9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2273 Presseschau-Absätze - Seite 45 von 228

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2023 - Ideen

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Der kanadische Historiker Quinn Slobodian spricht in seinem aktuellen Buch "Kapitalismus ohne Demokratie" von einem "Zersplitterungskapitalismus", der die Welt in immer kleinere Zonen wie Mikronationen, Privatstädte und Steueroasen teilt. Der spätestens seit 2016 stattfindende Backlash gegen die Globalisierung werde oft als eine "Rückkehr zum Nationalstaat" beschrieben, das sei irreführend, meint er im ZeitOnline-Gespräch: "Kaum ein Staat hat sich zuletzt vom Ziel des beschleunigten Wirtschaftswachstums verabschiedet oder gar Autarkie angestrebt. Im Gegenteil: Oft wird ein noch wettbewerbsorientierter Kapitalismus angestrebt. Rechtspopulistische Globalisierungskritiker sind meist nicht gegen die Globalisierung, sondern bloß für eine andere Form von ihr. Dabei hilft ihnen die Zone. (…) Nehmen Sie die britischen Torys, deren wirtschaftspolitische Grundidee der letzten Jahre in der Schaffung von Freihäfen und Wirtschaftssonderzonen bestand. Es geht also um Steuerschlupflöcher und rechtliche Ausnahmen, die ausländische Investoren anlocken und globalen Handel verstärken sollen. Oder Ungarn: Viktor Orbán gibt sich gern als rechter Globalisierungskritiker, ist aber großer Fan von Sonderwirtschaftszonen, erst jüngst hat er eigens für Samsung eine geschaffen. Oder Polen, wo die rechtskonservative PiS-Regierung praktisch das ganze Land in eine Sonderwirtschaftszone verwandelt hat. Beim Rechtspopulismus geht es also keineswegs 'nur' um ethnonationalen Chauvinismus, sondern auch um ein radikales Konzept kapitalistischer Wettbewerbsfähigkeit."

"Schloschim" werden die 30 Tage nach der Beerdigung genannt, in denen man nach jüdischer Tradition um die Verstorbenen trauert. Der amerikanische Schriftsteller Joshua Cohen hat in dieser Zeit 30 Einträge zum 7. Oktober notiert, die die FAS heute bringt. Der 12. Eintrag etwa lautet: "Die Dekolonisatoren haben nie viel Sinnvolles von sich gegeben. Jede Generation widerspricht der jeweiligen vorangegangenen Generation. In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren lautete die Leitideologie der Radikalen: 'Gewalt ist Sprache' - was bedeutet, dass Gewalt der rechtmäßige Ausdruck einer Person oder eines Volkes ist, dessen Worte bislang unbeachtet blieben. In den 80er- und 90er-Jahren und bis zum 6. Oktober war die radikale Ideologie das Gegenteil: 'Sprache ist Gewalt' - was bedeutet, dass die Worte, die man verwendet, Schaden anrichten können, weshalb man vorsichtig sein sollte, wie man sie verwendet, insbesondere jene Worte, die einem nicht selbst gehören, die nicht zur eigenen Identität gehören. Am 7. Oktober und danach wurde aus  'Sprache ist Gewalt' sofort 'Gewalt ist Sprache', und sei es nur, um das Abschlachten von jüdischen Menschen als palästinensische Befreiung zu kontextualisieren und zu rechtfertigen."

Auf zwei Seiten sammelt das FAZ-Feuilleton heute Ideen aus anderen Ländern, die Deutschland gern künftig umsetzen dürfte. Das schwedische "Plogging" etwa: "Der Name, gebildet aus den Worten 'Jogging' und 'plocka', was so viel wie 'aufsammeln' bedeutet, verrät, worum es geht: beim Laufen durch die freie Natur nebenbei herumliegenden Müll aufzulesen." Oder das neu eingeführte ukrainische "Register für Vermögenserklärungen. Dort müssen Politiker, Richter und Beamte über ihre Eigentumsverhältnisse Auskunft geben. Ein plötzlich vergrößerter Besitzstand kann da ein Hinweis auf Korruption sein. Es braucht nur Sekunden, um sich etwa zu Präsident Selenskyj und seiner Frau Olena durchzuklicken, zu den sechs Wohnungen des Ehepaars in Kiew, erworben lange vor dem Einstieg des Schauspielers in die Politik. Über Oppositionsführer Poroschenko, den 'Schokoladenkönig', lesen wir, dass er im letzten Quartal 2023 gut 900 Millionen Euro mit Zinsen und Anleihegeschäften in Ungarn verdiente."

