Samstag, 01.06.2013
Heute in den Feuilletons
01.06.2013 Heute eröffnet die Biennale in Venedig, die Feuilletons nehmen sie sehr kontrovers auf: Die FAZ erkennt in ihr einen synkretistischen Tempel, in dem auch die Götter der Vergangenheit und Dilettanten ihren Platz haben. Die NZZ erkennt in ihr eine große Umarmung der Welt. Die SZ vermisst Zeitgenossenschaft. Der taz fehlen die Highlights. SZ und NZZ schreiben außerdem den Suhrkamp-Roman fort. Und in der Welt stolpert Salman Rushdie über erste Erinnerungslücken.
Bücherschau des Tages
01.06.2013 Lena Muchinas Aufzeichnungen aus dem belagerten Leningrad sind für die FAZ als zeithistorisches Dokument so bedeutend wie Anne Franks Tagebuch. Die NZZ preist Reinhard Jirgls Roman "Nichts von euch auf Erden" als großes Science-Fiction-Panorama und literarisches Forschungslabor. Außerdem liest sie erschütternde Irakkriegsromane von Fawwaz Haddad und Kevin Powers. SZ und taz sind sich einig über die Relevanz von Katajun Amirpurs Studie "Den Islam neu denken" über islamische Reformbemühungen seit dem 19. Jahrhundert.
Montag, 03.06.2013
Heute in den Feuilletons
03.06.2013 FAZ, taz und Zeit online berichten aus Istanbul, wo die städtische Jugend erstmals massiv gegen den frommen Autoritarismus Tayyip Erdogans aufbegehrte. Der Streit um Suhrkamp geht weiter: Heute antwortet eine ungenannte Zeitung aus Frankfurt auf einen ungenannten Journalisten aus München. Die Welt schickt ein letztes Psychogramm der Bewegung gegen die Schwulenehe in Frankreich. Und Stefan Niggemeier fragt: Ist Springer etwa ein Startup?
Bücherschau des Tages
03.06.2013 Die SZ taucht in die Tagebücher des Hamburger Bürgers Ferdinand Beneke, der Französische Revolution und Weimarer Klassik Tag für Tag miterlebte. Die FAZ ist sehr bewegt von Semiya Simseks bei allem Zorn auch versöhnlichem Buch "Schmerzliche Heimat und empfiehlt nachdrücklich Michael Sommers "Römische Geschichte".
Medienticker-Archiv
03.06.2013 Gregor Keuschnigs Anmerkungen zum Streit über digitale Literaturkritik - Rundfunkfinanzierung: NDR-Mitarbeiterin stellt die Systemfrage - Friedrich Küppersbuschs Antwort auf die Paywall - 70er-Epos "Die wilde Zeit": High sein, frei sein, alles muss gestylt sein - Back to the Fun: John Scofields "Überjam Deux" + "Leben einzeln und frei / Wie ein Baum und dabei / Brüderlich wie ein Wald / Diese Sehnsucht ist alt": Nazim Hikmet starb vor 50 Jahren.
Bücherbrief
03.06.2013 Zülfi Livaneli führt uns auf das Flüchtlingsschiff Struma, Ralph Dutli in das Paris des Malers Soutine, Yoram Kaniuk in die Palmach, Patrick Roth nach Hollywood, Hans-Peter Riegel ins Beuys-Land und Malte Herwig zu den Flakhelfern. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Juni.
Dienstag, 04.06.2013
Magazinrundschau
04.06.2013 Manchmal sind sogar Zeitungen dafür, das Urheberrecht zu vereinfachen, lernt der Economist. Nur die Medien glauben, die Aufständischen hätten den Bürgerkrieg in Syrien schon gewonnen, meint die London Review of Books. In Osteuropa überlegt Olga Radetzkaja, warum der nationalbolschewistische Autor Zakhar Prilepin im deutschen Literaturbetrieb so wohlige Schauer auslöst. In Nepszabadsag sieht Laszlo Vegel eine Befriedung der serbischen Nationalisten aufschimmern. In Le Monde sieht Boualem Sansal schwarz für Algerien. Die Financial Times sieht gar nicht schwarz für Somalia. Die New York Review of Books möchte keine Kreuzfahrt nach Venedig machen, danke.
Heute in den Feuilletons
04.06.2013 Die türkischen Proteste erregen auch die Feuilletons. Die taz findet: "Zu Grabe getragen wird ein Projekt von welthistorischer Bedeutung: die Demokratisierung des politischen Islams." Der Guardian erzählt, wie türkische Oppositionelle per Crowdfunding eine Anzeige in der New York Times kaufen. Die FAZ erklärt, warum Erdogans Polizei so unbeliebt ist. Außerdem: Die Welt versucht herauszufinden, wer die Milliarden-Erben Sylvia und Ulrich Ströher sind, die als weiße Ritter für Suhrkamp im Gespräch sind. Und die SZ fürchtet um die exception culturelle.
Bücherschau des Tages
04.06.2013 Die FAZ feiert Nellja Veremejs Debütroman "Berlin liegt im Osten": Das sei mal kein Hipster-Quatsch, sondern eine kluge und melancholische Sinfonie der Großstadt. Beeindruckt ist die NZZ von Raymond Carvers Gedichten "Ein neuer Pfad zum Wasserfall". Mit Freude begibt sie sich in die drastisch-burleske Welt des Alain Mabanckou. Und die taz liest wieder Jan Wolkers Klassiker "Türkischer Honig".
Medienticker-Archiv
04.06.2013 Jahrhundertflut, die nächste: Regenflut erreicht deutsche Medien - Zeitungskrise, europäisch: Auflage international dramatisch gesunken - Hans Christoph Buch: Europa "geht den Bach runter" - Michael Krüger: "Warum steckt Hoeneß sein Geld nicht Suhrkamp zu?" - Überwachung: Das Leben, ein Film - Theater-Nachtkritiken: Aschenputtel am Fließband in Bochum und Krawattenträume vom Übermenschentum in Recklinghausen + Büchner-Preis für Sibylle Lewitscharoff.
Karikaturen und Cartoons
04.06.2013 Die schaffen das, die Bayern!
Mittwoch, 05.06.2013
Heute in den Feuilletons
05.06.2013 Die Begeisterung über den Büchner-Preis für Sybille Lewitscharoff ist allgemein sehr groß: Nur die taz hat Bedenken gegen ihren bekennenden Kulturkonservatismus. In der Welt erklärt Henryk Broder, warum er kein Börne-Preisträger mehr sein will, wenn Peter Sloterdijk einer ist. Die SZ und Netzpolitiker Markus Beckedahl sind sich einig: Es kommt nicht darauf an, dass Politiker im Wahlkampf twittern - sondern dass sie sich für Netzneutralität stark machen. Die FAZ würdigt van Gogh als Techniker.
