Donnerstag, 01.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
01.09.2022 Das Menschliche an der Spitze der Machtpyramide siegte, zumindest vorläufig, schreibt Wladimir Sorokin in der SZ zum Tod Michail Gorbatschows. Thomas Schmid würdigt in der Welt Christian Ströbele und kommt auf seine Rolle als RAF-Anwalt zurück. Neuer Ärger beim NDR Kiel: Politik und Sendergewaltige mögen sich in SWH noch lieber als bisher bekannt, hat der Stern herausgefunden. Ärger auch bei der Restitution der Benin-Bronzen: Die Nachfahren von Sklaven der Sklavenhändler aus Benin wollen etwas ab - und treffen einen Punkt, findet Andreas Kilb in der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.09.2022 Die FAZ blickt verärgert auf die unkommentierte Märtyrerpose eines palästinensischen Terroristen in einer Doku über das Olympia-Attentat '72. In der SZ denkt Theresia Enzensberger über Esoterik und Technik nach. Die Zeit verliebt sich in Donatellos Spiritelli. Die NZZ bestaunt die Farbspiele chinesischer Jadekunst. Die taz bewundert installationskunstwürdige Supermarktregale in Noah Baumbachs Eröffnungsfilm für die Filmfestspiele Venedig, "White Noise".
Medienticker
01.09.2022 Viktor Jerofejew über Michail Gorbatschow - Pussy Riot bei Bern verhaftet - Nicole Zepters westdeutsche Selbstbefragung: "Wer lacht noch über Zonen-Gaby?" - Filmfestspiele : In Venedig vereinen sich Film & Wasser zum Gesamtkunstwerk - Zum Tod von Abbas Maroufi + Politik im RBB-Skandal: Ein Heiland wird nicht kommen ...
Bücherschau des Tages
01.09.2022 Die FAZ freut sich mächtig über den achten Band aus Peter Kurzecks Riesenromanprojekt - das Beste, was der Autor geschrieben hat, meint sie. Außerdem bewundert sie den gnadenlosen Biss, mit dem Dirk von Petersdorff das deutsche Doppelhaus-Milieu zerlegt. Die FR lässt sich anstecken vom "sprudelnden Geist" der Gedichte von Ernest Wichner. Die Zeit begleitet Werner Herzog durch ein Leben im Extrem. Und Dlf Kultur verdankt Emma Rothschilds Roman "Eine Hochzeit in der Provinz"einen differenzierten und spannenden Beitrag zur Kolonialgeschichte.
Freitag, 02.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
02.09.2022 Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, hat wenige Minuten vor Ende ihrer Amtszeit einen Bericht über den chinesischen Umgang mit den Uiguren vorgelegt. Immerhin: Menschenrechtsverletzungen werden deutlich benannt, freuen sich die Zeitungen. Auch Unternehmen wie Volkswagen können dem Thema nun nicht mehr ausweichen, hofft der Tagesspiegel. In der NZZ veröffentlicht die russische Schriftstellerin Elena Chizhova eine Hommage auf Michail Gorbatschow, während Richard Herzinger in seinem Blog den deutschen "Gorbi-Kult" kritisch beleuchtet.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.09.2022 Die SZ besucht Wolfgang Tillmans, der demnächst 1.800 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Moma bespielen wird. Der Tagesspiegel taucht ein in das informelle Universum des ukrainischen Künstlers Fedir Tetyanych. Das Zeit-Magazin porträtiert den Designer von Balenciaga, Demna Gvasalia, als unperfekten Messias. Die Welt wird in Venedig Zeuge, wie Lars von Trier die Gesetze der Schwerkraft aushebelt. Die FAZ erliegt beim Musikfest Berlin der Zärtlichkeit der Tenöre in Beethovens "Missa solemnis". Die nmz lässt sich auf der Ruhrtriennale Sarah Nemtsovs Kammermusik um die Ohren fliegen.
Medienticker
02.09.2022 Aktualisiert: Eine imaginäre Haag-Habermas-Debatte - Forderung: Höcke-Buch auf den Index? "Nie zweimal in denselben Fluss" - Mäzen mit zu vielen Makeln: Eklat um Harbour Front Literaturfestival - Doku-Reihe. Die Rolling Stones privat + Spex ist nun auch nicht mehr online + TV+Hörtipps fürs Wochenende ...
Bücherschau des Tages
02.09.2022 Die FAZ flaniert mit dem von Maria Antonella Pelizzari und Arden Sherman herausgegebenen Fotoband durch ein Jahrhundert in Harlem. Mit Volker Hagedorn begegnet sie Freud, Mahler und anderen Größen der Jahre 1900 bis 1918. Die NZZ lässt sich von Omri Boehm über Identitätspolitik aufklären. Die FR lauscht gebannt, wenn ihr Michel Friedman in Form eines "atonalen Langgedichts" vom Gefühl des Fremdseins erzählt. Und die SZ empfiehlt Lesern mit starken Nerven Christian Friedrich Laukhards Berichte aus dem "Fußvolk".
Samstag, 03.09.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
03.09.2022 In der Literarischen Welt erzählt Jonathan Littell von seiner Reise durch die Ukraine: Es war auch der Hass aufs bessere Leben, der die russischen Invasoren zur Raserei trieb. Der Tagesspiegel lauscht gebannt, wenn Frederick Wiseman Schauspielerin Nathalie Boutefeu in Venedig aus den Tagebüchern von Sofia Tolstoi vorlesen lässt. Die SZ kriecht mit Thomas Krupa und Marlen Haushofer in Essen in ein Tiny House, die FAZ träumt vom eigenen Mini-Haus mit Garten. Und die taz taucht mit Geisterstimmen von Cuco gleich ganz ab in eine melancholische Traumwelt.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.09.2022 Siv Bublitz verlässt den Fischer Verlag, ihr Nachfolger wird Oliver Vogel. SZ und FAZ erkennen darin das Eingeständnis eines Irrwegs. In der taz erklärt der Literaturwissenschaftler Uwe Schütte die Wokeness nicht als Folge linker Meinungsdiktatur, sondern neoliberaler Universitätspolitik. In der NZZ schreibt Michail Schischkin über Gorbatschow, der nicht groß in seinen Erfolgen war, sondern in seinem Scheitern. In der SZ meint Friedrich Küppersbuch klar: Die Konsequenz aus der RRB-Krise kann nicht mehr Macht für Gremien sein, sondern nur weniger Rundfunkrat.
Bücherschau des Tages
03.09.2022 Die Welt erlebt mit Juri Andruchowytschs Ex-Revolutionär die blutigen Revolten in der Ukraine und ihre Folgen. Mit Lauren Groffs Nonne Marie begibt sie sich auf einen Selbstermächtigungstrip durch Frankreich. Dlf Kultur gibt sich mit Sara Mesa Obsessionen in der spanischen Provinz hin. Die taz lässt sich von Julia Friese brutal ungefiltert über Mutterschaft aufklären. Die FR streift mit Oksana Sabuschkos "Schwestern" quer durch die Ukraine. Und in der FAS muss Jürgen Kaube Omri Boehms radikalem Universalismus in einigen Punkten widersprechen.
Montag, 05.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
05.09.2022 Man braucht heute morgen einen Muntermacher, egal in welcher Form, um dem Pessimismus in der Debatte standzuhalten. Die FAZ fürchtet, dass die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München nur peinlich werden kann. In der NZZ kritisiert der Politologe Stefan Luft das Antirassismusprogramm der Bundesregierung, weil es nicht Integration, sondern Identitätswächter fördere. Die taz schlägt vor, mit den Taliban weniger über Frauenrechte zu reden, da dies mit Gewalt assoziiert werde. Im Interview mit Zeit online bezweifelt der Ökonom Joachim Ragnitz, dass die Investitionen von Tesla, Intel und Catel in Ostdeutschland für blühende Landschaften 2.0 sorgen werden.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.09.2022 Die FAZ erkennt die Wahrheit über Werner Herzog. In Venedig versucht sich der Tagesspiegel einen Reim auf Paul Schraders Film "Master Gardener" zu machen. Die Nachtkritik feiert Sebastian Hartmanns Elektropop-Oper "Der Einzige und sein Eigentum" nach Max Stirner. Im Standard versichert Julian Schutting, dass auch Realisten dichten können. Die NZZ berauscht sich in Lucerne an den vibrierenden Farbflächen von Dieter Ammanns "Gran Toccata".