Weitere Artikel: In der NZZ erinnert der Philosoph Thomas Brose an den Königsberger Philosophen Johann Georg Hamann.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2023 - Ideen

In der SZ gibt der russisch-jüdische Journalist Alexander Estis Masha Gessen nochmal ein paar Nachhilfestunden zum Thema "Vergleich" (Unsere Resümees): Gessens "donquijoteskem Feldzug" gegen die Windmühlen einer imaginierten Vergleichsverbotsmaschinerie liege eine Verwechslung von Vergleichsprozedur und Vergleichsergebnis zugrunde. Kein vernünftig denkender Mensch käme auf die Idee, die 'Unvergleichbarkeit des Holocaust' im prozeduralen Sinne zu verstehen... Schon der Begriff der Unvergleichbarkeit widerspricht per se dieser absurden Vorstellung, weil unvergleichbare, mithin singuläre oder spezifische Qualitäten überhaupt erst durch Vergleich als solche erkennbar werden: Eine Unvergleichbarkeit kann allein das Ergebnis einer Vergleichsoperation sein... Inkriminiert werden lediglich Vergleichsergebnisse, die den Holocaust durch pauschale Analogien relativieren, also 'unangemessene Gleichsetzungen', wie Volker Weiß sie nennt. Als Reaktion auf derartige Erosionsbestrebungen hat Jürgen Habermas einst im Zuge des Historikerstreits die Unvergleichbarkeit und die Singularität des Holocaust überhaupt erst postuliert. Nicht die Singularität - die jedem historischen Ereignis zukommt, wenn nur die Perspektive hinreichend fein ist -, sondern 'die Infragestellung der Singularität ist die eigentliche Besonderheit in der Debatte um den Holocaust', so bilanziert Thierry Chervel richtig."

Bei allem Verständnis für die "Frustration" der Palästinenser muss Henryk Broder in der Welt zunächst ein paar Dinge festhalten: Der 'Genozid', den Israel in Gaza angeblich begeht, wäre "der erste in der Geschichte der Völkermorde, bei dem die betroffene Population sich vervielfachen konnte: Von etwa einer halben Million im Jahre 1985 auf über zwei Millionen heute." Der Geduldsfaden reißt Broder aber, wenn Teile der Linken rufen: "Free Palestine from German guilt!" "An dem Satz 'Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen' scheint doch mehr dran zu sein, als bisher angenommen wurde. (…) Offenbar gibt es kein Entkommen aus dem Fluch der bewussten und unbewussten Erinnerung. Nehmen wir einmal an, es käme im Nahen Osten zu einem Supergau und Israel verschwände von der Erdoberfläche. Was würde dann geschehen? Die Bundesregierung würde den Überlebenden sofort humanitäre Hilfe anbieten und die letzten einsatzfähigen Hercules-Transporter losschicken, um die Mitarbeiter der Botschaft, der deutschen Stiftungen und andere Ortskräfte zu evakuieren. (…) Es wäre nicht nur das Ende des 'Judenstaates', sondern auch das Ende jeder deutschen Schuld gegenüber den Juden. Der Holocaust würde im Dunst der Geschichte verschwinden, so wie jedes Unglück in den Hintergrund tritt, wenn es von einem noch größeren Unglück übertroffen wird. Für die chronisch auf Israel fixierten politischen Linken wäre dies auch die Erlösung von ihren Leiden."

"Antisemitismus wird wieder hoffähig, ja, er scheint sogar erwünscht, wenn er sich nur gegen Israels Überlebenskampf richtet", kommentiert Peter Huth ebenfalls in der Welt: "'Ich bin 1945 geboren. Ich schulde der Welt einen Dreck' - so oder ähnlich trompeten seit einiger Zeit viele von denen in die Sozialen Netzwerke hinaus, die ihr Selbstwertgefühl ansonsten ausschließlich aus dem Ort ihrer Geburt ziehen. Diese Lust nach einem Schlussstrich hat nur am Rande mit der aktuellen Lage in Israel zu tun, sondern ist ein urdeutsches 'Jetzt muss ja auch mal gut sein'. Das Wort vom 'Schuldkult' wird in rechtsextremistischen Kreisen - 'Vogelschiss'-Gauland war nicht von ungefähr Vorsitzender deren parlamentarischen Flügels - immer schamloser benutzt. Die extreme deutsche Rechte, die sich nach Außen scheinheilig an die Seite Israels stellt (und gleichzeitig Russland, einen der Hamas-Drahtzieher, anhimmelt; aber das nur nebenbei), bereitet seit Jahren einen Weg vor, der in der maximalen Relativierung der Taten der Deutschen im Nationalsozialismus enden soll. Sie will ein neues Bild eines Deutschlands ohne Fehl und Tadel malen, indem sie die bestialischen Verbrechen einfach überpinseln."

