Montag, 02.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
02.01.2023 Benedikt XVI. ist gestorben. Seine größte Tat als Papst war sein Rücktritt, finden die taz und die SZ. In Großbritannien droht eine neue Welle des Populismus, auch weil die Folgen des Populismus, der zum Brexit führte, nicht benannt werden, schreibt John Harris im Guardian. Die FAS veranstaltet ein Dossier mit Blicken internationaler Schriftsteller auf Deutschland. Hat es eine Mitschuld am Ukrainekrieg? Zweifellos ja, meint Viktor Jerofejew. Und der Perlentaucher wünscht allen Lesern und Leserinnen ein frohes neues Jahr!
Efeu - Die Kulturrundschau
02.01.2023 Die Musikkritiker starteten in Berlin mit Daniel Barenboim und einem ungeschützt hoffenden Beethoven ins Neue Jahr. Im Standard erklärt der Schweizer Filmemacher Cyril Schäublin, wie sich Heute und Morgen ins Tick und Tack von Uhren übersetzte. In der FAZ warnt Jaroslav Rudiš davor, den tiefgründigen Humor Jaroslav Hašeks zu leicht zu nehmen. Und Hyperallergic kürt die machtlosesten Menschen des Kunstbetriebs.
Bücherschau des Tages
02.01.2023 Der Dlf imaginiert mit Sandra Kegel die weibliche Geschichte der literarischen Moderne. Die SZ wappnet sich fürs kommende Jahr mit einem ganzen Stapel neuer Bücher über 1923. Gebannt verfolgt sie auch, wie sich die Schweiz zu Europa stellt. Der DlfKultur amüsiert sich mit Quim Monzós Kunstbetriebssatire „Benzin“. Die FAZ liest mit Vergnügen Sally McGranes Räuberpistole "Die Hand von Odessa", die sie in die noch friedliche Metropole am Schwarzen Meer verschlägt.
Dienstag, 03.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
03.01.2023 Es scheint sich eine ähnliche Debatte anzubahnen wie nach der Kölner Silvesternacht 2015: Sollte über ein Böllerverbot diskutiert werden, fragen die einen. Müssen wir nicht eher die Probleme benennen, die zu der Gewalt an Silvester führten, fragen die anderen. Annalena Baerbock hat das Bismarck-Zimmer im Auswärtigen Amt umbenannt, und das zu Recht, findet der Historiker Eckart Conze in der FAZ. "Das Böse" ist ein Begriff, auf den wir in der politischen Debatte nicht verzichten können, schreibt Richard Herzinger in der Zeitschrift Internationale Politik.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.01.2023 Die NZZ fragt sich, ob das Kino dem Journalismus nicht einen Bärendienst erweist, wenn es ihn weiterhin zur Supermacht der Aufklärung stilisiert. Die taz fürchtet, dass die Theater besser durch die Pandemie gekommen sind, als die Theaterkritik. Der Tagesspiegel lauscht dem humanistischen Patriotismus in Händels "Judas Maccabaeus". Der Standard empfiehlt auch aus ästhetischen Gründen, weniger zu bauen. Und das ZeitMagazin huldigt dem Rebellentum der Motorradjacke.
Bücherschau des Tages
03.01.2023 Die FAZ erhält in Annett Meiritz' und Juliane Schäubles Buch über konservative Amerikanerinnen Einblicke in eine für sie unvorstellbare Welt. Mit Sara Rukaj rechnet sie gepfeffert mit der organisierten Weinerlichkeit von Genderfeministinnen ab. Die SZ folgt Nick Drnasos Rattenfänger durch die Pandemie. Die taz verdankt Helmut Philipps ein unverzichtbares Standardwerk über die Geschichte des Dub. Und der Dlf Kultur lauscht dem Wind in Tatsuo Horis Novelle über das Sterben.
Mittwoch, 04.01.2023
Efeu - Die Kulturrundschau
04.01.2023 Der Tagesspiegel erkennt im inzwischen berüchtigten Gespräch zwischen Michel Onfray und Michel Houellebecq auch ein Ringen mit der eigenen Lüsternheit. Dass gegen Houellebecq jetzt Strafanzeige gestellt wurde, findet die FAZ nicht abwegig. Im Filmdienst erklärt Daniel Kothenschulte, warum die Filmförderung nicht nur künstlerisch dem deutschen Kino schadet, sondern auch kommerziell. Die FR genießt in der Bonner Bundeskunsthalle die Oper als aristokratisches, glamouröses und bizarres Spektakel. Die taz bietet im Kunstmuseum Krefeld poetischen Klangmonstern die Stirn.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.01.2023 Ist der Putinismus ein Faschismus? Die Analogie ist problematisch, auch weil sie das Erbe des Stalinismus übersieht, sagt Karl Schlögel im Interview mit der SZ. Die taz beleuchtet in zwei Artikeln die harte Repression in Belarus und das Taktieren Lukaschenkos gegenüber Putin. Haben wir es bei den Silvesterkrawallen mit einem "molekularen Bürgerkrieg" nach dem Begriff von Hans Magnus Enzensberger zu tun, fragt Harry Nutt in der Berliner Zeitung. Solange man gar nicht weiß, ob da Männer mit Migrationshintergrund randalierten, ist diese Unterstellung rassistisch, findet Hanno Hauenstein ebenfalls in der Berliner Zeitung.
Bücherschau des Tages
04.01.2023 Die FAZ unternimmt mit Nadia Budde und Claudia Kühn einen liederlichen Streifzug durch die Welt der Paare. Dlf Kultur begleitet Raynor Winn mit ihrem Ehemann "Überland" auf dem härtesten Wanderweg Britanniens. Die taz lässt sich vom "Comicverführer" Timur Vermes umgarnen. Die SZ liest Proust mit Roland Barthes.
Donnerstag, 05.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
05.01.2023 In der FAZ wirft die Osteuropaforscherin Gwendolyn Sasse dem Rechtsprofessor Reinhard Merkel "Falschaussagen über die Ukraine" vor. In der Zeit wirft Florian Illies Claudia Roth, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz umbenennen will, antiaufklärerischen Größenwahn vor. Ebenfalls in der Zeit hofft der Politologe Yascha Mounk zaghaft auf das Überleben der amerikanischen Demokratie. In der taz will die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial nach den Silvesterkrawallen lieber nach sozialen Ursachen suchen. Die Welt beklagt "Anthro-Bashing".
Efeu - Die Kulturrundschau
05.01.2023 Die Zeit porträtiert den russischen Dichter Artyom Kamardin, der bei einer Lesung "Ehre der Kiewer Rus! Neurussland - fick dich" gerufen hat und deshalb vergewaltigt und inhaftiert wurde. Die Filmkritiker bewundern Mikhaël Hers' positive Emanzipationsgeschichte "Passagiere der Nacht". Monopol feiert iranische Rebellinnen, deren Porträts und Geschichten Soheila Sokhanvari im Londoner Barbican Centre zeigt. Die FAZ quält sich in Münster durch eine "Elektra" in SS-Uniform.
Bücherschau des Tages
05.01.2023 Dlf Kultur taucht mit Jose Ovejeros Roman "Aufstand" tief ein in das von Wohnungsnot und Jugendarbeitslosigkeit geprägte Madrid von heute. Die Zeit lernt aus Sarah Crossans Jugendroman "Toffee", wie man auch im falschen Leben glücklich sein kann. Die FR hört gern zu, wenn Annie Dillard einen Stein zum Sprechen bringt. Die FAZ stellt zwei hochkomplexe graphic novels von Jordan Crane und Nick Drnaso vor sowie einen multiperspektivischen Essay von Luka Holmegaard über nichtbinäre Kleidung.
