Montag, 02.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
02.01.2017 Als den James Joyce des Comics preist die FAZ den britischen Autor Alan Moore, sein Jahrmillionen umfassendes Werk "Jerusalem" sei an literarischer Komplexität kaum zu übertreffen. Im NYRB-Blog empfiehlt Claire Mesud die schlichten Linien der Carmen Herrea gegen jede Form der Tyrannei. Welt und Standard haben sich die Neujahrskonzerte angehört und sind sich einig: Die lautesten Sektkorken hat Gustavo Dudamel in Wien knallen lassen.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.01.2017 In der FAZ erinnert Bülent Mumay daran, wie zwiespältig sich die türkische Regierung zum "Islamischen Staat" verhalten hat. In Berlin sind religiöse Autoritäten nach dem Scheitern des "House of One" zur traurigen Erkenntnis gekommen, dass der Dialog der Religionen nicht funktioniert. Das Nervendste an Trump war, dass er Medien zu Quoten verhalf, so dass inhaltliche Berichterstattung unterblieb, stellt Nicholas Kristof in der New York Times fest. In der taz fordern zwei Redakteure von Kater Demos eine öffentlich-rechtliche Finanzierung neuer Medien.
Medienticker
02.01.2017 Neues Kontrollgesetz: Israel wirft Facebook Anstiftung zum Terror vor - Silvester: Kritik an Kölner Polizei - Kai Diekmann verlässt Springer - Wohlfahrtsstaat: Claus Leggewie über die Panik im Mittelstand - Storytelling. Stefan Selke über transportierte Botschaften - Christa Wolfs Briefauswahl als innere und äußere Biografie- Privatradio: In der Tutti-Frutti-Falle + Antje Strubel übers Skifahren ...
Bücherschau des Tages
02.01.2017 Ein Buch über Oriana Fallaci ist ohne Pathos gar nicht möglich, weiß die SZ und lässt sich daher Cristina de Stefano Biografie der großen, wenn auch zerrissenen Reporterin gern gefallen. Empfehlen kann sie auch Muriel Asseburgs und Jan Busses Brevier zum "Nahostkonflikt", dessen Lösung natürlich auch in diesem Jahr nicht näherrücken wird. Die FR folgt ein letztes Mal John Harveys Inspector Charlie Resnick, diesmal "Unter Tage" und ins England des Bergarbeiterstreiks.
Dienstag, 03.01.2017
Magazinrundschau
03.01.2017 Wer eine Wirtschaft ohne Markt ersehnt, lese Karl Polanyi, empfiehlt The Nation. Nichtwestliche Länder hatten ein tolles 2016, dank der Globalisierung, freut sich Novinky. Im Merkur erinnert sich Ahmet Cavuldak an seine Kindheit in deutschen Asylunterkünften. Die wirklich großen Soziologen sind auch große Schriftsteller, behauptet La vie des idees. Die NZZ würdigt Imre Kertesz. In der NYRB stellt J.M. Coetzee den argentinischen Autor Antonio Di Benedetto vor. In der New York Times freut sich Woody Allen über eine saftige Mary-Astor-Biografie.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.01.2017 Die NZZ stellt fest, dass Schrifsteller und freie Journalisten nicht mehr von ihren Honoraren leben können: Der Markt ist kaputt. In der SZ geißelt Dramaturg Bernd Stegemann die performative Authentizität im Theater als Lüge hoch zwei. Außerdem sträubt sich die SZ gegen den Versuch, aus dem Museum Literatur zu machen. Die FR fordert Baukultur auch für die Gewerbegebiete. Zum Tod des Kunstkritikers und Schriftstellers John Berger verlinken wir noch einmal auf seine große Fernsehreihe: "Ways of Seeing".
9punkt - Die Debattenrundschau
03.01.2017 Luther war Antisemit, und er begründete seinen Antisemitismus nicht nur theologisch, meint der Theologe Thomas Kaufmann in der FR. 142 Brandanschläge auf Flüchtlingsheime zählt die taz im Jahr 2016. Die Zeit macht Vorschläge für eine neue Migrationspolitik. Das unabhängige Verlagswesen in Hongkong ist tot, erklärt der Verleger Bao Pu in Spon. Wladimir Putin verdankt seine weltpolitischen Erfolge auch seinen Verharmlosern im Westen, meint die Welt.
Medienticker
03.01.2017 Was 2017 zählt: Stefan Plöchinger über Auseinandersetzungen, die Journalisten noch bevorstehen - Alt-Right-Bewegung & Falscher Prophet: Jan Süselbeck über Fake News, Kampagnen & Verschwörungstheorien - E-Reader: Telekom steigt bei Tolino aus - Sparzwang beim Fernsehen: Als die Tiere den BR verließen - Im Raumschiff mit Reptilienhaut: Sasha Waltz in der Elbphilharmonie + J.R.R. Tolkien wurde heute vor 125 Jahren geboren: Er hatte keine Ahnung, was ein Hobbit war.
Bücherschau des Tages
03.01.2017 Ganz verzaubert geht die FAZ mit Jiri Mahen auf Mondfahrt und erkundet in böhmischen Regenbogenschlössern den tragischen Poetismus. Für seine "Stasis"-Schrift bescheidet sie Giorgio Agamben streng: Die Zeit des "Antiliberalismus aus Langeweile" ist vorbei. Die geheime Meisterin von Le Corbusier lernt die NZZ in seinem Brevier über Algier kennen. Und die taz wandelt mit Manuele Fior durch die traumhaft schönen Hallen des Musée d'Orsay.
Mittwoch, 04.01.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
04.01.2017 Alle diskutieren über den Silvestereinsatz der Kölner Polizei: Ist "Racial Profiling" in Deutschland ein Problem? Die dänische Parlamentarierin Ida Auken malt sich in ihrem Blog eine goldene, von Algorithmen gesteuerte Zukunft aus, die FAZ ist entsetzt. Slate.fr beschreibt, wie schwer es überlebende Opfer von Attentaten haben, ihr Trauma zu bewältigen.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.01.2017 Die Welt geht sockfuß in Baden-Baden auf Anschauungsreise mit Michael Müller. England mag wirklich nicht viele Künstler hervorgebracht haben, aber Schottland sehr wohl, erkennt die SZ und ruft auf, die Malerin Joan Eardley zu entdecken. In der FAZ rät Kristof Magnusson: Leichte Sprache fördert die Erkenntnis. Die taz versenkt sich mit dem Saarländer Musikkollektiv Datashock ins Geräusch ohne Pulsschlag.
Medienticker
04.01.2017 Bücher & digitale Medien: "Wir lesen so viel wie noch nie" - Zeit-Soziologie: Entschleunigung durch Lesen - 70 Jahre: Der Spiegel ist mit sich selbst beschäftigt & die Unruhe im eigenen Haus macht es nicht leichter - Big Data: Gefahren für Journalisten - Journalismus: Darf man schreiben, dass Donald Trump "lügt"? - Bologna: Facebook zensiert Bild von Neptun-Statue + Marcel Proust & das wahre Leben ist die Literatur ...
Bücherschau des Tages
04.01.2017 Glaubt man Karl-Markus Gauß in der SZ, dann sollten sich alle begeisterten Leser schleunigst Miroslav Krležas fünfbändiges Epochenpanorama "Die Fahnen" besorgen. Die NZZ ist befremdet, aber irgendwie auch begeistert von Martin Walsers neuem Roman (wenn man so sagen kann) "Statt etwas". Die FAZ empfiehlt Bret Anthony Johnstons psychologischen Thriller "Justins Heimkehr" und ein Buch über Pegida.
