Nach den
Correctiv-Enthüllungen zur AfD (
unsere Resümees) behaupten rechte Zeitungen wie die
Junge Freiheit, es habe sich beim Treffen hochrangiger AfD-Politiker mit Akteuren aus der rechtsextremen Szene gar nicht um ein "Geheimtreffen" gehandelt, schreibt Patrick Bahners in der
FAZ. Vielmehr sei dieser Eindruck durch die "konspirativen Methoden" von
Correctiv selbst entstanden, gibt Bahners wieder. Das ist "bestenfalls halbrichtig", entgegnet er, allerdings verstärkte das "
Vokabular der Geheimniskrämerei" den Effekt der Enthüllungen und gab dadurch den anderen Parteien die
Möglichkeit zu großer Empörung, dabei gehen die Punkte im Plan des rechtsextremen Martin Sellner, "den Correctiv referiert, an vielen Stellen nur ein oder zwei Schritte über die
migrationspolitischen Planspiele der Ampelkoalition und der Unionsparteien hinaus", so Bahners: "Wie die AfD suggerieren
fast alle Parteien, dass die Probleme von Migration und Integration ein einziges fatales Syndrom von höchster Dringlichkeit bildeten; die
Parole der kleinen Paschas steht dafür. (...) Die AfD wartet darauf, dass ihre Gegner nach den Symptombeschreibungen auch die Ursachenbehauptung übernehmen. Für Martin Sellner und seine Leser läuft insoweit alles nach Plan."
Das in jenen Zusammenkünften besprochene Konzept der "Remigration" möchte Matthias Quent in der
FAS als das bezeichnet haben, was es ist, nämlich nichts anderes als eine Absicht zum "
rassistisch motivierten Staatsverbrechen" (so bezeichnete es der Politologe Steffen Kailitz 2016 in Bezug auf die Ziele der NPD, informiert Quent): "Neu sind diese
verbrecherischen Absichten nicht, doch die Schamlosigkeit, mit der die Remigrationspläne auch nach den Enthüllungen öffentlich vertreten, verteidigt und relativiert werden, lässt erschaudern. Während im allgemeinen Migrationsdiskurs Menschenrechte in den Hintergrund gedrängt werden und die AfD in Prognosen gewinnt, während andere Parteien und die Zivilgesellschaft offenkundig überfordert sind, wachsen Selbstbewusstsein und Mut der Rechtsextremen. Eine Partei aber, deren Mitglieder und Führungspersonal
Vertreibungs-, Umsturz- und Gewaltpläne unterstützen, dulden und verharmlosen, verwirkt in der wehrhaften Demokratie ihre Existenzberechtigung - unabhängig vom Wählerurteil."
Entgegen den allgemeinen Befürchtungen und der anti-israelischen Propaganda des Regimes in Teheran glaubt die Islamwissenschaftlerin
Katajun Amirpur, dass ein Krieg mit Israel nicht im Interesse des Irans liegt, wie sie im
FR-Interview mit Michael Hesse
darlegt. Das heiße allerdings nicht, dass eine Eskalation ausgeschlossen sei: "Gefährlicher im Hinblick auf eine Ausweitung des Konflikts ist, dass Israel wieder das Mittel der
gezielten Tötungen von Militär-Granden einsetzt, nicht nur der Hamas, sondern
auch der Iraner und der Hisbollah. Wenn Israel den aktuellen Krieg nutzen sollte, um auch das Hisbollah-Problem zu lösen, könnte Iran dadurch
verwickelt werden. Die
Washington Post berichtete sogar kürzlich, in Washington wachse die Befürchtung, Netanjahu könnte den Konflikt an Israels Nordgrenze, also mit der Hisbollah, bewusst eskalieren, um sein eigenes politisches Überleben zu sichern. Die Hisbollah steht dem Regime ideologisch und historisch viel näher als die Hamas. Hinzu kommt: Aus Netanjahus Perspektive liegt die grundsätzliche Lösung des Problems ohnehin im Iran. Er wirbt schon seit Jahrzehnten für eine
amerikanische Unterstützung zur Bombardierung Irans."
Die israelische Historikerin
Fania Oz-Salzberger teilt im
FAS-Gespräch mit Till Schmidt ihre Einschätzung zur aktuellen Lage in Israel und zur
Zukunft der israelischen Protestbewegung. Die Kritik an der Regierung und das kürzliche Urteil des Obersten Gerichts gegen Teile der Justizreform geben der Bewegung Aufwind, so Oz-Salzberger: "Ja, perspektivisch können wir mit einem Wiederaufleben der Protestbewegung rechnen. Netanjahu erzählt immer wieder, der Krieg
werde noch eine ganze Weile dauern. Ich glaube, aus politischem Kalkül: weil sein Kontrahent Benny Gantz erklärt hat, sich erst nach Kriegsende für Neuwahlen einzusetzen, und weil so viele frühere Anti-Netanjahu-Demonstranten als Soldaten eingebunden sind oder finden, mitten im Krieg sei der Zeitpunkt für politische Proteste nicht richtig. Doch mehr als die Hälfte der Israelis glaubt Netanjahu kein Wort, und sein
Prozess wegen Korruption wurde wieder aufgenommen. Das ist, in einer so existenziellen Situation, keine gute politische Ausgangslage für ihn."
Das Ergebnis der
Beratungen des IGH über einen Eilantrag Südafrikas gegen Israels militärische Intervention im Gaza-Streifen (
unser Resümee) dürfte in jedem Fall enttäuschend für die Kläger sein, meint Ronen Steinke in der
SZ. Maximal "könnte der Gerichtshof donnernd ein Gebot sprechen: Schluss mit den Attacken auf Gaza! Ende aller Kampfhandlungen! Dafür hat die Regierung Südafrikas plädiert, die diesen Fall vor den Gerichtshof gebracht hat. Damit es so weit kommt, müssten die Richterinnen und Richter aber
jegliches Selbstverteidigungsrecht Israels in Abrede stellen (wie es ein Vertreter Südafrikas in der Gerichtsverhandlung auch allen Ernstes getan hat). Und das ist eigentlich
kaum vorstellbar. Wer darauf hofft, dürfte enttäuscht werden."
Durch die Klage Südafrikas rückt der Gaza-Krieg in die
globale Aufmerksamkeit - und das ist auch gut so,
kommentiert indes Dominic Johnson in der
taz. Zwar wünsche sich die israelische Führung, der Konflikt würde als "innere Angelegenheit" betrachtet werden, aber dafür stehe zu viel auf dem Spiel: "Israel hat militärisch zwar die Oberhand über Hamas, liefert mit seiner
menschenverachtenden Kriegsführung in Gaza aber Libanons Hisbollah und Jemens Huthis eine Steilvorlage, sich als die nächsten Widerstandskämpfer zu profilieren statt als die Kriegstreiber, die sie in Wahrheit sind. Es ist wichtig, dass die Weltgemeinschaft insgesamt dieser
Eskalationsspirale entgegentritt. Nicht nur darf Israels Selbstverteidigung nicht Netanjahu überlassen bleiben; auch die Sache der Palästinenser ist zu wichtig, um sie Hamas zu überlassen. Wer Frieden in Nahost will, sollte es begrüßen, wenn der palästinensische Freiheitskampf mit Worten statt Waffen geführt wird. Vor drei Monaten jubelten Palästinenser über den völkermörderischen Hamas-Überfall auf Israel. Jetzt jubeln sie über die Völkermordanklage gegen Israel in Den Haag. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung."