Das
Impeachment gegen
Donald Trump ist beschlossen,
meldet unter anderem
Zeit Online mit
dpa. Zur Amtsenthebung wird es aber nicht kommen, schrieb der Historiker
Mischa Honeck vergangene Woche im
Tagesspiegel, denn schon im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses stimmte nicht ein einziger Republikaner für die Aufnahme offizieller Ermittlungen gegen Trump (Unser
Resümee).
Durch den zunehmenden Extremismus der Republikaner ist die
wehrhafte Demokratie in den
USA ernsthaft in Gefahr, warnt dementsprechend auch der Politologe
Jan-
Werner Müller in der
SZ: Mitch McConnel, republikanischer Politiker und Mehrheitsführer im Senat, "hat bereits angekündigt, er werde den Prozess im Senat in enger Abstimmung mit dem Weißen Haus gestalten - ein
eklatanter Bruch mit dem Grundgedanken der Verfassung, wonach der Kongress über der Exekutive steht und diese kontrolliert. Die Senatoren müssen sogar einen besonderen Eid zusätzlich zu ihrem Amtseid schwören. Darin versichern sie, in einem Amtsenthebungsverfahren
unparteiisch nach Recht und Gerechtigkeit zu suchen. Es ist unwahrscheinlich, dass die republikanischen Senatoren ihrer Pflicht im Einschätzungsverbund gerecht werden; ihr derzeitiges Verhalten gemahnt an Vasallen, die sich einem Feudalherren unterwerfen. Damit zeigt sich eine Schwachstelle im System, welche die USA dann letztlich doch zur wehrlosen Demokratie machen könnte: wenn eine der (in der Verfassung eben gar nicht vorgesehenen) Parteien sich
radikalisiert und der
Autoritarismus dann aus der Mitte einer vermeintlichen Volkspartei kommt."
Wichtiger als das Impeachment ist den Amerikanern eine
Reform des "
katastrophalen"
Gesundheitssystem,
schreibt die amerikanische Journalistin Elizabeth Zerofski im
Tagesspiegel und fordert eine "
Einheitskasse": "Im Januar dieses Jahres gaben 85 Prozent der Amerikaner an, sich zu wünschen, dass die Regierung mehr für die Gesundheitsversorgung tut. (Etwa 70 Prozent aller Wähler der Demokraten bevorzugen eine Einheitskrankenkasse.) Wir träumen davon, uns nach Deutschland oder Frankreich teleportieren zu können, wenn wir krank sind."
Die
indische Verfassung garantiert
Säkularität und Rechte für
Mindernheiten, mit seinem neuen
Einwanderungsgesetz, das Muslime benachteiligt, hebelt der hindunationalistische Premierminister
Narendra Modi allerdings "den seit Jahrzehnten geltenden Grundsatz aus, dass die Religion keine Bedingung für den Erhalt der Staatsbürgerschaft ist",
schreibt Tobias Matern in der
SZ: "Modi will ein Indien, in dem nicht mehr die Verfassung über allem steht, sondern die ethnisch-religiöse Zugehörigkeit. Das neue Gesetz ist
kein einmaliger Ausrutscher, sondern folgt einem klaren Kurs. Seit seiner triumphalen Wiederwahl im Mai, bei der Modi die Opposition zu politischen Zwergen geschrumpft hat, verschärft er seine Agenda. So entzog er der weitgehend muslimischen Krisenregion Kaschmir ohne Absprache mit der dortigen Bevölkerung und dem Erzrivalen Pakistan die Autonomie. Das bringt ihm Applaus seiner Anhänger ein, verschärft den Konflikt aber."
Bernard-Henri Lévy hat in einem Artikel für
Paris Match kommunitaristische Gewalt von muslimischen Fulani
gegen Christen in Nigeria angeprangert, die er mit dem Genozid von Ruanda vergleicht (unser
Resümee). Gegen seinen Artikel
protestiert gleich eine ganze
Fußballmannschaft von Experten in
Le Monde Afrique. Es handle sich um einen Konflikt von
Nomaden gegen
Ackerbauern: "Getrieben von Fulani-Herden verlassen
immer größere Herden die nördlichen Savannen, um die wachsende Nachfrage aus den großen Städten des Zentrums und des Süden zu befriedigen. Die zuweilen traditionellen Wanderungsrouten durchqueren ländliche Gebiete des Zentrums, die selbst in Ausdehnung befindlich sind. Der
Klimawandel trägt ohne Zweifel zur aktuellen Krise bei . das Zentrum ist besser bewässert und hat bessere Weiden als der Norden."
Darauf
antwortet BHL in
La Règle du Jeu: "Ich berichte von Szenen aus einem
Goya-Albtraum... Ich habe einen humanitären und moralischen Notstand in seiner reinsten und grausamsten Ausprägung geschildert. Und was ist der erste Reflex dieser herausragenden Spezialisten?
Mäkeln.
Polemisieren. Mit ethnisierenden Argumenten über die Geschichte des Streits zwischen Peuls und Haoussas kommen. Mit aller Kraft festnageln, dass die Tausenden Toten und Hunderttausenden Flüchtenden, die den Middle Belt Nigerias in Trauer stürzen, auf unentzifferbare
tribale Kriege zurückgehen oder auf Konflikte zwischen
Hirten und Bauern aus unvordenklichen Zeiten, oder auf den
Klimawandel, der die Herden in den Süden treibt - aber niemals, ganz bestimmt nicht, auf einen politischen, isdeologischen und
religiösen Konflikt, der eines Tages zu einem Blutbad wie in Darfur führen könnte."