In einem sehr interessanten Beitrag
beschreibt Fariba Adelkhah, wie Liebe und Sex im Iran immer offener diskutiert werden. "Zur Religiosität gehört durchaus auch der
Lebensgenuss, den das stereotype Bild der
schwarz verschleierten Republik gern verbirgt, über den in den theologischen Schulen aber offen debattiert wird. Und in der Tat verhindert das allgemeine Tabu, mit dem die Wünsche der Frau in der Öffentlichkeit belegt werden, nicht, dass dieses Thema allgegenwärtig ist. Wie wäre es sonst zu erklären, dass in aller Offenheit darüber diskutiert wird, wie Impotenz oder vorzeitige Ejakulation das harmonische Eheleben gefährden? Und die Frau selbst verfügt durchaus über Worte oder vielmehr Zeichen, um ihre diesbezüglichen Wünsche zum Ausdruck zu bringen. So signalisiert zum Beispiel ein
auf links getragener Tschador, dass die Frau bereit ist, eine Ehe auf Zeit einzugehen. Und wenn Frauen versuchen, mit verschlüsselten Worten einen Geistlichen um einen intimen Rat zu bitten, dann spielen sie mit Formulierungen wie
'ein umgedrehter Schuh' oder
'der auf dem Kopf stehende Besen' auf die Zulässigkeit von Analverkehr an."
Erstaunlich
findet Philipp Ther, wie wenig sich die
Deutschen der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte mit
Polen bewusst sind. "Und das, obwohl von
1772 bis 1918 Polen und Deutsche
in einem Staat lebten, weil sich Preußen im Zuge der drei Teilungen Polens einen erheblichen Anteil des Nachbarstaates einverleibt hatte. Nur dadurch war Preußen zur europäischen Großmacht aufgestiegen. Und auch die Gründung des Deutschen Reiches von 1871 beruhte auf dem Fortbestand der Teilung Polens. Insofern kann man nur eingeschränkt von einem
Nationalstaat sprechen... Die deutsche Geschichte bekommt jedoch eine andere Färbung, wenn man Preußen, das wilhelminische Deutschland und noch die Weimarer Republik aus einer polnischen oder einer zentraleuropäischen Perspektive betrachtet. Das Deutsche Reich erscheint dann - seinem Namen entsprechend - viel stärker als ein
multinationales Imperium. Deutsch war dieses Reich in seinen östlichen Gebieten wie der Lausitz, Schlesien, Pommern, Westpreußen und Ostpreußen nur bedingt oder auf sehr spezifische Weise. Polnische Einflüsse und Einwanderer prägten aber nicht nur die östlichen Gebiete des Reiches, sondern auch das
Ruhrgebiet."
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