Medienticker
05.09.2022 Neue Vorwürfe gegen die Funkhausdirektorin des NDR Hamburg - Schelmerei & großes Leid Jan Faktor über seinen "funkelnden" Schelmenroman Trottel - Furcht, etwas Falsches zu sagen - Jeder für sich und Gott gegen alle: Erinnerungen von Werner Herzog zu seinem heutigen 80. Geburtstag + Wolfram Schütte gratuliert: Das große Staunen über Mensch & Welt ...
Bücherschau des Tages
05.09.2022 Der Dlf feiert Jean Malaquais' Marseiller Emigrantenroman "Planet ohne Visum", in dem sich jüdische Flüchtlinge, russische Dissidenten, italienische Künstler, Marseiller Arbeiter und französische Aristokraten tummeln.Die FAZ verschlingt Oliver Bottinis Oberliga-Thriller "Einmal noch sterben" rund um den BND-Informanten Curveball. Auch Chuah Guat Engs malaysischen Krimi "Echos der Stille" liest sie gern. Benjamin Lahusens Studie zur NS-Justiz "'Der Dienstbetrieb ist nicht gestört'" lässt der SZ die Haare zu Berge stehen.
Dienstag, 06.09.2022
Magazinrundschau
06.09.2022 Atlantic dokumentiert in einer riesigen Recherche, wie amerikanische Behörden mehr als 5000 Kinder die Rechnung für den Traum ihrer illegal eingewanderten Eltern bezahlen lassen. Der New Yorker untersucht die trauten Beziehungen des salvadorianischen Präsidenten zu den kriminellen Gangs im Land. In HVG erklärt der Autor Zoltan Danyi, warum es gut ist, dass es nicht nur ungarische, sondern auch serbische, slowakische und rumänische Ungarn gibt. Hakai lernt von den Inuit, wie der Klimawandel die Arktis verändert. Die Washington Post besucht die traurigen Reste des einst prächtigen Aralsees. Bloomberg erzählt, wie RT in Afrika, Asien und Lateinamerika nach Verbündeten fischt.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.09.2022 Russland hat den "Genozid" an den Ukrainern schon lange vorbereitet, sagt der ukrainische Philosoph Wolodymyr Jermolenko in der Berliner Zeitung. Die Russen haben sich dem Revanchismus verschrieben, die Ukrainer der Demokratie, schreibt die ukrainische Journalistin Nataliya Gumenyuk auf ZeitOnline. In der NZZ erklärt Josef Joffe, weshalb "Demokratie-Export" nie funktioniert, wenn es nicht um die eigene Haut geht. Die Chilenen wollen kein "linkes Utopia", lernt Spon. Die FAZ staunt, wie sehr sich die Debatten um Antizionismus und Antisemitismus in den Siebzigern und heute ähneln.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.09.2022 In der Berliner Zeitung gibt Ulrich Schreiber einen Ausblick auf das morgen startende Literaturfestival. Der Standard geht vor dem Tenor Timothy Fallon auf die Knie, der an der Wiener Volksoper brilliert. Die FAZ klopft sich in der Düsseldorfer Retrospektive zu Reinhard Mucha den Aktenstaub der alten Bundesrepublik vom Ärmel. Der Tagesspiegel freut sich in Venedig, dass jetzt auch Regisseurinnen wie Olivia Wilde einen Hang zur Selbstüberschätzung pflegen. Und alle gratulieren Dominik Graf, dem aufregendsten Filmemacher am Rand des Mainstreams.
Medienticker
06.09.2022 Gregor Keuschnig über Friedrich Sieburgs Tagebuch: Die Fliege im Bernstein - Hotlist 2022: Die 10 Bücher des Jahres aus unabhängigen Verlagen - Cottbuser Parkbank-Literatur-Festival -
"Meine Juden": Miriam Cahn im MGK Siegen - In memoriam Vorwärts und nicht vergessen zum 60. Todestag von Hanns Eisler + Rhapsody in School: Der Pianist und Dirigent Lars Vogt ist tot ...
Bücherschau des Tages
06.09.2022 Die SZ feiert die Wiederentdeckung der italienischen Schriftstellerin Goliarda Sapienza, die sie mit ihrem epischen Prunkroman "Die Kunst der Freude" ebenso beeindruckt wie mit tiefenscharfen Fresken aus dem Gefängnis. Der Dlf erkennt die Doppelbödigkeit in Louise
Nealons autobiografischem Roman "Snowflake". Die FR begeistert sich für Behzad Karim Khanis Neukölln-Roman "Hund, Wolf, Schakal. Der DlfKultur flieht mit Leona Stahlmann in die norddeutsche Marsch. Und die taz sehnt sich mit Rasmus Engler und Jan Müller zurück in Hamburgs Indieszene der neunziger Jahre.
Mittwoch, 07.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
07.09.2022 Der russische Angriff auf die Ukraine ist auch ein Krieg um die Geschichtsschreibung, erkennt der ukrainische Historiker Jaroslaw Hrytsak auf ZeitOnline. In der Berliner Zeitung fordern zwei ehemalige Botschafter Israels den Ökumenischen Rat auf, Israels Siedlungspolitik als Apartheid zu verurteilen. Die taz erwartet einen heißen Herbst, aber keine Querfront auf deutschen Montagsdemos. Außerdem lernt sie, warum Giorgia Melonis Fratelli d'Italia in Italien so beliebt sind. Die FAZ blickt nach Frankreich, das auf einen neuen König wartet. Netzpolitik fragt: Wann wird die anlasslose Fluggastüberwachung den Forderungen des EuGH angepasst?
Efeu - Die Kulturrundschau
07.09.2022 Die SZ erlebt auf dem Lyrikfestival "Meridian" im ukrainischen Czernowitz, wie der Krieg etwas kategorial Neues in die Literatur bringt. taz und FR feiern Kōji Fukadas "Love Life" als das erste Meisterwerk auf dem Filmfestival Venedig. Anna Netrebkos Rückkehr an die Wiener Staatsoper war von Tumulten begleitet, Standard und SZ seufzen dennoch selig über so viel Stimmschönheit. Die NZZ erkennt die Abgründe in den poppigen Frauenfiguren der Niki de Saint Phalle.
Medienticker
07.09.2022 Glanz & Elend der Brüder Goncourt: Alain Claude Sulzer über seinen Roman "Doppelleben" - Das Zuhause: Philosophie eines scheinbar vertrauten Ortes - Wie wir unseren Schlaf ausbeuten: Kunstprojekt auf der Ars Electronica - Fachkräftemangel in der Filmbranche -18 Nachrichtenagenturen starten gemeinsamen European Newsroom - Glückwunsch Dominik Graf wird 70: Regisseur des kontrollierten Kontrollverlusts - RBB-Intendantenkrise: Fachkraft gesucht - Co-Autor von Stephen King Peter Straub ist tot: + Hamburgs neuster Ehrenbürger ...
Bücherschau des Tages
07.09.2022 Die SZ kann sich nicht helfen: Der neue Robert Galbraith aka J.K. Rowling übt einen unwiderstehlichen Sog auf sie aus. Die NZZ ist schwer beeindruckt von der Lebensgeschichte der Malerin Susanne Carolina Faesch, die Alex Capus zu einem Roman verarbeitet hat. Dlf bewundert die literarische Energie, mit der Lize Spit in "Ich bin nicht da" eine Depression verarbeitet. Dlf Kultur durchstöbert zusammen mit dem Philosophen Emanuele Coccia heimische Keller, Dachböden und Kleiderschränke um herauszufinden, was ein Zuhause ausmacht.
Donnerstag, 08.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
08.09.2022 Frieden ist nicht das allergrößte Ziel erklärt die estnische Premierministerin Kaja Kallas in der Zeit den Westeuropäern, die es nach dem Zweiten Weltkrieg so schön gemütlich hatten im Frieden. Um heutige Identitätsdebatten zu entkrampfen, empfiehlt die FR mit dem Soziologen Jean-Claude Kaufmann, mehr auf die eigene fluide Identität und ihre Launen zu setzen. Und Business Insider fragt: Wie viele Familienmitglieder von NDR-Direktorin Sabine Rossbach haben eigentlich für den NDR gearbeitet?
