Donnerstag, 02.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.01.2020 Bei den Salonkolumnisten resümiert der Historiker Jan C. Behrends zwanzig Jahre Putin: von der autoritären Modernisierung zur Barbarisierung. Ein Streit zwischen dem Journalisten Richard Gutjahr und dem Bayerischen Rundfunk wirft nochmal Licht auf die missliche Situation der freien Journalisten bei den Sendern. Die Welt beschreibt das heikle Lavieren der christlichen Minderheit im Libanon. Spiegel online wirft einen ungemütlichen Blick auf die in den Zwanzigern kommende Alterung Deutschlands.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.01.2020 Die SZ erkundet von der Elfenbeinküste aus den afrikanischen Musikmarkt. In der taz erklärt die Dokumentarfilmerin Valentina Primavera, wie verquer und roh in Italien Genderfragen diskutiert werden. Die FR vermisst die Musik in einer Doku über Miles Davis. Die FAZ liest drei Comics über das Leben nach dem Tod. Die Welt bewundert die Londoner It-Girls der 1920er. Und: die Feuilletons trauern um Harry Kupfer.
Bücherschau des Tages
02.01.2020 Die FAZ empfiehlt drei Comics über das Leben mit dem Tod, darunter Luz' Aufarbeitung des Attentats auf Charlie Hebdo und Tina Brenneisens Comic über die Totgeburt ihres Kindes: Ein "grafischer Schrei", meint sie. Die SZ kämpft leidenschaftlich mit den gelehrten Furien und Dämonen des jungen Samuel Beckett. Die FR liest erschütternde Briefe von Ernst Barlach. Für Dlf und SZ bleibt Margret Mitchells "Vom Wind verweht" auch in neuer Übersetzung ein "rassistisches" Buch.
Freitag, 03.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
03.01.2020 Interessiert sich Google nicht für Menschenrechte? Bei Medium erzählt der ehemalige Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen bei Google, wie er weggemobbt wurde, weil er in der Firma für eine klare Politik eintrat. Es wird weiter über das Jüdische Museum Berlin gestritten: Null Toleranz für BDS, fordern Clemens Heni und Michael Kreutz im Tagesspiegel. Die SZ erzählt, wie Bolivien nach dem Abgang von Evo Morales vom katholischen Fundamentalismus zurückerobert wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.01.2020 Die taz porträtiert den verstorbenen kongolesischen Maler Roger Botembe und seinen Transsymbolismus. Mode war immer schon multikulti, lernt die begeisterte FAZ in einer Leipziger Ausstellung über 1500 Jahre Stickerei. In der NZZ erklärt der Schweizer Autor Luke Wilkins seinen selbst gewählten Status als "bewusster Paria". Die SZ lässt sich von Volker Löschs "Fidelio" nach Nordsyrien versetzen - keine Erholung für die Sonntagsseele. Die Zeit entwickelt eine ungewohnte Zärtlichkeit für Max Goldt. Die Filmkritiker feiern Renée Zellwegers Judy Garland.
Bücherschau des Tages
03.01.2020 Die Welt staunt, wie unverwischt die Spuren der Diktatur Salazars im Stadtbild Lissabons immer noch zu sehen sind. Dlf Kultur lernt vom Biologen Bernd Heinrich, wie der Kreislauf der Natur und ein "Leben ohne Ende" funktionieren. Die SZ empfiehlt ein Kinderbuch über die Zeit, das lustige Weckmethoden und Probleme der Zeitarbeit unter einen Hut bringt. Die FR stöhnt über die Pennälerwitze in Samuel Becketts Jugendwerk "Echos Knochen".
Samstag, 04.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
04.01.2020 Die Bundesregierung hat ein modernes Frauenbild, nur bei Einwandererfamilien kümmert sie sich nicht um die Familie, schreibt Necla Kelek im Gießener Anzeiger. Gegen das Freiheitsversprechen des Autos hilft nur eins, findet die taz: Verbote. In der FAZ erklärt Bernd Scherer vom Haus der Kulturen der Welt, was das Anthropzän mit Natur und Kultur macht. Der New Stateman wirft einen Blick auf den per Drohne abgeschossenen Kriegsherren Qassem Soleimani. Die Welt deckt mit Mark Sedgwick die unterirdischen Verbindungen zwischen rechten Ideologien und dem Islam auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.01.2020 Der Tagesspiegel möchte Goya, Velazquez, el Greco nach einem Besuch im Prado gern noch die Malerinnen Sofonisba Anguissola und Lavinia Fontana zur Seite stellen. Die SZ feiert die zerfließenden Grüntöne Richard Gerstls. Hyperallergic verfällt den Youtube-Videos der Kostümhistorikerin Bernadette Banner. Der Filmdienst glaubt fest an die Zukunft des Kinos. Die interessantesten Bücher der neuen Saison sind von Frauen geschrieben, versichert die Welt.
Bücherschau des Tages
04.01.2020 Die FAZ lernt mit Thekla Chabbi "Die Zeichen der Sieger" - gemeint sind die Chinesen - deuten. Matteo Terzaghis Kurzprosa hebt entschieden die Laune der NZZ, die Sprache und Dinge neu zu sehen lernt. Die taz empfiehlt Jeanette Wintersons Roman "Frankissstein", der Liebe, Sex, KI, feministische Philosophie mit Humor vereint. Die SZ legt mit Jan Wenzel das Jahr 1990 frei.
Montag, 06.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
06.01.2020 Die FAZ fragt, warum Designer nicht mehr für die Freiheit der Bürger arbeiten, sondern zur Verschleierung des Überwachungsapparats. Der Tagesspiegel staunt vor dem Palais de Lomé, wie wenig brutal deutscher Machtanspruch einst wirken konnte. Die Nachtkritik erschrickt mit Milo Rau in Gent vor dem Unglück der Familie Demeester. ZeitOnline stürzt sich in chinesische Fantasy-Literatur. Und das ND erlebt mit Extrem-Metal eine Transzendenzerfahrung.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.01.2020 Was treibt Wladimir Putin, ausgerechnet jetzt den Hitler-Stalin-Pakt zu rechtfertigen, fragt Anne Applebaum im Atlantic. In der NZZ erklärt der Religionspsychologe Harald Strohm, warum es viele Gläubige bei der Wahl zwischen Jesus und Maria klar zu Marias offener Bluse zieht. In der Jungle World spricht der Historiker Michael Brenner über den jüdischen Anteil an der Münchner Räterevolution und über den jüdischen Anteil an der Kritik daran. Die taz berichtet über den beginnenden Prozess gegen Harvey Weinstein.