Zum hundertsten Geburtstag des Instituts für Sozialforschung, wo einst Selbstkritik statt Identitätspolitik gefordert wurde, dürfte Adorno im Grab rotieren, vermutet Jakob Hayner in der Welt mit Blick auf dessen aktuellen Leiter Stephan Lessenich: "Wie dürftig inzwischen der Anspruch kritischer Theorie ist, demonstriert Lessenich mit seinem Buch 'Nicht mehr normal', in dem Feuilletonbanalitäten über die 'neue Normalität' kräftig gerührt und geschüttelt, jedenfalls mächtig aufgeschäumt dargeboten werden. Den 'alten weißen Mann' will Lessenich 'normalitätspolitisch' sogar mit 'kritisch-analytischen Sinn' aufladen. (…) Zu seinem großen Vorhaben hat Lessenich gemacht, die 'Frankfurter Schule' um 'queerfeministische und posthumanistische Ansätze, antirassistische und dekoloniale Perspektiven' zu erweitern. Beispielhaft dafür ist die große Konferenz zum 100. Jubiläum des IfS, die in Frankfurt unter dem Titel 'Futuring Critical Theory' stattfindet und frei heraus erklärt, dass das queerfeministische, post- und dekoloniale Denken zeitgemäßer als die kritische Theorie ist. Doch Kritik des Antisemitismus spielt da bekanntlich kaum eine Rolle."

Außerdem: In der NZZ macht der Philosoph Martin Rhonheimer nochmal mit Friedrich August von Hayek den Unterschied zwischen Liberalen und Konservativen deutlich: "Für Hayek lag dieser Unterschied darin, dass die Konservativen zwar moralische Überzeugungen hätten, aber keine dieser übergeordneten politischen Prinzipien. Konservative seien durchaus bereit, den Zwangsapparat des Staates einzuspannen, um ihre eigenen Wertvorstellungen allgemeinverbindlich durchzusetzen. Liberale wollten das nicht, selbst wenn sie persönlich manche dieser Wertvorstellungen teilen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2023 - Ideen

Gegen Hitler stand die britische Linke damals geschlossen, heute gehören manche "Teile dieser 'Linken' zur Vorhut des Putinismus und zum Hort des Antisemitismus", konstatiert der britische Journalist Paul Mason in der FR. Trotzdem hofft er auf einen Umschwung unter den Linken. "Es kann eine Linke geben, die sowohl humanistisch als auch radikal ist. Es kann eine Linke geben, die es versteht, die Palästinenser gegen Kriegsverbrechen zu verteidigen und gleichzeitig das Existenzrecht Israels zu verteidigen. Es kann eine Linke in der akademischen Welt geben, die bereit ist, die formale Logik wieder durchzusetzen und jungen Menschen beizubringen, Sätze wie 'wir machen das israelische Regime für alle Gewalt verantwortlich' ins Lächerliche zu ziehen."

Im Gespräch mit Benedict Neff in der NZZ spricht der Philosoph Alain Finkielkraut über den "Wokeismus", den er gerade besonders an Universitäten und in der französischen Linken verortet. Außerdem erklärt er den wesentlichen Unterschied zwischen der woken und kommunistischen Ideologie: "Das ist nicht das Gleiche. Der Wokeismus ist die totale Infragestellung der westlichen Kultur. Es ist ein misstrauischer und sogar anklagender Blick auf unser gesamtes Erbe. Die Lieblingsbeschäftigung des Wokeismus ist es, in Form eines Tribunals über die Vergangenheit zu richten, die rassistisch, sexistisch, homophob und so weiter war. Eine absolute Sensibilität bekämpft alle Formen der Stigmatisierung. Die kommunistische Ideologie wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Realität konfrontiert: in Form der Sowjetunion und des maoistischen Regimes in China. Für die Woken gibt es diesen Realitätscheck nicht. Hinzu kommt, dass der Wokeismus mit einem demografischen Wandel in unserer Gesellschaft einhergeht. Er verbindet sich mit dem Islamismus. Aus diesem Grund wird es vielleicht schwieriger, diese Ideologie abzuschütteln."

