Montag, 02.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.11.2020 Heute soll an französischen, aber auch Berliner Schulen um 11.15 Uhr eine Gedenkminute für den enthaupteten Lehrer Samuel Paty abgehalten werden. Die Diskussion um den islamistischen Terror in Europa geht weiter - mit äußerst unterschiedlichen Akzenten. In der taz erklärt die Nachhaltigkeitsforscherin Maja Göpel, wem man etwas verbieten sollte, damit andere Freiheiten gewinnen. Und in der FR stellt die Politologin Renata Mienkowska-Norkiene fest: über 78 Prozent der Bevölkerung in Polen sind für das alte Abtreibungsrecht. Können die Proteste Kaczynski kippen?
Efeu - Die Kulturrundschau
02.11.2020 Die Feuilletons trauern um Sean Connery und bekommen noch einmal weiche Knie vor dieser Stimme, dieser Agenteneleganz und lässigen Männlichkeit mit proletarischer Note. Auf ZeitOnline berichtet Can Dündar, wie Fernsehserien in der Türkei nationalistische Dschihad-Stimmung verbreiten. Das Kino braucht nicht nur Coronahilfen, sondern eine Zukunftsperspektive, ruft Lars Henrik Gass im DlfKultur. Die SZ lässt sich im Wolkenkuckucksheim von Caroline Wettergreens Koloraturen betören. Und Marlene Streeruwitz würde mal gern im Operettenreperoire aufräumen.
Medienticker
02.11.2020 Die US-Gesellschaft in der Literatur & in der Musik - Prix Goncourt verschoben: Der Buchhandels-Proteste gegen Lockdown in Frankreich & 20 Minuten Stille gegen den Kultur-Lockdown in Deutschland -Jakob Augstein über "Die Wahrheitskrise" - Krimibestenliste November - Digital Art Festival Zürich 2020 - Georg-Büchner-Preis für Elke Erb - Quasselstrippe trifft Widerborst: Sibylle Lewitscharoff über Dialoge im Jenseits + Jazzfest Berlin 2020.
Bücherschau des Tages
02.11.2020 Gebannt folgt der DlfKultur Yang Jiang, deren Familienroman "Wir drei" auch ein ganzes Jahrhundert chinesischer Geschichte erzählt. Gut gefällt ihr auch Volker Kutschers achter Rath-Roman "Olympia". Die SZ betrachtet begeistert Tim Oehlers Fotografien der "Corona Nights Hamburg", deren Leere mitnichten so menschenfeindlich sei wie die Architekturfotografie. Die NZZ liest Baltasar Gracians "Handorakel" in kühl-spitzer Übersetzung von Hans Ulrich Gumbrecht. Und die FAZ stellt neue Krimis vor.
Dienstag, 03.11.2020
Magazinrundschau
03.11.2020 Der New Yorker deckt eine Verschwörung von CIA und FBI gegen Whistleblower auf. Die London Review deckt eine Kabale zur Bereicherung an der Corona-Pandemie auf. Im Merkur fürchtet Philosoph Christoph Türcke mit Paritätsgesetzen einen Rückfall in die Steinzeit. En attendant Nadeau stellt den armenisch-französischen Dichter Armen Lubin vor. Magyar Narancs entdeckt eine neue Poetik der Armut. In Esprit/Eurozine sucht der kamerunische Philosoph Jean Godefroy Bidima einen Weg zum Wiederaufbau Afrikas jenseits postkolonialer Diskurse. Politico erzählt die Geschichte vom Treffen Malcolm X mit dem Ku Klux Klan. Himal beschreibt die Verwirrung, die die afrokaribische-tamil-brahmanische Herkunft von Kamala Harris stiftet.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.11.2020 Terrorattentate in Wien. Das Wiener Stadtmagazin Falter residiert ganz in der Nähe der Synagoge, die Redaktion durfte das Büro nicht verlassen - Florian Klenk schildert, wie er die Nacht erlebte. Bisher schien der islamistische Terror auf Frankreich begrenzt - und mehrere Medien stellen fest, dass Emmanuel Macron bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit von seinen europäischen Kollegen alleingelassen wird. Die NZZ fordert mehr Zusammenarbeit mit säkularen Muslimen. Richard Sennett bekennt im Guardian seine Angst vor den Wahlen in Amerika: 30 Prozent, das sind für ein Land eine Menge Extremisten. Astronaut Thomas Reiter gibt in der FR Tipps für die Nachtruhe im Weltraum: Schlaft senkrecht.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.11.2020 In der FAZ erklärt Frank Stella, dass die USA längst nicht so gespalten sind, wie Europa das von Zeit zu Zeit war. Die Welt feiert von solchen Einwürfen unberührt mit Johann Gottfried Schadow die preußische Lässigkeit. In der Berliner Zeitung pochen die beiden geschassten Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin darauf, dass die Vorwürfe gegen sie konkret gemacht werden. Und die taz fragt, ob die angesagten Chunky Boots noch Punk sind oder schon Corona. NZZ und DlfKultur streiten über Systemrelevanz und Selbstgefälligkeit der Kultur.
Medienticker
03.11.2020 Julian Nida-Rümelin über die Corona-Maßnahmen & Offener Brief der Kulturschaffenden - Corona-Maßnahmen für den Buchhandel in einer Länderübersicht & Vernetzter Online-Buchhandel - Alice Schwarzer im Hörfunk-Interview - Schweizer Buchpreis: Dorothee Elmiger im Porträt - Wahltag: Was Bücher über die US-Gesellschaft verraten - Celan-Abend in Bellevue - Dem Internet entwachsen: Stefanie Sargnagel über ihren Debütroman & die Wiener Anschläge ...
Bücherschau des Tages
03.11.2020 Die taz empfiehlt wärmsten James Sturms Graphic Novel, die so tiefgründig wie ein Roman von Richard Ford das Seelenporträt des gespaltenen Amerikas zeichnet. Die Apokalpyse in makelloser Prosa erlebt der DlfKultur mit Don DeLillos Roman "Die Stille". Die SZ denkt mit Zadie Smith über die Corona und Privilegien nach. Und die FAZ vergnügt sich wie in einem Tim-Burton-Film mit Matias Faldbakkens groteskem Drogen- und Männlichkeitsdrama "Wir sind fünf".
Mittwoch, 04.11.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
04.11.2020 Noch schlimmer als falsche Nachrichten sind falsche Gefühle, erkennt der Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler, der in der SZ Instagram-Rezensionen durchforstet. Der Guardian bewundert die queere Drastik in den Fotografien Zanele Muholis. Die taz freut sich über die Post-Internet-Ästhetik, die mit der Roma-Baukultur in Dortmund Einzug hält. Die Welt ist dankbar, dass vor fünfzig Jahren nicht die Gare d'Orsay abgerissen wurde. Und die NZZ feiert Tilda Swinton als große Uneindeutige des Gegenwartskino.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.11.2020 Die deprimierendste Nachricht an diesem Morgen: Es gibt noch keine. Joe Bidens Erdrutschsieg ist ausgeblieben. In Europa geht nach dem Attentat in Wien die Debatte um den Islamismus weiter. Eine Ursache für den Hass auf Europa ist das komplette Versagen der muslimischen Welt vor der Moderne, meint Ahmad Mansour in der FAZ. Wir haben auch in Deutschland ein Klima der Einschüchterung durch Islamisten entstehen lassen, fürchtet der Philosoph Markus Tiedemann in der FR. Der Terror in Frankreich ist schon schlimm findet Arthur Goldhammer im Guardian, aber Frankreich ist auch schuld. In der FAZ revidiert Christopher Clark seine Meinung im Hohenzollern-Streit.
Medienticker
04.11.2020 Thea Dorn, Annette Mingels & Nell Zink zur US-Wahl - Marlene Steeruwitz über den Anschlag in Wien - Buchhandel in Frankreich verzichtbar? Läden bleiben bleiben geschlossen - "Ohne Kunst Wird's Still": Kampagne für die Notlage von Kulturschaffenden - Thomas Ostermeier zum Theater-Lockdown + Die Krimibestenliste fü November 2020 - Meinungsfreiheit in der Krise? Warum es gut für die Demokratie ist, zu irren
Bücherschau des Tages
04.11.2020 Die FAZ taucht mit Marko Martins "Die verdrängte Zeit" ein in die kulturelle Vielstimmigkeit der DDR. Die FR ist betört von der einfachen stilistischen Schönheit des DeLillo-Romans "Die Stille". Die NZZ empfiehlt Ben Lerners Roman "Die Topeka Schule" zum besseren Verständnis der sprachlosen Wut in den USA. Dlf Kultur versenkt sich in Ayad Akhtars "Homeland Elegien".