Freitag, 06.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
06.01.2023 Russland ist ein einziger Gewaltzusammenhang, sagt die Frauenrechtlerin Aljona Popowa in der FAZ: Es fängt bereits bei häuslicher Gewalt an. Die Medien arbeiten sich nach wie vor an schwer zu benennenden "migrationskulturell verursachten Diffusitäten" ab, die zu den Silvesterkrawallen beitrugen. Clausewitz hat wieder Konjunktur, konstatiert die taz, er war halt auch ziemlich klug. Schon die Null-Spatzen-Kampagnen brachte nichts, erinnert die chinesische Schriftstellerin Fang Fang mit Blick auf die Null-Covid-Politik im Tagesspiegel.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.01.2023 Die taz staunt, wie Iggy Pop sich auch heute noch im amorphen Bereich zwischen Aggression und Komik durchschlägt. Eher zwischen Aggression und Zärtlichkeit verortet Monopol das Werk des finnischen Künstlers Markus Copper. Die NZZ verzweifelt beim Blick auf die Jahresbestsellerlisten: populärer Realismus und moralische Erpressungsversuche, wohin das Auge blickt. Der Tagesspiegel würdigt die iranische Schauspielerin Taraneh Alidoosti, die im Gefängnis saß, weil sie sich ohne Kopftuch zeigte.
Bücherschau des Tages
06.01.2023 Die FAZ ist überrascht vom Reichtum der Themen und Texte in den nun erschienenen Gesammelten Schriften der Schriftstellerin und Philosophin Margarete Susmann. Fasziniert liest sie auch, wie sich Roger Caillois in den dreißiger Jahren dem Mythos näherte. Die FR staunt, wie Linn Penelope Micklitz in "Abraum, Schilfern" die Gegenwart literarisch häutet. Der Dlf blickt mit Donald Antrim in die Abgründe der Psychiatrie. Und Dlf Kultur freut sich über den Optimismus, den Barbara F. Walter in ihrem Buch über die Instabilität von Demokratien trotz allem verbreitet.
Samstag, 07.01.2023
Efeu - Die Kulturrundschau
07.01.2023 Daniel Barenboim gibt nach dreißig Jahren sein Amt als Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper auf und die Zeitungen fragen in erster Linie: Wer soll jetzt kommen? Der Tagesspiegel wirft Klaus Lederer Fahrlässigkeit bei der Zukunftsgestaltung vor. In Le Point relativiert Michel Houellebecq nach der Anzeige seine Aussagen: Ein "freches Manöver", meint die SZ. Die FAZ blickt in Maastricht mit Hrair Sarkissian auf öffentliche Plätze in syrischen Städten, auf denen das Regime Menschen hinrichtete. In der taz spricht der iranisch-dänische Regisseur Ali Abbasi über seinen Persian Noir "Holy Spider".
9punkt - Die Debattenrundschau
07.01.2023 In der taz setzt die ukrainische Schriftstellerin Oksana Sabuschko keinerlei Hoffnung auf Russland: Demokratisierung von unten zu erwarten, wäre sehr naiv. In der FR sorgt sich der Philosoph Markus Gabriel mehr noch als um die Welt um die moralische Integrität der Menschheit. In der taz fürchtet Hans Ulrich Gumbrecht, dass uns die Individualisierung in höchst undramatische Einsamkeit führt. Die SZ möchte nicht mehr übers Gendern diskutieren, sondern Kitas bauen. Aber bitte nicht die Care-Tätigkeiten ökonomisieren, ruft die NZZ.
Bücherschau des Tages
07.01.2023 Als Buch seines Lebens rühmt die FAZ Arno Geigers "Glückliches Geheimnis", demzufolge er Altpapier-Container nach privaten Schriftstücken durchforstete. Die FAS hält das Buch dagegen für Schmonzes. Die Welt feiert Ottessa Moshfeghs lustvoll-dekadenten Roman "Lapvona", der nicht dem Abscheulichen huldige, wie ihr vorgeworfen wurde, sondern einer Ästhetik der Dekadenz. Mit Freude liest sie auch Kerstin Holzers Monika-Mann-Biografie "Monascella". Der DlfKultur reist mit Ivana Sajko durch Kroatien und ihre Erinnerungen. Kaum aushalten kann die taz Eva Müllers Graphic Novel "Scheiblettenkind" und empfiehlt sie umso nachdrücklicher.
Montag, 09.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
09.01.2023 Der ukrainische Schriftsteller Andriy Lyubka erzählt in der taz, was im Krieg manchmal das Wichtigste ist. Vieles vom heutigen Dominanzverhalten Chinas lässt sich nur postkolonial erklären, schreibt der Historiker Benedikt Stuchtey in der FAZ. Die SZ attackiert den juristischen Verlag C.H. Beck, der lieber Hans-Georg Maaßen die Treue hält als demokratisch gesinnten Juristen, die gegen ihn protestieren. Unbewusst legten die Silvesterrandalierer die Hand auf eine Schwachstelle des Staates, die andere Kräfte viel bewusster nutzen, schreibt Caroline Fetscher im Tagesspiegel. In der NZZ fragen Caroline von Gall und Andreas Umland, warum Reinhard Merkel eigentlich immerzu Falsches behaupten darf.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.01.2023 Auf ZeitOnline opponiert der Literaturwissenschaftler Peter Brooks gegen die Storifizierung der Realität. Die FAS lässt sich von Grigory Semenchuk die Liebe der jungen Ukrainer zur Lyrik erklären. Der Standard rollt die Augen über die bäuerlichen Idyllen, die jetzt in Warschaus Kunstgalerie Zachęta gezeigt werden. Nachtkritik und Berliner Zeitung erleben mit Showcase Beat Le Mot Schönheit und Dramatik des Fallens. Die Berliner Zeitung hängt für Daniel Barenboim und Martha Argerich die Decke hoch.
Bücherschau des Tages
09.01.2023 Die taz begibt sich mit Aroa Moreno Durán auf die Spuren von Spaniern, die vor Franco in die DDR flüchteten. Bewegt liest die FR Gusel Jachinas Roman "Wo vielleicht das Leben wartet". Der DlfKultur erkundet freudig und staunend mit John Lewis-Stempel "Das geheime Leben der Eulen". Die FAZ empfiehlt angeregt Melanie Kurz' und Thilo Schwers "Geschichte des Designs".
Dienstag, 10.01.2023
Efeu - Die Kulturrundschau
10.01.2023 Die taz lernt von Ali Asgaris Film "Ta Farda", dass die Proteste im Iran auch ein Kampf von Arm gegen Reich sind. Die Welt glaubt nicht mehr an die Golden Globes, die morgen vergeben werden. Das ND hört mit angehaltenem Atem zu, wenn das Jazzquartett SDLW auf die Reise geht. Dem Tagesspiegel läuft es bei Robert Wilsons "Dorian" Inszenierung mit Christian Friedel in Dresden kalt den Rücken runter. Monopol reist mit dem österreichischen Fotografen Gregor Sailer in die Arktis.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.01.2023 Offen rassistische Propaganda im Goebbels-Stil. 'Russkij mir' als Großdeutschland. Die Krim als Sudetenland: Michail Schischkin zieht in FAZ und Welt düstere Parallelen. Die Zeitungen betrachten mit Sorge die ungefestigte brasilianische Demokratie. Die SPK hat 99 Probleme, der Name ist nur eines davon, meint Klaus-Dieter Lehmann in der FAZ. Güner Balci erklärt in der Emma, welche Sozialarbeit in Neukölln gefördert wird und welche nicht.
