Mittwoch, 01.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
01.07.2020 "Hongkong ist wieder Kolonie", titelt die taz, diesmal allerdings nicht der Briten. Netzpolitik liest das Pekinger Sicherheitsgesetz, das der Demokratiebewegung ein Ende bereiten will. Claus Leggewie sinniert in der FR am Beispiel des Politikers Woodrow Wilson über die "schmerzhafte Dissonanz" zwischen Universalismus und Rassismus, die er beide verkörperte. In der NZZ kritisiert Wolfgang Kraushaar Otto Schily und Hans-Christian Ströbele für ihr Schweigen über den einstigen Genossen Horst Mahler.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.07.2020 FAZ und Tagesspiegel hoffen, dass der Bund den Hamburger Bahnhof kauft, bevor aus ihm eine Shoppingmall wird. ZeitOnline erkennt in Jean Paul Gaultier den Vordenker heutiger Sensibilitäten. Die FR feiert die Gründung des Suhrkamp Verlags vor siebzig Jahren, dem die Bundesrepublik die kritisch-undogmatische Gesellschaftstheorie verdankt. Und die taz lernt mit Rosaceaes neuem Album "Efia" einiges über Exportschlager.
Medienticker
01.07.2020 Der Geist & das Geistige: 70 Jahre "Suhrkamp Kultur" + Die Sonnenseite vor Augen: Auch der Berliner Aufbau Verlag wird 70 - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten - Der jüdisch-rumänische Dichter M. Blecher: "Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit" - Armin Nassehi über sein "ultimative" Protest-Buch "Das große Nein" + Radio+TV-Tipps des Tages.
Bücherschau des Tages
01.07.2020 Dlf Kultur lauscht dem Kanarienvogel 189. Die FR und Carolina Celas suchen mit einem kleinen Mädchen den Horizont. Die SZ amüsiert sich mit Ann Quins Roman "Berg" über einen geplanten Vatermord. Die FAZ begibt sich mit Rene Crevels Helden auf erotische Umwege.
Donnerstag, 02.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.07.2020 Ihr Körper, schreibt in der SZ die Lyrikerin Caroline Randall Williams, deren schwarze Vorfahren von ihren weißen Vorfahren vergewaltigt wurden, sei das eigentliche Denkmal. Sind Weiße per se privilegiert? Im Rolling Stone und der Zeit gibt es vehementen Widerspruch. In der NZZ fragt der Historiker Eckhard Jesse, warum niemand fordert, die 613 Ernst-Thälmann-Straßen und Plätze in Deutschland umzubenennen. Zeitungen werden künftig von Google und von der Regierung mit finanziert, berichten Meedia und die taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.07.2020 Angesichts der Forderung einer Studentin, Georg Herolds Bild "Der Ziegelneger" von 1981 im Städel abzuhängen, stellt die Welt fest: Korrektes Menschsein geht durchaus zusammen mit interpretatorischem Schwachsinn. Die Zeit wagt sich in das Sommerhaus der beinahe unmöglichen Schriftstellerin Monika Maron. Die FR feiert die Grafikdesignerin Anette Lenz. Der Tagesspiegel bewundert die transzendente Qualität von Christian Petzolds "Undine", Kinostoff reinsten Wassers, sekundiert die Zeit. Das Van Magazin weiß nicht so recht wo hingucken, beim kleinen Privatkonzert der Mezzosopranistin Hagar Sharvit.
Medienticker
02.07.2020 Türkei: Situation der SchriftstellerInnen+Juristen in der Erdogan-Autokratie & Asli Erdogan erneut angeklagt: Kommentar von Pieke Biermann zur umstrittenen taz-Kolumne - Theaterformen in Braunschweig: Theaterfestival ohne Theater - Filme der Woche: Christian Petzolds "Undine" & Claude Lelouches Fortsetzungsfilm "Die schönsten Jahre eines Lebens" + Das Buch sei die schönste Verbindung zur Welt, meint Jochen Jung.
Bücherschau des Tages
02.07.2020 Die Zeit empfiehlt Omri Boehms "Israel - eine Utopie" als das wohl bedeutendste Buch zum Nahostkonflikt seit langem. Die FAZ lernt von Chaim Noll die Wüste als Ursprungsort von Literatur kennen. Die taz macht grenzüberschreitende Beobachtungen im Bade mit Nina Bunjevacs Comic "Bezimena". Dlf Kultur lässt sich vom Neurowissenschaftler Michael Tomasello erklären, wie wir "Mensch werden".
Freitag, 03.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
03.07.2020 In der FAZ erklärt der Osteuropahistoriker Joachim von Puttkamer, wie Wladimir Putin sich die Geschichte schönlügt. Der Holocaust ist nichts Abstraktes, "wenn Juden an die Schoa denken, denken sie konkret", schreibt Mike Wuliger in der Jüdischen Allgemeinen. In Horizont erklärt die Medienjournalistin Ulrike Simon, warum sie die neuen Pressesubventionen der Regierung problematisch findet. In Zeit online erklärt die Kunsthistorikerin Jadwiga Kamola, wie "rassismusfreie Museen" künftig aussehen sollen.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.07.2020 Die SZ besucht die kugelrunde Niemeyer-Sphere in Leipzig. Die Berliner Zeitung erlebt die kosmische Dimension der schwarzen Erfahrung in einem Video für Kanye West. Die FAZ feiert mit dem Jazzmusiker Shabaka Hutchings die Schönheit der Widerstandskraft der Griots. Die NZZ sucht einen Mann mit Krawatte. Artechock wünscht sich mehr Komplexitätstoleranz beim Streaming von Kinofilmen, sonst drohe eine Replikation der Provinz im Internet. Die FAZ erinnert an einen denkwürdigen "Fidelio" im Gulag von Perm.
Medienticker
03.07.2020 Aktualisiert: Werbeboykott in Kraft: So verteidigt sich Facebook & will die Wahlbeteiligung in den USA steigern - Verlage lassen Ladenpreise weitgehend konstant - Buchhandlung setzt aufs Fahrrad - Kristina Spohr erhält den Preis "Das politikwissenschaftliche Buch" - US-Gericht blockiert Buch über Trump-Familie - Thomas Wolfes Deutschlandreise - Gedenken im öffentlichen Raum - Queerness ist omnipräsent, nur nicht in der Literatur + TV+Radio+Jazz-Wochenend-Tipps.
Bücherschau des Tages
03.07.2020 Dlf Kultur lernt mit Hideo Yokoyamas Krimi "50", wie ein assistierter Freitod in Japan die Institutionen in Frage stellt. Die FAZ liest zwei Bücher von und über den Juristen und Jahrhundertzeugen Benjamin Ferencz, der in den Nürnberger Prozessen und danach den Begriff des "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" mitprägte. Der Dlf meditiert mit Novellen von Hartmut Lang über das Rätselhafte. Die SZ bespricht Kinderbücher.
Samstag, 04.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
04.07.2020 Die NZZ überprüft anlässlich einer Kunstausstellung über die 1920er unseren Kälte-Habitus. Monopol würde Georg Herolds "Ziegelneger" gern im Städel hängen lassen, aber andere Künstler zum Thema Rassismus dazu stellen. In der taz erklärt Marjane Satrapi, die gerade einen Film über Marie Curie gedreht hat, warum erfolgreiche Frauen nicht nett sind. Krise ist produktiv, ruft Artechock aufmunternd allen Filmkünstlern zu. Die Welt will endlich wieder singen.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.07.2020 Wann beginnt das Anthropozän, fragt Josef H. Reichholf in der NZZ, mit der Atombombe in Hiroshima oder vielleicht doch eher vor 40.000 Jahren? Überall wird über Denkmäler diskutiert: Statt ständig welche einzureißen, wäre es besser, neue zu bauen, meint Doris Akrap in der taz. Auch Donald Trump griff in seiner gestrigen Rede zum amerikanischen Nationalfeiertag in die Denkmaldebatte ein - und eröffnete laut New York Times einen Kulturkrieg. Der heutige Antirassismus ist extrem selektiv und benennt Missstände ausschließlich, wenn die Schuldigen weiß sind, kritisiert Ahmad Mansour in der taz. Die FAZ macht sich Sorgen um die Frankfurter Buchmesse.
