Meist wird bei
Terror-Attentaten über die Toten gesprochen (falls die Öffentlichkeit überhaupt ein Interesse für sie aufbringt), viel seltener über
die Überlebenden wie
Viljar Hanssen, der vor zehn Jahren von Anders Breivik angeschossen wurde.
Asne Seierstad, Autorin des
Buchs "Einer von uns - Die Geschichte des Massenmörders Anders Breivik" erzählt in der
Welt, wie der junge Hanssen in Utoya von ankommenden Polizisten aufgefunden wurde: "'Gerade hat er noch gesungen ...!', rief da ein junges Mädchen. Teile von
Viljars Gehirn lagen offen, einiges davon außerhalb seines Schädels. Seine Augen waren eine einzige blutige Masse. Der Polizist fand einen Puls, legte das Gehirn des Jungen zurück in seinen gebrochenen Schädel und
wickelte ein Tuch darum. Er bat einen Überlebenden, der von einem Boot gerettet worden war, Viljars Kopf in seinen Schoß zu legen und ihn 'am Leben zu halten'. Zehn Tage später erwachte der Siebzehnjährige aus dem Koma, ihm fehlten ein Auge, die Finger, die er sich im Kugelhagel vor das Gesicht gehalten hatte, Teile seiner Schulter und
viele Freunde."
In der
taz unterhält sich Barbara Oertel mit
Laila Gustavsen, ehemalige Abgeordnete der norwegischen Arbeiterpartei, über das Attentat auf der Insel
Utoya vor zehn Jahren, bei dem der Rechtsextremist
Anders Breivik auch ihre Tochter Marte schwer verletzte. Ihrer Meinung nach ist das Attentat in Norwegen noch nicht wirklich aufgearbeitet worden: "Die knallharte Tatsache ist doch, dass Breivik
einer von uns ist. Er ist Norweger, ein weißer Mann, der im Westen von Oslo aufgewachsen ist. Der letzte Terrorakt (der Anschlag erfolgte im August 2019, Anm. d. Red.), als ein Mann seine
chinesischstämmige Adoptivschwester getötet hat und in einer Moschee Menschen erschießen wollte, folgte demselben Muster. Bis jetzt ist jeder Terroranschlag in Norwegen
aus der rechten Ecke gekommen. Das muss immer betont werden. Wie übrigens auch der Umstand, dass Breiviks Ziel die
Sozialdemokratische Partei war. Das ist in der Debatte der letzten zehn Jahre komplett untergegangen."
Die USA und Deutschland haben im Streit um die Gaspipeline
Nord Stream 2 durch die Ostsee einen Kompromiss gefunden, den Johanna Roth und Jurik Caspar Iser bei
Zeit online erläutern. So soll das bisherige Transitland
Ukraine weiterhin Transitgebühren bekommen. Außerdem sollen die Deutschen in der Ukraine in erneuerbare Energien investieren, was die Ukraine "enger an die EU binden und unabhängiger von Russland machen soll. Und drittens drohen sie Strafmaßnahmen an, sollte Russland sich gegenüber der Ukraine oder anderen Partnerländern gegenüber feindselig verhalten und die Pipeline so zur geopolitischen Waffe machen. Dabei werden sie allerdings
nicht so deutlich, wie Kritiker des Projekts es sich wünschen."
Vor allem die Ankündigung
möglicher Sanktionen, falls Russland nicht so nett zur Ukraine ist, lässt Richard Herzinger in seinem Blog
bitter auflachen: "Kann man wirklich glauben, dass Berlin, das sich weder wegen der
Vergiftung Nawalnys und der Ermordung eines tschetschenischen Oppositionellen im Berliner Tiergarten, noch wegen der Federführung des Kreml bei der Repression in Belarus oder der russischen Cyberkriegsoperationen gegen westliche Demokratien zu Sanktionen durchringen konnte, nunmehr
mutig und entschlossen reagieren wird, sobald Putin sein Gas zu Erpressungmanövern nutzt?" Im
Tagesspiegel kommentiert Juliane Schäuble ähnlich skeptisch.
Deutschland hat sich im Katastrophenschutz sträflich arrogant verhalten, weil es eine Technologie wie "
Cell Broadcast" nicht nutzte,
schreibt Sascha Lobo in seiner
Spiegel-online-Kolumne. Cell Broadcast ermöglicht es, auf alle Handys innerhalb einer Funkzelle eine Nachricht zu schicken. Die Technik funktioniert sogar bei
überlasteten Handynetzen, muss nicht aktiv installiert werden und benötigt keine Smartphones. In vielen Ländern wird diese Technik zum Katstrophenschutz eingesetzt. Aber nicht hier: "Anfang des Jahrtausends wurde die Technologie hierzulande
erst mal abgeschaltet. Weil sie zum Standardinstrumentarium des Mobilfunks weltweit gehört, wären die Funkmasten auch in Deutschland Cell-Broadcast-fähig. Aber hier setzte man statt auf Cell Broadcasts für Katastrophenfälle lieber auf Smartphone-Apps wie 'Nina' - obwohl die erstens ein Smartphone, zweitens die Installation und drittens durchaus eine gewisse Sachkunde voraussetzen."
"Soll so die
Sprache unserer Gesetze aussehen?", fragt sich in der
FAZ mit Grausen der Sprachwissenschaftler
Horst-
Haider Munske, nachdem er das
gegenderte Wahlprogramm der Grünen gelesen hat: "Die Umpolung des Suffixes -in(nen) von einer Markierung des femininen Genus zu einer generischen (mit Genderstern) führt sofort zu Problemen, wenn
eine Singularform auftaucht. So ist von der Wahl die/der nächst*en Präsident*in der EU-Kommission die Rede. Die Grünen gehen Singularformen aus dem Weg. Dieses Beispiel lässt ahnen, warum. In der Wirklichkeit des Sprachverkehrs sind Singularformen wie der Schüler, der Soldat, der Polizist unentbehrlich. Der Text des Wahlprogramms nährt den Verdacht, dass es diese Wörter
künftig nicht mehr geben soll."
Unter der Überschrift "
Eine nationale Schande" kritisiert Stefan Rebenich in der
FAZ scharf den Umgang der deutschen Regierung mit den
afghanischen Hilfskräften, die nach dem Abzug der Bundeswehrtruppen den Taliban ausgeliefert sind: "Mit Sonntagsreden ist diesen Menschen nicht mehr geholfen. Sie bedürfen zum einen des persönlichen Schutzes und der materiellen Unterstützung. Zum anderen aber ist allen, die es wollen, der rasche Erwerb des
deutschen Bürgerrechts zu ermöglichen, das - wie unser historisches Beispiel nahelegt - die beste Voraussetzung für soziale und kulturelle Integration darstellt." Rebenich verweist in seinem Artikel auf ein
Safe House in Afghanistan, das vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. und dem Zentrum für politische Schönheit für Helfer eingerichtet wurde.
Spenden sind herzlich willkommen.