Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 10.10.2017 - New York Times

Beide sind schwarze amerikanische Autoren, beide haben einen bunten Familienstammbaum, beide kommen aus der Mittelklasse, beide sind erfolgreiche Autoren: Aber während Ta-Nehisi Coates in seiner Essaysammlung "We Were Eight Years in Power: An American Tragedy" Schwarze als ewige Opfer eines Rassismus beschreibt, der quasi unausrottbar sei, lehnt Thomas Chatterton Williams in der New York Times Coates' Zuschreibungen nach rassischen Kriterien rundweg ab: "Ich habe in den letzten sechs Monaten über Schriften europäischer und amerikanischer weißer Nationalisten gebrütet und in dieser Zeit toxische Identitäre wie den alt-right-Gründer Richard Spencer interviewt. Der schockierendste Aspekt an Coates' Formulierungen ist das Ausmaß, in dem sie Vorstellungen von Rasse spiegeln - vor allem zur Besonderheit Weißer - die weiße suprematistische Denker schätzen. ... Beide Seiten mystifizieren rassische Identität, die sie als etwas Fixes, Bestimmendes und fast Übernatürliches interpretieren. Für Coates ist weiß sein ein 'Talisman', ein 'Amulett' von 'unheimlicher Energie', das alle Ungerechtigkeiten erklärt. Für den unsäglichen italienischen Faschisten des 20. Jahrhunderts, die rassistische Ikone Julius Evola, war es eine 'meta-biologische Kraft', ein kollektiver Geist, der alle Ungerechtigkeiten rechtfertigte. In beiden Fällen sind Weiße ausersehen, einen besonderen Weg zu gehen. Das ist eine gefährliche Vision vom Leben, die wir ablehnen sollten, egal wer sie beschwört."

Im neuen Heft des New York Magazines teilt Wesley Morris ihre durchaus seltene Erfahrung, eine Weile nur noch Musik von Frauen zu hören und plädiert für einen Popmusik-Kanon von Frauen, für Frauen: "Es handelt sich um ein Problem, das nicht nur im Rolling Stone vorkommt. Seit 1971 listet eine jährliche Umfrage der Village Voice Country-Musiker nach Beliebtheit. Das Ergebnis ist fast durchweg männlich. Rankings in anderen Publikationen von Spin über Pitchfork bis New Music Expresss erzählen die gleiche Geschichte. Ebenso wie die 'Rock & Roll Hall of Fame', die unter 824 Einträgen nur 65 Frauen zählt. 75 Prozent der 300 Grammy-Nominierten für das Album des Jahres sind Männer. Was hier falsch ist, ist allerdings größer als jede Rangliste, größer als eine Liste zu lösen vermag. Die kulturelle Abwertung von Frauen ist institutionell, infrastrukturell und industriell bedingt. Männer kontrollieren die Musik von Anbeginn. Frauen  spielen beim technischen und produzierenen Teil der Musik sowie bei der Labelarbeit nur eine sehr kleine Rolle. Ihr Anteil bei der Kanonisierung der Musik ist gering … Ranglisten sind etwas, das hinterfragt werden sollete. Nicht um Bob Dylan von seinem Thron zu verjagen, aber um zu verstehen, dass es auch Göttinnen neben ihm gibt."

Ferner: Jordan Kisner trifft die Schauspielerin Frances McDormand, die gern komplexe Frauenfiguren spielt. Geoff Dyer stellt seine Lieblingsband vor: das australische Ambient-Jazz-Trio The Necks. Und Dorie Greenspan empfiehlt einen Reise-Kuchen, der sich wirklich überall mit hinnehmen lässt, wie praktisch.