Donnerstag, 05.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
05.01.2017 Die NZZ bewundert das göttliche Licht der indischen Pahari-Malerei. Eher reserviert begegnet der Standard im MAK dem Handwerk für die Eliten. Im Interview mit der Berliner Zeitung erzählt Martin Walser von seinen Existenzmomenten. In der taz erklärt der Club der polnischen Versager, warum er Antoni Krauzes Propagandafilm "Smoleńsk" ins deutsche Kino bringt. Die Zeit sehnt sich nach neuen Formen für das Politische in der Kunst.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.01.2017 Alle haben eine Meinung zu Köln. Aber wie wär's, wenn man erstmal recherchierte, was überhaupt vorgefallen ist?, fragt Christoph Kappes im Freitag. Apple schaltet die New York Times-App in China ab. Kann es daran liegen, dass die Zeitung zu den Milliardensubventionen recherchiert hat, von denen der Konzern in China profitiert? Bei dpa lässt ARD-Vorsitzende Karola Wille offen, ob sie die Erhöhung der Renten in ihrem Laden begrenzen kann. Der Tagesspiegel erzählt das Drama um das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig in fünf Akten. In der SZ zerreißt Jeremy Adler die kritische Ausgabe von "Mein Kampf".
Medienticker
05.01.2017 Anschlag von Berlin & die Medien: 25 Beschwerden beim Presseerat - Fake News: Wie "Breitbart" Fakten aufbauscht & einen Mob marodieren lässt - Russische Propaganda für deutsche Zuschauer - Die Medien der Neuen Rechten - Geflüchtete Schriftsteller: "Das Bedürfnis ist riesengroß, diese Stimmen zu hören" - Glückwünsche: Maurizio Pollini wird 75, Paolo Conte 80 & Wieland Wagner wäre 100 geworden.
Bücherschau des Tages
05.01.2017 FAZ und SZ nähern sich dem neuen Walser: Die FAZ bleibt kühl, die SZ muss lachen. Die Welt begutachtet mit Kommissar Kluftinger drei Leichen auf dem Himmelhorn. Die Zeit stellt sich mit Klaus von Stosch der "Herausforderung Islam" und feiert die Prosaminiaturen von Botho Strauss.
Im Kino
05.01.2017 Überschüssige Energie muss in Park Chan-wooks Erzählexperiment "The Handmaiden" immer gleich wieder gebunden werden. Solche Sorgen kennt Dario Argento nicht, dessen barocker Giallo "Opera" diese Woche eine Wiederaufführung erlebt.
Freitag, 06.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
06.01.2017 Die Kritiker geben sich genussvoll dem sanftem Wohlklang von Brian Enos Album "Reflection" hin, das aus einem einstündigen, von Algorithmen generierten Stück besteht. Keine rechte Begeisterung vermag Park Chan-Wook mit seinem Period Piece "Die Taschendiebin" auszulösen. Die FAZ entdeckt in München den niederländischen Maler Jan Toorop wieder, der einst jeden Stil beherrschte. Und die Opernwelt trauert um den eleganten Maestro Georges Prêtre.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.01.2017 Der Niedergang der sozialen Bewegungen ist der Grund für den Aufstieg des Rechtspopulismus, meint Kenan Malik im Observer. Libération beobachtet die rasante Verbreitung der Hatespeech-Neologismen "Journalope" und "Merdia" in den sozialen Medien. Wer Begriffe wie "Sonderbehandlung" und "Selektion" benutzt, um die Polizeikontrollen in Köln zu beschreiben, bagatellisiert, was er angeblich bekämpfen will, meint die Jüdische Allgemeine. FAZ.Net schildert, wie der deutsche Ableger von Breitbart versucht, Fake News zu verbreiten.
Medienticker
06.01.2017 Aktualisiert: Der Phantomleser: Erfunden von amerikanischen Bibliothekaren - Stiftung Lesen: Das ganze Jahr Lesefutter bei McDonald's - Hasskommentare: Wenn Facebook in Sekunden eskaliert oder Hate-Speech & Fake-News: Furchtbare Dinge aushalten - Luxusmagazin: Der Hochglanz-Verleger von Kilchberg + Das Telemann-Jahr 2017: Die Musikwelt beeinflusst.
Bücherschau des Tages
06.01.2017 Mit der siebenbändigen Werkausgabe der Feuilletons des Wiener Sprachkünstlers Anton Kuh hat Walter Schübler eine editorische und detektivische Großtat vollbracht, die man nicht hoch genug rühmen kann, jubelt die FAZ. Relevant und verdienstvoll findet sie auch neue Bücher von Jon Krakauer und Mithu M. Sanyal, die sich mit dem Thema Vergewaltigung befassen. Die FR amüsiert sich bestens mit dem Band "Ballverliebt" mit Jochen Schmidts von Flohmarkt-Fotos angestoßenen Improvisationen zum Fußballglück.
Samstag, 07.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
07.01.2017 Die Welt fragt, warum der auf Slowenisch schreibende Autor Florjan Lipuš nicht den Österreichischen Staatspreis erhalten darf. Der Standard empfiehlt Kunstkäufern, in ihrer Anlagestrategie die Preisentwicklung des Feminismus zu berücksichtigen. Die taz lässt sich von der israelischen Performerin Orit Nahmias daran erinnern, dass Therapien von Krankenkassen bezahlt werden. Und in der NZZ verbreitet Kent Nagano Vorfreude auf das Eröffnungskonzert der Hamburger Elbphilharmonie in der kommenden Woche.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.01.2017 Putin persönlich hat die Manipulation des US-Wahlkampfs angeordnet,
stellen die Geheimdienste fest. Am Wahlausgang hat das aber nichts
geändert, versichert Donald Trump. Mit Brexit und Trump ist die Russische Revolution nach 100 Jahren an ihr Ende gekommen, meint Boris Groys in der SZ. Die taz attestiert der Debatte um den Silvestereinsatz der Kölner Polizei totalitäre Züge. Und Arno Widmann referiert in der FR beklommen Timothy Snyders "zwanzig Lektionen aus einem furchtbaren 20. Jahrhundert" aus Lettre International.
Bücherschau des Tages
07.01.2017 Einen schöneren Nachruf hätte sich niemand wünschen können, seufzt die FAZ zwei Jahre nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo über Maryse Wolinskis Erinnerung an ihren Mann, den Zeichner Georges Wolinski. Die taz empfiehlt noch einmal Catherine Meurisse gezeichnete Traumbewältigung "Die Leichtigkeit". Die NZZ liest mit angehaltenem Atem Adriaan van Dis' schonungslosen Roman "Das verborgene Leben meiner Mutter". Außerdem stürzen sich FAZ, SZ und taz auf den zweiten Band von Elena Ferrantes Neapel-Saga "Die Geschichte eines neuen Namens".
Montag, 09.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
09.01.2017 Die Nachtkritik lernt in René Polleschs Zürcher Hippie-Zirkusstück "High (Du weißt wovon)", warum die Menschen nicht mehr ganz dicht beieinander sind. Wieviel Fiktion verträgt die Gegenwart?, fragen Welt und FAZ. Ist Kunst überhaupt noch kritisch oder schon ein Ornament der Macht, fragt die FAS. Die SZ erinnert daran, wie aus der Avantgarde Agit-Pop wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.01.2017 In der SZ erklärt Asli Erdogan, warum sie nach Entlassung aus der Untersuchungshaft eigentlich nur noch eines will: raus aus der Türkei. Im Guardian schildert Tim Wu die Fragmentierung der Öffentlichkeit durch das Internet. Die SZ beschreibt die Gleichschaltung der ungarischen Medien. In der NZZ sagt der Grazer Philosophieprofessor Peter Strasser eine ungewisse Zukunft voraus. Schuld ist dieses Internet.
Bücherschau des Tages
09.01.2017 Ein großes Verlangen nach Sinn verspürt die SZ in John Bergers leidenschaftlichen Essays "Der Augenblick der Fotografie". Außerdem empfiehlt sie Rena Molhos fundierte Studie über die Vernichtung der griechischen Juden Deutschen so nachdrücklich wie Griechen. Die FAZ lobt noch einmal Liza Codys bereits viel gefeierten Roman "Miss Terry".