Bücherschau des Tages
06.01.2020 Die FAZ feiert Hannelore Cayres gewitzten Krimi "Die Alte", in dem eine prekär beschäftigte Übersetzerin in den Drogenhandel einsteigt. Die taz liest bewegt Paul Celans Briefe, in denen sie den Verfolgungswahn ebenso spürt wie den Wunsch nach Austausch. In Sophie Calles "Adressbuch" sieht sie weniger eine Kunstaktion als Rache für verschmähte Liebe.
Dienstag, 07.01.2020
Magazinrundschau
07.01.2020 Die NYT fragt, welche Folgen der Brexit für Nordirland haben wird. Respekt rehabilitiert das "Prager Kaffeehaus". Wer Veränderungen verstehen will, findet das Rüstzeug dazu in der Kultur, erkennt der Merkur. Selbst die Mafia hat ein paar nützliche Kulturtechniken entwickelt, meint Elet es Irodalom mit Blick auf Greta Thunberg. Die LRB feiert ihre sechs Prozent Neanderthal-DNA. Atlantic sucht nach positiven Rollenbildern für Jungs. En attendant Nadeau versinkt im geheimen Büro der Erinnung von Lydia Tschukowskajas und Anna Achmatowa. Die NYRB liegt zu Füßen der schillernden Alma Mahler. Der New Yorker warnt vor einem Kalten Krieg zwischen den USA und China.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.01.2020 Der Guardian erzählt, wie Hilke Wagner Nazis und Kunstfeinde in Dresden entwaffnet. Der Standard feiert die Rückkehr des Antwerpener Theaterkollektivs Tg Stan nach Wien. Dort entdeckt auch Tex Rubinowitz das geheime Band zwischen Finnland und Japan. SZ und Tagesspiegel resümieren die Golden-Globes-Verleihung, bei der Hollywood noch einmal Netflix auf den Rang verwies. Die Feuilletons trauern um den großen Nonkonformisten, Lakoniker und Antiperfektionisten John Baldessari.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.01.2020 Während sich politische Kommentatoren streiten, ob die Tötung des iranischen Kriegsherren Qassem Soleimani Sinn hatte (SZ) oder eher nicht (Niall Ferguson in der NZZ), warnt Masih Alinejad in der Washington Post davor, die iranischen Bilder trauernder Massen für bare Münze zu nehmen. Die FAZ ist empört über Trumps Drohung, Kulturstätten zu beschießen. Libération und andere Zeitungen gedenken des Attentats auf Charlie Hebdo vor fünf Jahren. Die SZ versucht sich den Hass auf Emmanuel Macron in Frankreich zu erklären.
Bücherschau des Tages
07.01.2020 Die SZ feiert noch einmal die schottische Autorin Ali Smith und ihr tolles Romanexperiment "Herbst". Erschütternd findet der DlfKultur, wie Andrej Platonow in "Die glückliche Moskwa" von Revolution, Gewalt und Härte erzählt. Provokant, aber auch konstruktiv nennt der Dlf Beat Stauffers Buch zur Flüchtlingsdebatte "Maghreb, Migration und Mittelmeer". Die FAZ folgt Jörn Düwel und Niels Gutschow durch die Höhen und Tiefen deutscher Stadtplanung. Die FR genießt mit Hideo Yokoyamas Kriminalerzählungen "Zwei" Lakonie und Nüchternheit.
Mittwoch, 08.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
08.01.2020 In der SZ schreibt Najem Wali über die Angst der Iraker, dass Iraner und Amerikaner ihren Streit weiter auf irakischem Boden austragen, die zu überraschenden Frontverschiebungen führt. Die FAZ beschreibt den französischen Clinch zwischen korporatistischen Gewerkschaften und einem dirigistischen Staat. Spiegel online gibt es ab heute nicht mehr. Es gibt nur noch Der Spiegel und die Hoffnung auf Digital-Abos, berichtet unter anderem Meedia.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.01.2020 Die FAZ lässt sich in Krefeld von Sonia Delaunay, Natalja Gontscharowa und Josef Albers vor Augen führen, wieviel die Avantgarde der Folklore verdankt. Die SZ baut für die Zukunft auf das fein duftende und quasi feuerfeste Lärchenholz. Der Standard porträtiert die Wiener Choreografin Elisabeth Bakambamba Tambwe. Der Filmdienst erkundet mit Bruno Dumont die Mechanismen der Ekstase. Extrem gut gestylt findet ZeitOnline Melina Matsoukas Film "Queen & Slim", eine schwarze Version von "Bonnie & Clyde".
Bücherschau des Tages
08.01.2020 Die FAZ vertieft sich angeregt in einen Band mit den Schriften Hannah Arendts aus den Jahren 1932 bis 66. Reizvoll findet sie auch die Autobiografie des 1839 geborenen Vorarlberger Bauerndichters und Aufklärers Franz Michael Felder. Die NZZ findet: Wer so viel Stilwillen und Rhythmus hat wie Jon Fosse, braucht keine Punkte. Die FR erwärmt sich für die spröde, präzise Tonlage von Lukas Bärfuß' Erzählband "Malinois".
Donnerstag, 09.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.01.2020 Im Tagesspiegel entschuldigt sich Philipp Ruch zwar für sein Agieren mit der Asche ermordeter Juden, aber er hält an einem Mahnmal an der Stelle der Kroll-Oper fest, um vor den Konservativen zu warnen. Der französische Streik könnte zu einer Radikalisierung führen, weil Emmanuel Macron das Gespräch verweigert, warnt der Historiker Stéphane Sirot in huffpo.fr. In der SZ will A.L. Kennedy künftig den Brexit mit einer Kolumne begleiten und trinkt schon mal aus einem Fläschchen mit Pinochets Speichel. In der NZZ spricht die Autorin Sadia Dehlvi über die antimuslimische Politik der indischen Regierung.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.01.2020 Die FAZ hört das Unheil im stummen Sound von Teiji Itos Musik für Jessica Hausners Horrorfilm "Little Joe". Die staatlichen Bühnen der Türkei werden offenbar politisch gesäubert, fürchtet der Tagesspiegel. Ähnliches geschieht in Polens Zentrum für Zeitgenössische Kunst, warnt die New York Times. Dort soll man künftig konservativ, patriotisch, familienfreundlich malen. Der Standard begutachtet Underground-Kunst in der Moskauer "Garage". War die Berufung des SPD-Politikers Florian Pronold zum Gründungsdirektor der Berliner Bauakademie nur Hinterzimmerpolitik, wie die FAZ meint? Zeit online protestiert und lobt Pronolds interdisziplinären Ansatz.