Donnerstag, 05.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
05.11.2020 Die bittere Wahrheit ist: Amerika ist zwei Länder, konstatiert der Atlantic. Die Knappheit des Wahlausgangs ist allein schon ein Schock, denn sie zeigt, dass Trump in seiner Welt keineswegs allein ist, schreibt Jürgen Kaube in der FAZ. Transrechte gefährden keine Frauenrechte, beteuern einige Genderforscherinnen in der taz, und wer das anders sieht, ist wie die Nazis. Hamed Abdel-Samad kritisiert in der Zeit die deutschen PolitikerInnen, die Emmanuel Macron keine Rückendeckung geben. Und auch an deutschen Schulen gibt es laut FAZ ein Problem mit dem Islamismus.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.11.2020 Die FR ahnt, warum Museumsmann Udo Kittelmann die Neue Nationalgalerie und Berlin verlässt. Die FAZ würdigt den Einsatz der Oper Graz für das Randrepertoire. Im Dlf Kultur schlägt Thomas Ostermeier vor, die Theater den ganzen Winter über geschlossen zu halten und dann im Sommer durchzuspielen. Die SZ sammelt Stimmen von Autoren zur Wahlnacht in den USA. Die taz sichtet online das Programm des Dok.-Filmfestivals in Leipzig. Die SZ staunt über das gewaltige transatlantische Gratis-Onlinefestival des Jazzfestes Berlin.
Medienticker
05.11.2020 Buchhandel: Die Lust am Stöbern nimmt ab & Bücher als "überflüssige Konsumgüter" oder Kafka im Supermarkt: Französische Supermärkte ohne Bücher, italienische Buchläden dürfen geöffnet bleiben - Neuer Termin für London Book Fair - Punk-American Novel: Über Nell Zinks "Das Hohe Lied" - Mehr Sinn statt Gier: Kapitalismus neu gedacht - Jazz im Silent Green im Wedding - Heinrich August Winkler: US-Wahl zeige, die US-Demokratie lebe ... und die Demokratie habe ein Update nötig - Schwierigkeiten von Prognosen oder Warum Umfragen so oft danebenliegen + Presserat: Beschwerden über Wiener Anschlagsberichte.
Bücherschau des Tages
05.11.2020 In der Zeit rät Eva Menasse dringend dazu, Zora del Buonos „Marschallin“ über eine Arztgattin, die Tito verfiel, zu lesen. Die FAZ lernt bei Cemile Sahin die ganze Bandbreite universeller Unmenschlichkeit kennen. Trost findet sie in John Burnsides Erinnerungen an die „Schönheit des Moments“. Die FR staunt über die Experimentierfreude dänischer Lyriker in dem von Peter Urban-Halle und Henning Vangsgaard herausgegebenen Band „Licht überm Land“. Die taz macht mit Donald Duck Jagd auf preußische Kronjuwelen.
Freitag, 06.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
06.11.2020 Auch wenn Joe Biden am Ende mit Mühe gewinnen sollte: Das mit den Umfragen hat ja mal wieder nicht geklappt. Unter anderem weil überraschend viele Schwarze und Latinos für Trump stimmten. Zeit online und New York Times fragen, warum. Judith Butler sieht Trump im Guardian als Präsident der Enthemmung. Peter Schneider plädiert in der Welt dafür, nicht jeden Diskursgegner bei der leisesten Differenz gleich mit Mordwerkzeugen zu bewerfen. In der taz erzählt die belarussische Journalistin Alexandrina Glagoljewa, was droht, wenn ein Präsident nicht verlieren kann. Und außerdem wird heute im Bundestag über die Abschaffung der Staatsleistungen diskutiert: Ob 20 Milliarden Euro reichen, die Kirchen ruhigzustellen?
Efeu - Die Kulturrundschau
06.11.2020 Die taz würdigt die militante Pop- und Punkästhetik, die Heide Stolz schon Mitte der sechziger Jahre vorweg nahm. In der nachtkritik wirft Sarah Waterfeld vom Künstler*innen-Kollektiv Staub zu Glitzer der Kulturszene Systemrelevanz vor. Vielleicht sollten die Theater jetzt mal zurücktreten und ihren elitären Status reflektieren, meint Kampnagel-Leiterin Amelie Deuflhard in Dlf Kultur. Und auch das Van Magazin fürchtet einen Rückzug der Kultur ins elitistische Wolkenkuckucksheim. Zeit online trauert um goldene Kinowochen, die der Pandemie zum Opfer fallen. In der taz erklärt Krimiautor Tom Callaghan, warum die Kirgisen gerade auf die Straße gehen.
Medienticker
06.11.2020 Aktualisiert: US-Wahl im Fernsehen: Viel Mythos & Warum wird Trump gewählt - Ex-Freunde+Weggefährten: Trump & Murdoch - User-Kommentare verwirren oft Faktenchecks -- T.C. Boyle über Trump - Bot-Angriffe verursachen schnell halbe Mio. Dollar Schaden - Millionärssteuer & Charity: Grönemeyers Spendenaufruf für Künstler - Michael Krüger über das Leseglück - Frankreich: Aufforderung zum Boykott von Amazon - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten - NY-Strand Bookstore entlässt 188 Mitarbeiter & kauft Amazon-Aktien + TV+Hörtipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
06.11.2020 Die FR blickt sich fasziniert in den Häusern und Ateliers von Cy Twombly um. Die FAZ unterhält sich dank Christoph Drössler gut mit Bots und Maschinen. Außerdem empfiehlt sie Neuauflagen von Amartya Sen. Die SZ lernt das Fürchten mit Leanne Shaptons Gespenstergeschichten und empfiehlt Kinder-Sachbücher: Besonders haben es ihr Jan Paul Schuttens und Arie van't Riets herrlich bizarre Röntgenaufnahmen von Tieren und Pflanzen angetan. Die taz amüsiert sich mit Comics zu Tocotonic-Songs. Und Dlf-Kultur feiert eine illustre Hochzeit mit Helen Weinzweig.
Samstag, 07.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
07.11.2020 Der Wind hat sich gedreht. Joe Biden wird's wohl werden. Er übernimmt ein ramponiertes Land. Sind die Republikaner, die sich dieses untalentierten Mr. Trump entledigen, nun die eigentlichen Gewinner, fragt Zeynep Tufekci im Atlantic. Kein Defätismus, ruft dagegen Jonathan Freedland im Guardian, und nicht die Niederlage im Sieg suchen - denn ein Sieg war's. In Deutschland wird Überwachung verankert und keiner merkt's, schreibt Kai Biermann in Zeit online. In der taz kritisiert die säkulare Linke Caroline Fourest die identiäre Linke: "Hier wird gebrüllt, damit man als Brüllender wahrgenommen wird." Und in der Welt sagt Robert Menasse: "Je suis ein Wiener."
Efeu - Die Kulturrundschau
07.11.2020 Die NZZ blickt romantisch in die Wolken - auf Augenhöhe mit Gott. Die SZ fragt, ob eigentlich jemand mal die sexistischen Texte des gefeierten nigerianischen Musikers Burna Boy gelesen hat. Der Standard stellt sich in den harten Regen der Metalcombo Mr. Bungle. Die Theaterkritiker reagieren verhalten positiv auf die Berufung von Iris Laufenberg zur Intendantin des Deutschen Theaters Berlin ab 2023. In der Literarischen Welt propagiert die Entwicklerin Linda Rachel Erni die Vorzüge ihrer KI für die Manuskriptanalyse der Verlage. In der NZZ erklärt die legendäre Modekritikerin Suzy Menkes, warum man bei Modeschauen auch auf die Rückseite achten sollte.