Bücherschau des Tages
05.06.2013 Als unerschöpfliches Kompendium für Wissenschaftler und allgemein interessierte Leser gleichermaßen empfiehlt die FR die kommentierten Tagebücher von Ferdinand Beneke. Die FAZ liest Lyrik: magische von Jochen Winter und apokalyptische von Arne Rautenberg. Und die SZ preist Zeina Abiracheds Graphic Novel "Das Spiel der Schwalben" über ihre Kindheit im bürgerkriegszerrissenen Beirut der Achtziger als seltenes Meisterwerk der Comic-Kunst.
Medienticker-Archiv
05.06.2013 Die Zeit ist die Angela Merkel unter den Zeitungen, meint Ines Pohl & gibt Antworten auf die Zeitungskrise - Werbeblocker: Jakob Augstein empfiehlt temporären "Aus-Knopf" - Medienkonsum: 50 % Internet, 49 % mobiles Internet, 1 % Restmedien - Alain Resnais: Ein alter Schelm lässt seine Puppen tanzen - "Was haben Götter mit Landnahmen an der Hacke?": Klaus Theweleit über seine "Königstöchter" + Neil Young in Berlin oder Als ob der Rock'n'Roll niemals sterben könnte.
Karikaturen und Cartoons
05.06.2013 Misserfolgsgeschichte.
Redaktionsblog - Im Ententeich
05.06.2013 Carolin Kebekus (die seltsamerweise genau so heißt wie ein neulich von einer Frankfurter Zeitung wahrheitsgemäß zitierter Anwalt) sollte eine Show in einem der Digital-Kanäle der ARD bekommen.
Aber daraus wird nichts.
Die Show wird nach der ersten Folge heute Abend wohl gleich wieder abgesetzt, meldet kress.de.
Donnerstag, 06.06.2013
Heute in den Feuilletons
06.06.2013 In der SZ singt Orhan Pamuk eine Hommage auf die Demonstranten vom Taksim-Platz. Berliner Blogs streiten über Berliner Start ups. Der Freitag fragt mit Blick auf die Suhrkamp-Debatte, ob die Feuilletons endgültig ins Spektakel abgeglitten sind. Die Zeit hat beim kostenlosen Lunch im Silicon Valley die AGB von Google studiert. In der taz fordert Reinhard Loske Freiheit zum Verzicht auf Freiheit zum Konsum. Der Tagesspiegel geißelt die scharfen Urteile gegen internationale Stiftungen in Ägypten.
Bücherschau des Tages
06.06.2013 Die im Band "Drosseln begraben" gesammelten Erzählungen des mexikanischen Schriftstellers
Sergio Pitol haben das Zeug, den Glauben an die Literatur wiederherzustellen, glaubt die
Zeit. Außerdem
feiert sie
Eugen Ruges Roman "Cabo de Gata" (
Leseprobe). Die
FAZ liest andächtig religiöse Lyrik von
Ludwig Steinherr. Die
taz freut sich über die illustrierte Neuübersetzung von
Dalton Trumbos Antikriegsklassiker "Und Johnny zog in den Krieg". Und die
NZZ genießt den komplizierten Satzbau in
Albert Drachs "Amtshandlung gegen einen Unsterblichen".
Medienticker-Archiv
06.06.2013 Carolin Kebekus zensiert: WDR dementiert - Angriff auf allen Kanälen: Malone startet Digitalplattform "Horizon" - iPad-App von National Public Radio: Das Volk will mehr als Volksempfänger - Fünfte Rad am Wagen: DJV besorgt über Rückgang der Medienseiten - Cyborgs: Mensch & Maschine - Über sein Jahrhundert hinaus: Rückblick auf Neuerscheinungen zu Jean-Jacques Rousseau + Fulminantes Eingedenken: Wolfram Schütte über eine Jean-Paul-Bildbiografie.
Im Kino
06.06.2013 Alain Resnais' wunderbarer Meta-Theaterfilm "Ihr werdet euch noch wundern", widerlegt die Annahme, die Kunstform Kino habe ihre große Blüte bereits hinter sich. "After Earth" von M. Night Shyamalan hat dagegen außer erfolgreichem Vater-Sohn-Bonding im Hause Smith wenig zu bieten.
Freitag, 07.06.2013
Heute in den Feuilletons
07.06.2013 Der Spiegel geißelt Barack Obamas Überwachungsstaat, der bedenkenlos so viele Telefongespräche aufzeichnet wie nur möglich. Die Welt bringt ein großes Dossier über Picasso und Deutschland. Das Blog mylorraine.fr porträtiert den 21-jährigen Fotografen Edouard Elias, der in Syrien vermisst wird. Die taz lauscht der Nostalgiemaschine der Boards of Canada. Die FAZ feiert mit den Istanbuler Demonstranten. Aber in Venedig wird ihr übel.
Bücherschau des Tages
07.06.2013 Mit "Selig & Boggs" ist Christine Wunnicke ein famoser Schelmenroman über die Erfindung von Hollywood gelungen, freut sich die SZ. Die FAZ ist begeistert von Stefan Moses' Porträts von "Deutschlands Emigranten", hätte dem Buch aber einen festen Einband gegönnt. In ihrem Debütroman "Berlin liegt im Osten" gewährt Nellja Veremej einen faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt von Einwanderern, findet die FR.
Medienticker-Archiv
07.06.2013 Jürgen Nielsen-Sikora über Benoît Peeters grandiose Derrida-Biographie - Im freien Fall: Mario Vargas Llosa und das Ende der Kultur - Herzstein und Steinherz: Thomas Braschs Gesammelte Gedichte - ZDF vs. ARD: Kleber vergleicht "Tagesschau" mit Nordkorea - Alice in Erzählschwung: Peter Stephan Jungk zu Besuch bei der Zuckmayer-Witwe + Somebody to Love & White Rabbit: Zum Tod des Jefferson-Airplane-Schlagzeugers Joey Covington.