Efeu - Die Kulturrundschau
08.09.2022 Der Guardian blickt in London noch einmal auf das provokative Werk von Carolee Schneemann. Die Zeit feiert die türkische Frauenbewegung auf der 17. Istanbul Biennale. Die taz reist mit Yuri Ancaranis "Atlantide" vom Kinosessel aus nach Venedig. Eine Art "Banalität des Guten" erlebt die FAZ in Polen, wenn die Warschauer Künstlerin Natalia Romik Verstecke für verfolgte Juden zu Kunstwerken macht. Welt und taz liefern erste erschlagende Eindrücke vom Kunstfest Weimar.
Medienticker
08.09.2022 Zwei deutsche Literaturen? - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten - Eva Riegers Buch über Wagners Tochter Isolde: Eine unversöhnliche Familiengeschichte - Ein Leben für den queeren Film: Geschäftsführer des Salzgeber-Filmverleihs Björn Koll im Gespräch - RBB: Patricia packt aus & Katrin Vernau im zweiten Wahlgang zur Interims-Intendantin gewählt & rbb24 Kommentar: Notoperation ohne Not - Arte-Tipp: Jimi Hendrix "Hear My Train A Comin'" + Wie viel Streaming-Geld wirklich bei Musikern ankommt
Bücherschau des Tages
08.09.2022 Die FR erliegt dem Charme der untergehenden Bourgeoisie, die Thomas Melle in "Das leichte Leben" beschreibt. Die FAZ liest mit Scholastique Mukasongas Memoir "Frau auf bloßen Füßen" auch eine kurze Geschichte der Tutsi. Und findet eine überraschende Leichtigkeit in den neuen Gedichten von Durs Grünbein. Der in Paris lebende Raharimanana denkt nach über "Zurückkehren", in diesem Fall nach Madagaskar, und dies in einem wunderbar flirrenden Text, lobt Dlf Kultur. Enttäuscht ist hingegen die SZ von Jennifer Egans neuem Zukunftsroman "Candy Haus": Wo sind die radikalen Perspektiven, fragt sie.
Freitag, 09.09.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
09.09.2022 "Der Krieg ist ein großer Gleichmacher", lernt der Tagesspiegel in Jewgeni Afinejewskis Film "Freedom on Fire", der beim ukrainischen Tag in Venedig gezeigt wurde. Die SZ blickt in Düsseldorf ins Frühwerk von Christo und erkennt Parallelen zu Yves Klein. Beim Internationalen Literaturfestival Berlin klagt die amerikanische Autorin Angeline Boulley über die Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung in der Literatur. Ergriffen lauschen SZ und nachtkritik Thomas Köcks wütendem Klagelied über die Klimakrise beim Kunstfest Weimar. ZeitOnline überlegt indes, wie die Klassik klimaschonender werden kann: "Nicht jedes mittelklassige Orchester sollte ständig über den Teich fliegen."
9punkt - Die Debattenrundschau
09.09.2022 Elisabeth die II. ist tot. Für die Briten ein grundlegender Einschnitt: 87 Prozent haben in ihrem Leben nie ein anderes Staatsoberhaupt gehabt, erinnert die Berliner Zeitung. Kolonialismus sollte nicht mehr nationalstaatlich, sondern global, zudem temporal gedacht werden, fordert der belgische Historiker David van Reybrouck bei der Eröffnung des 22. Internationale Literaturfestivals in Berlin. Die FAZ fragt: Warum verschlankt sich der Bundestag nicht erst selbst, bevor er die auswärtige Kulturpolitik verschlankt? Die SZ fordert weniger Harmonie in den Strukturen der Öffentlich-Rechtlichen.
Medienticker
09.09.2022 Aktualisiert: Der Philosoph in seinen eigenen vier Wänden & Der zwanghafte Zwang des besseren Posts: Habermas neuer Strukturwandel - Presserat rügt Bild in vier Fällen & stellt insgesamt 13 Verstöße fest - Interview mit Maja Göpel: Wir können auch anders - Wolf-Dieter Wolf versuchte, RBB-Berichterstattung zu beeinflussen & Aus dem Westen nichts Neues bzw.die Wahl der neuen RBB-Intendantin vom WDR wird die Probleme nicht lösen, sondern zementiert strukturelle Fehlentwicklungen - NDR-Funkhauschefin Sabine Rossbach lässt Tätigkeit ruhen - Kundenmonitor Deutschland 2022: Digital unterwegs & unzufrieden - Raus aus dem Staat! Fahnenflucht in die Freiheit - Interview mit der Spielzeug-Gestalterin Renate Müller über ihre Stofftiere für alle Sinne - Reaktionen der Popwelt zum Tod von Elisabeth II. + TV+Radio-Wochenend-Tipps
Bücherschau des Tages
09.09.2022 Die FAZ lernt in Harald Jähners "Höhenrausch", in Krisenzeiten einen klaren Kopf zu bewahren. Mit Silke Kipper lauscht sie dem Gesang des Fliegenschnäppers. Die Welt reitet mit Gaspard Koenig auf den Spuren Michel de Montaignes bis nach Rom. Dlf Kultur entdeckt mit Thomas Wagner anti-hierarchische Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Der Dlf feiert mit Julia Deck, Eliten, Rappern und Gelbwesten ein katastrophal Fest in einem französischen Schloss. Und die SZ empfiehlt Kinder- und Jugenbücher über Außenseiter.
Samstag, 10.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
10.09.2022 Die EU-Sanktionen wirken, schreibt die Ökonomin Katrin Kamin in der SZ, aber leider auch in Deutschland, wo man jetzt den Preis für den jahrzehntelangen Komfort der Abhängigkeit zahle. Der russische Autor Arkadi Babtschenko entwirft in der NZZ eine sehr düstere Perpektive auf den russischen Krieg gegen die Ukraine. In der taz fordert Jan-Werner Müller Medien auf, vom "Bothsidism" in Debatten Abschied zu nehmen. FAZ und taz lesen den neuen Habermas. Die Washington Post prüft die politischen Ansichten des neuen britischen Königs.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.09.2022 Die FR bewundert den - inzwischen inhaftierten - Jafar Panahi, dem es trotz Arbeitsverbots gelang, einen Film im Iran zu drehen und nach Venedig zu schmuggeln. Vulture feiert die neue Erhabenheit in den Bilder Wolfgang Tillmans'. Die New York Times schickt anlässlich seiner Moma-Ausstellung ein wunderbar ausführliches Porträt über Tillmans aus Berlin. Die FAZ hangelt sich beim Kunstfest Weimar an einem Seil durch Chris Salters "Animate" und ins Theater der Zukunft. In der nachtkritik zeichnet Lena Myhashko nach, welche Bedeutung Theater seit dem Euromaidan 2014 für die Ukraine Identität hatte. Zeit online stellt die samibische Rapperin Sampa The Great vor.
Bücherschau des Tages
10.09.2022 Einen neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit untersucht Jürgen Habermas in seinem jüngsten Band, ausgelöst durch das Internet, dass den geregelten Diskurs zerstöre. Die taz geht d'accord und wünscht sich mit dem Philosophen eine Ordnung der digitalen Öffentlichkeit. Für Dlf Kultur geht Habermas in seiner Analyse nicht weit genug. Die FAZ dagegen findet seinen Öffentlichkeitsbegriff ein wenig realitätsfern. Außerdem: Ganz schwindelig wird der FR auf dem Karneval, den Juri Andruchowytschs "Radio Nacht" entfesselt. Die taz liest Interviews mit Pier Paolo Pasolini.
Montag, 12.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
12.09.2022 Die Kommentatoren freuen sich über die ukrainischen Terraingewinne und benutzen ein geflügeltes Wort Wolodimir Selenskis: "Die russische Armee hat uns ihre beste Seite gezeigt - ihre Rückseite." Nach der monarchistischen Verzückung der ersten Tage, gibt es nun auch ein paar intelligente Reflexionen über die Queen und ihr Wirken, unter anderem von Dominic Johnson in der taz, Nick Cohen in der Welt und Hari Kunzru in der New York Times. Die FAS kommt auf den Einfluss der Moon-Sekte in der japanischen Politik zurück. Die Autorin Waslat Hasrat-Nazim macht der westlichen Afghanistan-Politik im Standard bittere Vorwürfe.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.09.2022 Nicht gerade überzeugt sind die Kritiker vom Goldenen Löwen für Laura Poitras' Dokumentation über Nan Goldins Kampf gegen den Pharmahersteller Purdue. Die FR freut sich dagegen: Poitras verfolge nicht nur eine politische, sondern auch eine künstlerische Ethik. Die SZ bereitet sich mit Robert Wilson in Hamburg auf den Weltuntergang vor, die FAZ lassen dagegen Formwillen und Unvernunft ausnahmsweise kalt. Alle trauern um den spanischen Schriftsteller Javier Marías, mit dem komplexe Romane wieder populär wurden.
