
Beide sind schwarze amerikanische Autoren, beide haben einen bunten Familienstammbaum, beide kommen aus der Mittelklasse, beide sind erfolgreiche Autoren: Aber während
Ta-Nehisi Coates in seiner Essaysammlung "We Were Eight Years in Power: An American Tragedy" Schwarze als ewige Opfer eines Rassismus beschreibt, der quasi unausrottbar sei,
lehnt Thomas Chatterton Williams in der
New York Times Coates' Zuschreibungen nach rassischen Kriterien rundweg ab: "Ich habe in den letzten sechs Monaten über Schriften europäischer und amerikanischer
weißer Nationalisten gebrütet und in dieser Zeit toxische Identitäre wie den alt-right-Gründer
Richard Spencer interviewt. Der schockierendste Aspekt an Coates' Formulierungen ist
das Ausmaß, in dem sie Vorstellungen von Rasse spiegeln - vor allem zur Besonderheit Weißer - die weiße suprematistische Denker schätzen. ... Beide Seiten mystifizieren rassische Identität, die sie als etwas Fixes, Bestimmendes und fast Übernatürliches interpretieren. Für Coates ist
weiß sein ein 'Talisman', ein 'Amulett' von 'unheimlicher Energie', das alle Ungerechtigkeiten erklärt. Für den unsäglichen italienischen Faschisten des 20. Jahrhunderts, die rassistische Ikone
Julius Evola, war es eine 'meta-biologische Kraft', ein kollektiver Geist, der alle Ungerechtigkeiten rechtfertigte. In beiden Fällen sind Weiße ausersehen, einen
besonderen Weg zu gehen. Das ist eine gefährliche Vision vom Leben, die wir ablehnen sollten, egal wer sie beschwört."
Im neuen
Heft des
New York Magazines teilt Wesley Morris ihre durchaus seltene Erfahrung, eine Weile nur noch
Musik von Frauen zu hören und plädiert für einen Popmusik-Kanon von Frauen, für Frauen: "Es handelt sich um ein Problem, das nicht nur im
Rolling Stone vorkommt. Seit 1971 listet eine jährliche Umfrage der
Village Voice Country-Musiker nach Beliebtheit. Das Ergebnis ist fast durchweg männlich. Rankings in anderen Publikationen von
Spin über
Pitchfork bis
New Music Expresss erzählen die gleiche Geschichte. Ebenso wie die 'Rock & Roll Hall of Fame', die
unter 824 Einträgen nur 65 Frauen zählt. 75 Prozent der 300 Grammy-Nominierten für das Album des Jahres sind Männer. Was hier falsch ist, ist allerdings größer als jede Rangliste, größer als eine Liste zu lösen vermag. Die
kulturelle Abwertung von Frauen ist institutionell, infrastrukturell und industriell bedingt. Männer kontrollieren die Musik von Anbeginn. Frauen spielen beim technischen und produzierenen Teil der Musik sowie bei der Labelarbeit nur eine sehr kleine Rolle. Ihr Anteil bei der Kanonisierung der Musik ist gering … Ranglisten sind etwas, das hinterfragt werden sollete. Nicht um Bob Dylan von seinem Thron zu verjagen, aber um zu verstehen, dass es
auch Göttinnen neben ihm gibt."
Ferner: Jordan Kisner
trifft die Schauspielerin
Frances McDormand, die gern komplexe Frauenfiguren spielt. Geoff Dyer
stellt seine Lieblingsband vor: das australische Ambient-Jazz-Trio
The Necks. Und Dorie Greenspan
empfiehlt einen
Reise-Kuchen, der sich wirklich überall mit hinnehmen lässt, wie praktisch.