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - New York Times

Der Aufmacher der neuen Ausgabe des New York Times Magazines klingt alarmistisch. Jim Rutenberg vermeldet einen neuen "Propagandakrieg" Russlands gegen den Westen. Ob der Fall Lisa in Deutschland, Brexit oder die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, Plattformen wie der staatsfinanzierte Auslandsfernsehsender RT (ehemals Russia Today) oder das Nachrichtenportal Sputnik haben die Finger im Spiel, meint Rutenberg. Dabei unterscheidet sich Erscheinungsbild und Programmgestaltung von RT qualitativ oft kaum von konventionellen meinungsstarken Kabelnachrichten, lernt er. Im Zuge seiner Recherchen landet er schließlich bei John Kelly, Gründer der "Social Media"-Marketing- und Analysefirma Graphika, der seit 2007 die sozialen Medien im Iran und in Russland analysiert sowie die Verbreitung von Fake News in den Sozialen Medien untersucht. "In Netzwerk der fake news steht RT weit oben auf seiner Liste der Accounts, denen die Leute am häufigsten folgen, erklärt Kelly, aber es ist nicht der populärste. Es steht auf Platz 117 von etwa 12.000 Accounts, die er verfolgt. RTs Webseite war die von Fake-News-Konsumenten am zwölfthäufigsten zitierte Quelle, vor der New York Times und der Washington Post aber hinter Breitbart und Infowars. Interessanter ist, wer RT folgt. Es zieht substantielle Leser aus allen Quadranten von Kellys Fake-News-Universum an - Anhänger von Trump wie Anhänger von Bernie Sanders, Unterstützer von Occupy Wall Street wie Libertäre - das macht RT zu etwas besonderem. 'Die Russen pumpen nicht nur den rechten Flügel auf', sagt Kelly. 'Sie pumpen auch den linken Flügel auf - sie pumpen praktisch die Ränder auf, auf Kosten der Mitte.'"

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - New York Times

Die New York Times schaut bekümmert auf verlassene italienische Dörfer. Deborah Needleman sieht mit ihnen auch alte Handwerkskünste und gar Italiens bäuerliche Seele in Gefahr: "Obwohl diese Dörfer das Herz der italienischen Geschichte und der bäuerlichen Tradition ausmachen, hat die Regierung bisher wenig unternommen, um sie zu bewahren. Das 2017 initiierte 'Jahr des Dorfes' hat Bewohner und Bürgermeister immerhin dazu angespornt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und gelegentlich geniales wie witziges Erfindertum hervorgebracht. So preisten sich Weiler wie das mittelalterliche Pratariccia auf eBay als 'gebraucht' zum Verkauf an, und der Bürgermeister von Bormida, Ligurien, offerierte jedem, der in sein Dorf zieht, 2000 Dollar. Inzwischen musste er die Offerte zurückziehen, so viele meldeten sich … Der Bürgermeister von Sutera auf Sizilien öffnete sein nahezu verlassenes Dorf den Opfern einer Schiffskatastrophe vor Lampedusa. Um den afrikanischen Flüchtlingen die Integration zu erleichtern, wurden sie mit ansässigen Familien zusammengebracht und von Einwohnern mit Italienisch-Kursen versorgt. Anfangs gab es Widerstand, doch der ebbte ab angesichts der Energie, die die Neuankömmlinge in die Region brachten. Heute sieht man junge Nigerianer zusammen mit Alteingesessenen beim Espresso, und die Dorfkinder haben neue Mitspieler beim Fußball. Jeden Sommer gibt es ein Festival mit traditionellen Speisen, Musik und Tanz aus der Heimat der Migranten."

Magazinrundschau vom 29.08.2017 - New York Times

Im aktuellen New York Times Magazine wartet Peter de Jonge mit einer steilen These zum Tennis auf: Seiner Meinung nach spielt Roger Federer mit seinen immerhin 36 Jahren das beste Tennis seines Lebens: "Was die echten Stars vom Rest trennt, ist der Optimismus. Ein Match ist voller Frustrationen, sie lauern in jedem Satz, jedem Spiel, Punkt, Breakball. Es gilt, das große Ganze im Blick zu behalten. McEnroe konnte das nicht. Einem Nick Kyrgios gelingt es nie lange, und sogar einem Djokovic fällt es immer schwerer. Federer verfügt nicht nur über das vielfältigste Spiel von allen, er hat auch die besten Voraussetzungen. Seine mühelose Eleganz lässt leicht vergessen, dass auch er Rückschläge hinnehmen musste … Selbst wenn Nadal ihn viermal in einem Jahr besiegte, nahm Federer es nicht persönlich … 'Am Ende ist es nur ein Spiel, und man muss darüber hinweg kommen', meint Federer. 'Ich möchte nicht, dass meine Kinder fragen müssen, was mit mir los ist.' Aber das bedeutet nicht, dass alles spurlos an ihm vorbeigeht. 'Es gibt Narben, das ist sicher', sagt er."
Stichwörter: Tennis, Federer, Roger, Narben