Bücherbrief
09.01.2017 Endlich: mit Wu Cheng'ens Roman "Die Reise in den Westen" ist eines der wichtigsten Werke der Weltliteratur nun auch auf Deutsch zu lesen. Viel gelobt auch die Romane "Die Farben des Nachtfalters" von Petina Gappah und "Fereydun hatte drei Söhne" von Abbas Maroufi. Zu den Sachbüchern des Monats gehört Adam Zamoyskis "Phantome des Terrors".
Dienstag, 10.01.2017
Magazinrundschau
10.01.2017 Vergesst Amerikaner und Briten, die Schweden sind die wahren Feldherren im Cyberkrieg, berichtet die New York Review of Books. Il Post weiß, warum Heroin ein Comeback feiert. Film Comment grübelt über die traurigen Filme des Trump-Beraters Steve Bannon. Das New York Magazine grübelt über die fehlenden politischen Ansichten des Trump-Beraters Jared Kushner. Slate.fr erklärt den Unterschied zwischen einem Hollywoodfilm und einem IS-Film.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.01.2017 Trotz aller Golden Globes: Zum deutschen Kinostarts kommt Damien Chazelles "La La Land" bei den Kritiker nicht gut an: Critic.de erschrickt gar über die strenge Miene, mit der hier zum Exzess angehalten wird. Die SZ wünscht sich mehr Musik-Nerds unter Mädchen. Keine gehuldigten Herrscher, sondern hilflose Helden erlebt die FAZ bei den Händel-Aufführungen in Mannheim und Frankfurt. Im Guardian empfiehlt Jonathan Jones statt eines Museumsstreiks gegen Donald Trump eine Pause im Reality-TV.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.01.2017 Der Soziologe und Kulturkritiker Zygmunt Bauman ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Standard erinnert an seine "Dialektik der Ordnung". Sigmar Gabriel fordert eine "demokratische Kulturoffensive" gegen den Islamismus - aber die Religion scheint nicht in seinen Kulturbegriff zu gehören, wundert sich die FAZ. In der SZ erklärt die Autorin Deepti Kapoor, warum Gewalt gegen Frauen gerade in Ländern wie Indien so grassiert. Die Welt fürchtet: Die Deutschen sind immer noch unfähig zu trauern.
Medienticker
10.01.2017 Zuckerbrot & Twitter: Trump, die Medien & seine Internettruppe oder Wie Breitbart News in Deutschland Stimmung macht - Lass dich unterbrechen: Facebook vermarktet Videos - Sowas wie ein Fazit: Drei Jahre Moscow Times - Sandsäcke gegen pseudo-psychologisches Blabla - Wer ist Teju Cole?: Schriftsteller, Fotograf & Kosmopolit - Entzifferungswürdig & kostbar: Anmerkungen zu Dina Sikirićs "Was den Fluss bewegt" + A big hug: Wolfram Schüttes Erinnerungen an John Berger.
Bücherschau des Tages
10.01.2017 Kulturelle Tiefenschärfe erblickt die NZZ in Teju Coles Essay über die Fotografie "Vertraute Dinge, fremde Dinge". Die FAZ lernt von Regina Frisch, dass nach dem Bayerischen Kochbuch schon immer von der Schnauze bis zum Schwanz gegegessen wurde. Die SZ blättert verzaubert durch "Walt Disney Filmarchives", die Daniel Kothenschulte mit einem klugen und vergnüglichen Prachtband würdigt.
Mittwoch, 11.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
11.01.2017 Heute Abend wird die Elbphilharmonie eröffnet. Etwas beklommen verspürt die SZ in Hamburg eine Stimmung wie im Wirtschaftswunder. Auf ZeitOnline schlägt sich Ann Cotten recht tapfer durch den amerikanischen Bible Belt. Ebenfalls auf ZeitOnline beklagt die Regisseurin Julia von Hein die eskapistische Tristesse öffentlich-rechtlichen Filmemachens. Die FAZ blickt mit Josh Kline in Turin in ein unfreundliches Morgen.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.01.2017 In der huffpo.fr insistiert der Historiker Pascal Ory zwei Jahre nach der großen Demo in Paris: Der "Geist des 11. Januar" existiert. Das türkische Präsidialsystem, wie Erdogan es haben will, kennt keine Gewaltenteilung, schreibt Bülent Mumay in der FAZ. Die NZZ wünscht sich Roboter fürs Allzumenschliche. Die New York Times erklärt, warum die "Ethnopopulisten" um Trump Wladimir Putin so mögen.
Medienticker
11.01.2017 Auszeichnung: Menschenrechtspreis für Asli Erdogan - Lügenpresse all'italiana: Beppe Grillos "Volksgerichtshof" - "Die Anstalt": Zeit-Journalisten scheitern mit Klage gegen ZDF-Satire - Markus Beckedahl: "In absehbarer Zeit werden Fake News die Wahl nicht entscheiden" - Warum es legitim ist, Unternehmen zu einer politischen Positionierung zu zwingen + O-Töne aus der Maschine? Adobes "Project VoCo" könnte Radiowelt auf den Kopf stellen.
Bücherschau des Tages
11.01.2017 Die taz erinnert mit Robert Hillburn an einen der Musiker, die glaubten, sie könnten mir ihrer Musik die Welt verändern: Johnny Cash. Außerdem bewundert sie die Beiläufigkeit des Komischen bei Otto Jägersberg. Amitva Ghosh scheitert laut FAZ bei dem Versuch, den Opiumkrieg zu erzählen. Und bei Margaret Atwood ist das Alter nicht nur unaufhalt-, sondern auch unterhaltsam, findet die SZ.
Im Kino
11.01.2017 Damien Chazelles versucht sich in "La La Land" an einer konservativen Selbstbesinnung des Musical-Genres. In Zhang Yimous "The Great Wall" stürzt sich Matt Damon an der Seite chinesischer Truppen in den Kampf gegen Killerkröten.
Donnerstag, 12.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
12.01.2017 Die FR blickt den gnadenlosen Erben Caravaggios ins kalte Auge. Raphaël Merlin vom Ensemble Quatuor Ebène schildert in der Zeit die Gefahren, die von Bratschistinnen ausgehen. Die Welt hört es in der Elbphilharmonie krachen. Die FAZ verteidigt das fiktionale Erzählen. In der NZZ muss sich Milo Rau gegen den Vorwurf kleinbürgerlicher Skandallust wehren.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.01.2017 Chaos und Düsternis begleiten diesen Jahresbeginn. Die amerikanischen Medien versuchen, der Posse um die unbelegten Vorwürfe gegen Donald Trump und dessen grand-guignolesker-Pressekonferenz Herr zu werden. Die Briten brillieren unterdessen laut FAZ mit der Idee einer "Ausländersteuer" für in Britannien arbeitende EU-Bürger. Tagesspiegel und Zeit fragen, warum die deutsche Öffentlichkeit nach dem Berliner Attentat so wenig überzeugende Gesten der Trauer fanden.
Medienticker
12.01.2017 News-Top-50: Starke Zuwächse für Bild, Express & tz - Investigativer Journalismus: Filmemacher fordern Kameraverschlüsselung - Fake-News: Facebook startet Projekt gegen Falschmeldungen, Trump teilt hart gegen US-Medien aus & Archivierung des DT-Internet-Materials - Medieninitiative Schmalbart: "Breitbart ist eigentlich nur der Aufhänger" + Daniel Kaufman: Jäger der aussterbenden Sprachen.
