Ted Widmer, Leiter des
C. V. Starr Center for the Study of the American Experience,
macht sich in einem
Brief aus Istanbul Sorgen über den Verkaufserfolg des türkischen Thrillers
"Metal Firtina" (Metal Storm), in dem ein Krieg der
USA gegen die Türkei im Jahr 2007 heraufbeschworen wird. Antiamerikanische Fantasien haben bei Amerikas wichtigem Verbündeten Hochkonjunktur. "Eine türkische Zeitung stellte kürzlich fest: 'Zu keinem Zeitpunkt der türkischen Geschichte gab es eine derartige
Antipathie gegen die Vereinigten Staaten.' Der amerikanische Botschafter in der Türkei musste offenbar Wissenschaftler bemühen, die bewiesen, dass der Tsunami in Asien vergangenen Winter nicht von einer amerikanischen
Nuklearexplosion verursacht wurde. (Die kulturellen Missverständnisse gehen auch in die andere Richtung; die
Fernsehserie 'West Wing' porträtierte die Türkei vor kurzem als Land, in dem
Frauen geköpft werden, weil sie Sex mit ihrem Verlobten hatten)."
Mit dem vor 25 Jahren geschriebenen und nun postum erschienenen, trashigen Roman "Fan-Tan" (
erstes Kapitel) von
Marlon Brando hat Joe Queenan offensichtlich einen Heidenspaß
gehabt. "'Ein paar derbe Szenen ausgenommen - in einer entleert sich die Heldin auf der Brust des Helden, in einer anderen benutzt der Held gestohlene
Perlen als Liebeshilfe beim Rendezvous mit seiner Geliebten - ist das die Art von Roman, den man locker einem Teenager zum Geburtstag schenken könnte. Mit einem Haufen verwegener, blutrünstiger Piraten, skrupelloser Kriegsherren, pikaresker Huren, unbestechlicher Sikh-Leibwächter und
aphrodisierender Mineralien ist 'Fan-Tan' vor allem - eine herrliche Spinnerei."
Frank Rich ist ganz begeistert von
Zadie Smith' neuem Roman. In "On Beauty" (
Leseprobe)
sieht er eines der wenigen komischen Bücher, die den Kulturkampf in den USA mildern können, weil beide Seiten schmunzeln müssen. Arthur Schlesinger jr.
erinnert an den
Theologen Reinhold Niebuhr (1892-1971), dessen ambivalentes Menschenbild in diesen wild religiösen Zeiten von Nutzen sein könnte. Niebuhr selbst erklärt es kurz: "Die Fähigkeit des Menschen zur Gerechtigkeit macht Demokratie möglich, seine
Neigung zu Ungerechtigkeit hingegen macht Demokratie notwendig." Sarah Glazer
offenbart, dass nach den Mangas, die eher von Jungs gelesen werden, jetzt auch die für das weibliche Publikum gedachten
Shojos weggehen wie warme Semmeln.
Für das
New York Times Magazine porträtiert James Traub die
NGO Bono, auch als Sänger von U2 bekannt. "Er ist eine seltsame Erscheinung, dieser Rock Star mit dem
Stoppelbart und den getönten Gläsern - ein neuer und bisher unerforschter Planet in einer sich gerade herausbildenden Galaxie aus transnationalen, multinationalen und subnationalen Organisationen. Er ist eine Art
Ein-Mann-Staat der seine Haushaltskasse mit der globalen Währung des Ruhms füllt. Natürlich ist er auch eine Emanation des Starkults. Aber es ist Bonos Bereitschaft, seinen Ruhm einzusetzen, mit einer zielgerichteten Beständigkeit und einer Toleranz für Einzelheiten, die ihn zur politisch
einflussreichsten Figur in der jüngeren Popgeschichte gemacht haben."
Weiteres: "
Alle Teenager sind Dogmatiker, ein Teenager mit einer Bibel ist einfach nur ein konsequenterer Teenager." Mark Lilla
besucht eine Massenpredigt von
Billy Graham, und erinnert sich dabei an seine sieben Jugendjahre als Evangelikaler. Jonathan Dee
widmet sich dem Regisseur
David Cronenberg, der es einfach nicht schafft, sich dem Mainstream hinzugeben und richtig Geld zu verdienen. Und Deborah Solomon
unterhält sich mit dem
Begründer der afro-amerikanischen Geschichtsforschung
John Hope Franklin über das Rassengefälle in den USA.
In der neu eingerichteten Sektion "Funny Pages" wird der
erste Part der 14-teiligen Fortsetzungsgeschichte "Comfort to the Enemy" veröffentlicht, die Krimischriftsteller
Elmore Leonard (
Website) exklusiv für das Magazine verfasst hat. "Ein
deutscher Kriegsgefangener des Lagers mit dem Namen Deep Fork hatte sich das Leben genommen, er hat sich in der vorvorherigen Nacht im Waschraum der Anlage erhängt." Dazu gibt es einen
mp3-Podcast mit Leonard im Interview.