Karikaturen und Cartoons
07.06.2013 Noch mehr schreckliche Fotos im Mittelteil.
Montag, 10.06.2013
Heute in den Feuilletons
10.06.2013 Der Prism-Skandal beschäftigt fast alle Medien. Wir bringen eine ganz aktuelle Presseschau - auch mit Informationen über den Whistleblower Edward Snowden. Auch deutsche Medien befassen sich mit der Affäre: Das Geheimnis hat die Schranken des Rechtsstaats gesprengt, meint die FAZ. Focus meldet, dass Hans Barlach Einspruch gegen das Schutzschirmverfahren für Suhrkamp einlegt. In Spiegel Online appelliert Hamed Abdel-Samad an die deutsche Regierung, die in Ägypten zirkulierenden Mordaufrufe gegen ihn zu verurteilen. Für die NZZ besucht Tom Schulz das Wohnhaus Paul Celans in Czernowitz.
Bücherschau des Tages
10.06.2013 Hellauf begeistert ist die SZ von der jungen mexikanischen Autorin Valeria Luiselli und ihrem tragikomischen Roman "Die Schwerelosen". Sehr gut besprochen werden auch Markus Gabriels philosophische Schrift "Warum es die Welt nicht gibt" und James Sallis' Hardboiled-Krimi "Stiller Zorn". Die FAZ liest gleich drei neue Bücher über Angela Merkel.
Medienticker-Archiv
10.06.2013 Aktuell: Walter Jens ist tot - Hochhuth vs. Peymann: Berliner Theater um ein Theater oder Muss das Berliner Ensemble jetzt Kisten packen? - Hanns Zischlers Berliner Hauptstadtansichten - Theater-Nachtkritiken: Rimini Protokolls "Qualitätskontrolle" in Stuttgart, Frischs "Stiller" in München, "Ein Dorf im Widerstand" bei den Ruhrfestspielen und Thomas Rothschild über "Der Jude von Konstanz".
Essay
10.06.2013 Die Zeit ist liberal - besonders im Umgang mit dem iranischen Regime. Gegen die beschönigende Wahlberichterstattung aus dem Gottesstaat, der die Opposition seit den Aufständen vor vier Jahren brutaler unterdrückt als je.
Dienstag, 11.06.2013
Heute in den Feuilletons
11.06.2013 Nach der Enthüllung des Prism-Skandals fragen der Guardian, die FAZ und andere Zeitungen nach den weltpolitischen Konsequenzen. In der FAZ rät Datenschützer Thilo Weichert, keine amerikanischen Internetdienste mehr zu nutzen. In der SZ setzen sich Aleida Assmann und Bernard Giesen sehr kritisch mit Giorgio Agambens Ruf nach einem "Empire latin" auseinander. Auf starke-meinungen.de fragt Alan Posener, ob sich die Antideutschen wirklich für Israel interessieren. Alle Zeitungen würdigen den "reinen Intellektuellen" Walter Jens. Und aktuell: Spiegel Online meldet, dass der Taksim-Platz geräumt wird.
Magazinrundschau
11.06.2013 Jawohl, es ging am Taksim auch um Alkohol und zwar zurecht, meint Atlantic. In Eurozine bezweifelt Timothy Snyder, dass Antisemitismus der Grund für den Holocaust war. GQ erzählt die Geschichte von Kim Jong-ils Sushi-Meister. Elet es Irodolam ahnt, warum wütende Antikommunisten in Ungarn an der Aufarbeitung des Kommunismus nur mäßig interessiert sind. The Believer lässt den Comic-Hexenmeister Alan Moore zu Wort kommen.
Bücherschau des Tages
11.06.2013 Die SZ lernt von Bernd Roecks Buch "Gelehrte Künstler", wie aus Handwerkern Akademiker wurden. Außerdem geht sie in die uckermärkische Volkshochschule des Botho Strauß. Die NZZ feiert Viktor Pelewins neuen Roman "Tolstois Albtraum" und meldet erleichtert nach Markus Gabriels Betrachtung "Warum es die Welt nicht gibt": Die Prechtisierung der Philosophie ist abgewendet. Und die FR schwärmt von J.R. Moehringers Roman "Knapp am Herz vorbei", der die Geschichte des Bankräubers Willie Sutton erzählt.
Medienticker-Archiv
11.06.2013 Über den österreichischen Nationalheiligen Thomas Bernhard - Diversifiziert ins Defizit: FAZ schreibt rote Zahlen - Zeitungsverleger: Verlagsgruppe Rhein Main will sich von Tarifverträgen verabschieden - Schlamm der Wirklichkeit: Interview mit dem ungarischen Kulturpolitiker Attila Vidnyánszky - Prism-Leak: Ein Held, ein Staatsfeind, ein Mann voller Rätsel + Neue Einigkeit durch den Protest? Die türkische Gesellschaft verändert sich.
Essay
11.06.2013 Biennale Venedig: Artur Zmijewski lässt Blinde sich selbst malen. Fischli-Weiss präsentieren kritische Momente der Weltgeschichte in ungebranntem Ton. Tino Sehgal arbeitet mit Tänzern in gleichem Rhythmus, ohne sich je zu vereinigen. Flüchtige Impressionen einer Kunst, die nie statisch sein will.
Im Kino
11.06.2013 In Antoine Fuquas "Olympus Has Fallen" tritt Gerald Butler gegen Nordkorea an; wir drücken gerne die Daumen. Peter Stricklands "Berberian Sound Studio" dienen das Exploitationkino und sein Sound-Design als Folie für einen abgründigen Horrorfilm.
Redaktionsblog - Im Ententeich
11.06.2013 Zyniker fordern einen dieser Tage auf, nicht so überrascht zu gucken. Dass wir vom amerikanischen Geheimdienst NSA ausspioniert werden, hätten sie schon immer gewusst. Mag sein, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß. Das haben wir dem 29jährigen Techniker und Whistleblower Edward Snowden zu verdanken, der folgendes enthüllt hat:
Mittwoch, 12.06.2013
Heute in den Feuilletons
12.06.2013 Die FAZ berichtet von Tayyip Erdogans konzertierter Aktion: Als Begleitmusik zur Räumung des Taksim-Platzes beschimpfte er die Demonstranten in einer landesweit übertragenen Rede als Terroristen. Mozilla und andere Organisationen starten die Kampagne StopWatching.Us gegen Prism, berichtet Netzpolitik. Die Macht hat die Sprache des Netzes gelernt - ein Einschnitt in der Geschichte des Internets, fürchtet Markus Beckedahl ebendort. Und in der SZ fragt sich Teju Cole, warum das Genre des Romans trotz Virginia Woolf wieder bei Jane Austen gelandet ist.
