Montag, 02.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
02.11.2015 Die NZZ lässt sich von Wollfäden umgarnen. Die Berliner Zeitung schaudert es bei dem Gedanken an Ai Weiwei und deutsche Professoren. Die Welt feiert den Götzenkult in der Kunst. The Quietus stellt das perfekte Hörspiel für Halloween vor. Und: Alle lieben Büchnerpreisträger Rainald Goetz. DRadio Kultur berichtet aber auch von einem kleinen Eklat in Darmstadt.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.11.2015 In der FR erklärt die Gezi-Ikoni Mücella Yapici, warum die AKP der Mafia ähnelt. Die NZZ stellt eine neue Generation kapitalismuskritischer Intelllektueller in Tschechien vor. New York Times und FR blicken mit Sorge auf Bangladesch, wo schon wieder säkulare Intellektuelle umgebracht wurden. Im Guardian verteidigt Nick Cohen die BBC gegen die britische Rechte - aber auch gegen die schottische Nationalisten und die englische Linke.
Medienticker
02.11.2015 Aktualisiert: Journalismus der Zukunft: Zeitungen sind zäh & sterben langsam, meint Emily Bell - EU-Propaganda-Offensive wird Misstrauen gegenüber den Medien stärken - Stern-Umfrage: Irgendwas mit Lügenpresse - Pegida-Rede: Akif Pirinçci geht wegen "Rufschädigung" gegen Medien vor - Reportage: Neue Dimension der Einschüchterung - Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, Köln, München, Wien + Pier Paolo Pasolini: Mord an einem Zornigen vor 40 Jahre.
Bücherschau des Tages
02.11.2015 Die FAZ folgt den Abenteuern der starken und mutigen Prinzessin Kemang im Dschungel von Sumatra. Außerdem bricht sie in Iris Lemanczyks Jugendroman "Ins Paradies?" mit dem 13-jährigen Adnan von Djerba aus nach Europa auf. Die SZ bewundert die reflexive und atmosphärische Kraft, die Tomas Espedals in "Wider die Kunst" entfaltet.
Dienstag, 03.11.2015
Magazinrundschau
03.11.2015 Der Guardian lernt im Britischen Museum, wie die Religionen sich gegenseitig kopierten. Das Universum ist mindestens so digital wie analog, erklärt der Merkur. In HVG warnt György Dalos davor, die Errungenschaften der ungarischen Revolution zu verwerfen. Himal macht die Blasphemiegesetze in Bangladesch mitverantwortlich für die Morde an säkularen Bloggern. Novinky berichtet vom tschechischen Dokumentarfilm-Festival. Die Public Domain Review erklärt, wie langweiliges Moos im 19. Jahrhundert zur Metapher für verbotenen Sex wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.11.2015 Die NZZ vergleicht Zeichnungen von Raffael, Parmigianino und Barocci, macht sich Gedanken übers Architektur-Rendering und stellt die irische Autorin Eimear McBride vor. Die Akademie für Sprache und Dichtung ist ausgelebt, notiert der Merkur nach den Preisverleihungen am Wochenende. Die FAZ ist ähnlicher Ansicht zur Universität der Künste. Die Zeit entschwebt beim Festival Pro Musica e Arte Sacra in den Papstbasiliken in höhere Sphären.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.11.2015 Was ist das für eine Welt, in der Verschwörungstheoretiker als Heroen der Wahrheit und Journalisten als Lügner gelten, fragt Caroline Fourest in der Huffpo.fr. Wolfgang Tischer erklärt in Literaturcafé, warum eine Zensur von Hasskommentaren bei Facebook falsch wäre. Der Guardian zeigt die trüben Datenschutzbedingungen der großen Internetkonzerne auf. taz und Welt schauen betrübt auf die türkischen Wahlergebnisse. In der SZ hofft die Kuratorin Anda Rottenberg, dass die neue Regierung die kulturelle Blüte Polens nicht kaputt macht.
Medienticker
03.11.2015 The Westport Independent: Lügenpresse als Spiel - VDZ-Präsident Hubert Burda: Zeitschriften-Verleger brauchen keine Subventionen & keine Mäzenaten - Aus der Nachrichtenredaktion: Die "sieben Todsünden" - Pirinçcis Rede: Eine Geschichte von Fehlern, Exzessen & Scheinheiligkeit - Die Passionen des PPP: Wolfram Schütte über den italienischen "Freibeuter" - Keine Islamophobie: Knausgård über Houellebecqs "Unterwerfung" + Stadtmagazin: "München ist Dreck".
Bücherschau des Tages
03.11.2015 Die NZZ bewundert, wie höllisch nah sich Sprache und Körper in Eimear McBrides Irland-Roman "Das Mädchen ein halbfertig Ding" kommen. Gespannt verfolgt sie auch, wie Stefan Chwin in seinem "Deutschen Tagebuch" das Schöne und Böse erkundet. Die FR liest gefesselt Richard Price' vibrierenden Cop-Thriller "Die Unantastbaren". SZ und FAZ kommen nicht los von Peter Scholl-Latour.
Mittwoch, 04.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
04.11.2015 Die Presse sieht Österreich-Ungarn mit den Augen des Fotografen Andreas Groll beim Bauen zu. Die taz freut sich über eine Wiener Retrospektive zur Regisseurin Ida Lupino. Die FAZ besucht das Indonesische Literaturfestival. Und Richard Williams, neuer Leiter des Jazzfests Berlin, erklärt in der Berliner Zeitung, wie er die kreative Community der Stadt einbinden will.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.11.2015 Die FAZ musste entdecken, dass Internetkonzerne ihre Macht politisch nutzen! Netzpolitik musste mit ansehen, wie Angela Merkel vor Zeitschriftenverlegern brav einen Knickser machte und ihnen versprach, dass der Datenschutz nicht die Oberhand gewinnt. Wer über das Ende seines Lebens selbst bestimmen will, düpiert den Schaffner, meint Philosophieprofessor Thomas Sören Hoffmann in der FAZ. Die SZ zeigt mit Blick auf das Kulturgutschutzgesetz, wie man mit Gesetzgebung Arbeit schaffen kann.
Medienticker
04.11.2015 Springer-Ergebnis: Digital boomt, Print verliert - E-Commerce-Riese als stationärer Buchhändler: Warum Amazon wieder einen Buchladen aufmacht - Zeitung auf eBook Reader: SZ startet epub-Ausgabe - Merkel verspricht Verlegern weniger Datenschutz & mehr Urheberrecht - Wegweisender "Kompass": Prix Goncourt geht an Mathias Énards "Boussole" - Pop-Enzyklopädie. "Bob Dylan - Alle Songs" - Schreibmaschinenbilder: Tipp - tipp - tipp, die Kunstmaschine + lit21.de: Das literarische Metablog.
Bücherschau des Tages
04.11.2015 Die SZ begibt sich auf Alban Nikolai Herbsts "Traumschiff" in die Transitzone zwischen Leben und Tod. Die FR liest beeindruckt Norman Maneas Essays aus dem und über das Exil. Die NZZ denkt mit Christian Gerhaher über das Singen nach. Die FAZ erkundet mit dem neuseeländischen Autor Lloyd Jones die Mythen der Auswanderung.
Bücherbrief
04.11.2015 Silvia Bovenschen über die gefährliche Souveränität der Sarah Schumann, György Dragoman über die Mädchengegenwart Emmas, Gerhard Henschels Kempowskisieren und die Polyphonie des Vasarischen Textes. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats November.
Im Kino
04.11.2015 Etwas geht zu Ende in Sam Mendes' "Spectre" - und vielleicht nicht nur Daniel Craigs Amtszeit als Bonddarsteller. Kivu Ruhorahozas präferiert in seinem faszinierenden Rätselfilm "Things of the Aimless Wanderer" die Seitwärtsbewegung.