Bücherschau des Tages
09.01.2020 Die FAZ wandert mit Jochen Schimmang durch das Frankfurt der siebziger Jahre. Die NZZ vertieft sich in Mischa Meiers große "Geschichte der Völkerwanderung". Die SZ feiert die von keinerlei politischer Korrektheit angekränkelte Sprachlust von Fran Ross' Roman "Oreo". Die taz erinnert sich mit dem Fotografen Udo Hesse an das Ostberlin der Achtziger. Der Dlf lässt sich von einer Anthologie zum literarischen Spaziergang durch Buenos Aires einladen.
Freitag, 10.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
10.01.2020 Im SZ-Gespräch erklärt Achille Mbembe, wie er sich ein postkoloniales Afrika ohne Grenzen vorstellt. Knapp eine Million deutsche Frauen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von alliierten Soldaten vergewaltigt, erinnert die NZZ unter Bezug auf die Historikerin Miriam Gebhard. Golem.de wirft einen Blick auf netzpolitische Projekte der neuen EU-Kommission. Der Guardian kann sehr gut verstehen, warum sich Meghan Markle und Prince Harry zurückziehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.01.2020 Die Presse lässt sich gediegen von Sam Jinks provozieren, der die biblische Sara im Wiener Dommuseum ein Kind gebären lässt. Die SZ erlebt amüsiert, wie Checco Zalone in seinem Film "Tolo Tolo" einen Italiener nach Afrika flüchten lässt und ganz nebenbei italienischen Familiensinn zerlegt. Die FAZ bewundert die Ziegenköpfe von Emmanuel Boos. Die taz lässt sich frische Muscheln von Marcel Prousts Concierge servieren. Und die SZ gratuliert Rimini Protokoll zum Zwanzigjährigen.
Bücherschau des Tages
10.01.2020 Die SZ bewundert die Komik, mit der Zang Di über den Schmerz an der chinesischen Wirklichkeit dichtet. Mit Jorge Comensals sprechendem Papagei unterhält sie sich prächtig über die mexikanische Gesellschaft. Die FAZ lässt sich von Hans Blumenberg die ganze Wahrheit enthüllen. Die NZZ hat nichts einzuwenden gegen die "emotionalen Dolchstöße" der Lucia Berlin. Der Dlf wird von Katja Schönherrs makaberer Marta in den Bann gezogen. Und Dlf-Kultur taucht mit Nicola Pugliese für vier Tage ab in die Poesie von Neapel.
Samstag, 11.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
11.01.2020 Die SZ rettet mit Jan Derksen bedrohte Geräusche. FAZ und Tagesspiegel liegen einem erstaunlich zärtlichen Daniel Barenboim zu Füßen. Die NZZ lernt die Zukunft des Museums im neu erweiterten MoMA kennen. Der Tagesspiegel staunt, wie Lois Alexander bei den Berliner Tanztagen schwanengleich die Klimakrise tanzt. In der Literarischen Welt stört sich der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch an der hohen Moral in der Neuübersetzung von Margaret Mitchells "Vom Wind verweht". Und die SZ sehnt sich nach einem Plan für die Berliner Bauakademie.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.01.2020 Gesichtserkennung ist Gift für die Freiheit, ruft die SZ, egal ob sie funktioniert oder nicht. In der New York Times versucht David Brooks einen Vorstoß in die Echokammer der Trumphasser: Die Tötung von General Qassem Soleimani war gut und richtig. Jürgen Trabant erkennt in der FAZ: Europas Sprache ist die Übersetzung. Der Guardian begräbt mit dem Brexit auch jeden Hoffnung auf eine Republik. Und die vor 240 Jahren gegründete NZZ möchte ihr Jubiläum lieber nicht im angesagten Emma's Torch feiern.
Bücherschau des Tages
11.01.2020 Die FAZ hebt mit Olga Forsch und Michail Prischwin zwei literarische Schätze aus dem ersten Jahrzehnt der Sowjetunion. Die SZ blickt mit dem wunderbar knorrigen Adolf Endler auf die Absurdität der Welt. Die taz lässt sich von Esi Edugyan und ihrem Roman über einen Sklaven auf der Flucht aus Barbados bezaubern. Der Dlf unternimmt mit Etel Adnan einen Flug ins All. Und Dlf Kultur freut sich über einen surrealen Eheroman von Zsusanna Gahse.
Montag, 13.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
13.01.2020 Die SZ fordert: Steuern senken für alle. Foreign Policy warnt: Wer "posh" sein will, sagt "Loo", nicht "Toilet"; "Scent", nicht "Perfume", und "Napkin", nicht "Serviette". Gabor Steingart entwickelt im Gespräch mit der NZZ neue Messmethoden: "Wenn jemand sagt, er lese gern auf Papier, ist das keine Meinungsäußerung, sondern eine Altersangabe." Und Zeit online verzehrt heute schon mal die veganen Ersatzprodukte des Jahrs 2030: Denn wo Kühe waren, wird Wald sein.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.01.2020 Der Tagesspiegel schlägt sich trotz des Pariser Streiks bis in die Vororte durch und erlebt mit Joël Pommerat in Nanterre Jugend und Intelligenz. Der Standard wohnt in Graz einer etwas halbherzigen Teufelsaustreibung bei. Die taz sieht in Hamburg, wie Schönheit in Ideologie umschlägt. Die FAZ amüsiert sich in den Uffizien über die "Edelfederpolemik" Pietro Aretinos.