Bücherschau des Tages
07.11.2020 Die FAZ kippelt mit Zsofia Ban und dem Erfinder eines Fallschirms auf der Brüstung des Eiffelturms. Die SZ lässt jedes Dogma fahren mit Ayad Akhtars Roman "Homeland Elegien". Die taz begutachtet mit Daniel Leese "Maos langen Schatten". Die Welt verzieht sich vollkommen glücklich mit vier Bänden Thomas Kling. Gut gefällt ihr auch Pascal Bruckners kämpferischer Optimismus wider den "Eingebildeten Rassismus". Dlf und FAZ staunen über die Radikalität von Rachildes Roman "Monsieur Vénus". Dlf Kultur freut sich über die Wiederentdeckung des norwegischen Autors Tarjei Vesaas.
Montag, 09.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.11.2020 Nach der Wahlparty wird jetzt so langsam aufgeräumt. Kamala Harris ist zwar "nichtweiß", aber kann das den "Unterprivilegierten" reichen, fragt die taz. Aber so knapp hat Biden gar nicht gewonnen konstatiert Zeit online. Timothy Garton Ash sieht die USA künftig als Primus inter pares in einem Netzwerk von Demokratien, aber nicht mehr als Supermacht. Den Corona-Leugnern, die am Wochenende am Rand des Vulkans tanzten, gibt Christian Drosten laut SZ zu bedenken: "Je mehr ich mich als Individuum aus freien Stücken verantwortlich verhalte, desto weniger Anlass gebe ich dem Staat, ins gesellschaftliche Leben einzugreifen."
Efeu - Die Kulturrundschau
09.11.2020 Der Standard ruft die dämonische Heiterkeit der Lyrikerin Tamar Radzyner in Erinnerung. Die Welt lernt die Sinnstiftung von Pierre Soulages zu schätzen. In der taz spricht Regisseur Leo Khasin über antisemitische Mobber in der Schule und seinen Film "Das Unwort". Die SZ verkraftet mit der FC Bayern World auch die Rückkehr des Ornaments in die moderne Stadt. Die FAZ verabschiedet den Filmemacher Fernando Solanas, der das Kino zur revolutionären Praxis machte und nun dem Coronavirus erlag. Der Freitag tröstet sich mit Lilith Stangenbergs Album "Orphea".
Medienticker
09.11.2020 Anna Stern gewinnt Schweizer Buchpreis & Das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen - Monika Maron demenächst HoCa-Autorin - Navid Kermanis Hölderlin-Preis- Dankesrede - Ungarn: Journalistin Veronika Munk mundtot gemacht - Volker Kutscher über seine Rath-Romane + Christian Drostens Schillerrede: Brauchen wir einen "pandemischen Imperativ"?
Bücherschau des Tages
09.11.2020 Die NZZ lernt von Caroline Fourest, wie die "Generation Beleidigt" die Ideale der Vielfalt in Konformismus und Karrieretechnik umwandelten. Brillant findet die SZ, wie Maggie O'Farrell in "Judith und Hamnet" von Shakespeares vernachlässigter Familie erzählt. Tiefenscharf findet die FR Evan Osnos' Porträt des künftigen Präsidenten Joe Biden, der zu Beginn seiner Karriere gelernt habe, Niederlagen wegzustecken.
Dienstag, 10.11.2020
Magazinrundschau
10.11.2020 Echo 24 erzählt, wie die Polen über die Tschechen denken. TLS porträtiert Boris Johnson als Lügner vor dem Herrn. Justin E.H. Smith denkt in seinem Blog über die Gamification unserer Alltagswelt nach. En attendant Nadeau stellt sich dem Trauma des Algerienkriegs. In der New York Review of Books betrachtet Valeria Luiselli die Fotos von Dorothea Lange. Science untersucht den schwedischen Ansatz in der Coronakrise. Der New Yorker erzählt von einer fehlgeschlagenen Schatzsuche.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.11.2020 Die zweite gute Nachricht innerhalb einer Woche! Die Firma Biontech hat einen aussichtsreichen Impfstoff angekündigt. Im Businessinsider spricht Mitgründer Ugur Sahin über die Vorteile der mRNA-Technologie. Wer den Populismus in den USA betrachtet, muss auch die Medien betrachten, schreibt Jan-Werner Müller in der FAZ. In der NZZ erinnert Monireh Kazemi daran, wie der Westen die iranischen Frauen verriet. Eine Verschlüsselung mit Hintertür kann es nicht geben, warnen taz und Netzpolitik angesichts von Plänen der EU, sich einen Generalschlüssel für Messenger geben zu lassen.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.11.2020 In der FAZ erklärt die Gestalterin Christa Petroff-Bohne die besondere Nachhaltigkeit des DDR-Designs. Die Bilder des mit dem Leica Award aufgezeichneten Fotografen Luca Locatelli lobt sie dagegen etwas säuerlich als opportun und dekorativ. Ausgiebig kommentiert wird von taz bis SZ, dass Monika Maron ab jetzt bei Hoffmann und Campe veröffentlicht. Und der Guardian hört dank OpenAI nagenneue Stücke von Frank Sinatra und Freddie Mercury.
Medienticker
10.11.2020 Böhmermann im ZDF: Wo ist der Quatsch geblieben? - Xaver Bayer erhält den Österreichischen Buchpreis - Stuttgarter Buchwochen im Stream - Vernunft & Populismus: "Anti-Aufklärung im Gewand der Aufklärung" - Mit Humor gegen Antisemitismus - Helmut Böttiger über Monika Marons Verlagswechsel zu Hofman & Campe - Gibt es dumme Fragen? Debatte um Interviews + Vögel in der Literatur: Wo du mich küsst, weiß nur die Amsel.
Bücherschau des Tages
10.11.2020 Als große Überraschung der Saison feiert die FAZ das Familienepos des Dramatikers Christoph Nußbaumeder "Die Unverhofften". Gut gefallen hat ihr auch Marita Krauss' Biografie der Lola Montez. Sehr eindringlich findet die FR Jessica Andrews' Arbeiterklasse-Roman "Und jetzt bin ich hier". Die SZ schwärmt von den Erzählungen der Tennisspielerin Andrea Petkovic "Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht". Die taz wehrt Althussers Angriff auf Gramsci ab. Der DlfKultur steigt auf die Barrikaden und lässt sich von Andreas Malm erklären "Wie man eine Pipeline in die Luft jagt".
Mittwoch, 11.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
11.11.2020 Gibt es einen "Krieg der Kulturen", und stachelt Frankreich ihn an, fragt die FAZ. Schon der Begriff ist falsch, schreibt Bernard-Henri Lévy in La Règle du Jeu, die eigentlichen Konflikte toben innerhalb der "Kulturen". Im Tabletmag attackiert Caroline Fourest die New York Times. Armenien hat im Krieg um Bergkarabach alles verloren, inklusive der Kulturstadt Schuschi, aber die Nachricht vom Frieden ist gut, findet die SZ. Der große Sieger sind ein Kleptokrat aus Aserbaidschan, Erdogan und Putin, notiert die NZZ. Ebenfalls in der NZZ drängt der Historiker Volker Reinhardt auf die Verantwortung der Zivilgesellschaft in der Coronakrise.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.11.2020 Die NZZ klickt sich berührt durch die Online-Ausstellung "Hold Still" der National Portrait Gallery, die Britannien beim Brotbacken und Haareschneiden zeigt. Die SZ möchte die Kunst trotzdem lieber wieder im Museum sehen. Die taz erkennt beim Berliner Jazzfest, dass die Avantgarde nicht populärer wird, wenn sie in den hippen Wedding zieht. Die FAZ quittiert mit Begeisterung, dass die Hardrock-Fabrik AC/DC weiter auf Hochtouren läuft. Und Hyperallergic fragt: Warum ist Mary Wollstonecraft nackt?
Bücherschau des Tages
11.11.2020 Die FR beobachtet in Aravind Adigas "Amnestie" die Internationalen Weltmeisterschaften in Flucht und Migration. Die SZ erfährt das Wunder der Liebe mit Etgar Kerets Erzählband "Tu's nicht". Die taz lässt sich mit einem Sammelband, der den Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive betrachtet, im "Erinnern stören". Dlf Kultur besucht mit Jens Rosteck den kalifornischen Nationalpark Big Sur.