Medienticker
12.09.2022 In memoriam Javier Marías: Gespräch mit Michi Strausfeld über einen Autor mit grandioser Sprachkraft + ein Besuch & Interview mit ihm - Das Verlangen nach totaler Aufmerksamkeit - Aufgeklärte Bürger brauchen das Fernsehen nicht mehr - Morsbroich, zu vermieten: Hexenhaus mit Schlossblick oder Wer kann sich den Kapitalismus überhaupt noch leisten?
Bücherschau des Tages
12.09.2022 Der Dlf erlebt mit Angela Steidele den Ideenwettstreit der Aufklärung aus der Sicht von Bachs Tochter Dorothea. Der DlfKultur streift mit Musa Okwonga durch Berlin. Die FR schärft ihren reaktionären Verstand mit den "Notas" von Nicolas Gomez Davila. Und die SZ verfolgt erwartungsfreudig, wie Dirk von Petersdorff in seiner Novelle "Gewittergäste" die Krisen wolkenhoch über Brandenburg auftürmt.
Dienstag, 13.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
13.09.2022 In Atlantic malt sich Anne Applebaum schon ein Russland ohne Putin aus, aber einfach wird das nicht. Ebenfalls in Atlantic fragt Neal Ascherson, wie demokratisch Großbritannien überhaupt ist. Stau bei Kirchenaustritten: Warum verweigern die Länder einen Online-Austritt, fragt hpd.de. Facebook ist viel zu kompliziert, zum selber zu wissen, wieviele Daten es von uns hat, konstatiert The Intercept.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.09.2022 Le Monde und Libération trauern um William Klein, den französischsten aller amerikanischen Fotografen. Die FAZ nimmt freudig die Herausforderung an, die die australische Künstlerin Sally Gabori für ihr Weltverständnis bedeutet. In der Welt berichten Reza Heydari und Mina Kavani von den Dreharbeiten zu Jafar Panahis neuestem Film unter klandestinen Bedingungen an der türkisch-iranischen Grenze. Ausgerechnet im ND schwelgt Berthold Seliger mit Franz Welser-Möst Schubert-Glanz: Die Oboe wie von einem anderen Stern!
Medienticker
13.09.2022 Demographische Zukunft: Gespräch mit Stefan Schulz über seine Studie - Patrick Bahners über Habermas' Neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit - Opas Brief an den Enkel: "Nein, ich brauche kein Smartphone" & Wegen der Diskusionskultur zieht Kevin Kühnert sich von Twitter zurück - In memoriam: Jazzpianist Ramsey Lewis ist gestorben & Jean-Luc Godard starb mit 91 Jahren, meldet Liberation ...
Magazinrundschau
13.09.2022 Die NYRB erklärt, wie im Jemen hunderttausende Menschen verhungern können, es der UN aber unmöglich ist, eine Hungersnot zu verkünden. In Osteuropa untersucht der Historiker Nikolai Mitrochin das große Schweigen der russischen Zivilgesellschaft zum Ukraine-Krieg. Die NYT spricht mit Überlebenden des Theaters von Mariupol. Hakai erklärt, warum tote Wale gut sind fürs Ökosystem der Meere.
Bücherschau des Tages
13.09.2022 Als atemberaubend intelligent feiert der Dlf Thomas Hürlimanns monströs-skurrile Internatsgeschichte "Der Rote Diamant". Berührt verfolgt der DlfKultur, wie sich in Heinz Helles "Wellen" Glück und Unglück im Leben eines Vaters ablösen. Die FAZ folgt Said freudig ins Teheran der Fünziger, von David Mitchells "Utopia Avenue" lässt sie nach anfänglichem Widerstand ins wilde London der Sechziger mitreißen.
Mittwoch, 14.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
14.09.2022 Nun äußert sich in Russland zwar Protest gegen den desaströsen Krieg, aber er kommt von extremen Putin-Anhängern, die an eine "Dolchstoßlegende" glauben, fürchtet Alexej Kowalew in Foreign Policy. Jetzt wo die Queen tot ist, wäre es Zeit für Reparationsforderungen der ehemals Kolonisierten, findet Nalini Mohabir im Guardian. Die Washington Post zitiert amerikanische Geheimdienstler über russische Einflussnahme im Ausland. In der Berliner Zeitung spricht Feministin Alice Schwarzer über ihre positive Lebensbilanz und über andere Feministinnen.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.09.2022 Jean-Luc Godard ist tot. Die Feuilletons trauern um den Erneuerer des Kinos, die Zentralgestalt der Nouvelle Vague, der in seinen Filmen Leidenschaft, Intellektualität und Schönheit zusammenbrachte. Auf der Mailand-Biennale schöpft die SZ zumindest aus dem Eskapismus etwas Optimismus. FAZ und Tagesspiegel neigen beim Musikfest Berlin huldvoll ihr Haupt vor dem koreanischem Jongmyo-Schrein. Und wie die FR berichtet, spitzt sich der Streit um den propalästinensischen Agitpropfilm "Tokyo Reels Film Festival" auf der Documenta zu.
Medienticker
14.09.2022 Wolfram Schüttes Abschiedsgruß an Jean-Luc Godard: Reicher, fragiler, von Grund auf ironischer, aber auch bodenloser & luftiger war das Kino nie - documenta 15: Antisemitismus-Kommission veröffentlicht Bericht: Hinter der Naivität steckt eine klare Ideologie & Gespräch mit Kommissionsmitglied Nicole Deitelhoff & Kuratorenkollektiv Ruangrupa spricht von "Zensur" + Hito Steyerl veröffentlicht ihr documenta-Werk "Anmail Spirits" - Songschreiben ist Therapie: Broilers-Frontmann Sammy Amara im Interview + Krawall in der Provinz: Helena Adler über ihren Roman "Fretten".
Bücherschau des Tages
14.09.2022 FR und Dlf Kultur schwärmen vom neuen Roman von Abdulrazak Gurnah, der ihnen so nuanciert und nüchtern vom Leben im Ostafrika der deutschen Kolonialherrschaft erzählt. Die FAZ lässt sich von Peter Demetz in 62 literarischen Essays empfehlen, was sie wiederlesen soll. Als radikales Plädoyer für Verständnis gegenüber einer Frau, die keine Mutter sein will, liest die SZ Maren Wursters Roman "Eine beläufige Entscheidung". Und Dlf Kultur reist mit Wolfgang Bauer ernüchtert durch Afghanistan.
Donnerstag, 15.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
15.09.2022 Die taz berichtet aus den befreiten - und erleichterten! - Gebieten in der Ukraine. Das Verfassungsreferendum in Chile ist hier kaum wahrgenommen worden - dabei hat es Beachtung verdient, findet Welt-Autor Thomas Schmid. Jean-Luc Godard hat den assistierten Suizid gewählt um zu sterben - darüber lohnt es sich nachzudenken, schreibt Gereon Asmuth in der taz. Im Iran sind zwei Queer-Aktivistinnen wegen "Korruption auf Erden durch die Beförderung von Homosexualität" zum Tode verurteilt worden - Zeit für Proteste, findet hpd.de.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.09.2022 Documenta und kein Ende: Die Zeit erklärt, weshalb gerade die Ablehnung des westlichen Kunstbegriffs zu neo-essenzialistischem Denken führt. Ruangrupa hat deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an Beratung haben, sagt Nicole Deitelhoff im Tagesspiegel. In der DDR war Karl May übrigens verboten, erinnert Hubertus Knabe in seinem Blog. Die NZZ misst den Druck, den die türkische Regierung auf die Unterhaltungsbranche ausübt. Und die Berliner Zeitung sieht den Bowie vor lauter Bowies nicht mehr in Brett Morgens Dokumentarfilm.