Bücherschau des Tages
04.07.2020 Dlf Kultur pflegt „Bad Behavior" mit Mary Gaitskill. Die SZ kostet mit Monique Truong von den "Süßesten Früchten". Die taz versenkt sich in die spekulative Poetik von Feminismus, Algorithmik, Politik und Kapital des Philosophen Armen Avanessian und der Literaturwissenschaftlerin Anke Hennig. Die Welt liest Maryse Condes Autobiografie "Das ungeschminkte Leben". Die FAZ lernt von Thomas Steensen, wer die Friesen sind.
Montag, 06.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
06.07.2020 Die SZ bricht in kosmischer Verbundenheit mit dem Klangkünstler Alva Noto zu einer Odysee durchs Weltall auf. Weiße Kritiker verstehen die Zwischentöne in der Literatur von schwarzen und migrantischen Autoren einfach nicht, glaubt Maryam Aras in 54books.Die weiße taz empfiehlt trotzdem nigerianische Popmusik. Die NZZ begibt sich mit dem georgischen Maler Andro Wekua in ihren Raum der Wünsche. Aktualisiert. Vorerst nur die Meldung: Ennio Morricone ist gestorben.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.07.2020 Warum schweigen muslimische Staaten, die einst Salman Rushdie jagten und gegen dänische Karikaturisten hetzten, über die grausame Behandlung der Uiguren in China, fragt Nick Cohen im Observer. China meint es ernst mit "Ein Land, zwei Systeme", meint Mark Siemons in der FAS mit Blick auf Hongkong, sehr ernst. Die liberale Mitte braucht intellektuelle Bastionen, schreibt Yascha Mounk in seiner neu gegründeten Community Persuasion. Und in der FR meditiert Arno Widmann über Evolution und Schönheit.
Medienticker
06.07.2020 Minister Scheuer torpediert kritische Medienanfragen - Salzburg: Mozart, Mysterien, Machtspiele - Madsack will Regionalzeitung übernehmen - Diversität in der Literaturszene - Die besten Bücher für den Sommer 2020 & Krimibestenliste Juli - Slavoj Žižek: Covid, Kapitalismus, Klimawandel, derselbe Kampf - Polens Präsident Duda erhebt Vorwürfe gegen Axel Springer + Ennio Morricone ist tot.
Bücherschau des Tages
06.07.2020 Jan Koneffke zeichnet im Deutschlandfunk ein eindringliches Porträt des österreichischen Autors Ernst Lothar, dessen Erinnerungen er mit Stefan Zweigs "Welt von gestern" vergleicht. Für die SZ liest Gustav Seibt die Erinnerungen des großen Germanisten Albrecht Schöne. Die FAZ bespricht dystopische Thriller. Dlf Kultur freut sich, dass Anna Bikonts Recherche zu Jedwabne nach sechzehn Jahren ins Deutsche übersetzt wurde.
Dienstag, 07.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
07.07.2020 Die Filmkritiker beschwören den Garten voller Schönheit, den uns der große Komponist Ennio Morricone hinterlassen hat. Wunderbar schmelzenden Italo-Pop konnte er übrigens auch, zeigt uns The Quietus. Der Tagesspiegel lernt, dass Diversity in der Oscar-Academy mit Tücken verbunden ist. Wie's weitergeht mit der Staatlichen Ballettschule in Berlin untersucht die taz, die außerdem eintaucht ins Hippie-New-Age mit einer Hamburger Gruppenausstellung zu den Thesen der Philosophin Donna Haraway.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.07.2020 Die BVG will die Berliner U-Bahnstation Mohrenstraße In Glinkastraße umbenennen: Das Problem ist nur, dass der russische Nationalkomponist Glinka Antisemit war, wendet die Jüdische Allegemeine ein. Im Rassismus erweist sich die Zweischneidigkeit der Aufklärung, schreibt Arno Widmann in der Berliner Zeitung. Aber abservieren lasse sie sich dennoch nicht. Nein, der Mund- und Nasenschutz ist kein Niqab, insistiert emma.de. In der FAZ erklärt Thomas Thiel, warum er mit dem Begriff "Personen, die menstruieren" nicht einverstanden ist.
Magazinrundschau
07.07.2020 Nicht Rassismus ist das Hauptproblem der USA, sondern das Kastenwesen, das darunter liegt, meint die New York Times. A2 überlegt, warum Frauen in Tschechien keine Feministinnen sein wollen. Der Independent erklärt, wie höhere Moral uns zu Rassisten machte. Das New York Magazine und der Journalist Matt Taibbi kritisieren die Feigheit von Journalisten, die vor Twitter-Mobs kneifen. En attendant Nadeau empfiehlt die Reportagen von Joseph Kessel. Der Guardian weiß, es gibt schlimmeres als Facebook: WhatsApp.
Medienticker
07.07.2020 Aktualisiert: Marlene Streeruwitz zum Siebzigsten - Georg-Büchner-Preis für Elke Erb: Wie zeitgemäß ist der Büchnerpreis? - Selfpublisherin erreicht Spiegel-Bestsellerliste - Queerness in der Literatur: Gegen Diskriminierung, für Diversität & Wie steht es um die Diversität im deutschen Buchmark - Wortewandel: Sprache ohne Rassismus - Glückwunsch: Ringo Starr wird 80 + Die wahren Muntermacher der Buch-Branche - Kleine Verlage & ein Pop-up-Store + Ostdeutsche Kunst.
Bücherschau des Tages
07.07.2020 Die FAZ lernt mit dem Historiker Michael Frey die "Achtundfünfziger" und ein wichtiges Stück Politikgeschichte kennen. Außerdem lässt sie sich von Lamya Kaddor erläutern, was einen zeitgemäßen Islam ausmacht. Die SZ hat unendlichen Spaß mit den puritanischen Briten in Simon Ravens "Fielding Gray". Der Dlf erfährt von Masha Gessen, wer Trump an die Spitze verhalf. Mit Jochen Schimmang setzt er das alte Ostende zu einem funkelnden Ganzen zusammen. Und die taz liest einen ganzen Stapel französischer Comic-Western.
Mittwoch, 08.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
08.07.2020 Eine Bombe schlägt in Berlin ein: Der Wissenschaftsrat schlägt die Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor, der Laden sei "dysfunktional", meldete als erste Zeit online. Monika Grütters dürfte mit dem Bericht einverstanden sein, vemutet die SZ. Der Tagesspiegel findet kaum genug Platz, um die Misere auszumalen. Amerikanische und britische Intellektuelle wenden sich in einem offenen Brief gegen den Tugendterror in der Debatte. Die NZZ erklärt, warum "Black Lives Matter" in der arabischen Welt nicht populär ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.07.2020 Elke Erb ist neue Büchner-Preisträgerin. Wurde aber auch Zeit, freuen sich die Kritiker. Jetzt soll sogar Lin-Manuel Mirandas Musical "Hamilton" gecancelt werden, berichten The Nation und die Daily Mail: Weil Hamilton die Sklavenhalterfamilie seiner Frau unterstützte und Miranda das verschweigt. Den deutschen Museen geht's auch in der Krise ganz gut, meldet die SZ. Nur für die armen freien Mitarbeiter bräuchte man etwas mehr Geld. Die taz wünschte sich, Pedro Almodovar hätte Netflix-Parodie "Eurovision Song Contest" verfilmt. In der FAZ sucht Dirigent René Jacobs die wahre Männlichkeit Beethovens.
Medienticker
08.07.2020 Warum eine "Vernunftagentur" nicht gegen Fake News hilft - Open Access für Zeitschriftenverlage - Twitter für Verlage: Dynamik der Buchcommunity - Lokalrundfunktage zur Situation der lokalen Radio- & TV-Stationen - Vierzig Jahre Litprom - Vielfältigkeit der Literaturpreise - Literaturpreise 2020 gehen an Schriftsteller aus der ehem. DDR - Hohe Nachfrage nach dicken Büchern + TV+Radio-Tipps des Tages.
Bücherschau des Tages
08.07.2020 Dlf Kultur liest voll Mitgefühlt in Marie-Helene Lafons Roman "Die Annonce" von dem Versuch eines auvergnatischen Bauern und einer ungelernten Arbeiterin aus Nordfrankreich, so etwas wie Glück zu finden. Die SZ blickt mit Richard Russos Roman "Jenseits der Erwartungen" ins Amerika vor Trump. Die FR empfiehlt mit Mercedes Rosendes "Falsche Ursula" einen Frauenkrimi. Die FAZ entdeckt den Verleger Victor Otto Stomps als Schriftsteller.