Magazinrundschau
10.01.2023 Auch nach Lektüre des Kongress-Berichts zum Sturm aufs Kapitol versteht der New Yorker die Amerikaner nicht mehr. A2 und Novinki denken über den Zerfall der Tschechoslowakei vor 30 Jahren nach. Atlantic versucht sich als Konnektom in eine transhumanistische Welt zu denken. Ist Georgien noch eine Demokratie, fragt Osteuropa. Die LRB lernt, welche Rolle die Bingtuan bei der Unterdrückung der Uiguren spielen. In Words without Borders erzählt Jaroslav Kalfař wie er als Teenager in Florida Englisch lernte. Esquire sieht die Zukunft des Journalismus.
Bücherschau des Tages
10.01.2023 FR, NZZ und SZ lesen beglückt, wie Arno Geiger das Fischen im Fremden in Literatur verwandelt. Die FAZ dringt tief vor in den radikal autobiografischen Kosmos des Schweizer Schriftstellers Christoph Geiser. Die taz durchlebt mit Luise F. Pusch eine lesbische Jugend in Ostwestfalen. Der Dlf seufzt über die unglücklichen Lieben des großen Cesare Pavese. Augenöffnend findet er zudem Musa Delis Beobachtungen zur Integrationsdebatte. Die SZ stürzt sich noch einmal mit Bret Easton Ellis in das Los Angeles der achtziger Jahre, auch wenn ein Serienmörder Angst unter den Slackern am Pool verbreitet.
Mittwoch, 11.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
11.01.2023 Karl Schlögel wirft im Tagesspiegel Reinhard Merkel Täter-Opfer-Umkehr vor, wenn dieser die Ukraine zu Konzessionen verpflichten will. Der Guardian porträtiert drei schwarze Tory-Mitglieder, die darauf verweisen, dass die Tories in ihren oberen Rängen um einiges diverser sind als Labor. In der Welt beklagt die Philosophin Tove Soiland, wie unglaublich rigide der queere Diskurs Sexualität heute verregelt. In der FAZ warnt der Jurist Peter Oestmann vor einer Personalisierung des Rechts im Gefolge der Diversitätsdebatten. Die Berliner Zeitung prophezeit einen neuen Historikerstreit - diesmal um afrikanische Geschichte.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.01.2023 Monopol erinnert an die Vision Oscar Niemeyers, der Brasilias Regierungsbauten Offenheit und Freiheit einbaute. Beklommen nehmen FAZ und SZ zu Ali Abbasis Film "Holy Spider" auf: Er erzählt von einem Serienmörder, der im Namen Allahs 16 Frauen ermordete. Die FAZ berichtet, dass Hito Steyerl lieber den Hugo-Ball-Preis lieber nicht feierlich verliehen bekommen möchte, sondern diskutieren. SZ und NZZ trauern um den Dichter Charles Simic, der selbst durch Ruinen und Brandmauern mit sanfter Ironie flanierte.
Bücherschau des Tages
11.01.2023 Die FAZ lauscht der Musikalität in den Gedichten des vorgestern verstorbenen Charles Simic. Außerdem empfiehlt sie wärmstens Kurt Steinmanns Übersetzung der "Medea" des Theaterrebellen Euripides. Die SZ wird high im Lyrikschlachthof Peter Rühmkorfs. Der taz stehen die Haare zu Berge vor den Fotos von John Willheim aus dem Bürgerkrieg in Laos. Dlf Kultur empfiehlt Jörn van Halls Erzählung "Du stirbst im Fliegen".
Donnerstag, 12.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
12.01.2023 Die Silvesterkrawalle lassen die Zeitungen einfach nicht los. Tja, irgendwie waren es schon Jugendliche mit Migrationshintergrund, sagt der Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel in der FAZ. Aber in Sachsen haben auch Nazis randaliert, notiert die taz. Die Polizei hat bei den Berliner Zahlen sowieso übertrieben, außerdem waren es "überwiegend Deutsche", meint die SZ. Und falls sie Migrationshintergrund hatten, hat es bestimmt nur soziale Ursachen, diagnostiziert Oliver Nachtwey in der FAZ. Außerdem trauern die Zeitungen um Christoph Stölzl .
Efeu - Die Kulturrundschau
12.01.2023 Der Standard würdigt das Dilemma des schwarzen Moderators Jerrod Carmichael als Diversity-Aushängeschild die nach wie vor sehr weißen Golden Globes zu präsentieren. Und Frauen wurden mal wieder nur als Darstellerinnen gewürdigt, ärgert sich der Tagesspiegel, der dafür mit großer Begeisterung die in Leipzig geborene mexikanische Malerin Olga Costa vorstellt. Die NZZ porträtiert die spanisch-schweizerische Choreografin La Ribot, die mit zeitgenössischem Tanz verschreckt.
Bücherschau des Tages
12.01.2023 Der schockierte Dlf spürt den ganzen Terror des somalischen Bürgerkriegs in Warsan Shires Gedichtband "Haus Feuer Körper". Dlf Kultur überprüft mit Jörg Scheller seine Privilegien. Und sucht mit Sally McGrane und einer Katze "Die Hand von Odessa". Die Zeit bewundert die Kunst von Bret Easton Ellis, auf dem hauchdünnen Grat zwischen billig und genial zu balancieren.
Freitag, 13.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
13.01.2023 In der NZZ schildert Timothy Snyder, wie Putin mit seinem Krieg die russische Bevölkerung "reinigen" will. Ebenfalls in der NZZ beschreibt Grigori Judin das aktuelle Russland als ein faschistisches Regime. Die Menschenrechte sind nicht universell, sagt der britische Historiker Tom Holland in der FR. Die FAZ erzählt, wie innig deutsche Unis mit chinesischen Instituten zusammenarbeiten, dabei geht es auch schon mal um Überwachungstechnologien.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.01.2023 Der Standard versteht nicht, warum die Theater unter Publikumsschwund leiden. Sind vielleicht polemische Kritiken daran schuld? Die Welt sekundiert: Bevor man das Theater kritisiert, muss man erst mal hingehen. Die SZ überlegt, ob deutsche Literatur sich im Ausland zu schlecht vermarktet. Die NZZ fragt, ob wirklich ausgerechnet Norman Foster den Wiederaufbau Charkiws planen sollte. Die Musikkritiker trauern um den Gitarristen Jeff Beck, die Modewelt um das Model Tatjana Patitz.
Bücherschau des Tages
13.01.2023 Yuval Noah Harari kann die Geschichte des Homo sapiens auch Kindern nahebringen, freut sich die SZ. Von Dolly Parton und James Patterson lässt sie sich gern blenden und mit Ales Steger vertreibt sie die Kälte. Dlf Kultur liest Martin Mulsows Geschichte des Ideentransfers während der Frühaufklärung wie einen Krimi, prallvoll mit Wissen. Der Dlf staunt, wie Frank Witzel anhand eines Details in einer Derrick-Folge zum Fortleben des deutschen Nationalsozialismus vordringt. Die FAZ empfiehlt Christoph Menkes so scharfsinnige wie verrückte "Theorie der Befreiung".
Samstag, 14.01.2023
Efeu - Die Kulturrundschau
14.01.2023 Die taz spürt in einer Ausstellung der knarzenden Verbindungen zwischen Musik, Bildender Kunst, Feldaufnahmen und Lautpoesie nach. Christoph Hein besucht für die FAZ einen Indigo-Färber auf Bali. Es gibt nur eine Primadonna assoluta der Oper und die heißt Maria Callas, darauf besteht die Welt. Der Standard empfiehlt eine Wiener Filmreihe, die Pasolinis Werk um ein kulturelles Umfeld ergänzt.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.01.2023 Man kann ja viel Schlimmes über den Kapitalismus sagen, aber ohne geht es irgendwie auch nicht, füchtet Wolfgang Merkel in der FR. Bei Libmod staunt Marko Martin über Oliver Nachtweys Totalitarismusbegriff. Die Berliner Zeitung antwortet auf einen FAZ-Artikel, der nicht mehr existiert. taz und FAZ machen sich Sorgen um die brasilianische Demokratie.