Bücherschau des Tages
12.01.2017 Die SZ lässt sich von den frühen Farbfotografien Fred Herzogs zurückversetzen in die Barbershops, Rummelplätzen und Cadillacs im Vancouver der Fünfziger. In der NZZ empfiehlt Felix Philipp Ingold die Lyrik Kandinskys, aber nicht unbedingt die Ausgabe, in der sie präsentiert wird. Die FAZ feiert Juan Gomez Barcenas Romandebüt "Himmel von Lima". Der Zeit wird bei Thomas Meinecke postgenderbedingt schwindlig.
Freitag, 13.01.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
13.01.2017 Eines wird Trump nicht erzeugen: Solidarität unter Journalisten, meint der russische Autor Alexej Kowalew in Medium.com. Die taz möchte doch wieder über eine Kulturflatrate diskutieren, 14,70 Euro im Monat müssten es schon sein. Imame der Ditib haben für die Türkei Mitglieder der Gülen-Sekte benannt, aber sonst ist die Ditib selbstverständlich unabhängig, berichten mehrere Medien. Die taz begibt sich in die Parallelwelt der Kirchengerichte, die Ehen annullieren, damit man bei der Caritas arbeiten darf.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.01.2017 Die Kritiker spitzen in der Elbphilharmonie die Ohren und diskutieren die Akustik: Grandios (SZ)! Gnadenlos (taz)! Nachbesserungsbedürftig (FAZ)! Die SZ erzählt die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte des Theaterstücks "Clean City" über fünf Putzfrauen in Athen. Und Otto Freundlichs Skulptur "Der neue Mensch", Aushängeschild der NS-Propaganda gegen "Entartete Kunst", wurde von den Nazis gefälscht, erfährt die FAZ.
Medienticker
13.01.2017 Aktualisiert: Türkei: Was wird Aslı Erdoğan eigentlich vorgeworfen? - Die Zukunft wartet nicht: Der Technologiewandel & die Buchbranche - Von starken Frauen & Kerlen: Stellung der Frauen im Literaturbetrieb - Journalismus-Shop: Blendle startet Blendle Premium - Streaming-Angebot: Apple will in eigene TV-Produktionen investieren - Alles ist jetzt Fake News: Ein Überblick - Luther, Luther, Luther: Der Buchmarkt & das Reformationsjubiläum + Wut-Türke gegen "WDRdogan": Serdar Somuncus Zensur-Vorwurf.
Bücherschau des Tages
13.01.2017 Zum 300. Todestag von Maria Sibylla Merian lesen FAZ und SZ mit großem Gewinn Barbara Beuys' Biografie der Künstlerin, Insektenforscherin und Geschäftsfrau. Sehr empfehlen kann die FAZ auch Rolf Lindners Großstadtbetrachtung von Berlin um 1900 und die scharfzüngige Islamkritik Samuel Schirmbecks. Die NZZ begegnet in Noam Chomskys "Was für Lebewesen sind wir?" dem besseren Amerika. Und die FR stürzt durch die Falltüren in Andrew Michael Hurleys Debutroman "Loney".
Samstag, 14.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
14.01.2017 Richard Prince sprengt mit einem geklauten Foto von Ivanka Trump die Grenzen der Konzeptkunst. Spektrum geht in Surinam Raupen sammeln mit der vor 300 Jahren gestorbenen Forscherin Maria Sibylla Merian. Tell setzt die Debatte um die neue Ich-Literatur fort. Die Feuilletons feiern die Indieband The xx. Nur die SZ gruselt sich.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.01.2017 Amerikanische und europäische Medien versuchen zu verstehen, was Donald Trump eigentlich treibt? Es ist das Unternehmertum, meint Dieter Thomä in der NZZ. Trump-Biografen bestätigen das laut Politico: Er sei unfähig, sich selbst anders denn als CEO seiner Firma zu sehen. Mark Greif von n+1 rät in der taz dazu auszuflippen. Und der demokratische Politiker John Lewis erklärt in NBC als erster Senats-Abgeordneter, dass er die Legitimität Trumps nicht anerkennt. Politico.eu verweist auf nordirische Brexit-Risiken. Die FAZ staunt über das rot-rot-grüne Programm für Berlin.
Bücherschau des Tages
14.01.2017 Die SZ feiert den zweiten und dritten Band von Michail Ossorgins Trilogie über die russische Revolution, in deren Mittelpunkt eine kommunistische Attentäterin aus gutem Hause steht. Außerdem empfiehlt sie Lyonel Trouillots eleganten Haiti-Roman "Yanvalou für Charlie". Wohin das Postfaktische führt, lernt die Welt in Korea mit Anna Kims Roman "Die große Heimkehr". Die FAZ amüsiert sich mit Wolfgang Seibels "Verwaltung verstehen".
Montag, 16.01.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
16.01.2017 Donald Trump mäßigt sich nicht. In einem Bild-Interview erklärt er die Nato für obsolet. BMW soll 35 Prozent Einfuhrzoll bezahlen und die EU ist ihm egal. Das gemeinnützige Rechercheteam Correctiv.org soll für Facebook Fakenews checken, berichtet Spiegel online. Der Tagesspiegel fürchtet immer reaktionärere Spielarten des Christentums, auch in Europa. In der FAZ warnt Medienrechtler Rolf Schwartmann angesichts dieses Pöbels im Netz vor einem ungezügelten Volkswillen.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.01.2017 Einen großen Menschheitstext erkennt die Nachtkritik in Elfriede Jelinkes Mode-Stück "Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)", das Kant mit Roland Barthes und Gisele Bündchen verbindet. Schließlich trug sie ja auch Chanel, als sie die KPÖ verließ, weiß die SZ. Jörg Widmanns Oratorium "Arche" versöhnt die Kritiker jetzt auch mit der Akustik der Elbphilharmonie, vor allem in Block E. Die NZZ huldigt den poetischen Interventionen des Architekten Zhang Ke in Pekings altem Hutong-Viertel. Der Freitag begutachtet am Rande Berlins Mufs und Superspaces.
Medienticker
16.01.2017 Checkliste & Autoren zur VG-Wort-Rückzahlung: "Wir wollen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen" - Soziale Medien. Facebook will Fake-News kennzeichnen - Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, Düsseldorf, Dresden, München & Berlin - Volksverräter, links-versifft & Co.: Über das "Wörterbuch des besorgten Bürgers" + Trump oder "Abfall der Popkultur": Ein Gespräch mit Georg Seeßlen.
Bücherschau des Tages
16.01.2017 Schön grotesk und also ganz fabelhaft findet die SZ David Foster Wallace' wiederaufgelegte Reportage über die Pornoindustrie "Der große rote Sohn". Viele pragmatische Einsichten zum Leben und zum Schreiben entnimmt die taz Selma Lagerlöfs Briefen "Liebe Sophie, liebe Valborg". Die FAZ blickt auf die neuen Megastädte, die nicht mehr Wohlstand für alle verheißen.
Dienstag, 17.01.2017
Magazinrundschau
17.01.2017 Im Jacobin fordert der syrische Autor Yasser Munif die westliche Linke auf, endlich die Anatomie des syrischen Regimes anzuerkennen. Im CulturMag analysiert Dominik Graf liebevoll die erstaunlichen Sonderwege des deutschen Films. Es war Frauenverachtung, die Donald Trump nach oben gebracht hat, hält die LRB fest. In HVG erklärt Verleger Sándor Mészáros, warum der slowakisch-ungarische Verlag Kalligram nach 25 Jahren aufgeteilt wird. London ist der sichere Hafen für korruptes Kapital, lernt der Guardian.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.01.2017 Der Standard erlebt mit Georg Stefan Troller Paris als Stadt des verzweifelten Lebenshungers. Die taz ist gar nicht dankbar für das Museum Barberini, das Hasso Plattner der Stadt Potsdam geschenkt hat. Domus besucht in Mumbai das Design Museum Dharavi. Der Guardian stößt in Lima auf einen modernen Machu Picchu. Und: Maxim Biller verlässt das Literarische Quartett.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.01.2017 Donald Trumps Interview mit Bild und Times scheint vor allem dazu geeignet, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein verzücktes Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, meint der Guardian. In der Welt hält Timothy Snyder an einem Vergleich von Trump und Hitler fest. Als ein Präsident der Überwachung hat Barack Obama leider Vorarbeit für Trump geleistet, fürchtet Zeit online. Die Meldung, dass Correctiv.org bei Facebook Fake News überprüft, stößt in den Zeitungen durchaus auf Skepsis.