Redaktionsblog - Im Ententeich
04.11.2015 Perlentaucher lanciert lit21.de, ein literarisches Metablog, das literarisch relevante Texte und Informationen aus Blogs, Zeitungen und Radios bündelt und als konzentrierten Neuigkeitenstrom darstellt.
Donnerstag, 05.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
05.11.2015 Ausgerechnet in der durch die Flüchtlingskrise verschärften Wohnungsnot sind Architekten nicht gefragt, konstatiert die FAZ. Thierry Chervel unterhält sich mit dem literaturcafé über Literaturkritik und das neue Metablog Lit21. Der Freitag staunt über den Vom-Buchpreis-zur-Bühne-Rekord, den die Berliner Schaubühne mit der Ankündigung einer Adaption von Frank Witzels "Die Erfindung..." aufstellt. Der Perlentaucher spürt der Melancholie des neuen James Bond nach. Und die FR widmet sich im Frankfurter Liebighaus der Anzüglichkeit des Rokoko.
9punkt - Die Debattenrundschau
05.11.2015 Die Zeit reibt sich in Passau die Augen: So sachlich, freundlich, hilfsbreit hat sie Grenzschutz noch nicht erlebt. Hans Ulrich Gumbrecht sieht dagegen die Nation so verunsichert wie 1977. In der FR erinnert Karl Schlögel daran, dass die Ukraine gerade eine Million Flüchtlinge bewältigt. Die FAZ schaudert vor der neuen Höflichkeit der russischen Staatsmacht. Die SZ verliebt sich in Sarajevo. Der Tagesspiegel findet Misstrauen gegenüber den Medien ganz gesund. Die Welt weiß: Wo viel über Zensur geredet wird, kann keine sein.
Medienticker
05.11.2015 Aktualisiert: René Girard ist tot - Bild-Wechsel: Kai Diekmann gibt Chefredaktion ab & "Der Journalismus hat sein Bestes noch vor sich", weiß Mathias Döpfner - Warum Journalisten immer unrecht haben - Gratislizenz für Google: Die streng geheime Niederlage der VG Media & Googles selbst antwortende Mail - Obama befragt seine Lieblingsautorin Marilynne Robinson + Jazzfest Berlin: "Bei Jazz bewegt sich immer etwas nach vorne".
Bücherschau des Tages
05.11.2015 Den Liebhaber langer Romanreisen empfiehlt die Zeit nachdrücklich Anthony Powells Großwerk "Ein Tanz zur Musik der Zeit", das in zehn Bänden - und besser als Balzac, Proust und Knausgard! - vom Leben in der englischen Upperclass erzählt. Eine sehr gelungene Zumutung sieht sie in Giorgio Chiesuras düsterem Roman "Hingabe". Die NZZ begegnet mit Angela Köckritz und Xifan Yang einem zwischen Freude und Schmerz geteilten China. Die SZ preist die Meisterschaft Christoph Meckels. Und die FAZ verschlingt Robert Harris' Cicero-Roman "Dictator".
Freitag, 06.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
06.11.2015 Populistisch ausgetrickst fühlen sich Standard und Presse von der Wiener Ausstellung "Politischer Populismus". Jürgen Flimm erklärt im Tagesspiegel, warum er die Berliner Staatsoper nicht türenknallend verlassen will. FAZ und Stuttgarter Zeitung lassen sich in Marbach von der kinetischen Energie bewegter Bücher durchströmen. Die NZZ gratuliert dem Théâtre national de Bretagne zum fünfundzwanzigsten und dem Komponisten Helmut Lachenmann zum achtzigsten Geburtstag.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.11.2015 In der Welt erklärt Stefan Chwin, warum polnische Fremdenfeindlichkeit anders ist als die im Westen, irgendwie von der Geschichte geadelt. Slate.fr macht sich unangenehme Gedanken über den Aktionsradius des "Islamischen Staats". taz und Spiegel online argumentieren gegen eine Kriminalisierung der Beihilfe zum Suizid. Die FAZ bleibt in dieser Frage strikt konservativ. MobyLives schreibt über die Redaktion der Zeitschrift Lingua, die wegen der exorbitanten Abo-Preise von Elsevier zurückgetreten ist.
Medienticker
06.11.2015 Aktualisiert: Crossmediale Redaktionssysteme: Vom Verlag zum Medienanbieter - Wettbewerb: Kampf um junge Mediennutzer - "Lügenpresse": Misstrauen gegenüber Medien gab es immer - Von Diekmanns Gnaden: Der Boulevard-König wird noch mächtiger - Nachruf: Jürgen Kocka erinnert an Hans Mommsen - Netzpolitik: Deutschlands WLAN-Schwäche - Theater-Nachtkritiken aus Belin & Zürich + In memoriam: Vor 50 Jahren starb der Komponist der Avantgarde Edgar Varèse.
Bücherschau des Tages
06.11.2015 Als künftiges Standardwerk preist die FAZ Andreas Holzems Studie zum "Christentum in Deutschland 1550-1850". Die FR lernt bei James Carlos Blake den "Pistolero" John Wesley Hardin als äußerst lässigen Mörder mit Publikumswirksamkeit kennen. Die faszinierte SZ rekapituliert mit Yasmina Khadra "Die letzte Nacht des Muammar al-Gaddafi" und lässt sich von Krisztina Tóth ins Ungarn der Nachkriegszeit versetzen. Sehr empfehlen kann sie außerdem die Romane und Kurzgeschichten von Donald Antrim.
Samstag, 07.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
07.11.2015 Karl Ove Knausgard beschreibt in der Welt, wie Medien den Menschen zur Masse machen. In der FAZ spricht Frank Witzel über das Lachen und die RAF. Die SZ geht vor dem Pianisten Igor Levit in die Knie. Echte Handarbeit bewundert sie bei alten Fotos aus dem Polizeiarchiv. In der NZZ schreibt Hans Belting über Goethe und Raffael.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.11.2015 Die FAZ hat einen Verdacht, worauf der unkritische "Willkommens-Journalismus" der Öffentlich-Rechtlichen eigentlich abzielt: auf 1,6 Milliarden Euro. Die taz hat einen Verdacht, worauf die Aushöhlung der Netzneutralität eigentlich abzielt. Außerdem fordert die taz mehrwertsteuerfreien gemeinnützigen Journalismus. In Rom haben Navid Kermani und Erzbischof Georg Gänswein über Sexualität und Kirche diskutiert, berichtet die Berliner Zeitung. Und die NZZ trinkt ein Glas objektiv guten Wein auf den vor bald hundert Jahren geborenen Roland Barthes.
Bücherschau des Tages
07.11.2015 Wenn Luz in seinem Comic "Katharsis" den Anschlag auf Charlie Hebdo bewältigt, ist das nicht nur tieftraurig, sondern auch hochkomisch, versichert die taz. Außerdem goutiert sie Kalin Terzijskis drastischen Debütroman "Alkohol". Sehr anrührend findet die FAZ, mit welcher Wärme Billy Hutter in "Karlheinz vom Leben eines Gestrandeten erzählt. Die NZZ bewundert, wie aktuell und feinsinnig Rolands Barthes "Fragmente einer Sprache der Liebe" noch immer sind. Die Welt liest Tiphaine Samoyaults Barthes-Biografie auch als Porträt einer intellektuellen Schwellenzeit.