Bücherschau des Tages
12.06.2013 Hans Peter Riegel kann die FAZ mit seiner Entzauberung des Beuys-Mythos überzeugen. Die NZZ preist Manfred Hildermeiers "Geschichte Russlands" als neues Standardwerk und empfiehlt Chalid al-Chamissis Roman "Arche Noah" als authentisches Porträt der ägyptischen Mittelschicht. Die FR liest begeistert Alain Badious freie Neuübersetzung von Platons "Staat" sowie Somalia-Romane von Yasmina Khadra und Nuruddin Farah.
Medienticker-Archiv
12.06.2013 Filmförderung: Ist die kulturelle Vielfalt Europas in Gefahr? - Griechische Tragödie: Athen schaltet Staats-Rundfunk ab - Brockhaus Tragödie: Bertelsmann gibt das Lexikon-Geschäft auf - Strategie: Wie sich die FAZ weniger abhängig von Werbung macht - Theater-Nachtkritiken: Das war nicht Ich: "Audience" bei den Wiener Festwochen & Der Fluch des Sees: "Wetterleuchten" von Beat Portmann am Vierwaldstättersee.
Donnerstag, 13.06.2013
Heute in den Feuilletons
13.06.2013 Auch Kroatien ist erst in Europa richtig zuhause, meint Marko Martin in der Welt. Die deutschen Qualitätszeitungen wollen jetzt auch alles, was nicht sowieso schon kostenpflichtig ist, mit einer Paywall einfrieden, meldet horizont.net. Die Zeit bringt mehrere Artikel zu den Istanbuler Demonstrationen, darunter von Seyran Ateş und Feridun Zaimoglu. Die SZ erzählt, wie die Kulturinstitutionen Ägyptens von den Islamisten besetzt werden. Die Ruhrbarone suchen angesichts des Mordaufrufs gegen Hamed Abdel-Samad Trost bei Lichtenberg.
Bücherschau des Tages
13.06.2013 Alexander Nitzbergs nuancierte Neuübersetzung von Michail Bulgakows Roman "Das hündische Herz" ruft bei der Zeit große Begeisterung hervor. Außerdem lässt sie sich gerne von Elfriede Jelineks Bühnenessay "Rein Gold" anregen. Beatrix Langner eröffnet der SZ in ihrer Jean Paul-Biografie ungeahnte Perspektiven. Und die FAZ freut sich über einen neuen Band mit Erzählungen, Essays und unbekannten Texten von Stefan Zweig.
Medienticker-Archiv
13.06.2013 Verführerisch & suspekt: Frédéric Jaegers Überlegungen zum Phänomen der zwingenden Begeisterung im Filmgeschäft - Prism & WefightCensorship: Schnüffelsoftware weltweit in Aktion & Reporter ohne Grenzen bietet Online Survival Kit an - Whistleblowing: Geschichtsbücher der Zukunft - Das Netz, eine Bastion der Freiheit?, fragt Stephan Urbach - "Traditionelle Werte": Weltbild schmeißt schwule Bücher aus dem Sortiment + Vor 125 Jahren wurde Fernando Pessoa geboren.
Mord und Ratschlag
13.06.2013 In Patricia Melos bösem Roman "Leichendieb" gelingt es einem kriminellen Charakter grandios, immer nur anderen Menschen das Leben zu versauen. Der Journalist Klester Cavalcanti erzählt in seiner Reportage "Der Pistoleiro" von einem brasilianischen Auftragsmörder, der 492 Menschen tötete und trotzdem hofft, in den Himmel zu kommen.
Freitag, 14.06.2013
Heute in den Feuilletons
14.06.2013 In der SZ erklärt Constanze Kurz, warum Google denn doch nicht dasselbe ist wie die NSA. Und in der FAZ erklärt sie, dass es auch der NSA durchaus um Wirtschaft gehen könnte. Der Guardian erzählt, warum sich der Whistleblower Edward Snowden nicht an die New York Times wandte. Der Freitag interviewt einen türkischen Journalisten zu Zensur und Selbstzensur in den Medien des Landes. Im Buchreport erklären die Manager von Randomhouse die Rolle der Verlage in Zeiten des Ebooks.
Bücherschau des Tages
14.06.2013 Mit "Krebs Nebel" erscheint seit Langem mal wieder ein Roman von Éric Chevillard auf Deutsch und lädt ein ins skurrile Universum des Autors, freut sich die FAZ. Problematisch und spannend findet die taz in Elliot Perlmans Roman "Tonspuren" den Versuch, jüdische und afroamerikanische Geschichte kurzzuschließen. Und die SZ lernt von den Psychologen Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer, dass längst nicht jedes Akademikerkind an die Uni gehört.
Medienticker-Archiv
14.06.2013 Nation des großen Unbehagens: Deutschland, Nation des Grauens? - Tarifkonflikt: Zeitungsverleger wollen beim Tarif sparen - Bezahlinhalte: "Quality Alliance" kündigt Paid Content an - "Premiumanbieter kapitulieren vor dem Internet", meint Gunter Dueck - Filmindustrie implodiert, meinen Spielberg & Lucas - Verfassungsschutz: Kapitalismuskritik bleibt verfassungsfeindlich + Wer länger schreibt, ist früher tot, meint Florian Rötzer.
Karikaturen und Cartoons
14.06.2013 Hochwassertourismus bizarr.
Samstag, 15.06.2013
Heute in den Feuilletons
15.06.2013 Im Interview mit der taz erklärt Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser den Erfolg seines Wochenmagazins. Freie Journalisten dürften sich für das Interview interessieren! Recht heftig ging es auch bei einer Wiener Konferenz über das Urheberecht zu, berichtet Futurezone. In der NZZ sucht und findet der Zeithistoriker Edgar Wolfrum einen Gründungsmythos für Europa: Der 17. Juni hat damit zu tun. Die SZ findet Femen pubertär.
Bücherschau des Tages
15.06.2013 Die taz fährt mit Geert Mak und dieser mit John Steinbeck nach "Amerika!" Tief beeindruckt ist die FAZ von Yoram Kaniuks Roman "1948", der einen faszinierenden Blick auf die Zeit der israelischen Staatsgründung wirft. Die NZZ versenkt sich mit Felix Hartlaub in die italienische Kunst.