Donnerstag, 09.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.07.2020 Großes Thema Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Über die Krise sind sich alle einig. Aber gibt es einen Ausweg? Würden vier Stiftungspräsidentinnen mit vier Pressesprecherinnen besser funktionieren, fragt die FAZ. Und natürlich Antirassismus in allen Schattierungen: Slavoj Zizek wirft den Demonstranten in der NZZ vor, auf perverse Weise unsere Schuld zu genießen. Elisabeth von Thadden gibt in der Zeit Ratschläge, wie wir uns als "verstrickte Subjekte" unseres "white Privilege" bewusst werden können. In der taz erinnert Erich Rathfelder an das Massaker von Srebrenica, das die letztlich erfolgreiche ethnische Reinigung besiegelte.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.07.2020 Die NZZ bewundert die von vielerlei kulturellen Einflüssen geprägten Schatten des indonesischen Wayang. Die Welt freut sich an Skulpturen Priska von Martins, die ihr wie ein unwahrscheinlicher Irrläufer der modernen Kunst begegnen. In der FR durchforstet der Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer die Klassiker von Homer bis Kleist nach Rassismus und wird fündig. In der New York Times verabschiedet sich John Zorn von Ennio Morricone, im Van Magazine Helmut Lachenmann.
Medienticker
09.07.2020 Wenn die Politik die Medien umgeht -Streit um Trump-Enthüllungsbuch geht weiter - Knatsch im Theater & im Literaturarchiv Marbach - Autokino-Boom dank Corona & Buchmarkt in Corona-Zeiten - Modernes Antiquariat: Blank & Hugendubel arbeiten zusammen - Deutscher Buchpreis bekannter als Büchnerpreis - Shakespeare Umkreisungen.
Bücherschau des Tages
09.07.2020 Dlf Kultur geht mit dem hinreißenden Zombie-Mädchen Mortina auf die Suche nach Tante Dipartita. Die Zeit versenkt sich bewundernd in Rüdiger Zills Blumenberg-Biografie "Der absolute Leser". Die FAZ lauscht mit Edgar Lee Masters den "Toten von Spoon River". Die SZ flaniert mit Annett Gröschner durch Berlin. Die NZZ hinterfragt mit Paul B. Preciado unser dichotomes Geschlechtersystem.
Freitag, 10.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
10.07.2020 Sorry, wir sind zu spät! Wir hatten ein technisches Problem. Der Standard stellt den südafrikanischen Künstler Robin Rhode vor. Die SZ plaudert mit Matthias Lilienthal über ein wegen Corona abgesagtes Mammutprojekt der Kammerspiele, das Bolanos Roman "2666" mit den Olympischen Spielen von 1972 zusammenbinden wollte. Zeit online singt ein hochverdientes Lob der "alten Damen" Elke Erb und Helga Schubert. Die FAZ sieht das ganze Drama des Weltkriegs-Filmdramas "Greyhound" in dem Gesicht von Tom Hanks.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.07.2020 Am Sonntag sind die Stichwahlen bei der polnischen Präsidentschaftswahl: Das ist eine Wahl zwischen Demokratie und Diktatur, warnen Politologen und appellieren an die EU. Der vielgefeierte Philosoph und Utopist einer Einstaatenlösung für Israel Omri Boehm ist sich mit Blick auf die jetzige Situation in Israel sicher: "Ein rassistischer Staat mit zwei Rechtssystemen - das ist Apartheid", sagt er im Standard. Die Zeitungen diskutieren weiterhin über die missliche Lage und das Kompetenzchaos im Blick auf die Preußen-Stiftung. Und was wird nun aus der Mohrenstraße?
Medienticker
10.07.2020 Aktualisiert: Schweigen oder Schreiben & Ist deutsch vor allem westdeutsch? - Die SZ legt Ressorts zusammen - FAZ + SZ wollen gemeinsam vermarkten - Chefredakteure von Bild + Welt zusätzlich Sprecher der Springer-Geschäftsführung - Madsack beteiligt sich an Regionalzeitung - YouTube-Daten: AGF & Google beenden Zusammenarbeit - Fünfte digitale Zukunftswerkstatt: Reicht die Kraft der Literatur? - Klaus Wagenbach zum Neunzigsten - Carl Orff: Magier der künstlerischen Moderne - TV+Radio-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
10.07.2020 Die FAZ singt vier Hymnen auf Neuausgaben von und über Hans Blumenberg: Vor allem empfiehlt sie Rüdiger Zills Biografie "Der absolute Leser". Die SZ begibt sich mit Sayaka Murata ins Seidenraupenzimmer und in Fundamentalopposition zur japanischen Gesellschaft. Die NZZ staunt, wie Ulla Lenze Zeichen der Vergangenheit in die Gegenwart morst. Der Dlf freut sich über hundert unveröffentlichte Texte von Emmy Hennings. Und Dlf-Kultur blättert begeistert durch Street-Art von Banksy.
Samstag, 11.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
11.07.2020 Man muss nur auf den Hamburger Bahnhof schauen, um zu erkennen, was in der Preußenstiftung falsch läuft, meint die taz. Im SZ-Gespräch mit Ines Geipel erinnert sich Susanne Kerckhoffs Tochter Dina Haerendel an den Geruch von Angst und Apfelmus in Berliner Bombennächten. Die NZZ blickt auf die Anfänge der Kriegsfotografie. Notre-Dame soll originalgetreu wiederaufgebaut werden, atmet die FR auf. Die Zeit lauscht den Lungen- und Rachenlauten von Elaine Mitchener. Und das Monopol-Magazin fliegt auf DDR-Orientteppichen nach Jerusalem.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.07.2020 Die Frage ist nicht, ob Kant rassistisch ist, sondern ob der Universalismus rassistisch ist, erklärt in der Welt der israelische Philosoph Omri Boehm. In der NZZ sucht Nathan Gardels nach einer neuen moralischen Sprache, die mit dem technischen Fortschritt mithalten kann. Im Guardian freut sich Billy Bragg, dass die cancel culture den Linksliberalen zeigt, wo's langgeht. Die Linke zerfleischt sich doch nur selbst, ärgert sich dagegen Marina Weisband auf Zeit online. Warum hilft die EU, das globale Internet zu zerschlagen, fragt die SZ.
Bücherschau des Tages
11.07.2020 Die FAZ erfährt von Ronen Steinke, wie die antisemitische Gewalt erstarkt. Mit Astrid Seeberger nimmt sie Abschied von Bukarest. Die FR lernt von Sumana Roy zum Baum zu werden. Die taz vertieft sich in Rüdiger Zills monumentale Biografie von Hans Blumenberg und kühlt sich dann ab mit Dietmar Dath und „100 Seiten Hegel“. Die Welt entwirft mit Tyler Mitchell eine schwarze Utopie. Und Dlf-Kultur verdankt Franco Moretti ein neues Standardwerk zur amerikanischen Kulturgeschichte.
Montag, 13.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
13.07.2020 "Srebrenica darf sich nicht wiederholen", hat Heiko Maas gerade gesagt. Doch, darf es: unter den Augen der Weltpolitik wiederholt es sich gerade potenziert in Syrien, meint Dominic Johnson in der taz. Im Observer porträtiert Nick Cohen seine Kollegin Anne Applebaum, die mit ansehen musste, wie ihre ehemaligen Freunde Brexit, Populismus und Trump ermöglichten. In der NZZ ist Ulrike Ackermann bestürzt über den historischen Reinheitswahn der heutigen AntirassistInnen. In Zeit online denkt Peter Pomerantsev über Meinungsfreiheit heute nach.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.07.2020 Melancholisch, poetisch, versöhnlich - so erleben die Theaterkritiker den Abschied Matthias Lilienthals von München, der dafür ins Olympiastadion lud. In der NZZ wirft Ines Geipel dem Verlag "Das kulturelle Gedächntnis" noch einmal vor, Susanne Kerckhoff, deren "Berliner Briefe" gerade Furore machen, als unpolitisches, gar unbeschriebenes Blatt zu präsentieren. Die FAZ könnte mit dem Fotografen Christian Borchert an der Welt verzweifeln. In der SZ erläutert die Dresdner Kuratorin Kathleen Reinhardt ihre geplante Aktion "1 Million Rosen für Angela Davis".