Montag, 09.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
09.11.2015 Die Volksbühne lebt: vom Keller bis aufs Dach, notieren die Theaterkritiker nach sechseinhalb Stunden "Brüder Karamasow". Verhaltenes Lob gibt's von den Opernkritikern für Jürgen Flimms großväterlich verständigen "Figaro". Absolut nicht amüsiert hat sich die SZ beim Open-Mike-Wettwerb in Berlin. Die Welt feiert die selbstbewusste Malerin Élisabeth Vigée Le Brun in Paris. Im Deutschlandradio denkt Wolfgang Ulrich über das Kunstmuseum im Zeitalter von Social Media nach.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.11.2015 In der taz sucht Micha Brumlik einen dünnen Begriff der Integration. In der NZZ am Sonntag fühlt sich Rüdiger Safranski von Millionen umschlungen. Die FAZ ist zufrieden, das die Selbstbestimmung der Lebensmüden nun nicht mehr das Recht überstrahlt. Und nun auch exklusiv im Perlentaucher: Guido Westerwelle ist geheilt.
Medienticker
09.11.2015 Grautöne sehen: Marlis Prinzing über Verantwortung im Journalismus - Eine Frage der Haltung: Was müssen digitale Journalisten können?, beantwortet Christian Jakubetz - Digitale Produkte: Spiegel gründet Tech Lab - 360-Grad-Journalismus: New York Times & YouTube starten in virtuelle Welten - Norbert Gstrein: In Syrien - Der Muthmacher: Martin Walser über Friedrich Nietzsche - Theater-Nachtkritiken aus Frankfurt, Hamburg, Köln, Weimar & Wien + TV-Kritik: Das beleidigte Quartett.
Bücherschau des Tages
09.11.2015 Spannend und sehr erhellend findet die SZ die Erinnerungen von Beate und Serge Klarsfeld und rühmt noch einmal die Lebensleistung der beiden Nazijäger. Marie Darrieussecqs doppelbödigen Roman "Man muss die Männer sehr lieben" liest sie mit einem schönen kleinen Grundgefühl.
Dienstag, 10.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
10.11.2015 Niemand denkt daran, eine Mauer zu errichten, versichert Olga Flor im Standard. In der FAZ empfiehlt Elisabeth Ruge den Verlagen, ab und zu eine einsame Entscheidung zu treffen. In der NZZ legt uns Raoul Schrott ein Buch über die Kerguelen ans Herz. Der Guardian erliegt lauscht der unbekannten Sprache von Alexander Calders Mobiles. Der Tagesspiegel hört ekstatischen Jazz. Und die Volksbühne verabschiedet Bert Neumann mit einen Maschinengewehrsalve und Wodka.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.11.2015 Frisst die Revolution auch ihre Kinder - die Online-Medien?, fragt John Hermann von The Awl in Medium. Auch im Scheitern hat die Arabellion noch ihr Gutes, sagt die ägyptische Schriftstellerin Mansura Eseddin in der NZZ. In der taz kritisiert Medizinethiker Urban Wiesing den Bundestag, der den Bürgern selbst in ihren letzten Momenten Vorschriften machen will. Zum Tod André Glucksmanns verlinken wir noch einmal auf seine Hommage auf Voltaire, den letzten Text, den er auf Deutsch bei uns publizierte.
Magazinrundschau
10.11.2015 Die NYRB erzählt, wie sehr die Debatte über das Massaker von Jedwabne Polen geprägt hat. Im Guardian erklärt Elif Shafak, warum sie von Länderboykotten nichts hält. Respekt analysiert die demokratische Gegenrevolutionen in Mitteleuropa. MicroMega wirft einen Blick auf den atemberaubenden Reichtum des Vatikans. New York Times, New Yorker und Boston Review stellen Crispr vor, einen molekularen Werkzeugkasten, mit dem man Gene verändern kann, und der die Universität, die das Patent daran erlangt, sehr reich machen wird.
Medienticker
10.11.2015 Aktualisiert: Helmut Schmidt ist tot - Schlaue Zahlen übers Netz: Hashtags, Unique User & Suchtrends - Neue Regeln zum Datenschutz: So will Europa das Vertrauen ins Internet stärken - "Lügenpresse": Hilft Transparenz gegen Hetze? - Flüchtlinge: Wie Zeitungen in Europa berichteten - Nachruf: Daniel Cohn-Bendit über André Glucksmann - "Dürrenmatt" im Kino: Der Humor rückt die Welt auf Distanz + Die Zukunft des Wohnzimmers: Glotzt du noch oder klickst du schon?
Bücherschau des Tages
10.11.2015 In allerhöchsten Tönen preist die NZZ Jean Greniers Buch "Die Inseln", das sie für eines der schönsten überhaupt hält und sich neben Montaigne und Senancour ins Regal stellt. Die FR wiegt sich im feinen Rhythmus von Arno Camenischs Roman "Die Kur". Sehr nachvollziehbar findet die SZ, wie Katja Gloger die Konterrevolution gegen die Moderne in "Putins Welt" nachzeichnet. Klug und lehrreich nennt die FAZ den Band "Normalität und Fragilität" über die Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg.
Essay
10.11.2015 Am Ende zieht André Glucksmann aus Voltaires "Candide" eine ganz bescheidene Folgerung: Wir müssen unseren Garten bebauen und ihn verteidigen: Europa, die einzige auf Transzendenz verzichtende Zivilisation.
Mittwoch, 11.11.2015
9punkt - Die Debattenrundschau
11.11.2015 André Glucksmann hat auch in der deutschen Diskussion eine wichtige Rolle gespielt. Welt und taz erinnern in ihren Nachrufen an Glucksmanns Kritik an der Friedensbewegung. Der NouvelObs gräbt Michel Foucaults Text über Glucksmann aus, der beschreibt, wie Glucksmann die Illusionen der französischen Linken bekämpfte. Außerdem blickt die FR mit Grauen in die Abgründe heutiger Stadtplanung. Télérama erinnert an Gilles Deleuze, der sich vor zwanzig Jahren das Leben nahm. Die NZZ sammelt einige Autorenstimmen zum Tod Helmut Schmidts.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.11.2015 AfD und der Dramatiker Falk Richter haben mehr gemeinsam als ihnen lieb sein kann, knurrt die SZ. Großes Lob gibt es aber für den neuen Leiter des Jazzfests Berlin, Richard Williams. Gar nicht so übel findet die Presse das Steve-Jobs-Biopic von Danny Boyle. Der Guardian bewundert die Yogaposen auf den Mauern des Lukhang-Tempels in Lhasa. Pitchfork feiert das neue Album von Grimes.
Medienticker
11.11.2015 Journalistenroman: Was Umberto Eco zur "Lügenpresse" zu sagen hat - Franz & seine Freunde: Das Nähe-Distanz-Problem von Journalisten - Ein Gespräch mit Thomas Ostermeier über rechte Hetze gegen Theatermacher - Jan Fleischhauer über Buchhändler als politische Richter - E-Books: Leichtes Sommerminus - Umstrittener Cookie: Facebook droht Strafzahlung - Der Komponist Jörg Widmann und die Liebe zu musikalischen Extremen + Zeitungs-Cover des Tages: "Jetzt erklärt er Gott die Welt" ...
Bücherschau des Tages
11.11.2015 Benoit Duteurtres Roman "Vorzimmer zum Paradies" ist so gut wie ein Houellebecq, versichert die FAZ. Die FR durchlebt mit Andrei Mihailescu "Gutem Mann im Mittelfeld" die Schrecken des Ceausescu-Regimes. Die SZ erliegt dem Charme von Anna Baars zwischen Jugoslawien und Österreich pendelndem Debütoman "Die Farbe des Granatapfels". Die Welt schnurrt unter Fred Vargas' "barmherzigem Fallbeil".