Bücherschau des Tages
14.01.2023 Achtziger Jahre, Drogenpartys, Serienmorde: Es geht eigentlich zu wie immer in Bret Easton Ellis' neuem Roman "The Shards". Die Kritiker sind teils begeistert, teils nicht so. In der FAZ staunt der Theologe Jörg Frey über Roberto Calassos "Buch aller Bücher", in denen der Autor, höchst gelehrt, die Leben Sauls und Davids in "ungeschönt realistisch Miniaturen" verwandelt. Die FR empfiehlt einen Band der Zeitschrift Osteuropa über die Ukraine. Die SZ verliebt sich in einen kleinen Roman von Sofi Oksanen, und der Deutschlandfunk bespricht drei Bücher über das Jahr 1923.
Montag, 16.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
16.01.2023 Unerhörte Fissuren notiert die SZ nach Lützerath bei den Grünen: Manche sind jetzt für Atomkraft. Die FAZ fragt: Muss amtlich gegendert werden? Die SZ fragt: Existiert Cancel Culture, und, wenn ja, ist sie ein Einzelfall? Die taz erinnert an die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen vor hundert Jahren - das Ruhr Museum Essen zeigt eine Ausstellung dazu.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.01.2023 Auf ZeitOnline erklärt Bret Easton Ellis, wie cool er einst die Gefühlstaubheit verwöhnter Slacker in Los Angeles fand. Einen Hauch von Nihilismus spürt die Nachtkritik in Stefan Böschs Stuttgarter Inszenierung von Schillers "Don Karlos". Die FAZ besichtigt den Novartis-Campus von Basel, mit dem Vittorio Magnano Lampugnani die Ideale der europäischen Renaissance-Stadt wiederbelebte. Außerdem ärgert sich die FAZ, dass das Forum der Berlinale nicht Hans-Jürgen Syberbergs "Demminer Gesänge" zeigen will.
Medienticker
16.01.2023 Bevor das neue Literaturjahr so richtig losgeht: Zählt nur noch die Authentizität? - Moritz Rinkes Buch seines Lebens: "Stiller" von Max Frisch - Überall "Dark Data": Tobias Zielony im Marta Herford - Parodierevue mit Gesellschaftsprominenz - Kinderbuchpraxis Podcast: Im Buchpalast gibt's Bücherfresser - Feature über die Lust am musikalischen Krachmachen + Glückwunsch zum 80. des Komponisten Gavin Bryars.
Bücherschau des Tages
16.01.2023 Auch in der Hörbuchfassung rühmt die FAZ Gabriele Tergits Roman "Effingers" als fahrlässig unterschätztes Jahrhundertpanorama. Außerdem freut sie sich über Meike Rötzers Mut, Kleists "Penthesilea"-Drama in ein mächtiges Hörstück zu verwandeln. Die FR feiert Jean Staffords soghafte Erzählungen "Das Leben ist kein Abgrund". Der DlfKultur entdeckt auch in Sofi Oksanens frühem Roman "Baby Jane" das Talent der Autorin zur Schonungslosigkeit. Und die SZ lernt von Barbara F. Walter, warum immer mehr Staaten an den Rand des Bürgerkrieges geraten.
Dienstag, 17.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
17.01.2023 Die Festnahme des Mafiabosses Matteo Messina Denaro ist eine Befreiung für alle Sizilianer, schreibt Cinzia Sciuto bei Micromega. Die Ukraine ist nicht verpflichtet, ihren Mördern Konzessionen zu machen, antwortet der Philosoph Darrell Moellendorf in der FAZ auf Reinhard Merkel. Russland ist ein Failed State, und je eher der Westen das begreift, umso besser, meint der Politologe Janusz Bugajski in Politico. In der Menschheit überwiegt das Gemeinsame, sagt der Ethnologe Christoph Antweiler in hpd.de.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.01.2023 In der FAZ sucht Sasha Andrusyk die richtige musikalische Geste angesichts von Luftalarm und Drohnen-Geheul. Die SZ feiert Ewa Marciniaks witzig-ironische "Walküre" in Bern mit einem Wotan zum Niederknien. Der Tagesspiegel ist schon im Nan-Goldin-Fieber. Die taz erzählt eine bittere Poose um Emin Alpers Filmdrama "Kurak Dünler". Alle nehmen Abschied von der umwerfenden Gina Lollobrigida, die ZeitOnline allerdings zu sinnlich war. Aber wer war noch mal der erfolgreichste Popstar der letzten Jahre?
Magazinrundschau
17.01.2023 Der New Yorker empfiehlt wärmstens John Guillorys Essayband "Professing Criticism", eine wahre Soziologie der Literaturkritik. In Novinky fragt die Schriftstellerin Zuzana Kultánová, wie die Tschechen die 90er erlebt haben - jenseits von Disko und Havel. Elet es Irodalom und HVG trauern um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás und den Verleger Géza Morcsányi. La vie des idees betrachtet den Niedergang der israelischen Arbeiterpartei. Die New York Times begutachtet von KI-Art metabolisierte Filmstills, die den Glanz des Neuartigen verbreiten.
Medienticker
17.01.2023 Gespräch mit Simon Strauss über seine Novelle "Zu zweit": Letzter Halt in der Flut - Streit um Mohammed-Abbildungen: Darf man Bilder des Propheten in Uni-Kursen zeigen? - Derricks phantastischer Realismus: Frank Witzels Erinnerungen an die BRD & "Kunst als Indiz" - Drogen, Poolpartys und ein Serienmörder oder nostalgische Kopie des Bestsellers "Unter Null": Bret Easton Ellis "The Shards" - Zum 90. von Susan Sontag & Dalida + Moderner Impressionist: Ryuichi Sakamoto mit neuem Album "12" zum 71. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
17.01.2023 Augenöffnend findet die FAZ Philip Bloms Geschichte der menschlichen Herrschaft über die Natur. FR und SZ verschlingen Raphaela Edelbauers Roman "Die Inkommensurablen", der von drei Jugendlichen in Wien bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs erzählt. Die SZ stellt auch die ukrainische Autorin Sofia Andruchowytsch vor und lernt mit Marion Fourcades "Zählen, benennen, ordnen" die Kunst der systematischer Bewertung. Der DlfKultur bewundert die nüchternen, wahrnehmungsgenauen Notizen der Dichterin Marina Zwetajewa "Ich sehe alles auf meine Art".
Mittwoch, 18.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
18.01.2023 Die FR bringt Navid Kermanis Frankfurter Neujahrsrede - eine Hommage auf die Hingerichteten der iranischen Freiheitsbewegung. Die FAZ berichtet von der Gründung einer "Kulturfront Russlands" durch einige putinistische Kollaborateure aus der Kulturwelt wie den Schauspieler Nikolai Burljajew, den Filmemacher Andrei Kontschalowski und den Dirigenten Valery Gergiev. In der taz erklärt die Feministin Maren Smith, warum sie gegen das schottische Selbstbestimmungsgesetz ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.01.2023 Die New York Times berichtet detailliert von den Verhandlungen über eine Rückgabe des Parthenon-Frieses. Als exzessiven Rausch zelebriert Damien Chazelle mit "Babylon" die letzten Tage des Stummfilmkinos in Hollywood, der Tagesspiegel, FAZ und SZ erleben, wie Kinomagie aus Schweiß, Blut und Drogen gemacht wird. Die FR begibt sich mit Mischa Kuball ins Nolde-Labor. ZeitOnline lauscht bewegt der Melancholie auf Ryuichi Sakamotos neuem Album "12".