Magazinrundschau vom 22.08.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine fragt sich Wil S. Hylton, wie die trumpnahe Nachrichten- und Meinungsplattform Breitbart News strukturiert und ob sie nur provokativ oder auch gefährlich ist: "Tatsächlich ist das Impressum internationaler als die Nachrichtenportale, für die ich gearbeitet habe, frauen- und minoritätenfreundlich … Unterlaufen wird das durch die Tatsache, dass die anstößigen Artikel der Seite ausgerechnet von Leuten geschrieben werden, die aus demografischer Sicht eigentlich dagegen sein müssten. Idenditätspolitisch geht es verquer zu: Der Lateinamerika-Korrespondent ist ein spanischer Muttersprachler, der seine Rechtsaußen-Sicht der kubanischen Exilgemeinde verdankt. Und ein Hetzartikel zum Thema 'black crime' kommt von einem schwarzen Konservativen, der befürchtet, die Thematisierung von Polizeigewalt gehe zu Lasten der Bekämpfung von Bandenkriminalität … Breitbart zu legitimieren ist problematisch. Weil konventionelle Nachrichtenportale selbst ums Überleben kämpfen, aber auch, da das ganze Nachrichten-Konzept sich im Wandel befindet. Viele Reporter heute halten Objektivität für ein lobenswertes, aber abstraktes Ziel. Fakten zu verifizieren und auf bloße Meinung zu verzichten, mag einen Autor qualitativ aufwerten. Doch generell führt der Trend weg vom Konzept der Objektivität, nicht darauf zu."

In der New York Times kauft John Herrman den sozialen Plattformen das demokratische Ethos nicht ab: "Sie bedienten sich der Sprache des Rechts, um willkürliche Regeln zu legitimieren und verschafften sich damit, wie es die Tech-Anwältin Kendra Albert nennt, einen 'juristischen Talisman'. Das war vor allem operativ bequem und sogar nützlich: Wie könnte man besser Haftung und Verantwortung von sich weisen für die Art, wie Kunden ein Produkt benutzen?"

Außerdem: Declan Walsh untersucht den Fall des in Kairo gefolterten und getöteten italienischen Studenten Giulio Regeni. Und Amanda Hess überlegt, wohin die öffentliche Diskussion über sprachliche, strukturelle und symbolische Gewalt wohl führt.

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - New York Times

Im aktuellen New York Times Magazine begegnet Ruth Franklin den weiblichen Helden in den Romanen der amerikanischen Schriftstellerin Claire Messud und entdeckt ein literarisches Tabu: "Messuds Bücher haben weniger Öffentlichkeit bekommen als vergleichbare Romane von Jonathan Franzen, Jennifer Egan, Donna Tartt oder Colson Whitehead. Der Grund ist vielleicht die Beschäftigung mit eher unsichtbaren Geschichten, denjenigen unorthodoxer Frauen und ihrer Beziehungen untereinander, als Töchter, Schwestern, beste Freundinnen. Lange vor Elena Ferrantes Erfolg mit der Geschichte der komplexen, lebenslangen Freundschaft zweier Frauen, hat Messud dergleichen schon mit ungewöhnlicher Intensität erzählt und weibliches Innenleben zum Objekt ernsthafter Betrachtung gemacht … Das literarische Tabu betreffend Frauen mit 'ungehörigen' Gefühlen ist nur ein Teil des Problems, das Autorinnen und Leserinnen lange beschäftigt: ein männlich dominierter literarischer Kanon, der nur eine beschränkte Sicht auf die Frau gestattet. Schon vor 90 Jahren wies Virginia Woolf darauf hin, dass Frauen in der Literatur fast ausschließlich in ihrer Beziehung zu Männern gezeigt werden. Und wenn sie in Beziehung zu anderen Frauen auftreten, so Woolf weiter, dann nur in vereinfachter Weise."

