Montag, 01.09.2008
Heute in den Feuilletons
01.09.2008 In der FAZ schaltet sich Alfred Grosser in die Debatte um Henryk M. Broder und den Antisemitismusvorwurf. Die Welt fragt: Sterben für Poti? FR und SZ lauschten Raoul Schrotts donnernder Neuübersetzung der Ilias. Für die SZ reist Richard Swartz außerdem durch Albanien. Die NZZ untersucht die iranische Philosophie.
Bücherschau des Tages
01.09.2008 Sehr empfehlen kann die FAZ den Essayband "Auskunft für den Notfall" des von ihr sehr geschätzten "hellsichtigsten Schwarzsehers" Günter Kunert. Recht deprimiert hinterlässt sie dagegen der Jahresbericht 2008 von amnesty international. Die SZ ist gefesselt von den düsteren Gedichten des Finnen Pentti Holappa "Ein obdachloser Gedanke". Die taz liest Hans Sahls "Memoiren eines Moralisten".
Mord und Ratschlag
01.09.2008 Still ruht der See in Heinrich Steinfests neuem Roman "Mariaschwarz". Scheint es. Schnell kommt aber Unruhe auf. Eine Leiche taucht auf, eine Symbiose wird gestört, das ganz normale Unheil nimmt seinen Lauf. Kommissar Lukastik muss verhindern, dass die Inkongruenzen überhand nehmen, und der Erzähler schreibt noch auf geraden Linien krumm.
Vorgeblättert
01.09.2008 "Fest schlossen sich die Hände um Hacken, Äxte und Hirtenstöcke. Arme, ungebildete Menschen, die nichts zu verlieren hatten - genau das, was er vorzufinden erwartet hatte. Auch wenn er nicht gedacht hätte, dass es so viele sein würden. Wo waren sie hergekommen? Was hatte sie hierher geführt?" Jamal Mahjoubs Roman "Die Stunde der Zeichen" erzählt vom Aufstand des Mahdi gegen die Briten im Sudan. Lesen Sie hier einen Auszug.
Medienticker-Archiv
01.09.2008 Ein exemplarischer Fall - Josef Winkler: "Gegen Handke bin ich ein Analphabet" - Hideo Kojima: Metal Gear Solid lässt ihm keine Ruhe - Blogcamp Switzerland - Datenschutz: Tausche 'Batman' gegen Deine Kontodaten! - Sind Comics billiger Schund und Graphic Novels teurer Luxus? - Horrorfilm: "Die dunkle Seite einer von allen Reglementierungen befreiten Ökonomie" + Der Untergang naht.
Dienstag, 02.09.2008
Heute in den Feuilletons
02.09.2008 Mit Erleichterung nehmen die Feuilletons das Ende des Bayreuther Erbfolgekriegs auf, die FAZ wittert allerdings den Bierzimmerdunst der erfolgreichen Intrige. Die taz bewundert die großen Ohren und feinen Hände Günter Grass'. In der FR sieht Juri Andruchowytsch die Zukunft der Ukraine trotz zunehmender russischer Feldzüge positiv. In der SZ schreibt Navid Kermani über den Konflikt in Kaschmir.
Magazinrundschau
02.09.2008 Die New York Review of Books erzählt, wie Putin den Ukrainern und Balten eine Botschaft zukommen ließ. In Le Point verleiht Bernard-Henri Levy Putin dafür eine Goldmedaille. Prospect lernt die beste und gerechteste Gesellschaft der Welt kennen. Rue89 fragt, ob Frankreich in Ruanda einen revolutionären Krieg geführt hat. Elet es Irodalom fordert eine Operation Paprika für Ungarns Theater. Die Gazeta Wyborcza erinnert an die polnischen Danziger. Folio geht auf Traumreisen. The Nation schildert, wie New Orleans beinahe wieder die Segregation eingeführt hätte.
Bücherschau des Tages
02.09.2008 FAZ und taz preisen Rutu Modans mit allen Wassern der Psychologie gewaschenen Comic "Blutspuren". Die FR verschlingt Deon Meyers südafrikanischen Thriller "Weißer Schatten". Antiken Furor und tschechischen Witz goutiert die NZZ in Jiri Weils Erzählungen "Sechs Tiger in Basel". Die SZ sinkt über Heinrich Ignaz Franz Bibers Rosenkranz-Sonaten demütig in die Knie. Gerade recht kommt ihr ein hochkarätig bestückter Sammelband über den "Kaukasus".
Bücherbrief
02.09.2008 Eine Familiensaga aus Kroatien, eine höchst komlizierte Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, eine Aufsteigergeschichte aus Indien, Fotografien aus Südafrika, Wolfgang Koeppens Radioessays - die alles und mehr in den Büchern des Septembers.
Medienticker-Archiv
02.09.2008 Wolfram Schütte über den "Napoleon von der Bahn" und Andrzej Stasiuks "Dojczland" - Neuer Wort Schatz: Marcel Beyers "Wespe, komm" - Rainer Moritz über Karl-Heinz Otts "Ob wir wollen oder nicht" - Penguin Verlag will seine Leser verkuppeln - Schlag gegen Microsoft: Google startet eigenen Browser - Salgado-Ausstellung: Volle Kanne Kaffee + Klappentext No. 5: Lesen! Und kaufen! Und lesen!
Mittwoch, 03.09.2008
Heute in den Feuilletons
03.09.2008 Die Welt schildert, wie in Thailand königstreue Traditionalisten gegen neonationalistische Neureiche um die Macht kämpfen. Die FR liest das Menetekel von New Orleans. In der SZ spürt Ralph Hammerthaler einem Bild von Neo Rauch im Archiv von Beeskow nach. Die NZZ ärgert sich über den schlechten Wettbewerb von Venedig. Im Blog Parallel Film streiten die Regisseure Christoph Hochhäusler und Marco Kreuzpaintner darüber, wie viele Filme man für zehn Millionen Dollar drehen sollte.
Bücherschau des Tages
03.09.2008 Keinen Hauch von pittoreskem Unterschichtsdrama findet die
FR in
Alina Bronskys Debütroman "Scherbenpark", sondern die mit charmanter Chuzpe erzählte Geschichte einer
echt wütenden Russlanddeutschen (hier eine
Leseprobe). Begeistert entdeckt
FAZ einen ganz neuen
Cesare Pavese in Maja Pflugs musikalischer Übersetzung von "Die einsamen Frauen". Die
SZ begleitet
John Keays Exzentriker auf ihren Reisen durch die Welt und "Mit dem Kanu durch die Wüste".