Donnerstag, 12.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
12.11.2020 Donald Trump strickt an einer Dolchstoßlegende, warnt Timothy Snyder im Boston Globe, und je länger er die Anerkennung der Niederlage verweigert, desto mehr wird sie sich auch darüber hinaus verfestigen. Die New York Times sammelt Historikerstimmen zur historisch einmaligen Konstellation in der amerikanischen Politik. Die Parole der DemonstrantInnen gegen die polnischen Abtreibungsgesetze ist einfach, aber wirksam: "Jebać PiS!" Die taz erklärt, warum das Vulgäre daran so gut ist. Im Tagesspiegel stellt Peter Stolz vom Verband der Geschichtslehrer den Politikerinnen die Frage, was Religionsfreiheit an Schulen eigentlich bedeutet.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.11.2020 Die Welt blickt auf die leeren Straßen Berlins - erst bei Michael Schmidt, dann vor der eigenen Tür. Die FAZ erlebt Augenblicke der höchsten Sichtbarkeit in einer Berliner Ausstellung zum Thema Tod. Das Van Magazin fordert einen New Deal für die Musik- und Kulturszene, die dafür ihren Elfenbeinturm verlassen soll. Der Tagesspiegel blättert durch einen Fotoband zum Ende der Weimarer Porzellanmanufaktur und verliebt sich in die Vase "Tini".
Medienticker
12.11.2020 Sebastian Guggolz ein Verleger-Porträt: - Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg - Katharina Hacker erhält Droste-Preis - Kleine Buchmesse virtuell: 60. Frankfurter LeseEule - Folgen der Pandemie: Es wird weniger gestöbert - Fragwürdig & folgenreich: Vor hundert Jahren erhielt Knut Hamsun den Literaturnobelpreis - Französische Zustände oder Richtungswechsel für den Verlag?: Monika Maron bei Hoffmann und Camp - Im Gespräch mit Fotograf Harald Hauswald: Der sentimentale Zerstörer Neil Young zum 75. Geburtstag + Rüdckblick: Jazzfest Berlin 2020 (+Videos)
Bücherschau des Tages
12.11.2020 Die FR hat Spaß mit zehn Tocotronic-Songcomics. Die Zeit lernt von Werner Busch Künstleranekdoten wertzuschätzen und pfeift die Songs aus dem "Hohen Lied" von Nell Zink. Dlf Kultur liest Nick Hornbys Roman "Just like you" wie einen guten Popsong. Die FAZ unternimmt mit Thomas Wolfe eine Reise ins Deutschland der Zwischenkriegszeit.
Freitag, 13.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
13.11.2020 Frankreich gedenkt heute der Terrorattentate in Paris vor fünf Jahren. Die Politologin Florence Faucher und der Soziologe Vincent Tiberj erklären in Le Monde, warum sich Rassismus und antimuslimische Ressentiments in Frankreich seitdem nicht nur nicht verstärkt, sondern sogar abgeschwächt haben. Politico befragt einige Verfassungsrechtler zur verfahrenen Situation in Washington: Man hofft, dass Donald Trump abtritt. "Amerika ist immer ein gespaltenes Land gewesen", sagt Anne Applebaum in der FR. Ein Gutachten zeigt laut SZ das eklatante Fehlverhalten der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.11.2020 Die Berliner Zeitung vermisst bei einer Diskussionsveranstaltung über postpandemisches Theater bei den Analogrevoluzzern um Gorki-Intendantin Shermin Langhoff die Neugierde auf das digitale Neue. Die SZ erforscht den Aerosolflug beim Spiel der Berliner Philharmoniker. Le Monde Diplomatique staunt über den Erfolg tugendhafter türkischer Telenovelas in Lateinamerika.
Medienticker
13.11.2020 Aktualisiert: Medienanstalt prüft Google-Kooperationen - Nikil Mukerji über Corona & Ethik: Die Pandemie bringt zahlreiche ethische Fragen auf : Oper vs Schauspiel in Zürich - Christian Drosten über Coronavirus & Medien: Wer verbreitet hier was? Fotograf Harald Hauswald: Der beobachtete Beobachter - Bertelsmann legt um 1,6 Prozent zu & Bastei Lübbe steigert Umsatz um 7,3 % + Jazzfest Berlin 2020 im Rückblick der TAZ & FAZ - Navid Kerami gratuliert Neil Young zum 75 + Wochenend-Hör+TV-Tipps u.a. Konzert "Hölderlin 250" + William S. Burroughs "The Cat Inside".
Bücherschau des Tages
13.11.2020 Die FAZ liest Pascal Bruckners islamkritische Aufsätze als Buch der Stunde. Die NZZ lässt sich von Petre M. Andreevskis Maulwurf in den Wahnsinn treiben und entdeckt den mazedonischen Kafka. Die FR lauscht mit dem Mykologen Merlin Sheldrake dem unterirdischen Signalaustausch der Pilze. Die SZ macht traumatische Erfahrungen mit neuen Kurzgeschichten von Kristen Roupenian. Dlf Kultur flieht mit Joanne K. Rowling vor dem schrecklichen „Ickabog“ und bekommt von der amerikanischen Soziologin Riane Eisler Tipps für ein partnerschaftlicheres Wirtschaften.
Samstag, 14.11.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
14.11.2020 In der Welt bekräftigt Monika Maron noch einmal, mit Neurechten nichts am Hut zu haben. Die Filmkritiker liegen Sophia Loren zu Füßen, die in dem Netflix-Drama "Du hast das Leben vor Dir" ihr Comeback in einer Rolle als ehemalige Prostituierte feiert. Die NZZ verbindet sich mit Michel Comte an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei mit den Kräften des Universums. Die FAZ hofft durch das geplante Edo Museum of West African Art in Benin-Stadt auf einen Wendepunkt in der Restitutionsdebatte. Und in der taz ärgert sich Lisa Eckhart über Reinheitsgebote von Links und Rechts.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.11.2020 In der taz beschreibt Selim Nassib, wie der Islamismus mit Hilfe der Linken Europa unfreier macht. Die SZ geht in der Berliner Gropiusstadt in den Glücksunterricht. In der Welt ruft Paul Auster dazu auf, die Hakenkreuze aus den Südstaaten zu entfernen. Im Perlentaucher beschreibt Marina Scharlaj, wie der Sexismus der belarussischen Politik die Frauen dort auf die Straße trieb. Die NZZ erblickt die moderne Swissness in großen Rechenzentren in Appenzell. Und in der FR diagnostiziert Olivia Mitscherlich-Schönherr Corona-Fatigue.
Bücherschau des Tages
14.11.2020 Die FAZ erkennt die intellektuelle Gemeinsamkeit zwischen Hannah Arendt und ihrem Ehemann Heinrich Blücher in dessen „Versuchen über den Nationalsozialismus“. Mit Martin Gayford macht sie Swinging London unsicher. Thomas Kling ist Kanon, erkennt die FR in der neuen Werkausgabe. Die SZ lässt sich von Clemens J. Setz mit Nonsens-Poesie füttern. Die taz liest die Geschichte von BlackLivesMatter-Mitbegründerin Alicia Garza. Und die Welt hält den jungen Knausgard aus.
Montag, 16.11.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
16.11.2020 Auf ZeitOnline gerät Werner Herzog über einen Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren in die Ekstase des Entdeckens. Die FAS blickt mit Monika Marons Literaturagenten in die Verlagsbüchse der Pandora. Die FAZ bewundert die neue Große Moschee von Algier. Die Nachtkritik erkundet im Theater-Game "Golem 24143" das Kieler Ostufer. Die Berliner Zeitung stellt den Modemacher Amesh Wijesekera vor, der die binäre Kleidung ebenso wie den Ethno-Look hinter sich lässt. Und die Jungle World huldigt mit Jessie Wares Disco-Album dem eleganten Glitzer.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.11.2020 Es gibt gute Nachrichten zu Corona, schreibt Zeynep Tufekci im Atlantic, und dennoch steht Amerika und auch Europa vorher noch ein "verheerender Anstieg" bevor. Dänemark benutzt einfach die NSA, um seine eigenen Staatsbürger zu überwachen, berichtet Zeit online. In der FAS erklärt der französische Politologe Hugo Micheron, wie ein islamistisches Umfeld die Stimmung in vielen Stadtteilen in Frankreich oder Belgien drehte. Twitter ist schlimm, aber "es kommt auch darauf an, wie Journalisten über das berichten, was Trump auf Twitter von sich gibt", gibt die Kommunikationswissenschaftlerin Whitney M. Phillips in Zeit online zu bedenken.