In der Jungle World überlegt Magnus Klaue, ob wir in einem neuen Zeitalter der Zensur leben. Eher nicht, meint er, "die gegenwärtigen Formen der Sprach- und Ausdrucksreglementierung, die von ihren Gegnern als Zensur missverstanden werden, haben die historische Erosion jener Zensur zur Voraussetzung, die die bürgerliche Gesellschaft hervorgebracht hat. Als ästhetische und publizistische Institution war jene der objektive Ausdruck des Selbstwiderspruchs der bürgerlichen Gesellschaft, die die Konsequenzen der von ihr beförderten Freiheit und Gleichheit im selben Moment, da sie sie garantierte, einhegen und zurücknehmen musste. Gender-Sprache, freiwillig betriebene politisch korrekte Sprachkosmetik, Trigger-Warnungen und dergleichen sind demgegenüber Ausdruck einer Gesellschaft, deren Mitglieder jenen Widerspruch kaum noch erfahren, geschweige denn reflektieren können, und die sich als systemtheoretisch vernetzten Kommunikationsverbund betrachtet, dessen freies Fließen kein Zensor und kein Reaktionär mehr stören darf. Getilgt werden muss aus diesem Kreislauf alles, was an Vergangenes, Historisches, Gewordenes, wie auch alles, was an die Offenheit der Zukunft erinnert."

Der Tagesspiegel veröffentlicht einen zwei Seiten langen Essay des Historikers Konstantin Sakkas über den Frieden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg sei der Frieden in der Welt äußerst brüchig gewesen. So kamen zwischen 1945 und 2022 10 Millionen Menschen in bewaffneten Konflikten um. "Doch ist die internationale Ordnung so schlecht wie ihr Ruf? Jahrhundertelang haben Frankreich und Deutschland sich bekriegt, heute sind sie durch EU und Nato mehrfach Verbündete. Griechenland und die Türkei wurden beide 1952 in die Nato aufgenommen, um zu verhindern, dass zwischen den beiden über lange Zeit verfeindeten Staaten ein Krieg ausbricht, der sich zum Krieg zwischen dem Westen und der UdSSR auswachsen würde. Auch heute wäre das Ausscheiden der Türkei aus der Nato ein bündnispolitischer Super-Gau."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2023 - Ideen

Es ist keineswegs so, dass alle der mehr als 2500 amerikanischen Universitäten Horte radikaler linker Identitätspolitik sind, hält der in Tennessee lehrende Judaist und Osteuropa-Historiker Ari Joskowicz, der in der FAZ von lebhaften Seminar-Diskussionen über den Nahostkonflikt berichtet, fest: "Keinesfalls will ich damit suggerieren, es gäbe keinen Antisemitismus auf amerikanischen Universitäten oder in der amerikanischen Gesellschaft. Das wäre genauso vermessen, wie zu behaupten, es gäbe keine Islamophobie. Ich höre immer wieder von muslimischen Studierenden oder Lehrenden, wie sie seit dem 7. Oktober rassistisch beschimpft worden sind. Ihre Erfahrungen finden meines Erachtens zu wenig Widerhall in den Medien, weil sie nicht in das größere Narrativ passen. In einer Situation, in der jüdische und muslimische Studierende als Gegenspieler dargestellt werden, erscheint der Fokus auf die Diskriminierung einer Gruppe schnell so, als würde man die der anderen relativieren. Gerade diejenigen Kritiker der Universitäten, die gerne lamentieren, dass unsere politische Kultur leidet, weil alle nur noch darum wetteifern, wer denn nun die größeren Opfer sind, scheinen ein Problem damit zu haben, anzuerkennen, dass Mitglieder unterschiedlicher Gruppen in diesem Moment gleichzeitig um ihre Sicherheit besorgt sein können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.12.2023 - Ideen

An der Singularität des Holocaust ist sehr wohl festzuhalten, schreibt Richard Herzinger in einem Essay für die Zeitschrift Internationale Politik. Vergleiche sind erlaubt, ja geboten. Allerdings komme es sehr darauf an, wo und wie verglichen wird: "Wie mit der Singularität des Holocaust umzugehen ist, stellt alles andere als eine abstrakte theoretische Frage dar. Denn der Kampf um die Deutungshoheit über die Geschichte ist zu einem wesentlichen machtpolitischen Faktor in der internationalen Politik geworden. Wie die Vergangenheit betrachtet und welche Lehren aus ihr gezogen werden, bestimmt maßgeblich die Normen und Werte, auf die sich die globale Ordnung gründet."

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Der moderne Antisemitismus bedient sich immer noch großzügig aus dem Fundus des Christentums, schreibt Tilman Tarach, Autor des Buchs "Teuflische Allmacht - Über die verleugneten christlichen Wurzeln des modernen Antisemitismus und Antizionismus" in der taz. Der Urtext des Antisemitismus ist für ihn das Neue Testament: "Die historisch unhaltbare Erzählung des Neuen Testaments, wonach der unschuldige römische Statthalter auf Druck der Juden Jesus hinrichten ließ, nachdem ihn der vom jüdischen Hohepriester bestochene Judas verraten hatte, imaginiert die Juden als die Strippenzieher hinter den Entscheidungen der römischen Obrigkeit: Den Nazarener, so heißt es in der Apostelgeschichte, hätten die Juden 'durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen'. Die 'Gesetzlosen', also die ohne das mosaische Gesetz lebenden Römer, erscheinen mithin nur als Marionetten der hinterlistigen Juden."