Medienticker
17.01.2017 Online-Medien: Wir gegen sie - Es ist so einfach: Wie der Tabubruch für Aufmerksamkeit sorgt - Umfrage: Jeder Fünfte hält "Lügenpresse"-Vorwurf für berechtigt - Statistical Correctness: Wie real ist Fake News? - Licht und Schatten der Modewelt: Jelinek- Uraufführung in Düsseldorf.
Bücherschau des Tages
17.01.2017 Die FAZ lernt von Alexander Gallus, warum die Hoffnungen, die die Deutsche Studienstiftung in "Meinhof, Mahler, Ensslin" setzte, sich nicht ganz, ähem, erfüllten. Gelungen findet sie allerdings, wie Mathias Rohe in "Der Islam in Deutschland" Bedürfnisse von Religion und Rchtsstaat abwägt. Als ein Lehrstück der Herzensbildung liest die FR Astrid Lindgrens Briefe "Ich habe auch gelebt!". Die taz erinnert sich mit Avi Pitchons "Rotten Johnny and the Queen of Shivers" an Punk in Israel.
Mittwoch, 18.01.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
18.01.2017 Die Brexit-Rede Theresa Mays war so forsch, weil sie jetzt auf den Verbündeten Donald Trump zählen kann, fürchtet Zeit online. Der Guardian sieht die Briten dagegen nicht ganz so groß: nur ungefähr so wie Belgien. Barack Obama hat die Whistleblowerin Chelsea Manning begnadigt - nun muss noch Edward Snowden folgen, fordert die New Republic. Das US Press Corps hat einen geharnischten offenen Brief an Trump veröffentlicht. In Deutschland stößt die Idee eine "Reporterfabrik" auf Skepsis.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.01.2017 Die russischen Schriftsteller verlassen den PEN, berichtet die Welt, unter anderem möchte Swetlana Alexijewitsch nicht länger "die Stiefel der Machthaber lecken". Voller Wehmut blicken die Kritiker mit Kenneth Lonergans "Manchester by the Sea" auf das Erzählkino von gestern. Die SZ sieht auf der Kölner Möbelmesse die Moderne auf dem Rückzug. Die Presse erlebt im Wiener MAK ausgerechnet in der Glaskunst von Adolf Loos das Ornament in aller Perfektion. Auf ZeitOnline weiß Siri Hustvedt, dass es bei Künstlicher Intelligenz nicht um Rechenleistung geht: "Die Hardware ist extrem wichtig".
Medienticker
18.01.2017 Jahres-Anzeigenbilanz der Zeitschriften: stern, Spiegel und Focus mit fettem Minus - Fake-News-Debatte: Jetzt widersprechen die Nachrichten-Praktiker der Politik - Reporter-Fabrik: Journalisten als Lehrer der Nation? - Postinterview: Kai Diekmann über Trump - Bild.de vs. Focus Online: Springers Überraschungs-Angriff mit langer Vorgeschichte + Die literarische Antithese: Martin Suter und sein neuer Roman.
Bücherschau des Tages
18.01.2017 Die FAZ untersucht mit Philipp Schönthalers Essay "Porträt des Managers als junger Autor" das Verhältnis von Literatur und Wirtschaft. NZZ und SZ unterhalten sich gut mit Martin Suters Roman "Elefant" - wenn auch literarisch nicht auf Niveau, wie die NZZ anmerkt. Die SZ vertieft sich in die "Totale Religion" Jan Assmanns.
Im Kino
18.01.2017 In Kenneth Lonergans "Manchester by the Sea" koexistieren schicksalhafte Schwere und ad hoc sich einstellende Leichtigkeit auf berückende Weise. Durch und durch gespenstisch ist die Welt in "Personal Shopper", dem in mehrerer Hinsicht fantastischen neuen Film von Olivier Assayas.
Donnerstag, 19.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
19.01.2017 Im Tagesspiegel fordert Shermin Langhoff deutsche Politiker auf, nicht nur Erdogan zu besuchen, sondern auch seine politischen Gefangenen. In der Zeit erklärt der amerikanische Dramatiker Ayad Akhtar, wie sich der deutscher Idealismus im Amerikaner vollendet. Die taz erkennt mit Olivier Assayas' Film "Personal Shopper" die gespenstische Welt, in der wir leben. Rettet den Brutalismus in Australien, ruft Domus.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.01.2017 Nix zu machen, die Zeiten bleiben düster. Ian Buruma sucht in der Welt nach einem Fünkchen Hoffnung für Europa - aber da ist keins. Der Guardian versucht Theresa Mays "harte Brexit"-Rede zu verkraften: Deutlich warnt EU-Brexit-Unterhändler Guy Verhofstadt vor einem Bündnis mit Trump. In Politico suchen Trump-Biografen nach seinen inneren Triebkräften: Michael D'Antonio fürchtet, das Trumps Aggressivitiät in der Angst vor der eigenen Illegitimät begründet sei. Stefan Niggemeier erinnert in den Uebermedien daran, dass es Fake News auch schon vor dem Internet gab.
Medienticker
19.01.2017 Wie die New York Times an ihrer Zukunft feilt - Fake-News oder Die Realität ist nicht konsenspflichtig, Eilmeldungen, die gar keine sind & Recherchebüro soll Falschmeldungen auf Facebook richtigstellen - Reporterfabrik oder Journalismus-ist-wenn-wir-es-sagen-Fabrik - Theater-Nachtkritiken: "Der eingebildete Kranke" in Berlin oder Michael Thalheimer möchte nicht, dass wir lachen - Swetlana Alexijewitsch: "Es gibt im PEN keine Freiheit des Wortes mehr" - Rezensionsstreit beigelegt: Thalia / buch.de zahlt freiwillig + Die Grimme-Preis-Nominierungen.
Bücherschau des Tages
19.01.2017 Die NZZ reist mit Ottessa Moshfeghs saufendem Seemann McGlue ins Salem des 19. Jahrhunderts. Der SZ wird ganz melancholisch mit Peter Henischs kleinem Peter im Wien der Nachkriegszeit. Die Zeit lernt von Elena Ferrante, was es heißt Mensch zu sein, erlebt erektile Momente von ewiger Gültigkeit mit Kurt Drawerts Langgedicht "Der Körper meiner Zeit" und streift mit Jörg Sundermeier durch die Sonnenallee.
Freitag, 20.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
20.01.2017 Immer noch ergriffen sind die Kritiker von Kenneth Lonergans Indie-Drama "Manchester by the Sea". Überwiegend bestens amüsiert haben sie sich auch mit Michael Thalheimers "Eingebildetem Kranken" an der Berliner Schaubühne. Die SZ stellt amerikanische Autorinnen der Post-Apokalypse vor. Und alle schauen auf Potsdam, wo heute das von SAP-Gründer Hasso Plattner finanzierte Barberini-Museum eröffnet.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.01.2017 Heute ist T-Day, warnt die taz und fürchtet einen zivilisatorischen Totalschaden. In der FAZ hofft der Kulturhistoriker Kulturhistoriker Michael Hochgeschwender, dass Trump nicht dauerhaft auf die konservativen Wähler zählen kann. Facebook fragt jetzt bei ARD, ZDF und Spiegel, ob man nicht Lust hätte, Faklten zu checken. Aber die Welt wundert sich, das Facebook aus ethischen Gründen nichts dafür zahlen will. Außerdem streitet das Netz über die Frage, von wem das schlimmere Zitat über das Holocaust-Mahnmal stammt: Björn Höcke oder Rudolf Augstein?