Medienticker
16.11.2020 Die Öffentlichkeit & ihre Feinde: Sascha Lobo über die "Querdenken"-Bewegung: Medienfeindlichkeit als Verbundenheit - Why Theatre? Nachtkritik eines Theaterbuches - Jonathan Franzen auf deutsch im Radio - Hörbuch vom "Hofpoeten der Kritischen Theorie": Alexander Kluges "Neues Alphabet" - Eritreische Autorin Yirgalem Fisseha erzählt vom Gefängnis - Dilek Mayatürk: Kämpferische Lyrik auf Türkisch & Deutsch - Jo Lendle verteidigt Alice Hassters gegen Dieter Nuhr + Goethe-Präsidentin Carola Lentz will Kulturarbeit gegen Radikalisierung setzen.
Bücherschau des Tages
16.11.2020 Die FAZ lernt mit Alexander Kluges "Neuem Alphabet" das konstellative Denken. Mit Extremsportler André Wiersig schwimmt sie nachts durch den Kaiwi-Kanal vor Hawaii. Die SZ erfährt von Adrian Daub, wie das Silicon Valley denkt. In höchsten Tönen lobt der DlfKultur Kaouther Adimis Algerien-Roman "Dezemberkids". Mit Kathrin Schmidts Gedichten "sommerschaums ernte" erlebt sie Lamento und Freudengesang.
Dienstag, 17.11.2020
Magazinrundschau
17.11.2020 Wired denkt über Impfstrategien nach. Bei Eurozine überlegt der Schriftsteller Arnon Grunberg, wie man vergangenes Unrecht in eine bessere Zukunft ummünzen kann. Die London Review bewundert die Eleganz der Giraffe und staunt über ihre ausgeprägte Homosexualität. En attendant Nadeau liest Larissa Reissners Buch über den Arbeiteraufstand in Hamburg 1923. Warum es etwas anderes ist, ob man in der Lyrik oder im Roman die Hosen runterlässt, erklärt Ádám Nádasdy in Elet es Irodalom. Nach der Ächtung der Abtreibung werden Frauen jetzt auch bei Fehlgeburten kriminalisiert, lernt die NYRB.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.11.2020 Die ungarische Regierung will einen europäischen Rechtsstaatsmechanismus boykottieren. Macht nichts, meint die SZ: lange können die sich das nicht leisten. Der Tagesspiegel skizziert den Klassengegensatz von Fest und Frei in der deutschen Klassikmusikszene: Sollten die Festen die Freien nicht unterstützen? Im Guardian erklärt Kwame Anthony Appiah, warum die Formel von der "gelebten Erfahrung", auf die sich Politiker in den USA gern berufen, um ihre Authentizität zu unterstreichen, nichts aussagt. Der Spectator ist traurig, weil die Kolumnistin Suzanne Moore den Guardian verlässt.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.11.2020 In der NZZ protestiert der Architekturhistoriker Bernd Nicolai gegen Pläne des Pharmakonzerns Hoffmann-Laroche, in Basel die Ikonen der Schweizer Industriemoderne zu schleifen. Der Guardian erklärt, warum heutige Bauten immer hässlicher werden. Die taz feiert die Arbeit der Kommunalen Galerien in Berlin und besonders die deutsch-türkische Ausstellung "Shifting Patterns" in der Galerie Nord. In der NZZ überlegt David Grossman, was Menschen zu Soldaten des Bösen macht. Der Standard fragt, wie bieder sex-positiver Rap ist.
Medienticker
17.11.2020 Pastiche & Konsolidierung: Neue Musik in der Kultur des Spätkapitalismus & Schostakowitschs Sonate op. 40 "Mit tiefen innerem Schmerz" - Punkrock in der DDR & DDR-Provenienzforschung - Künstliche Intelligenz: Die Rückkehr des Orakels aus dem Geiste der Mathematik -Thomas Klings gesammelten Werke: Gespräch mit Marcel Beyer - Klassismus im Journalismus
Bücherschau des Tages
17.11.2020 Überfällig findet die FAZ die Übersetzung der frankokanadischen Autorin Marie-Claire Blais, deren Prosa so biegsam und treffsicher sei wie ein Florett. Judith Butlers Theorie "Die Macht der Gewaltlosigkeit" erscheint ihr dagegen maßlos. Als prachtvolle Anthologie humanistischer Dichtung feiert die FR Tobias Roths "Welt der Renaissance". SZ und taz empfehlen wärmstens eine Comic-Bografie der Tänzerin Isadora Duncan. Der DlfKultur erkennt in Dilek Mayatürks Gedichtband "Brache" eine kraftvolle poetische Selbstermächtigung. Gegen politische Einäugigkeit rät er zu Pierre Rosanvallons "Das Jahrhundert des Populismus".
Mittwoch, 18.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
18.11.2020 Le Monde staunt über den im Internet zirkulierenden Film, "Hold-up", der Verschwörungstheorien über Covid 19 verbreitet und auf ein begeistertes Publikum stößt. Die SZ warnt vor der KI-Technik der "Deepfakes", die vor allem als Waffe gegen Frauen verwendet werde. In der taz hofft Tuba Isik, Professorin am Berliner Institut für Islamische Theologie, mit dem Hinweis auf die "einst ambigue Kultur des Islam" selbst heikle Themen wie Homosexualität an ihrem Institut bewältigen zu können. Die FAZ greift einen Streit zwischen der New York Times und Emmanuel Macron auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.11.2020 Hyperallergic bewundert die verstörende Sinnlichkeit der brasilianischen Künstlerin Lucia Nogueira. Die FAZ möchte auch den Beethoven verehren, der politisch auf der falschen Seite stand. Auf ein geteiltes Echo stößt Andres Veiel mit seinem Klima-Prozess "Ökozid". Und in der NZZ verrät David Wagner, warum Berlins Straßen so breit angelegt sind.
Medienticker
18.11.2020 Lieder jenseits der Menschen - Anschlag von Wien & die Medien - Herfried Münkler: Überzogen: Ermächtigungsgesetz = Infektionsschutzgesetz? Ingo Schulze über Nachrufe: "Der Tod macht manches nebensächlich" - Who will buy Simon & Schuster? - Bestseller vor Erscheinen. Buchcharts:Die aktuellen Bestsellerlisten - Der NDR Sachbuchpreis wurde an zwei Titel verliehen & Cervantes-Preis vergeben + Französische Literaturszene kämpft für Öffnung der Buchläden.
Bücherschau des Tages
18.11.2020 Dlf Kultur empfiehlt wärmstens "Alle Gesichter des Todes", einen magisch-realistischen Erzählband des mazedonischen Autors Petre M. Andreevski. Lesenswert findet er auch einen Band über die Erfindung der Ungleichheit von Frauen und Männern. Die FAZ lässt sich anregen von den Schriften zu Kunst und Film des Philosophen Günther Anders. Die FR taucht mit Dominique Manottis Krimi "Marseille.73" ein in die aufgeheizte Atmo der 70er.
Donnerstag, 19.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
19.11.2020 Es gibt viele Probleme mit dem Humboldt-Forum, aber eines ganz besonders: Wir kriegt man die Kunstwerke rein, geschweige denn raus? Die Weltkulturen müssen durch ein Eigenheimgaragentor passen, fürchtet die SZ. Der Journalismusprofessor Jay Rosen fragt in seinem Blog: Was machen die amerikanischen Medien nach dem "Trump Bump", der sie so prächtig profitieren ließ? Die Zeit schildert, wie die AfD zunächst rudern musste, um eine Position zu Corona zu finden und wie sie sich jetzt an die Coronaleugner hängt. Es gibt keine "Religionen", meint der Religionshistoriker Daniel Dubuisson in Le Monde, schon der Begriff sei eine imperialistische Erfindung.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.11.2020 Wie wollen wir künftig wohnen? Eine Frage, die die FAZ gern auf einer internationalen Bauausstellung diskutiert sähe. Die NZZ blickt melancholisch auf Kunstsammlung Emil Bührles, die ohne Waffenverkäufe nicht zustande gekommen wäre. Die taz erinnert an die Modefotografin Louise Dahl-Wolfe. Das Van Magazin untersucht die dubiosen Geschäftspraktiken des amerikanischen Musiklabels Orpheus Classical. Dlf Kultur fragt, warum das Monopol Magazin Black Lives Matter an die Spitze der Top 100 der wichtigsten Akteure der Kunstwelt gesetzt hat. Und nicht Donald Trump.