Tania Martini kommt in der taz nochmal auf die Diskussion um Masha Gessen zurück und hat eine Frage an die Böll-Stiftung, die den Preis erst bejubelte, sich dann aus der Preisverleihung zurückzog, und ihn dann, als sie Druck von der Basis spürte, wieder bejubelte. "Apropos canceln: Vielleicht müssten Jurys und Kuratoren den intellektuellen Grips haben zu wissen, wen sie sich ins Haus holen, und das dann auch verteidigen, denn canceln ist ein schlechter Ansatz." Der Arendt-Preis ging übrigens nicht zum ersten Mal an einen Israelhasser - Martini erinnert an den Preisträger Gianni Vattimo, der der Hamas Waffen liefern wollte.

Buch in der Debatte

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Der Historiker Historiker Jörn Leonhard beschäftigt sich in seinem letzten Buch mit der Frage, wie Kriege enden. Mit Blick auch auf die Kriege in der Ukraine und Gaza sagt er Interview mit Jan Pfaff von der taz: "Wann ist ein Krieg wirklich reif für den Frieden? Für diesen Moment müssten alle am Konflikt beteiligten Akteure von einer politischen Lösung mehr erwarten als von der Fortsetzung der Kämpfe. Signalisiert nur eine Partei Konzessionsbereitschaft, kann das zur Eskalation der Gewalt führen. Denn die andere Seite schließt von solchen Zeichen auf Erschöpfung und wird ihre militärischen Anstrengungen steigern, um die eigenen Ziele doch noch zu erreichen. Gerade die Endphase von Kriegen war häufig besonders blutig. Für die Ukraine bin ich skeptisch, ob bereits der Moment für glaubwürdige Verhandlungen gekommen ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2023 - Ideen

In einem Essay in der SZ zeichnet der französische Philosoph Bernard-Henri Levy Parallelen zwischen den Kriegen in der Ukraine und in Nahost nach: "Auf der einen Seite stehen demokratische Staaten, die ihre Fehler haben, aber eben doch Demokratien sind, die beide aus einem antikolonialen Befreiungskampf hervorgegangen sind: Israel gegen das britische Königreich und die Ukraine gegen die Sowjetunion und nun Russland. Und auf der anderen Seite steht die große Allianz gegen die Demokraten im In- und Ausland. In ihr finden sich Russland mit seinen eurasischen Ambitionen, die islamistische Internationale von den Taliban über die Hamas bis Katar, eine neo-ottomanisch gesinnte Türkei, Iran mit einer imperialen Nostalgie nach dem Reich der Perser, und China, das genau beobachtet, wie die USA ihren Partnern beistehen und währenddessen überlegt, ob und wann Taiwan anzugreifen wäre. (...) Der Terrorismus ist eine Familie. Ob man Kinder aus Mariupol entführt oder aus einem Kibbuz - es bleibt die gleiche Barbarei. Angesichts dieser Internationalen des Schlimmsten kann es nur eines geben, nämlich was der tschechische Dissident Jan Patočka einst die 'Solidarität der Erschütterten' nannte. Israel und die Ukraine - das ist der gleiche Kampf. Auf diesen beiden Schauplätzen entscheidet sich die Zukunft der Freiheit. Brandgefährlich wäre es daher, nun die Hilfe für beide gegeneinander abzuwägen und die Unterstützung des einen wegen der des anderen zu vernachlässigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2023 - Ideen

Im Freitag diskutieren Jakob Augstein und Maja Göpel, Autorin populärer Bestseller zur Klimapolitik und ehemals Leiterin der Denkfabrik "The New Institute" über die Frage, ob wir es mit einer Klimareligion zu tun haben, wie Augstein in einem polemischen Essay (nicht online) geschrieben hatte. Augstein erläutert: "Der Spiegel hat neulich den Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber interviewt. Er hält eine Kreislaufwirtschaft in schon wenigen Jahrzehnten für möglich und damit eine Rückkehr ins 'Holozän-Klima'. Herr Schellnhuber ist ein Experte, der von der Klimawissenschaft unendlich viel mehr versteht als ich, aber diese Vorstellung ist doch erkennbarer Unsinn." Göpel erwidert: "Es geht um Verantwortung. Wenn jemand im Wissen der Konsequenzen seiner Verhaltensweise für andere diese Verhaltensweise fortführt, dann trägt er dafür die Verantwortung... 'Öko-Diktatur' ist doch ein Kampfbegriff. Wenn Sie sich die großen Umfragen angucken, dann sind 80 Prozent der deutschen Bevölkerung über den Klimawandel sehr besorgt. 80 Prozent haben ein Tempolimit unterstützt. Trotzdem wurde im öffentlichen Diskurs kolportiert, dass das Freiheitsberaubung sei, und die Veränderungswilligen wurden als Lemminge tituliert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2023 - Ideen