Bücherschau des Tages
13.01.2020 Als reinste Noir-Poesie und Meilenstein der Comic-Moderne feiert die taz die Alack-Sinner-Bände des Autorenduos Jose Munoz und Carlos Sampayo. Eine Reportage über Bandengewalt in Honduras kann sie allerdings nur hartgesottenen Gemütern empfehlen. Lisa Taddeos Sexreport "Drei Frauen" fällt bei der SZ ebenso durch wie Naomi Kleins Plädoyer für einen Green New Deal. Der DlfKultur begibt sich mit dem BND-Historiker Bodo Hechelhammer auf die Fährte des Siebenfach-Agenten Heinz Felfe.
Dienstag, 14.01.2020
Magazinrundschau
14.01.2020 Der New Yorker erklärt, warum Vielfalt affirmative action braucht. Respekt erinnert an den Filmemacher Ivan Passer. Bloomberg erzählt, wie sich die katholische Kirche in Amerika arm rechnet. The Atlantic warnt vor den Echokammern der sozialen Medien, die zu Realitätsverlust und Stammesdenken führen können. Die New York Times stellt die neue Technologie des Genantriebs vor, die uns weniger Malariatote, einen boomenden Markt für Ethiker und jede Menge noch unbekannter Folgen bescheren könnte.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.01.2020 Die taz veranstaltet ein Streitgespräch über die Frage, ob die urbanen Eliten die ärmeren Schichten in die Arme der AfD treiben. Ja, meint Wolfgang Merkel. Nein, meint Naika Foroutan. Nicht die sozialen Medien sind schuld an der Verrohung des öffentlichen Meinungsaustauschs, sondern ihre Nutzer, schreibt der Kunsthistoriker Jörg Scheller in der NZZ. Die FR erinnert an die Rechten unter den frühen Grünen. "Die meisten Iraker sind es leid, ihr Land und ihr tägliches Leben als Schlachtfeld von regionalen und globalen Konflikten zu sehen", sagt der Schriftsteller Sinan Antoon im Gespräch mit der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.01.2020 Der Tagesspiegel feiert in Hamburg mit Goya, Tiepolo und Fragonard den Aufbruch in die Freiheit. NZZ und Nachtkritik erleben mit dem Ayn-Rand-Musical "Streik" in Zürich einen Raubtierrausch. Die FAZ berichtet von randalierenden Nazis im Dresdner Kabarett Herculeskeule. In der NZZ fragt Lizzie Doron, wo die Schweiz eigentlich schräge Ideen hernimmt. Im Standard sperrt sich Paavo Järvi dagegen, Tschaikowsky russisch klingen zu lassen.
Bücherschau des Tages
14.01.2020 Als reinsten Balsam und witzig zugleich preist die FAZ Lessie Sachs' Gedichte "Das launische Gehirn". Die taz folgt Michael Brenner in die Münchner Räterepublik. Außerdem lernt sie in Mona Horncastles Biografie die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky als sachliche Jahrhundertgestalt kennen. Als utopische Philosophie lobt die NZZ Emanuel Seitz' Studie "List und Form". Und der Dlf empfiehlt Erich Skwaras Roman "Mare nostrum" als ein Werk mediterraner, lichtdurchfluteter Romantik.
Mittwoch, 15.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
15.01.2020 In Taiwan hat die Demokratie einen Sieg errungen. Deutschland gratuliert der wiedergewählten Präsidentin Tsai Ing-wen aber nicht, notiert die FAZ. Die SZ rät Papst Franziskus, im Streit um den Zölibat einfach eine Entscheidung zu treffen: Schließlich ist er unfehlbar. Der Brexit, so wie ihn Boris Johnson gerade vorantreibt, wird den Status von EU-Bürgern in Britannien deutlich verschlechtern, warnt politics.co.uk. In Zukunft wird alles besser, beharrt Steven Pinker in der NZZ. Und laut Guardian ist die Deutsche Welle ein Sumpf.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.01.2020 taz und Tagesspiegel feiern die Wiedereröffnung von Schinkels Friedrichwerdersche Kirche, der Berlins Investoren um Haaresbreite das Fundament zertrümmert hätten. Der Guardian feiert mit dem Futuristen Tullio Crali Schnelligkeit und Schönheit. SZ und FAZ setzen sich nur mit Stahlhelm in Sam Mendes Schlachtenfilm "1917". Der Freitag erkundet die Filmszene Kubas. Und Pitchfork tanzt zu Radio Mogadishu.
Bücherschau des Tages
15.01.2020 Die FAZ kann heute gleich drei Bücher empfehlen: Arne Rautenbergs Gedichtband "permafrost", dessen Charme der Beiläufigkeit gefiel. Artur Beckers Roman "Drang nach Osten", der nebenbei viel über die Geschichte Polens von 1945 bis heute erzählt. Und Hans-Joachim Hinrichsens Buch über Beethoven, das den Einfluss Kants auf den Komponisten untersucht. Die FR amüsiert sich mit einem Theaterkrimi von Stefan Benz. Die NZZ folgt folgt Jérome Ferrari in die Hölle von Korsika.
Donnerstag, 16.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
16.01.2020 In der Zeit verwahrt sich Hans Leyendecker gegen den Vorwurf, er sein ein Relotius. Für den Historiker Eckart Conze in der SZ ist die Hohenzollern-Debatte Symptom eines neuen geschichtspolitischen Klimas. In der Welt überlegt der Politologe Daniel Dettling, wie die Demokratie wieder erlebbar gemacht werden kann. Die Zeit attackiert die Berichterstattung der FAZ über Yasemin Shooman.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.01.2020 Migrantische Kunst bedeutet nicht automatisch mehr Diversität, warnt die Zeit. Die SZ sucht multifunktionale Möbel auf der Kölner Möbelmesse. Die FR fühlt in Makoto Shinkais Animationsfilm "Weathering With You" Sehnsucht nach dem Regen. Foreign Policy hört mongolischen Metal mit Kehlgesang und fragt sich, warum chinesische Bands so selten etwas Originelles hinbekommen.
Bücherschau des Tages
16.01.2020 Zeit und SZ lesen mit Begeisterung und Beklommenheit Michail Prischwins Tagebücher aus der russischen Revolution. Die FAZ rätselt sich durch R.O. Kwons Roman "Die Brandstifter". Die SZ liest gebannt David Diops Roman "Nachts ist unser Blut schwarz" über einen senegalesischen Soldaten im Ersten Weltkrieg und begleitet Angel Igov zu den Sanftmütigen, einer Kinderbande im Armenviertel Sofias 1944/45. Die Zeit bewundert die schöne Aggressivität Karl Heinz Bohrers, wenn er mit Dolchen spricht.