Medienticker-Archiv
03.09.2008 ... auf dem Poetenfest in Erlangen - Helden gesucht: Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten - Wissenschaftskritik: Wenn klug rechnende Marktschreier unser Universum erklären - Porsche mit angezogener Handbremse in YouTube! - Journalistenattrappen: Was die FAZ versäumte - New York Times: Das unsichere Imperium + Buch des Monats: Orlando Figes' "Die Flüsterer".
Post aus Tiflis
03.09.2008 Luftabwehr, Stinger-Raketen, Antipanzerminen - über Nacht haben die Georgier den Kasernenjargon gelernt.
Im Kino
03.09.2008 Ohne Spekulation auf Tabu und Skandal zeigt Andreas Dresen in "Wolke neun" Liebesverrat und Sex im Alter als Selbstverständlichkeit. Aus einer ganz anderen Richtung, nähert sich Shinji Imaoka in seinem Pinku-eiga-Softporno "Tasogare - Liebestoll im Abendrot" demselben Thema.
Donnerstag, 04.09.2008
Heute in den Feuilletons
04.09.2008 Die SZ wehrt den Angriff gegen die Vernunft durch modische Dissidenten ab. Die taz warnt fröhlich vor Gefühlschaos und emotionalen Eskapaden im Rentenalter. In der FR erklärt der Schriftsteller Tom Piazza den Unterschied zwischen New Orleans und Albuquerque. Die Zeit vermisst intellektuelle Frauen in Deutschland. In der Welt stellt Cora Stephan klar, dass die Bundeswehr nicht der militärische Arm von amnesty international ist. Und die FAZ sieht ein neues schöpferisches Computerspiel-Zeitalter heraufziehen.
Bücherschau des Tages
04.09.2008 Als literarische Sensation feiert die FAZ den Migranten-Roman "Das Herz der Leopardenkinder" des in Berlin lebenden französisch-kongolesischen Autors Wilfried N'Sondes. Die Zeit singt eine Hymne auf die grandiose Joan Didion und ihre Essays "Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben". Die FR attestiert Markus Orths' Roman "Das Zimmermädchen" eine ganz und gar beunruhigende Qualität. Ein bisschen zu redselig findet die SZ den letzten Band von Sven Regeners Trilogie um Herrn Lehmann "Der kleine Bruder", aber natürlich sehr Berlin 1980.
Medienticker-Archiv
04.09.2008 Dietmar Bittrich über ein Leben ohne Geist: Eine Entwarnung - Handke verzichtet auf Buchpreis-Nominierung - SWR-Bestenliste - Doppelter Rittberger des Click-Journalismus - Boulevardisierung: Schweinejournalismus - Googles Chrome ein Datenspion - Web-TV: Wackeln im Web - Einwanderungstest: "Gut, dass ich schon Deutscher bin" + Denglisch? Nein, danke!
Freitag, 05.09.2008
Heute in den Feuilletons
05.09.2008 Die Jungle World erkundet mit Theodor Lessing akademischen Antisemitismus und jüdischen Selbsthass. In der Welt erzählt Christoph Schlingensief, wie es ist, wenn es plötzlich im Leben knallt. In der FR schildert Barbara Frischmuth, wie die türkische AKP die Gunst der Intellektuellen verspielte. Die NZZ warnt vor dem Aussterben der italienischen Denkmalschützer. Die Tages-Post nimmt Gerhard Schröders Reden für Russland auseinander. Die FAZ führt mit Bernhard Bueb.
Bücherschau des Tages
05.09.2008 Die SZ staunt über die von Alfred Brendel herausgegebenen Tagebücher Friedrich Hebbels "Weltgericht mit Pausen" und seinen ganz unbürgerlichen Anarchismus. Die FAZ jubelt über die puristisch orginalgetreue Faksimile-Edition von Franz Kafkas "Oxforder Oktavheften". Sehr empfehlen kann sie auch eine Monografie zu "Caspar David Friedrich" von Helmut Börsch-Supans. Ein wenig unvorsichtig begibt sich die FR in den Sog Max Frischs.
Medienticker-Archiv
05.09.2008 10 Jahre Google, allmächtig - Tatort Internet - Killy contra Wikipedia? - Offenbarung für Hobby-Kreationisten - Spyris Heidi, androgyn statt mädchenhaft - Tarantino made in Germany - Historiker in Bayreuth willkommen - Fernzensur oder Die effektive Aussperrung deutscher Nutzer - Junge Journalisten in Europa: Angst vorm eigenen Schatten.
Samstag, 06.09.2008
Heute in den Feuilletons
06.09.2008 Juri Andruchowytsch erwartet in der NZZ, dass der "bespredelschtschik" Russland sich als nächstes die Ukraine vornimmt. Peter Glaser huldigt in der taz der zehnjährigen "Jetzt-sofort-alles-Maschine" Google. Die Welt erschrickt über venezianisches Mittelmaß. Die SZ spricht mit Dina Babbit, die für Josef Mengele Porträts malen musste, die FAZ plaudert mit dem gefürchteten Literaturagenten Andrew Wylie über das Verhältnis von Brad Pitt und Literatur.
Bücherschau des Tages
06.09.2008 Die SZ hat schon Orhan Pamuks neuen Roman "Das Museum der Unschuld" gelesen und darin viel Magie und zutiefst Humanes entdeckt. Die FAZ teilt zwar nicht unbedingt Marlene Streeruwitz' Meinung über Männer, aber ihren Roman "Kreuzungen" findet sie unwiderstehlich. Als echte Entdeckung preist die NZZ die Neuedition von Frantisek Listopads Gedichten "Jahrmarkt Böhmen".
Montag, 08.09.2008
Heute in den Feuilletons
08.09.2008 Am Ende hat Venedig die Kritiker doch noch zufriedengestellt, Mickey Rourke als abgehalfterter Wrestling-Star rührte sie sogar zu Tränen. Die FR verteidigt die Unwägbarkeiten des öffentlichen Raums. In der SZ erinnert Marcia Pally an die schmutzigen Kriege demokratischer US-Präsidenten.