Ziemlich fassungslos resümiert Tania Martini in der taz den Abend in der Berliner Heinrich-Böll-Stiftung, bei dem Masha Gessen mit tosendem Applaus begrüßt wurde und dann ihre "kruden Thesen" verbreiten durfte, immerhin stets mit Widerspruch von Moderatorin Tamara Or: "Nicht alle Juden seien in den KZs ermordet worden, 1,3 Millionen an Krankheiten und Hunger gestorben. Der größte Unterschied zwischen den Nazi-Ghettos und Gaza sei, dass in Gaza die meisten noch lebten, die Welt noch etwas tun könne. Es war die Moderatorin, die darauf hinweisen musste, dass Gaza seit 2007 von der Hamas diktatorisch verwaltet wird, man nicht von einem Rechtsradikalen wie Ben Gvir ausgehend den gesamten Konflikt erklären könne, Gessen hatte Aussagen von jenem verlesen, und dass es schlicht keinen Befehl zur Erschießung palästinensischer Zivilisten gebe. Hamas habe nicht die Mauer gebaut, so Gessen, die für Ors Frage, ob nun nicht mehr über den Vergleich, als über Gaza gesprochen werde, nur übrig hatte: 'Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon Sie sprechen.'"

Auch in der Zeit berichtet Jens Jessen konsterniert über den enormen Zuspruch, den Gessen aus dem Publikum erhielt. Aber, überlegt er dennoch, vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass die "Verwerflichkeit eines Holocaust-Vergleichs nur von politischer Haltung und Identität der Personen abhängig ist, die ihn anstellen?" Wenn dem allerdings so sei, dann solten "bestimmte Formen der Israelkritik ein jüdisches Privileg bleiben. Deutsche sollten sie nur respektieren, nicht bejubeln." Völlig wirr findet Thomas Ribi in der NZZ die Argumentation der sonst so scharfsinnigen Autorin: "Einfach zu verstehen ist es tatsächlich nicht, was Gessen sagen wollte. Die nachträglichen Erläuterungen haben nichts geklärt, sondern die Sache nur noch mehr verwirrt."

"Kultur braucht Spinner", ist der Spon-Leitartikel von Tobias Rapp überschrieben, in dem Rapp begrüßt, dass Masha Gessen eben trotz ihres "schwachen Textes" mit dem Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnet wurde: "Gessen hat diesen Preis für das Lebenswerk bekommen. Und das vollkommen zu Recht. Gessen ist eine interessante, wichtige und aufregende intellektuelle Person. (…) Nun ist es natürlich ein wenig bizarr, wenn jemand, der in den vergangenen Tagen in allen großen Medien Interviews gegeben hat, der deutschen Öffentlichkeit das 'Mundtot-Machen' vorwirft. Es ist aber nur in dieser Pauschalität falsch. Es gibt nämlich tatsächlich ein Problem: Die Feigheit von Teilen des deutschen kulturpolitischen Betriebs. Die Liste von Ausstellungen und Preisverleihungen, die abgesagt worden sind, ist mittlerweile ziemlich lang. Und diese Liste ist nichts, worauf man in Deutschland stolz sein sollte. Selbst und gerade, wenn man mit den politischen Positionen der Künstler und Intellektuellen, denen da die Plattform genommen worden ist, nichts zu tun haben möchte."

Hannah Arendt würde heute den Hannah-Arendt-Preis nicht mehr bekommen, behauptet die (in Deutschland allerdings eher unbekannte) Arendt-Biografin Samantha Rose Hill im Guardian und zeigt, dass man Gessens Geschichtsverdrehungen noch weiter treiben kann. Denn sie belegt ihre Behauptung mit einem Zitat Arendts, in dem sie den frühen Israelis eine "Ghetto-Mentalität" vorwirft. Und dann wiederholt Hill die bizarre These der Postkolonialisten und Gessens, dass Deutschland und seine Gedenkkultur den Blick auf israelische Verbrechen versperrten: Deutschland müsse die BDS-Resolution zurücknehmen. "Damit es nicht weiterhin zensiert, was Menschen über den Staat Israel sagen können und was nicht. Damit es nicht zu einer moralischen Komplizenschaft mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit zwingt." Das Dumme mit dem von Hill bemühten Ghetto-Zitat Arendts ist allerdings, dass sie da etwas verwechselt, wendet der Autor Shany Mor auf Twitter ein: "Die Ghettos, mit denen Arendt Israel so leichtfertig vergleicht, sind die Viertel in den europäischen Städten, in denen die Juden jahrhundertelang eingesperrt waren, und nicht die städtischen Gefängnisse in Polen, in die die deutschen Besatzer in den 1940er Jahren die Juden trieben, um sie auszuhungern, bevor sie zur Vernichtung abtransportiert wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.12.2023 - Ideen