Freitag, 17.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
17.01.2020 SZ und Zeit online interviewen den SPD-Abgeordneten Karamba Diaby, auf dessen Büro in Halle geschossen wurde. Migranten seien im Bundestag viel zu wenig repräsentiert, kritisiert er. Die Krise der SPD begann im Grunde schon mit der Gründung der Bundesrepublik meint Welt-Autor Thomas Schmid. In der FAZ erzählt der Physiker Marco Wehr, wie der Hirnforscher Nikos Logothetis nach Protesten von Tierversuchsgegnern das Max-Planck-Institut in Tübingen und Deutschland verließ.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.01.2020 Die SZ fragt, wem das geplante neue deutsche Fotoinstitut eigentlich dienen soll: allen deutschen FotografInnen oder nur den Düsseldorfern um Andreas Gursky? Die nachtkritik feiert Susanne Kennedys und Markus Selgs transhumanistisches Tanztheater "Underworld". Die NZZ bewundert die Gelassenheit der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Umso gereizter ist der Tagesspiegel, der den Jury-Präsidenten der Berlinale Jeremy Irons als alten, weißen Mann mit reaktionären Ansichten geißelt. Im taz-Interview will die Hiphop-Band Antilopengang auf gar keinen Fall aufs Land, wo es eh nur Faschos gebe. Der Standard meldet einen Aufstand des Chors an der Burg.
Bücherschau des Tages
17.01.2020 Die NZZ schwelgt in Anita Albus' Schmetterlingsbuch "Sonnenfalter und Mondmotten". Die FAZ amüsiert sich mit den Erinnerungen des Leiters des Suhrkamp Theaterverlags, Rudolf Rach. Die SZ liest Kinder- und Jugendbücher und muss ganz schön schlucken, wenn sie die 19-jährige Sadie in den Trailerpark begleitet. Der Dlf lässt sich von Nicole Galland und Neal Stephenson die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Department of Diachronic Operations, kurz: D.O.D.O., erzählen.
Samstag, 18.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
18.01.2020 Die Welt feiert das Genre des Reverse Harem, in dem Frau sich eine Reihe Liebhaber hält. Außerdem empfiehlt sie, lieber Gide als Proust zu lesen. Die Junge Welt folgt der Pianistin Dina Ugorskaja in die Nicht-enden-Wollenden tiefen Pianissimotriller von Schuberts B-Dur-Sonate. Kunst als Dienstleistung, das praktizierten feministische Künstlerinnen mit "Maintenance Art" schon in den Siebzigern, lernt die SZ in einer Düsseldorfer Ausstellung. Dezeen bewundert die multifunktionale Unisex-Mode des finnischen Werkzeugherstellers Fiskars.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.01.2020 Zeit online wirft einen Blick auf die deutsche Umsetzung des Leitungsschutzrechts: Verlinken dürfte demnächst schwierig werden. Emma spricht mit Naïla Chikhi über die "Studis gegen rechte Hetze". In der NZZ kritisiert der Historiker Wlodzimierz Borodziej die EU, die auf Wladimir Putins geschichtsrelativistische Äußerungen zum Hitler-Stalin-Pakt nicht reagiert. Die taz recherchiert zu den Vorwürfen gegen die Deutsche Welle. Und im Guardian mokiert sich Fintan O'Toole über die Brexiteers, die zum Brexit gern die Glocken des Big Ben schlagen würden - oder doch lieber nicht?
Bücherschau des Tages
18.01.2020 Hegel war ein Philosoph der Freiheit - und Klaus Vieweg beweist es mit seiner Biografie, versichert ein begeisterter Micha Brumlik in der taz. In der FAZ feiert Hermann Parzinger Tim Flannerys Überblick über 100 Millionen Jahre Europa. Außerdem bespricht die FAZ eine Neuausgabe des phantastischen Autors Arthur Machen. Dem Dlf schaudert's mit Aksel Sandemose vor "Jantes Gesetz".
Montag, 20.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
20.01.2020 Die New York Times erzählt, wie sich mit "Clearview" eine an China erinnernde Gesichtserkennung auch in Demokratien durchsetzen könnte. Alan Rusbridger bittet im Guardian darum, die Geschichte um Prince Harry und Meghan Markle im Kontext zu sehen: Und dieser Kontext ist die massive Abhöraffäre der britischen Boulevardmedien. Der SZ graut's vor der schwedischen Mode der "Normkritik": in Frage stellen, was normal ist, um es dann "integrierend" aufzulösen.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.01.2020 Als Triumph des poetischen Schauspiels feiern FAZ und Nachtkritik Johan Simons' "Iwanow"-Inszenierung mit Jens Harzer. In der Berliner Zeitung ertasten Ingo Schulze und Charly Hübner den geistigen Körper Ernst Barlachs. In der FR verneigt sich Adonis vor Hafez, dem Abtrünnigen und Weintrinker. Die Zeit porträtiert die isländische Komponistin und Cellistin Hildur Gudnadóttir.
Bücherschau des Tages
20.01.2020 Der Auschwitz-Gedenktag naht. Die SZ bespricht Neuerscheinungen zum Thema - vor allem die in ihrem Schrecken kaum zu ertragenden "Aufzeichnungen des jüdischen Sonderkommandos Auschwitz" und David Roussets berühmtes Buch über die Lager, das nach über siebzig Jahren erstmals auf deutsch vorliegt. Der Dlf empfiehlt die Neuübersetzung von George Eliots "Middlemarch". Die FAZ liest neue Hörbücher.