Donnerstag, 12.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
12.11.2015 In der Presse erklärt Achim Freyer: Don Giovanni ist kein Verführer, sondern die Freiheit. Im Standard baut Oliver Py für seinen "Fliegenden Holländer" den Schatten eines Schiffs. Im Tagesspiegel verkündet Peter Greenaway: Das wahre Kino ist noch gar nicht erfunden. Die Filmkritiker nehmen so lange gern mit Danny Boyles Steve-Jobs-Biopic vorlieb. Und Madonna kann Musikkritiker immer noch irritieren.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.11.2015 Der Tod des Autors führte zur Geburt des Lesers, schreibt Jochen Schimmang in der taz zum Hundertsten von Roland Barthes. Die SZ mokiert sich über Frankreich, das den iranischen Präsidenten hungern ließ. Die NZZ fragt: Ist das Schwarze Meer eine eigene kulturelle Region? In der Zeit spricht sich Bundesjustizminister Heiko Maas fünfmal hintereinander gegen eine allzu liberale Idee des Sharing aus. Bei Vice verrät Charlotte Roche die intimsten Geheimnisse deutscher Talkshows.
Medienticker
12.11.2015 Ist der traditionelle Journalismus tot? & Schöne neue Zukunft im Journalismus? - Blendle-Charts: Spiegel vierte Nummer 1 in Folge - Stoff für Fremdenfeinde: Focus übt sich als Handlanger & Social-Media-Strategie von Focus Online - Prospektbeilagen: Die Wahrheit über den Beilagensalat - Türkei: Studie untersucht Wahrnehmung über Freiheiten im Internet - Interview mit John Niven: "Ich bin sehr kindlich" + Kompromisslos zornig: Neil Young wird siebzig + Roland Barthes zum Hundertsten.
Bücherschau des Tages
12.11.2015 Dieser Autor ist erstaunlich untot, trotz seiner hundert Jahre: Alle schreiben heute über Roland Barthes, Auge in Auge mit dem Eiffelturm murmeln sie Fragmente einer Sprache der Liebe. Und zwar alle noch erstaunlich verliebt. Unter anderen schreibt Barbara Vinken in der Zeit. Außerdem: Westerwelle zwischen zwei Leben.
Tagtigall
12.11.2015 Sprache ist an die Wirklichkeit gebunden und gleichzeitig führt sie ein Eigenleben. Nachdenken über den inneren Zirkus der Worte.
Im Kino
12.11.2015 Hiromasa Yonebayashi erzählt in "Erinnerungen an Marnie" eine Coming-of-Age-Geschichte als Geisterfilm. In Axel Ranischs "Alki Alki" hat selbst das Abstrakte Gefühle, die artikuliert werden wollen.
Essay
12.11.2015 Erst wenn man anfängt, Gabriele Goettles Reportagen als Ganzes zu sehen, zeigt sich die Dimension des Unternehmens, an dem sie jetzt seit fast dreißig Jahren arbeitet. Ich weiß nicht, seit wann Gabriele Goettle bewusst ist, dass sie an einer einzigen riesigen vielstimmigen Komposition sitzt. Eine Laudatio.
Freitag, 13.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
13.11.2015 Endlich mal keine Genies, ruft die SZ begeistert in der Ausstellung "Painting 2.0: Malerei im Informationszeitalter". Die Presse staunt, wie gefühllos die romantischen Maler sein konnten. Wo ist die digitalisierte Welt im Kino, fragt die Berliner Zeitung. Dem Freitag wird es eng im weiten Raum zwischen Marx und Heidegger. Die Filmkritiker kommen ergriffen aus Hiromasa Yonebayashis Anime "Erinnerungen an Marnie".
9punkt - Die Debattenrundschau
13.11.2015 Politico.eu beschreibt eine neue Regierungsform: Despotismus mit Wahlen. In der NZZ spricht Aris Fioretis über die schwedische Reaktion auf die Flüchtlinge. Die Welt erklärt, warum Motorräder nur bei bestimmten Geschwindigkeiten leise sind. Zwei Professoren machen den Medien in Meedia keine Hoffnung mehr. Und der Börsenverein ist empört über ein EuGh-Urteil, das die Verleger nicht mehr von der VG Wort profitieren lässt.
Medienticker
13.11.2015 Aktualisiert: AGOF-News-Top-50: Spiegel Online verliert - Bertelsmann: Umsatz & Gewinn steigen - Bundestag will Netzneutralität nicht umfassend absichern - Tor-Netzwerk: Gemeinsam enttarnt es sich schneller - Überwachung: Christian Fuchs, Agent in eigener Sache - Adolf Muschg: "Die Bibliothek von einst wird körperlos" - Nach der Postmoderne: Das Spiel ist aus - Spanien: Fernando del Paso erhält Cervantes-Preis + Warum bringen Sie Leute um, Elizabeth George?
Bücherschau des Tages
13.11.2015 "Spuren der Begegnung", Anke Fischer-Kattners Analyse europäischer Reiseberichte über Afrika 1760-1860, fügt der gegenwärtigen Forschung eine willkommene Differenzierung hinzu, meint die FAZ. Anregend, wenn auch nicht immer überzeugend findet sie außerdem Norman Ohlers Studie "Der totale Rausch" über Drogenkonsum im Dritten Reich. Die SZ erfreut sich an Giorgio Vasaris Lebensbeschreibungen von seinen Künstlerkollegen in der Renaissance.
Essay
13.11.2015 Fotobücher feiern eine ungeheure Konjunktur. Sie sind nicht fürs Gucken, was Vinyl fürs Hören ist, kein Retroformat, sondern geradezu eine Folge der Digitalisierung. Und gleichzeitig ein Gegenraum zum Netz. Notizen eines gefährdeten Betrachters.
Samstag, 14.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
14.11.2015 Die modebewusste deutsche Frau der Dreißiger musste ein Chamäleon sein, erfährt die NZZ im Münchner Stadtmuseum. Bei "Eisler on the Beach" am Deutschen Theater erleben taz und FR die Musealisierung des Kommunismus. Der Freitag verfolgt gebannt die Genese des Bob-Dylan-Sounds. Die FAZ macht sich ernste Sorgen um den Macho auf der Bühne. Die NZZ interpretiert Bartolomeo Suardis Kreuzigungsszene in der Pinacoteca di Brera und "Star Wars".
9punkt - Die Debattenrundschau
14.11.2015 120 Tote in Paris nach islamistischen Anschlägen. Eine normale Presseschau kann man nach diesem Horror nicht machen. Wir verlinken auf erste Reaktionen und erste Analysen. Außerdem: Emmanuel Todd in der Welt über Muslimfeindlichkeit, die angeblich der Grund für Antisemitismus bei Muslimen ist. Und ein Brief von taz-Autor Jan Feddersen an Necla Kelek.
Bücherschau des Tages
14.11.2015 Eines Balzac würdig erscheint der Welt, wie Francois Roux in "Die Summe unseres Glücks" von Aufbruchstimmung und Niedergang Frankreichs nach dem Wahlsieg François Mitterrands erzählt. Die FR ist begeistert von Pierre Bosts noch immer hochaktuellem Roman "Bankrott" von 1928. Der überwältigenden Sogkraft von Eimear McBrides "Das Mädchen ein halbfertiges Ding" kann man sich nicht entziehen, staut die taz. Mit großen Interesse liest sie außerdem Fritz Bauers Briefe an Thomas Harlan.
Montag, 16.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
16.11.2015 Die taz lernt in Sebastian Nüblings Stück "In unserem Namen" einiges über den beängstigenden Druck, unter dem Flüchtlinge stehen. Die taz porträtiert die Eagles of Death Metal, die am Samstag abend im Pariser Club Bataclan spielten. Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" ist das Buch dieses Moments, meint die Berliner Zeitung.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.11.2015 Tag drei nach den Pariser Attentaten. Die Anhänger des Todeskults wählten die richtige Stadt, schreibt Ian McEwan in Edge.org, die Hauptstadt des Säkularismus. Alles, was sie hassen, stand den Attentätern an diesem fröhlichen Freitagabend vor Augen: "Männer und Frauen in lockerer Verbindung, Wein, freies Denken, Gelächter, Toleranz, Musik." Wir verlinken außerdem auf Texte von Pascal Bruckner, Bernard-Henri Lévy, Kenan Malik und viele andere.