Der eigentliche Skandal in Masha Gessens New-Yorker-Essay liegt nicht in dem, was sie vergleicht oder gleichsetzt, sondern in dem, was sie nicht benennt und nicht vergleicht, schreibt Perlentaucher Thierry Chervel in einer Intervention zu dem umstrittenen Text. An einer Stelle will sie den Vergleich, an anderer will sie ihn quasi untersagen: "Netanjahu hatte den Mordkarneval der Hamas mit dem 'Holocaust by bullets' verglichen und löst damit bei Gessen Empörung aus. Dieser Vergleich diene nur dazu, 'die kollektive Bestrafung der Bewohner des Gazastreifens' diskursiv abzustützen: 'genauso wie Putin, der untermauern will, dass Russland berechtigt ist, ukrainische Städte mit Teppichbomben zu bombardieren, zu belagern und ukrainische Zivilisten zu töten, indem er sie als 'Nazis' oder 'Faschisten' bezeichnet.' Während der Nazi-Vergleich mit Blick auf Israel für Gessen zulässig ist, ist er es mit Blick auf die Hamas genausowenig wie mit Blick auf die Ukraine! Jene 'Gräueltaten, die wir noch nicht ganz begreifen können', sollen ohne Namen bleiben."

Auch in Gessens Preisrede vom Samstag, die bei Zeit online veröffentlicht ist, finden die Hamas-Verbrechen nicht die geringste Erwähnung. Der Holocaust-Vergleich interessiert sie nur in Bezug auf Israel. Auf den Einwand eines Journalisten, dass die Ghettos der Nazis doch um etwa fünfzig mal dichter bevölkert waren als die der Nazis, antwortet mit einem - äh - sexistischen Witz: "Ein Mann bietet einer Frau eine astronomische Geldsumme für Sex an. Sie willigt ein, mit ihm zu schlafen - sagen wir, für 10 Millionen Dollar. 'Würdest du für 10 Dollar mit mir schlafen?', fragt er dann. Empört antwortet sie: 'Was denkst du, was ich für eine bin?' - 'Wir wissen schon, was du bist. Wir feilschen nur noch um den Preis.' Ich wünschte, ich könnte einen Witz finden, der die Sexarbeit nicht stigmatisiert, um diese philosophische Konstruktion zu veranschaulichen, die darin besteht, dass die Dinge im Wesentlichen ähnlich sein können und sich in den Einzelheiten unterscheiden."

"Wir müssen die Zwischentöne aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft vernehmen und verstärken", schreiben in der FR die Politologinnen Hanna Pfeifer und Irene Weipert-Fenner, die mehr Differenzierung im Diskurs über den Nahost-Konflikt fordern: "Was bedeutet Solidarität mit Israel? Mit wem ist man solidarisch - der Regierung, dem Staat, dem Volk - und mit welchen Teilen eines Volkes genau, das doch viele Fraktionen wie Stimmen hat? Hat die Solidarität jenseits des Eintretens für das Existenzrecht Israels Grenzen oder ist sie in der Tat 'bedingungslos', also unabhängig vom konkreten Verhalten der staatlichen Gewalten? Ist andersherum mit 'Free Palestine' das Ende von Besatzung und Blockade und die Möglichkeit einer gleichberechtigten Ko-Existenz von Palästinenser:innen und Israel:innen in einem Staat oder in zwei Staaten gemeint? Oder bezeichnet 'Free Palestine' dasselbe wie 'from the river to the sea', der Parole, deren öffentliches Skandieren seit Kurzem in Deutschland verboten ist?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2023 - Ideen