Dienstag, 21.01.2020
Magazinrundschau
21.01.2020 The Nation recherchiert im korruptionsgeplagten Haiti. Im New Statesman wundert sich John Gray nicht über die Wahlniederlage Labours. In Elet es Irodalom beschreibt der Dichter Gábor Kálmán sein Leiden beim Schreiben von Prosa. Harper's erlebt in Brasilien den Heiligen Krieg zu evangelikalen Christen konvertierter Drogengangster. Cosmopolitan erzählt, wie Amish-Gemeinden den sexuellen Missbrauch von Kindern verschleiern. Die New York Times begibt sich vor die Linse der Lieblings-Überwachungskameras amerikanischer Bürger.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.01.2020 In politico.eu attackiert Mateusz Morawiecki, Polens Premierminister, die geschichtsrevisionistischen Äußerungen Wladimir Putins zum Hitler-Stalin-Pakt und wirft Stalin vor, dass er Auschwitz wesentlich früher hätte befreien können. Meedia zitiert aus einem offenen Brief der Belegschaft der Hamburger Morgenpost, die um den Bestand der Zeitung fürchtet. Im Guardian erinnert Frederick Forsyth an die missliche Rolle der BBC und der britischen Diplomatie im Biafra-Krieg vor fünfzig Jahren.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.01.2020 Die SZ blickt mit Martin Schoeller Überlebenden des Holocausts ins Gesicht. Die taz erinnert an die tragische Lebensgeschichte des Komponisten Philip Herschkowitz. Die NZZ diskutiert mit Nicolas Stemann die Sprengkraft der Kapitalismusverehrerin Ayn Rand. Süße Todessehnsucht genießt die FR mit "Tristan und Isolde" in Frankfurt, die NMZ erschauert dagegen unter knallhartem Stimmstahl. Tagesspiegel und Standard erkunden mit Ladj Lys Banlieue-Film "Die Wütenden" die Stimmung in Montfermeil.
Bücherschau des Tages
21.01.2020 Die SZ liest Essays von George Orwell und Rabindranath Tagore über den Nationalismus und lernt von Letzterem, dass der Nationalstaat Gewalt, Effizienz und eine dramatische Vermännlichung der Gesellschaft mit sich brachte. Die FR begibt sich mit dem Theaterkritiker C. Bernd Sucher auf die Suche nach der verlorenen Mutter. Die FAZ liest berührt Maria Stefanopoulous Roman "Athos der Förster". Und die taz gibt Dorota Maslowska Props.
Mittwoch, 22.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
22.01.2020 Malis Rapper sind Rebellen, stellt die NZZ klar, keine Griots, die den Herrschern Loblieder singen. Die taz wagt sich vor ins "Hereroland". FAZ und Welt erleben an der Pariser Oper das Ballett "Streik gegen die Rentenreform". Standard, FAZ und Welt vergnügen sich prächtig mit Taika Waititis poppiger Nazi-Clownerie "Jojo Rabbit", nur ZeitOnline mag nicht mitlachen. Und der Guardian hört betroffen von Ai Weiwei, dass die Deutschen noch immer alle Nazis sind.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.01.2020 In der Zeit online plädiert der Schweizer Forscher Urs Niggli für Bio-Landwirtschaft - mit Gentechnik. Ilija Trojanow rät in der taz, in Fragen des Klimawandels nicht auf Optimisten zu hören. Die Ruhrbarone fragen, warum die europäischen Grünen die Erdogan-nahe SETA-Stiftung und ihren Begriff von "Islamophobie" so mögen. In der SZ warnt Katajun Amirpur vor Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Irans. Und Netzpolitik warnt: Clearview verstößt nicht unbedingt gegen den europäischen Datenschutz.
Bücherschau des Tages
22.01.2020 Dlf Kultur freut sich über pointierte Seitenhiebe gegen den Literaturbetrieb in Sigrid Nunez' Roman "Der Freund". Die FAZ begegnet Sozialwissenschaft at its best mit den Aufsätzen Marie Jahodas über "Arbeitslose bei der Arbeit". Die FR feiert die Erinnerungen der "scheuen und schönen" Brigitte Fassbaender. Die NZZ versenkt sich in George Perecs Dreiecksgeschichte um einen Erzähler, einen größenwahnsinnigen jugoslawischen Philosophen und seine Geliebte und das Attentat von Sarajevo.
Donnerstag, 23.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
23.01.2020 In der Welt zeigen zwei polnische Journalisten, wie Wladimir Putin die Geschichte fälscht. In der Zeit beschreibt der Politologe Jérôme Fourquet Frankreich nach vierzig Tagen Streik als vollends fragmentierte Gesellschaft. Der Guardian erzählt, wie der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Amazon-Grüner Jeff Bezos erpressen wollte.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.01.2020 Nach nicht einmal einem Jahr werfen Sasha Waltz und Johannes Öhmann die Intendanz des Berliner Staatsballetts hin. Ist es überhaupt eine Art, nach so kurzer Zeit das Handtuch zu schmeißen, fragt empört der Tagesspiegel. Die schaudernden Filmkritiker lassen sich von Ladj Ly die "Wütenden" in den Pariser Banlieues erklären. Die NZZ hörte melodische Milde in Reinkultur mit Wolfgang Rihm und Sol Gambetta. Und: die Feuilletons würdigen den großen Architekten Gottfried Böhm an seinem Hundertsten.
Bücherschau des Tages
23.01.2020 Dlf Kultur versinkt mit Begeisterung in dem von Rebecca Solnit herausgegebenen vielstimmigen Sammelband "Nonstop Metropolis" über die Metropolen New York, San Francisco und New Orleans. Die taz liest nicht weniger angeregt von und über "These Girls", eine feministische Musikgeschichte. Die SZ wandert mit den Gedichten Szilard Borbelys durch Berlin. Dlf und SZ bewundern, wie Isabela Figueiredo vom Ende des portugiesischen Kolonialismus in Mosambik erzählt. Die FAZ lernt Andrej Platonow in "Dshan" als ökologischen Vordenker kennen.
Freitag, 24.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
24.01.2020 Der 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - gestern offiziell in Yad Vashem gefeiert - steht im Zeichen unguter geschichtspolitischer Territorialkämpfe, beobachtet die taz, besonders mit Blick auf Wladimir Putins Äußerungen zum Zweiten Weltkrieg. In der Welt spricht Adam Krzeminski über die polnische Position. Die taz stellt das geplante neue Leistungsschutzrecht vor: Journalisten dürfen immerhin noch eigene Artikel zitieren. In der Welt geißelt Thomas Schmid die Unterwürfigkeit deutsche Bosse gegenüber China.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.01.2020 Die Welt feiert mit Lizzo und Billie Eilish die neuen weiblichen Popstars. Die SZ porträtiert den Pianisten Alexandre Tharaud als Nomaden, der Freunde mit Flügeln sucht. Zeit online freut sich, dass auch die neue Star-Trek-Serie dem Pazifismus verpflichtet bleibt. Die FAZ fragt: Müssen Theaterbauten so teuer und das Personal so billig sein?
