Ed Yong
malt im
Atlantic ein überaus düsteres
Corona-Szenario für Amerika an die Wand, und es ist verbunden mit einem
politischen Fehler, der womöglich sogar für einen wie
Donald Trump fatal sein könnte: "Eine
Pandemie-Abteilung, die Teil des Nationalen Sicherheitsrates war, wurde 2018 aufgelöst. Am 28. Januar drängte
Luciana Borio, die zu diesem Team gehörte, die Regierung, '
jetzt zu handeln, um eine amerikanische Epidemie zu verhindern', und insbesondere mit dem Privatsektor zusammenzuarbeiten, um schnelle und einfache diagnostische Tests zu entwickeln. Aber da das Büro geschlossen war, wurden diese Warnungen im
Wall Street Journal veröffentlicht, statt das Ohr des Präsidenten zu erreichen. Anstatt in Aktion zu treten, blieb
Amerika untätig."
Im
SZ-Gespräch mit Johan Schloemann erklärt der Soziologe
Sven Opitz, wie sich die Pandemie auf die
globalen Ungerechtigkeiten auswirkt: "Tatsächlich hat die WHO in der Pandemievorbereitung darauf gesetzt, dass die Infrastrukturen in Gesundheit und Verwaltung funktionieren. Das globale Phänomen muss ja
lokal bewältigt werden. Aber die Ebola-Krise hat die Diskrepanzen in den Kapazitäten gezeigt, die dafür zur Verfügung stehen: Globale Gesundheitssicherheit muss man sich auch
leisten können. Wenn die Ressourcen ohnehin stark begrenzt sind, ist es eine schwierige Entscheidung, die knappen Mittel für die Vorbereitung auf eine Pandemie auszugeben - und nicht für ganz akute Probleme. Die Verletzlichkeiten variieren stark - und sie werden jetzt vermutlich massiv und
grausam sichtbar, wenn Schwellen- und
Entwicklungsländer von der Infektion erfasst werden."
"Wäre das
chinesische Modell früher übernommen worden, dann könnten die Infektionen weltweit nun unter Kontrolle sein", tönte das Parteiorgan
Global Times (etwa
hier), und einige westliche Bewunderer scheinen ganz derselben Meinung zu sein. Matthias Naß in der
Zeit aber nicht: "Das 'Modell China' soll uns alle retten. Ein bisschen verschlägt es einem bei
so viel Chuzpe doch den Atem. Als Mitte November im zentralchinesischen Wuhan das neue Virus zum ersten Mal auftrat, wurden Hinweise auf die Gefahr ignoriert,
Beweise vernichtet, Ärzte eingeschüchtert, Labore geschlossen. Die Öffentlichkeit
erfuhr nichts. Bis dann, abrupt, am 23. Januar Wuhan (und wenig später die ganze Provinz Hubei) abgeschottet wurde."
Daran, dass China das Coronavirus gebannt hat,
meldet auch Ning Wang im
Tagesspiegel vorsichtige Zweifel an. Wie dem auch sei, am 8. April soll auch in
Wuhan die Quarantäne vollständig
aufgehoben werden, allerdings mit weitreichenden Folgen.
Rassismus ("ausländisch aussehende" Menschen werden gemieden) und noch
mehr Überwachung bestimmen den Alltag: "Die Unsicherheit ist nicht nur in der Bevölkerung zu spüren. Bei der Staats- und Parteiführung hat sie sich in eine Form von Kontrollwahn umkanalisiert. So werden seit Montag internationale Flüge nach Peking mittlerweile in die benachbarte Provinz umgeleitet und die Passagiere müssen
auf eigene Kosten in designierte Hotels in Quarantäne. Bei denen, die noch zu Hause in Selbstquarantäne gehen durften, weil sie schon vor zwei Wochen ins Land gekommen sind, wurden teils
Überwachungskameras vor der Haustür installiert, um sicher zu sein, dass sie sich an die Regeln halten."