Medienticker
16.11.2015 Möglichkeits- & Wirklichkeitssinn: Martin Mosebach über Hans Magnus Enzensberger - Presse: Blätter, die die Welt bedeuten - Offener Brief: Protest gegen weniger Kultur im Tagesspiegel - Terror in Paris: Michael Kleeberg & Andreas Rötzer im Gespräch - Hitlers "Mein Kampf": Eine kritische Edition, die Lügen entlarvt - Höfliche Utopien. Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Gießen, Halle, Saarbrücken & Wien + Soziologie: Plädoyer für die Faulheit.
Bücherschau des Tages
16.11.2015 Mexiko ist gar nicht so weit weg von Europa lernt die FAZ aus Antonio Ortuños vielstimmigem Roman "Die Verbrannten". Für große politische Krimikunst hält sie auch Oliver Bottinis Roman "Im weißen Kreis". In der SZ freut sich Martin Mosebach über Peter Sprengels Biografie des großen Ästheten und Hochstaplers Rudolf Borchardt. Elvis Costello findet sie jetzt auch als Schriftsteller toll.
Mord und Ratschlag
16.11.2015 Oliver Bottini führt im "Weißen Kreis" seine Freiburger Kommissarin Louise Bonì in die Tiefen der süddeutschen Neonazi-Szene, die nicht halb so undurchdringlich sind wie das Agieren des Verfassungsschutzes. Seamus Smyth antwortet mit seinem ungemein harten Roman "Spielarten der Rache" auf die Amoralität und Bigotterie der katholischen Kirche in Irland.
Dienstag, 17.11.2015
Magazinrundschau
17.11.2015 Dem New Yorker graut vor Nick Bostroms Vision einer künstlichen Superintelligenz, die die Menschheit auslöscht. Im NY Times Magazine graut George Saunders vor der menschlichen Superintelligenz, die das Geheimnisvolle auslöscht. In Nepszabadsag erzählt László Garaczi von seinem Jahr als Stadtschreiber von Graz. Der Guardian beugt sich über die Akte des britischen Geheimdiensts MI5 zu Doris Lessing. Die London Review of Books feiert die Unwirklichkeit in den Portäts von Francisco de Goya als ästhetischen Triumph.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.11.2015 Die Welt bewundert die Haltung der Elefantenspitzmaus in den Zeichnungen Wilhelm Kuhnerts. In der NZZ erklärt Zeruya Shalev, warum der Schmerz noch 60 Jahre nach einer Verletzung zurückkommen kann. Die FAZ betrachtet die Schlafburgen in der Banlieue und wundert sich über gar nichts mehr. Die SZ öffnet Kurt Cobains Wundertüte of Heck.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.11.2015 Die meisten deutschen Autoren sind sich einig: Bloß nicht von Krieg sprechen. Die SZ warnt auch vor dem Begriff der Werte. Die Franzosen sind ohnehin die einzigen die den "Islamischen Staat" als ihren Hauptfeind betrachten, schreiben Scott Atrana und Nafees Hamid im NYRBlog. Im Guardian rät Nicolas Hénin, einst Geisel der IS-Milizen, den Hauptfeind Assad nicht aus den Augen zu verlleren. In der Welt benennt Yannick Haenel die eigentliche Provokation des Islamismus: Gesellschaften, in denen Gott tot sein darf.
Medienticker
17.11.2015 "Das wird man doch noch drucken dürfen": Christian Schröder untersucht rechte Verlage & ihr Programm - Medien-Branche: Themen managen, ohne sie im Ansatz zu begreifen - Marianne weint: Karikaturen zu den Anschlägen - Der Pariser Club Bataclan: Über die Symbolik eines Terrorziels & Wer sind die Eagles of Death Metal - Anonymous & Co.: Wie Hacker die IS-Propaganda ausschalten wollen + Hörbücher: Kartellamt prüft Verträge von Amazon-Tochter Audible & Apple.
Bücherschau des Tages
17.11.2015 Die NZZ erlebt in Boris Sawinkows Terroristen-Roman "Das fahle Pferd", wie sich bereits im zaristischen Russland Fanatismus und die kalte Erotik des Tötens verbanden. Die FAZ versinkt lieber in Friedrich Kittlers Essays über Drogen, Pop-Art, Freud und Wahnsinn. Die SZ lässt sich von Slavoj Zizek nicht mal mehr irritieren. Und die taz bewundert ein neues dreibändige Kant-Lexikon.
Mittwoch, 18.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
18.11.2015 Die Theaterkritiker beklagen die zahme, uninspirierte Kapitalismuskritik beim Berliner Festival "Marx' Gespenster". Auf Zeit online redet Regisseurin Julia von Heinz ihren Kolleginnen ins Gewissen: Entweder man ist Chef und macht Filme oder man ist nett und macht keine Filme. In der taz erklärt der britische Kulturwissenschaftler Will Brooker, warum er sich ein Jahr lang als David Bowie verkleidete.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.11.2015 Während der Kampf gegen die Terroristen in Paris weitergeht, warnen Journalisten vor Kriegsrhetorik. Boualem Sansal plädiert in der FAZ aber für persönlichen Mut. Der Guardian weiß, was Belgien so attraktiv für Dschihadisten macht. Der Tagesspiegel macht sich Gedanken über Traumabewältigung im digitalen Zeitalter.
Medienticker
18.11.2015 Alles wird schlimmer: Wie die News-Medien am falschen Weltbild basteln - Zeitungssterben, nächster Akt: Funke stellt Lokalausgaben im Westen ein - Friedrich Sieburg: Biografie über den Publizisten & Nazi-Mitläufer - "Kohl-Protokolle": Anwälte fordern fünf Millionen Euro Schadenersatz - Umstrittener Dichter: Ein Gespräch mit Adonis - "2 become 1":Theater-Nachtkritik aus Wien + Zeug & Stücke: Über Hosenrollen heute.
Bücherschau des Tages
18.11.2015 Als ganz und gar nicht versöhnlichen Familienroman feiert die FR Anne Enrights "Rosaleens Fest". Oliver Sacks ist nicht nur der nette Neurologe mit Cordhose, lernt die NZZ in seiner Autobiografie "On the Move". Und Schopenhauer war nicht nur heiter und altersweise. Die FAZ blickt schaudernd auf die menschenleeren Parisbilder des Fotografen Serge Ramelli.
Im Kino
18.11.2015 Zwei Filme nicht im Kino, sondern auf Vimeo: Kurt Walkers "Hit 2 Pass" gelingt es, geläufige Perspektiven des Dokumentarfilms gleichzeitig zu unter- und zu überschreiten. Und Gina Telarolis "Here's to the Future" gewinnt aus der Reinszenierung einer achtzig Jahre alten Filmszene einen aktuellen Begriff von schöpferischer Gemeinschaft.
Donnerstag, 19.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
19.11.2015 Die Filmkritiker lassen kaum ein gutes Haar an Roland Emmerichs Geschichte der Schwulenbewegung in den USA, "Stonewall". Die NZZ besucht eine Ausstellung über "Rousseau und die vergessenen Meister". Die Zeit porträtiert die koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan. Die SZ warnt vor einem Denkmalskandal, denn Hamburg will die City-Höfe abreißen lassen.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.11.2015 Im Guardian verweist David Graeber auf die türkische Verantwortung für das Blühen des "Islamischen Staats". Kaum noch jemand befasst sich mit den Orten und den Opfern der Anschläge, Orte des Kosmopolitismus, schreibt Kulturphilosoph Emmanuel Alloa in der taz. Und in der Presse erklärt der in Saint-Denis lebende algerische Autor Fewzi Benhabib, "wie meine Stadt islamistisch" wurde. Währenddessen geht das große Fingerschnipsen in den Feuilletons weiter: Viele viele Professoren erklären Frankreich, was es jetzt tun soll.