Medienticker
15.09.2022 R.I.P. Volker Schlöndorff & Alexander Kluge erinnern an Godard - Die große Gier: Begegnung mit dem Treue-Autor Hernan Diaz - Wie steht's um die Gegenwartsliteratur? Moritz Baßlers über "Populärer Realismus" - Her Majesty: Bücher und Filme über die Queen.
Bücherschau des Tages
15.09.2022 Bookerpreiswürdig findet die FAZ Claire Keegans Roman "Kleine Dinge wie diese", der von harten Zeiten im Irland des Jahres 1985 erzählt. Empfehlen kann sie auch Jenny Tinghui Zhangs "Fünf Leben", ein Roman über eine Zwangsprostituierte im Amerika des 19. Jahrhunderts. Als aufschlussreich lobt die Zeit Abdulrazak Gurnahs Roman "Nachleben" über die deutsche Kolonialvergangenheit in Ostafrika. Dlf Kultur versinkt mit Jochen Schmidt in Erinnerungen an Sommerferien und den Zweiten Weltkrieg.
Freitag, 16.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
16.09.2022 Das Humboldt-Forum ist nun komplett eröffnet, wenn auch niemals fertig. Die Zeitungen sind halb froh, halb unfroh. Putin Und Xi Jinping haben sich auf Xis erster Auslandsreise seit Corona zum ersten Mal getroffen - aber nicht zum Dinner, meldet Reuters. Die FAZ ist erleichtert, dass Politik in Deutschland nicht läuft wie in Großbritannien: Sonst würden Politikerreden von Theaterkritikern zerfetzt. Rubin fragt, warum der Untergang des Textilindustrie in NRW längst nicht so viel Phantomschmerzen verursacht wie der des Bergbaus.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.09.2022 FR und Welt bescheinigen der Documenta einen ästhetischen und politischen Bankrott. taz und HNA verteidigen die dort gezeigten palästinensischen Propagandafilme. Bei Monopol ärgert sich die kubanische Künstlerin Tania Bruguera, dass die Diskussion um Antisemitismus alles andere auf der Documenta überlagert hat: auch die Diktatur in Kuba. Warum machen sich Schweizer Autoren in den öffentlichen Debatten so unsichtbar, fragt die NZZ. Die FR hört sich durch eine koreanische Ahnengedenkzeremonie mit fünfzig Schlag-, Streich- und Blasinstrumenten.
Medienticker
16.09.2022 Aktualisiert: Was guckst du?: ARD ist wieder obenauf! - Alle Gewinner des Fernsehpreises 2022: So viel Abwechslung war selten - Wim Wenders erhält den "Praemium Imperiale" - Bilanz der Skandal-Documenta: u. a. Begegnung mit David van Revbrouck - Medienfreiheitsgesetz der EU: Journalistengewerkschaft blickt nicht durch - Nach Angriff auf Journalisten: Bewährung und Auflagen + Fritz Pleitgen ist tot + TV+Hörfunk-Tipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
16.09.2022 Der Dlf begibt sich mit Etel Adnan auf eine letzte große Reise in den Kosmos. Die SZ bewundert den Mut Omri Boehms, der ihr die "dunkle Seite" der Identitätspolitik darlegt. Die FR staunt über die Messerschärfe, mit der Christoph Peters die Schlangengrube der Berliner Politik zerlegt. Dlf Kultur lässt sich von Christoph Butterwegge detailreich auseinandersetzen, was im politischen Umgang mit der Corona-Pandemie falsch gelaufen ist. Mit freundlicher Skepsis besprechen FR und NZZ Jürgen Habermas' Studie über den neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit.
Samstag, 17.09.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
17.09.2022 Die Zeitungen feiern mit Florentina Holzingers nackten Nixen an der Volksbühne eine extrem infektiöse, schamlose Party und beerdigen faulige Männerfantasien. Der Tagesspiegel fragt im Gropius Bau: Kann Kunst heilen? Die Documenta heilte jedenfalls nicht, sondern begünstigte Wut und Hass, hält Nicole Deitelhoff in der Welt fest. Artechock wünscht sich mehr Filmbesprechungen und weniger Skandalinflation. Die taz tastet sich in Triest an die Mode der Zukunft heran. Und der Tagesanzeiger fragt: Wurde Virginie Despentes' neuer Roman "Cher Connard" nicht für den Prix Goncourt nominiert, weil er Sexismus im Literaturbetrieb thematisiert?
9punkt - Die Debattenrundschau
17.09.2022 In der NZZ fragt Mario Vargas Llosa, ob Sartre schuld ist an der Härte der lateinamerikanischen Linken. Bora Cosic beklagt ebenfalls in der NZZ, wie nachlässig die Balkanländer mit ihrem kulturellen Erbe umgehen. In der FAS ist Vitali Klitschko überzeugt, dass es in Deutschland auch kluge Intellektuelle gibt. Im Guardian rät Swetlana Tichanowskaja, den Putins "belarussischen Balkon" zu sprengen. Und die taz wischt mit der Generation Z Tinder nach links.
Bücherschau des Tages
17.09.2022 Der Dlf lässt sich gern die Tristesse in Riga von Janis Jonevs' Coming-of-Age-Roman "Jelgava 94" nahebringen. Die SZ spürt Poesie und Wahrhaftigkeit in Edgar Reitz' Erinnerungen "Filmzeit, Lebenszeit" nach. Die FR lässt sich gern von Chiara Valentini an den dialogfähigen Eurokommunisten Enrico Berlinguer erinnern. Die FAZ folgt der Physikerin Stefanie Arndt ins gar nicht mehr so Ewige Eis. Und die taz fragt sich nach Ruth Herzbergs "Die aktuelle Situation", ob sie jetzt demisexuell ist oder Herzberg "normal".
Montag, 19.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
19.09.2022 Frauen protestieren im Iran gegen die Sittenpolizei, die die 22-jährige Mahsa Amini wegen eines zu lockeren Kopftuchs totgeschlagen hat. Die taz beleuchtet auch die Lage der zum Tod verurteilten LGBT-Aktivistinnen Sareh Sedighi-Hamadani und Elham Choobdar. In der Fincancial Times fühlt sich Ivan Krastev in Putins Ängste ein. Peter Pomerantsev fordert im Guardian die westlichen Zivilgesellschaften auf, Putins Netzwerke offenzulegen. Im Spectator blickt der Republikaner Nick Cohen auf der Begräbnis einer Queen.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.09.2022 Der Standard stellt vom Filmfestival San Sebastian klar, das Ulrich Seidls übel beleumundeter Film "Sparta" tatsächlich ein zutiefst humanistisches Werk und über jeden Zweifel erhaben sei. Ebenfalls im Standard spricht Juri Andruchowytsch von Helden, Verführern und Verrätern der postsowjetischen Revolutionen. Auf ZeitOnline wirft die Historikerin Marion Detjen dem Expertengremium zur Documenta vor, mit vorgefertigten Meinungen gearbeitet zu haben. Akustikingenieur Renzo Vitale erklärt ihr, warum Geigen erklingen, wenn ein E-Auto beschleunigt.
Medienticker
19.09.2022 Gespräch mit dem Autor & Lektor Martin Kordić u.a. über seinen Roman "Jahre mit Martha" - Jenny Erpenbeck erhält den Uwe-Johnson-Preis & welche Bedeutung hat Uwe Johnson für Ihr Schreiben? - Sehen ist Poetisieren: Michael Krüger über Gemälde von Giovanni Segantini + Ausstellung in Düsseldorf: Wie konnten wir Martha Jungwirths Bilder nur 50 Jahre lang übersehen?
Bücherschau des Tages
19.09.2022 Die SZ erinnert sich mit Chiara Valentini an den Eurokommunisten Enrico Berlinguer, der das leichtisinnige Italien heute wieder etwas demokratische Noblesse lehren könnte. Mit Beschämung liest sie auch Miroslaw Wleklys Biografie des des britischen Journalisten Gareth Jones, der Stalins Hungermord an den Ukrainers aufdeckte. Die FAZ lauscht mit Klaus Sander den Erinnerungen des einstigen Reeperbahnkönigs Wolli Köhler. Der Dlf empfiehlt Mariam Kühsel-Husseinis Roman "Emil" über Cioran in Nazi-Deutschland.