Montag, 17.06.2013
Heute in den Feuilletons
17.06.2013 Trotz allem: Noch ist die NSA ist nicht die Stasi, meint Fred Kaplan in der FAZ. Frank Schirrmacher fordert in der Sonntags-FAZ trotzdem ein europäisches Staats-Google. Spiegel Online ist da skeptisch, der BND nicht. In der Welt erklärt Zafer Sencak, warum sich die türkische Jugend den von Tayyip Erdogan verordneten Islam nicht mehr bieten lassen will. Die NZZ unternimmt eine Reise nach Timbuktu. Die taz meint: Auch nach der Wiederentdeckung von Hilma af Klint muss die Geschichte der Malerei nicht neu geschrieben werden.
Bücherschau des Tages
17.06.2013 Die FAZ liest interessiert Ilko-Sascha Kowalczuks Buch "Stasi konkret", das die Zahl der tatsächlichen IMs deutlich niedriger veranschlagt als bisher vermutet. Die taz lässt sich von Diana Pintos durchs neue Israel führen und lernt von Klaus Theweleits "Pocahontas II" alles über Land- und Frauennahme.
Medienticker-Archiv
17.06.2013 "Exception culturelle" oder Hündisches Verhalten: Der diesjährige Merck-Preisträger Wolfram Schütte über deutsche Kulturjournalisten, die "wieder einmal den Schwanz einziehen" - Systemfrage: Ernst-Wilhelm Händler meint, dass der linke Antikapitalismus intellektuell unscharf sei - Theater-Nachtkritiken aus Berlin und Zürich - Istanbul: Tayfun Guttstadt berichtet vom Taksim-Platz + Krautrock revisited: Die Rehabilitierung eines Genres.
Essay
17.06.2013 Erstaunlich, mit welchem Aufwand davon abgelenkt wird, dass die Unterscheidung zwischen dem einen wahren Gott und den vielen falschen Göttern uns noch nach 2000 Jahren ihre finstere Exekutivlogik unter Beweis stellt. Wider die Entschärfung von Jan Assmanns These.
Dienstag, 18.06.2013
Magazinrundschau
18.06.2013 Bloomberg besucht das nordkoreanische Kunststudio Mansudae. Ungarn zählt zu den unreligiösesten Ländern Europas, meldet Elet es Irodalom. Eurozine schmeckt eine kräftige Dosis Guy Debord in den Reden der heutigen russischen Opposition. Pitchfork lernt von Pussy Riot den größten Unterschied zwischen den USA und Russland. Granta erliegt den Verlockungen indischer Eis-Lollies. Der New Statesman feiert die Dichterin Charlotte Mew, die London Review den Fotografen Garry Winogrand, Hazlitt den Comickünstler Gengoroh Tagame und die New York Times den Maler James Turrell.
Heute in den Feuilletons
18.06.2013 In der Welt erhofft sich Wolfgang Kraushaar durch neue Ermittlungen mehr Informationen über die Terrorserie in München 1970. Die Digitale Gesellschaft erstattet wegen Prism Anzeige bei der Polizei: Es besteht Verdacht auf Spionage. In der taz verrät Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser die Honorare seiner freien Mitarbeiterin Silke Burmeister. Stefan Niggemeier kann sich darüber nur sehr wundern. Dass der Aufklärer Walter Jens bei seiner Trauerfeier mit Mozarts Requiem verabschiedet wurde, gehört zu den Aporien, die zu ihm passen, findet die FAZ.
Bücherschau des Tages
18.06.2013 Tränen vergossen hat die NZZ über Julia Kissinas Roman "Frühling auf dem Mond", vor Glück und vor Trauer. Außerdem stellt sie fest, dass E.L. Doctorow auch die kleine Form meisterhaft beherrscht. Die SZ rät dringend zu Jürgen Grässlins "Schwarzbuch Waffenhandel". Die taz lernt von der Literaturwissenschaftlerin Eva Eßlinger: Wir leben in einer Dienstbotenromanze.
Medienticker-Archiv
18.06.2013 Athen: ERT sendet wieder - Datenspionage: NASA, Prisms großer Bruder & BND baut Internetüberwachung aus & Britischer Geheimdienst bespitzelte G-20-Teilnehmer - Netzwerk Recherche: "Wenn Journalisten nicht verlegerischer denken, schaffen sie sich ab" & Informationsblockierer des Jahres: Negativpreis für den Innenminister - Biografismus statt Biografie: Gregor Keuschnigs Anmerkungen zu Hans Peter Riegels Beuys-Buch & Kommentare des beleidigten Autors.
Karikaturen und Cartoons
18.06.2013 Rettet die NSA das Klima?
Mittwoch, 19.06.2013
Heute in den Feuilletons
19.06.2013 Der Schauspieler John Cusack wundert sich in seinem Blog auf HuffPo über den massiven Backlash gegen den Whistleblower Edward Snowden. Und Reuters hat herausgefunden, dass sich der Wunsch, Whistleblower zu bestrafen, umgekehrt proportional zu deren Dienstrang verhält. Die NZZ staunt über islamische Konsumkultur in der Türkei. Die SZ bewundert Typografien ohne Individualität. Und in der FAZ beklagt Gerhart Baum das allgemeine deutsche Desinteresse an Netzneutralität und Datenschutz.
Bücherschau des Tages
19.06.2013 Mit ihrer Studie über die Welteis-Theorie ist Christina Wessely eine Auseinandersetzung mit der Entstehung von Wissen und der Macht der Sprache gelungen, meint die NZZ. Die SZ lässt sich von Manuele Fiors psychoanalytischem Sci-Fi-Comic "Die Übertragung" verzaubern. In den Prosagedichten von Michael Donhauser hört die FAZ konzentrierte Sprachmusik. Und die taz freut sich über ein unverkrampftes Aufklärungsbuch von Antje Helms und Jan von Holleben.
Medienticker-Archiv
19.06.2013 Umfrage: Immer weniger Leser vertrauen ihrer Zeitung - Prism und kein Ende: Wie der BND das Netz überwacht - Frondienste: Freischreiber kritisieren Die Zeit - Marc Böhler erzählt von seinen elf Jahren bei NZZ-Online - Semantische Technologien: Studie zu "Smart Content in Verlagen" - Wlan aus den Wolken: Google-Ballons in der Stratosphäre - Birds of New York: Hans Christoph Buchs Laudatio auf Teju Cole + Vom Jazzer zum Rocker: Bill Frisells neue CD "Big Sur".
Im Kino
19.06.2013 Zwei Supermänner: Zack Snyders Blockbuster "Man of Steel" ist eine Übung in gigantomanischer Traumabewältigung. Und Jean-Pierre Bekolos "Le président", den man auch in Deutschland eher im Internet als im Kino zu sehen bekommen dürfte, entwirft einen kontrapräsidialen Möglichkeitsraum.