Medienticker
20.01.2017 Aktualisiert: Redaktionsalltag: Die Macht der Leserschaft - China-Besuch in der Schweiz. Pressefreiheit ausgesetzt - Plattform: Microsoft plant eigenen eBook Store - Talkshows: Bühne frei für Populisten, unglaubliche Dichte von Politikerlügen & wie Marx das Phänomen Trump erklären würde + Ultraschall-Festival für Neue Musik: Die Stimme als Spiegel der Gesellschaft.
Bücherschau des Tages
20.01.2017 So atemlos liest die FR Simon Becketts neuen Thriller "Totenfang", dass sie schon mal ein paar Seiten überblättert. Die FAZ freut sich über Michael Sommers Ereignis- und Strukturgeschichte des antiken Syriens und Nilüfer Göles Studie "Europäischer Islam". Und die SZ liest mit großem Gewinn John Burnsides Gedichtband "Anweisungen für eine Himmelsbestattung" sowie Jugendsachbücher über die Arbeitswelt und die Technik der Alpen.
Fotolot
20.01.2017 Es ist das Wesen von Armand Quetschs Bildern, dass man in ihnen gewissermaßen zu Hause und dass es einem dabei dennoch unheimlich ist. Das Vertraute schaut dem Fremden zum Verwechseln ähnlich.
Samstag, 21.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
21.01.2017 Nicht die Fiktion, sondern der psychologische Realismus ist in der Krise, meint die Welt und rät zur Fantastik. Die NZZ entdeckt an der Wiener Albertina Film-Stills als eigene Kunstform. Anti-Stadttheater im Stadttheater sehen FAZ und SZ mit Christopher Rüpings "Hamlet" an den Münchner Kammerspielen. Rechtspopulismus spiegelt sich in der Mode der Berliner Fashion Week nicht wider, stellt ZeitOnline fest. Die Zeit hadert noch immer mit der Akustik der Elphi. Und alle vertiefen sich in der Fondation Beyeler in Claude Monets Reflexionen über Reflexionen.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.01.2017 Donald Trumps Amstantritt hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Für die FR war die Rede des Milliardärs über die Macht des Volkes reinste Demagogie, für die SZ eine einzige Beleidigung gegen die Repräsentanten Washington. Aber warum haben diese so brav applaudiert, fragt der Guardian. Der Affekt gegen die Regierung steckt den Amerikanern im Blut, meint Marcia Pally in der taz, seit sie 1774 englische Zollbeamte geteert und gefedert haben. ProPublica meldet unterdes, dass Trump mitnichten seine Geschäfte abgegeben hat. Im Tagesspiegel diagnostiziert F.C. Delius Trump-Fieber auch im Europaparlament, das einen Intimus Silvio Berlusconis zum Präsidenten gewählt hat.
Bücherschau des Tages
21.01.2017 Als Buch der Stunde empfiehlt die NZZ Alberto Barrera Tyszkas Hugo Chávez-Roman "Die letzten Tage des Comandante". Die taz begrüßt Kristine von Sodens Collage aus Berichten von aus Nazideutschland geflüchteten Jüdinnen als überfällige Ergänzung zu den männlichen Narrativen. Mit "Die lachenden Ungeheuer" hat Denis Johnson einen postfaktischen Spionagethriller vorgelegt, staunt die SZ. Und die Welt geht vergnügt mit Albrecht Selge auf "Trunkene Fahrt".
Montag, 23.01.2017
9punkt - Die Debattenrundschau
23.01.2017 Die amerikanische Presse ist echt sauer auf Trump und seine Lügen. Der New Yorker freut sich über die massiven Demonstrationen am Samstag: "Der Widerstand hat in spektakulärer Weise begonnen." Die New York Times warnt die Journalisten zugleich, in einen hysterischen Oppositionsgestus zu verfallen, der nur ein Spiegelbild Trumps wäre. Die SZ vermisst angesichts der Lage die Philosophen. Die FAZ muss ihre tendenziöse Berichterstattung über Martin Vogel und den VG Wort-Streit richtigstellen.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.01.2017 Poetisch, didaktisch und dialektisch obendrein findet die FAZ das Berliner Festival "Utopische Realitäten" hundert Jahre nach der Oktoberrevolution. Die Welt lässt sich in Oslo eine Rossini-Bonbonniere schmecken. Die SZ berichtet von den Frankfurter Litprom-Literaturtagen. Marlene Streeruwitz durchdringt mit Max Ernst den dunklen Wald. Und der Deutschlandfunk bewundert die avantgardistische Kunst des Kostas Murkudis.
Medienticker
23.01.2017 IVW-Blitz-Analyse: Zeitschriften-Top-100 & überregionale Zeitungen - Bernd Stegemann analysiert das politische Sprechen: "Das Gespenst des Populismus" - Reporter rausgeschmissen: Im "Europa der Freiheit" sind Fragen unerwünscht - Interview mit Aslı Erdoǧan: "Was ich zu sagen habe, muss raus!" & Von der Unlust, Märchen zu erzählen + Theater-Nachtkritiken aus Basel, Berlin, Bochum, Düsseldorf, Hannover, Mannheim, München.
Bücherschau des Tages
23.01.2017 Hin- und mitgerissen ist die FAZ von der dunklen poetischer Kraft des H.G. Wells, dessen große SciFi-Romane zwei neue Hörbücher sehr suggestiv in Szene setzen. Außerdem lässt sie sich von Giacomo Casanova gern noch einmal die Kunst der Verführung erklären. Die SZ staunt, wie körperorientiert Thomas Meinecke in seinem neuen Roman "Selbst" schreibt.
Dienstag, 24.01.2017
Magazinrundschau
24.01.2017 Bloß keine Statistiken, warnt der Guardian. Flüche dagegen funktionieren immer, freut sich die New York Review of Books. Aktualne bringt ein Lehrstück zum offiziellen deutschen Umgang mit diktatorischen Regimen. Außerdem: Camus, BHL, Andrew Sullivan und der Stamm der Nooksack erleuchten uns in Sachen Identitätspolitik.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.01.2017 Die taz verfolgt mit dem Kunstprojekt "Wüstungen" von Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, wie die DDR Siedlungen und Landschaften zerstörte, um an der innerdeutschen Grenze freies Schussfeld zu bekomen. Im Art Magazin klagt Kasper König: Entweder ist Kunst kommerziell oder spießig. Das Krumme ist die Antithese zum Bestehenden, lernt die NZZ von Terézia Mora. In Lyon erlebt die FAZ "Jeanne au bûcher" zugleich zäh und zart wie Blütenstaub. Die FR trauert um den Experimentalfilmer, Spurensicherer und Komödiantenlehrer Werner Nekes.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.01.2017 In einer E-Mail an den New Yorker erklärt Philip Roth, was Donald Trump von Charles Lindbergh unterscheidet, und warum wir jetzt Melville lesen sollten. In Politico blickt Francis Fukuyama mit der Neugier eines Laborleiters auf das Experiment Trump. In Zeit online fordert der Grünen-Politiker Malte Spitz eine Meldepflicht für Überwachungskameras. Und das Max-Planck-Institut für Ethnologie in Halle hatte trotz Protesten und Berichten in der Jüdischen Allgemeinen und der Welt kein Problem damit, einen Holocaust-Relativierer einzuladen, der Fake News über Gaza verbreitet.
Medienticker
24.01.2017 Jutta Voigt über die Boheme des Ostens - Bis zum letzten TropfenTinte oder Pressefreiheit in Malaysia & Breitbarts Reklame für Rechte - Terézia Mora: Der Anfang liegt im Chaos in der Küche - Twitter-Zensur: Donald mit Banane & Medienecho zu seiner Agenda oder Mit Shakespeare gegen Trump - Islamkritik: Das Gerede der Allesversteher + Nachruf: Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit ist tot.