Medienticker
13.07.2020 Sibylle Lewitscharoff über Hans Blumenberg zu seinem hundertsten Geburtstag - Tradition und Gegenwart vereint: Clemens Meyer erhält Klopstock-Preis - Schweigen oder Schreiben & Ist deutsch vor allem westdeutsch? - Die SZ legt Ressorts zusammen - FAZ + SZ wollen gemeinsam vermarkten - Chefredakteure von Bild + Welt zusätzlich Sprecher der Springer-Geschäftsführung - Madsack beteiligt sich an Regionalzeitung - YouTube-Daten: AGF & Google beenden Zusammenarbeit - Fünfte digitale Zukunftswerkstatt: Reicht die Kraft der Literatur? - Klaus Wagenbach zum Neunzigsten - Carl Orff: Magier der künstlerischen Moderne.
Bücherschau des Tages
13.07.2020 Betört und verstört zugleich begleitet die FR Nina Bußmann durchs Großstadt-Dickicht. Dlf Kultur flaniert mit Vivian Gornick und mit Elizabeth Gilbert lieber durch New York. Die taz folgt ProfessorInnen in autobiografischen Essays auf dem Weg nach oben. SZ und Dlf empfehlen Lektüre fürs Blumenberg-Jahr. Außerdem lernt die SZ die Dilemmata der Linken kennen in Michael Freys Studie über die Achtundfünfziger.
Dienstag, 14.07.2020
Magazinrundschau
14.07.2020 In En attendant Nadeau denkt der Historiker Carlo Ginzburg über den Begriff der Herdenimmunität nach wie ihn Giorgio Agamben benutzt. Bloomberg fragt, ob China Huawei einfach an die globale Spitze der Telekomkonzerne gehackt hat. Der Guardian porträtiert die Nigerianerin Aisha Wakil, die seit Jahren versucht, entführte Schulmädchen von Boko Haram freizuhandeln. Die New York Times recherchiert die Frage, ob Russland die Taliban dafür bezahlt, amerikanische Soldaten anzugreifen. Die Riemannsche Vermutung könnte falsch sein, warnt uns im Interview mit Quietus Werner Herzog.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.07.2020 Israel ist auch in Achille Mbembes Schriften ein Ausbund des Bösen, konstatiert Alan Posener im Blog starke-meinungen.de nach Lektüre eine Haupttextes von Mbembe über "Nekropolitik". In Persuasion zählt Yascha Mounk die sechs Schritte auf, die Populisten brauchen, um die Demokratie abzuschaffen - Polen ist das Beispiel. FAZ und FR berichten von der Pressekonferenz des Wissenschaftsrats zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es wird weiter über einen Aufruf amerikanischer Intellektueller gestritten, die das Debattenklima kritisieren - obwohl sie alle privilegiert sind, wie die Journalistin Hannah Giorgis in Atlantic herausgefunden hat. In der Welt spricht Mark Lilla über den Aufruf.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.07.2020 Die FAZ will nicht mehr in die Hagia Sophia, wenn sie die Innenräume nur noch vom Rand betrachten darf. In der Welt fordert Hans Kollhoff: "Diese City-Tree-Monster müssen weg!" von seinem Walter-Benjamin-Platz. Die SZ entschleunigt mit Vaporwave. Auf Tell stärkt sich Sieglinde Geisel an den Selbstreinigungskräften eines guten Verrisses. In der taz erklären Elizabeth Sikiaridi und Frans Vogelaar vom Hybrid Space Lab, warum man historisch problematische Denkmäler nicht abreißen sollte.
Medienticker
14.07.2020 SZ formuliert Selbstverständnis als Kompass für die digitale Transformation - 250.000 Euro-Spende für Autoren und Buchhändler - Auf dem Smartphone in Büchern stöbern - 25 Prozent oder auch mehr: Zeitfracht will sich an Bastei Lübbe beteiligen - Mary Trumps Buch wird veröffentlicht - Auszeichnungen des Erlanger Comic-Salons wurden digital verliehen + Hörfunk-Leszeit: Heinrich Manns "Im Schlaraffenland".
Bücherschau des Tages
14.07.2020 Die FAZ freut sich über die Wiederentdeckung der amerikanischen Autorin Jean Stafford. Die taz liest George Takeis autobiografischen Comic über die Internierung japanischstämmiger Amerikaner nach dem Angriff auf Pearl Harbour. Die SZ vertieft sich in Heinz Schillings Biografie von Karl V., der zum Mittelpunkt der Herrschaftsgeschichte des 16. Jahrhunderts wurde. Die FR empfiehlt Matthias Bormuths "Die Verunglückten" über Bachmann, Johnson, Meinhof und Améry.
Mittwoch, 15.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
15.07.2020 Die taz feiert die verfluchten Soundwunder der Clubkultur, die weiterleben muss. Die SZ fragt anlässlich von Burhan Qurbanis Döblin-Verfilmung "Berlin Alexanderplatz", ob ein schwarzer Flüchtling nicht genug Gepäck mit sich trägt, als dass man ihm auch noch eine deutsche Moralerzählung überstülpen muss. Die FAZ bestaunt die neue Deichmann-Bibliothek in Oslo.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.07.2020 Kant war sehr wohl ein Rassist, insistiert Marcus Willaschek in der FAZ. Aber Otfried Höffe ist in der NZZ nicht ganz einverstanden. In der New York Times kann jetzt gar nicht mehr gemeint werden: Mit Bari Weiss geht schon die zweite Meinungsredakteurin in kurzer Zeit - und sagt ihre Meinung lieber in ihrem Blog. In seinem Blog kritisiert Kenan Malik die "White-Fragility"-Autorin Robin DiAngelo und warnt vor einer Therapeutisieung des Rassismusproblems. In der Welt prangert Deniz Yücel den Rechtsextremismusskandal in der hessischen Polizei und die Vertuschung in der Politik an. Schwarze Dienstmädchen werden bis heute als Sklavinnen behandelt, berichtet der Tagesspiegel über den Libanon.
Medienticker
15.07.2020 Print-Reichweiten sinken - Süddeutsche formuliert Selbstverständnis als "Kompass für die digitale Transformation"- VG Wort: Verlage kriegen zügig wieder Cash - Geldstrafe gegen Google & Google übersetzt Text in Hieroglyphen - Microsoft schließt 17 Jahre alte Sicherheitslücke - Tiere im Nationalsozialismus - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten + In memoriam: Jacques Derrida zum Neunzigsten.
Bücherschau des Tages
15.07.2020 Die FAZ spaziert vergnügt mit Paul Scraton um Berlin und amüsiert sich in Juri Andruchowytschs Episodenroman "Die Lieblinge der Justiz" mit Räubern, Strauch- und Tagedieben. Die FR erlebt mit Ludwig Fels ein "Mondbeben" in der Südsee. Dlf begibt sich mit dem tschechischen Schuhfabrikanten Jan Antonín Baťa in den Dschungel Brasiliens.
Donnerstag, 16.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
16.07.2020 Im Tagesspiegel unterstützt Timothy Garton Ash den Aufruf der amerikanischen Intellektuellen und dann doch wieder nicht. Weiße, denen beim Rassismusvorwurf unwohl ist, sind RassistInnen, sagt Robin DiAngelo in Libération. Die New York Times begrüßt eine Revolution im Verlagswesen, die verspricht, zugleich divers und kommerziell zu werden. Rassismus und Aufklärung hängen zusammen, schreibt der Philologe Horst Dieter Schlosser in der FR. Unterdessen spitzt sich die Ungleichheit in Deutschland immer weiter zu, konstatiert die taz. Und die Zeit traut sich ein Plädoyer für Atomkraft.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.07.2020 Die FAZ bewundert in Paris die strahlend-farbigen Abstraktionen von Otto Freundlich. Außerdem zeigen die Modedesigner in Paris Männermode für den nächsten Sommer, die von Architektur, Keramik, Korbflechterei und Shibori-Techniken beeinflusst ist, berichten das Blog Disneyrollergirl und die Vogue. Die Filmkritiker gratulieren Trey Edward Shult zu seinem Drama "Waves". Im Van Magazin erklärt Musikprofessorin Kirsten Reese, warum so wenige Frauen in den Musikhochschulen reüssieren - trotz Gleichstellungsbeauftragter. Die FAZ liefert Hintergründe zur schlechten Stimmung im Literaturarchiv Marbach.
Medienticker
16.07.2020 EuGH erklärt EU-Beschluss zum Datenaustausch mit USA für ungültig - Hongkong enzieht New York Times-Journalisten die Arbeitserlaubnis - Twitter-Accounts von Prominenten gehackt -Türkei: Staatsanwalt fordert bis zu 16 Jahre Haft für Deniz Yücel - Monika Grütters & Tom Tykwer zur Lage des Films - Banksy wirbt für die Maske + Mehr Frauen mit Literaturpreisen gewürdigt + Literaturkritik: Sigrid Löffler über Milde & Verrisse.
