9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2020 - Medien

Yannick Haenel setzt seine Erzählung vom Charlie-Prozess auf der Website von Charlie Hebdo fort. Am neunten Tag des Prozesses ging es um den Polizisten Ahmed Merabet, der auf offener Straße von Cherif Kouachi erschossen wurde. Nach einem Schuss ins Bein ging Kouachi auf den auf der Straße liegenden Unbewaffneten zu und erschoss ihn aus kurzer Distanz. "Die ganze Welt sieht ihn als einen liegenden Mann", sagt laut Haenel eine Angehörige im Prozess, "aber er war ein aufrechter Mann." Haenel setzt hinzu: "Die Familie hat sich zurecht beklagt, das Video vom Tod Ahmed Merabet ertragen zu müssen, bis heute. Ich zögere nicht, die permanente Ausstrahlung des Video in den Info-Sendern eine Infamie zu nennen. Bekennen wir unseren Abscheu vor Medien, die im Namen der Informatioen und gegen jeden Anstand - und das Gesetz - die Bilder eines Mords verbreiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2020 - Medien

Sollte Julian Assange verurteilt werden, wäre "dies ein gefährlicher Präzendenzfall für die Maßregelung der freien Presse und der traurige Höhepunkt von Trumps Krieg gegen den Journalismus", schreibt die Theaterregisseurin Angela Richter, die in der Welt einen detaillierten Bericht des "kafkaesken" Prozesses veröffentlicht: "Im Gerichtsaal sind nur 5 Journalisten zugelassen, weitere 15 haben eine Akkreditierung für einen Videolink bekommen. Was unsinnig erscheint, denn digital könnte die Anzahl ja unbegrenzt sein, unabhängig von Corona. (…) Für weitere Irritationen sorgt am ersten Anhörungstag eine radikale Entscheidung der Richterin Vanessa Baraitser. Sie entzieht kurzerhand um die 40 Video-Akkreditierungen für Menschenrechtsorganisationen und NGOs, darunter Amnesty International und Reporter ohne Grenzen. Die Richterin begründet ihre Entscheidung damit, dass sie 'nicht kontrollieren könne, wie die Leute sich verhalten', die zu Hause auf dem Laptop zuschauen. Was sie da genau befürchtet, bleibt ein Rätsel."

"Es geht um die Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit", schreiben auch Sigmar Gabriel und Günter Wallraff im Tagesspiegel: "Die Arbeit von Wikileaks lässt sich nicht unterscheiden von der anderer Medien. Die Zusammenarbeit von Journalisten mit Informanten ist eine Selbstverständlichkeit. Es ist absurd anzunehmen, Journalisten würden darauf warten, bis ihnen brisantes Material zugespielt wird. Sie suchen nach Lecks, sie bohren nach. Es liegt in der Natur der Sache, auch an geheime Verschlusssachen zu gelangen, wenn gravierende Missstände und - wie im vorliegenden Fall - Kriegsverbrechen vorliegen, die durch die Filmausschnitte von Wikileaks dokumentiert und belegt wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2020 - Medien

In Paris findet der Prozess zu dem Charlie-Hebdo-Massaker statt. Tag für Tag berichten Yannick Haenel und François Boucq in einem extra eingerichteten Blog für Charlie Hebdo selbst, heute vom sechsten Tag. Gestern sagte die Zeichnerin Corinne Rey (Coco) aus, die gerade das Haus verlassen wollte, als die Brüder Kouachi eintrafen und sie zwangen, sie zu den Redaktionsräumen zu führen: "Coco erzählt diesen Aufstieg zu den Räumen von Charlie als Etappen einer persönlichen Zerstörung, die eine kollektive Zerstörung nach sich ziehen wird. In ihrer Angst irrt sie sich in der Etage und denkt, dass dieser Irrtum tödlich für sie sein wird. Mit ihr Durchleben wir diesen Felhtritt des Unbewussten, wir zittern mit ihr unter diesem Körper der Ungeheuer, der auf ihr lastet. Sie fressen die Treppe mit ihren gierigen Schatten. Coco sagt: 'Sie wollten töten.' Sie spürt ihre Erregung. Sie wollen Blut. sie wollen den Tod."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2020 - Medien