Medienticker
19.11.2020 Zeitungsverlage klagen vorerst erfolgreich gegen Online-Stadtportal - Leipziger Autoritarismusstudie in der Kritik - Bahnhofsbuchhandel in der Corona-Krise - Open Access Vereinbarung: Elsevier kooperiert mit Japan - Wie Österreichs Buchhandel trotz Lockdowns gegen Amazon punkten will - Bundeskartellamt genehmigt das Zusammengehen von Thalia und Osiander + Theater im Lockdown: Simon Strauß über Theater in Corona-Zeiten.
Bücherschau des Tages
19.11.2020 Die
FAZ schwelgt in Gedichten und Briefen
Georg Trakls. Die SZ empfiehlt
Christoph Möllers "Freiheitsgrade" zur
Einübung politischen Denkens. Die kulturelle Zerstörung Europas vor Augen, schöpft
Dlf Kultur "Radikale Hoffnung" mit
Jonathan Lear. Die
Zeit, die heute mit einer kleinen
Literaturbeilage erschienen ist (
alle Notizen hier), erforscht mit
Alex Ross "Die Welt nach Wagner", lernt "How to be perfect" mit
Ron Padgett und feiert ein
Fest lesbischer Liebe mit
Kay Davies' Roman "Love Addict".
Freitag, 20.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
20.11.2020 Viktor Orbans Regime ist korrupt. Nun will er mit Polen ein Veto gegen den neuen EU-Haushalt einlegen, der Rechtsstaatlichkeit verlangt. Soll er doch, meint George Soros im Tagesspiegel. Die taz erinnert an das Abkommen von Dayton, das vor 25 Jahren zwar den Bosnienkrieg beendete, aber keinen Frieden schloss. In der Welt ist der Germanist Magnus Klaue nicht einverstanden mit Christian Drostens "Pandemischem Imperativ", der da lautet: "Handle stets so, als seiest du selbst positiv getestet, und dein Gegenüber gehörte einer Risikogruppe an."
Efeu - Die Kulturrundschau
20.11.2020 Die Welt betrachtet spöttisch die orientalisierenden Gutmenschen in "Rembrandts Orient". Die nachtkritik erklärt am Beispiel Bambergs, was den Theatern nach der Pandemie droht, wenn die Kassen der Kommunen leer sind. Artechock guckt zähneknirschend Filme des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg im Netz. Die taz begutachtet die Praktiken der Musikplattform Bandcamp.
Medienticker
20.11.2020 Aktualisiert: Heribert Prantl über Corona & Demokratie - Hoffnung auf Zukunft: Gehen Klimawende & Kapitalismus zusammen? - Auszeichnungen: Bayerische Buchpreise für Ulrike Draesners "Schwitters" & Jens Malte Fischers "Karl Kraus" - Zoë Beck über den diesjährigen Booker Prize für Douglas Stuarts "Shuggie Bain" - Tocotronic-Songs als Comic - Fremd in der eigenen Sprache: Paul Celan zum Hundertsten + TV+Hörtipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
20.11.2020 Von Südafrika nach Berlin und wieder zurück: Dlf Kultur empfiehlt Sean O'Tooles Buch über das abenteuerliche Leben der expressionistischen Malerin Irma Stern. Die FAZ liest angeregt Axel Schildts Geschichte der Medien-Intellektuellen in der Bundesrepublik. Dlf huldigt mit Peter Stamm der schwarzen Romantik des Alltags. Die SZ reist mit Margaret Laurences Roman "Der steinerne Engel" in die Gründerjahre Kanadas. Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher.
Samstag, 21.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
21.11.2020 Die SZ ermittelt weiter zu Rechtsextremismus in der Polizei. Die Anwältin Seda Basay-Yildiz, die von der Gruppe "NSU 2.0" bedroht worden war, wohnt inzwischen an einem unbekannten Ort, und diese gesperrte Adresse wurde von den Tätern neu aufgespürt. Falls die rechtsextremen "Grauen Wölfe" verboten werden sollten, könnte der "Zentralrat der Muslime" ein Problem bekommen, so die Ruhrbarone. In der Welt erklärt Caroline Fourest, warum die identitäre Linke in falschen Mustern denkt. In der taz erklärt die Sozialwissenschaftlerin Edit Schlaffer, wie Terrorprävention funktionieren müsste. Im Spiegel fragt Swetlana Alexijewitsch, warum die Welt angesichts der Gewalt des Lukaschenko-Regimes schweigt.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.11.2020 In der FAZ erklärt die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger, warum die Aufklärung schlecht war für die Frauen im Allgemeinen und Musikerinnen im Besonderen. Die New York Times stellt den Künstler und Filmemacher Sky Hopinka aus der Ho-Chunk-Nation vor. Die NZZ kostet geschmorte Hexe im Kindertheater. Die taz probt afrikanische Tanzschritte mit Isaac Kyere. Warner testet mit "Wonder Woman" die Zukunft der Filmindustrie, die der Tod des Kinos sein könnte, berichtet die SZ. Schönheit wird die Welt retten, ruft in der FAZ Renzo Piano.
Bücherschau des Tages
21.11.2020 taz und Welt besprechen Barack Obamas Memoirenband "Ein verheißenes Land" (tausend Seiten, 42 Euro) mit unterschiedlichen Ergebnissen. In der NZZ sucht Cees Nooteboom mit
Philippe Sands die "Rattenlinie", die die katholische Kirche mit den Nazis verband. Die SZ preist Elif Shafaks frühen Roman "Schau mich an" als "satt, farbig und voller Metaphern". Und die taz begibt sich mit Danielle de Picciotto ins wilde Berlin der Techno-Zeit.
Montag, 23.11.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
23.11.2020 Die Feuilletons erinnern an Paul Celan, der vor hundert Jahren geboren wurde und dessen Czernowitzer Sprachklang auch von deutschen Märschen nicht übertönt werden konnte. Die FR lernt im Architekturmuseum München, was Künstliche Intelligenz am Bau leisten kann. In der Jungle World fordert Lars Henrik Gass Kinematheken für die Großstädte. Die SZ kann das Gejammer der Theaterintendanten nicht mehr hören. Der Tagesspiegel kann die Verödung des Großstadtlebens nicht mehr ertragen. Die FAZ zählt die Opfer, die der Kampf der Moskauer Bühnen gegen Corona fordert.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.11.2020 In der SZ erklärt der polnische Journalist Konstanty Gebert, warum die Rechtsstaatlichkeitsforderung der EU für Kaczynski gefährlicher ist als für Orban. Nick Cohen spießt in seiner Observer-Kolumne den Churchill-Kult Boris Johnsons auf. Bei Emma kritisiert Necla Kelek die Islamkonferenz von Innenminister Seehofer, die mit säkularen Muslimen schon gar nicht mehr sprechen will. Die Armenier haben in dem Krieg in der Region Bergkarabach viele Kirchen und Kulturdenkmäler verloren, berichtet die taz. Die New York Times erklärt, wo man Gesichter kaufen kann, die garantiert echt aussehen, es aber nicht sind.
Medienticker
23.11.2020 Mehr Lust am Lesen: Vorlesetag 2020 & Der Vorlesefriseur - Rambo & die Kulturnation: Waffengeschäft auf, Buchhändler zu - Journalismus in Coronazeiten: Keine Regierungs-PR - Faszination Wissenschaft: 60 Begegnungen mit wegweisenden Forschern unserer Zeit - Comicbuchtipps: "XES" + "Ausnahmezustand" - Verstummen und Aufschrei: Opern über Paul Celan.
Bücherschau des Tages
23.11.2020 Die SZ lässt sich von Petro Rychlo an den Klang von Paul Celans Poesie erinnern. Die FR liest auch fasziniert Yoko Tawadas Hommage "Paul Celan und der chinesische Engel". Der Dlf verteidigt mit Jürgen Trabant die Vielfalt der Sprachen gegen das unpoetische Wissenschaftsenglisch. Mit ihrem Appell, die Nation als Solidargemeinschaft wiederzubeleben, kann Aleida Assmann zumindest beim DlfKultur nicht landen. Und die FAZ empfiehlt Kinder- und Jugendbücher, darunter Anne Freytags Roman "Das Gegenteil von Hasen", der vom Mobbing unter Jugendlichen erzählt.