Medienticker
19.11.2015 Studie: Bild meinungsmächtiger als das ZDF & die Blendle-Verkaufs-Charts - Einfach schlecht: Nachrichten-Fernsehen wie vor 30 Jahren & Stefan Niggemeier über den Terror-Porno des Stern - Medien & Flüchtlinge: Perspektiven aus Afrika - Die Haut & das Ich: Michael Krüger über Péter Nádas - Groupies, Pillen, Bestsellerlisten: John Irvings neuer Roman "Straße der Wunder" - Juliette Greco: Sie kann es einfach + Helmut Lachenmann: Revolutionär der Klänge.
Bücherschau des Tages
19.11.2015 Die
FAZ wird
richtig wach, wenn ihr
Monika Rincke Idiotie und Risiko des
poetische Denkens erklärt. Die
SZ lässt sich von
Giorgio Fontanas "Tod eines glücklichen Menschen" in die
bleiernen Jahre Italiens ziehen. Die
Zeit lobt
Ulrich Schachts Novelle "Grimsey" als Übung in langsamer Wahrnehmung und
Affektabrüstung. Außerdem hat die
Zeit heute eine kleine
Kinder- und Jugendbuchbeilage. Die
FR unternimmt mit
Felix Gebhard und
Jörn Morisse Exkursionen in die
Vinylkultur.
Essay
19.11.2015 Ausgerechnet einen "Sterbefilm" als Rahmen filmischer Selbst-Reflexion zu benutzen, müsste sich schon der exklusiven Ernsthaftigkeit des Themas wegen von selbst verbieten - Nanni Moretti aber gewinnt damit ein experimentelles Verhältnis zu Sterben und Tod. Über "Mia Madre".
Essay
19.11.2015 Wir sollten daran festhalten, die vielfältigen, oft zumindest funktionierenden Formen des Zusammenlebens offenen Auges zu beschreiben, denn diese Beschreibung ist vielleicht, was den gemeinsamen Grund schafft, gegen die Schnelligkeiten des Tötens aufzustehen. Eine Antwort auf Necla Kelek.
Freitag, 20.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
20.11.2015 Die Welt feiert den neuen Berliner Flow im Film. Die Popkritiker hören Adele. Die taz würde Xavier Naidoo gern zum Eurovision Song Contest schicken: Die schwulste Familienshow Europas täte ihm bestimmt gut. Die NZZ sieht Knausgard im Vorhof der Literatur herumtigern und amüsiert sich mit süffigem chinesischen Poptheater von Meng Jinghui.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.11.2015 Es hat keinen Sinn in Begriffen herumzustochern, meint Michael Wuliger in der Jüdischen Allgemeinen, es ist Krieg. Der Hass auf Paris hat durchaus Geschichte, auch in Deutschland, erinnert Thomas von der Osten-Sacken in der Jungle World. Warum Molenbeek?, fragt der belgische Autor Stefan Hertmans in der SZ. Im Perlentaucher antwortet Katharina Hacker auf Necla Kelek. Iris Radisch wundert sich in der Zeit über die "gespenstisch ungerührten" Reaktionen in den deutschen Feuilletons. Charlie Winter und Peter Pomerantsev fragen in Politico.eu, was der ISIS-Propaganda entgegenzusetzen wäre.
Medienticker
20.11.2015 Aktualisiert: Xavier Naidoo fährt nicht zum ESC - Terrorwarnungen: Medien, Polizei & die Inszenierung des Terrorismus - Corriere della Sera: Michel Houellebecq klagt Hollande an & verteidigt die Franzosen - IT-Gipfel: Internet-Krise - Online Censorship: Was in Sozialen Medien zensiert wird - Strategie: Die Bundesregierung & Social Media - Preise: Adam Johnson gewinnt National Book Award & ein Gespräch mit der Kleistpreisträgerin Monika Rinck + Streitschriften: Ina Hartwig über Rincks "Risiko und Idiotie".
Bücherschau des Tages
20.11.2015 Von sozialer Kälte und dem Graben, der die französische Gesellschaft durchzieht, erzählt Frédéric Ciriez in seinem brisanten Roman "Auf den Straßen von Paris", staunt die SZ. Steffen Martus präsentiert der faszinierten FAZ eine Geschichte der Aufklärung aus der Perspektive der Unmündigkeit. Und die FR empfiehlt Roland Kaehlbrandts "Logbuch Deutsch" als Pflichtlektüre für alle Deutschen, die ihre Sprache nicht verleugnen wollen.
Essay
20.11.2015 Katharina Hacker singt eine sehr alte Weise: das Lied vom Terroristen als eigentlichem Opfer.
Samstag, 21.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
21.11.2015 In der Welt beklagt Anne Enright die Provinzialität der irischen Literatur. Die NZZ erlebt in Köln Hector Berlioz' "Benvenuto Cellini" als krachendes Karnevalsspektakel. Außerdem erinnert sie an D.W. Griffith's toxisches Meisterwerk "Birth of a Nation". Die taz spricht mit dem Musikmanager Morvan Boury über französischen Pop vor und nach den Anschlagen. Der Tagesspiegel besucht die Ausstellung zu den "Schwarzen Jahre" der Berliner Nationalgalerie.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.11.2015 Es gibt einen Daesh in schwarz und einen Daesh in weiß, schreibt Kamel Daoud in der New York Times. Und dem in weiß drückt der Westen die Hand. Saudi-Arabien hat den Lyriker und Kurator Ashraf Fayadh zum Tod verurteilt, meldet der Guardian. In der taz antwortet Necla Kelek auf Jan Feddersen. In politico.eu schildert der Fotograf Teun Voeten das deprimierende Leben in Molenbeek. In der NZZ schreibt Michi Strausfeld über Katalanen, die sich ganz und gar nicht mit dem Regionalchauvinismus identifizieren.
Bücherschau des Tages
21.11.2015 Hymnisch feiert die FAZ Dorothy Bakers Roman "Zwei Schwestern", eine Wiederentdeckung die an Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath denken lässt. Die NZZ bespricht neue Bücher über Israel. In der Welt kommt Kästner zurück. Die taz hört Musik mit Michel Serres.
Essay
21.11.2015 Warum Beschreibung jetzt wichtig ist, ebenso wichtig wie der Versuch, gemeinsam nachzudenken, statt sattsam bekannte Polemiken zu pflegen. Antwort auf Oliver M. Piecha.
Montag, 23.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
23.11.2015 In der taz erzählt der russische Autor Sergej Lebedew, wie erfolgreich seine Oma als selbstzensierende Profi-Editorin war. Außerdem freut sich die taz über Marieluise Fleißers Modeleidenschaft. In der NZZ erinnert sich Mikhail Baryschnikow an Joseph Brodsky, "miau" sagend. Nachtkritiker Janis El-Bira raucht der Kopf nach einer Berliner Konferenz über die Nützlichkeit des Theaters. SZ und FAZ hören sich hingerissen durch Bob Dylans Bootleg-Serie "The Cutting Edge 1965-1966".
9punkt - Die Debattenrundschau
23.11.2015 Der Libération-Journalist Philippe Lançon, der beim Charlie-Hebdo-Attentat verletzt wurde, beschreibt, wie sich die Wiederbelebung eines Traumas durch neue Attentatsbilder anfühlt. Auch Herta Müller beschreibt in der SZ eine Innenperspektive - die eines Flüchtlings. Der Guardian erklärt, warum die anglikanische Kirche einen Werbespot, der zum Gebet aufruft, nicht in die Kinos bringen kann. Ebenfalls im Guardian fragt Kenan Malik: Was macht die Dschihadisten so sadistisch?