Sophie Parmentier berichtet für France Inter vom Prozess um die Charlie-Hebdo-Attentate. Es wurden gestern Videobilder vom Tatort in den Redaktionsräumen gezeigt - viele Angehörige der Opfer haben den Saal verlassen, um die Bilder nicht zu sehen. Ein Ermittler berichtet im Zeugenstand. Er "nennt den Namen zu jedem Bild. Er beschreibt detailliert, wie jeder von ihnen getötet wurde, durch welchen Schuss. Dieser Kommissar, dessen Stimme nicht sehr deutlich ist, beschreibt die Anzahl der Schüsse. '21 Hülsen wurden wiedergefunden', 12 Magazine wurden draußen gefunden. Er spricht von gezielten Schüssen, nicht Salven. Er beschreibt die Einschüsse im Körper von Charb, den Zeichner, gegen den Al Qaida 2009 eine Fatwa erließ. Der Körper von Stéphane Charbonnier 'weist die meisten Einschüsse auf, sieben', sagt der Polizist den Richtern."

"'Je suis Charlie', mehr denn je", schreibt die Frankreichkorrespondentin der Welt, Martina Meiser, in einem Brief an die Redaktion des französischen Magazins. "Aber wir sind weniger geworden, zahlreicher dagegen diejenigen, die das Attentat zwar verurteilen, dann jedoch ein kleines 'aber' hinterhersetzen. Als würde man einer vergewaltigten Frau sagen: 'Dir ist etwas Schreckliches passiert, aber Dein Rock war zu kurz.'"

Die Journalistin Sara Schumann plädiert bei den Übermedien einen offenen Brief an alle JournalistInnen - nicht nur die vom Fach -, in ihrer Berichterstattung stets die Klimapolitik im Auge zu haben: "Viele Journalist:innen betonen zu Recht den Unterschied von Aktivismus und Journalismus. Aber die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels als vierte Gewalt zu kontrollieren, ist kein Aktivismus. Es ist wissenschaftlich, menschlich und journalistisch geboten. Wir Journalist:innen können das Versagen der Politik nicht einfach nur protokollieren. Politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die zur Nicht-Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels führen, sind nicht bloß eine Seite einer Geschichte, die wir zu Wort kommen lassen müssen." Der Brief hat bereits zahlreiche Unterzeichner.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2020 - Medien

Charlie Hebdo hat aus Anlass des Prozesses zu den Attentaten vom Januar 2015 die Mohammed-Karikaturen noch einmal publiziert (unser Resümee). Mit den Karikaturen war das immer so eine Sache. Eine Menge Medien trauen sich nicht, sie nachzudrucken (der Perlentaucher berichtete häufig und intensiv darüber, mehr hier.  Er gehörte zu den wenigen Medien in Deutschland, die die Karikauren publizierten.) Heute geht die Charlie-Redaktion die Reaktion der Zeitungen auf die Neupublikation durch und stellt fest, dass viele Medien ihre Reserve aufgegeben haben, wenn auch nicht alle. Besonders spitzfingrig und natürlich ohne entsprechende Illustration berichtete etwa die New York Times. Norimitsu Onishi schreibt: "Der Prozess und die Neupublikation von Karikaturen, die von vielen als beleidigend angesehen werden, kommen in einem Moment, in dem Frankreich Proteste gegen Rassismus erlebt und zu einem Nachdenken über die Behandlung von Minderheiten in seiner Gesellschaft einst und heute aufgerufen wird."

"Wir haben verstanden, dass wir nicht auf die New York Times zählen dürfen, um die Pressefreiheit zu verteidigen", antworten die Charlie-Redakteure und erinnern daran, dass die New York Times in Folge der Debatte um Charlie Hebdo gänzlich darauf verzichtete, Karikaturen zu veröffentlichen, mehr hier.

In der NZZ plädiert Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verlegerverbandes Schweizer Medien, für staatliche Unterstützung der Printmedien, ohne die die Demokratie gefährdet sei: "Die Verlage bauen die sogenannten Paywalls höher und höher und schränken damit den Zugriff auf kostenlose Inhalte immer weiter ein. Noch ist es aber ein weiter Weg, bis dieses Geschäftsmodell etabliert ist. Ohne eine erweiterte Medienförderung, die eine Brücke in der Transformationsphase bildet, ist die heute noch intakte Medienvielfalt gefährdet." In Deutschland sind bereits substanzielle Subventionen für die Presse beschlossen worden, mehr hier.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2020 - Medien

Charlie hebdo bringt zum Prozess gegen die Attentäter vom Januar 2015 (zumindest gegen die Beteiligten, die noch leben) eine Sondernummer heraus: "Und all das deshalb".



