Gäbe es einen
Wahlkampf, könnte dies eines seiner Themen sein. Die im Bundestag vertretenen Parteien bekommen für ihre
Parteistiftungen Hunderte von Millionen Euro im Jahr. Ein
"Manifest der Zivilgesellschaft" mehrerer Organisationen fordert nun, dass
die AfD wegen ihrer rechtsextremen Umtriebe aus diesem Selbstbedienungssystem ausgeschlossen wird (unser
Resümee). Durch ein Gesetz soll die Finanzierung der Parteistiftungen neu geregelt werden, fordert die Initiative. Die bisher profitierenden Parteien halten sich in der Debatte vornehm zurück. Nun ist
Erika Steinbach, designierte Chefin der Desiderius-Erasmus-Stiftung in der "Bibliothek des Konservatismus" aufgetreten, um ihre demokratische Gesinnung zu beteuern,
berichtet Gareth Joswig in der
taz. "Um das zu bekräftigen, stellt Steinbach die
Karrierewege einzelner Vorstände vor, lässt dabei aber pikante Details weg. So erzählt sie von der honorigen Vergangenheit des stellvertretenden Stiftungsleiters
Klaus Peter Krause bei der
FAZ und der Fazit-Stiftung, der bei der CDU ausgetreten ist und mittlerweile AfD-Mitglied ist. Gleichzeitig blendet Steinbach aber seine jüngeren publizistischen Tätigkeiten aus: Etwa, dass Krause gerne mal den menschengemachten
Klimawandel leugnet oder von 'politischem Missbrauch' der Coronakrise schreibt und dabei mit Begriffen wie '
Neue Weltordnung' um sich wirft." Es geht immerhin um
49 Millionen Euro, die die Stiftung der AfD für einen Zeitraum von vier Jahren bekommen würde oder auch nicht, berichtet Markus Wehner in der
FAZ.
Eine Gruppe von 16 Experten und Expertinnen aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, darunter die Politikwissenschaftlerin
Ulrike Guérot und
Christian Schubert, Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, fordert in einem
60seitigen Papier "
Alternativen zum Lockdown" und die "aufgeladene öffentliche Debatte zu Covid-19 versachlichen, ins Verhältnis zu setzen und so in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext bringen",
meldet die
Berliner Zeitung: "Guérot sagte der
Berliner Zeitung, es gehe um 'eine Bestandsaufnahme' der bisherigen Corona-Politik. Ziel sei es, den Blick in die Zukunft zu richten: 'Wir müssen verhindern, dass wir im Herbst wieder in eine Situation schlittern, in der hektisch und
ohne Differenzierung Maßnahmen beschlossen werden, die zu einem gesellschaftlichen Ausnahmezustand führen.' Dazu müsse die '
Hysterisierung' aus der Diskussion genommen werden. Das Virus dürfe 'nicht zum Vorwand genommen werden, um unsere Rechtsordnung zu verschieben'. Im Vorfeld der politischen Entscheidungen müsse es 'einen Raum für legitime Kritik geben'."
Tilman Santarius, Professor für Sozial-Ökologische Transformation,
überlegt im Gespräch mit Svenja Bergt von der
taz, wie die
Digitalisierung genutzt werden kann, um den "Übergang in eine
Postwachstumsökonomie" zu ermöglichen. Es komme darauf an, die durch Einsparpotenziale gewonnenen Ressourcen
nicht für Konsum zu nutzen: "Dafür brauchen wir zum Beispiel eine starke ökologische Steuerreform. Dann werden die Menschen ihr gespartes Geld und ihre gesparte Zeit nicht für energieintensive Dinge ausgeben. Sondern vielleicht für einen
Nachmittag am See, einen Theaterbesuch oder einen Sprachkurs."
"Exklusiv"
meldete gestern der
Tagesspiegel, dass
Annalena Baerbock von der Heinrich-Böll-Stiftung von April 2009 bis Dezember 2012 eine Unterstützung von mehr als
40.
000 Euro bekommen hat, um ihre Promotion abzuschließen, was sie letztlich nicht tat. In dem vom
Tagesspiegel suggerierten
Verdacht, eine parteinahe Stiftung habe eine
Parteikarriere finanziert, sieht Mladin Gladic in der
Welt ein weiteres Zeichen für die "gegenwärtige
Obsession" mit Baerbock. Denn: "Vielleicht hat hier (…) nur eine parteinahe Stiftung einen Lebensweg gefördert, wie er in Baerbocks Generation relativ normal ist. Die 'Generation Praktikum' ist auch eine '
Generation Stipendium', Projekte anzufangen und sie, wenn sich Erfolgversprechenderes bietet, wieder aufzugeben, ist gängig. 'Lebenslanges Lernen' beinhaltet auch, immer besser scheitern zu lernen. Die
Abbruchquoten bei Promovenden sind hoch, insgesamt höher als die wenigen Prozent, mit der der '
Tagesspiegel' die 'Studienstiftung' zitiert, gerade bei denen, die sich weniger akademisch orientieren, als zunächst geplant."
In der
SZ-Wahlkampfreihe knöpft sich
Hans Hütt heute das
FDP-
Wahlprogramm vor: "Die Modernität des liberalen Wahlprogramms kommt vielleicht besonders dadurch zum Ausdruck, dass das Dokument nicht von Menschen aus Fleisch und Blut geschrieben worden sein könnte. Wäre es abwegig zu befürchten, dass die Programmkommission einen
ultraliberalen Algorithmus mit einem großen
Haufen von rohen Buchstabennudeln gefüttert hat, und der hat dann nach einer sehr klugen Sortierfunktion den Weg vom Allgemeinen zum Besonderen gefunden?"
In seiner
FR-
Kolumne rauft sich
Klaus Staeck unterdessen die Haare beim Blick auf die Kandidaten der inzwischen auf 20.000 Mitglieder angewachsenen Partei "
Die Basis": "Ein weiterer Kandidat ist uns aus dem '
Querdenken'-
Umfeld nicht unbekannt: Reiner Fuellmich. Der auch in Kalifornien praktizierende Rechtsanwalt sammelt seit Monaten von Gutgläubigen per Rundmail
Geld für eine Sammelklage ein, die er gegen den Virologen
Christian Drosten und den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts
Lothar Wieler in den USA vor Gericht bringen will. Die Aussicht der Mandanten auf Schadenersatz ist gering, denn seit Monaten warten sie mit wachsender Ungeduld, dass die Klage eingereicht wird. Inzwischen füllt sich die Kasse des Anwaltsbüros."