Medienticker
23.11.2015 Rolle der Literatur: Möglichkeit & Zweck von Fiktion - Exzesse der Engstirnigkeit: Flüchtlingskrise & Medien - Kein großer Fan von Gott: Salman Rushdie über Gott, die Gewalt & den Terror - Roman eines Terroristen: Alexander Nitzberg über Boris Sawinkows "Das fahle Pferd" - Mobile Publishing: 530 Apps deutscher Verlage - Anonymous.Kollektiv: Denn sie wissen nicht, was sie liken - Peter Gabriel: Schock den Affen! + Nachtmahrs Kappenfest: Theater-Nachtkritiken u. a. aus Hannover, Leipzig, München & Wien.
Bücherschau des Tages
23.11.2015 Die taz freut sich sehr über das Bilderbuch "Im Wirtshaus ist heut Maskenball...', in dem Marieluise Fleißer ihrer Liebe zu Mode und Glamour frönt. Reines Hörbuchglück erlebt die FAZ mit Ulrich Matthes' Lesung von Michail Bulgakows "Das hündische Herz". Genussvoll versinkt sie auch in einer gigantischen Hörbuchedition zur Literatur europäischer Männer. Die FR erlebt in Aharon Appelfelds Roman "Ein Mädchen nicht von dieser Welt" die Urszene allen Fliehens.
Dienstag, 24.11.2015
Magazinrundschau
24.11.2015 In Open Democracy erklären William Binney und Kirk Wiebe, warum die Geheimdienste so oft bei Attentaten versagen: Schuld ist die Massenüberwachung. In Telerama erklärt der Soziologe Farhad Khosrokhavar die Anziehungskraft von Daesh: So schön viele Verbote. In Political Critique gibt der Soziologe Jan Kubik der Katholischen Kirche eine Mitschuld an der Fremdenfeindlichkeit vieler Osteuropäer. In The Nation erinnert sich Liao Yiwu an Tiananmen. Filmcomment diagnostiziert eine Krise des asiatischen Kinos. Wespennest porträtiert den Menschen als Mängelwesen.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.11.2015 Benedikt von Peters "Aida" über die Liebe in Zeiten des Terrors bringt die Berliner Theaterkritiker auf die Palme, die Münchner geraten ins Nachdenken. Die NZZ liebt das Rasante in Serhij Zhadans Beschreibungskunst. Der Tagesspiegel stellt das internationale Online-Literaturmagazin Asymptote Journal vor. Der Guardian betrachtet die schönsten Ladenfronten New Yorks.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.11.2015 Es sind häufig Muslime, die zuerst unter dem Islamismus leiden, sagt Caroline Fourest in huffpo.fr, und zwar meist die säkularen und die atheistischen. Der Economist plädiert für Militärschläge gegen den Islamischen Staat. Der israelische Journalist Jacques Benillouche rät allerdings in Slate.fr, die islamischen failed states wie Libyen stärker in den Blick zu nehmen. Und die FR rät: Von Rom lernen. Außerdem: Warum sind die Autorenverbände so sehr auf Seiten der VG Wort?, fragt Blogger Tom Hillenbrand. Und warum regnet es so schöne Native Ads von Google bei Spiegel-online-Ableger Bento?, fragt die taz.
Medienticker
24.11.2015 Wolfgang Herles über die Wahrheit der "Lügenpresse" - Sparkassenverband wirft der FAZ "Kampagnenjournalismus" vor - Medienkompetenz: Schüler erkennen Googles Anzeigen nicht - Schreibwerkstatt mit Kojoten: T.C. Boyle ist süchtig nach der Wildnis - Champagner mit Hemingway: Lillian Ross' Reportagen im New Yorker - Zwischen Stuck & Parkett: Don Alphonso über den Untergang der Literatur + Welle auf Kultur geföhnt: Deutsche Welle will Kultur-Sender werden.
Bücherschau des Tages
24.11.2015 Völlig umgehauen ist die NZZ von der Wucht und Rasanz in Serhij Zhadans Roman "Mesopotamien", in dem die Jungen Leute von Charkiw besinnungslos lieben, glauben und verzweifeln. Bei Najem Wali liest sie nach, wie Bagdad bereits in den 70er Jahren alle Poesie ausgetrieben wurde. Die FAZ kann Viktor Pelewins postapokalyptischer Satire "Snuff" einiges Kurioses abgewinnen. Die SZ arbeitet sich durch Peter Longerichs "Hitler"-Biografie. Und die taz bekommt von Pawel Szypulski Postkarten aus Auschwitz.
Essay
24.11.2015 Macht es einen Unterschied, ob Demokratien wegen ihrer "Werte" oder ihrer "Prinzipien" gehasst werden? Letztlich können moderne Gesellschaften auf den Begriff der Werte nicht verzichten, weil auch ihre Rechtsgrundsätze sich aus Werten ableiten. Eine Antwort auf Gustav Seibt.
Mittwoch, 25.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
25.11.2015 Steven Spielbergs Spionagedrama "Bridge of Spies" zeigt eine Welt im Kalten Krieg, in der rationales Handeln noch möglich war, meint die Welt. Im Blog der NYRB überlegt Tim Parks, ob Literatur weniger verbindet als gegenseitige Fremdheit aufzeigt. Die FAZ besucht das Museum unter Tage in Bochum. Hat die Abstraktion eine Vorgeschichte in Mexiko, fragt die Welt mit Anni und Josef Albers.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.11.2015 Eines hat der belgische Autor Stefan Hertmans aus den Pariser Massakern gelernt: Frankreich endet erst in Brüssel, erklärt er im Tagesspiegel. Die Massaker haben sehr wohl eine symbolische Dimension, sagt Martin Amis in der Welt. Milo Rau spricht bei Zeit online über seine Molenbeeker Recherchen. Thierry Chervel erwidert im Perlentaucher auf Gustav Seibt. Außerdem: Die Stadt Mannheim klagt, weil die Wikipedia gemeinfreie Bilder des Reiss-Engelhorn-Museums präsentiert. Und die SZ schildert das Riesendebakel der Gurlitt-Taskforce.
Medienticker
25.11.2015 Mega-Deal: Bertelsmann will Penguin Random House übernehmen & sucht Partner - Geschubst, bespuckt, bedroht: Gewalt gegen Journalisten - Zensur & Skandal in Polen: Journalistin fragt nach & verliert ihren Job - Morgen mehr: Jo Lendle über Romanhäppchen - Herta Müller: Schönheit der Wörter, Grauen der Lager - E=mc²: Hundert Jahre Allgemeine Relativitätstheorie + Hauschkas Klangerweiterung am Klavier.
Bücherschau des Tages
25.11.2015 Die SZ verschlingt Robert Harris' Schmöker "Dictator". Die Welt begleitet ein dreckiges Dutzend in Tito Topins Polar "Exodus aus Libyen". Dass auch das Christentum eine Geschichte der Gewalt hat, lernt die NZZ von Manfred Clauss. Die FAZ empfiehlt Thomas Sandkühlers Hitlerbiografie als Jugendbuch.
Vom Nachttisch geräumt
25.11.2015 Vom Kommunismus zu Kant, von den Chassidim zum großen Universaltöpfer und von der Greisenexistenz zum Filmrätsel.
Essay
25.11.2015 Wer die Menschenrechte ganz aufklärerisch für universal hält, braucht sich bei Kulturtypologien und Wertlehren oder Religionskritik nicht lange aufzuhalten. Es geht darum, diese universellen Rechte vernünftig zu vermitteln. Eine Antwort auf Thierry Chervel.
Im Kino
25.11.2015 Kein anatomisches Detail bleibt ausgespart in Gaspar Noés pornografischer Erinnerungslawine "Love". Joel Edgerton ist mit "The Gift" ein schöner, kleiner, fieser Genrefilm über das Fremdwerden des eigenen Zuhauses gelungen.