Auf dem Cover werden nochmal einige der bekannten Karikaturen gezeigt (auch die dänische Karikaturen, die Charlie nachgedruckt hatte). Warum? Nun ja, wenn man sieht, dass der Guardian darüber berichtet, ohne das Cover abzubilden, versteht man die Provokation. Bernard-Henri Lévy tweetet dazu: "Riss, der Chef von Charlie, hat recht: Wenn der Rest der Presse die Karikaturen veröffentlicht hätte, wäre niemand in den Räumen der Zeitung gestorben. Man muss diese Zeichnungen teilen. Nicht weil sie uns zum Lachen bringen, sondern weil unsere kollektive Immunität gegen den Fanatismus davon abhängt."

Gérard Biard schreibt im Edito der Sondernummer über den "anderen Antisemitismus", der von bestimmten Fraktionen der Öffentlichkeit lieber beschwiegen wird, und er erinnert etwa an Sarah Halimi, die von dem Attentäteter Kobili Traoré unter "Allahu-Akbar"-Rufen aus dem Fenster geworfen wurde, und daran, dass Le Monde zu titeln wagte: "Wurde Sarah Halimi getötet, weil sie Jüdin war?" Biard schließt: "Am Mittwoch wird ein Prozess eröffnet, den viele, inklusive der Medien, hartnäckig als 'Charlie-hebdo-Prozess' bezeichnen. Darum ist es nicht überflüssig an Folgendes zu erinnern: Es ist auch der Prozess um die Hinrichtung der Polizisten Ahmed Merabet und Clarissa Jean-Philippe, die ermordet wurden, weil sie da waren, und die Ermordung Yoav Hattabs, Yohan Cohens, Philippe Brahams, François-Michel Saadas, die man umbrachte, weil sie Juden waren."

Romy Straßenburg, ehemalige Chefredakteurin der längst eingestellten deutschen Ausgabe von Charlie hebdo, sieht das Problem im Gespräch mit Barbara Oertel von der taz allerdings vor allem in der französischen Gesellschaft: "Die Anschläge auf Charlie hebdo und den jüdischen Supermarkt stellten ja nicht den schmerzhaften Auftakt einer ganzen Reihe von islamistisch motivierten Verbrechen dar. Sie haben vor allem gezeigt, dass die französische Gesellschaft nicht ausreichend Integrationskraft besitzt, um junge Franzosen vor religiöser Radikalisierung zu schützen, und dass das zu einer großen Gefahr werden kann. Das hat den Laizismus ganz entscheidend infrage gestellt."

"Der Rechtsanwalt der Charlie-Hebdo-Redaktion, Richard Malka, zieht fünf Jahre nach den Anschlägen eine ernüchternde Bilanz", berichtet in der FAZ Michaela Wiegel. "Um den Schutz der Meinungsfreiheit und der Laizität stehe es heute schlechter als 2015. Malka steht seit dem 6. Januar 2015 unter ständigem Polizeischutz. Er beklagt einen Gewöhnungseffekt: 'Dass friedliche Pressezeichner oder Karikaturisten von der Polizei geschützt werden müssen, ist unfassbar, aber alle haben sich daran gewöhnt. Das war auch das gewünschte Ziel: Eine neue Normalität zu schaffen, in der Angst und Schweigen angesichts der möglichen Folgen von Respektlosigkeit (gegenüber dem Islam) vorherrschen'."

Le Monde berichtet: "Am Dienstagabend verurteilte Pakistan 'auf das Schärfste' die Entscheidung zur Neuveröffentlichung der Karikaturen. 'Ein solch vorsätzlicher Akt, um die Gefühle von Milliarden von Muslimen zu verletzen, kann nicht als Ausübung der Presse- oder Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden', sagte ein Sprecher des Außenministeriums auf Twitter. 'Solche Handlungen untergraben die globalen Bestrebungen nach friedlicher Koexistenz und sozialer und interreligiöser Harmonie', fügte er hinzu." Und in der heutigen Ausgabe titelt Le Monde: "49 Verhandlungstage, 14 Angeklagte, 200 Nebenkläger: Startschuss für den Prozess um die Attentate von Januar 2015."