Bücherschau des Tages
16.07.2020 Die FAZ versenkt sich in die Gedichte Philippe Jaccottets. Die FR meditiert anlässlich von Peter Suhrkamps Essayband "Über das Verhalten in der Gefahr" über das Verlegen im 20. und 21. Jahrhundert. Die SZ liest Siegfried Unselds Berichte über die Reisen zu seinen Autoren auch als Geschichte der Bundesrepublik. Die Zeit empfiehlt Albert Londres' Reportagen über "Afrika, in Ketten" aus den 1920er Jahren. Dlf Kultur freut sich über eine 400-seitige Library Edition der Entenhausen-Comics von Don Rosa.
Freitag, 17.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
17.07.2020 Im Guardian erklärt Jan-Werner Müller, wie die amerikanische Rechte alles dereguliert - sogar das Coronavirus. Die NZZ macht sich Sorgen über betrübliche Zahlen aus der Buchbranche, die nicht allein mit der Coronakrise zu erklären sind. Alle feiern Omri Boehm mit seinem Vorschlag zur Lösung des Nahostkonflikts - nur in Israel ist er leider unbekannt, wundert sich die Jüdische Allgemeine. Zwei Menschenrechtsanwälte rufen die Demokratien in Foreign Policy auf, die Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang als Genozid zu bezeichnen. Und Marina Münkler spricht im Tagesspiegel über das Gutachten des Wissenschaftsrats zur Preußenstiftung.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.07.2020 Die taz führt durch die Welt des tansanischen Bongo Flava. Die Zeit fragt: ist Burhan Qurbanis "Berlin Alexanderplatz" ein Akt der kulturellen Aneignung? Die FAZ erlebt Umbruchsstimmung in der Kunsthalle Mannheim. Vor dem geplanten neuen Campus der Bundesbank ist sie allerdings ratlos: so viel Retro für die Zukunft? Die SZ betrachtet die Löcher in schwarzen amerikanischen Familien, die der Künstler Darrel Ellis zeigt.
Medienticker
17.07.2020 Aktualisiert: Streit in der New York Times: FAZ-Herausgeber zur Debatte um die NYT - Blogger machen die Literaturkritik kaputt - Literatur in einfacher Sprache ist Kunst- Hundert Verlage machen Druck & fordern Wiedereinführung der Verlegerbeteiligung - Viele Aussteller entscheiden sich gegen Teilnahme an Buchmesse + Leipziger Buchmesse 2021 mit flexiblem Konzept Hans Blumenberg, der Meister des Problemkrimis + die TV-Radio-Wochenendtipps.
Bücherschau des Tages
17.07.2020 Die FR erlebt eine Offenbarung angesichts der von Sabine Kampmann zusammengestellten Bilder greiser Körper. Die FAZ empfiehlt Noam Zadoffs intellektuelle Biografie über Gershom Scholem als Lebensgeschichte einer intellektuellen Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts, die NZZ kommt zu einem ähnlichen Urteil über Robert E. Lehners Ernst-Kantorowicz-Biografie. Die SZ öffnet die Sowjet-Schublade und birgt mit Leonid Zypkin einen Schatz. Außerdem empfiehlt sie heute Kinder- und Jugendbücher. Und Dlf-Kultur kifft, klaut und pöbelt mit Johannes Herbigs liebenswerten „Scherbenhelden“.
Samstag, 18.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
18.07.2020 Zweimal 150: Das militärhistorische Museum in Dresden zeigt eine Ausstellung zum deutsch-französischen Krieg. Aber zur Gründung des deutschen Reichs auf dem französischen Schlachtfeld wird es keine Ausstellung geben, fällt der FAZ auf: Ist sie zu peinlich? Und vor 150 Jahren wurde der Papst für "unfehlbar" erklärt: Damit fingen die Probleme erst an, findet die SZ. Noch einer, der geht: der berühmte Kolumnist Andrew Sullivan verlässt das New York Magazine. Die Belegschaft wollte ihn nicht mehr, schreibt er zum Abschied. In der NZZ zieht Ayaan Hirsi Ali den Rassimus Amerikas den Kriegen Afrikas vor.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.07.2020 Im Interview mit lens culture überlegt die polnische Künstlerin Karolina Wojtas, wie man am besten seinen kleinen Bruder umbringt. Hyperallergic stellt den Künstler Leo Amino vor. Wenn Otto in einem Film das Wort "Neger" benutzt, dann sollte man sich auf eine diskursive Praxis der Dialektik der Aufklärung gefasst machen, warnt die FAZ. So gesehen müsste die Übersetzung von Joshua Cohens Roman "Witz" ein Albtraum sein. Denn darin geht es um den größten Zivilisationsbruch der Moderne, erzählt Übersetzer Ulrich Blumenbach in der NZZ.
Bücherschau des Tages
18.07.2020 Die SZ hält Pius IX. und die ihm folgenden Päpste im Gegensatz zu diesen selbst nicht für unfehlbar - und findet mit Hubert Wolfs neuem Buch über Pius gute Argumente. Nun gibt es wohl kein Medium mehr, das Omri Boehms Israel-Utopie nicht besprochen hat. Die FR erfreut sich daran, die taz ist skeptisch. Die FR empfiehlt außerdem Emmy Hennings' Gedichte, der dlf Kultur einen Krimi von Philip Kerr. Und die FAZ liest Albrecht Schönes Erinnerungen.
Montag, 20.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
20.07.2020 In Zeit online attackiert der Literaturwissenschaftler Jan Freyn eine "ins Pädagogische abgedriftete Linke, die sich durch ihre Weigerung bestimmt, 'ihr eigenes Machtstreben zu reflektieren'". In der Berliner Zeitung antwortet Aleida Assmann entnervt auf ihre Kritiker - für die Vergiftung des Debattenklimas in Deutschland macht sie unter anderem den Antisemitismusbeauftragen der Bundesregierung verantwortlich. Trotz der polnischen Migrationspolitik gibt es auch in Polen Rassismus: der urbanen modernen PolInnen gegen die RüpelInnen, die für Kaczynski stimmen, schreibt Szczepan Twardoch in der Welt.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.07.2020 In der taz erzählt die Künstlerin Ayşe Erkmen, wie sie im abgeschotteten Istanbul der siebziger Jahre aus sich selbst zu schöpfen lernte. Die SZ schreitet mit Giacometti zurück zur schlichten Schönheit altägyptischer Skulpturen. Außerdem feiert sie die historische Konstellation des Jahres 2020, in dem alle wichtigen Literaturpreise an gestandene Autorinnen gingen. Die FR fragt, wie Lustgewinn und intellektuelle Akrobatik gefahrlos zusammen gehen können. Und die NZZ porträtiert die Komponistin, Geigerin und Bildhauerin Cécile Marti.
Medienticker
20.07.2020 Springers neue Unternehmensgrundsätze - Warum Corona für die Literatur so wichtig wird - Hauptsache Philosophie: Bettina Blumenberg über ihren Vater Hans Blumenberg - Innerhalb eines Tages: Buch der Trump-Nichte fast eine Million Mal verkauft - NSU 2.0: Drohungen gegen Deniz Yücel & rechter Frauenhass - Audio-Streaming legt weiter zu + Musikvideos: Facebook fordert YouTube heraus.
Bücherschau des Tages
20.07.2020 Die SZ spürt mit Roberto Calassos Essay "Der Himmlische Jäger" jenem Moment von Ruhm und Schuld nach, als der Homo Sapiens zum Raubtier wurde. Fasziniert liest die FR Nicolas Mathieus Novelle "Rose Royal", die psychologisch glänzend von Sehnsucht und geduldeter Gewalt erzählt. Die FAZ lauscht gebannt, wenn Kurt Böwe Erich Loests Autobiografie "Durch die Erde ein Riss" liest - schön kratzig, knorrig und sarkastisch. Der DlfKultur lernt von Lily Brett das heitere Älterwerden.