Bücherschau des Tages
08.09.2008 Die FAZ kann Hans Christoph Buchs Reportagen aus Lateinamerika "Das rollende R der Revolution" sehr empfehlen. Andrew Delbancos Melville-Biografie zündet bei ihr schließlich auch wie ein Feuerwerk. Die SZ vertieft sich in Roland Barthes' Vorlesungen "Die Vorbereitung des Romans" und erinnert mit Peter Overbeck an den 11. September 1973 in Santiago de Chile.
Vorgeblättert
08.09.2008 Beinahe wäre Leyla, Tochter einer Diplomatenfamilie und in Moskau geschultes Schachtalent, tief gesunken. Doch bevor sie sich zum Aushängeschild eines faschistischen Politikers machen lässt, stürzt sie sich lieber in die Gosse. Lesen Sie hier einen Auszug aus Sebnem Isigüzels Roman "Am Rand" über die Königin des Müllbergs von Istanbul.
Medienticker-Archiv
08.09.2008 Schwierige Entscheidung am Kiosk: Steinmeier, Beck, Müntefering - Früher war alles schöner - Die Moral des Massenmedien - Wanted: Mord ist Sport - Polemik oder Schmähkritik? - "Schön!": Mit Judith Hermann durch Berlin - Brotbüchsen und Alpendialekte - Was weiß ein Wissen über sich?! + Alles soll echt und mit dem realen Leben verknüpft sein.
Dienstag, 09.09.2008
Magazinrundschau
09.09.2008 Der New Yorker erzählt die Geschichte eines Helden, des Polizisten James Zadroga. In El Pais Semana sucht Javier Cercas das Glück. Der Figaro erklärt den Unterschied zwischen Snob und Dandy. Nepsabadsag staunt, wie serbische Nationalisten mit der Zeit gehen. Die Blätter für deutsche und internationale Politik erklären den ready-made-war im Kaukasus. In der Gazeta Wyborcza bewundert Ivan Krastev die sanfte Kraft des Papiertigers. Przekroj hütet das Geheimnis der Westerplatte. Die London Review of Books widmet sich der Malaise der Parteipolitik. Der Spiegel bespricht schon den Geheimfilm "Der Baader Meinhof Komplex". Und in L'Espresso fordert Umberto Eco neue Gesetze zur Benennung von Straßen.
Heute in den Feuilletons
09.09.2008 Das Drama der SPD beschäftigt auch die Feuilletons: Die FAZ verzweifelt über fehlende Verzweiflung. Die FR sieht das Politische in ein Trivialspektakel verwandelt. Im Tagesspiegel erzählt Christoph Schlingensief von seinem Kampf gegen größere Mächte. Und die SZ analysiert die Ökologie des Gehirns. Don Alphonso bezweifelt, dass ein bisschen Communitygedöns über die lausige Qualität von Qualitätsportalen hinweghilft.
Bücherschau des Tages
09.09.2008 Voll des Lobes ist die NZZ für Orhan Pamuks neuen zart-poetischen Roman "Museum der Unschuld". Sehr klug und sehr subtil findet sie auch Olga Flors in und um einen Supermarkt spielenden Roman "Kollateralschaden". Schließlich bewundert sie noch Franz Baermann Steiners anthropologische Schriften "Zivilisation und Gefahr", etwa zu "Hundeopfer und Wehengeständnis". Die SZ empfiehlt Katharina Fabers Album "Fremde Signale". Und die taz ist sehr bewegt von Wolfgang Prosingers Sterbehilfe-Buch "Tanner geht".
Medienticker-Archiv
09.09.2008 Johano Strasser über die Bundeswehr als Bürgerarmee - Beckett or not to be: Vom Sein des Nichts - Der Spiegel und Beck - Literaturtheorie: Amerikanisches Erzählen nach 2000 - Roman zum Mitmachen: Erster interaktiver Internet-Krimi: - Rowling gewinnt Prozess gegen Potter-Lexikon - Zeitungsarchiv: Google macht aus alten Zeitungen E-Paper - Alles, was Brecht ist + Google Go.
Post aus Tiflis
09.09.2008 Die georgischen Dörfer in Süd-Ossetien wurden verwüstet und geplündert, die Menschen aus ihnen vertrieben und die Friedhöfe umgegraben. Ein Besuch bei Flüchtlingen.
Mittwoch, 10.09.2008
Heute in den Feuilletons
10.09.2008 Wir blicken gebannt nach Genf, wo heute der Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb geht. Der Tagesspiegel sieht kaum Chancen auf einen von wissengierigen Atomphysikern provozierten Weltuntergang. In der SZ beschreibt der Physiker Klaus Hentschel, wie am Cern kommuniziert wird. In der NZZ brandmarkt Arkadi Babtschenko Russlands Willen, um jeden Preis Großmacht zu sein. In der Welt erklärt Leoluca Orlando seine Solidarität mit Georgien. Die FR feiert Matteo Garrones ganz unglamourösen Mafia-Film "Gomorrha". Die FAZ will Google nicht auch noch die Vergangenheit der Zeitung überlassen.
Bücherschau des Tages
10.09.2008 Hellauf begeistert ist die SZ von Karl-Heinz Otts Roman "Ob wir wollen oder nicht", dessen Sprache noch spannender sei als der Plot. Den Urknall abendländischer Dichtung vernimmt die FR noch einmal in Raoul Schrotts Neuübersetzung der "Ilias". Die NZZ folgt Francois Vallejo fasziniert in seine Normandie des 19. Jahrhunderts. Die FAZ lauscht dem Sound von Uwe Kolbes Gedichten "Heimliche Feste".
Link des Tages
10.09.2008 Heute morgen wurde am Genfer Cern der Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb genommen. Wir haben einige Links zum größten Experiment der Menschheitsgeschichte zusammengesucht. Von Julian Küspert.
Im Kino
10.09.2008 Eine sehr reale Dystopie, nämlich eine von der neapolitanischen Camorra zerstörte Gesellschaft, beschreibt Matteo Garrone meisterlich in seiner Bestseller-Verfilmung "Gomorrha". Futuristisch-unterkühlt, aber nicht weniger dystopisch geht es zu in Christian Froschs Architektur-Meta-Thriller "Weiße Lilien".
Medienticker-Archiv
10.09.2008 Stroemfeld-Verleger KD Wolff über den Abschluss der bahnbrechenden Hölderlin-Gesamtausgabe - Martin Walsers Polarisieren und Provozieren - Monopoly des Wissens - Shortlist des Booker Preises - Der deutsche Blog-Spießer 2.0! - Ein bisschen Verschwörungstheorie: 11. September als TV-Ereignis + Das Wunder von CERN: der kontrollierten Urknall.