======= Weiteres =======

In der FAZ stellt David Kampmann die ägyptische Journalistin Lina Attalah vor, Chefredakteurin des unabhängigen Nachrichtenmagazins Mada Masr (hier die englischsprachige Ausgabe), die im November mit dem Hermann-Kesten-Förderpreis des deutschen PEN ausgezeichnet wird: "Wie gefährlich es in Ägypten für Journalisten sein kann, bekam auch Lina Attalah zu spüren. Im November des vergangenen Jahres wurde die Redaktion von Mada Masr von Sicherheitskräften durchsucht, Kollegen von ihr wurden verhaftet. Im Mai dieses Jahres wurde sie selbst für mehrere Stunden in Haft genommen, dann auf Kaution wieder freigelassen. Sie hatte vor dem Hochsicherheitsgefängnis Tora in Kairo die Mutter des inhaftierten Aktivisten Alaa Abd el Fatah interviewt. Als Grund der Verhaftung nannten die Sicherheitskräfte unerlaubtes Filmen einer militärischen Einrichtung."

Claudius Seidl hört als Feuilletonchef der FAS auf, bleibt dieser Zeitung aber als Autor verbunden, berichtet Ulrike Simon bei Horizont. Vor einem Arbeitsgericht hat er um seine Position gerungen: "Gegenstand des Prozesses mit der FAZ war Seidls auslaufender Vertrag als Feuilletonchef der in Berlin sitzenden FAS. Dazu muss man wissen, dass die Redakteure in der Hauptstadt üblicherweise von der Frankfurter Zentrale dorthin entsendet werden und dieser Entsendungsvertrag alle fünf Jahre verlängert werden muss."

In einem epischen Interview mit der NZZ erklärt der Schweizer Publizist Frank A. Meyer, Mitbegründer von Cicero, warum er sich für einen Linken hält: "Die heutigen linken Frischlinge kennen das Arbeiterethos nicht einmal mehr vom Hörensagen. Es interessiert sie schlicht nicht. Sie würden die Arbeit am liebsten ganz abschaffen. Sie träumen von der Freizeitgesellschaft und dem bedingungslosen Grundeinkommen. Unglaublich eigentlich. Damit nehmen sie dem arbeitenden Menschen - dem Arbeiter - den Stolz und treiben ihn in die Abhängigkeit vom Staat. Es ist aber die Arbeit, die uns Würde verleiht, egal, ob wir - wie einst die Jäger - ein Mammut erlegen oder an der Supermarktkasse oder auf dem Bau oder in der Fabrik hart arbeiten. Der erarbeitete Lohn verleiht uns Selbstbewusstsein. Weil ich so denke, bin ich ein Linker, aber eben kein Neulinker."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2020 - Medien

Die Bildagentur Magnum hat aus ihrem Archiv historische Fotos entfernt (oder sie gesperrt), die heute als "unangemessen" gelten könnten. Dazu gehören Fotos von Prostituierten, aber offenbar auch generell von Menschen, die den "kolonialen Blick der weißen westlichen Vorherrschaft dokumentierten", wie es der afroamerikanische Historiker John Edwin Mason beschreibt, der beauftragt war, das Archiv des National Geographic Magazine zu säubern. In der NZZ ist Daniele Muscionico gar nicht wohl bei diesem Umgang mit Bildern, der eher auf Zensur als auf Erklärung und Kontextualisierung - und eine Überprüfung der Stichworte zu den Bildern! - setzt: "Ein Beispiel von vielen, wohl aber das schillerndste ist der Brasilianer Sebastião Salgado, der letztes Jahr als erster Fotograf überhaupt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Seine Überwältigungsästhetik, mit der er menschliches Leiden darstellt, kann als Versuch gelten, die Würde der Ärmsten zum Ausdruck zu bringen. Mit demselben Recht kann man Salgados Bilder aber auch menschenverachtend nennen. Das Elend von Menschen, ausgestellt in einem Museum, befriedigt gegebenenfalls den Voyeurismus."