Anlässlich einer fatal missglückten Initiation des Amerikaners Michael Deng in eine Bruderschaft seiner Universität, die mit dem Tod Dengs endete, berichtet Jay Caspian Kang von der tödlichen Suche nach asiatisch-amerikanischer Identität. Anders als Afroamerikaner, die das Erbe der Sklaverei verbindet, ist "Asian Americans" für Kang nur ein leerer Begriff. "Michael Deng und seine Brüder in der Verbindung kamen aus chinesischen Familien und waren in Queens aufgewachsen. Sie haben nichts mit mir gemeinsam - als jemand, der in Korea geboren wurde und in Boston und North Carolina aufwuchs. Wir teilen einige Stereotype - Tigermütter, Musikstunden und den unhinterfragten Marsch zum Erfolg, wie immer der definiert ist. Meine koreanische Erziehung, stellte ich fest, hat mehr gemein mit der von Kindern jüdischer oder westafrikanischer Immigranten als mit der von Chinesen oder Japanern in den Vereinigten Staaten, mit denen ich nur die Angst teile, dass wenn ich gegen die Wand gedrängt werde, es dem anderen neben mir höchstwahrscheinlich ebenso ergeht." Dass das Konzept "asiatisch-amerikanisch" existiert und Konsequenzen hat, wurde den meisten Amerikanern erst bewusst, als der chinesischstämmige Amerikaner Vincent Chin 1982 von Weißen erschlagen wurde, die japanische Importe für den Niedergang der amerikanischen Autoindustrie verantwortlich machten.

Außerdem: Caelainn Hogan erzählt von der schwierigen Situation krebskranker syrischer Kinder und ihrer Familien in einem Land im Krieg.

Magazinrundschau vom 08.08.2017 - New York Times

In der New York Times gefällt uns eine Reportage von Michael Kimmelman, der sich der neuen Londoner U-Bahn namens Crossrail annimmt, Europas größtes Infrastruktur-Projekt und ein echtes Zukunftsversprechen, doch das war vor Brexit: "Megaprojekte wie die Erneuerung von King's Cross, die Erweiterung von Heathrow oder eben Crossrail, sollen London zur großen europäischen Metropole machen, einem melting pot des 21. Jahrhunderts einem Sybaris der Kulturen und des freien Marktes, zugleich verschärfen sie die unterschwelligen urbanen Schwächen und befeuern Ressentiments gegen die Stadt. Crossrail war gedacht als eine Art demokratisierendes Korrektiv, das die Stadt zugleich schrumpfen und als Vision Londons als große, inkludierende Metropole auch expandieren sollte. Während es Banker in hoher Geschwindigkeit zwischen ihren Büros, ihren Multimillion-Dollar-Apartments und Heathrow hin- und herkatapultiert hätte, hätte es auch Millionen bisher marginalisierten Geringverdienern ohne Chance auf eine Bleibe im Zentrum ermöglichen sollen, in billigeren Gegenden weit weg von ihrer Arbeitsstelle zu wohnen. Doch was, wenn der Strom zuziehender Banker abreißt und Zuwanderer sich woanders umschauen? Was wenn die Exzesse aus Euro-Geld und Euro-Arbeitskraft, die das Wachstum anfeuerten, plötzlich aufhören?"
Stichwörter: Crossrail, Brexit, London, Exzess

Magazinrundschau vom 01.08.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des Magazins erkundet Alex W. Palmer die Situation von Chinas Menschenrechtsanwälten, die heute dramatischer ist denn je: "Anwälte wie Liang Xiaojun befassen sich mit Meinungsfreiheit, Arbeitsrecht, religiöser Freiheit, Rechten von Homosexuellen und Transgender. Ihr gemeinsamer Gegner heißt in jedem Fall: Angst … Der Druck auf sie wird langsam erhöht. Zunächst werden sie zum 'Tee' bei der Polizei eingeladen. Woran arbeiten sie gerade, fragt der Officer. Und ihre Kollegen? Wie kommen ihre Kinder mit dem neuen Lehrer zurecht? Das genügt oft, um den Anwalt zum Umdenken zu bewegen. Wer weitermacht, auf den wird der Druck erhöht. Besuche des Justizamtes, Nachrichten vom Aufpasser der Regierung ('Sehen Sie sich vor, was Sie heute auf dem Meeting sagen'), die sowohl einschüchternd wirken als auch als Erinnerung daran dienen, dass man beobachtet wird. Der Druck kann erschreckend persönlich werden. Zwischen Druck und Entspannung wechselnd, kann ein Aufpasser sein 'Objekt' die eine Woche zum Essen einladen, die nächste zum Verhör. Häufig werden Euphemismen verwendet. Es heißt, man hat mit jemandem 'gesprochen' anstatt er wurde 'bedroht', jemand wird 'erzogen', nicht 'diszipliniert'. Angst vor Gewalt und Verhaftung werden alltäglich."