Virtualienmarkt
10.09.2008 Nachrichtensites feiern sich für hohe Leserzahlen - doch tatsächlich haben sie nicht ein Nutzungsproblem, sondern auch eines mit der geringen Loyalität ihrer Leser. Welt Online löst dies auf wenig erquickliche Weise.
Donnerstag, 11.09.2008
Heute in den Feuilletons
11.09.2008 FAZ und Zeit bewundern und fürchten Damien Hirsts Coup, seine neuesten Werke bei einer Auktion selbst zu versteigern: Wird er den Kunstmarkt einbrechen lassen? Die Welt annonciert eine Glamour-Offensive der Opern. Die SZ preist Matteo Garrones schmutzigen Camorra-Film "Gomorrha". Die FR plädiert für einen weltweiten Kampf gegen die Unbildung. Der Tagesspiegel fragt, wie viele Milliarden Physiker-Träume wert sind.
Bücherschau des Tages
11.09.2008 Brillant, luzide, schmerzhaft: Die Zeit lässt sich begeistert ernüchtern von Gerd Koenens Buch "Traumpfade der Weltrevolution" über Che Guevara, Fidel Castro und Tamara Bunke. Für einen Glücksfall hält sie auch Mario Adorfs Lesung von Alexander Granachs "Da geht ein Mensch". Bestens amüsiert hat sich die NZZ über Andrzej Stasiuks Reisebericht aus "Dojczland". Die SZ empfiehlt nachdrücklich Peer Hultbergs Roman über eine recht verkrachte Familie "Eines Nachts".
Medienticker-Archiv
11.09.2008 Wenn alle im Qualitätsjournalismus das Gleiche schreiben - Unser Gedächtnis ist besser, als wir uns erinnern können - Cervantes' Don Quijote: Bedingungsloses Vertrauen in einen gigantischen Text - Aust sieht düstere Spiegel-Zukunft - Content is King auf der Frankfurter Buchmesse - Wenn Franz, Wolfgang und Oskar eine Runde kloppen gehen + Ein Bleeper ist ein Bleeper ist ein Bleeper.
Freitag, 12.09.2008
Heute in den Feuilletons
12.09.2008 Im Freitag fordert der georgische Schriftsteller Dato Barbakadse die russischen Intellektuellen auf, sich von ihren chauvinistischen Traditionen zu verabschieden. In der SZ stellt John Gray klar, dass uns im Kaukasus kein neuer Kalter Krieg bevorsteht, sondern die alten geopolitischen Konflikte des 19. Jahrhunderts. Die FAZ blickt nach Gazela, in das Roma-Ghetto von Belgrad. Dank Jeff Koons verspürt die NZZ noch einmal den genius loci von Versailles. Mehr Stifter als Dostojewski entdeckt die FR in Orhan Pamuks neuem Roman "Das Museum der Unschuld".
Bücherschau des Tages
12.09.2008 Die FAZ preist die bittersüße Poesie des kroatischen Dichters Delimir Resicki, die immer auf das Schlimmste gefasst ist. Sehr loben kann sie auch Olivier Schrauwens Comic "Mein Junge". Die SZ staunt über die meditative Unbeirrbarkeit in Ramiro Pinillas Bürgerkriegsroman "Der Feigenbaum". Die n+1-Anthologie "Ein Schritt weiter" verheißt ihr gar eine neue intellektuelle Heimat.
Medienticker-Archiv
12.09.2008 Machtmensch und Machttier - Verbeamtete Bildungsmisere - Lutz Rathenow: Väterchen Frust, Russlands Seele - Tom Appletons Fernansichten von New York - Zweifel an Mohammed: "Hier geht es ans Eingemachte" - Panorama des Weltenwechsels - Klaus Staeck verteidigt Künstlersozialkasse - Der Roman übertrifft alle Kunstwerke an Papier-Größe + Das ist ein (Blog-)Dschungel da draußen!
Samstag, 13.09.2008
Heute in den Feuilletons
13.09.2008 Während die Architektur die Utopie gerade neu entdeckt, hat das deutsche Theater sie schon aufgegeben, diagnostiziert die NZZ. Die SZ hat in Uwe Tellkamp ihren Thomas Mann des Ostens gefunden. Die FR fragt sich, warum es einen Barack Obama, aber keine deutsch-türkischen Bürgermeister gibt. Autor Ulrich Holbein plant in der taz, einmal ein Buch über seine Drogenerfahrungen herauszubringen, dass Ernst Jüngers "Annäherungen" um einige Jointlängen schlägt. Und in der FAZ reist Andrzej Stasiuk ins öde Krasnokamensk, in dessen Straflager russische Ex-Oligarch Michail Chodorkowski festgehalten wird.
Bücherschau des Tages
13.09.2008 Zum Thomas Mann der DDR kürt die SZ Uwe Tellkamp für seinen Roman "Der Turm". Die taz bewundert dagegen in Orhan Pamuk den Marcel Proust der Türkei. Sehr gern lässt sie sich auch von Gene Sharp erklären, wie man Diktatoren stürzt. Die FR liest W.G. Sebalds Gedichte "Über das Land und das Wasser" und empfiehlt Josef H. Reichholfs Buch "Warum die Menschen sesshaft wurden". Die FAZ amüsiert sich mit Sven Regeners "Der kleine Bruder".
Montag, 15.09.2008
Heute in den Feuilletons
15.09.2008 Der "berüchtigte Großschauspieler" Brandauer als Dorfrichter Adam und die "erwartungsgemäß textfromme" Inszenierung Peter Steins versetzen die Kritik wider Erwarten in Begeisterung, na ja, zumindest teilweise. Der Selbstmord des Autors David Foster Wallace im Alter von 46 Jahren schockiert die Zeitungen. In der FAS begeht Frank Schirrmacher den "Untergang 2".
Bücherschau des Tages
15.09.2008 Verstand und Fantasie attestiert die SZ
Petra Morsbachs schmerzhaft-scharfem Roman "Der Cembalospieler". Sehr loben kann sie auch
Alina Bronskys Roman "Scherbenpark" (hier eine
Leseprobe) und Klaus Kreisers Biografie des
Pascha Atatürk. Die FAZ lernt in Manuela Günters Studie "Im Vorhof der Kunst", dass
Kunstanspruch männlich und
Medialisierung weiblich ist.