Dienstag, 21.07.2020
Magazinrundschau
21.07.2020 Glenn Greenwald beschreibt in The Intercept die sture Besessenheit der Cancel Culture am Beispiel ihres Opfers Martina Navratilova. In The Atlantic hat John McWhorter genug von der Selbstgeißelung vieler Weißer. In Magyar Narancs kritisiert Dániel Hegedűs das Wohlwollen der CDU/CSU gegenüber Orbans Fidesz. Der Economist weist darauf hin, dass Chancenungleichheit nicht mit der Polizei verschwindet.Die New York Review of Books blickt geblendet auf eine glitzernde schwarze Materie namens Sun Ra.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.07.2020 Der Freitag fliegt mit Patricio Guzmán über die Kordillerien und blickt dabei in die tiefen Schluchten der chilenischen Geschichte. Die taz streift im Kunstmuseum Basel durch die Geschichte der Alltagsfotografie. Die NZZ verteidigt Milan Kundera gegen den Dogmatismus seines Biografen Jan Novak. Und die FAZ lässt bei Paavo Järvis Musikfestival im estnischen Pärnu die Maske fallen.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.07.2020 Gegen den Mainstream hilft nur noch ein Dark Web. Der Mainstream, das sind für Simon Sahner in 54books die Feuilletons in den Mainstream-Medien, wo zuweilen noch Artikel erscheinen, die gegen die kulturalistische Linke argumentieren. Aber Simon Strauss sieht es in der FAZ ganz ähnlich, auch wenn er doch sozusagen anders jenseits des Mainstreams ist. Die Mainstream-Medien wie die SZ schreiben sich unterdessen Grundsatzpapiere, über die die Branche (naja, wenigstens Meedia) lacht. Deutschland ist in Rechtsextremismus Spitze, konstatieren zwei Forscher in Zeit online. Kant ist ein Aufklärer, aber es lohnt sich auch Georg Forster zu lesen, um Aufklärung zu verstehen, findet Wolf Lepenies in der Welt.
Medienticker
21.07.2020 Kreativ in der Krise - Simon Sahner über digitale Literaturkritik - Klaus Theweleit gegen den Strom kolonialer Bilderwelten - Immer mehr Autorinnen & Autoren werden bedroht - Lothar Struck über Peter Handkes "Zdeněk Adamec": Eine Einladung des "Ex-Autors" an seine Gäste (also seine Leser).
Bücherschau des Tages
21.07.2020 Als Meisterwerk feiert der Dlf Christine Wunnickes Novelle "Nagasaki, ca. 1642", in der ein niederländischer Ostindienfahrer und japanischer Samurai zusammentreffen. Von allen tausend Seiten bewundert die FR Colum McCanns Romanprisma "Apeirogon". Jugendliche Ekstasen durchlebt die NZZ mit der unerschütterlichen Friederike Mayröcker. Die SZ preist die Wucht, mit der Andri Snaer Magnason den Klimawandel bis zum Jahr 2180 imaginiert. Die FAZ träumt und rätselt sich mit Pattis Smith durch die Erinnerung ans "Jahr des Affen". Die taz huldigt der Garagenrockband Dead Moon.
Mittwoch, 22.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
22.07.2020 In der NZZ gibt der Schriftsteller und Philosoph Philipp Tingler eine wunderbare Definition von Identitätspolitik, die wir gleich hier mitteilen: "Identitätspolitik, von rechts oder links, ist die Idiotenantwort auf die Störung einer eingebildeten Eindeutigkeit." In der FAZ spricht Bernhard Schlink über Amerika als ein Land der radikalen Krisen. Der Tagesspiegel fragt, ob Ägypten seinen Rassismus aufarbeitet. In der taz will Ilija Trojanow den 3-D-Drucker einsetzen, um neuen Denkmäler zu schaffen.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.07.2020 Die FAZ feiert den Maler K.H. Hödicke, der seine Farbe so frei und gezielt lancierte wie ein Bogenschütze seine Pfeile. Völlig betört geht sie auch vor dem Gambisten Vittorio Ghielmi in die Knie. Die Zeit lässt sich von der Jazzmusikerin Johanna Summer ins Glücksdelirium versetzen. Die SZ vermutet hinter dem Streit in Marbach eine Auseinandersetzung um die Digitalisierung. Und die Welt klagt über die Moderne, die jetzt auch noch den Denkmalschutz für sich beansprucht.
Medienticker
22.07.2020 IVW-Auflagen tief im Minus: Digitalabos versprechen Rettung - Wie Trump bei Fox News ins Schwitzen kam - Twitter geht gegen Verschwörungstheoretiker vor - Pakistan: Angriff auf die Pressefreiheit - Spotify rückt näher an Youtube - Pandemie stürzt freie Journalisten in die Existenzkrise - Digital Service Act & GWB-Novelle könnten die digitale Welt für immer verändern - Reifeprozess des Buches & Literaturkritik, ein Auslaufmodell? & aktuelle Buchcharts.
Bücherschau des Tages
22.07.2020 Dlf Kultur hört mit Peter Hessler Stimmen vom Nil und blickt mit Francesca Bonazzoli und Michele Robecchi in Gesichter mit Geschichten in Farbe. Die taz feiert die homerische Erzählgabe des Insektenforschers Jean-Henri Fabre. Die FAZ empfiehlt einen Gedichtband von Andre Rudolph mit dem schönen Titel "Ich bin für Frieden, Armut und Polyamorie - welche Partei soll ich wählen?" Dlf lässt sich von den Essays Anne Carsons verführen.
Donnerstag, 23.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
23.07.2020 Selbst die Haute Couture zeigt ihre Schauen jetzt digital, berichtet die NZZ und schwelgt in Stoffen. Die SZ bewundert Nick Caves Gucci-Hosen. 54books sucht die Zärtlichkeit in der europäischen Kulturgeschichte. Gary Garrels, langjähriger Kurator des SFMOMA, muss seinen Posten räumen, ebenso Martin Parr als Kurator des Bristol Photo Festivals - beide erwiesen sich im Rassismusdiskurs als nicht ganz sattelfest.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.07.2020 "Das ist keine Transformation, sondern eine Revolution", schreibt der polnische Journalist Konstanty Gebert in der SZ über die Säkularisierung in seinem Land - aber Erfolg hat in diesem Moment eine Politik der Angst. In der Türkei dreht Erdogan unterdessen die Säkularisierung zurück: Die Hagia Sophia wird grün ausgelegt, denn das ist die Farbe des Islams - und der Präsident zahlt den Teppich selbst, so die Zeit. Dafür werden die sozialen Netze unter ein strenges Regime gestellt, so Netzpolitik: Einer muss immer den Kopf hinhalten. Und für unsere Breiten sagt der amerikanische Geograf Joel Kotkin in der Welt einen Schulterschluss zwischen der "Oligarchie des Silicon Valley" und einer Klasse von "linken Klerikern" an.
Medienticker
23.07.2020 Heftverkäufe: Nachrichtentitel während Corona - Hacker hatten Zugriff auf Twitter-Nachrichten - Digitalpolitiker warnen vor WhatsApp - Klaus Theweleits Weltkulturgeschichte der Kolonisation: Pocahontas oder am Anfang war #MeToo - Wandel: Neue Stimmen in der Literaturkritik - Lorenz Just über seinen Berliner Wendekinder - Erster Sebald-Literaturpreis an Esther Kinsky & Bücher per Lastenrad.
Bücherschau des Tages
23.07.2020 Die NZZ lässt sich von der "literarischen Existentialistin" Eileen Chang ins großbürgerliche Shanghai entführen. Die FAZ liest mit Sebastian Janatas "Ambassadorin" eine feministische Dorfgeschichte. Die FR blickt in Cecile Wajsbrots Roman "Die Zerstörung" einer ungemütlichen Zukunft entgegen. Zeit und Dlf empfehlen die Neuausgabe von Alexandre Dumas' erstem Roman "Georges", der die Geschichte eines Sklavenaufstands im frühen 19. Jahrhundert auf Mauritius erzählt.
Freitag, 24.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
24.07.2020 Heute wird in der zu einer Moschee erklärten Hagia Sophia der erste islamische Gottesdienst abgehalten. Christliche Symbole im Gebäude werden aus diesem Anlass verhängt, berichtet die Deutsche Welle. Die Säkularisierung kann Erdogan damit nicht aufhalten, glaubt die Berliner Zeitung. In der SZ erklärt der ehemalige Finanzminister Hans Eichel dem ehemaligen Verfassungsrichter Peter M. Huber, was es heißt, dass im Grundgesetz nichts über einen "souveränen Nationalstaat" gesagt wird. In der Welt attackiert Helga Trüpel den Freiheitsbegriff von Julia Reda und fordert von nun an "Embedded freedom".