Dienstag, 20.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
20.09.2022 Die Financial Times analysiert die erkaltenden Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Xi Jinping, für den Putins Krieg den Nachteil hat, dass er nicht siegreich ist. Auch die Popdiva Alla Pugatschowa, ein Idol von Millionen Russen, hat den Krieg scharf kritisiert, ein Symbol, meint unter anderem die FAZ. Zeit online kann sich der Faszination des Queen-Begräbnisses nicht entziehen. Christian Lindner fragt laut Neuer Osnabrücker Zeitung trotzdem, ob ARD, ZDF und Phoenix das Begräbnis wirklich parallel übertragen mussten.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.09.2022 Die taz erkennt im Frankfurter Architekturmuseum, wie einfallsreich das Bauen mit Bestand macht. Die Zürcher "Walküre" weckt bei der NZZ Mitgefühl für gescheiterte Machtmenschen. Der Tagesspiegel erlebt das ungemilderte Draufzu in der Ost-Berliner Kunst der Wendejahre. Die SZ findet auch die schwulen Baubrigaden von Jürgen Wittdorf ziemlich klasse. Und im ND ruft Berthold Seliger dem Musikfest "Mehr Xenakis wagen" zu.
Medienticker
20.09.2022 Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2022 - Frauenrechtlerin Naïla Chikhi im Gespräch mit Katrin Heise - Vera Weidenbach über Frauen, die die moderne Welt erschufen & warum wir sie nicht kennen - Woody Allen dementiert Rückzug: Er habe keine Absicht, in Rente zu gehen + NDR lässt Vorwürfe gegen Landesfunkhaus Schleswig-Holstein prüfen + EuGH-Urteil: Vorratsdatenspeicherung in Deutschland ist rechtswidrig.
Magazinrundschau
20.09.2022 In Africa is a Country denkt die Historikerin Shobana Shankar über den Begriff "Black Asia" nach. In First Things erklärt der Islamwissenschaftler Shadi Hamid, wann der Islam eine Religion der Vernunft sein wollte. In der Boston Review fragt der Historiker Faisal Devji, ob der Kult der Beleidigung nicht ein Produkt des Neoliberalismus ist. Der New Yorker lässt sich von einer Himbeertorte mit Hula-Hoop-Reifen verführen. In Qantara erinnert der Historiker Christopher Silver an die gemeinsame Musikgeschichte auf Vinyl von Juden und Muslimen im Maghreb. Pro Publica lernt, dass Sklavenhandel noch sehr real ist.
Bücherschau des Tages
20.09.2022 Die FR preist die Poesie in Martin Kordics Roman "Jahre mit Martha" über Migration, Bildung und Liebe. Die FAZ liest mit Interesse, aber nicht ganz überzeugt David van Reybroucks Geschichte Indonesiens. Die SZ erkennt mit Emanuele Coccia, dass die Stadt als Konzept keinen Sinn macht, wenn die Leute ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Der Dlf weiß die Unordentlichkeit in Thomas Stangls neuem Roman "Quecksilberlicht" zu schätzen. Der DlfKultur freut sich über die Wiederentdeckung der amerikanischen Autorin Gayl Jones, die in ihrem Roman "Corregidora" von einer Bluessängerin im Kentucky der vierziger Jahre erzählt.
Mittwoch, 21.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
21.09.2022 Wladimir Putin hat eine Teilmobilisierung angekündigt. Zugleich bereitet er "Referenden" in den noch von ihm besetzten Gebieten der Ukraine vor, deren Ziel es laut FAZ ist, diese Gebiete zu einem Teil Russlands zu erklären. Correctiv deckt einen Teil der von Gazprom beherrschten deutschen Netzwerke auf. Constanze Kurz begrüßt bei Netzpolitik die Entscheidung des EuGH gegen die deutsche Vorratsdatenspeicherung. In der SZ prangert Hilmar Klute angesichts ernster Themen das "Espressogeschwätz" in Kultureinrichtungen und Medien an. Und das Newlines Mag fragt: Warum Leicester?
Efeu - Die Kulturrundschau
21.09.2022 Die Shortlist für den Buchpreis kann mit ihrem gesellschaftspolitischen Blick nur die taz erfreuen, FAZ und Tagesspiegel gähnen: zu viel Etabliertes, zu wenig Ästhetik. Der Guardian horcht auf, wenn William Kentridge in der Royal Academy Südafrikaner zu chinesischen Revolutionsopern tanzen lässt. Die FAZ folgt Rosa Loy in ihre allein von Frauen bevölkerten Traumwelten. Die NZZ erlebt in Basel, wie Christoph Marthaler Webers "Freischütz" entstaubt.
Medienticker
21.09.2022 Zur historisch-kritischen Ausgabe von Ernst Jüngers "Strahlungen" - Gespräch mit Brita Steinwendtner über Dichter und ihre Landschaften "An den Gestaden des Wortes" - Wolfgang Tillmans im MoMA in New York - Glückwünsche an Noel Gallagher zm 50., Jack deJohnette zum 80. Geburtstag & an Don Preston zum 90.
Bücherschau des Tages
21.09.2022 Unwiderstehlich findet der Dlf Herve Le Telliers kleinen Roman "Ich verliebe mich so leicht" über das vergebliche Liebeswerben eines alternden Mannes. Dlf Kultur erkundet mit Ed Yong "Die erstaunlichen Sinne der Tiere" und blättert beglückt durch ein Kinderbuch über Glenn Gould. Die NZZ feiert ihren Kandidaten für den Deutschen Buchpreis: Jan Faktors Roman "Trottel". Die FR vermisst Peter Kurzeck.
Donnerstag, 22.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
22.09.2022 Die Zeit bringt neue Details über den gewaltsamen Tod von Mahsa Amini, die sterben musste, weil ihr Kopftuch locker saß. Auch in Russland wurde gestern Abend demonstriert. Die taz und Timothy Snyder auf Twitter lesen die Nachricht von der Teilmobilisierung als Putins Eingeständnis einer Schwäche: Auf dem Terrain ist die Ukraine eindeutig überlegen, analysiert die FAZ. In der Zeit beschweren sich Harald Welzer und Richard David Precht, dass der Mainstream nicht ihrer Meinung folgt.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.09.2022 Schockiert, gebannt und musikalisch überwältigt verfolgt die NZZ am Grand Théâtre de Genève das Schicksal von Jacques Halévys "La Juive". Der FR missfällt die falsche Glätte von Francois Ozons Fassbinder-Hommage "Peter von Kant", für die taz beschreibt er hingegen akkurat die hässlichen Auswüchse des Showbusiness. Die SZ kann mit einem Gestus des heimlichen Größenwahns gut leben, wenn er sich so virtuos äußert wie beim Jazzgitarristen Julian Lage. Die Zeit fragt, warum an allen großen deutschen Bahnhöfen weiße Kästen mit Schießschartenfenstern stehen.
Medienticker
22.09.2022 Börsenverein fordert Streichung der Mehrwertsteuer auf Bücher - Gespräch mit der diesjährigen Uwe-Johnson-Preisträgerin Jenny Erpenbeck - Debatte um Ladenöffnungszeiten: Einkaufen nur noch bis 20:00 Uhr - Kai Diekmann schreibt ein Buch über seine Zeit bei Bild + Alte Nationalbibliothek Paris: Vive la France! Vierzig Millionen Schriften sind wieder greifbar
Bücherschau des Tages
22.09.2022 Die FAZ schwelgt in der Sprachlust, dem Witz und der Eleganz von Ralph Waldo Emersons Tagebüchern. Die SZ lernt in den Tagebüchern von Rafael Chirbes einen von Selbstzweifeln geplagten Autor kennen. Die FR amüsiert sich über einen indischen Woody Allen in Aravind Jayans Roman "Teen Couple Have Fun Outdoors". Dlf Kultur erfreut sich an einem parodistischen Täuschungsmanöver mit Johan Harstads Roman "Auf frischer Tat".
