Magazine. Charles McGrath
diskutiert die christliche Grundierung von
C.S. Lewis' Fantasy-Zyklus
"The Chronicles of Narnia", dessen erster Teil demnächst unter der Ägide von Disney in die Kinos kommt. Lewis' Glaube zeige sich nicht nur zwischen den Zeilen, etwa in der Figur des Löwenkönigs
Aslan. "Aslan ist schrecklich und schön zugleich, ernst aber voller Liebe, sein Atem duftet nach Weihrauch, und sein bloßer Anblick bringt die meisten Wesen zum Erzittern. Er ist nichts weniger als
Gottes Sohn, der stirbt und dann wieder aufersteht, und über die sieben Bände hinweg die Kinder immer wieder testet, sie aber letztlich rettet und in die ewige Sciherheit führt - alle außer Susan, die sich zu sehr für '
Nylonstrümpfe und Lippenstift und Einladungen' zu interessieren beginnt."
Der Rest des Heftes ist der filmischen Verarbeitung des Irakkriegs gewidmet. Tom Bissell
sichtet Dokumentarfilme zum aktuellen Konflikt, und findet keinen so überzeugend wie
"The Dreams of Sparrows" von
Hayder Mousa Daffar, der Bagdad porträtiert. "Dies ist eine Stadt voller bewaffneter Männer und
modischer Frauen, die nervös in ihren Wohnungen Kette rauchen, eine Stadt, in der Kinder einer Privatschule Kritzelbilder hochhalten und sagen 'Hier zielt der Panzer auf den Hubschrauber, und sie feuern mit
Granaten und Raketen aufeinander.'"
Weiteres: A. O. Scott
meint, dass
George Clooney nun die Rolle des
liberalen Helden einnimmt, die Warren Beatty und Robert Redford in den 70ern innehatten. Lynn Hirschberg
ergründet, wie sich der Schauspieler Peter Sarsgaard auf die Rolle als
Scharfschütze der Marines vorbereitet hat. Peter de Jonge
beobachtet, wie der Vietnam-Veteran Dale Dye Darsteller auf den Krieg vor der Kamera vorbereitet. Matt Bai
gesteht dem überwiegend
demokratischen Hollywood zu, in Sachen Irakkrieg die Lage schnell realistisch eingeschätzt zu haben.