Donnerstag, 20.06.2013
Heute in den Feuilletons
20.06.2013 Die Zeit erklärt, warum die Abhörmethoden der NSA schlimmer als Orwell sind. in einem Chat des Guardian dementiert Google so gut es geht. Die NZZ lässt sich Tomas Venclovas Gedichte von diesem selbst erklären und findet sie seitdem noch besser. In der Welt ruft Zülfü Livaneli die protestierende türkische Jugend auf, sich politisch zu organisieren. Die FAZ gewinnt bei einer Filmretro das Vertrauen in die totgeglaubte materialästhetische Avantgarde zurück. Zum frühen Tod des "Sopranos"-Helden James Gandolfini bringen wir einige Videos.
Bücherschau des Tages
20.06.2013 In ihrem Berlin-Journal "Aufgerissene Blicke" präsentiert Ilma Rakusa der verblüfften FAZ die deutsche Hauptstadt als Weltstadt. Außerdem liest die FAZ gesammelte Reisetexte von Robert Gernhardt und Tristan Marquardts Gedichte für das digitale Zeitalter. Die NZZ verfolgt gebannt, wie David Grossman in "Aus der Zeit fallen" Hier und Jetzt transzendiert. Und die Zeit empfiehlt Sommerbücher, unter anderem von Ned Beauman, John Dos Passos, Philip Hoare und Hubert Wolf.
Medienticker-Archiv
20.06.2013 Aktuell: Swetlana Alexijewitsch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - Was für ein Aufreger: Die Kanzlerin entdeckt #Neuland - Warum macht das Internet der Macht solche Angst? Vier Thesen von Patrick Breitenbach - Zweite Lesung: Urheberrechtsfragen werden nachts beraten, wenn alle schlafen - Nachrichten-Websites: Die Traffic-Geheimnisse von Bild, Zeit und taz - Wissenschaftsblog: Die Entdeckung der digitalen Langsamkeit + Das Avantgarde-Festival in Schiphorst.
Freitag, 21.06.2013
Heute in den Feuilletons
21.06.2013 Die FAZ bringt ein großes Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch, die den Friedenspreis des Buchhandels erhält. In der taz erklärt Darren Pih, Kurator der Schau "Glam", warum Glam besser war als Punk. Die NZZ versucht Meret Oppenheim zu fassen. Die SZ hat bei einem Theatertreffen in Kinshasa herausgefunden: Das Nervende am Kolonialismus sind die Leute, nicht das Geld. Kenan Malik feiert in seinem Blog (eigentlich im New Humanist) den großen radikalen Aufklärer Jonathan Israel. Und alle verabschieden sich von James Gandolfini.
Bücherschau des Tages
21.06.2013 Als ein ausgesprochen lebendiges Buch über den Tod empfiehlt die SZ Connie Palmens "Logbuch eines unbarmherzigen Jahres". Außerdem hört sie mit Interesse die gesammelten Originaltonaufnahmen von Ernst Jünger. Die NZZ befasst sich mit Briefen an und persönlichen Aufzeichnungen von Meret Oppenheim. Die FAZ liest die deutsche Übersetzung der französischen Übersetzung von Liebesgedichten von Adonis und begibt sich mit Jan Bürger auf eine literarische Reise entlang des Neckars.
Medienticker-Archiv
21.06.2013 Der Leser als Untertan: Der Hype um die erste Nachricht & der Echtzeit-Journalismus - Ein guter Romanstoff? Michael Angele über den Prism-Skandal - Die Volksverhetzer: Die rechte Presse und der NSU-Prozess - Vergleichbar mit einer Gratiszeitung: Zeitungsverleger kritisieren deutsche HuffPo - Paid Content: Bilanz der Welt - AGOF-Zahlen: Bild.de vor Spiegel online - Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Hannover, Heidelberg & Wien + Barfüßig in Lederhosen mit viel Blech.
Karikaturen und Cartoons
21.06.2013 Gar nicht mal so unrealistisch.
Redaktionsblog - Im Ententeich
21.06.2013 Am 5. Juni hat der Guardian mit Hilfe des Whistleblowers Edward Snowden die ersten Dokumente veröffentlicht, die eine flächendeckende nationale und internationale Ausspionierung von Telefon- und Internetdaten durch die amerikanische Regierung belegen.
Samstag, 22.06.2013
Heute in den Feuilletons
22.06.2013 Wir brauchen ein neues Wort für die atomare Stufe eines Skandals! Der Guardian hat gestern abend enthüllt, dass der britische Geheimdienst GCHQ in Allianz mit den USA, Kanada, Australien und Neuseeland weltweit Glasfaserkabel anzapft und den Internetverkehr und die Telekommunikation weltweit belauscht, ohne deshalb einen Richter zu belästigen. Die NZZ berichtet über kommerzielle Bücherverbrennungen. In der Welt outet sich Thomas Glavinic als Formel-1-Freak. In der FAZ erklärt Eva Illouz den Erfolg von "Fifty Shades of Grey".
Bücherschau des Tages
22.06.2013 Schönheit und Schrecken bescheinigt die hingerissene SZ Joao Paulo Cuencas brasilianischen Roman "Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall", der von einem Mann erzählt, der die Liebschaften seines Sohnes wahnhaft ausspioniert. Die FAZ lernt viel über den amerikanischen Pragmatismus in Sarah Khans Buch zur Serie "Dr. House". Außerdem stürzt sie sich mit Begeisterung in die fantastischen Bildwelten des - äh - Stephen King. Die taz bedauert Elif Shafaks Wende zum Traditionalismus und liest mit kritischer Bewunderung Fernand Braudels Vorlesungen in der Kriegsgefangenschaft "Geschichte als Schlüssel zur Welt".
Montag, 24.06.2013
Heute in den Feuilletons
24.06.2013 Die neuesten Enthüllungen über den britischen Geheimdienst, der die gesammelte Kommunikation Europas abhört, bewegen die Presse doch: Die Bürger stehen vor der Wahl, ob sie sich den totalitären Ansprüchen der Dienste entgegenstellen wollen oder nicht, meint Spiegel Online. Die Welt möchte dabei aber die Maßstäbe gewahrt sehen. Die Welt geht auch noch mal Peter Sloterdijks Börne-Dankrede durch und ist einigermaßen entsetzt. In Volltext mahnt Hubert Winkels: Der Bachmann-Wettbewerb gehört unter UN-Schutz, mindestens. In der taz spricht der türkische Musiker Burak Tamer über seine Erfahrungen auf dem Taksim Platz.