Medienticker
18.01.2023 Künstliche Intelligenz Artificial Intelligence: Microsoft baut ChatGPT in seine Azure-Cloud ein - Sängerin Margareth Menezes wird Brasiliens Kulturministerin - Gegner seines Landes: Porträt des chinesischen Autorn und Dissidenten Liao Yiwu - Thomas Wörtche hat einige Einzelheiten über die Seele der Fälscher von Antoine Volodi - TV-Tipp: Dokumentation über Jürgen Habermas "Philosoph und Europäer" auf arte + Aktuelle Buchcharts - Bestsellerlisten: Harry und der Rest.
Bücherschau des Tages
18.01.2023 Virtuos findet die SZ, wie Peter Stamm mit schelmischer Offenheit das Genre der Autofiktion zerpflückt. Von Andreas Ammer erfährt sie von der lebenslangen Einsamkeit der Auster. Die FAZ lauscht gebannt, wenn ihr Hendrik Otremba die Geschichte eines Amoklaufs erzählt. Die NZZ staunt über die Aktualität von Carlo Masalas wiederaufgelegten Analysen zu Staatszerfall, Migration, Terrorismus und Pandemien. Und DlfKultur lernt dank Lone Frank die Formel der Liebe kennen.
Donnerstag, 19.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
19.01.2023 Putin könnte Belarus in seinen Krieg mit einbeziehen, allerdings darf er da nicht mit der Sympathie der Bevölkerung rechnen, sagt der ehemalige belarussische Diplomat Andrei Sannikow in der NZZ. In Benin wird jetzt mit staatlicher Förderung die Voodoo-Religion wiederbelebt, berichtet die taz. Die Kirche braucht Hilfe vom Staat, um ihre Opfer zu entschädigen, sagt Gutachter Ulrich Wastl in der SZ. In der Berliner Zeitung antwortet Ahmad Mansour mit Engelsgeduld auf Behzad Karim Khani. In der Zeit erklärt Natan Sznaider, wie er nach der Mbembe-Moses-Documenta-Debatte aus der Illusion erwachte, es gebe hier für Antisemitismus keinen Raum.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.01.2023 SZ, FAZ und taz beobachten in der Doku "Das Hamlet-Syndrom" beeindruckt, wie es fünf ukrainische Schauspieler fast zerreißt, die im letzten Sommer vor dem russischen Einmarsch "Hamlet" proben. Die FAZ badet in Kopenhagen im Venezianischrot von Matisses "L'Atelier rouge". Die taz freut sich über Blumen auf dem Tarnmuster des ukrainischen Designers Jean Gritsfeld. Im Dlf Kultur spricht die ukrainische Autorin Victoria Belim über die Sowjetnostalgie in ihrer Familie.
Medienticker
19.01.2023 Microsoft-CEO Nadella konkretisiert KI-Strategie - Social-Media-Trend für Leseratten: So verändert BookTok aktuell den Buchmarkt - Warum schreiben Sie, Felicitas Hoppe? - Marcus Hernig erzählt von Ferdinand von Richthofen - Grundgesetz-Kommentar: Der Beck-Verlag trennt sich von Hans-Georg Maaßen + In memorian: Janis Joplin wäre heute achtzig geworden ...
Bücherschau des Tages
19.01.2023 Der Dlf feiert Norwegens Balzac: Die Schriftstellerin Amalie Skram und ihre Tetralogie "Die Leute vom Hellemyr". Die FAZ empfiehlt einen Klassiker der slowenischen Literatur: Drago Jancars Roman "Nordlicht", der vom Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Maribor erzählt. Schon vorbei?, fragt die hingerissene FR enttäuscht nach der Lektüre von Peter Stamms "In einer dunkelblauen Stunde". Die Welt sucht mit Christoph Menke nach einer neuen Freiheit.
Freitag, 20.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
20.01.2023 Es ist Deutschlands historische Verantwortung, Waffen an die Ukraine zu liefern, schreibt Timothy Garton Ash im Tagesspiegel. In der NZZ fragt Mario Vargas Llosa: Wann werden die Länder Lateinamerikas endlich aufhören, den Weg Kubas zu gehen? Warum offenbart sich der eine Gott nicht, zumal er allmächtig ist, fragt hpd.de. "Nichts als Leere" wird Putin hinterlassen, fürchtet Leonid Gozman in einer Nowaja-Gaseta-Beilage der taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.01.2023 In der SZ erklärt der Verfassungsrechtler Christoph Möllers: Die Kunst - auch die staatlich finanzierte - ist frei, selbst wenn sie rassistisch oder antisemitisch ist. Die Kritik daran muss sie dann aber auch aushalten. Die taz hört eine Compilation mit Gospels und lernt, dass diese Musik nicht nur vom Leiden, sondern auch vom Kämpfen handelt. Die Welt fragt, warum Amazon mit der "German Crime Story: Gefesselt" die Opfer des Frauenmörders Lutz Reinstrom erneut erniedrigen muss. Die SZ porträtiert den Mangaka Juko Matsudo, der mit einem Duell zwischen ukrainischen und russischen Fliegern plötzlich zu Ruhm gelangte.
Medienticker
20.01.2023 Aktualisiert: ChatGPT und Co: Wie KI unser Leben verändern wird - Buchkritik: "Ein junger Mann" von Annie Ernaux - Rocklegende der 1960er Jahre: David Crosby im Alter von 81 Jahren gestorben - Thore D. Hansen meint: "Die Klimakrise hat keine Ideologie" - EU droht TikTok mit europaweitem Verbot + TV+Hörtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
20.01.2023 Die FR bewundert, wie Donald Antrim dem Denken und Empfinden des Suizidalen nachspürt. Die FAZ staunt, wie Vladimir Jankelevitch Henri Bergsons Denken von innen heraus rekonstruiert. Dlf Kultur folgt Ferdinand von Richthofen mit Marcus Hernig durch dreizehn chinesische Provinzen. Dank Annie Ernaux erhält er Einblick in männliches Geheimwissen.
Samstag, 21.01.2023
Efeu - Die Kulturrundschau
21.01.2023 Die Leerräumung der Museen in Cherson durch die russischen Besatzer ist auch der Versuch, russische Imperialgeschichte wiederzubeleben, vermutet der Standard. Die FAZ blickt derweil fassungslos auf Hochglanz-Kitsch im russischen Wagner-Zentrum. Auf den Plätzen von Kirchen, Kinos und Bankfilialen in Großstädten könnten bald Handwerkerhöfe und vertikale Farmen stehen, glaubt die SZ. Die FAS hat die Nase voll von den Seilschaften im Branchenverband Deutsche Filmakademie. Und alle trauern um David Crosby, den unausstehlichen Waffennarr mit der engelhaften Stimme, wie die SZ schreibt.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.01.2023 In der SZ erklärt Moskaus Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, warum er die Juden aufruft, Russland zu verlassen. Die NZZ kann auf keinen Putsch im Kreml mehr hoffen. Die FAS erzählt, wie nach der Verhaftung von Mafiaboss Matteo Messina Denaro über Sizilien ein Kübel Eiswürfel ausgeschüttet wurde. Die FAZ beobachtet, wie eisern im Westen Frankreichs der alte Kulturkampf um religiöse Symbole geführt wird. Und in der taz opponiert die Restitution Study Group dagegen, die einstigen Profiteure des Sklavenhandels mit der Rückgabe der Benin-Bronzen zu belohnen.