Freitag, 23.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
23.09.2022 Mobilisierung heißt, dass der Krieg in Russland angekommen ist: Bis zu 25 Millionen Russen sind Teil der Reserve der Armee, berichtet der Spiegel. In der FAZ erklärt die Russland-Expertin Sarah Pagung, warum sie Putins jüngste Atomdrohung für einen Bluff hält. Perlentaucherin Marie-Luise Knott spricht in der Welt über Hannah Arendt und Ralph Ellison. Die taz fragt, was die erste weibliche Premierministerin Italiens für die Frauen bedeuten würde.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.09.2022 Am Wochenende geht die Documenta zu Ende. Was bleibt? Vordemokratische Haltungen, die sich als links gerieren und das Autonomiekonzept von Kunst nur noch gelten lassen, um sich Immunität für politische Aussagen zu sichern, resümieren SZ, Welt und Berliner Zeitung. Die FAZ beglückwünscht die Potsdamer zu Hasso Plattners neuem Museum Minsk. Die taz lässt sich im Kino in Michael Krügers geistige Welten einführen. Im Interview mit der NZZ erklärt der Filmregisseur Luca Guadagnino, worum es im Kino nicht geht: Um Bilder. Die taz porträtiert die Londoner Rapperin Enny.
Medienticker
23.09.2022 Aktualisiert: Abschaffung der Mehrwertsteuer für Bücher? Branchen-Diskussion, unter anderem ein Gespräch mit dem Secession-Verleger Christian Ruzicska - Documenta zu Ende und dann? Die Debatte muss weitergeführt werden. Kunsthistoriker verteidigt Kuratoren und Documenta-Leitung - Biennalen, Documenta, Manifesta: Kann Kunst die Welt retten? - Haruki Murakami beobachtet "Kafka am Strand" - Hilary Mantel ist gestorben + Radio+TV-Tipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
23.09.2022 Die FAZ schwelgt in einem Band über die Free Music Production, die 40 Jahre lang den Free Jazz nach Berlin brachte. Die NZZ findet die "Medea" auch in der neuen virtuosen Übersetzung von Kurt Steinmann so verwirrend wie je. Dlf Kultur sorgt sich mit Johan Eklöf über "Das Verschwinden der Nacht" und ihre Auswirkungen auf die Tierwelt. Und lässt sich von Chuah Guat Eng in die "Echos der Stille" im Malaysien der 60er Jahre entführen. Die SZ empfiehlt Kinder- und Jugendbücher.
Samstag, 24.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
24.09.2022 Nur zwei Themen heute. Mahsa Amini und der Krieg gegen die Ukraine, nach der Mobilisierung in Russland. In der taz attackiert Masih Alinejad westliche Politikerinnen, die sich im Iran mit Kopftuch zeigten, auch Claudia Roth. In der SZ beschreibt Shida Bazyar das "systemlose System" de Zwangs, das den Frauen im Iran auferlegt ist. In Foreign Affairs resümiert Lawrence Freedman Wladimir Putins komplettes Versagen. Die Mobilisierung wird am Kriegsgeschehen wenig ändern, meint Stefan Kornelius im Leitartikel der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.09.2022 Die Documenta ist nun endlich zu Ende. Man hätte mehr mit Ruangrupa, statt über sie reden sollen, meinen die einen. Das hätte auch nichts genützt, erwidern die anderen. Die FR rät, sich zunächst mal bei "Onkel Wanja" in Frankfurt zu entspannen. Die taz lernt in Cem Kayas Dokumentarfilm "Liebe, D-Mark und Tod" eine Menge über die türkische Diaspora in Deutschland und ihre Musik. Und die große Hilary Mantel ist gestorben: Sie war "die glänzendste historische Autorin nicht nur ihrer Zeit", da sind sich die Kritiker einig.
Bücherschau des Tages
24.09.2022 Haben Ernst Jüngers "Strahlungen" nachgelassen? FAZ und SZ sind jedenfalls pünktlich zur Stelle, um die wissenschaftliche Edition von Jüngers WK2-Tagebüchern zu begutachten, die SZ sogar in zwei Artikeln. In der FR bewundert Arno Widmann die Kunst, mit der Javier Marias in seinem letzten Roman "Tomás Nevinson" zwischen Essay und Roman schwebt. Die FAS knabbert auf "Kains Knochen" des britischen Rätselmeisters Torquemada herum, erfolglos zwar, aber mit großem Vergnügen.
Montag, 26.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
26.09.2022 Italien hat gewählt, und zwar rechts. Die Kommentatoren hoffen, dass der Geldsegen aus Brüssel die wahrscheinliche neue Premierministerin Giorgia Meloni schon bändigen wird. Der Faschismus war in Italien nie weg, mahnt Zeit online. Zaghaft fragen die Kommentatoren, ob die iranischen Proteste nach dem Tod Mahsa Aminis das Zeug haben, die Ajatollahs zu stürzen. In der FAZ erzählt die Historikerin Ricarda Vulpius die lange Geschichte der russischen Ukraine-Obsession.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.09.2022 Tagesspiegel und Nachtkritik tauchen mit Luigi Nonos Flüchtlingsoper "Intolleranza 1960" an der Komischen Oper in die europäische Eiswüste. Der Tagesspiegel lernt auch auf der Biennale Istanbul, wie man einen Drachen zur Strecke bringt. Die FAS fühlt sich von Edward Bergers Bombast-Produktion "Im Westen nichts Neues" nicht an den Krieg erinnert, wie es der Regisseur gern hätte, sondern an andere Kriegsfilme. ZeitOnline und FAZ trauern um den Jazz-Saxofonisten Pharoah Sanders, der die Ästhetik eines Schreis kultivierte.
Medienticker
26.09.2022 So war die documenta 15 wirklich! - Jürgen Kaube über trügerische Lolitahaftigkeit bzw. Jacques Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" in Kassel - Komiker Bastian Pastewka im Gespräch - Fotoband "Stadt.Land.Dorf": Für viele Städter ist die Vorstellung vom Leben auf dem Land eine sehr romantische - Karen Duve über Sis - Pharoah Sanders ist tot: Der Jazzsaxofonist gehörte zu den Erleuchteten, als Musik noch eine Religion war, später beeinflusste er Hip-Hop & Elektro.
Bücherschau des Tages
26.09.2022 Der Dlf erkennt trotz aller Fantastik, wie tiefsinnig und präzise Juri Andruchowytsch in "Radio Nacht" von den politischen Entwicklungen in der Ukraine erzählt. Lustvoll stürzt er sich auch auf "Die Stadt für alle", die Osamu Okamura, David Böhm und Jiri Franta aus Papierhäusern und Wattewolken errichten. Die FAZ liest Kinderbücher: Ganz hingerissen ist sie von der freundlichen Lakonie, mit der Tom Gauld vom kleinen Holzroboter und seiner Baumstumpfprinzessin erzählt. Als starke Erzählung über das Abschiednehmen lobt sie auch Nikola Huppertz' "Unser Sommer am See".
Dienstag, 27.09.2022
Magazinrundschau
27.09.2022 Weniger Verfassungsrecht, mehr Politik fordert Harper's. The Intercept geißelt die Korruption der afghanischen Eliten. The Atlantic fühlt sich trotz der allgegenwärtigen Waffen in ukrainischen Städten entspannter als in amerikanischen. Guernica betrachtet den Basar auf den Wandteppichen der afghanisch-kanadischen Künstlerin Hangama Amiri. In La vie des idees gibt der in Südkorea lebende Politologe Christophe Gaudin eine faszinierende Lektion in kultureller Differenz. Quietus feiert die CD. Wo sind die Feministinnen Tschechiens, ruft H7O.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.09.2022 Putins Magie steckt in seiner Fähigkeit, Macht und Stärke auszustrahlen - der Westen darf nicht drauf reinfallen, mahnt der russische Autor Dmitry Glukhovsky in der Berliner Zeitung. Ebenfalls in der Berliner Zeitung prangert Michael Wolffsohn nach der Documenta den immer gesellschaftsfähigeren Antisemitismus links der Mitte an. Die taz hat einen Trost in den italienischen Widrigkeiten: Die italienische Rechtskoalition hat nicht wirklich die Mehrheit. Bei newlinesmag.com schreibt Hassan Hassan den Nachruf auf den spirituellen Führer der Muslimbrüder Yusuf al-Qaradawi, der als gemäßigt galt und Selbstmordattentate pries.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.09.2022 Der SPD-Politiker Helge Lindh fordert in der SZ einen Documenta-Gipfel, um die Debatte zu Antisemitismus, Postkolonialismus und BDS aus der unguten Verklammerung zu führen. Die SZ erlebt außerdem im Münchner Volkstheater, wie "Pussy Sludge" Ströme von Erdöl aus ihrer Vagina fließen lässt. In der FAZ feiert der litauische Schriftsteller Marius Ivaškevičius den Mut russischen Sängerin Alla Pugatschowa. Der Filmdienst denkt über den neuen deutschen Heimatfilm nach. Und die NZZ lernt im ehemaligen Berliner Frauengefängnis an der Berliner Kanststraße, wie der Blick gen Himmel gelenkt wird.