Bücherschau des Tages
24.01.2020 Die FAZ liest beklommen die von Pavel Polian herausgegebenen Briefe aus der Hölle von Auschwitz-Birkenau. Außerdem stolpert sie amüsiert mit Gustav Mahlers unbekanntem Sohn durch das Wien der Jahrhundertwende. Die SZ unternimmt mit Michi Strausfeld einen farbigen Streifzug durch die Geschichte und Literatur Lateinamerikas. Der Dlf schafft mit Madame Nielsen ein Monster und ergründet mit Daniel-Pascal Zorn das Geheimnis der Gewalt. Und Dlf-Kultur trifft mit Kari Herbert auf rebellische Künstlerinnen.
Samstag, 25.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
25.01.2020 Fasziniert streifen die Kunstkritiker durch Edward Hoppers Seelenlandschaften in der Fondation Beyeler: Die FAZ erkennt Hoppers magischen Realismus, die NZZ trifft auf lethargische Trump-Wähler. Taika Waititis Hitler-Farce "Jojo Rabbit" teilt die Filmkritik: Fragwürdig, meint der Filmbulletin, die Jungle World lernt das wenig beachtete Pop-Deutschland der Nazis kennen. Die taz lernt von Hildur Guðnadóttir, wie aus einem kleinen Düdüdü Musik wird. Und die Feuilletons verabschieden mit Gudrun Pausewang eine der letzten mahnenden Stimmen in der Literatur der alten Bundesrepublik.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.01.2020 Florian Illies verlässt nach nur einem Jahr den Rowohlt Verlag, die FAZ ruft zum Kehraus nach einer für alle peinlichen Party. Außerdem möchte die FAZ gern die Freiheit der Museen gegen die Ansprüche der Hohenzollern verteidigt wissen. In der Welt ruft Richard Herzinger zu mehr Kampfgeist in den Debatten auf. Auf ZeitOnline berichtet Hasnain Kazim allerdings von Todesdrohungen und Feindeslisten. Und die SZ warnt: Auch bei der Gesichtserkennung ist der größte Feind der Grundrechte mittlerweile die Bequemlichkeit der Bürger.
Bücherschau des Tages
25.01.2020 Der DlfKultur feiert die Gedichte der Südafrikanerin Koleka Putuma als eine Poetik der Dekolonisierung. Die SZ entkommt mit Ilsa Barea-Kulcsardem Spanischen Bürgerkrieg ins Hochhaus der "Telefónica". Die Welt lernt mit Sigrid Nunez die Narzissten im Literaturbetrieb kennen. Die taz liest schon in George Orwells Essay "Über Nationalismus", wie obsessiv und instabil kollektive Identifikationen sind. FAZ und NZZ reihen die Holocaust-Aufzeichnungen von David Rousset und Salmen Gradowski in die Schlüsseltexte des 20. Jahrhunderts ein.
Montag, 27.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
27.01.2020 Der neue Antisemitismus ist nicht neu, sagt der Autor Natan Sznaider in der taz. Als er in den Siebzigern zur Schule ging, war's eher noch schlimmer. Im Standard fragt der Autor Yishai Sarid, wie ein künftiges Gedenken an Auschwitz ohne Zeitzeugen aussehen soll. In der NZZ spricht die in Deutschland lebende iranische Künstlerin Parastou Forouhar über die Lage im Iran. Die FAS berichtet über Verwerfungen im Musikmarkt: Die Künstler hätten gern einen größeren Anteil der Streaming-Einnahmen - und zwar von der Musikindustrie. Und außerdem: Diese Woche ist wirklich Brexit.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.01.2020 Die SZ fragt angesichts fortschreitender Bildoptimierung, wer eigentlich definiert, wie die Welt aussehen soll. taz und Berliner Zeitung lernen wieder die Kunst am Bau zu schätzen. Die Nachtkritik verfolgt in München Christopher Rüpings Kampf gegen die Misanthropie in elf Runden. Die Zeit bewundert die Zärtlichkeit in Greta Gerwigs Neuverfilmung des Klassikers "Vier Schwestern". Im Standard plaudert Rammstein-Musiker Flake über seine seligen Ostberliner Punkzeiten.
Bücherschau des Tages
27.01.2020 Voller Wehmut, aber auch hingerissen hält die FAZ Tomi Ungerers letztes Kinderbuch "Dies und das" in den Händen. Empfehlen kann sie auch Jugendbücher über das jüdische Leid unter der deutschen Okkupation Norwegens. Die SZ folgt Tommy Wieringa tapfer in die Tristesse europäischer Männerbefindlichkeit und verabschiedet umso freudiger mit Charlotte Wiedemann die "Weiße Dominanz". Der DlfKultur liest berührt Eddy de Winds Erfahrungsbericht "Ich blieb in Auschwitz".
Dienstag, 28.01.2020
Magazinrundschau
28.01.2020 Adam Tooze erklärt in der NYRB, wie das moderne Unternehmensrecht vor allem den Reichsten dient. Wired zeigt am Beispiel eines früheren Trolls, wie man Diskussionen gegen Rechte gewinnt. Bloomberg heftet sich an die Fersen eines Anti-Tesla-Trolls. Schade, dass die Literaturzeitschrift Literarni noviny plötzlich chinesische Propaganda verbreitet, meint Aktualne. Der New Yorker blickt in die 1930er, um über die Zukunft der Demokratie nachzudenken.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.01.2020 Wolfgang Schäuble denkt in einer Rede, die er im Perlentaucher veröffentlicht, über deutsche Identitäten nach: Warum fühlen sich Westdeutsche als deutsch, Ostdeutsche als ostdeutsch? Im Tagesspiegel konstatiert der Historiker Martin Sabrow eine Krise der Erinnerungskultur, die ebenfalls im Zeichen von Identitätsdiskursen stehe. Die FAZ druckt Ronald S. Lauders Rede zum Gedenktag in Auschwitz, in der Lauder auch das Wegsehen der anderen thematisiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.01.2020 Tagesspiegel und Berliner Zeitung diskutieren Sasha Waltzs Pirouette, nun vielleicht doch Ballettchefin bleiben zu wollen. Als wirklich gute Idee feiert die taz den Käthe-Kollwitz-Preis für Timm Ulrichs. Die Zeit stellt klar, dass nicht Uwe Tellkamp vom Lingnerschloss ausgeladen wurde, sondern der Veranstalter seiner Lesung, der Verleger Frank Böckelmann. Und die SZ stürzt mit Hollywoods neuem Hang zu Bleakquels in Düsternis und Verzweiflung.