Bücherschau des Tages
24.01.2017 Als wunderbaren Roman über Fall und Zufall, Feststellung und Vorstellung lobt die FAZ Jan Kuhlbrodts Künstlergeschichte "Das Modell". Außerdem lernt sie von Barry Cunliffe, wie Europas Dörfer zu Metropolen wurden. Die SZ reist mit Ales Steger durch die Gegenwart und von Ljubljana nach Fukushima. Die FR liest "Die Briefe der Manns".
Mittwoch, 25.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
25.01.2017 Standard und Presse bewundern in der Wiener Albertina die Höhepunkte feudaler Dekadenz. Die taz stellt Krist Gruijthuijsen vor, den neuen Chef der Berliner Kunst-Werke. Die FAZ staunt über Mel Gibson, der sich mit einem frömmlerisches Schlachtengemälde als Regisseur zurückmeldet: "Hacksaw Ridge" planscht im Blut und predigt Nächstenliebe. Domus bewundert die neue öffentliche Bibliothek in Caen, in der Stadt, Mensch und Kunst in maximalen Austausch treten.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.01.2017 Im Guardian erklärt der Labour-Abgeordnete Owen Smith, warum er, anders als seine Labour-Kollegen, nicht für den Brexit stimmen wird. Die NZZ singt ein Loblied auf die Normierung. Die taz verteidigt die "offene Gesellschaft". In der NZZ gibt Judith Butler nochmals Hillary Clinton die Schuld am Wahlsieg Trumps. Und in La Règle du Jeu erklärt Bernard-Henri Lévy, warum er der Liebe Trumps zu Israel nicht traut.
Medienticker
25.01.2017 "Wir sind frei" : Online-Medium Özgürüz auf Deutsch & Türkisch gestartet - Medienkritik: Bodo Morshäuser über Talkshow-Terror mit Trump-Effekt & "Repertoire der Desinformation": Marina Weisband über Trumps Lügentaktik - Facebook-"Wahrheitsprüfer": Correctiv verstrickt sich in Widersprüche - Jahresbestseller 2016: Harry Potter & maue Regiokrimis + Vor fünfzig Jahren wurde die Kommune I. gegründet: Ulrich Enzensberger erinnert sich.in einem Hörfunk-Gespräch.
Bücherschau des Tages
25.01.2017 Die FAZ blickt mit Alexander Goldtstein in Parallelgeschichten von Baku aus auf die Brüche des russischen Imperiums. Die NZZ lernt mit Andreas Kraß, einen Freund zu lieben. Die SZ liest Louis-Philippe Delamberts Kurzgeschichten aus Haiti. Die Welt hängt mit Patrick McGinley an einer irischen Theke ab.
Im Kino
25.01.2017 In Stefano Sollimas Gangsterfilm "Suburra" saugt sich Rom wie ein Schwamm mit Blut, Sex, Drogen, Geld und Licht auf. Vor dem Hintergrund der ersten Tage der Trump-Präsidentschaft wird Pablo Larraíns nicht-wirklich-Biopic "Jackie" als ein waschechtes Melodram lesbar.
Donnerstag, 26.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
26.01.2017 Das Ensembletheater ist nicht mehr zeitgemäß, erklärt der Soziologe und Kulturberater Dieter Haselbach in der nachtkritik. Die FAZ findet sich mit Pablo Larraíns "Jackie" in einem gigantischen Protokoll- und Machtapparat wieder. Auch als Luxuskaufhaus macht den Fondaco dei Tedeschi in Venedig etwas her, lobt die NZZ den Umbau durch Rem Koolhaas.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.01.2017 taz und Freitag werfen Alice Schwarzers Emma, die gerade vierzig wird, mangelnden Antirassismus und allzu dezidierten Universalismus vor. Der Informatiker Manfred Broy und der Philosoph Richard David Precht fürchten in der Zeit ein weiteres Fortschreiten der digitalen Revolution. Die amerikanische Pressefreiheit ist keineswegs so abgesichert wie viele glauben, mahnt die New York Times. Die SZ besucht das neue Danziger Museum des Zweiten Weltkriegs und fragt sich, wie lange seine Ausstellung das Kaczynski-Regime übersteht.
Medienticker
26.01.2017 Post-Cool: Über das Ende des US-Cool - Ruhe jetzt, hier spricht die Realität!: Donald Trump & Orwells "1984" & New York sucht die alternativen Fakten - Nino Haratischwili über Migranten, die Flüchtlinge hassen - In Zeiten der Lügenpresse: Zwei Nachrichten aus dem Deutschlandfunk, und macht Harald Martenstein "Lügenpresse"-Vorwürfe salonfähig? - Neue Attacke auf Snapchat: Facebook testet Stories-Feature - Zaudern: Die schöpferische Kraft + Krach & Schönklang in der Elbphilharmonie.
Bücherschau des Tages
26.01.2017 Wer Bartok, Nono oder Ligeti hasst, dem legt die SZ wärmstens das informative Lexikon Neue Musik ans Herz. Allen anderen sowieso. Großes Lob auch für Michael Lewis, der mit seinem Buch über die Freundschaft von Daniel Kahneman und Amos Tversky einen brillanten und abenteuerlichen Einstieg in die Verhaltensöknomie liefert. Die FAZ zieht den Hut vor den Betrachtungen des großen Imre Kertesz. Die NZZ lernt mit zwei Neuübersetzungen Dostojewski als rotzfrechen Aufwiegler kennen. Die FR empfiehlt Otfried Höffes Einlassungen zur Geschichte des politischen Denkens.
Freitag, 27.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
27.01.2017 Mit dem Siemenspreis für Pierre-Laurent Aimard steht es jetzt 42:1 für die Männer, stellt ZeitOnline fest. Im Tagesspiegel bekennt sich Peymann-Nachfolger Oliver Reese emphatisch zum Ensemble. Aus Protest gegen Trump hat Christo ein seit zwanzig Jahren geplantes Großprojekt in Colorado abgesagt, meldet die New York Times. Die SZ erinnert an die Rolle der türkischen Botschaft in Washington für die Geschichte des Jazz. Und in der FAZ präsentiert Ilija Trojanow Hinweise, dass die bulgarische Übersetzung seines Romans "Macht und Widerstand" von einem ehemaligen Spitzel der dortigen Stasi manipuliert wurde.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.01.2017 Medien haben null Integrität, null Intelligenz, und sie tun ihre Arbeit nicht, hämmert Trump-Berater Steve Bannon der New York Times ein. Und die Medien sollten jetzt mal den Mund halten und zuhören, statt Opposition zu machen. Die FAZ stellt das StratCom-Forschungszentrum in Riga vor, das Fake News nach Russland nachverfolgt. In der NZZ sieht Michail Schischkin Russland "im Sumpf von Angst und Schweigen" versinken. Das von Can Dündar in Deutschland betriebene Portal Özgürüz ist in der Türkei bereits gesperrt, meldet Correctiv.
Medienticker
27.01.2017 Aktualisiert: Pressefreiheit auf Türkisch: Ankara sperrt neues Onlinemedium Özgürüz - Bannon über US-Medien: "Ihr seid die Opposition" - Schmaler Grat: Springer gegen Burda - Konstruktive Glückwünsche: Emma wird 40! Im Dienst der Frauenrechte, Frauen gratulieren & Wo die Emma sich im Ton vergreift - Peter Trawny über Auschwitz oder den Kern der deutschen Identität + BGH-Urteil: Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten dürfen Verlage nicht bei der Herausgabe von Zeitschriften unterstützen.
Bücherschau des Tages
27.01.2017 Ein gespenstisches Meisterstück ist Varujan Vosganians Roman "Das Spiel der hundert Blätter" für die SZ. Als eloquent und quellensatt lobt sie außerdem Hubert Wolfs "Konklave" über die Geheimnisse der Papstwahl. Die FAZ lernt mit Habbo Knoch das Grandhotel als Laboratorium der Moderne und mit Andrew Pettegree Martin Luther als geschickten Marketingstrategen kennen.