Efeu - Die Kulturrundschau
24.07.2020 Die Berliner Zeitung schwelgt im langen Y der jetzt auch singenden Schauspielerin Sandra Hüller. Wir verlernen unsere Material-Intelligenz, bedauert die NZZ. Die Zeit empfiehlt Uisenma Borchus Film "Schwarze Milch" über die mongolischen Schwestern Ossi und Wessi. In der SZ verteidigt Staatssekretärin Petra Olschowski Sandra Richter vom Literaturarchiv Marbach gegen ihre Kritiker.
Medienticker
24.07.2020 Aktualisiert: Russland: Haftstrafe für Historiker Dmitrijew - New York Times investiert in Audio-Inhalte - NZZ geht digital in die Offensive - Zusammenführung der deutschen Verlagsgruppe Random House - Stuttgarter Buchwochen mit verändertem Ausstellungskonzept - Vor 125 Jahren: Sigmund Freuds Traumanalyse - Selfpublisher-Umfrage 2020 - Digitale Plattformen verändern die Alltagskultur - Peter Handke bittet darum, aus ihm "keinen Narren" zu machen + TV-Radio-Wochenende.
Bücherschau des Tages
24.07.2020 Die FAZ blickt mit Agnese Bergholde-Wolf in baltische Herrenhäuser und liest, wie wie Armin Nassehi die aktuellen Proteste zu einer Gesellschaftstheorie. Die FR bewundert Thomas Kapielskis lebenskluge Nachtgedanken über Hölderlin und "Kotmörtel". Bewegt folgt die NZZ mit Michel Layaz dem Leben des naiven Malers Louis Soutter. Die SZ heftet sich mit Ulrike Almut Sandig an die Fersen eines Neonazis, der als Au-pair arbeitet. Und Dlf-Kultur bewundert, wie die polnische Lyrikerin Dagmara Kraus Ideen von Heimat und Muttersprache ad absurdum führt.
Samstag, 25.07.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
25.07.2020 Die FAZ probiert den nussbaumfarbenen Maßanzug des neuen Berliner Flughafens an und findet: sitzt perfekt. Mit Dario Calmese durfte der erste schwarze Fotograf nach über hundert Jahren das Vanity-Fair-Cover schießen, verkündet die taz und blickt auf den Rassismus in der Modeindustrie. Die Musikkritiker lauschen dem Schweigen dicker Käuze, wenn Taylor Swift mit Bon Iver im Wald singt. In der FR beklagt Thomas Oberender den "kolonialen Gestus" der Wessis im Osten. In der Welt erzählt Lauren Groff, wie schlecht Corona dem hedonistischen Florida bekommt.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.07.2020 In der taz erklärt Till Randolf Amelung den geschlechtlich fluiden Menschen zur reinen Ideologie. Die SZ fragt, wie sinnvoll die neue Begrifflichkeit im Rassismus-Diskurs ist. Die NZZ schildert, welch gute Lehrmeister die Europäer den Ostasiaten waren, wenn es um Abwertung anderer Nationen geht. Die FAZ bemerkt irritiert, dass linke Intellektuelle in den USA jetzt auf Aristoteles zurückgreifen, um John Rawls zu attackieren. Und der Guardian meldet, dass in Ungarn gerade eine weitere Festung der unabhängigen Presse geschleift wird.
Bücherschau des Tages
25.07.2020 Die FAZ feiert die indische Dichterin Sujata Bhatt, die sich von weiblicher Energie ebenso beflügeln lässt wie von plattdeutschen Sturmflutliedern. Skeptisch liest sie dagegen Danielle Allens Theorie der "Politischen Gleichheit". Die Welt reist mit Jean-Baptiste Alphonse Karr um seinen Garten. Die FR macht mit Thorsten Nagelschmidt eine Berliner Freitagnacht durch. Und die taz preist Uli Oesterle für seinen Band "Vatermilch als einen der begabtesten Comic-Autoren des Landes.
Montag, 27.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
27.07.2020 Die NZZ erfährt in einer Eisenacher Ausstellung, wie sich die Evangelische Kirche bei den Nazis anbiederte: Mit einem "Entjudungsinstitut", das sie ganz freiwillig aufbaute. Polen steigt aus der "Istanbul-Konvention" aus, mit der sich europäische Staaten darauf einigten, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, melden Agenturen. Stefan Niggemeier spießt in den Übermedien den "Waldspaziergang" auf, bei dem der Spiegel auch nichts Neues über einen Extremisten lernte, es aber besonders soßig zu sagen wusste. Aber ein Gutes gibt es heute auch: Wir müssen nicht mehr über den Conway-Knoten grübeln: Er wird sich niemals um einen Teller legen, erklärt die Mathematikerin Lisa Piccirillo in Zeit online.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.07.2020 Die NYRB staunt, wie geschmeidig sich New Yorks glitzernde Kunstwelt den kommunistischen Muralismo einverleibt. Die Welt trotzt in Bayreuth Corona-Ängsten mit Wagner-Wahn. In der Berliner Zeitung erzählt Clemens Meyer, wie das Massaker von Novi Sad Eingang in seinen neuen Romans fand. Die Zeit beklagt unsere verzerrte Wahrnehmung nahöstlicher Musik. Außerdem verabschieden die Feuilletons verabschieden Olivia de Havilland, die sich in Hollywood das Recht erkämpft hatte, nicht nur naive Mädchen spielen zu müssen.
Medienticker
27.07.2020 Glückwünsche: Dem französischen Philosophen Jean-Luc Nancy zum Neunzigsten - Ungarns Pressefreiheit: Journalisten verlassen aus Protest Nachrichtenseite - Alles lecker: Massentierhaltung im Kinderbuch - Künstliche Intelligenz programmieren - Sachbücher des Monats - Ernst Hofacker zum Tod von Fleetwod-Mac-Gründer Peter Green + Spät wachgeküsst: Blue Note-Jazzalben.
Bücherschau des Tages
27.07.2020 Die SZ stellt sich mit Jessie Greengrass der Frage, wie man den anderen verstehen kann. Mit Büchern über Füchse, Biber und Wölfe stellt sie sich auch der neuen Wildnis in den Städten. Der DlfKultur liest neue Werke zum deutsch-französischen Krieg und der Reichsgründung 1870/71. Der Dlf verabschiedet sich mit Markus Gabriel von der Wirklichkeit. Und die FAZ feiert den zehnten Band von Paul Maars bunter, verspielter Sams-Reihe.
Dienstag, 28.07.2020
Magazinrundschau
28.07.2020 Harper's heftet sich an die nach Deutschland führenden Spuren des mutmaßlichen syrischen Folterers Anwar Raslan. In der LRB macht Adam Tooze amerikanische Firmen für die Verlegung von Millionen Arbeitsplätzen nach China verantwortlich. Wählermanipulation gab's schon in den 60ern, lernt der New Yorker. Pro Publica prophezeit eine Klimamigration. En attendant Nadeau stellt den Kritikerpapst Vichy-Frankreichs Gérard Bauër vor. Vanity Fair macht einen Besuch im Beerdigungsinstitut.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.07.2020 Die NZZ erklärt, warum amerikanische Museen so schnell ihre Kurator entlassen. Die FAZ erlebt mit Amel Alzakouts poetischem Requiem "Das Purpurmeer" die Wucht eines Schiffbruchs. Von Bertolt Brecht lernt sie in der Münchner Ausstellung "Radio-Aktivität", die bourgeoise Selbstgenügsamkeit des Medienkonsums zu verachten. Auf Cargo feiert Dominik Graf eine Derrick-Folge des tschechischen Autorenfilmers Zbynek Brynych. NZZ und SZ trauern um Kansai Yamamoto, der Textil-Ikonen des Glam-Rock.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.07.2020 Die Umwidmung der Hagia Sophia zur Moschee ist keine religiöse, sondern eine rein politische Tat Erdogans und offenbart eher seine Schwäche, meint Olivier Roy im Gespräch mit dem Blogger Eren Güvercin. In der taz analysiert der Soziologe Levent Tezcan die Widersprüche des Antirassismus. In Atlantic bespricht Anne Applebaum ein Buch über die Rolle Putins als KGB-Agent in Dresden - war der KGB an den letzten Anschlägen der RAF beteiligt? In der FR fordert Anetta Kahane bessere Polizeiarbeit bei der Aufdeckung rechtsradikaler Netzwerke. Und die taz findet: Soloselbständige im Kulturbereich haben's in der Coronakrise echt nicht leicht.