Vorgeblättert
15.09.2008 Liam ist tot. Er ist mit Steinen in der Hosentasche ins Meer gegangen. Veronica muss es ihrer Mutter sagen. Während sie die Beerdigung vorbereitet, erinnert sie sich an ihre Kindheit und ihre Mutter, die sich nach den vielen Geburten und Fehlgeburten nicht einmal die Namen all ihrer Kinder merken konnte. Lesen Sie einen Auszug aus Anne Enrights Roman "Das Familientreffen".
Medienticker-Archiv
15.09.2008 Exhumierung des Poeten Lorca - Orhan Pamuk im Gespräch - Tückische Fotolizenzen: Haltbar bis 26. August 2010 - In Österreich entdecken Medien YouTube und Blogs - Hermann Nitsch in Neapel: Der Blutfürst hält Hof - Warum wird Adorno in Deutschland als Humorist so stark unterschätzt? + Pac-Man, der Film und letzte Wahrheiten über Google.
Dienstag, 16.09.2008
Magazinrundschau
16.09.2008 Süße Rache will Rupert Murdoch an der New York Times nehmen, glaubt Vanity Fair. Der New Yorker beschreibt die schwierige Situation der Putin-kritischen Radiostation Ekho Moskvy. Der Spectator beschreibt die unmögliche Situation der Putin-kritischen inguschetischen Webseite ingushetiya.ru. The New Statesman beschreibt die demnächst lebensgefährliche Situation der Blogger im Iran. Le Monde diplomatique druckt einen nachgelassenen Text von Jacques Derrida über Schurkenstaaten. Outlook India feiert Indiens offizielle Anerkennung als Atommacht. Der Merkur fördert die Freude am X.
Heute in den Feuilletons
16.09.2008 In der FR zieht Garri Kasparow eine Parallele zwischen Südossetien und dem Sudetenland. Noam Chomsky würdigt stattdessen den russischen Widerstand gegen die USA. In der Welt liest Friedrich Kittler mit Kindle, und das ist gut so. Die NZZ bestaunt hässliche Bilder in Wien. Die FAZ findet die in Venedig präsentierte neueste Architektur verlogen.
Bücherschau des Tages
16.09.2008 Die SZ feiert Rafael Chirbes' neuen Roman "Krematorium", dem es gelingt, einen spanischen Betonbaron ansatzweise sympathisch werden zu lassen. Gespannt folgt sie auch A.J. Jacobs, der ein Jahr lang nach den biblischen Gesetzen gelebt hat. Die NZZ empfiehlt Philip Jenkins' Buch über Europas religiöse Krise "Gottes Kontinent?"
Medienticker-Archiv
16.09.2008 Markieren für den guten Journalismus - Volker Schlöndorff über den RAF-Film - Der Spiegel über die Blogger-Armee und der Spiegel lernt immer noch nicht dazu! - Henryk M. Broders Kampfschrift gegen falsch verstandene Toleranz - Der Papst hadert mit Götzen und der Vernunft - Dark Side of the Moon: Pink-Floyd-Mitgründer Richard Wright ist tot + Und alle machen Radio.
Virtualienmarkt
16.09.2008 Während man in Deutschland langsam Kindle und Co. zur Kenntnis nimmt, sind die Chinesen schon viel weiter: Literatur auf Papier gilt als uncool, und chinesische Nasdaq-Konzerne investieren in Online-Bücher
Essay
16.09.2008 Nicht der Kulturkampf ist schlecht. Schlecht ist es nur, wenn er einen allzu klaren Sieger hat. Ob und in welchem Maß der Westen sein Versprechen halten kann: Davon hängt ab, in wieweit es für die Muslime lohnenswert scheint, sich dem Westen anzunähern.
Mittwoch, 17.09.2008
Heute in den Feuilletons
17.09.2008 Drastisch! Die SZ hat die dpa in Bernd Eichingers RAF-Film geschickt und verrät jetzt schon alles. Die FAZ hält sich im Gegensatz zur FAS an die Sperrfrist und lässt vorerst noch fünf jüngere Regisseure über RAF-Filme älterer Kollegen schreiben. Die Welt trägt die Kartons der arbeitslosen Broker mit Fassung. Und Ernst-Wilhelm Händler meint: Nicht der Kapitalismus hat versagt, sondern der Staat.
Bücherschau des Tages
17.09.2008 Absolute Pointensicherheit attestiert die SZ Alan Bennett für seine Hommage an Elizabeth II "Die souveräne Leserin". Als einen der interessantesten Denker Russlands empfiehlt sie Michail Ryklin und seinen Essayband "Kommunismus als Religion". Die FAZ liest noch einmal Alexander Mitscherlichs "Die Unwirtlichkeit unserer Städte". Die NZZ stellt Bücher zur chinesischen Geschichte vor. Die FR schwört auf den Diercke-Weltatlas.
Medienticker-Archiv
17.09.2008 Hirst-Versteigerung in London - Keine alte Vertrautheit mehr: Zum Freitod von David Foster Wallace - Realitäts-Check: Besuch einer öffentlichen Bücherei - Unter dem Pflaster liegt das Sprachsalz - Was von der Literatur bleibt ist nur ein Bild - Kurzfilm über die heimlichen Helden des Journalismus: Fact Checkers Unit + Hier kommt das Positive!: Lokale Berichterstattung.
Im Kino
17.09.2008 Ben Stillers Film "Tropic Thunder" ist eine Hollywood-Big-Budget-Komödie, die sich als Satire auf Hollywood-Satire versteht - und leider auch missversteht. Der Schwulen-Zombie "Otto; or, Up With Dead People" von Kult-Regisseur Bruce LaBruce ist blutig und unappetitlich, aber nur auf den ersten Blick.
Donnerstag, 18.09.2008
Heute in den Feuilletons
18.09.2008 In der Zeit kritisiert Gerhart Baum, dass Eichingers RAF-Film nicht zeigt, was mit dem Rechtsstaat geschah. Die Berliner Zeitung notiert die in dem Film ausgespielte Erotik der Gewalt: "Ach, wie sexy blitzen die nackten Schenkel, wenn bewaffnet über den Banktresen gegrätscht wird." Der Tagesspiegel meint: "Baller-Meinhof". Viele respektieren die Sperrfrist aber auch nach ihrem Ablauf.