Medienticker
27.09.2022 Gespräch mit Simone Buchholz über ihren Nordatlantik-Krimi "Unsterblich sind nur die anderen" - Orhan Pamuk über die politische Situation in der Türkei - Jan Faktor erhält den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für seinen sprachlich turbulenten Schelmenroman "Trottel" - Precht & Welzer: Die totgeschwiegenen Promis - Öffentlich-rechtliche Krise: Eine Rundfunk-Beitragserhöhung ist auf absehbare Zeit nicht vermittelbar - Flucht zurück in die Stechuhrkultur - Thomas Mann und der Kampf gegen die Feinde der Freiheit.
Bücherschau des Tages
27.09.2022 Als Lehrstück in großer Kunst empfiehlt die FAZ Uwe Schneedes Geschichte des modernen Selbstporträts "Ich!". Von Nils C. Kumkar lernt sie, dass "Alternative Fakten" nicht auf eine andere Wahrheit zielen, sondern auf die Sabotage der Kommunikation. Die SZ spürt mit Anna Burns und Emilie Pines nach, welche Schäden politische Gewalt und patriarchale Strukturen in einer Gesellschaft hinterlassen. Die FR nickt heftig, wenn Cesar Rendueles "Gegen Chancengleichheit" und für echte Gleichheit plädiert. Der Dlf versinkt mit Antonio Munoz Molinas "Tage ohne Cecilia" in sanfter Melancholie.
Mittwoch, 28.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
28.09.2022 Bahman Nirumand erzählt in der NZZ , wie die iranische Revolution die Frauen verriet. Ayaan Hirsi Ali kritisiert in Unherd die Iran-Politik der Biden-Regierung. Wie faschistisch ist der Postfaschismus, fragt Durs Grünbein in der SZ. Sehr kritisch setzt sich die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert in der FAZ mit einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Neudefinition der Suizidhilfe auseinander.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.09.2022 Der Guardian erkennt das Genie von Lucian Freud: Er schaute einfach hin und zeigte, was er sah. Die taz ahnt, dass Li Ruijuns sanftes Bauerndrama "Return to Dust" in China verboten wurde, weil er das Publikum zu sehr berührte. In der SZ wandelt Judith Schalansky durch die Bibliothek der Zukunft. Der Standard sieht Bully Herbig mit seiner Mediensatire "Tausend Zeilen" der Logik des Lügenreporters Claas Relotius ungut nahe kommen.
Medienticker
28.09.2022 NDR-Untersuchung findet keine Belege für "politischen Filter" - Schock-Stimmung: Maike Albath über Italiens Intellektuelle nach dem Rechtsruck - Facebook enttarnt + sperrt 1600 Accounts von Propagandanetzwerke bzw. Desinformation aus Russland & China - "Boost-Wachstumspläne": Bertelsmann will Milliarden investieren & Wie RTL Deutschland und Axel Springer ihre Medienmarken umbauen - Festival Osten: Festivalleiter Aljoscha Begrich über Expanded Theater und die Kunst der Beziehung + Christian Wulff beklagt Hochnäsigkeit im Journalismus.
Bücherschau des Tages
28.09.2022 Die FAZ fährt mit Dörte Hansen "Zur See" und gerät aufs Angenehmste in mittelschweres Gewässer. Die FR verbringt mit Ulla Hahn "Tage in Vitopia" und nimmt von Ian McEwan gerne ein paar "Lektionen" mit. Die NZZ prüft Paul Lendvais "Vielgeprüftes Österreich, und dem Deutschlandfunk begegnet mit Gunilla Palmstiernas "Eine Europäische Frau" (und Gattin Peter Weiss').
Donnerstag, 29.09.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
29.09.2022 Der Tagesspiegel schwelgt in der Almancı-Popkultur, der Cem Kaya mit seiner Doku "Liebe, D-Mark und Tod" ein Denkmal gesetzt hat. Eher übergriffig als hollywoodkritisch finden die Filmkritiker Andrew Dominiks Marilyn-Monroe-Film "Blond". Der Tagesspiegel lässt sich von der brausenden Natur in den Bildern des amerikanischen Malers Winslow Homer überwältigen. Theoretisch interessant findet der Standard das neue Album von Björk.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.09.2022 Ausgesprochen samtpfötig findet Gilda Sahebi in der taz die "feministische Außenpolitik" Annalena Baerbocks gegenüber den iranischen Mullahs. Die Schauspielerin Sibel Kekilli will sich in der Zeit nicht mehr von westlichen Feministinnen über das Kopftuch belehren lassen. Irina Rastorgujewa erzählt in der FAZ, wie junge Männer in Sachalin eingezogen werden. Und die Berliner Zeitungen verabschieden sich schon mal von der Regierenden Bürgermeisterin.
Medienticker
29.09.2022 Warum man den Bergen mit mehr Respekt begegnen muss: Gespräch mit Diane+Reinhold Messner & über den Wahlerfolg der Rechtspopulisten in Italien - Thea Dorns Erklärungsversuch über Frauen und Rechtspopulismus - Ander Izagirre und seine Reportage "Der Berg, der Menschen frisst" - GfK-Konsumklimastudie: Kauflaune stürzt weiter ab + Gangster im Paradies: Coolio ist gestorben
Bücherschau des Tages
29.09.2022 Die NZZ empfängt wertvolle "Lektionen" über das Erinnern aus Ian McEwans gleichnamigem Roman. Die taz amüsiert sich mit Annabelle Hirschs Geschichte der Frauen in 100 Objekten. Die Zeit lernt, wie wandelbar der Begriff des Tyrannen ist. Die FAZ erkennt mit Johannes V. Jensens "Neuen Himmerlandsgeschichten" die Folgen der technischen Moderne in der dänischen Provinz.
Freitag, 30.09.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
30.09.2022 Die russische Mobilisierung ist bereits so etwas wie das Eingeständnis einer Niederlage, sagt Garri Kasparow im Tagesspiegel. Zum Tod von Mahsa Amini erklärt Annalena Baerbock im Bundestag, dass Islamismus nichts mit Religion zu tun habe. hpd.de erzählt unterdessen, wie das iranische "Moralministerium" seine Vorstellungen durchsetzen will: Mit Digitalisierung und Peitschenhieben. Der BND der frühen Jahren hat systematisch SS-Männer in seine Reihen aufgenommen, berichtet die SZ. Gruner und Jahr wird nun endgültig abgeschafft, melden die Zeitungen
Efeu - Die Kulturrundschau
30.09.2022 Die SZ besucht den Jazzmusiker Abdullah Ibrahim im Chiemgau, das von der Kalahari weniger weit entfernt ist als man glaubt. monopol ersetzt in Prag den eisernen Vorhang im Kopf durch einen Vorhang aus Tonbändern Gregor Hildebrandts. Im Interview mit der Welt verbucht der Autor und dekonstruktive Feminist Thomas Meinecke die Warnungen einer englischen Universität vor seinem Roman "Tomboy" als akademischen Betriebsunfall.
Medienticker
30.09.2022 Aktualisiert: Das Gehirn in Zeiten der Informationsflut - Bericht zur Anerkennung von PEN-Berlin: Mehr Engagement, weniger Verein - Autorin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe verurteilt: Bascha Mika zum Urteil gegen die Friedenspreisträgerin - TV-Interview mit Dörte Hansen über ihren neuen Roman "Zur See" - Steil nach oben: Bertelsmann rechnet mit Rekord-Umsätzen ... + Radio+TV-Tipps fürs Wochenende
Bücherschau des Tages
30.09.2022 Mit Bewunderung liest DLf Kultur Ander Izagirres "Der Berg, der Menschen frisst", eine Geschichte Boliviens, seiner Rohstoffe, seiner Menschen und der kolonialen Ausbeutung. Ebenfalls Dlf Kultur empfiehlt Jonathan Moores in der Poe-Tradition stehenden Thriller "Poison Artist". Die FR empfiehlt Volker Reinhardts Biografie des Aufklärers Voltaire, dessen Menschenbild aktueller denn je sei.