Der Medienjournalist Holger Kreymeier hat sich auf Youtube kritisch mit einem Beitrag von Radio Bremen befasst und hat dafür aus dem Beitrag zitiert. Dafür wird er jetzt von Radio Bremen belangt, mit der Begründung, er habe das Urheberrecht verletzt. Das Zitatrecht in Deutschland ist viel zu restriktiv, kommentiert Leonhard Dobusch bei Netzpolitik: "Wie das Beispiel des Kreymeier-Videos zeigt, ist damit aber auch automatisch eine starke stilistische Einschränkung für kritische Auseinandersetzung mit audiovisuellen Werken verbunden. Gerade bei Videokommentaren ist es fast unmöglich, die kritisierten Werke nicht zum Teil auch 'schmückend' zu verwenden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2020 - Medien

Noch mal davongekommen, seufzt Jochen Hieber in der FAZ angesichts der nun für Herbst geplanten Neuausrichtung von hr2 Kultur, dessen im vergangenen Jahr angedrohte Komplettumstrukturierung zum reinen Klassik-Dudelradio nach erheblichen Protesten nun doch nicht stattfindet: "Viele Hörer dürften den Unterschied zum jetzigen Sendeschema und Sendeablauf kaum oder gar nicht bemerken", schreibt Hieber, denn "der Hauptteil der Reform ist - wir kritisieren dies keineswegs - reine Verbalkosmetik. ... Von der im Sommer 2019 angedrohten 'Klassikwelle' ist lediglich ein trotzig bekundeter Klangrest geblieben." Unter dem Strich werden vorsichtig ein paar Inhalte gestrichen, die Musik im wesentlichen auf Klassik umgestellt und ein paar beliebte Sendeformate umbenannt.
Stichwörter: Hr2 Kultur

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2020 - Medien

Aus Protest gegen den drohenden Verlust der journalistischen Unabhängigkeit und in Folge der Kündigung ihres Chefredakteurs Szabolcs Dull hat fast die gesamte Redaktion der ungarischen Nachrichtenseite index.hu ihren Job hingeschmissen, meldet Cathrin Kahlweit in der SZ. Ein weiterer Schlag gegen die Medienfreiheit in Ungarn, schreibt sie: "Fidesz-loyale Oligarchen, schreibt etwa András Földes für die Heinrich-Böll-Stiftung in einer aktuellen Analyse, hätten bereits Hunderte privater Medien übernommen oder aber eingestellt: Tageszeitungen, Webseiten, TV- und Radiosender und alle Regionalzeitungen. 2018 habe eine Gruppe von Oligarchen, unterstützt von Orbán, ihre Portfolios an eine Holding namens Central European Press and Media Foundation übertragen. Mehr als 80 Prozent der ungarischen Medien stünden mittlerweile direkt oder indirekt unter Regierungskontrolle, schätzt auch das Investigativportal Atlatszo.hu. Derzeit versuche die Regierung ihren Einfluss auf Medien in den Nachbarländern auszuweiten."

Noch immer ermittelt die deutsche Staatsanwaltschaft gegen die beiden Financial-Times-RedakteurInnen, die bereits über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard berichteten, als Politik, Wirtschaftsprüfer und deutsche Medien das Unternehmen noch für hoch seriös hielten, meldet Kai-Hinrich Renner in der Berliner Zeitung. Die dem Finanzministerium unterstellte Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte sie angezeigt: "Bisher hat sich das Ministerium von dem Vorgehen der Bafin nicht distanziert. Seine Pressestelle weist vielmehr darauf hin, die Bafin habe laut Wertpapierhandelsgesetz 'die gesetzliche Pflicht, beim Vorliegen' von 'Tatsachen, die zum Beispiel den Verdacht auf Insidergeschäfte begründen, Anzeige zu erstatten'. Aus der Stellungnahme geht nicht hervor, ob das Ministerium die Stichhaltigkeit dieser 'Tatsachen' geprüft hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2020 - Medien

Wie das Leben in den Kastensystemen der öffentlich-rechtlichen Sender organisiert ist, erfährt man nebenbei in einem Artikel von Kai-Hinrich Renners für die Berliner Zeitung über RBB Kultur, das Kulturradio des Senders, wo eine Million Euro eingespart werden sollen. Ausschließlich an Freien natürlich: "Von freien Mitarbeitern kann man sich jederzeit problemlos trennen. Eine Sozialauswahl ist nicht erforderlich. Immerhin gewährt der RBB ihnen Ausgleichszahlungen, die maximal drei Jahre lang fließen können. Die meisten Mitarbeiter dürften diese Zahlungen aber nur wenige Monate erhalten. Die Sprecherin teilt mit, ihr Haus werde seine 'Sozialverantwortung … entsprechend den gültigen Regelungen wahrnehmen'."