Samstag, 28.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
28.01.2017 Der Guardian bewundert die Farbkakofonien der Vanessa Bell. Die NZZ beschreibt die Knebelverträge, mit denen Künstler ihren Assistenten oft Geld und Anerkennung vorenthalten. In der SZ verteidigt Okwui Enwezor die Renovierungspläne David Chipperfields für das Münchner Haus der Kunst. In der Welt fürchtet Paul Auster das Ende des Experiments Amerika. Im TagesAnzeiger erzählt die 19jährige afghanische Dirigentin Negin Khpalwak, wie gefährlich Musikerinnen in Afghanistan leben.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.01.2017 Slate hat die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence über Abtreibung gehört und stellt einen mörderischen Unterschied zwischen Diskurs und Utopie fest. Die FAZ macht sich Sorgen um die katholische Kirche in Deutschland - aber zum Glück keine materiellen. Zeit online sieht Trump als Ideologen des fossilen Kapitalismus. In der taz beschreibt Deborah Feldman, wie sich ihre Alpträume über Auschwitz veränderten, seit sie in Deutschland lebt. In der NZZ und FAZ spricht Asli Erdogan über ihre Zeit in "Gewahrsam".
Bücherschau des Tages
28.01.2017 Ein wenig mehr als ein wenig Leben bringt Hanya Yanagiharas Roman "Ein wenig Leben" in die deutsche Literaturkritik. Heute gleich drei Besprechungen. Nur die FR will nicht völlig in die Hymnen einstimmen. SZ und taz besprechen mit Charles Jacksons "Die Niederlage" und Rafael Chirbes' "Paris-Austerlitz" zwei Romane über Homosexualität. In der NZZ schreibt Jan-Werner Müller über Timothy Garton Ashs Buch "Redefreiheit".
Montag, 30.01.2017
Efeu - Die Kulturrundschau
30.01.2017 In der New York Times erklärt der iranische Regisseur Ashgar Farhadi, warum er jetzt auch nicht mehr zur Oscar-Verleihung in die USA reisen würde, selbst wenn er dürfte. Die Berliner Zeitung hörte beim Festival Club Transmediale ein großes und gewaltiges Muh. Der Tagesspiegel erliegt an der Komischen Oper in Berlin dem Bildzauber der Performancegruppe 1927. Die Presse erlebt in Wien, wie Erich Wolfgang Korngolds Oper "Das Wunder der Heliane" strömt, glitzert, prickelt.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.01.2017 Die New York Times kocht vor Wut über Trumps "heuchlerischen, feigen, selbstzerstörerischen" Einreisestopp gegen Bürger bestimmter Länder. Bernard-Henri Lévy hofft in La Règle du Jeu, dass Israel der Fürsorge Donald Trumps widersteht. "Die Mauer ist eine Demütigung für Mexiko", ruft Jorge Volpi aufgebracht in der Welt und fordert eine internationale Allianz gegen Trump. Im Tagesspiegel wünschte sich Tanja Dückers, dass die Frauenbewegung, die gegen Trump demonstrierte, sich zuvor für Hillary Clinton engagiert hätte.
Medienticker
30.01.2017 China: Staatsfernsehen als öffentlicher Pranger - Türkei: Can Dündar über verbotene Stimmen aus dem Exil - Russland: Wir haben es mit medialem Krieg zu tun - Folgen der Faktenresistenz: Trump empfiehlt die Übernahme der New York Times - Nicht offen & fair: David Schraven über Übergriffe & Wirkungen auf Correktiv - Nachrichten: Tagesschau-Chef Kai Gniffke will nicht unbedingt der Schnellste sein - Gutenberg-Biografie: Der Steve Jobs des Mittelalters - + Theater-Nachtkritiken aus u. a. aus Berlin, Hamburg, Leipzig, München & Wien.
Bücherschau des Tages
30.01.2017 Die SZ blickt mit Joachim Radkau in die "Geschichte der Zukunft" und erkennt darin eine Abfolge reiner Irrtümer. Ulrich Becks "Metamorphose der Welt" eröffnet ihr das Zeitalter der Nebenfolgen. Die FAZ reist mit der Maus Armstrong zum Mond und lernt, Fallen entgeht. Gut gefallen hat ihr auch Ursula Poznanskis Jugendroman "Elanus" über eine kleine unsoziale Intelligenzbestie, die ihre Rivalen mit Drohnen ausspioniert.
Dienstag, 31.01.2017
Magazinrundschau
31.01.2017 The Atlantic sagt eine populistische Koalition in den USA voraus. Argentinien wählt seinen ersten "normalen" Präsidenten, da spielt der Rest der Welt verrückt, klagt Ideas. Outlook erzählt, wie gut indische Politiker und Polizisten mit Prostitution verdienen. Neon reist mit pi-news nach Israel. Der New Yorker stellt im Laufe des Prozesses gegen Dylan Roof eine absurde Mathematik der Rasse auf. Alle reden wieder von Gramsci, bemerkt Slate.fr. Die New York Times begutachtet das Ende des Rechts-Links-Denkens in Frankreich.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.01.2017 Steht Frankreich vor dem Ende der Fünften Republik? Ein weniger überzeugendes Personal für die Präsidentschaftswahlen als in diesem Jahr hat die FAZ jedenfalls noch nie gesehen. Caroline Fourest fürchtet überdies in ihrem Blog, dass selbst in Frankreich die laizistische Linke auf dem Rückzug ist. Die Salonkolumnisten werfen einen Blick auf Donald Trumps gesundheitspolitische Vorstellungen und fürchten seine Nähe zu Impfgegnern. Die taz setzt ihre Debatte über linke Identitätspolitik und "critical whiteness" fort.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.01.2017 Die Mittelschicht wird aus den Städten verdrängt, ruft die FAZ: Die Preise für Wohnungen sind auf einem Höchststand, ihre Qualität sinkt immer tiefer. Die FR meint allerdings, dass auch die Ansprüche der Mittelschicht stetig steigen. Die Welt trauert um die Sachlichkeit und demokratische Symbolkraft, die das Centre Pompidou einst dem Museum als Insitution verlieh. In der SZ bekennt sich Philip Glass zum Toltekismus. Und die NZZ sieht mit Francesco Cavallis Oper "Il Giasone" in Genf urkomischen Medea-Stoff.
Medienticker
31.01.2017 Studie über die Vertrauenskrise in den Medien - Verdeckte Verbindungen: Neue Rechte & Medien - Medien-Reaktionen auf den AfD-Journalisten-Rauswurf - Medienblogger: Bloggen ist eine Kulturtechnik - Verlage in Verlegenheit: Das VG-Wort-Urteil & seine Folgen - Asli Erdogan: Eine Autorin im Fegefeuer - Riesenromane: In Paul Austers "4321" grüßt täglich ein besseres Leben & der chinesische Klassiker "Die Reise in den Westen" erstmals komplett auf Deutsch + New York Times wirft Comic-Bestsellerlisten raus.
Bücherschau des Tages
31.01.2017 1250 Seiten stark, aber als kunstvolles Katz- und Mausspiel ein echter Paul Auster, versichert die FR nach Lektüre des neuen Romans "4 3 2 1". Als klug und gelehrt empfiehlt die SZ Klaus Birnstiels Geschichte des Poststrukturalismus "Wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand". Sehr ger gelesen hat sie auch Saphia Azzedines "Bilqiss". Mit "Sieben Küssen" von Peter von Matt taumelt die NZZ beglückt von der Weltliteratur mitten ins Dasein. Und die FAZ versichert: Laszlo Darvasis Erzählungen "Wintermorgen" sitzen wie Faustschläge.