Bücherschau des Tages
21.01.2023 Mit Simon Urban an ihrer Seite wächst Juli Zeh über sich hinaus, meint die SZ. FR und taz lernen Wilhelm Genazino in dessen Werktagebücher als Meister der Aphorismen kennen. Die SZ hält Ottessa Moshfegh nach der Lektüre von „Lapvona“ für die „Klassenbeste der US-amerikanischen Gegenwartskultur“, die FAS empfindet nur Ekel angesichts dieser Gewaltorgie. Die taz blickt mit Sebastian Pittelkow und Katja Riedel indes abgestoßen auf die Machenschaften der AfD. Die FAZ liest angeregt Matthias Bormuths Biografie über Martin Warnke. Und Dlf Kultur stellt mit Kolja Reichert 50 Fragen an die Kunst.
Montag, 23.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
23.01.2023 Verschiedene Texte versuchen, sich ein Bild von Russland im Krieg zu machen: "Putinismus" ist das richtige Wort, um den Zustand des Landes zu beschreiben, meint Karl Schlögel in der Welt. "Der Krieg hat all unsere früheren Gewissheiten über uns selbst niedergerissen", schreibt Maria Stepanova in der FAZ. Nick Cohen betrachtet für sein Blog abstruse russische Rekrutierungsvideos. Spiegel und Zeit online beleuchten den traurigen Zustand der deutsch-französischen Freundschaft.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.01.2023 Die taz fragt, was aus dem einstigen Dschihadisten und zu unrecht inhaftierten Guantanamo-Häftling Mohamedou Ould Slahi Houbeini einen guten Leiter für das African Book Festival machen könnte. In der SZ erklärt Marie Creutzer, warum sie nicht bereit ist, sich von Florian Teichtmeister ihren Film ruinieren zu lassen. SZ und FAZ setzt sich auf dem Berliner UltraSchall-Festival stürmischen Klangexperimenten aus. Und die FAZ tröstet sich mit dem letzten Skandal, der einer politischen Kunst noch bleibt.
Medienticker
23.01.2023 Hundert Jahre Frankfurter Schule - Die Schreibmaschine, die Stadt, der Schmerz: Wilhelm Genazinos "Traum des Beobachters" - 1953 uraufgeführt: Arthur Millers "Hexenjagd" auf einem Schlachtfeld der Moral - "Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten..." - Heile Welt in deutschen TV-Serien - Die Jahresbestseller der Second-Hand-Bücher - Joseph Beuys und die Sichtbarkeits-Maschinen - Von Glücksuchern & Erbsünden: Amalie Skrams "Die Leute vom Hellemyr" - Zum Tod der Jazz-Sängerin Susi Hyldgaard + Eine Welt ohne Jazz?
Bücherschau des Tages
23.01.2023 Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, ganz und gar hingerissen ist sie von Reto Crameris "Alula", in dem sich zwei Kinder auf Abenteuer durch Garten und Urwald begeben. Als witzig, cool und überraschend feiert die FR Michael Köhlmeiers Roman "Frankie". Der tau gefällt der anarchistische Impuls in Hendrik Otrembas Roman "Benito". der DlfKultur erkennt mit Karl-Heinz Göttert in Massenbewegungen eine Evolution des gemeinsamen Gehens. Zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag spricht die SZ Erinnerungen von Überlebenden.
Dienstag, 24.01.2023
Magazinrundschau
24.01.2023 Der Guardian sucht den Schlüssel zum Verständnis des heutigen Chinas in der Kulturrevolution. Tablet erklärt am Beispiel von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, was ein Zionologe ist. In Granta unterhalten sich Pico Iyer und Caryl Phillips über Migration und Heimat. Der New Yorker porträtiert Luis Lula da Silva. In Elet es Irodalom trauert Péter György um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.01.2023 In der SZ beleuchtet der Völkerrechtler Philippe Sands die systematischen russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine. In Belarus und selbst noch im Exil werden Journalisten von Lukaschenko, verfolgt, entführt und verhaftet, erklärt die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja in Politico. In Zeit online bekennt der junge jüdische Autor Monty Ott seine Enttäuschung über linken Antisemitismus.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.01.2023 Carlo Chatrian hat sein Programm für den Berlinale-Wettbewerb vorgestellt, darunter auch rekordverdächtige fünf deutsche Filme. Das von ihm versprochene Kino der Poesie könnte die Berlinale zu einem Liebhaber-Festival machen, hofft Intellectures. Die FR lauscht berührt Vito Žurajs in Frankfurt uraufgeführter Oper "Blühen" mit einem Libretto von Händl Klaus. Feuer weitergeben, nicht Asche anbeten, lernt die FAZ von Boris Charmatz' Tanztheater in Wuppertal. Die SZ erinnert Bauministerin Klara Geywitz an die leider nicht wegweisenden Baukastensysteme von Walter Gropius und Richard Buckminster Fuller.
Medienticker
24.01.2023 Gespräch mit Arno Geiger über seinen Roman "Das glückliche Geheimnis" - NDR-Hörtipp: "Requiem für eine Stadt" Der US-Schriftsteller Hubert Selby & New York - Jazz-Alterswerk & Generationen-Wechsel beim Art Ensemble of Chicago - Helene Fischer aus der Bronzezeit: Sängerin Mary Roos im Gespräch - In memoriam: Sieh hin, schreib's auf, Wilhelm Genazino zum Achtzigsten.
Bücherschau des Tages
24.01.2023 Nur bewundern kann die taz, wie unerschütterlich der belarussische Anwalt Maxim Znak mit seinen Erzählungen "Zekamerone" auch Mut, Humor und Esprit aus dem Gefängnis schmuggelt. Klasse findet sie auch Bastien Vives' Neuerfindung des lässigen Seefahrers Corto Maltese. Die NZZ jubelt über Marlene Streeruwitz' Antiroman "Tage im Mai", der trefffsicher vom Kampf zwischen Boomern und Doomern berichte. Als begnadeten Erzähler feiert die FAZ den koreanischen Autor Cheon Myeong-kwan und seinen Roman "Der Wal". Und die SZ steht ratlos vor der Neuübersetzung von Ernest Hemingways "Wem die Stunde schlägt", aus der Flüche und Schimpfwörter getilgt wurden.
Mittwoch, 25.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
25.01.2023 Die Lieferung von Leopard-Panzern ist ein Einschnitt - die Financial Times kann das Zögern Olaf Scholz' dabei durchaus nachvollziehen. Bei t-online.de schildert der Historiker Stéphane Courtois Putin als einen Mann des KGB. Die klassischen Anliegen des Feminismus sind auf gutem Wege, sagt Anne Wizorek in der taz. Was ihr jetzt noch fehlt, ist ein "Selbstbestimmungsgesetz", das "die Ideologie der Zweigeschlechtlichkeit" in Frage stellt. Dieser Feminismus scheint Frauen als Frauen überhaupt nicht mehr einzubeziehen, meint hingegen Holly Lawford-Smith bei Quillette.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.01.2023 Die SZ begleitet Niklas Frank nach Turin zur Abrechnung mit seinem verbrecherischen Vater Hans Frank und dem opportunistischen Richard Strauss. Der Observer geht vor der Herzogin von Alba auf die Knie. Die Feuilletons nehmen erstaunt die Oscar-Nominierungen von Edward Bergers Kriegsfilm "Im Westen nichts Neues" zur Kenntnis. Die FAZ gibt Marie Creutzers Film "Corsage" nach den Enthüllungen um Florian Teichtmeister verloren - so leid es ihr tut. Der Standard hört Speed Songs.