Medienticker
28.07.2020 Faktenchecks: Eindeutige Antworten gibt es oft nicht, meint Philip Kovce - Geplant: Neues Museum für deutsche Sprache in Mannheim - Künstliche Intelligenz im Zwischenbuchhandel - Blick hinter die Kulissen von Netflix - Literaturnetzwerke aus NRW stellen sich vor - Münchner Bücherschau soll stattfinden - Gespräch mit Michael Wildenhain über seinen neuen Roman + 270. Todestag Bachs: Konzert aus der Thomaskirche Leipzig.
Bücherschau des Tages
28.07.2020 Die SZ liest bei Karl Heinz Bohrer, wie sich die Franzosen nach 1870 den Hass auf Preußen von der Seele schrieben. Der FAZ steigt der Geruch von Armut und Verzweiflung in die Nase, wenn Roland Reichen von denen erzählt, die in Bern "Auf der Strecki" geblieben sind. Die NZZ lernt von Hans Ulrich Gumbrecht, den Rausch der Menge im Fußballstadion zu genießen. Filmreif findet der Dlf, wie Richard Russo in der "Sh*itshow" die tiefen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern in Szene setzt. Und der DlfKultur ruft mit Dany Laferrière "Ich bin ein japanischer Schriftsteller."
Mittwoch, 29.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
29.07.2020 Volksfeststimmung vor der Hagia Sophia, aber die Leute haben nichts zu beißen, notiert Bülent Mumay in seiner FAZ-Kolumne. Die Welt hat wenig Geduld mit 15 weißen Nachwuchsjournalist*innen aus der 58. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule, die einen offenen Brief geschrieben haben. Das Blog themarkup.org fragt, ob Google eigentlich noch auf irgendwelche Seiten außerhalb von Google verlinkt.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.07.2020 In der NZZ huldigt Michael Krüger dem italienischen Romancier Guido Morselli, in dessen Roman "Dissipatio humani generis oder Die Einsamkeit" das Leben aus der Stadt verschwand. Die FAZ blickt auf die hundertjährige Geschichte der Salzburger Festspiele. Ein bisschen Auftrieb für den Sommer holt sich die SZ von Judd Apatows Filmkomödie "The King of Staten Island". Und der Guardian gruselt sich in Ai Weiweis Bombenschau im Imperial War Museum.
Medienticker
29.07.2020 Kartellamt erlaubt Joint-Ventures-Gründung von SZ & FAZ - Sprachterror & "richtige" Gesinnung - Marktmächtige: Cook, Bezos & Zuckerberg im Verhör - Marktmacht: Tech-CEOs vor dem US-Kongress - Algorithmus verfolgt Fake News in Echtzeit - Ein Fünftel der Generation Z verlässt Social Networks - Netzausbau: Der Kampf um Hightech - Mediennutzungsverhalten: "Kinder Medien Monitor 2020"- Dany Laferrière über seinen neuen Roman + Postmodern:"In diesem Buch stirbt jeder" von Beka Adamaschwili + Mikis Theodorakis wird 95.
Bücherschau des Tages
29.07.2020 Die FAZ unterhält sich prächtig mit Antti Tuomainens "Klein-Sibirien", einer aberwitzigen Geschichte um einen eifersüchtigen Rallyefahrer, dem ein Meteorit in die Quere kommt. Und sie blättert animiert durch einen Band über 2500 Jahre sizilianischer Theatergeschichte. Die SZ versenkt sich in Erzählungen von Zsofia Ban. Dlf Kultur staunt, wieviele Informationen über die Atombombe in einem Comic stecken können.
Donnerstag, 30.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
30.07.2020 Die Mbembe-Debatte scheint mehr oder weniger gelaufen, aber nun ist eine Debatte über angebliche Sprechverbote draus geworden, die vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, verkörpert würden. Die offenen Briefe fliegen nur so hin und hier - wir teilen das Papiermeer. Der Guardian berichtet über das Blasphemiegesetz in Pakistan, ein Monument der religiösen Heuchelei, das immer mehr Opfer fordert. Can Dündar fürchtet in Zeit online, dass Erdogan nach der Umwidmung der Hagia Sophia noch weitere populistische Taten plant. Als er Ende der Sechziger entdeckte, dass er anders war, entdeckte er nicht, dass er queer war, schreibt Jan Feddersen in der taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.07.2020 Monopol linst mit dem Fotografen Jeff Mermelstein auf die SMS-Nachrichten fremder Handys. Die SZ wärmt sich mit Sam Wassons Roman "The Big Goodbye" am Gruppengeist der Macher von "Chinatown". Wenn die Berliner Clubs sterben, sterben auch Schutzräume für die Außenseiter, fürchtet die Zeit. Warum plötzlich dieses Interesse für orthodoxe Juden im Film, fragt die NZZ.
Medienticker
30.07.2020 Aktualisiert: Artikel-Online-Kiosk: Blendle wird verkauft - Plattformen unter Verdacht: Marktmissbrauch durch Amazon, Facebook & Google - Auszeichungen: Großer Preis des Deutschen Literaturfonds für Felicitas Hoppe & Hermann Kesten-Preis für Günter Wallraff - Rekonstruktionen: Patrick Modiano wird 75 - EOTO-Archiv für Schwarze Literatur in Berlin - Ursula März über Marco Balzanos Roman "Ich bleibe hier" + Die Stones wollen kein Trump-Soundtrack sein + Neu im Heimkino.
Bücherschau des Tages
30.07.2020 In der SZ empfiehlt der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner wärmstens Michael Tomasellos Theorie vom "Mensch werden" wegen ihres emanzipatorischen Potenzials. Die FR lernt von Anna-Bettina Kaiser die Feinheiten des "Ausnahmeverfassungsrechts". Die FAZ freundet sich in Marius Goldhorns Roman "Park" mit einem digitalisierten Simplizissimus an. Dlf Kultur amüsiert sich mit Beka Adamaschwilis Metafiktion "In diesem Buch stirbt jeder".
Freitag, 31.07.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
31.07.2020 In der NZZ erklärt Jan Koneffke, warum es in in Ländern wie Rumänien, wo die Bevölkerung der Regierung misstraut, so schwierig ist, die Corona-Epidemie zu bekämpfen. Es hätte Wege gegeben, Schottland in der Union zu halten, meint Ian Dunt in The New European, aber dafür hätte es einen sanften Brexit gebraucht. Warum kennen alle Deutschen das "Zigeunerschnitzel", aber keiner weiß was über den Porajmos, fragt Stephan Anpalgan in der FR.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.07.2020 Mehr künstlerische Freiheit statt Diversity-Checklisten bei der Filmförderung fordert der FilmDienst. Der Tagesspiegel stellt ein neues Geschäftsmodell vor: Journalisten und Filmbranche machen Wirtschaftskrimis. Die SZ fühlt sich ganz unbeschwert mit den Songs von Provinz. In der FAZ schildert der Schriftsteller Elias Khoury die verzweifelte Lage im Libanon. Der Standard untersucht aus aktuellem Anlass die ureigene Theater-Epik Peter Handkes.
Medienticker
31.07.2020 Aktualisiert: Trump will Videoplattform TikTok verbieten - Play-Nice-Syndrom der Literaturkritik - "Big Four" kamen im US-Repräsentantenhaus gut weg - Krisenimmun: Amazon ist der Gewinner & Googles/Alphabets Umsatz+Gewinn schrumpfen - Kalter Bürgerkrieg: Dave Eggers über Trump, der nicht polarisiert, sondern die Polarisierung der Gesellschaft abbildet - Unverständliche Zerrüttung in Marbach: Was ist da los? - In den deutschen Medien werden Debatten nicht kontrovers genug geführt - Gebrauchtbuch: Re-Commerce Bestsellerliste + Das Wochenend-TV+Radio-Programm.
Bücherschau des Tages
31.07.2020 Die FAZ holt mit Kate Kirkpatrick Simone de Beauvoir aus dem Schatten Satres und freut sich, dass mit Andreas Barthelmess auch mal jemand die guten Seiten der Digitalisierung benennt. Die FR lauscht den Dialogen der Hoppers in einem Band ausgewählter Skizzen des Malers. Die SZ blickt in die Abgründe von Karl May in dessen Briefen an seine "Kinder" und lässt sich von der Dänin Christina Hesselholdt das Leben der Fotografin Vivian Maier erzählen. Dlf-Kultur erlebt das Flirren der Adoleszenz bei Sabine Peters und blickt mit Annelie Ramsbrock hinter die Türen deutscher Gefängnisse.