Bücherschau des Tages
18.09.2008 Die Zeit stimmt in die Lobeshymnen auf Uwe Tellkamps schonungslosen DDR-Roman "Der Turm" ein. Hingerissen ist sie auch vom betörenden Charme in Julien Greens "Erinnerungen an glückliche Tage". Sehr loben kann die NZZ Gabriele Kösters Studie über venezianische Bruderschaften "Künstler und ihre Brüder". Die SZ ächzt unter Dietmar Daths "Abschaffung der Arten". Und die FAZ entdeckt HD.
Medienticker-Archiv
18.09.2008 Über Ralf Dahrendorfs "Versuchungen der Unfreiheit" - Verlage brauchen mutige Macher und werden zu potentiellen Direktlieferanten - Folget der Box! Die BBC folgt für ein Jahr einem ISO-Container - Konzerte wie bei Hempels unterm Sofa - Schaulauf der Dummheit und eine Ausnahme - Die Beckstein-Doktrin + Die Partei, die Partei, die hat immer Recht.
Freitag, 19.09.2008
Heute in den Feuilletons
19.09.2008 In der Welt attackiert Adam Krzeminski die deutschen Russlandversteher von Peter Scholl-Latour bis Martin Winter. In der taz erzählt der britische Pophistoriker Jon Savage die Geschichte der Jugend. Im Perlentaucher verteidigt Stefan Weidner den Begriff des Kulturkampfs. In der FAZ liest Botho Strauß die Gedichte Martin Heideggers: "In der Prosa ein gemessen Schreitender wird der Philosoph ein Inständiger in seinem gedichteten Denken." Alle würdigen Maurizio Kagel.
Bücherschau des Tages
19.09.2008 In der FAZ bewundert Botho Strauß das gedichtete Denken in Martin Heideggers Gedichten "Gedachtes". Freudig spürte sie auch auch mit Joachim Kalka dem Trivialen in der Hochkultur und dem Hohen in der Trivialkultur nach. Die SZ versinkt in den Briefen von und an Joachim Heinrich Campe. Und die NZZ kann den Band "Menschliche Sicherheit" über moderne Außenpolitik sehr empfehlen.
Medienticker-Archiv
19.09.2008 Die Crux mit dem Buchpreis - Wolfgang Bittner: Regale und Köpfe sind verstopft - Internet pur: Von falschen Vorstellung hinter der richtigen Kritik an Google - Leichte Opfer: Abmahnungen im Netz - Verlage stehen vor einer papierlosen Zukunft - Unsere Armut kotzt uns an und Freigeister saufen schöner + Zeichenkunst online: Sempes seelenreinigende Grundnahrungsmittel.
Samstag, 20.09.2008
Heute in den Feuilletons
20.09.2008 Die Feuilletons leiden mit den Übersetzern. Die SZ erfährt, wie naiv es ist, für David Foster Wallaces Opus Magnum vier Jahre Arbeit zu veranschlagen. Die FAZ lernt, dass Don Quijote nicht nur der Ritter der traurigen Gestalt, sondern auch des kläglichen Gesichts sein könnte. Der "Baader-Meinhof-Komplex" entzweit die taz: Ist der Film nun furchtbar niveaulos oder erfrischend ideologiefrei? Martin Amis erwartet in der NZZ vom globalen Terrorismus endlich mehr Pragmatismus.
Bücherschau des Tages
20.09.2008 "Ein harter Pubertätsroman" ist Monika Fagerholms "Amerikanisches Mädchen", und die NZZ feiert ihn fast hymnisch. Die SZ lässt kein gutes Haar an Martin Amis' antistalinisischem Roman "Haus der Begegnungen". Die FAZ ist begeistert von Pamuk, Dostojewski und Tellkamp. SZ und taz meinen: Christian Kracht kann was, aber es reicht nicht.
Montag, 22.09.2008
Heute in den Feuilletons
22.09.2008 In der taz erklärt Michael Hardt der orientierungslosen Multitude, wo heute die Macht ist: auf Knoten in einem Netzwerk. Auf der Achse des Guten deckt der Politologe Matthias Küntzel eine überraschende Quelle für den modernen Dschihadismus im Islam auf: Kaiser Wilhelm. Die NZZ sieht die Finanzkrise als moralische Krise. In der FAS plädiert Daniel Kehlmann für eine Abschaffung des Deutschen Buchpreises. Die SZ begibt sich auf die Suche nach dem "Hidden Intellectualism".
Bücherschau des Tages
22.09.2008 Die FAZ bringt ein dringendes Plädoyer für den polnischen Autor Wlodzimierz Odojewski, dessen Bücher beim SchirmerGraf-Verlag neu herausgebracht werden. Die SZ lobt die zusammen mit dem Attac-Gründer Ignacio Ramonet erarbeitete Autohagiografie Fidel Castros. Die FR empfiehlt den Autor Kjell Westö, der in seinem Roman "Wo wir einst gingen" den finnischen Bürgerkrieg aufarbeitet.
Vorgeblättert
22.09.2008 In der Freiheit müssen sich die Menschen Kräften anvertrauen, die sie nicht ganz durchschauen - etwa dem Markt. Adorno und Horkheimer antworten darauf mit Antikapitalismus. Friedrich Hayek erkannte: In der Unvorhersehbarkeit liegt der Eros der Freiheit. Ein Vorabdruck aus Ulrike Ackermanns Plädoyer für eine radikale Aufklärung
Medienticker-Archiv
22.09.2008 Politische Theologie des Kapitalismus - Über allem thront die Partei - Der Oskar-Lafontaine-Komplex - Die journalistische Click-Gier und die Subprime-Krise! - Artes King of Drama: Randalierende Tote - Künstler im Dienst des NS-Regimes - Peter Carey über Kunst von Liebe und Betrug - Street Art: Ann Coulter Wants Paris Hilton Sent To Guantanamo + Quo vadis: Richtung Schund oder Qualität?
Dienstag, 23.09.2008
Magazinrundschau
23.09.2008 Das New York Magazine schildert faktenreich die prekäre Situation amerikanischer Buchverlage. Portfolio porträtiert den Milliardär Raymond Harbert, der immer lauter an die Tür der New York Times klopft. In Espresso amüsiert sich Umberto Eco mit Downgrading. In der Gazeta Wyborcza schildert der Historiker Jerzy Jedlicki die prekäre Situation der polnischen Intelligentzia. In der New York Review of Books lässt sich Charles Simic widerstandslos von Philip Roth eine Kopfnuss verpassen.