Medienticker
25.01.2023 Nachhaltiger Handel mit gebrauchten Büchern: Wie umweltverträglich ist ein Buch? - "Ich bin zu zart für diese Welt", notierte Manfred Krug in seinem Tagebuch von 1998/99 - Ideologische Gräben: Juli Zeh und die Debattenkultur - Israelischer: Soziologe: Natan Sznaider im Gespräch - In einer Welt voller Geister: Der bosnische Autor Dzevad Karahasan wird 70.
Bücherschau des Tages
25.01.2023 FAZ und SZ lesen tief beeindruckt Dževad Karahasans Roman "Einübung ins Schweben", der von der Belagerung Sarajevos 1992 erzählt, von den Menschen, die sie aushalten mussten, und einem walisischen Intellektuellen, der dort versagte. Der Dlf schwelgt auf 450 Seiten in den Notizen und Aphorismen Wilhelm Genazinos. Dlf Kultur lernt mit "Miss Money" schlaues Konsumieren. Die FR nervt die Besserwisserei zweier Studierter mit unterschiedlichen Lebenswürfen in dem Roman "Zwischen Welten" des Autorenduos Simon Urban und Juli Zeh. Dlf Kultur hat das ganze dagegen als Satire amüsiert.
Donnerstag, 26.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
26.01.2023 Kann es sein, dass Olaf Scholz, der wochenlang wegen seines Zögerns geschmäht wurde, sich nun mit der Leopard-Entscheidung als gewiefter Taktiker erwies? Die Medien sind jedenfalls froh, dass die Amerikaner durch ihre Zusage von Panzerlieferungen mit an Bord sind. Syrien ist vergessen: Der Schriftsteller Khaled Khalifa schildert in der NZZ das düstere Leben in Aleppo. Chat GPT tendiert nach rechts, fürchtet die taz, nach links, fürchtet die FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.01.2023 Die FR empfiehlt Lukas Dhonts Filmdrama "Close" als Meisterwerk des Coming-of-Age-Films. In der Zeit verabschieden der Philosoph Markus Gabriel und der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich ohne großes Bedauern die Autonomie der Kunst - jedenfalls wenn sie "unhöflich" oder "moralisch verwerflich" ist. Auf Zeit online ermuntert uns der Autor Jan Brandt, den Schriftsteller Paul La Farge zu entdecken, der leider gerade gestorben ist. Der Tagesspiegel sieht keinen Grund, den Dirigenten Teodor Currentzis nicht zu feiern, nur weil er sich nicht von Putin distanziert. Anna Netrebko hat in Wiesbaden weniger Glück, berichtet die NZZ.
Medienticker
26.01.2023 Rekonstruktion einer umstrittenen Biografie - Tilmann Gangloff über 50 Jahre deutsche "Sesamstraße" - Brief an Gruner + Jahr-Eigentümer: Redaktionen wehren sich gegen Zerschlagung - Reimen als Überlebensstrategie: Die Lyrikerin Ruth Klüger - Medien, Kultur, Wissenschaft: Der Linksruck war ein Rechtsruck - Das Netz ist ein zentraler Treiber für Bucherfolge - Diskussion über Antisemitismus bei Hugo Ball + Klagen gegen Twitter.
Bücherschau des Tages
26.01.2023 "Ich bin zu zart für diese Welt", ist der zweite Teil von Manfred Krugs Tagebuch betitelt, Dlf Kultur ist gerührt. Und amüsiert sich königlich mit Joshua Cohens Campusroman "Die Netanjahus". Die taz versinkt fasziniert in Andrea Giovenes Romanreihe um den jungen Adligen Giuliano di Sansevero. Die Welt taucht mit Oliver Hilmes in die "Schattenzeit" des Jahres 1943. Die FR ist starr vor Bewunderung für Maxim Znaks "Zekamerone", den er in belarusischen Gefängniszellen erschuf.
Freitag, 27.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
27.01.2023 Heute ist Auschwitz-Gedenktag. Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist reichlich selektiv, konstatieren die Osteuropahistorikerinnen Katja Makhotina und Franziska Davies im Tagesspiegel. In einem aufsehenerregenden Text für Zeit online widmet sich die Autorin und Dramaturgin Stella Leder der Verfolgung von Juden in der frühen DDR. Der Bundestag wird erstmals verfolgter Homosexueller und Lesben gedenken, berichtet die taz. In der SZ spricht Amir Reza Koohestani über die iranische Revolution, die weniger einen radikalen Buch als Permanenz suche: "Deswegen ist es jetzt von so großer Dringlichkeit, auf die Frauen zu hören."
Efeu - Die Kulturrundschau
27.01.2023 Beim Berliner Theatertreffen soll - außer Theater - viel los sein: Es geht um Green, Diversity, Solidarity, Network, Exchange, Herstory, Transfeminist. Die SZ wüsste gern, was die neue kollektive Leitung für diese Themen qualifiziert. Und die Welt versteht nicht, warum noch das Essen gehen von Theaterleuten zum Prozess für transnationale Solidarität aufgepumpt werden muss. Ist doch innovativ, freut sich der Tagesspiegel. Die FAZ erlebt eine furiose Zweieinhalbstundenirrfahrt durch postsowjetische Bewusstseinslabyrinthe mit Kirill Serebrennikows Film "Petrow hat Fieber". Das Zeit-Magazin schwärmt von den Vorzügen des Kaktusleders. Die SZ hört roten Voodoo von Bob Dylan.
Medienticker
27.01.2023 Aktualiaiert: Cyberkriminalität: Internationales Hacker-Netzwerk zerschlagen - Hass & Hetze im Netz: Machtlos gegenüber Telegram - Debatte um Maaßen: Aufstand beim C.-H.-Beck-Verlag - Unzufriedenheit bei der Welt": Vorwürfe gegen Springer-Chef Döpfner - Österreichischer Buchmarkt 2022: Absatzrückgang und Umsatzplus - Auschwitz lebt in uns: Gedichte sind das Gegenüber - Fremd sind wir uns selbst: Versuch über die Ethik der Appropriation. Von Jens Balzer - Leipziger Ausstellung zum zensierten Musikleben in der NS-Zeit + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
27.01.2023 In der FAZ wünscht sich Christoph Möllers, so erschöpft wie angeregt, eine resümierende Kurzfassung von Gertrude Lübbe-Wolffs Globalgeschichte über die Arbeitsweise von Verfassungsgerichten. Die SZ verbringt mit einer Bande Teenagern den "Winter auf Solupp". Die FR empfiehlt wärmstens Filip Ganczaks Biografie über Jan Sehn, den polnischen Fritz Bauer. Dlf Kultur versteht mit Adom Getachews "Die Welt nach den Imperien", warum eine neue Weltwirtschaftsordnung für die frühen Theoretiker der Dekolonisierung so wichtig war. Die FAZ hätte sich von Getachew wiederum eine ehrlichere Analyse des Scheiterns postkolonialer Entwürfe gewünscht.