Außerdem: Sam Anderson und der Fotograf Luca Locatelli klettern durch die uralten Marmorbrüche Norditaliens. Und Alex French stellt fest, dass Hollywood inzwischen aus jedem x-beliebigen Smartphone-Game einen Film (und viel Geld) machen kann, Plot hin oder her.

Magazinrundschau vom 25.07.2017 - New York Times

In einem langen Feature der neuen Ausgabe des Magazins begibt sich James Verini in die Hölle von Mossul. Zwar gilt die Stadt als befreit, doch ein Ende des Krieges ist nicht abzusehen: "Bis Mai waren große Teile der westlichen Stadt zurückerobert, die Altstadt war eingekreist. Die Soldaten ware bereit für das Ende der Schlacht, dieses Krieges. Man konnte es an ihrer Haltung sehen, in ihren Gesichtern, der Art, wie sie die Waffen hielten. Am Ende hat die Schlacht um Mosul rund tausend Mitglieder der Special Forces und Tausende Zivilisten das Leben gekostet. Ich fragte einen Soldaten, was er jetzt vorhätte. 'Nach Hawija oder Tal Afar', meinte er. Zu den letzten Hochburgen des IS im Irak also. 'Es ist ein Vertrag bis zum Tod.' In seiner Stimme lag eine Müdigkeit, die über diese Orte hinausreichte, bis über den offiziellen Sieg über den IS. Wie jeder wusste er, dass der Aufstand nicht vorüber war, sondern in den Untergrund gehen, so wie Al Qaida, und auf eine neue politische oder konfessionelle Krise warten würde. Das Warten wird womöglich nicht lange dauern. So wie diesem Krieg vergangene Kriege eingeschrieben sind, sind die Hinweise auf kommende Kriege dem Irak von heute eingebrannt. Schiitische Militärs versuchen Sunni-Land zu kontrollieren. Sunni-Militärs expandieren ihrerseits. Kurdische Peschmerga rüsten sich für die Verteidigung des von ihnen während des Kampfes gegen den IS besetzten Landes."

Außerdem: John Herrman fürchtet sich vor der weiter expandierenden Amazon-Arbeitswelt. In der Book Review geht's unter anderem um Ayobami Adebayos Debütroman "Stay with me", einen amerikanischen Krimi aus dem Périgord sowie zwei Bücher über Leben und Sterben in Syrien, Alia Maleks "The Home That Was Our Country" und Wendy Pearlmans "We Crossed a Bridge and It Trembled".

Magazinrundschau vom 11.07.2017 - New York Times

Die New York Times druckt ein E-Mail-Interview, das der Philosoph George Yancy über mehrere Wochen hinweg mit Noam Chomsky geführt hat. Es geht um Trump und den grässlichen Stand der Dinge, den Chomsky folgendermaßen umreißt: "Die wichtigsten Themen derzeit sind Klimawandel und Atomkrieg. Beim ersten sind die Republikaner gerade dabei, sämtliche Chancen auf ein Überleben zu zerstören, dagegen gilt es anzugehen … Betreffend den zweiten Punkt bietet Syrien gefährliches Konfrontationspotenzial. Trumps Fortführung von Obamas Programm zur Modernisierung der Nuklearwaffen ist äußerst gefährlich. Das Thema wird detailliert in einem wichtigen Artikel im 'Bulletin of the Atomic Scientists' vom März diskutiert, der Text sollte wirklich Schlagzeilen machen. Die Autoren, alles hoch respektable Analysten, stellen fest, dass das Programm zur Modernisierung der Nuklearwaffen die tödliche Macht um ca. den Faktor drei verstärkt habe. Die Folge sei erwartbar, ziehe man in Betracht, dass eine Nuklearmacht einen nuklearen Krieg dadurch zu gewinnen trachte, dass sie den Feind durch einen Erstschlag überrascht. Das bedeutet, russische Militärstrategen könnten im Moment einer Krise, von denen es allzu viele gibt, angesichts fehlender Abschreckungsmittel schlussfolgern, dass ein Erstschlag die einzige Hoffnung auf Überleben birgt. Das wäre das Ende von uns allen."