Heute in den Feuilletons
23.09.2008 In der Welt zerstören Uli Edel und Moritz Bleibtreu den Mythos, sie hätten in ihrem RAF-Film den Mythos RAF zerstören wollen. Die FR meint: Wer die Religion kritisiert, ist ein Ausländerfeind. Die NZZ tritt (wie viele andere Zeitungen) in Schlingensiefs "Kirche der Angst" ein und erschauert. Die FAZ liest Caroline Thatchers Buch über die Demenzerkrankung ihrer Mutter. Die SZ ließ sich glücklich machen von Stockhausen in Simon Rattles süffiger Interpretation.
Bücherschau des Tages
23.09.2008 Vorsprachliche Räume haben sich der NZZ in den Prosagedichten des in Prag geborenen Deutsch-Iraners Farhad Showghi erschlossen. Wahren Tiefgang erfährt sie bei der Lektüre von Eileen Changs Erzählband "Gefahr und Begierde" über das China der dreißiger und vierziger Jahre. Russische Mafia, begnadeter Physiker, künstliche Diamanten - die SZ erfühlt den Ursprung des Romans aus dem Epos ausgerechnet bei dem postmodernen Kubaner Jose Manuel Prieto. Inspirierend fand sie außerdem einen Band über die neueste Tendenzen der arabischen und persischen Grafik. Der FR kann Christian Krachts neuem Roman "Ich werde hier sein im Sonnenschein und Schatten" nichts abgewinnen.
Medienticker-Archiv
23.09.2008 Ein Schriftsteller wird berühmt - Schamane mit Bowler: T. S. Eliot zum 120. - Was es heißt, Grass zu lesen - Qualitäts-Rätsel Financial Times oder "Wer findet den Artikel?" - Christoph Schlingensief: Der Prophet im eigenen Körper - Österreich bloggt: Die Spiegel der Volksmeinung - Welche Bedeutung haben Weblogs? + Ist die Dummheit der KfW zu toppen?
Dokumentation
23.09.2008 In einem Offenen Brief an den Bundestag kritisiert der "Autorenkreis der Bundesrepublik" die China-Berichterstattung der Deutschen Welle und fordert eine Überprüfung: "Einrichtungen wie die Deutsche Welle haben sich überraschenderweise in den letzten beiden Jahrzehnten dazu entwickelt, das strategische Vermögen kommunistischer Diktaturen notorisch zu unterschätzen." Wir dokumentieren den Brief.
Mittwoch, 24.09.2008
Heute in den Feuilletons
24.09.2008 In der FAZ entscheidet die Filmkritik: Der "Baader-Meinhof-Komplex" verhält sich zu einem komplexeren Film wie ein Porno zum Liebesfilm. In der SZ zeigen sich die Verleger entsetzt über die Honorarwünsche der Übersetzer. In der Berliner Zeitung rät der Autor und Sozialarbeiter Wilfried N'Sonde Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Anders bleiben. Und immer lächeln. Und alle freuen sich auf das Berliner Literaturfestival.
Bücherschau des Tages
24.09.2008 Die NZZ verliebt sich in ein norwegisches Mädchen, das mit einem Katzenfell geboren wurde, Erik Fosnes Hansens "Löwenmädchen". Auch die FAZ erliegt den "Emotionen", jedenfalls wenn sie auf dem philosophischen Niveau von Ingrid Vendrell Ferran untersucht werden. In der SZ findet Bundestagspräsident Norbert Lammert das Buch des Bild-Redakteurs Nikolaus Blome über deutsche Politiker - "Faul, korrupt und machtbesessen?" - so gut, dass er der Bild-Zeitung ein tägliches Kapitel verordnet.
Im Kino
24.09.2008 Zwei Terrorismusfilme. Wo "Der Baader- Meinhof- Komplex" von Uli Edel und Bernd Eichinger plump Ereignisgeschichte verdoppelt, konzentriert sich Julia Loktevs Konzeptfilm "Day Night Day Night" ganz minutiös auf die äußeren Regungen einer zum Selbstmordanschlag bereiten Frau.
Medienticker-Archiv
24.09.2008 Die Manager-Abrechnung: Verantwortung wäre schon genug - Ist die Dummheit der KfW zu toppen? Teil 2 - Krise der Markt-Religion und das neue Zentralkomitee: Die Federal Reserve - Reporterlyrik: Mutmaßlich unwissend - Der Tod lenkt nur vom Leben ab: Über Jürg Amanns "Nichtsangst" - Wie Handys die Fähigkeiten der Menschen verändern + Ich bin ein PC, oder?
Donnerstag, 25.09.2008
Heute in den Feuilletons
25.09.2008 Der taz wird lau beim "Baader-Meinhof-Komplex": Ist halt German cinema. In der Welt erklärt der Drehbuchautor der "Operation Walküre", wie es kam, dass Tom Cruise den Stauffenberg spielte. Im Observer sieht Tom Wolfe doch noch Chancen für den Kapitalismus. Die Berliner Zeitung berichtet über einen unter anderem von Imre Kertesz unterzeichneten Offenen Brief, der die Deutsche Welle zur Überprüfung ihrer China-Berichterstattung auffordert.
Bücherschau des Tages
25.09.2008 Alles, was sie schon immer über Könige wissen wollte, aber nie zu fragen wagte, hat sich die SZ von Alexander von Schönburg erzählen lassen. Die FR will nach 1000 Seiten Tellkamp nur eins: mehr. Die Zeit freut sich über die freche Eleganz, mit der Franziska Augstein Jorge Semprun porträtiert. Die NZZ lässt sich von den existentialistisch verschlungenen Sätzen Karl-Heinz Otts bestricken. Die FAZ empfiehlt Budd Schulbergs flott übersetzten und vergnüglichen Roman über einen jüdischen Emporkömmling in Hollywood.
Medienticker-Archiv
25.09.2008 Uwe Tellkamps episches Wunderwerk auf Platz 1 der SWR-Bestenliste - Neuer Kracht-Roman: Willkommen in der Sowjetrepublik Schweiz - Bankenkrise hilft Google - Die 6 Dimensionen des Qualitätsjournalismus - Mythos Wallstreet - TV-Revolution lässt weiter auf sich warten - Wo Wikipedia-Artikel zum Sterben hingehen + Immer mit dem Großhirn surfen.