Samstag, 28.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
28.01.2023 Putins Krieg wird wohl "von der Mehrzahl der Russen unterstützt", schreibt der russische Ökonom Wladislaw L. Inosemzew in einem düsteren Artikel für die NZZ. Im Spiegel hält die amerikanische Russlandexpertin Angela Stent Friedensverhandlungen mit Putin im Moment für sinnlos. Italien war das Labor für die heutige Konjunktur der "Strongmen", gewählter Autokraten, sagt die Historikerin Ruth Ben-Ghiat im Tagesspiegel. Erst explodierten beim RBB die Kosten für die Entlohnung seiner Spitzenfunktionäre, jetzt explodieren die Kosten für die Aufarbeitung des Skandals, berichtet die SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.01.2023 Die FAZ verneigt sich vor der Kunst des Fotografen Erwin Blumenfeld. Die taz weint beim Hören von Robert Forsters neuem Album "The Candle and the Flame". Filmfilter untersucht am Beispiel der Amazon-Serie "German Crime Story: Gefesselt", was das True-Crime-Genre im Guten wie im Schlechten zu leisten vermag. Die Kulturwissenschaftlerin Anne-Sophie Balzer erzählt in einem literarischen taz-Essay von ihrer Reise zu den norwegischen Gletschern.
Bücherschau des Tages
28.01.2023 Der Dlf empfiehlt Marc Sinans musisch-poetischen Roman "Gleißendes Licht" über den Völkermord an den Armeniern. SZ und Dlf Kultur lassen sich gern von Annette Pehnts "Schmutziger Frau" den Boden der Realität unter den Füßen wegziehen. Die NZZ liest verstört Hans-Hermann Klares urgewaltige Biografie über den Juristen und Holocaustüberlebenden Philipp Auerbach. Die FAZ lernt in einem Text-und-Kritik-Band den "Literarischer Journalismus" schätzen.
Montag, 30.01.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
30.01.2023 Die Sowjetunion hat Russland nie verlassen, schreibt die Autorin Irina Rastorgujewa in der FAZ: Terror, Spitzelei, Denunziation, der ganze Repressionsapparat ist noch da. Putin ist nicht Hitler, Parallelen gibt es dennoch, sagt Heinrich August Winkler im Tagesspiegel. Die westlichen Eliten mögen diverser geworden sein, aber sind die Gesellschaften deshalb gleicher, fragt Kenan Malik im Observer. In der FAS wendet sich Ralf Fücks gegen das "zukunftsängstliche Schrumpfgermanien" der Klimaaktivisten. Die FAS recherchiert auch über den Terror iranischer Geheimdienste gegen deutsche Staatsbürger.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.01.2023 Die taz fragt in der Debatte um Florian Teichtmeister, was in der Kunst über Glaubwürdigkeit entscheidet: Die Hierarchie oder das Marketing? Die FAZ berichtet vom Comicfestival in Angoulême, bei dem der Skandal um den Comic-Autor Bastien Vivès tobt, dem die Verharmlosung von Kinderpornografie vorgeworfen wird. Der Tagesspiegel freut sich, dass mit Max Gleschinskis "Alaska" der eigenwilligste Film den Max-Ophüls-Preis gewinnt. Als fahrendes Kunstwerk bewundert die NZZ den Bugatti 57 Atalante. Und alle trauern um Tom Verlaine, den Gitarristen und Sänger von Television.
Medienticker
30.01.2023 Hörfunk- Buchkritik: "Der Traum des Beobachters" von Wilhelm Genazino - TV-Interviews mit Hernan Diaz & Ana Marwan - Gegenentwurf zu Google-Diensten: Apple führt einen "stillen Krieg" - Das Maaß ist voll & die "Werteunion" der gekränkten Persönlichkeiten - Ballermann-Hits auf Klassik getrimmt - Gormley / Lehmbruck: Reine Bildgebung in Duisburg + Musik & KI: ChatGPT schreibt Songtexte.
Bücherschau des Tages
30.01.2023 Als Sensationsfund preist der Dlf Marcel Prousts "Fünfundsiebzig Blätter" mit Skizzen und Überlegungen zur "Recherche" und legt sie allen Proust-Ultras wärmstens ans Herz. Hingerissen ist er auch von Brian Lies' Kinderbuch "So groß wie der Himmel", das die liebenswerte Geschichte von Eddie, dem Fuchs erzählt. Die NZZ freut sich, wenn Lena Andersson in ihrem Roman "Der gewöhnlichste Mensch" das schwedische Volksheim wie ein Kartenhaus einstürzen lässt. Die FAZ lernt von Bruno Schönfelders "Fluch des Imperiums", warum Russland gar nicht funktionieren kann.
Dienstag, 31.01.2023
Magazinrundschau
31.01.2023 Ohne den Glauben an die Möglichkeit von Veränderungen gibt es keine Opposition, lernt das New York Magazine von dem chinesischen Dissidenten Wang Juntao. Die London Review ist überzeugt, dass repräsentative Demokratie in Mali nicht funktionieren kann. Respekt freut sich über den Wahlsieg des neuen tschechischen Präsidenten Petr Pavel. In Elet es Irodalom erklärt die Schriftstellerin Krisztina Tóth, warum die Jungen besser Lyrik und die Alten besser Epen schreiben. Frankreich bleibt leider eine Metropole des Antisemitismus in Europa, erkennt La regle du jeu. Der Guardian betrachtet die Unordnung im Botanischen Garten von Ventnor.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.01.2023 Den Briten geht's gerade nicht gut, aber sie sind nicht wütend: Sie hatten ja ihren Willen, konstatiert die FAZ. Die SZ betrachtet mit Sorge das unheimliche Wachstum der putinistischen FPÖ. Der brasilianische Präsident Lula da Silva rät den Ukrainern in einer Pressekonfernz mit Olaf Scholz, den Frieden zu wollen, berichtet der Tagesspiegel. In der NZZ erklärt der Sprachwissenschafter Roland Kaehlbrandt, warum er nicht gern gendert.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.01.2023 Die NZZ lässt sich von Peter Knapps Fotografien an die Zeit erinnern, als junge Mode noch den Alltag und Zukunft gestalten wollte. Die Nachtkritik feiert die Lebendigkeit des polnischen Theaters, das sich allen Tabus und politischen Widerständen widersetzt. Die taz bewundert, wie die ukrainische Bildhauerin Zhanna Kadyrova die Schrecken des Krieges bändigt. Die FAZ erkennt das klare Süd-Nord-Gefälle in guter Architektur. Die SZ huldigt der Saxofon-Königin Lakecia Benjamin. Eher gähnen muss die FR über einen im Netz aufgetauchten Porno mit Michel Houellebecq.
Medienticker
31.01.2023 ChatGPT im Fokus: KI in der Buchbranche: Chance oder Gefahr? - Nora Gomringer über den schweren Stand der Lyrik - Weiter Streit um Netrebko: Emotionaler Appell ukrainischer Künstler - Meinungsfreiheit: Iran will Gesetze verschärfen - Norman Mailer vor 100 Jahren geboren: Virtuoser Kraftprotz der US-Literatur - Musik & KI: Mensch-Maschine-Interaktionen erläutert der Komponist & Schlagzeuger Martin Hennecke + Kent Nagano über den Ernst-von-Siemens-Preisträger George Benjamin.
Bücherschau des Tages
31.01.2023 In der FAZ feiert Jochen Schimmang die unteutonische Eleganz, mit der Gabriele Weingartner ihren Helden Leon Saint Clair in einem Luxushotel in Chur auf Wolfgang Hildesheimer treffen lässt. Für ein Meisterwerk hält die taz auch Joshua Cohens Campusroman "Die Netanjahus", der mit viel Witz von der jüdischen Diaspora in den USA erzählt. Die NZZ staunt, wie spielend Randall Kenan in "Einfall der Geister" Leichtigkeit und Düsternis verbindet. Fasziniert und verstört liest der Dlf Anna Kavans Geschichten aus der Psychiatrie. Und die FR kann nicht genug bekommen von Ian Rankins alterndem Ermittler John Rebus.