Dienstag, 24.11.2020
Magazinrundschau
24.11.2020 Der New Yorker lernt von Zimmermann Mark Ellison die Intelligenz des Körpers schätzen. Die London Review liest haitianische Geschichte von haitianischen Autoren. Lidove noviny stellt die tschechische Künstlerin Olga Karlíková vor, die Töne zeichnete. Elet es Irodalom nimmt teil am Forum der Liebe. In The Nation fragt Pankaj Mishra, warum afroamerikanische Intellektuelle so wenig internationale Solidarität zeigen. Africa is a country erzählt die Geschichte Äthiopiens. The Atlantic schildert das Drama hinter der Diskussion um die Abtreibung behinderter Föten.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.11.2020 Die SZ erklärt, warum es für arme spanische Kinder ein Nachteil ist, dass das Spanische jetzt "Kastilisch" heißt. Die taz fragt, warum sich Jens Spahn schlicht weigert, Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe zu ziehen. In der NZZ geißelt Ayaan Hirsi Ali die Ideologie der kulturalistischen Linken. Perlentaucher Thierry Chervel lehnt die von der Bundesregierung geplante Subvention von Zeitungen als " eine krasse Wettbewerbsverzerrung" ab. Medien wie die FAZ lassen sich dagegen gern nicht nur vom Staat, sondern auch von Google unter die Arme greifen, berichtet die taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.11.2020 Die SZ huldigt der vor sechzig Jahren gegründeten Oulipo-Bewegung, ganz ohne E. Die taz versinkt mit Sebastian Hartmanns "Zauberberg"-Inszenierung in einem fantastisch verstörenden Traumgestöber. Die FAZ fragt nach der Herkunft der Krefelder Mondrian-Gemälde. Die taz erlebt auch in der Kleinen Galerie in Eberswalde wie sich Walter Womackas Agit-Prop in Hans Tichas Agit-Pop verwandelte. Der Standard erzählt vom rasanten Aufstieg des Malers Amoako Boafo, der es von der Wiener Kunstakademie direkt ins Guggenheim schaffte. Und ZeitOnline lernt den sanften Hauch der westafrikanischen Musikerin Amaarae zu fürchten.
Medienticker
24.11.2020 Österreich: Erleichterung für den Buchhandel durch reduzierte Mehrwertsteuer - Frankreich: Handel & Ministerin rufen zum Amazon-Boykott auf - Hongkong: Haft für Joshua Wong - Auszeichnungen: Daniel Kehlmann erhält den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis & Daniela Danz den Günter Kunert Literaturpreis für Lyrik - Börsenverein unterstützt Umstellung auf Barrierefreiheit - Buchdruck par excellence: Gerhard Steidl zum Siebzigsten.
Bücherschau des Tages
24.11.2020 "Leben bedeutet, eine Form zu verteidigen", lernt die FAZ in den "Schriften" des Filmemacherpaares Jean-Marie Straub und Danièle Huillet. Empfehlen kann sie auch Manfred Geiers sexualbiografischer Geschichte "Die Liebe der Philosophen". Die FR folgt mit Helmut Lethens Erinnerungen einem Leben in der Revolte. Dem Dlf stellt sich mit Judith Butler und Elsa Dorlin die Gewaltfrage. Und der DlfKultur bewundert Witz und Schonungslosigkeit, mit der Shigeru Mizuki von den "Kriegsjahren" erzählt.
Mittwoch, 25.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
25.11.2020 In France inter wundert sich Jean-Marc Four über das horizontale Machtgefüge in Deutschland, das die Coronakrise dennoch bewältigt, während Emmanuel Macron im französischen Fernsehen von oben herab die Schließung von Skistationen ansagt. PolitikerInnen (besonders, aber nicht nur grüne) wollen die Innenstädte grüner machen. Nein, ruft Claudius Seidl in der FAZ: Wir wollen Lärm, Chaos und Vereinzelung. Auch Europäer wurden versklavt, erinnert Beat Stauffer in der NZZ. In der FR warnt Wilhelm Heitmeyer vor den Zwiebelmustern des Rechtsextremismus. Und Klaus Heinrich ist gestorben.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.11.2020 Zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen fordert die Fotografin Donna Ferrato eine bessere Ausbildung für Polizisten. FR und NZZ erinnern an den japanischen Schriftsteller Yukio Misihima, der sich in einem reaktionären Todesrausch vor fünfzig Jahren das Leben nahm. Ron Howards "Hillbilly Elegy" entlockt dem Tagesspiegel nicht mal ein wohliges Gruseln. Die FAZ bemerkt mit Entsetzen, wie aufregend die maßgeschneiderten Playlists von Spotify sind. Und die NZZ stellt fest: Die großen Volumen in der Alpen-Architektur sind passé.
Medienticker
25.11.2020 Aktualisiert: Milliardendeal: Bertelsmann übernimmt Simon & Schuster - Kooperation im Buchgeschäft: SZ & GeraNova Bruckmann - Russland: Pussy-Riot-Frauenverurteilt - Ausstralien: Prozess gegen Journalisten - Selbstaufklärung & Verdrängung: Der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer selbst geben - "New Deal" für die Kultur: "Kunst ist ein Symptom der Gesellschaft, in der wir leben" - Elbschwanenorden des Verein Deutsche Sprache: Kirsten Boie will diesen Preis wegen rechter Töne des Bundesvorsitzenden nicht - 60 Jahre Oulipo + Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten.
Bücherschau des Tages
25.11.2020 Die FAZ reist mit gelehrten Dichtungen von Ann Carson vom antiken Griechenland bis in die DDR. Die SZ untersucht mit Jan Philipp Reemtsma das Phänomen Gewalt und blickt mit frühen Erzählungen von Patricia Highsmith in ins Rutschen geratene Seelen. Die NZZ folgt mit Leila Aboulela einer jungen Sudanesin in der Londoner Diaspora zwischen Diskriminierung und Selbstermächtigung. Die Welt begleitet den amerikanischen Schriftsteller Philippe Sands gebannt die Rattenlinie entlang. Und Dlf Kultur entdeckt dank Susie Hodge vergessene Künstlerinnen aus fünf Jahrhunderten.
Donnerstag, 26.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
26.11.2020 Man hält Immanuel Kant seine rassistischen Äußerungen nicht vor, um ihn als Rassisten zu entlarven, sondern um die Idee des Universalismus selbst zu diskreditieren, schreibt Omri Boehm in der Zeit. In der Welt schlägt Thomas Schmid vor, terroristische Attentate zu "beschweigen". In Zeit online berichtet die iranische Autorin Ayeda Alavie über die geradezu industrialisierte Hinrichtungsmaschinerie im Iran. In der SZ bezweifelt Meredith Haaf, dass Quoten ganz oben etwas für die Frauen ganz unten bringen. Die taz freut sich über die Milliarde Euro, mit der die Bundesregierung Rassismus bekämpfen will. Die New York Times staunt, dass Bertelsmann jetzt auch noch Simon & Schuster kauft.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.11.2020 Ist sie nun von Leonardo oder von Cockle Lucas? Die Welt empfiehlt eine Arte-Doku zur umstrittenen Flora-Büste des Bode Museums. Die SZ betrachtet die tödliche Querflöte mit ganz neuen Augen. In der taz erklärt Miranda July den Vorteil kleiner Budgets im Filmgeschäft, und eine Reihe von Filmregisseurinnen erklärt, warum Artes "Unbeschreiblich weiblich"-Wettbewerb keineswegs feministisch ist. Die nmz erinnert an den Komponisten Iwan Wyschnegradsky. Zeit online und Tagesspiegel feiern die messerscharfen Raps auf dem Debütalbum von Megan Thee Stallion.
Medienticker
26.11.2020 Coup für 2,175 Milliarden US-Dollar für Bertelsmann: First Pearson, now Simon & Schuster - Österreich: Geldspritze für die Buchbranche - Ursula Krechel: Ehrenpräsidentin der PEN-Autorenvereinigung - Berliner Verlagspreis 2020 für den AvivA Verlag - Kritik am Verein Deutscher Sprache: Rainer Moritz über Kirsten Boies Ablehnung des Elbschwanenordens & Entgegnung des Vorsitzenden - Gespräch mit Daniel Kehlmann - Münchner Bücherschau verlängert - Sachbuchbestenliste Dezember + Deutscher Kurzfilmpreis.