Bücherschau des Tages
28.01.2020 Die FAZ lernt von Marc Engelhardt und Bettina Rühl, dass in Somalia kein irrationaler Bürgerkrieg tobt, sondern die kalte Logik der Ausbeutung. Die taz lernt den Ökonomen Friedrich Pollock als graue Eminenz der Frankfurter Schule kennen. So erschreckend wie faktenreich findet der Dlf die Geschichte des Antisemitismus, die drei norwegische Historiker vorlegen. Etwas perfide erscheint dem DlfKultur Jonathan Franzens Streitschrift "Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?" Und die SZ schreitet mit Waltraud Hülk über verwegene Eselsbrücken in die Pariser Moderne.
Mittwoch, 29.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
29.01.2020 In der SZ fordert Jan Philipp Reemtsma von Demokratie in erster Linie einen sicheren Boden. In der NZZ fragt Sarah Pines: Wie steht es eigentlich mit der Unschuldsvermutung bei Harvey Weinstein? Der Tagesspiegel bestreitet, dass der muslimische Antisemitismus so virulent sei, und wenn, dann liegt es an der Islamfeindlichkeit. In der Republik lernt Mely Kiyak von Lukas Bärfuss einiges über die CDU. geschichtedergegenwart.ch führt ein in die Ideologie der "Hindutva".
Efeu - Die Kulturrundschau
29.01.2020 Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen steht, und die Kritiker reiben sich die Augen: Sechzig Prozent Frauen gehen nicht zu Lasten der Qualität! Die FAZ erlebt in Santiago de Chile, wie mit der "Flauta Mágica" Fassaden zum Einstürzen gebracht werden. Die NZZ erkundet im Museum Rietberg die Kluft zwischen Kunst und Magie des Kongo. Hyperallergic meldet: Man kann geraubte Kunst auch von sich aus zurückgeben, ganz ohne Regierungsauftrag. Tagesspiegel und Filmbulletin gewahren echte Gottestreue in Terrence Malicks Film "Ein verborgenes Leben".
Bücherschau des Tages
29.01.2020 Die FR kurvt beklommen mit Bov Bjergs Vater-Sohn-Gespann "Serpentinen" entlang. Die FAZ versteckt sich mit Christian Ahnsehls Stasi-Thriller "Der Ofensetzer" in konspirativen Wohnungen. Die NZZ lässt sich von Jan Erik Vold lyrische Leckerbissen aus Norwegen servieren. Die SZ erkundet mit Agnar Mykle derweil das puritanische Norwegen der Dreißiger. Die taz empfiehlt Hannah Arendts "Wir Juden" mit teils bisher unveröffentlichten Texten. Und der Dlf lauscht mit Philipp Stadelmaier zwei Frauen in einem Paris Bad.
Donnerstag, 30.01.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
30.01.2020 "Jetzt wo der Streit vorbei ist, was passiert mit der Galle und Bitternis, die die britische Politik drei Jahre lang getränkt haben", fragt Anne Applebaum im Atlantic, einen Tag vorm Brexit. Die Jyllands-Posten hat einen neuen Karikaturenstreit, diesmal mit China, berichtet die SZ. Die Zeit macht eine neue Strömung im Denken über den Klimawandel aus, die "Kollapsologie". Das Fehlen der Väter macht Männlichkeit toxisch, vermutet Ralf Bönt in Telepolis.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.01.2020 Die Berlinale ist schockiert: Ihr erster Leiter Alfred Bauer war ein Nazi, musste sie aus der Zeit erfahren. Die NZZ begutachtet die Stümpfe von Zürich rund um den Hauptbahnhof, die vielleicht aber auch eine Uferpromenade am Gleismeer sind. Die FAZ hegt den Wolf als mythisches Tier, die Zeit blickt lieber Jan van Eycks Lamm in die menschlichen Augen. Die taz lernt am Beispiel des iranischen Rappers Amir Tataloo, dass Kooperation mit einer Diktatur auch nicht schützt.
Bücherschau des Tages
30.01.2020 Die Zeit taucht mit Christian Barons autobiografischem Roman "Ein Mann seiner Klasse" in die Tiefen des Proletariats von Kaiserslautern. Die SZ lernt von Michael Caine, wie man als Proletarier der Bourgeoisie eine Nase dreht. Die FAZ widmet sich den Reisebriefen Max Webers. FR und taz beugen sich über einen Band mit Fotos aus Sobibor.
Freitag, 31.01.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
31.01.2020 Der Tagesspiegel knappst an der Vorstellung, dass ausgerechnet Deutsche Kinemathek und Berlinale, dieser "Inbegriff der Weltoffenheit", die Nazivergangenheit Alfred Bauers schön geredet haben. FAZ und FR gratulieren der Fotografin Evelyn Richter zum Neunzigsten. Die FR trauert um den Dichter Christoph Meckel.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.01.2020 Heute ist Brexit. Der Germanist Nicholas Boyle fürchtet in der SZ, dass Britannien zum 51. Staat der USA werde. Timothy Garton Ash beißt im Guardian die Zähne zusammen. John Burnside macht im Tagesspiegel mangelnde Bildung für den Brexit verantwortlich. hpd.de fragt, ob Beschneidung bei Jungen nicht auch Verstümmelung ist. Und die taz fragt: 400 Milliarden Euro werden in Deutschland bald jährlich vererbt - ist das gerecht?
Bücherschau des Tages
31.01.2020 Dlf-Kultur entdeckt in
Marion Messinas Debütroman "Fehlstart" einen neuen weiblichen
Houellebecq. (Hier unser
Vorgeblättert). Die
NZZ erkennt in
Jonathan Franzen gar den neuen Voltaire. Die
SZ blickt mit
Alexandre Galand und
Delphine Jacquot in die "Welt der Wunderkammern" und findet ausgestopfte Gürteltiere. Und der
Dlf lernt von
Nele Pollatschek, wie man es als Ossi nach
Oxbridge schafft und England trotzdem liebt.