Bücherschau des Tages
24.06.2013 Die Wiederentdeckung des mexikanischen Dichters Gilberto Owen macht Valeria Luisellis Roman "Die Schwerelosen" zu einer literarischen Großtat, jubelt die FAZ. Desweiteren ärgert sie sich über kritische Bücher über Barack Obama und Elisabeth Noelle-Neumann. Die SZ betrachtet Yves Marchands verstörende Fotos von der verlassenen japanischen Insel Gunkanjima. Und die taz lässt sich gerne von Felix Kubins musikalischem Hörspiel "Orphée Mécanique" irritieren.
Medienticker-Archiv
24.06.2013 Die Macht der Geschichten: Albrecht Koschorke über die Funktion von Erzählungen - 70 Jahre: Michael Kleeberg über Hesses "Das Glasperlenspiel" - Wichtigtuerisches Weltschmerztheater: Büchners "Leonce und Lena" in München - Ein Killer wie du und ich: Thomas Glavinic über Tony Soprano - Bezugspunkt der surrealistischen Literatur: Javier Tomeo ist tot + Aus Freundschaft für die Worte: Yves Bonnefoy zum Neunzigsten.
Redaktionsblog - Im Ententeich
24.06.2013 Was wissen wir, habe ich letzten Freitag gefragt. Da war noch viel umstritten. Seitdem wissen wir mehr, eine Menge mehr. Wir wissen, dass Barack Obama gelogen hat, als er sagte, dass kein amerikanischer Bürger ohne Gerichtsbeschluss belauscht und seine Mails gelesen werden. Denn die Geheimgerichte haben Blankoerklärungen für Geheimdienste ausgestellt: Eine richterliche Überprüfung im Einzelfall hat es offenbar in vielfach nicht gegeben. Statt dessen wurde es einzelnen Geheimdienstmitarbeitern überlassen zu entscheiden, wer und wieviele Menschen ausspioniert werden, so der Guardian der am Freitag zwei neue Dokumente dazu veröffentlichte. Wir wissen, dass der richterliche Vorbehalt für Ausländer, also auch für EU-Bürger eh noch nie galt. Inzwischen wissen wir außerdem, dass die Briten nicht nur die Metadaten, sondern auch den Inhalt der Kommunikation aller Europäer ausspionieren und diese Daten mit den USA, Australien, Neuseeland und Kanada teilen. Das ist praktisch, weil es wohl in keiner anderen westlichen Demokratie ausreicht, dass am Ende des Kommunikationsstrangs ein Nichtbrite sitzt, um flächendeckend und ohne richterliche Genehmigung die Kommunikation ihre eigenen Bürger und die "befreundeter" Nationen ausspionieren zu dürfen, indem sie die transnationalen Glasfaserkabel in den Meeren anzapft.
Dienstag, 25.06.2013
Magazinrundschau
25.06.2013 Für Letras Libras legt Enrique Krauze sein Ohr an das Grab Simon Bolivars. The Atlantic beschreibt den Kampf tunesischer Unis gegen die drohende Islamisierung. Im Corriere fragt Beppe Grillos Berater Gianroberto Casaleggio: Bringt das Netz Freiheit oder Diktatur? HVG sucht den Elefanten in Péter Esterházys neuem Roman. New Republic wirft Licht auf die neueste Phase des Putinismus: 13 Jahre Gefängnis. Wired erzählt, wie wir mit Skybox bald auch noch per Satellit lückenlos überwacht werden. Die New York Times macht wenig Hoffnung für Syrien.
Heute in den Feuilletons
25.06.2013 Trita Parsi erinnert sich in der SZ mit Wehmut an die lange abgekühlte Freundschaft zwischen Iran und Israel. Im dritten Teil unserer Prism-Presseschau stellt der Perlentaucher fest: alle werden überwacht, nur nicht die Überwacher. Auch die FAZ meint: Jeder kann zum Opfer der Überwachung werden. Die NZZ findet die schönsten Neubauten Deutschlands in der Provinz. Alle nehmen Abschied vom FAZ-Feuilletonisten Henning Ritter.
Bücherschau des Tages
25.06.2013 Hellauf begeistert zeigt sich die
NZZ von
Eugen Ruges Roman "Cabo de Gata" über die Verwandlung und Selbstfindung eines rastlosen Schriftstellers (hier unser
Vorgeblättert). Die
SZ begibt sich mit
Joe Bageant "Auf Rehwildjagd mit Jesus" ins amerikanische Proletariat und liest unterschiedlich gelungene Bücher zur Entzauberung des
JFK-Mythos. Die
FAZ lässt sich derweil von
Donatella Di Pietrantonio in die archaische Bauernwelt der Abruzzen entführen.
Medienticker-Archiv
25.06.2013 Martin Lüdke fragt sich: Wozu Literaturzeitschriften, Literaturkritik, Literatur? - LAE: Print-Reichweiten wachsen weiter - Verlage bei Twitter: Denn sie wissen nicht, was sie tun? - Rainer Stadler: Wenn Twitter streikt - Die Medien in 20 Jahren: Tom Appleton blickt in die Zukunft - Das Ende der Privatsphäre? Prism und die Folgen & Reporter ohne Grenzen kritisiert Ecuadors Snowden-Show. + Wilhelm Genazino über Weltliteratur am Wannsee.
Redaktionsblog - Im Ententeich
Mittwoch, 26.06.2013
Heute in den Feuilletons
26.06.2013 Die wollen doch nur ins Fernsehen, schimpft der Autor Rafael Chirbes in der NZZ über die Protestbewegung in Spanien. Auf Spon will Sascha Lobo nicht unbeschwert, sondern unüberwacht das Internet nutzen. Die SZ reist in 16 Stunden von Sarajewo nach Budapest. In der FAZ erzählt Georg Mascolo, wie gut amerikanische und deutsche Geheimdienste zusammenarbeiten.
Bücherschau des Tages
26.06.2013 Die FAZ begibt sich mit Matthias Glaubrecht auf die Suche nach dem Evolutionspionier Alfred Russel Wallace. Empfehlen kann sie auch Jonas Lüschers wissenschaftlich abgefederte Novelle "Frühling der Barbaren". Die NZZ freut sich über Jochen Schmidts traurig-komischen Roman "Schneckenmühle". Und die FR begibt sich mit Dominique Manotti und ihrem neuen Roman "Zügellos" in die undurchsichtige Welt der Rennställe.