Bücherschau des Tages
26.11.2020 Die SZ amüsiert sich mit Frank Schmolkes Superheldinnencomic "Freaks". Die Zeit weiß nicht ob sie lachen oder weinen soll über Pauline Harmanges Pamphlet "Ich hasse Männer". Dlf Kultur begibt sich mit Robert Moor auf Wanderschaft durch Natur- und Kulturgeschichte.Die FAZ erfreut sich an der ironischen Frische der Briefe von Horaz. Außerdem empfiehlt sie Lorenz Justs Roman "Am Rand der Dächer" aus dem Berlin-Mitte der 90er. Die FR lässt sich von Mike Fielitz und Holger Marcks den "Digitalen Faschismus" erklären. Die NZZ presst den Radikalliberalismus Oliver Zimmers ans bebende Schweizer Herz.
Freitag, 27.11.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
27.11.2020 "Ich muss mir die Augen mit Atemschutzmasken bedecken, um einzuschlafen", schreibt der Hongkonger Demokrat Joshua Wong in einem Mail-Interview, das die Welt mit ihm führte - in seiner Gefängniszelle wird das Licht nicht ausgemacht. Die AfD ist die stärkste Arbeiterpartei, konstatiert das DGB-Blog Gegenblende mit dem Soziologen Klaus Dörre. Und die oberste Bundesrichterin und christliche Fundamentalistin Amy Coney Barrett funktioniert wie vorgesehen und stimmt für Gottesdienste in Corona-Zeiten, berichtet die New York Times. Aktualisiert: Der neue "Arbeitskreis Digitale Publisher" protestiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.11.2020 Der Tagesspiegel fragt, warum das Spandauer Rathaus in Berlin nicht tätig wird, während ein Privathaus von Scharoun verschandelt wird. Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller setzt ihren Schnutendeckel ab und liest auf einer Parkbank, erfahren wir aus der SZ. Die taz schwelgt in Liebes- und Todessehnsucht mit der Musicbanda Franui. Die FAZ stellt die Künstlerin Therese aus dem Winckel vor, die selbst glaubte, dass Frauen besser nicht genial sein sollten.
Medienticker
27.11.2020 Aktualisiert: Was die Verlagsbranche von Netflix lernen kann - Digitales Großprojekt: Bertelsmanns Digitalportal - Simon & Schuster: US-Autoren kritisieren Übernahme - Vom Dandy zum Sokrates: Clare Carlisles Kierkegaard-Biografie - TV-Tipp: "Das Verhör in der Nacht" & ein Gespräch mit Daniel Kehlmann - Der Kinogeher: Victor Klemperers Kinotagebuch - "Autistic Disco": Lars Eidingers spezieller fotografischer Blick + Die TV+Hörfunk-Tipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
27.11.2020 Die FAZ lässt sich von Hans Hipp in die Welt der Wachszieher und Votivgaben einführen. Die FR beneidet Joe Biden um seine Schmerzensmann-Qualitäten und um seinen Ghostwriter. Längst überfällig findet die SZ die Anthologie mit kritischen Texten der Schwarzen Botin. Und Dlf-Kultur blickt mit Martin Schäuble einer finsteren Post-Corona-Zeit entgegen.
Samstag, 28.11.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
28.11.2020 Die taz erklärt, weshalb Linke, Feministinnen und konservative Moslems gegen Berkun Oyas Netflix-Serie "Bir Başkadır" über den Alltag in Istanbul Sturm laufen. Im Interview mit artnews erzählt die polnische Malerin Ewa Juskiewicz, weshalb sie die Gesichter ihrer porträtierten Frauen mit Insekten und Pilzen bedeckt. Mit einem Geldsegen von 74 Millionen Euro will sich das Literaturarchiv in Marbach als Literaturdatenzentrum aufstellen, meldet die Welt. Und die SZ betet Harry Styles in fluffigem Volant auf dem Cover der US-Vogue an.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.11.2020 In der taz berichtet Karim El-Gawahry von der Verhaftung seines guten Freundes, des Menschenrechtsaktivisten Gasser Abdel Razek. ZeitOnline berichtet vom zunehmenden Protest gegen eine einseitige Presseförderung der Bundesregierung. Der Guardian blickt neidvoll in die USA, die ihre Verirrung des Jahres 2016 hinter sich lassen. In der NZZ kann sich der Anglist Hans-Dieter Gelfert den Brexit nur mit John Lockes Empirismus erklären. Zum zweihundertsten Geburtstag von Friedrich Engels ermuntert die SZ dazu, revolutionäre Energien ruhig mal mit einem Glas Champagner zu befeuern: Warum denn nicht?
Bücherschau des Tages
28.11.2020 Die taz erkennt in Tarjei Vesaas einen norwegischen Handke - bloß ohne Andacht, diskutiert mit Kamel Daoud eine Nacht lang im Picasso-Museum über die Bilderwut des Islam und schwelgt schließlich in einem Prachtband über Naomi Campbell. Die FAZ lernt dank Baltasar Gracian höfische Umgangsformen. Die Welt begibt sich auf die Spuren des vergessenen Grimm-Bruders Ferdinand. Und Dlf Kultur vergnügt sich mit Jaime Begazo und Jorge Luis Borges.
Montag, 30.11.2020
Medienticker
30.11.2020 Aktualisiert: Prix Goncourt für Hervé Le Telliers "L'Anomalie" - Wort des Jahres 2020: "Corona-Pandemie" - Pandemie + Freiheitsrechte: Der offene Gesellschaft steht unter Vorbehalt, meint der Historiker René Schlott - Kultur im Lockdown: Nicht systemrelevant? - Lokale Geschäfte in Not. Frankreich macht mobil gegen Amazon - Very good times: Wieso die NYT auf ein denkwürdiges Jahr zurückblicken kann - Änderung des Grundgesetzes: Wodurch soll der Begriff "Rasse" ersetzt werden? - Der Kinogeher: Victor Klemperers Kino-Tagebuch - T.C. Boyle: Das fremde Land gleich nebenan + SWR-Bestenliste Dezember.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.11.2020 In der SZ fordert Andrian Kreye eine Aussetzung des Datenschutzes für die Corona-App. Auch Karl Marx hat sich beim Thema Sklaverei keine Meriten erworben, konstatiert die Berliner Kulturwissenschaftlerin Iris Därmann in der taz. taz, Guardian und Médiapart veröffentlichen einen Brief palästinensischer Intellektueller gegen die Antisemitismusdefinition der "International Holocaust Remembrance Alliance". Richard Herzinger fordert in seinem Blog, dass Deutschland den Holodomor als Genozid anerkennt. Würden in Thüringen nur die in den achtziger Jahren geborenen Ostdeutschen wählen, dann würde wohl Björn Höcke Ministerpräsident werden, fürchtet in der Welt die Autorin Anne Rabe.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.11.2020 Coop Himmelb(l)au will Wladimir Putin einen Kulturtempel auf der Krim errrichten. Könnte gut sein, dass das Architekturbüro damit nicht nur gegen den Anstand, sondern auch gegen die internationalen Sanktionen verstößt, meint die SZ. In der FAS verteidigt Michel Houellebecq das Recht auf religiösen Angriff und Absturz. Im Münchner Schlachthofviertel besichtigt die taz schon mal die Fundamente des neuen Volkstheaters. Und von artechock bis ZeitOnline sind alle begeistert von Dominik Grafs Jubiläumstatort "In der Familie".
Bücherschau des Tages
30.11.2020 Der DlfKultur empfiehlt die Flugschriftensammlung "Belarus!" mit Analysen und Solidaritätserklärungen zur weißrussischen Protestbewegung. Die FAZ rekonstruiert mit Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg "Die Wirecard-Story". Die taz liest Pilar Quintanas kolumbianischen Roman "Hündin" als Parabel auf die Bedrohung der Humanität durch Verarmung und Gewalt. Recht harmlos, doch politisch und ästhetisch überzeugend findet die Welt, wie Andy Warhol in "Love, Sex, and Desire" männliche Schönheit feiert.