Freitag, 26.09.2008
Heute in den Feuilletons
26.09.2008 In der NZZ schildert die pakistanische Journalistin Shehar Bano Khan die Probleme ihres Landes mit dem Terrorismus. Eine Lehre will der Ökonom Robert Skidelsky in der Welt aus der Krise schon mal ziehen: Seine Wissenschaft ist keine Wissenschaft. Die taz weiß, warum Sigrid Löffler ihre Zeitschrift Literaturen verlässt. In der FAZ antwortet Evelyn Hecht-Galinski auf ihre Kritiker. Die SZ würdigt die Verdienste der CSU.
Bücherschau des Tages
26.09.2008 Endlich gibt es eine Übersetzung von Hart Cranes erstem Gedichtband "Weiße Bauten" - und schön gestaltet ist er auch noch, freut sich die FAZ. Anregend findet die NZZ Friedrich Reutners Vorschläge zur Reform überregulierter Demokratien. Zeitlos spannend, wenn auch etwas rassistisch, findet die SZ Winston Churchills Beschreibung des Mahdi-Aufstandes Ende des 19. Jahrhunderts im Sudan, an dessen Bekämpfung der damals 24-jährige selbst teilgenommen hatte.
Medienticker-Archiv
26.09.2008 Frau Schamlos über ihren Feuchtgebiete-Hype - Holtzbrinck übernimmt zwölf Pin-Gesellschaften - Der Bertelsmann-Chef ist froh nicht an der Börse zu sein - Dummy: Gutes Cover, gute Gründe - Wie verzweifelt muss Gruner & Jahr sein!? - Ab heute wird zurückgefilmt - Kein Mitleid mit der Mehrheit! - Gerechtigkeit: Links durch die Mitte + Da legst di nieder!
Samstag, 27.09.2008
Heute in den Feuilletons
27.09.2008 Die NZZ wirft mit Napoleon einen Blick auf das Dekollete von Madame de Stael. In der Welt geißelt Uwe Tellkamp die Bevorzugung des Temperierten in der Kunst. In der FR warnt der Althistoriker Christoph Ulf vor dem Missbrauch Homers. Die taz gratuliert sich zum Dreißigsten. Die FAZ ist heute gay and gray. Die SZ feiert Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Kafkas "Prozess". Die Berliner Zeitung reist nach Omsk.
Bücherschau des Tages
27.09.2008 Die SZ liebt Nico Bleutge, der mit "fallstreifen" seinen zweiten Gedichtband herausbringt, für sein geräuschempfindliches Auge. Die NZZ hofft inständig, dass der Maler Ferdinand Hodler durch Gabriela Christens Würdigung wenigstens ein bisschen bekannter wird, hat doch kaum jemand so vollendet Frauen auf Putz gebannt. Auf einer halben Seite Lydia Davis findet die FAZ schließlich Wesentlicheres über die Liebe gesagt als anderswo auf tausend Seiten.
Montag, 29.09.2008
Heute in den Feuilletons
29.09.2008 Nicht nur die FAZ verzweifelt: Die Welt wird jetzt ohne Paul Newman auskommen müssen. In der FAZ erinnert sich auch Michael Ballhaus an den großen Schauspieler. Und die taz seufzt: "Raindrops Keep Falling On Our Head". Während Newman, so die SZ, nun an der Pforte des Paradieses steht. In der NZZ zweifelt Cora Stephan an der Freiheit der befreiten Frau.
Bücherschau des Tages
29.09.2008 Als kurzweilig, zuverlässig und umfassend lobt die SZ Ronald D. Gerstes "Duell ums Weiße Haus", eine Geschichte der amerikanischen Präsidentschaftswahlen seit George Washington. Die FAZ empfiehlt einen von Otfried Höffe edierten Band über Kants "Kritik der Urteilskraft".
Link des Tages
29.09.2008 Sitzen wir alle in der Google-Falle mit dem kategorischen Imperativ "Don't be Evil" auf den Lippen? Morgen diskutieren in der Akademie der Künste Annette Kroeber Riel, Gerald Reischl, Peter Schaar, Klaus Staeck und Perlentaucher-Mitbegründer Thierry Chervel über die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen der Digitalisierung.
Dienstag, 30.09.2008
Magazinrundschau
30.09.2008 In The Nation würde Joseph Stiglitz der Bush-Regierung nichts mehr abkaufen. Charles Bernstein sorgt sich in Harper's Magazin um ungedeckte Lyrikschuldverschreibungen. Der Express stellt das "Schwarzbuch Verlage" vor. Das Times Literary Supplement erwärmt sich für den Ukraine-Verteidiger Erzherzog Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen. Literaturen reist mit Josef Winkler und Pfefferspray nach Kamering. HVG hofft auf das Ende des einsamen Denkens. Der Economist kritisiert unkontrolliertes Data-Mining. (Aktualisiert um 12.59 Uhr)
Heute in den Feuilletons
30.09.2008 Zum siebzigsten Jahrestag des Münchner Abkommens findet Ian Buruma in Project Syndicate strenge Worte für den "seltsam machtlosen" Westen - vor allem nach der georgischen Erfahrung. Auch die taz und die SZ beziehen den Jahrestag des Abkommens auf Georgien. Die NZZ berichtet über die Kontroverse um den rumänischen Germanisten Andrei Corbea-Hoisie. In der New York Times sagt Tom Wolfe das Armageddon der Hedge Funds für das heutige Datum an. Die FAZ bestaunt die Würde der Pflanzen in der Schweiz.
Bücherschau des Tages
30.09.2008 Die FAZ amüsiert sich mit Jakob Heins amüsantem und verschachtelt gebauten Roman "Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht". Wenig Freude hat die SZ an Manfred Wetzels Lebens-Poietischer Philosophie: der grobe Antifeminismus stößt ihr sauer auf. "Wenn der Mann im Mond erwacht" tritt die NZZ mit Christoph Geiser an den Ort der Lust. Sehr empfohlen werden auch zwei frisch übersetzte Romane des türkischen Schriftstellers Ahmet Hamdi Tanpinar, der die Zeit des Wandels vom Osmanischen Reich zur türkischen Republik beschreibt.