Masha Gessen hat ihre Dankesrede für den Hannah-Arendt-Preis aus aktuellem Anlass umgeschrieben, berichtet Benno Schirrmeister in der taz. Es ging nun darum, "dass es falsch ist, den Vergleich von Äpfeln und Birnen (im amerikanischen Original natürlich Orangen) zu verbieten, weil nur so die Erkenntnis von Unterschieden möglich sei. ... Und auch darüber, warum sie es für notwendig gehalten hatte, in einem Essay im New Yorker Magazine am 9. Dezember die Lage im Gaza-Streifen mit der in den Zwangsghettos ausdrücklich gleichzusetzen." So richtig überzeugt hat sie Schirrmeister nicht: "Wahr ist: Um die Wesensgleichheit von Zwangsgetto und Palästinensergebieten zu behaupten, muss alles, was sie ausmacht - die extreme Enge, die Funktion, Vorposten der Vernichtung zu sein, und auf der anderen Seite die Raketenangriffe aus Gaza -, zu Nebensächlichkeiten erklärt werden. Das tut Gessen, offenbar um den Mangel ihres Arguments zu überspielen, beim Festvortrag mithilfe eines Herrenwitzes. ... Und als am Ende der Veranstaltung Arendt-Preisrichter Klaus Wolschner, Ex-taz-Redakteur, darauf drängt, doch auch etwas zur Rolle der Hamas zu sagen, reagiert Gessen unwillig. Und ebenso wollen Teile des Publikums lieber glauben, schon die Wahrheit zu wissen. Politische Diskussion findet nicht statt."

In der NZZ erklärt die Wiener Russlandexpertin Anna Schor-Tschudnowskaja den Begriff des "Homo postsovieticus", den der russische Soziologe Lew Gudkow in Anlehnung an Soziologen Juri Lewada entwickelt hat und auf die aktuelle russische Gesellschaft bezieht. "Gudkow attestiert diesem neuen Menschen noch mehr Zynismus als dem im utopischen Rausch sozialisierten Homo sovieticus... Individuelles Überleben und Fortkommen ist dann nur möglich, wenn man nicht einfach ein Opportunist ist, sondern grundsätzlich an keine standfesten Werte und wahren Überzeugungen glaubt. Menschen sind in ihrem Handeln gezwungen, sich an die repressive Herrschaftssituation anzupassen und die Vorstellung von individueller normativer Integrität und wertebasierter Autonomie fallenzulassen; öffentliches Handeln kann dann gänzlich dem privaten widersprechen, die Idee einer Verantwortungsethik ist in diesem Falle nicht möglich. "

In der taz würdigt Andreas Fanizadeh in einem Nachruf den italienischen Philosophen Antonio Negri als temperamentvollen Vertreter einer undogmatischen Linken: "Mitunter konnten seine Auftritte dabei eine durchaus dramatische Wendung bekommen. Es war 2004, als Toni Negri am Schauspielhaus Zürich auf einer Veranstaltung sprach, die ich moderierte. Teile der Autonomen-Szene aus dem Umfeld der Roten Fabrik warfen uns 'Ausverkauf' vor. Wir saßen tatsächlich vor ausverkauftem Saal auf der Bühne im Schiffbau des Schauspielhauses. Negri - ein Leben lang dem Gedanken nach einem autonomen Leben in Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit, Egalität und Freiheit verpflichtet - brachten die eindimensionalen Polemiken gegen ihn zur Weißglut. Die hinter Masken verborgenen anonymen Zwischenrufer schienen auf ihn herausfordernd und darin anregend zu wirken. Sofort verließ er seine Vortragsroutine. Jetzt ging es um etwas. Und Negri hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl. ... einmal in Rage geredet, war der Philosoph ein Ereignis. Dann war Negri schlicht furios, wusste, wie er den Saal einfing, war witzig, scharf, eine authentische und integre Persönlichkeit. Er schien in völliger existenzieller Übereinstimmung mit dem zu sein, was er sagte und einforderte."

In der FAZ erklärt Christian Geyer: "In seinem 1982 bei Wagenbach auch auf deutsch publizierten Gefängniswerk spannt Negri die Linie Machiavelli-Spinoza-Marx. Als ein 'armes Doktorlein' wolle er zu den revolutionären Möglichkeiten der nicht-idealistischen Vernunft 'einen wahren Meister' befragen, so der Autor als einer den Ton setzenden Vorkämpfer des im industriellen Norditalien gegen ausbeuterische Verhältnisse der Fabrikarbeit gerichteten 'Operaismo'. Die Bestreikung von Automobilfabriken, dieser operative, immer weitere Branchen erfassende Protest, geschah im Zeichen des von Negri so genannten gesellschaftlichen Arbeiters. Der rabiaten, subversiv entgrenzten, jedenfalls nicht staatskommunistisch oder gewerkschaftlich gezähmten neomarxistischen Bewegung ging es um die biopolitisch geöffnete Subjektivität der Arbeiter von den Wohnverhältnissen bis zur Krankenpflege." In der SZ schreibt Willi Winkler den Nachruf auf Negri und erinnert sich an einen Philosophen, "der das Glück hatte, Ideologe und auch noch Träumer, Kommunist und trotzdem Romantiker zu sein".