Nicht allein um der Gendergerechtigkeit willen, sondern auch um die Belastungen für die gesamte Gesellschaft zu reduzieren, müssten
Männer bei den Impfungen gegen Corona bevorzugt werden, schreibt
Ralf Bönt in der
Zeit:
70 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sind Männer. "In den Altersgruppen, in denen gleich viele Frauen und Männer anzutreffen sind, nämlich denen unter 70 Jahren, starben in Deutschland
doppelt bis zweieinhalbmal so viele Männer wie Frauen, obwohl sich Frauen sogar etwas häufiger ansteckten als Männer. Allein aus dieser simplen Zahl ergibt sich die Folgerung, dass Männer in diesem Verhältnis zuerst geimpft werden müssten, um die Ressourcen des Gesundheitssystems möglichst ökonomisch einzusetzen und möglichst viele Leben
in allen Gruppen zu retten."
Ebenfalls zur Coronakrise schreibt in der
Zeit Herfried Münkler - mit bewunderdem Blick auf China: "Die Zeiten eines arroganten Überlegenheitsdünkels im Westen, der sich durch die Kombination von individueller Freiheit, politischer Partizipation und Rechtsstaatlichkeit allen anderen politischen Ordnungen
für überlegen hielt, sind vorbei. Das ist, politisch betrachtet, die erste und wichtigste Lehre aus der Pandemie."
Bundesgesundheitsminister
Jens Spahn hat vor zwei Jahren eine Studie beauftragt, die psychische Folgen von
Schwangerschaftsabbrüchen untersuchen sollte und wollte damit seine abtreibungsfeindliche Politik untermauern. Die mit der Studie beauftragten Forscher haben die Fragestellung inzwischen komplett verändert,
berichtet Patricia Hecht in der
taz. Nun wird eher eine Studie zur Lage abtreibender Frauen insgesamt erstellt. Spahn, der bei Frauenrechten, anders als bei Rechten für Homosexuelle eine eher kirchennahe Position vertritt, hat ein Eigentor geschossen,
schreibt Eiken Bruhn in der
taz: "Spahn hat sich wiederholt gegen das
sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Frauen positioniert, unter anderem gegen die rezeptfreie Abgabe der Pille danach. Den Kampf hat er verloren, dafür aber verhinderte er 2019, dass Ärzt*innen über Schwangerschaftsabbrüche informieren dürfen. Und er nimmt hin, dass Frauen in einigen Regionen Hunderte Kilometer für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch reisen müssen."
Mit dem
Hipster ist es vorbei. Verdrängt wird er von den
woken Schneeflöckchen, die den sympathischen Hedonisten skrupellos zur Seite drängen, diagnostiziert Ijoma Mangold in der
Zeit: "Wo die Hipster-Kultur auf Distinktion setzte, setzt die Wokeness-Kultur auf Inklusion. Wo Erstere danach strebten, als Individuen unverwechselbar zu sein, beschreiben sich Letztere bevorzugt in
Kategorien kollektiver Identitäten - als People of Color, als Trans*Person, als queer. Und wo die jungen woken Leute heute dezidiert links sind und überall, wo ihre
eigene Sprachsensibilität nicht geteilt wird, den Extremismus der Mitte wittern, war der Hipster politisch nie festzulegen, ein unsicherer Kantonist."
Niemand fragt, ob die
Einschränkungen der Grundrechte richtig sind, es gibt nicht mal Verfassungsrechtler in den Corona-Beratergremien der Kanzlerin, zudem
kaum Beschwerden beim Verfassungsgericht, wundert sich Jörg Phil Friedrich in der
Welt: "Offenbar interessiert sich auch eine Mehrheit der Bevölkerung nicht sonderlich für die Frage, ob da Verfassungsprinzipien verletzt werden. In der Krise, in der Ausnahmesituation, soll die Regierung handeln, und zwar richtig und schnell, damit die Krise bald wieder vorbei ist. Die Stärke der Krise und ihre aktuelle Dramatik werden definiert durch ein paar Zahlen, die die Medien täglich senden - und so lange diese Zahlen noch nicht das Ende der Krise besagen, sollen
Störenfriede, die das Grundgesetz hochhalten, bitte ruhig sein."
Derweil gibt es immer mehr "
Lockdown-
Fanatiker", dabei ist es ein "
gigantisches Risiko für die moderne liberale Gesellschaft, die kulturelle Selbstverständigung des vernunftbegabten Tiers dauerhaft in den Lockdown-Modus zu versetzen",
schreibt der Philosoph Markus Gabriel in der
NZZ und wirft der Regierung "extremistische Auffassungen
wissenschaftlicher Allmacht" vor. Dabei sei es "keineswegs unvernünftig, wenn Kinder und Jugendliche in die Schule gehen oder an Universitäten echte soziale Kontakte in realen Lehrveranstaltungen knüpfen wollen. Es ist auch nicht unvernünftig, wenn Menschen, die in ihren engen nationalen Grenzen gefangen sind,
in die Skigebiete strömen, um zu rodeln oder Langlauf zu betreiben. Ja, es ist vielmehr vernünftig, wenn gefordert wird, den Kulturbetrieb endlich zu öffnen, da es schlichtweg nicht wissenschaftlich zwingend bewiesen ist, dass die Schliessung von Theatern, Opern, Kinos Ansteckungscluster signifikanter verringert als kulturfreundlichere Modelle."