Donnerstag, 26.11.2015
9punkt - Die Debattenrundschau
26.11.2015 Thomas Friedman erblickt in der NY Times Zeichen der Hoffnung in Saudi-Arabien. Einige Kandidaten auf begehrte Beamtenposten aber auch, meldet der Guardian. Kamel Daoud schildert im Quotidien d'Oran, wie Algerien auf den Rest des Universums blickt, der jetzt das schwarze algerische Jahrzehnt durchlebt. Außerdem: Die taz thematisiert die "Native Ads" im Spiegel-Ableger Bento. Die FAZ entwickelt Visionen für Museen.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.11.2015 Im Freitag ruft die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner den Fernsehanstalten zu: Hört endlich auf, das Filmniveau zu senken. Im Standard erinnert sich die Fotografin Margot Pilz, wie frei man sich als feministische Künstlerin in den 70ern fühlen konnte. Die NZZ lernt in einer Ausstellung, wie online leben uns verändert. Vice spricht mit den Eagles of Death Metal über das Massaker im Bataclan. Die Zeit schwingt die Hüften zum Italo-Eheanbahnungspop von Papst Franziskus und Judith Holofernes feiert Adele.
Medienticker
26.11.2015 Blendle-Verkaufs-Charts: SZ vor Zeit & Spiegel - Mondadori kauft Verlage: Übernahme durch Berlusconi vertreibt Starautoren & Umberto Eco gründet nun neuen Verlag - Medien im Umbruch: Das Ringen um Vertrauen und Glaubwürdigkeit & Native Advertising - Jetzt redet er: Michel Houellebecqs Generalabrechnung + Flüchtlingskrise: 20-Jahre-Déjà-vu & Flüchtlingsgerüchten begegnen.
Bücherschau des Tages
26.11.2015 Berührend und dramaturgisch raffiniert erzählt findet die FAZ Edwidge Danticats haitianischen Roman "Kein anderes Meer". Die FR begibt sich mit Joseph Kanon "Leaving Berlin" unter die Agenten und Schriftsteller in Ostberlin. Die NZZ genießt Leichenschmaus und Erbschleicherei in Karl-Heinz Otts "Auferstehung". Die SZ bewundert den literarischen Mut der Schriftstellerin Katerina Poladjan.
Freitag, 27.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
27.11.2015 Die taz porträtiert den russischen Performance-Künstler Pjotr Pawlenski, der mit seiner jüngsten Aktion eine Anklage wegen Terrorismus erzwingen will. Die Welt nimmt Abschied von einer japanischen Göttin: der Schauspielerin Setsuko Hara. Die NZZ besucht eine von Peter Nadas kuratierte Marbacher Ausstellung zu H. G. Adler. In der FAZ erklärt der französische Autor Mathias Enard, warum er Michel Houellebecqs Vision des Islam nicht ernst nimmt.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.11.2015 In der SZ erklärt Horst Dreier, wie und warum Kunst über Religion steht. In Le Monde gibt Jürgen Habermas dem Westen die Schuld an der Entstehung des islamistischen Terrorismus. In Freitext verzweifelt Lena Gorelik an Deutschland. In Syrien wird zwar der Holocaust geleugnet, so Lamya Kaddor in der taz, aber Judenfeindschaft sei ihr dort kaum begegnet. Für die französischen Kinos und Konzertveranstalter sind die Attentate eine Katastrophe, berichtet die Welt.
Medienticker
27.11.2015 Aktualisiert: Internet: Was kann politischer Journalismus leisten? & Jeff Jarvis zur Zukunft des Journalismus - Bilder zu verkaufen? Springer könnte weitere Zeitschriften verkaufen - Paris 13.11.15: Eagles of Death Metal & Orte für das Unaussprechliche - Die Kunst, an nichts zu glauben: Raoul Schrott über seine neuen Poeme - Thomas Bernhards Kosmos im Korrektur-Verlag - Theater-Nachtkritik: Wenn der Himmel so schön schweigt in Hamburg + Mit dem weißen Kaninchen in die Unterwelt: 150 Jahre "Alice im Wunderland".
Bücherschau des Tages
27.11.2015 Stiller, aber nicht weniger faszinierend als die bisherigen Werke von António Lobo Antunes findet die SZ seinen neuen Roman "Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben". Sehr empfehlen kann sie auch die Kinderbücher "Shackletons Reise" von William Grill und "Achtung, Wolf!" von André Bouchard. Die FR staunt über die differenzierte Betrachtung, der Will Eisner in seiner Graphic Novel "Ich bin Fagin" den jüdischen Hehler aus Charles Dickens' "Oliver Twist" unterzieht.
Samstag, 28.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
28.11.2015 In der FAZ nimmt Swetlana Alexijewitsch den russischen Körper auseinander. Die Welt betrachtet fasziniert Bilder von Mitläufern, Sympathisanten oder auch nur kurz Verwirrten in der Nazizeit. Die taz feiert die postminimalistischen Skulpturen von Terry Fox. Die SZ hört die Kategorien des Anderen und des Unvereinbaren bei Beethoven und Schubert.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.11.2015 In La Règle du Jeu analysiert Gilles Hertzog den Selbsthass der Mörder von Paris. In Le Point erklärt der französische Philosoph Michel Onfray, warum er sein neues Buch "Penser l'Islam" in Frankreich nicht herausbringen wird. In der taz spricht Lukas Bärfuss über die Faszination der Gewalt. Schweizer Medien berichten über ein "Gnadenverfahren" für Raif Badawi.
Bücherschau des Tages
28.11.2015 Die NZZ lässt sich von Erwin Einzingers kirgisischem Western auf Goldsuche schicken. Die FAZ bewundert Annette Pehnts lakonische Briefe an Charley. Die SZ unterzieht sich Richard Yates' radikaler Desillusionierungskunst. Die Welt schnappt sich ein Bier aus dem Kühlschrank eines Spitzenkochs.
Montag, 30.11.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
30.11.2015 FAZ und FR bewundern Prägnanz und Nüchternheit des Architekten Ferdinand Kramer. Die taz freut sich über "My Fair Lady", in Berlin inszeniert als Meisterwerk der Nostalgie. In der NZZ erinnert sich Paul Nizon, wie er mit 47 Jahren die Schweiz Richtung Paris verließ. Der NZZ gefällt gerade das Ratlose in Volker Löschs Inszenierung des "Grafen Öderland" gegen die Dresdner Weggucker. Und: alle trauern um Luc Bondy.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.11.2015 Putin orientiert sich nicht an Stalin, sondern am alten Zarenreich, meint Orlando Figes in der SZ. Es gäbe nicht so viel Gewalt gegen Frauenkliniken, wenn sich nicht selbst gemäßigte Kreise extremistisch zu Abtreibung äußerten, meint der Guardian. Das offene Netz ist in Gefahr, weil ihm Großkonzerne ihre Strukturen überstülpen, meint Konrad Lischka bei heise.de.
Medienticker
30.11.2015 "Fünfte Gewalt": Warum Medienschelte gar nicht schlecht ist - Urhebervertragsrecht-Entwurf: Was ändert sich für Autoren? Ein Gespräch mit Bundesjustizminister Heiko Maas - Verwertungsgesellschaften: Verlage sollen 100 Millionen Euro zurückzahlen - EU-Digitalkommissar Oettinger fordert intensivere Überwachung des Internets - Nachruf: Peter Stein über Luc Bondy + Weltliteratur zwischen Aufklärung und Romantik: Felix Philipp Ingold über Jan Graf Potocki.
Bücherschau des Tages
30.11.2015 Die SZ lernt bei Steffen Martus, die Aufklärung nicht nur ideengeschichtlich zu begreifen, sondern auch als raffinierte Medienkampagne gegen gesellschaftliche Defizite. Mit Christian Freitag begegnet sie "Ritter, Reichsmarschall und Revoluzzer" in einer Friedenauer Stadtvilla. Von Javier Sebastian lässt sie sich nach Äquatorialguinea führen.