Medienticker-Archiv
26.06.2013 Bachmann-Wettlesen: Krokodilstränen im politischen Erpressungsspiel, P.E.N. wirft ORF Volksverdummung vor, Josef Haslinger bedauert drohendes Aus & Offener Brief der Jury - Nutzer "ducken" sich im Netz: Suchmaschine Duckduckgo profitiert von Prism - Edward Snowden: Vorwürfe sind einen "Treppenwitz" - Russischer Schauprozess: Anklage gegen Aksana Panowa - König Albtraum: Dietmar Dath zum Tod von Richard Matheson.
Karikaturen und Cartoons
26.06.2013 Klar, Softeis, wann denn sonst?
Donnerstag, 27.06.2013
Heute in den Feuilletons
27.06.2013 In der Jüdischen Allgemeinen warnt Piratin Marina Weisband vor dem Überwachungsstaat. Das Künstlerduo FRONT404 setzt ihm ein Partyhütchen auf. Das deutsche Parlament verpennt lieber die Debatte, berichtet die taz. Die Zeit findet Edward Snowdens Leaks notwendig und legitim. Im Tagesspiegel beschreibt Michail Schischkin die russische Diktatur des 21. Jahrhunderts. Die SZ feiert das Stehvermögen der texanischen Senatorin Wendi Davis. In der NZZ feiert der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinow die Schönheit der protestierenden Menschen in Sofia. Wenig anfangen kann dagegen die FAZ mit der Schönheit operierter Menschen in Südkorea.
Bücherschau des Tages
27.06.2013 Die Zeit liest Jerome Ferraris "Predigt auf den Untergang Roms" als französischen Angriff auf die amerikanische Massenkultur, mit zum Teil korsischen Mitteln. Ganz verzaubert ist die FAZ von Andrea Hiratas indonesischem Roman "Die Regenbogentruppe". Steffen Popps Gedichtband "Dickicht mit Reden und Augen" versieht sie mit dem Etikett Neue Berliner Avantgarde. Der NZZ imponiert die Wildheit des jungen Josef Winkler. Die SZ liest interessiert, wenn auch nicht restlos überzeugt Daron Acemoglus und James A. Robinsons Opus "Warum Nationen scheitern".
Medienticker-Archiv
27.06.2013 Wie viel Kritik braucht der Betrieb? Marc Reichwein über Literaturbetriebswissen - E-Book-Kalkulation: Auf dem Rücken der Autoren? - Umbau ohne Schrumpfkurs: 13. Ranking der weltgrößten Buchkonzerne - Überall online: Digitale Nachrichten im Jahr 2013 - Grenzübertritt: Focus Online ist offen für PR & Burda betreibt Huffington Post auf Sparflamme + Vor 20 Jahren: Geschichtsklitterei oder Der verdrängte Medienskandal.
Im Kino
27.06.2013 Mani Haghighis großartige Kapitalismus-Allegorie "Modest Reception" mündet in eine Revolution der nehmenden Hand. Marc Foster ergeht sich in seinem Untoten-Blockbuster "World War Z" in biopolitisch bedenklichen Kontrollfantasien.
Freitag, 28.06.2013
Heute in den Feuilletons
28.06.2013 Der Guardian zeigt in neuen Enthüllungen, wie Barack Obama die Abhörpraxis George W. Bushs fortsetzte. Timothy Garton Ash fragt sich im Guardian, wie die Öffentlichkeit, die Initiative zurückgewinnen kann. Constanze Kurz kann es in der FAZ nicht fassen, dass der Bundestag bei der Debatte über Prism fast leer blieb. Die US Army sperrt unterdessen den Zugang zur Guardian-Website - vorerst nur für ihre Soldaten. Critic.de fragt, ob ein Filmfestival wie das von München, das seine Filme von DVD abspielt, überhaupt ein Filmfestival ist. Die Welt hat in New York ein Mysterium Tremendum erlebt, entschuldigt sich aber auch dafür.
Bücherschau des Tages
28.06.2013 Die SZ feiert Carlo Ginzburgs Essays "Faden und Fährten", in denen der italienische Historiker das Realitätsprinzip gegen Postmoderne und Literarisierung verteidigt. Die FAZ unterstützt Kathrin Rögglas subtil-subversiven Angriff auf den Sprachimperialismus der technokratischen Optimierung. Gut gefallen hat ihr auch Saskia Hennig von Langes Novelle "Alles, was draußen ist".
Medienticker-Archiv
28.06.2013 "Ich bin raus": Torsten Dewis Abschiedsbrief an das Fernsehen - TV & Online: WDR-Web mit Extras - Keine Rechteinhaber: Filme und Bücher dürfen ins Netz - Härter, politischer und nachrichtlicher: Wolfgang Büchners Spiegel-Chef-Credo - Blut aufs Brot: Angélica Liddells feministische Performance beim Festival Foreign Affairs - "Die nennen das Schrei": Rainer Weiss und seine Erinnerungen an Thomas Brasch - Song für die Akademie: Welcome Mr. Zimmerman + Wahlkampf: Michael Angele über Broder, Grass und die SPD.
Karikaturen und Cartoons
28.06.2013 Big Brother und seine kleinen Geschwister.
Samstag, 29.06.2013
Heute in den Feuilletons
29.06.2013 In The Nation warnt Jaron Lanier, Prism könne zu einem Regime der subtilen Konformität führen. Die Amerikaner halten trotz allem an ihrer Vorstellung vom Internet als Freiheitsmaschine fest, erläutert Thomas Frank in der FAZ. In der SZ beschwört Bild-Chef Mathias Döpfner eine Renaissance der Inhalte. Die taz denkt über Richard David Precht und das Talkshow-Paradoxon des modernen Intellektuellen nach: entweder gehört oder ernst genommen werden. Und die Welt würdigt das deutsche Literaturpreis-System in seiner Gesamtschönheit.
Bücherschau des Tages
29.06.2013 Absolut begeistert ist die taz von William Gibsons Essays "Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack", auch wenn der einstige Cyberpunk ziemlich zukunftsmüde geworden sei. Hervorragend findet sie auch Patricia Melos Thriller "Leichendieb". Der SZ geben Uwe Kolbes "Lietzenlieder" den Glauben an das Dichten und Sagen zurück. Die FAZ ist überwältigt von Hans Stiletts sinnlichen Erinnerungen "Eulenrod", in denen er sogar Hebammen Tau sammeln lässt. Überzeugt ist sie auch von Antje Helms' und Jan von Holleben Pubertätsbuch "Kriegen das eigentlich alle?"